Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind langfristig verlaufende Darmerkrankungen, die durch eine fehlgeleitete Immunreaktion anhaltende Entzündungen im Verdauungstrakt auslösen. Zu den häufigsten Formen zählen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa, die in Schüben auftreten und sowohl den Darm, als auch andere Organsysteme beeinträchtigen können. Moderne Therapien aus der Gastroenterologie ermöglichen heute eine bessere Kontrolle der Krankheitsaktivität und längere beschwerdearme Phasen.
Kurzübersicht:
Zu den zentralen Formen der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gehören Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa, die sich in Ausbreitung und tiefem Gewebebefall deutlich unterscheiden.
Morbus Crohn kann vom Ileum bis zu Teilen des Dünndarms auftreten, während Colitis Ulcerosa eine fortschreitende Entzündung des Dickdarms verursacht.
Beide Erkrankungen treten häufig im jungen Erwachsenenalter auf und verursachen Durchfall, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und systemische Beschwerden.
Da genetische Faktoren, ein verändertes Mikrobiom, bakteriell bedingte Auslöser und weitere Umweltfaktoren zusammenwirken, ist eine präzise Diagnostik entscheidend. Ebenfalls erfolgen im Rahmen der Diagnosestellung auch Darmspiegelungen, Laborwertkontrolle oder bildgebende Verfahren wie MRT und CT.
Die Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen umfasst medikamentöse Therapie, sowie operative Eingriffe bei Komplikationen wie Stenosen, Fisteln oder schwer entzündeten Darmabschnitten.
Artikelübersicht
- Definition der Darmerkrankungen
- Ursachen für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Symptome und Auswirkung dieser Erkrankung
- Durchfälle können natürlich auch durch andere Erkrankungen ausgelöst werden. Halten sie aber länger als sechs Wochen an, liegt selten nur eine Magen-Darm-Infektion (Gastroenteritis) vor. Dann sind
- eine wahrscheinliche Ursache.
- Diagnostik von CED | Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa
- Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
- Prognose
- Häufige Fragen zur multifaktoriellen Entzündung im Darm
Definition der Darmerkrankungen
Unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) versteht man Krankheitsformen mit entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut. Hintergrund ist eine heftige Immunreaktion, die auf bakterielle oder andere Strukturen gerichtet wird. Sie verlaufen in Remissionen oder Schüben.
Die Folge sind Durchfälle, die mitunter blutig sein können, und Bauchschmerzen.
Die wichtigsten Krankheitsbilder sind:
- Morbus Crohn: befällt segmental den gesamten Verdauungstrakt, dringt bis tief in die Mukosa ein
- Colitis Ulcerosa: kontinuierliche Entzündung der Darmschleimhaut des Dickdarms
Weiter Varianten sind Colitis Indeterminata oder in seltenen Fällen intestinale Entzündungsprozesse. Unbehandelt kann es zu Verengungen, Fistel-Bildung, Komplikationen oder ausgeprägten Gewichtsverlust kommen.
In Deutschland sind etwa 360.000 Menschen von einer CED betroffen. Die jährliche Neuerkrankungsrate beträgt etwa 10 pro 100.000 Einwohner, damit erkranken etwa 7.600 bis 8.400 Menschen jedes Jahr neu an einer CED.
Ursachen für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Die genaue Ursache von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist bis heute nicht vollständig geklärt. Das Zusammenspiel verschiedener Einflussfaktoren gilt als multifaktoriell.
Genetische Disposition: viele Patienten tragen genetisch bedingte Risikovarianten, die die Aktivität des Immunsystems beeinflussen und beide Erkrankungen familiär gehäuft auftreten lassen.
Umweltfaktoren & Mikrobiom: eine veränderte Darmflora, Ernährungsgewohnheiten, Stress, Infektionen und weitere Umweltfaktoren können Entzündungsprozesse fördern. Eine bakteriell getriggerte Fehlsteuerung des Immunsystems spielt ebenfalls eine Rolle.
Immunologische Fehlreaktionen: eine fehlgeleitete Immunreaktion richtet sich gegen Strukturen der Darmschleimhaut, was die langfristige Schädigung des Gewebes begünstigt.

Gegenüberstellung von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn © bilderzwerg / Fotolia
Symptome und Auswirkung dieser Erkrankung
Häufige Symptome von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind schwere Durchfälle mit krampfartigen heftigen Bauchschmerzen. Auch Fieber, Blutbeimengungen im Stuhl und ein allgemeines körperliches Schwächegefühl können gleichzeitig auftreten. Bei jedem Patienten spielen verschiedene Faktoren zusammen. Daher sind auch die Symptome unterschiedlich ausgeprägt.
Die Entzündung im Darm hat weiterhin Auswirkungen auf den ganzen Körper und kann sich in Erkrankungen der Haut, Augen und Gelenke zeigen (extraintestinale Manifestationen).
Besonders empfindlich wirkt sich eine Erkrankung dann aus, wenn die Darmfunktion nicht mehr vollständig gegeben ist. Der Darm kann dann also die Nahrung nicht mehr ausreichend aufnehmen und verarbeiten.
In diesem Fall kommt es zu
- Gewichtsverlust,
- Fehlernährung und
- Mangelzuständen.
Auch CED können zu einer solchen Fehlernährung führen, wenn der Dünndarm über größere Abschnitte betroffen ist. Das kann bei M. Crohn der Fall sein.
