Die Schilddrüse gehört zu den sogenannten endokrinen, also hormonproduzierenden Organen. Sie produziert Schilddrüsenhormone, speichert sie und schüttet sie in den Körper aus. Ihre Aktivität wird durch das Zwischenhirn (Hypothalamus) und die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gesteuert.
Es gibt zwei Schilddrüsenhormone, das Trijodthyronin (T3) und das Tetrajodthyronin (T4). Hiervon ist das T3 das stoffwechselaktive Hormon. Dies wirkt auf die Grundaktivität jeder Zelle. Aus diesem Grunde sind Schilddrüsenhormone überlebenswichtig. Fehlen sie über längere Zeit, führt das zum Tod.
Schilddrüsenerkrankungen kann man nach der vorliegenden Stoffwechsellage einteilen. Man unterscheidet:
- Hypothyreote Schilddrüsenerkrankungen (Schilddrüsenunterfunktion) wie Hashimoto-Thyreoiditis
- Hyperthyreote Schilddrüsenerkrankungen (Schilddrüsenüberfunktion) wie autonomes Adenom (heißer Knoten), Morbus Basedow mit generalisierter Überfunktion und Augenproblemen (endokrine Orbitopathie)
- Euthyreote Schilddrüsenerkrankungen (normale Schilddrüsenfunktion) wie Knotenstrumen verschiedener Größe („Kropf“)
Von diesen gutartigen Schilddrüsenerkrankungen sind die sehr seltenen bösartigen Schilddrüsentumore abzugrenzen.

Die Schilddrüse produziert lebenswichtige Organe. Sie kann von verschiedenen Störungen betroffen sein © eddows | AdobeStock
Die Symptome bei Schilddrüsenerkrankungen hängen im Wesentlichen von der Stoffwechsellage der Schilddrüse ab.
Bei einer Überfunktion kommt es zu einer Überaktivität aller Körperzellen. Dies äußert sich klinisch als
- Nervosität,
- Unruhe,
- Hitzeempfindlichkeit,
- Gewichtsabnahme,
- Durchfall,
- Haarausfall oder
- Herzrasen.
Im Gegensatz dazu bewirkt eine Unterfunktion
- Müdigkeit,
- Antriebslosigkeit,
- Gewichtszunahme und
- Obstipation (Verstopfung).
Weiterhin kann es bei Schilddrüsenerkrankungen durch eine stark vergrößerte Schilddrüse zu lokalen Symptomen wie
- Schluckstörungen,
- einem Kloßgefühl,
- Luftnot und
- Heiserkeit
kommen.
Nicht jede Schilddrüsenerkrankung bedarf einer operativen Therapie. In einigen Fällen ist eine medikamentöse Therapie ausreichend. In ausgewählten Fällen stehen alternative Behandlungsmethoden (Radio-Jod-Therapie) zur Verfügung.
Eine Schilddrüsen-Operation ist in den folgenden Fällen indiziert:
- Szintigraphisch kalte Knoten,
- medikamentös nicht behandelbare hyperthyreote Schilddrüsen,
- erheblich vergrößerte Schilddrüsen mit Luftnot oder Schluckstörungen,
- Autoimmunerkrankungen mit Augenveränderungen und
- Schilddrüsen-Karzinome.
Viele Kliniken bieten den Patienten ambulante Beratungen an. Das heißt, sie werden von einem Facharzt untersucht und beraten.
Zur Untersuchung der Schilddrüse gehört auch eine Ultraschallkontrolle. Bei Vorliegen aller Befunde wird der Patient über die möglichen Therapieoptionen informiert. Dazu gehören
- medikamentöse Therapie,
- Radio-Jod-Therapie,
- Operation.
Bei notwendiger Operation steht in Abhängigkeit vom persönlichen Risikoprofil des Patienten eine stationäre oder vorstationäre Behandlung zur Auswahl.
Vor der Behandlung sollte eine HNO-ärztliche Untersuchung zur Kontrolle der Stimmbandnerven durchgeführt werden.
Mindestens 10 Tage vor der Operation darf der Patient keine gerinnungshemmenden Medikamente wie
- Aspirin,
- ASS 100 oder
- Plavix
mehr einnehmen.
