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Obstipation und Verstopfung – Chronische Obstipation erkennen und behandeln

19.03.2026
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Obstipation, umgangssprachlich Verstopfung, bezeichnet eine Störung der Darmentleerung, bei der der Stuhlgang erschwert oder seltener als üblich erfolgt. Eine Verstopfung liegt häufig vor, wenn der Stuhl weniger als dreimal pro Woche entleert wird oder nur unter starkem Pressen beim Stuhlgang abgeht. Der Darm arbeitet dabei verlangsamt, was zu hartem Stuhl, Völlegefühl und Bauchschmerzen führen kann. Man unterscheidet zwischen akuter Obstipation und chronischer Obstipation, wobei eine chronische Verstopfung seit mindestens drei Monaten besteht.

Die chronische Obstipation ist ein häufiges Symptom in der Gastroenterologie und kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Ursachen für Verstopfung reichen von ballaststoffarmer Kost über mangelnde Bewegung bis hin zu Medikament oder organischer Erkrankung wie Darmverschluss oder Tumor im Dickdarm. Eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weiterführende Diagnostik helfen, funktionelle oder sekundäre Obstipation zu unterscheiden.

ICD-Codes für diese Krankheit: K59.0

Kurzübersicht:

Obstipation bezeichnet eine erschwerte oder seltene Stuhlentleerung infolge einer Störung im Darm. Verstopfung kann akut oder chronisch verlaufen, wobei die chronische Obstipation häufig funktionell bedingt ist. Typische Beschwerde sind harter Stuhl, erschwerte Darmentleerung und Druckgefühl im Enddarm. Die Therapie der Obstipation umfasst ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeit, Bewegung sowie bei Bedarf Abführmittel oder Laxanzien.

Artikelübersicht

Was sind mögliche Ursachen einer Verstopfung?

  • ballaststoffarme Ernährung
  • zu geringe Flüssigkeitsaufnahme
  • zu wenig Bewegung
  • seelische Belastungen, Hektik, Stress
  • Ernährungsumstellung während oder nach einer Reise
  • Missbrauch von Abführmitteln
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Schwangerschaft (hormonelle Umstellung)
  • bestimmte Erkrankungen, z.B. Diabetes mellitus

Ursachen akuter (plötzlich auftretender) Verstopfungen können auch

  • Darmtumoren,
  • Störungen der Darmbewegung (Peristaltik) nach Operationen und
  • Unterdrückung der Stuhlentleerung aufgrund von Schmerzen bei Erkrankungen der Analregion

sein.

Verstopfung
Bei Verstopfung arbeitet der Darm nicht mehr richtig © michaelheim | AdobeStock

Was tun bei Verstopfung?

Bei chronischer Verstopfung sollten Sie ihre Lebensgewohnheiten überprüfen und ggf. ändern. Im Wesentlichen geht es dabei darum,

  • mehr Ballaststoffe zu sich zu nehmen,
  • mehr zu trinken und
  • sich mehr zu bewegen.

Stellen Sie Ihre Ernährung auf eine ballaststoffreiche Kost mit mind. 30 g Ballaststoffen pro Tag um. Damit sich der Darm an die Umstellung gewöhnen kann, sollte sie langsam, über mehrere Tage bzw. Wochen, erfolgen. Die möglicherweise zu Beginn auftretenden Blähungen und Missempfindungen verschwinden in der Regel nach ca. ein bis zwei Wochen.

Ersetzen Sie Weißmehl durch Vollkornmehl, z.B.

  • Vollkornbrot,
  • ungeschälter Reis,
  • Vollkornnudeln.

Außerdem empfiehlt es sich, mehr Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte in die Ernährung einzubauen. Zwischendurch können Sie eingeweichtes Backobst essen. Sie können die Nahrung auch mit Weizenkleien, Haferkleien und Leinsamenschrot anreichern.

Ballaststoffe können ihre Funktion nur ausüben, wenn ausreichend Flüssigkeit vorhanden ist. Daher sollten Sie gleichzeitig mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit trinken.

