Diagnose von Schilddrüsenkrebs: Ultraschall, Szintigraphie, Feinnadelbiopsie & Lymphknoten

13.10.2025
Prof. Dr. med. Ulrich Mittelkötter
Medizinischer Fachautor

Schilddrüsenkrebs ist eine seltene, bösartige Tumorerkrankung der Schilddrüse. In Deutschland erkranken jährlich rund 5.000–6.000 Menschen; Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Zu Beschwerden kommt es oft erst in späten Stadien, dennoch sind die Aussichten insgesamt gut: Je nach Tumorform liegen die Heilungschancen bei bis zu 90 Prozent. Das Schilddrüsenkarzinom umfasst unterschiedliche Typen mit teils deutlich abweichendem Verlauf und Behandlungskonzept.

Hier finden Sie kompakte Informationen zu Schilddrüsenkrebs, Hinweise zur Diagnose und Therapie sowie ausgewählte Spezialzentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: C73

Kurzübersicht:

Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) ist eine seltene, bösartige Erkrankung der Schilddrüse mit jährlich ca. 5.000–6.000 Fällen in Deutschland. Frauen sind häufiger betroffen. Meist bleibt die Krankheit lange symptomlos, Warnzeichen sind tastbare Knoten, Heiserkeit oder vergrößerte Lymphknoten. Zur Diagnose dienen Tastuntersuchung, Ultraschall, Szintigraphie, Feinnadelbiopsie sowie Bildgebung zur Beurteilung von Metastasen und Lymphknoten. Die Behandlung richtet sich nach dem Tumortyp: Operation (Teil- oder vollständige Entfernung der Schilddrüse), Radiojodtherapie und lebenslange Hormonsubstitution sind Standard, beim medullären Typ erfolgt zusätzlich eine genetische Abklärung. Die Prognose ist bei papillären und follikulären Karzinomen sehr günstig (Heilungsraten bis 90 %), während anaplastische Karzinome einen aggressiveren Verlauf haben.

Artikelübersicht

Definition: Was ist Schilddrüsenkrebs?

Schilddrüsenkrebs ist eine seltene, bösartige Krebserkrankung der Schilddrüse. Dabei entarten Zellen des Organs und bilden einen Tumor. In der Fachsprache wird Schilddrüsenkrebs als Schilddrüsenkarzinom bezeichnet; gelegentlich findet sich auch der Begriff Struma maligna („bösartiger Kropf“).

Begriffe auf einen Blick

  • Schilddrüsenkrebs / Schilddrüsenkarzinom: bösartige Neubildung in der Schilddrüse
  • Gutartig vs. bösartig: Knoten oder Vergrößerungen können harmlos sein, Krebs ist es nicht
  • Organ: Die Schilddrüse produziert u. a. Schilddrüsenhormone und sitzt im Halsbereich

Wichtige Abgrenzung:
Nicht jede Veränderung an der Schilddrüse ist Krebs. Häufige Ursachen einer Struma (Schilddrüsenvergrößerung) sind Jodmangel, eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder gutartige Zysten. Auch Knoten in der Schilddrüse sind oft gutartig. Nur in seltenen Fällen handelt es sich tatsächlich um ein Schilddrüsenkarzinom.

Schilddrüsenvergrößerung Struma
Bei Schilddrüsenkrebs kann es zu einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) kommen © amazing studio | AdobeStock

Welche Typen von Schilddrüsenkrebs gibt es?

Beim Schilddrüsenkarzinom werden – je nach Ursprungsgewebe des Tumors – vier Hauptformen unterschieden. Diese Karzinome unterscheiden sich hinsichtlich Wachstum, Ausbreitung (Metastasen), Therapie und Prognose.