Wird ein sehr hoher Eiweißverlust nicht mehr durch eine entsprechende Nahrungsaufnahme kompensiert, können lebensbedrohliche Zustände eintreten.
Durchfälle können natürlich auch durch andere Erkrankungen ausgelöst werden. Halten sie aber länger als sechs Wochen an, liegt selten nur eine Magen-Darm-Infektion (Gastroenteritis) vor. Dann sind
- eine CED,
- eine Fehlfunktion der Verdauungsdrüsen (z.B. Bauchspeicheldrüse) oder
- eine fehlerhafte Funktion der Verdauungsenzyme in der Darmschleimhaut
eine wahrscheinliche Ursache.
Diagnostik von CED | Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa
Um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sicher festzustellen, ist die umfassende fachärztliche Diagnostik von großer Bedeutung. Der Arzt erfasst die individuelle Krankheitsgeschichte und bezieht sämtliche Faktoren mit ein, die einen Auslöser darstellen können. Mit in diese sogenannte Anamnese gehören Informationen zu evtl. vorliegendem Stress, der Ernährungsweise, andere eigene Erkrankungen und mögliche Erkrankungen in der Familie.
Zur Diagnose werden bildgebende Verfahren hinzugezogen. Wichtige Hinweise liefern eine Ultraschalluntersuchung und eine Darmspiegelung (Koloskopie) mit Gewebeprobe (Biopsie). Diese kann mit einer leichten Narkose durchgeführt werden. Auch virtuelle Verfahren ganz ohne Endoskop sind möglich.

Durchführung einer Darmspiegelung © bilderzwerg / Fotolia
Blutbild und Stuhlprobe sind weitere wichtige Methoden zur Diagnose einer CED. Sind die Blutwerte erhöht, deutet der Laborbefund auf ein Entzündungsgeschehen im Körper bzw. Darm hin:
- erhöhte Leukozyten-Anzahl (weiße Blutkörperchen),
- erhöhtes C-reaktives Protein,
- erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit.
In der Stuhlprobe wird zunächst nach einer akuten bakteriellen Infektion gesucht. Weitere Marker für eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sind
- erhöhtes Calprotectin, ein Protein der Immunsystemzellen, und
- erhöhte Lactoferrin-Werte.
Lactoferrin ist ebenfalls ein Eiweiß und deutet auf eine laufende Abwehrreaktion des Immunsystems hin.
CED haben ähnliche Symptome wie nicht-entzündliche Darmerkrankungen (zum Beispiel Reizdarm). Daher ist eine Untersuchung der Entzündungsmarker in Blut und Stuhl ein wichtiges Diagnosekriterium.
Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Die Therapie richtet sich je nach Erkrankungsverlauf mit hoher Krankheitsaktivität, Lokalisation und individuellem Verlauf und erfolgt meist in Kooperation mit einem Universitätsklinikum, spezialisierten CED-Zentren oder erfahrenen Gastroenterologen.
Ziel der medikamentösen Therapie ist es, Entzündungen zu kontrollieren und die beschwerdefreien Phasen zu verlängern. Wichtige Wirkstoffe sind u.a. Kortikosteroide zur Behandlung akuter Schübe, Azathioprin zur Langzeitkontrolle, Biologika (z. B. Anti Antikörper), Tofacitinib und weitere JAK-Inhibitoren, entzündungshemmende und immunregulierende Präparate.
Die Einnahme erfolgt je nach Medikament oral, subkutan oder intravenös Diese medikamentös ausgerichtete Therapie reduziert Folgeschäden und verhindert Schübe.
Ein operativer Eingriff wird notwendig, wenn schwere Komplikationen, nicht beherrschbare Entzündungsaktivität, Fisteln oder Verengungen auftreten. Die Viszeralchirurgie entfernt betroffene Darmabschnitte möglichst gewebeschonend und erhält im besten Fall die Funktion des Darmes.
Prognose
Der Krankheitsverlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Viele Menschen erleben stabile Remissionen, während andere wiederkehrende Schübe durchlaufen. Durch moderne Therapien und Betreuung in spezialisierten Zentren kann die Krankheitslast deutlich reduziert werden. Langfristig verbessern eine frühzeitige Diagnostik, konsequente Therapie und regelmäßige Kontrolluntersuchungen die Prognose.
Häufige Fragen zur multifaktoriellen Entzündung im Darm
Sind Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa heilbar?
Beide Erkrankungen gehören zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und sind derzeit nicht heilbar. Dank moderner Therapien sind jedoch lange Remissionen möglich.
Welche Ernährung hilft bei CED - chronisch entzündliche Darmerkrankung?
Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Viele Patienten profitieren von individuell abgestimmten Ernährungsstrategien, die Beschwerden reduzieren und die Krankheitsaktivität günstig beeinflussen
Wann ist eine Operation notwendig?
Eine Operation wird nötig bei Fisteln, Verengung, therapieresistenten Entzündungen oder anderen Komplikationen. Meist erfolgt der Eingriff in Zentren der Viszeralchirurgie.
Worin unterscheiden sich M. Crohn und Colitis Ulcerosa?
Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Ausdehnung, Tiefe der Entzündung und betroffenen Regionen. Beim Morbus Crohn der gesamte Verdauungstrakt betroffen sein, während Colitis Ulcerosa auf den Dickdarm beschränkt ist. Bei unklarer Diagnose spricht man von Colitis Indeterminata.
