Erst wenn diese Maßnahmen nicht greifen, sollten Sie ein Abführmittel nutzen. Eine längerfristige Einnahme von Abführmitteln kann aber schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Die Darmtätigkeit kann sich dann noch weiter verringern und es kann zu chronischen Darmerkrankungen kommen. Mit dem erneuten Griff zu Abführmitteln entsteht ein regelrechter Teufelskreis. Sie können davon auch abhängig werden.

Besprechen Sie die Einnahme von Abführmitteln daher grundsätzlich mit ihrem Arzt.

Wenn neben der Verstopfung

  • andere Beschwerden auftreten,
  • starke Schmerzen oder
  • Blut im Stuhl

vorliegen, sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Weitere Maßnahmen, die bei chronischer Verstopfung helfen können

  • Tägliche Aufnahme von Lebensmitteln mit abführender Wirkung, z.B. Sauermilchprodukte (Joghurt, Quark, Dickmilch) und Sauerkraut
  • Einschränken des Verzehrs ballaststoffarmer Lebensmittel wie Feinmehlbackwaren und -teigwaren, Zucker, Schokolade usw.
  • Ausreichendes Frühstück oder ein Glas kalter Fruchtsaft
  • Regelmäßiges Bewegen wie Radfahren oder Spazieren gehen. Bewegungsreize stimulieren die Darmpassage der Nahrung und damit auch den Stuhlgang.
  • Yoga und andere Entspannungstechniken wie autogenes Training
  • Ansteigende und wechselwarme Fußbäder sowie kalte Wasserreize zur Anregung der Darmtätigkeit
  • Fastenwoche. Fasten regt den Stoffwechsel an und reguliert die Darmtätigkeit oft auch langfristig

FAQ

Was sind die häufigsten Ursachen für Verstopfung?

Ursachen für Verstopfung sind häufig ballaststoffarme Kost, geringe Flüssigkeitszufuhr und mangelnde Bewegung. Auch bestimmte Medikament wie Opioide, Antidepressiva oder andere Arzneimittel können eine Obstipation auslösen. Organische Ursachen wie Tumor, Darmverschluss oder andere Erkrankung des Dickdarm müssen ärztlich ausgeschlossen werden.

Wann spricht man von chronischer Obstipation?

Von chronischer Obstipation spricht man, wenn die Beschwerden seit mindestens drei Monaten bestehen und die Darmentleerung dauerhaft gestört ist. Die chronische Obstipation wird laut S2k-Leitlinie chronische Obstipation der Deutschen Gesellschaft für Neuro­gastroenterologie und Motilität beschrieben. Dabei werden verschiedene Formen und Ursachen unterschieden, darunter funktionelle Obstipation und sekundäre Obstipation.

Welche Diagnostik ist bei Obstipation sinnvoll?

Zur Diagnostik gehören Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weiterführende Verfahren wie anorektale Manometrie zur Beurteilung der Motilität und Funktion im Enddarm. Bei Warnzeichen wie Blut im Stuhl oder akuter Verstopfung sollte eine weiterführende Abklärung erfolgen. Die Diagnostik und Therapie orientieren sich an den Empfehlungen der Gesellschaft für Gastroenterologie und der Deutschen Gesellschaft für Neuro­gastroenterologie und Motilität.

Wie kann man Verstopfung lösen?

Um Verstopfung zu lösen, empfiehlt sich zunächst eine ballaststoffreiche Ernährung mit Quellstoffe sowie mindestens zwei Liter Flüssigkeit täglich. Regelmäßige Bewegung unterstützt die Verdauung und verbessert die Darmpassage. Bei Bedarf können Abführmittel wie Lactulose, Bisacodyl oder Natriumpicosulfat eingesetzt werden, jedoch möglichst nur kurzfristig.

Wer ist besonders betroffen?

Frauen und ältere Menschen leiden besonders häufig an chronischer Verstopfung. Auch Menschen mit Reizdarmsyndrom oder neurologischer Erkrankung zeigen vermehrt eine Neigung zur Verstopfung. Die Unterdrückung des Stuhldrangs sowie Nebenwirkungen von Medikamenten gegen Epilepsie oder andere Erkrankungen können die Obstipation zusätzlich verstärken.

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