  • Papilläres Schilddrüsenkarzinom (häufigste Form)
    Der Altersgipfel liegt zwischen 40–50 Jahren. Oft bestehen ein Knoten oder mehrere Herde (multifokal) in der Schilddrüse. Die Absiedlung erfolgt bevorzugt über den Lymphweg; Lymphknotenmetastasen sind daher nicht selten. Insgesamt sehr gute Heilungsaussichten. (= „papillären“ Typ)
  • Follikuläres Schilddrüsenkarzinom
    Geht von den Follikelzellen aus, tritt häufiger im Alter von 50–60 Jahren auf und bildet meist einen einzelnen Knoten. Metastasiert eher hämatogen (z. B. Lunge, Knochen). Ebenfalls gute Behandelbarkeit. (= „follikulären“ Typ)
  • Medulläres Schilddrüsenkarzinom (C-Zell-Karzinom)
    Entsteht aus C-Zellen, die Calcitonin produzieren. Wächst meist langsam, befällt jedoch früh Lymphknoten im Halsbereich und später andere Organe; teils familiär/genetisch bedingt. (= „medulläre/medullären“ Form)
  • Anaplastisches Schilddrüsenkarzinom (selten, sehr bösartig)
    Tritt überwiegend jenseits des 60. Lebensjahres auf, wächst rasch und bildet früh Metastasen. Hier ist die Erkrankung oft bereits fortgeschritten, was die Behandlung erschwert.

Papilläre und follikuläre Varianten gelten als differenzierte Schilddrüsenkarzinome mit insgesamt günstigerer Prognose; das anaplastische Karzinom verläuft dagegen deutlich aggressiver.

Schilddrüsenkrebs
Das papilläre Schilddrüsenkarzinom kommt am häufigsten vor © bilderzwerg | AdobeStock

Häufigkeit & Risikofaktoren bei Schilddrüsenkrebs: Jod, Strahlung, familiär/genetisch

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 5.000–6.000 Menschen an Schilddrüsenkrebs. Rund 700–800 Betroffene sterben daran; das entspricht ca. 0,2–0,3 % der krebsbedingten Todesfälle.

  • Rangfolge der Neuerkrankungen: Platz 15 bei Männern, Platz 14 bei Frauen.
  • Frauen sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer.
  • Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei ca. 55 Jahren.
  • Schilddrüsenkrebs kann in jedem Alter auftreten, häufiger jedoch ab dem mittleren Lebensalter.
  • International wird eine Zunahme in allen Altersgruppen beobachtet.
  • Das papilläre Karzinom ist der mit Abstand häufigste Schilddrüsenkrebs.

Trotz seiner insgesamt seltenen Auftretensweise zählt das Schilddrüsenkarzinom zu den relevanten Krebserkrankungen der Schilddrüse.

Entstehung von Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs gehört zu den bösartigen Tumoren der endokrinen Organe und entwickelt sich aus entarteten Schilddrüsenzellen innerhalb des Schilddrüsengewebes. Grundsätzlich können zwei Zelllinien betroffen sein:

Zu den Ursachen für die Entstehung zählen u. a. genetische Faktoren und frühere Strahlenexposition.

  • Hormonbildende Zellen (Follikelzellen), die Schilddrüsenhormone produzieren – Grundlage der differenzierten Karzinome (z. B. papillär, follikulären).
  • C-Zellen, die Calcitonin bilden – Ursprung des medullären Schilddrüsenkarzinoms.
  • Knoten in der Schilddrüse verdienen besondere Aufmerksamkeit:
  • In der szintigraphischen Diagnostik zeigen sich funktionsarme Areale als „kalte Knoten“.
  • Solche suspekten Befunde stehen gehäuft im Zusammenhang mit einem bösartigen Tumor und erfordern weitere Abklärung.
  • In der Ultraschalluntersuchung fallen Risikoläsionen häufig durch geringe Echogenität auf.
  • Das Risiko für Schilddrüsenkrebs ist erhöht bei ionisierender Strahlung im Kindesalter und bestimmten familiären Konstellationen.

Bedeutung für Klinik und Planung: Die Gewebeart des Schilddrüsenkarzinoms beeinflusst Therapie und Prognose maßgeblich – von gut behandelbaren differenzierten Schilddrüsenkarzinomen bis zu undifferenziert wachsenden Formen.

heiße und kalte Knoten - Schilddrüse
Bei sogenannten "kalten Knoten" ist eine nähere Untersuchung notwendig © bilderzwerg | AdobeStock

Ausbreitung und Risikofaktoren 

Wie jeder bösartige Tumor kann Schilddrüsenkrebs in umliegendes Gewebe und benachbarte Organe einwachsen. In fortgeschrittenen Stadien entstehen häufig Metastasen:

  • Lymphogene Ausbreitung: zunächst in regionale Lymphknoten.
  • Hämatogene Ausbreitung: Fernabsiedlungen über die Blutbahn, bevorzugt Lunge und Knochen.

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom tritt in einem relevanten Anteil familiär auf und kann genetisch bedingt sein. Es ist nicht selten mit Neubildungen des Nebennierenmarks sowie der Nebenschilddrüsen vergesellschaftet.

Strahlenexposition gilt als wichtiger Risikofaktor:

  • Ionisierende/energiereiche Bestrahlung, z. B. Röntgenbestrahlung des Halsbereichs im Kindesalter.
  • Nach radioaktiven Ereignissen wurde in exponierten Regionen eine erhöhte Rate an Schilddrüsenkrebs beobachtet.

Wichtig zur Einordnung: Eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) ist allein kein Risikomerkmal für ein Karzinom. Erst Gewebe-Veränderungen oder neu aufgetretene Knoten erfordern eine gezielte ärztliche Abklärung.

Symptome von Schilddrüsenkrebs

Meist verursacht Schilddrüsenkrebs im Frühstadium keine Beschwerden. Viele Symptome treten erst später auf oder sind unspezifisch.

Warnzeichen, die ärztlich abgeklärt werden sollten:

  • Rasch zunehmende Schilddrüsenvergrößerung innerhalb weniger Wochen, derber Tastbefund
  • Neue, tastbare Verhärtungen im Halsbereich (ggf. auch vergrößerte Lymphknoten)
  • Druckgefühl am Hals, Schluckbeschwerden, Luftnot oder Hustenreiz
  • Plötzlich auftretende Heiserkeit (sofortige Abklärung empfohlen)

Die veränderte Schilddrüse liegt nahe an Luftröhre, Kehlkopf, Speiseröhre und dem Stimmbandnerv. Deshalb können Beschwerden durch Druck auf umgebende Strukturen entstehen. Nicht jedes Zeichen bedeutet eine bösartige Erkrankung – auffällige Befunde sollten jedoch medizinisch beurteilt werden. Schmerzen sind selten und fehlen häufig.

SchilddrüsenvergrößerungEine Schilddrüsenvergrößerung und tastbare Knoten sind mögliche Symptome von Schilddrüsenkrebs © medistock | AdobeStock

In den meisten Fällen ist eine ärztliche Abklärung nötig, um eine gutartige Struma von einem Karzinom zu unterscheiden.

Diagnose von Schilddrüsenkrebs

Eine frühe Erkennung ist entscheidend für Verlauf und Therapie. Am Anfang stehen Anamnese und körperliche Untersuchung: Ärztinnen und Ärzte erfassen Beschwerden, deren Dauer, familiäre Häufungen sowie mögliche Exposition gegenüber ionisierender Strahlung – insbesondere im Kindes- und Jugendalter. Die Diagnose von Schilddrüsenkrebs stützt sich auf Anamnese, Ultraschall, Szintigraphie und Feinnadelbiopsie.

Untersuchungsmethoden zur Abklärung:

  • Tastuntersuchung des Halses (Palpation von Schilddrüse und Lymphknoten)
  • Ultraschall der Schilddrüse (Beurteilung von Knoten, Größe, Begrenzung, Echogenität)
  • Szintigraphie (heiße/kalte Knoten)
  • Labor (u. a. Schilddrüsenhormone; Calcitonin bei Verdacht auf medulläre Form)
  • Bildgebung bei Bedarf: Röntgen, CT, MRT
  • Feinnadelbiopsie (zytologische Abklärung)
  • Genetische Analyse bei entsprechenden Konstellationen

Tastuntersuchung des Halses

Mit beiden Händen wird die Schilddrüse auf Größe, Oberfläche und Schluckverschieblichkeit geprüft. Feste, schlecht verschiebliche Läsionen oder druckdolente Areale sind abklärungsbedürftige Befunde. Zusätzlich wird der Hals auf vergrößerte Lymphknoten abgetastet.

Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse

Besteht nach der Palpation ein Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, folgt der Ultraschall. Er liefert Informationen zu Lage, Größe und Begrenzung der Drüse sowie zu vorhandenen Herdbefunden. Gewebeveränderungen reflektieren Schall unterschiedlich; Begriffe wie „echoarm“ oder „echoreich“ helfen bei der Risikoeinschätzung.
Wichtig: Die Methode erlaubt keine sichere Unterscheidung zwischen gutartig und bösartig – hierzu sind weitere Tests (z. B. Feinnadelbiopsie) notwendig.

Unterschalluntersuchung der Schilddrüse
Untersuchung der Schilddrüse mittels Ultraschall © Alexander Raths | AdobeStock

Szintigraphie der Schilddrüse

Mit der Schilddrüsenszintigraphie lassen sich hyper- und hypofunktionelle Areale unterscheiden. Hierfür wird eine schwach radioaktive Substanz (z. B. Technetium) verabreicht, die sich im Schilddrüsengewebe anreichert und Rückschlüsse auf die Stoffwechselaktivität erlaubt.

  • Hyperaktive Areale: gesteigerte Aktivität, meist gutartig.
  • Hypoaktive Areale: vermindert oder keine Aktivität – verdächtige Befunde, die eine Abklärung (z. B. Feinnadelbiopsie) erfordern.

Ergänzend kann in ausgewählten Fällen eine spezielle Szintigraphie (z. B. MiBi) helfen, auffällige Bezirke besser einzuordnen.

Laboruntersuchung

Bluttests liefern zusätzliche Hinweise auf Schilddrüsenerkrankungen und deren Aktivität:

  • Schilddrüsenhormone: Kontrolle von T3 (Triiodthyronin) und T4 (Thyroxin); häufig wird auch TSH mitbestimmt.
  • TSH ist ein Hormon der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und steuert die Aktivität der Schilddrüse.
  • Tumormarker: Für das medulläre Schilddrüsenkarzinom steht Calcitonin als Marker zur Verfügung; auffällige Werte werden ggf. mit Spezialtests überprüft.

Wichtig: Die meisten Schilddrüsenkarzinome lassen sich nicht allein durch Laborwerte nachweisen. Die sichere Diagnose stützt sich auf die Gesamtschau aus Klinik, Bildgebung und (bei Bedarf) Feinnadelbiopsie.

Tastuntersuchung und Blutuntersuchung Schilddrüse
Tastuntersuchung der Schilddrüse und Blutuntersuchung auf Schilddrüsenhormone © Peakstock | AdobeStock

Bildgebende Untersuchungsverfahren

Bildgebende Verfahren liefern – je nach Fragestellung – zusätzliche Informationen für die Diagnose und Therapieplanung des Schilddrüsenkarzinoms. Sie zeigen Größe und Ausdehnung des Tumors, Beteiligung benachbarter Strukturen im Halsbereich sowie mögliche Metastasen.

  • Röntgen von Luftröhre/Speiseröhre:
    Beurteilt, ob der Tumor diese Strukturen einengt.
  • Röntgen des Brustkorbs:
    Dient bei gesichertem Tumor dem Screening auf Lungenmetastasen und zeigt ggf. ein Wachstum der Schilddrüse in den oberen Thorax.
  • Computertomographie (CT) & Magnetresonanztomographie (MRT):
    Liefert bei größeren bzw. fortgeschrittenen Tumoren detaillierte Informationen zum Einwachsen in umliegendes Gewebe und angrenzende Organe; wichtig für die Therapieentscheidung.
  • Regionale Beurteilung der Lymphknoten:
    Unabhängig von der Primärtumor-Darstellung ist die Beurteilung der Lymphknoten (zervikal/mediastinal) entscheidend, um die Ausbreitung über den Lymphweg einzuschätzen.

Feinnadelbiopsie

Die Feinnadelbiopsie klärt ab, ob ob suspekte Läsionen bösartige Krebszellen enthalten. Unter Ultraschallsicht werden Zellen aus auffälligen Arealen entnommen und mikroskopisch beurteilt.

  • Ziel: Nachweis oder Ausschluss eines Schilddrüsenkrebses auf zytologischer Ebene (Beurteilung der Zellen).
  • Vorgehen: Punktion hypoaktiver Areale oder strukturell auffälliger Läsionen; die Probe wird zur zytologischen bzw. ggf. histologischen Abklärung eingesandt.
  • Grenzen: Nicht jede Punktion erlaubt eine sichere Unterscheidung zwischen gutartig und bösartig. In unklaren Fällen erfolgt die endgültige histologische Untersuchung nach der Operation (z. B. Teil- oder vollständige Entfernung der Schilddrüse), um die Art des Tumors sicher zu bestimmen.

Diese Kombination aus Bildgebung und Gewebegewinnung erhöht die diagnostische Sicherheit und steuert die weitere Therapieplanung.

Feinnadelbiopsie der Schilddrüse
Feinnadelbiopsie der Schilddrüse zur Gewinnung einer Gewebeprobe für die anschließende mikroskopische Untersuchung © bilderzwerg | AdobeStock

Genetik

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom entsteht häufig genetisch bedingt aus C-Zellen und tritt nicht selten familiär gehäuft auf. Der Nachweis einer RET-Protoonkogen-Mutation belegt eine erbliche Disposition und erlaubt eine Risikoeinschätzung für Betroffene und Angehörige. In diesen Konstellationen spricht man häufig von Formen innerhalb der multiplen endokrinen Neoplasie (MEN2).

Wann ist eine genetische Analyse sinnvoll?

  • Bei bestätigtem medullären Schilddrüsenkarzinom (auch: medullären Schilddrüsenkarzinom).
  • Bei familiär gehäuftem Auftreten von Schilddrüsentumoren.
  • Bei Begleiterkrankungen wie Tumoren des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) oder Erkrankungen der Nebenschilddrüsen.

Nutzen der Testung

  • Klärt, ob eine hereditäre Variante vorliegt (RET-Mutation).
  • Identifiziert Angehörige mit erhöhtem Risikofaktor, die gezielt überwacht werden sollten.
  • Dient der Planung von Vorsorge, Zeitpunkt und Ausmaß der Therapie (inkl. möglicher Operation).

So können sich gefährdete Familienmitglieder gezielt auf Schilddrüsenkrebs untersuchen lassen; die Ergebnisse steuern Aufklärung, Verlaufskontrollen und das Management im Halsbereich (z. B. Aufmerksamkeit für Lymphknotenbefall).

Therapie von Schilddrüsenkrebs: Operation & Radiojodtherapie (radioaktive jod) – Nachsorge

Die Behandlung von Schilddrüsenkrebs gibt – je nach Tumortyp und Ausbreitung – unterschiedliche Optionen. Beim Schilddrüsenkrebs entscheidet der histologische Typ über das Vorgehen; Ziel jeder Therapie ist eine sichere Tumorkontrolle und die Erhaltung einer guten Prognose.

Standardvorgehen:

  • Operation von Schilddrüsenkrebs: Teilresektion oder Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie); häufig mit Entfernung regionaler Lymphknoten im Hals.
  • Histologie: Das entnommene Gewebe wird untersucht, um die Art des Schilddrüsenkrebses und das weitere Vorgehen festzulegen.
  • Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs: Im Anschluss an die Operation wird häufig radioaktives Jod verabreicht, um Tumorzellen oder Metastasen zu zerstören – insbesondere verbliebene Tumorzellen oder Metastasen im Schilddrüsengewebe.
  • Hormontherapie: Nach der OP ersetzt das Hormon L-Thyroxin die fehlenden Schilddrüsenhormone; Dosisanpassungen erfolgen in der Nachsorge bei Schilddrüsenkrebs.
  • Ergänzende Verfahren: Strahlentherapie bei Resttumor oder Nicht-Jod-Speicherung; Chemotherapie nur in fortgeschrittenen, ausgewählten Fällen.

Schilddrüsenoperation
Im Rahmen einer Operation wird ein Teil der Schilddrüse oder diese vollständig entfernt © Bergringfoto | AdobeStock

Wichtige Details zur operativen Therapie

  • Abhängig von Befund und Karzinom-Typ kann die gesamte Schilddrüse entfernt werden; in speziellen Situationen wird gezielt die Schilddrüse entfernt und betroffene Lymphknoten mitversorgt.
  • Das Konzept aus OP + Radiojod ist bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen (papillär/follikulären) besonders wirksam.

Weitere Aspekte

  • Eine weitere Behandlung kann eventuell schon vor der Operation nötig sein (z. B. zur Sicherung der Atemwege bei großen Knoten).
  • Die Therapie von Schilddrüsenkrebs umfasst immer auch strukturierte Kontrollen; je nach Stadium ist eine individualisierte Therapie bei Schilddrüsenkrebs erforderlich, die Bildgebung und Laborparameter einbezieht.

Behandlungskonzepte nach Tumortyp: papillären, follikulären, medullären & anaplastischen Schilddrüsenkarzinomen

Die erfolgsversprechende Therapie hängt grundsätzlich davon ab, um welchen Typ von Schilddrüsenkrebs es sich handelt.

Papilläres Schilddrüsenkarzinom

Dies ist die häufigste Form von Schilddrüsenkrebs. Es können in der Schilddrüse ein oder mehrere Herde nachgewiesen auftreten. Sollte dieser Tumor Tochtergeschwülste bilden, erfolgt dies zuerst über die Lymphbahnen in die umgebenden Lymphknoten. Das papilläre Schilddrüsenkarzinom hat die besten Heilungschancen (Zehn-Jahres –Überlebensrate ca. 93 Prozent).

Bei einem einzelnen kleinen Tumor bis 1 cm Größe (Mikrokarzinom) ist keine vollständige Schilddrüsenentfernung und Entfernung der Halslymphknoten erforderlich.

Schilddrüsenentfernung
Die teilweise oder vollständige Entfernung der Schilddrüse © bilderzwerg | AdobeStock

Die erfolgversprechende Therapie richtet sich immer nach dem Schilddrüsenkarzinom-Typ und dem Stadium. Differenzierte Formen (papillär/follikulären) sprechen in der Regel sehr gut auf Operation und nachfolgende Radiojodtherapie an; Befall regionaler Lymphknoten wird in die Planung einbezogen.

Papilläres Schilddrüsenkarzinom

Der papillären Typ ist die häufigste Form. Er kann in der Schilddrüse als einzelner Knoten oder multifokal auftreten und streut bevorzugt über den Lymphweg in zervikale Lymphknoten. Die Prognose gilt insgesamt als sehr günstig.

Standardvorgehen:

  • Operation: je nach Risiko Hemithyreoidektomie oder Totalthyreoidektomie; bei klinischem/sonographischem Hinweis auf Befall zusätzliche Lymphknotendissektion. In höhergradigen Befunden muss die Schilddrüse vollständig entfernt werden.
  • Radiojodtherapie: risikoadaptiert im Anschluss zur Eliminierung mikroskopischer Reste.
  • Hormontherapie/Nachsorge: Substitution und TSH-Suppression, regelmäßige Kontrollen.

Low-Risk (Mikrokarzinom ≤ 1 cm):

  • Bei einem einzelnen kleinen Tumor ist häufig keine Entfernung der gesamten Drüse und keine systematische Halslymphknotenentfernung erforderlich; das Vorgehen wird individuell festgelegt.

Anaplastisches Schilddrüsenkarzinom

Der anaplastische Typ ist selten, hochgradig bösartig und betrifft überwiegend ältere Patientinnen und Patienten. Durch das sehr schnelle, infiltrative Wachstum und die frühe Bildung von Metastasen liegt die Erkrankung bei Diagnosestellung oft bereits fortgeschritten vor; eine kurative Operation ist dann nicht immer möglich.

Therapiekonzept (zielgerichtet auf Komplikationskontrolle):

  • Primär Strahlentherapie, um lokales Tumorwachstum zu bremsen und Komplikationen zu vermeiden.
  • Eine Operation wird – wenn überhaupt – nur in ausgewählten Situationen erwogen; beim anaplastischen Schilddrüsenkarzinom ist sie häufig nicht kurativ.

Medulläres Schilddrüsenkarzinom

Das medulläre bzw. medulläres Schilddrüsenkarzinom entsteht aus C-Zellen und ist die einzige Form mit einem gut nutzbaren Tumormarker (Calcitonin). Da diese Tumorzellen Jod nicht speichern, ist eine Radiojodtherapie hier nicht wirksam.

Standard der Behandlung:

  • Totale Thyreoidektomie: die gesamte Schilddrüse wird operativ entfernt; häufig werden zudem regionale Lymphknoten im Halsbereich mitentfernt.
  • Bei frühem Lymphknotenbefall kann eine erweiterte Dissektion bis in den Brustkorbbereich erforderlich sein. Nur bei sehr fortgeschrittenen Tumoren müssen angrenzende Organe mit reseziert werden.

Prognose und Besonderheiten:

  • Die durchschnittliche Zehn-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 75 %. Entscheidend für die Prognose sind eine schilddrüsenüberschreitende Ausbreitung und das Vorliegen von Tochtergeschwülsten.
  • Beim medullären Schilddrüsenkarzinom ist häufig eine genetische Analyse angezeigt (RET-Testung), da die Erkrankung familiär gehäuft auftreten kann; das Vorgehen bei Angehörigen erfolgt dann nach einem individualisierten Therapiekonzept.

Wegen fehlender Jodspeicherung ist beim medullären Schilddrüsenkarzinom die Operation die Methode der Wahl; ergänzend kommen je nach Befund Strahlentherapie oder andere Verfahren zum Einsatz, eine Chemotherapie nur in ausgewählten Fällen.

Heilungsaussichten & Prognose bei Schilddrüsenkrebs: Metastasen, Lymphknoten & Stadium

Die Prognose hängt vor allem vom Tumortyp und vom Stadium bei Diagnosestellung ab. Grundsätzlich gilt: Je früher ein Karzinom erkannt und behandelt wird, desto günstiger sind die Aussichten.

Wesentliche Einflussfaktoren

  • Histologie (papillär, follikulär, medullär, anaplastisch)
  • Ausdehnung im Hals (lokal begrenzt vs. überschreitendes Wachstum)
  • Vorliegen von Metastasen (Lunge/Knochen)
  • Vollständigkeit der Operation und Wirksamkeit der anschließenden Radiojodtherapie

Differenzierte Formen (papillär/follikulär)

  • In der Regel sehr gute Ergebnisse bei frühzeitiger Behandlung mit OP + Radiojod.
  • Papilläres und follikuläres Karzinom metastasieren selten; Heilrate ca. 80–90 %.

Medulläres Karzinom

  • Bei früher Erkennung vergleichbar gute Aussichten; bei Metastasierung beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate etwa 50–60 %.
  • Entscheidend sind u. a. überschreitendes Wachstum der Schilddrüse und das Vorliegen von Absiedelungen.

Anaplastisches Karzinom

  • Sehr bösartig mit raschem Verlauf; die 5-Jahres-Überlebensrate liegt unter 10 %.

Ein isolierter Lymphknotenbefall hat oftmals einen geringeren Einfluss auf die Prognose als extrathyreoidales Tumorwachstum oder Fernmetastasen. Insgesamt verbessern strukturierte Nachsorge und individuell abgestimmte Therapie die Langzeitergebnisse.

Welche Fachärzte und Spezialkliniken behandeln Schilddrüsenkrebs?

Ein Schilddrüsenspezialist ist ein Facharzt der Onkologie. Er plant in einem interdisziplinären Team mit Fachärzten anderer Gebiete (z.B. Endokrine Chirurgie, Nuklearmedizin) die Behandlung und setzt sie um.

Patienten sollten sich in spezialisierten Kliniken für Schilddrüsenkrebs behandeln lassen. Dort ist eine hohe Qualität der Behandlung gewährleistet.

Außerdem können Patienten ggf. durch die Teilnahme an klinischen Studien von den neuesten Therapien profitieren.

Weiterführende Informationen: Deutsche Krebshilfe & Bundesverband Schilddrüsenkrebs

Empfohlene Spezialisten für Schilddrüsenkrebs