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Lymphsystem – Aufbau und Funktion der Lymphe und das Lymphatische System im Überblick

14.04.2026
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Das Lymphsystem ist ein essenzieller Bestandteil des menschlichen Körpers und eng mit dem Immunsystem verbunden. Innerhalb des lymphatischen Systems zirkuliert die Lymphe als spezielle Flüssigkeit durch zahlreiche Lymphgefäße und Lymphknoten. Diese Struktur sorgt dafür, dass überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe abtransportiert und gefiltert wird.

Gleichzeitig übernehmen lymphatische Organe wie Milz, Thymus und Knochenmark wichtige Aufgaben in der Immunabwehr. Das lymphatische System steht zudem in enger Verbindung mit dem Blutkreislauf, da die Lymphflüssigkeit schließlich wieder in die Venen zurückgeführt wird.

Über das Lymphgefäßsystem werden Krankheitserreger erkannt und durch Lymphozyten bekämpft. Dadurch schützt das Lymphsystem den Körper effektiv vor Infektion und unterstützt die Gesundheit nachhaltig.

Das Lymphsystem transportiert Lymphe durch ein Netzwerk aus Lymphgefäßen und Lymphbahnen. In den Lymphknoten wird die Lymphflüssigkeit gefiltert und von schädlichen Stoffen befreit. Das lymphatische System ist ein wichtiger Teil des Immunsystems und unterstützt die Abwehr von Krankheitserregern. Zudem verbindet das Lymphsystem den Blutkreislauf mit dem Gewebe und reguliert den Flüssigkeitshaushalt.

Artikelübersicht

Was sind Lymphe?

Das Wort Lymphe kommt vom lateinischen „lympha“, was so viel bedeutet wie „klares Wasser“. Tatsächlich ist Lymphe eine wässrige, gelblich gefärbte Substanz. Sie durchfließt in meterlangen, feinsten Kanälchen den ganzen Körper.

Lymphe entsteht aus nährstoffreichem Blutplasma. Beim Übergang aus den arteriellen in die venösen Blutgefäße verbleiben etwa 10 Prozent des Blutplasmas in den Zellzwischenräumen. Das sind immerhin etwa zwei Liter pro Tag. Diese Überreste bezeichnet man als Gewebsflüssigkeit.

Ein paralleles Netzwerk: Die Lymphgefäße

Überall in den Zellzwischenräumen des Körpers beginnen hauchdünne Lymphkapillaren. Sie nehmen die dort verbliebene Gewebsflüssigkeit auf und transportieren sie als Lymphe weiter in Richtung Herz. Dort wird sie in der oberen Hohlvene wieder mit dem Blut zusammengeführt.

Die zunächst sehr verästelten Lymphkapillaren vereinigen sich zu größeren Lymphgefäßen. Diese verlaufen meist parallel zu den venösen Blutgefäßen. Teile dieser Gefäße, die sogenannten Lymphherzen, ziehen sich durch Muskelkontraktion etwa zehnmal pro Minute zusammen. So sorgen sie für die nötige Pumpbewegung.

Das Lymphsystem im menschlichen Körper
Das Lymphsystem durchzieht den gesamten Körper. Hier ist auch ein Lymphknoten dargestellt © lom123 | AdobeStock

Die Lymphknoten

An bestimmten Stellen, zum Beispiel

  • unter der Achsel,
  • am Hals und
  • in der Leiste,

sind den Lymphgefäßen Unterbrechungen in Form von Knoten zwischengeschaltet. Hier wird die Lymphe von

  • Krankheitserregern,
  • Zelltrümmern und
  • Fremdkörpern

gereinigt, um den Organismus vor Schaden zu bewahren.

Die etwa 1-20 mm großen Lymphknoten zählen zu den lymphatischen Organen. Sie enthalten Lymphozyten und Makrophagen. Das sind spezielle, zu den weißen Blutkörperchen zählende Abwehrzellen, die Viren und Bakterien erkennen und angreifen.

Die Lymphknoten am Hals können etwa während einer Virusgrippe tastbar werden. Das liegt daran, dass sie aufgrund der Infektion ihre Leistung steigern und entsprechend anschwellen.

Lymphkapillaren zwischen den Blutgefäßen
Einbettung von Lymphkapillaren (grün) zwischen den Blutgefäßen © ilusmedical | AdobeStock

Weitere lymphatische Organe

Neben den Lymphknoten gehören zum System noch weitere lymphatische Organe. In diesen Organen können sich Lymphozyten vermehren oder differenzieren. Sie ergänzen sich gegenseitig in ihren Funktionen:

Das Knochenmark

Hier nimmt alles seinen Anfang. Im Knochenmark findet die sogenannte Lymphopoese statt, bei der aus Lymphozyten-Stammzellen zunächst Lymphoblasten entstehen. Aus diesen wiederum gehen zweierlei Lymphozyten-Vorläufer hervor:

  • Pro-T-Lymphozyten und
  • Pro-B-Lymphozyten.

Sie durchlaufen das Knochenmark und siedeln sich dann in den diversen anderen lymphatischen Organen an.

Der Thymus

Im Thymus werden die aus dem Knochenmark kommenden Pro-T-Lymphozyten in T-Lymphozyten umgewandelt. Sie durchlaufen zunächst eine Selektion und dann die Prägung, die sie auf ihre wichtige Aufgabe im Immunsystem vorbereitet.

Die Milz

Die Milz produziert unter anderem die bereits genannten Makrophagen (auch Abwehr- oder Fresszellen genannt). Darüber hinaus speichert sie Lymphozyten und baut überalterte Blutzellen ab.

Die Tonsillen oder der lymphatische Ring

Der lymphatische Ring besteht aus Rachen-, Zungen- und Gaumenmandeln. Er zerstört diejenigen Erreger, die sich aus der Atemluft und über die Schleimhäute im Körper ausbreiten wollen. In den Tonsillen vermehren sich außerdem die B-Lymphozyten.

Lymphatisches Gewebe im Darm (Peyer-Plaques)

Die Peyer-Plaques werden auch Peyer-Platten oder Peyer-Drüsen genannt. Sie finden sich in der Schleimhaut des Dünndarms bis hin zum Wurmfortsatz (Blinddarm).

Sie bestehen aus einer Ansammlung mikroskopisch kleiner Kolonien von B-Lymphozyten, sogenannter Lymphfollikel. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Infektionsabwehr im Darm und leiten immunologische Informationen weiter.

Die Aufgaben des Lymphsystems zusammengefasst

  1. Es ist wichtiger Teil des Immunsystems.
  2. Es reguliert das Flüssigkeitsvolumen im Gewebe.
  3. Es transportiert Nahrungsfette aus dem Bauchraum direkt zu den Zellen.

Erkrankungen des Lymphödems - Symptome und Behandlung

Lymphödem: Abflussstörung des Lymphsystems

Ist der Lymphfluss gestört oder unterbrochen, kommt es zu vermehrter Flüssigkeitsansammlung im Gewebe. Meist treten solche Lymphödeme an den Extremitäten auf.

Die betroffene Körperregion schwillt an und das Unterhautfettgewebe entwickelt eine teigige Konsistenz. Unbehandelt kann es zu

mit entsprechender Funktionseinschränkung kommen. Abhilfe verschafft hier nur eine regelmäßig durchgeführte manuelle Lymphdrainage. Dabei regt ein Masseur mit leichten, kreisförmigen Bewegungen das Gefäßsystem an. Dadurch kann die Lymphe besser abfließen.

Lymphangitis: Entzündung eines Lymphgefäßes

Meist tritt die Entzündung von Lymphgefäßen an einer der oberflächlich verlaufenden Lymphbahnen auf. In der betroffenen Region rötet sich die Haut und vom Entzündungsherd breitet sich ein roter Strang in Richtung Körpermitte aus. Die Stelle ist meist schmerzhaft und leicht geschwollen.

Ist die Lymphangitis durch Bakterien verursacht, lässt sie sich gut mit Antibiotika behandeln. Gehen Sie rechtzeitig zum Arzt! Ansonsten kann es zu Komplikationen, schlimmstenfalls sogar zur Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Das Hodgkin-Lymphom und andere Krebserkrankungen

Neben Viren und Bakterien filtern Lymphknoten im Falle einer Krebserkrankung auch Tumorzellen aus. Diese sammeln sich im Knoten an und verbreiten sich dann über das Lymphsystem allmählich im ganzen Körper.

Um das zu verhindern, kann der Arzt einzelne, in der Nähe eines Tumors befindliche Lymphknoten entnehmen.

Andere Krebserkrankungen wie

  • die lymphatische Leukämie (akut: ALL oder chronisch: CLL) oder
  • das Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin)

betreffen ganz direkt das Lymphsystem. Bei malignen (bösartigen) Lymphomen schwellen typischerweise die Lymphknoten an. Sie treten in unterschiedlicher Form auf und sind unterschiedlich gut behandelbar.

Das Lymphsystem und insbesondere die Achsellymphknoten
Bei Brustkrebs schwellen die Lymphknoten in den Achselhöhlen an (sogenannte Wächterlymphknoten) © Henrie | AdobeStock

Fazit zum Lymphsystem

Das lymphatische System ist ein zentraler Teil des Immunsystems und übernimmt im gesamten Körper lebenswichtige Aufgaben. Im Aufbau und Funktion zeigt sich, dass sowohl primäre und sekundäre lymphatische Organe eng zusammenarbeiten, um Immunzellen zu bilden und zu aktivieren. Zu diesen lymphatischen Organe gehören Strukturen wie Knochenmark und Thymus (primär) sowie Lymphknoten und Milz (sekundär), die als wichtige Filterstationen dienen.

Über den Lymphfluss werden Gewebsflüssigkeit, Eiweiße sowie Zellen und Zelltrümmer kontinuierlich abtransportiert und schließlich über den Ductus thoracicus in die obere Hohlvene und damit in den Blutkreislauf geleitet. Das lymphatische System sorgt dafür, dass überschüssige Flüssigkeit aus dem Körpergewebe entfernt und gereinigt wird. Dabei durchziehen Lymphgefäße den gesamten Körper und stehen in enger Verbindung mit dem venösen System sowie Blutgefäße und Arterie. Die Funktionen des Lymphsystems umfassen neben der Drainage auch die Abwehr von Krankheitserregern wie Virus und Bakterien. Spezialisierte Immunzellen wie B-Lymphozyten und T-Lymphozyten spielen hierbei eine zentrale Rolle im Abwehrsystems. In den sekundären lymphatischen Organe findet die Vermehrung der Lymphozyten statt, wodurch eine effektive Immunreaktion ermöglicht wird.

Das lymphatische System transportiert Stoffe aus der Lymphe und sorgt dafür, dass lymphpflichtigen Substanzen sowie Flüssigkeit aus dem Gewebe über initialen lymphgefäßen und größeren lymphgefäßen weitergeleitet werden. Über Kapillaren und größere Strukturen wird die Lymphflüssigkeit im Körper verteilt und anschließend in den Venenwinkel abgegeben. Insgesamt werden täglich mehrere Liter Lymphflüssigkeit durch dieses System bewegt.

Störungen des Lymphsystems wie Lymphödeme zeigen, wie wichtig die funktionierende Drainage ist. Wenn Flüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportiert wird, sammelt sie sich im Gewebe an. Dennoch sorgt ein gesundes lymphatisches System dafür, dass alle wichtigen Funktionen stabil bleiben und der Körper effektiv geschützt ist.

FAQ

Was ist das Lymphsystem?

Das Lymphsystem ist ein Teil des Immunsystems und besteht aus Lymphgefäßen, Lymphknoten und lymphatischen Organen. Die Lymphe als Flüssigkeit wird durch das Lymphgefäßsystem transportiert und im gesamten Körper verteilt. Dabei werden Krankheitserreger, Zelltrümmer und überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe abtransportiert und schließlich in den Blutkreislauf zurückgeführt.

Welche Organe gehören zum lymphatischen System?

Zu den lymphatischen Organen zählen primäre und sekundäre lymphatische Organe. Primär sind Knochenmark und Thymus, in denen die Bildung und Reifung von Immunzellen stattfindet. Sekundäre lymphatische Organe wie Lymphknoten und Milz dienen als Filterstationen, in denen Lymphozyten aktiviert werden. Auch Peyer-Plaques im Dünndarm gehören zu diesen Strukturen.

Welche Funktion hat die Lymphe?

Die Lymphe ist eine klare Flüssigkeit, die aus Gewebsflüssigkeit entsteht. Sie transportiert Eiweiße, Immunzellen und Stoffwechselprodukte durch die Lymphbahnen. Dabei wird sie in den Lymphknoten gefiltert und gereinigt. Anschließend mündet sie über größere Lymphgefäße wie den Ductus thoracicus in die obere Hohlvene.

Wie funktioniert der Lymphfluss?

Der Lymphfluss erfolgt über initialen Lymphkapillaren, die Flüssigkeit aus dem Gewebe aufnehmen. Von dort gelangt die Lymphflüssigkeit über größere Lymphgefäße und Lymphbahnen weiter. Durch Muskelbewegung und Druckverhältnisse wird die Lymphe vorangetrieben, bis sie schließlich im Venenwinkel wieder in das venöse System eintritt.

Was sind häufige Erkrankungen des Lymphsystems?

Zu den häufigsten Störungen des Lymphsystems zählen Lymphödeme, bei denen sich Flüssigkeit im Gewebe ansammelt. Auch Infektion, Virus oder andere Ursachen können das lymphatische System beeinträchtigen. In solchen Fällen kommt es zu Schwellungen, da die Lymphgefäße die überschüssige Flüssigkeit nicht ausreichend abtransportieren können.