48 Stunden vor dem Eingriff sollte er Diabetesmedikamente aus der Gruppe der Biguanide (z.B. Glucophage, Metformin, Mescorit) absetzen.
Bei vorstationärer Behandlung sollte der Patient am Operationstag nüchtern in die Klinik kommen.
Eine Schildldrüsenoperation erfolgt immer in Vollnarkose.
Über einen ca. 3 bis 5 cm großen Schnitt am Hals wird das krankhaft veränderte Gewebe entfernt. Ziel sind kleine und kosmetisch schöne Narben.
Finden sich Veränderungen nur auf einer Seite, wird nur der betroffene Lappen entfernt (Hermithyreoidektomie). Bei
- ausgedehnten knotigen Veränderungen,
- erheblicher Vergrößerung oder
- Autoimmunerkrankungen
wird das gesamte Organ entfernt (Thyreoidektomie). Bei bösartigen Schilddrüsentumoren ist in Abhängigkeit des Typs auch eine zusätzliche Entnahme der umgebenden Lymphknoten notwendig.
Nahe der Schilddrüse befinden sich auch die Stimmbandnerven. Um die Stimme des Patienten nicht zu beeinträchtigen, müssen diese bei allen Schilddrüsen-Operationen speziell beachtet werden. Die Chirurgen überwachen ihre Funktion durch ein sogenanntes „Neuro-Monitoring“ während der Operation.
Dadurch lässt sich die Operation an der Schilddrüse sicherer ohne Schädigung der wichtigen Stimmbandnerven durchführen.
Nach der Operation erfolgt am 2. bis 3. postoperativen Tag eine HNO-ärztliche Kontrolle der Stimmbandnerven.
Der stationäre Aufenthalt beträgt meist 3 bis 4 Tage. Je nach Ergebnis der feingeweblichen Untersuchungen und der durchgeführten Operation ist eine lebenslange Gabe von Schilddrüsenhormonen notwendig.
Wurde bei der Operation Schilddrüsengewebe belassen, empfiehlt sich zur Rezidivprophylaxe (erneute Knotenbildung) die Einnahme von Jodtabletten bzw. eines Jod-/Hormonkombinationspräparates.
Was sind typische Symptome einer Schilddrüsenerkrankung?
Typische Symptome einer Schilddrüsenerkrankung hängen von einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse ab. Bei Schilddrüsenunterfunktion treten häufig Gewichtszunahme, Müdigkeit und depressive Verstimmung auf, während bei Schilddrüsenüberfunktion Symptome wie Schwitzen, Nervosität und Herzklopfen dominieren. Die Symptome sind vielfältig und können je nach Art der Erkrankung unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Was ist der Unterschied zwischen Schilddrüsenunterfunktion und Schilddrüsenüberfunktion?
Bei der Schilddrüsenunterfunktion, auch Hypothyreose genannt, produziert die Schilddrüse zu wenige Schilddrüsenhormone. Bei der Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperthyreose produziert die Schilddrüse zu viele Hormone. Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Überfunktion der Schilddrüse durch Antikörper ausgelöst wird.
Wie werden Schilddrüsenerkrankungen diagnostiziert?
Die Diagnostik umfasst eine Blutuntersuchung mit Bestimmung von TSH, T3 und T4 sowie Antikörpern. Zusätzlich werden Ultraschall zur Beurteilung von Größe der Schilddrüse und Struktur des Schilddrüsengewebe durchgeführt. Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung können auch weitere Verfahren notwendig sein, um Knoten in der Schilddrüse oder Tumor auszuschließen.
Welche Ursachen haben Schilddrüsenerkrankungen?
Ursachen von Schilddrüsenerkrankungen sind vielfältig. Jodmangel kann zu Vergrößerung der Schilddrüse und Struma führen. Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow sind ebenfalls häufige Auslöser. Daneben können Entzündung, angeborene Störungen oder bösartig verändertes Gewebe eine Rolle spielen.
Wie werden Schilddrüsenerkrankungen behandelt?
Die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen richtet sich nach der Art der Erkrankung. Eine Unterfunktion der Schilddrüse wird meist mit Thyroxin medikamentös behandelt. Bei Überfunktion kommen Thyreostatika, Radiojodtherapie oder in bestimmten Fällen die Entfernung der Schilddrüse infrage. Entscheidend ist eine individuell angepasste Therapie und regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenfunktion.