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Plattfuß und Knick-Senkfuß bei Erwachsenen: Symptome, Operation und Behandlung des Senkfußes

19.01.2026
Dr. med. Wolfram Wenz
Medizinischer Fachautor

Ein gesunder Fuß ist die Basis unserer Mobilität, doch Fehlstellungen wie der Plattfuß (Plattfuss) oder Senkfuß sind weit verbreitet. Während Fehlstellungen bei Kindern oft harmlos sind, verursacht der Plattfuß des Erwachsenen (Pes planus) häufig erhebliche Beschwerden. Typisch für den Knick-Senkfuß ist das Einknicken der Ferse und das Absinken des Fußgewölbes. Wenn konservative Maßnahmen wie Einlagen nicht mehr helfen und jedes Symptom den Alltag einschränkt, kann eine Operation notwendig werden. Erfahren Sie hier alles über Ursachen, Diagnose beim Facharzt und Therapien für den Plattfuß bei Erwachsenen.

ICD-Codes für diese Krankheit: M21.4, Q66.5

Kurzübersicht:

Der Plattfuß ist eine weit verbreitete Fußdeformität, bei der das Längsgewölbe absinkt und die Fußsohle nahezu vollständig auf dem Boden aufliegt. In der Orthopädie tritt dieses Phänomen meist als Knick-Senkfuß auf, wobei die Ferse charakteristisch nach außen wegknickt. Während die Fehlstellung im Kindesalter oft angeboren und harmlos ist, handelt es sich beim Plattfuß des Erwachsenen meist um einen erworbenen Plattfuß, der durch Übergewicht, Verschleiß der Tibialis-posterior-Sehne oder Verletzungen entsteht. Patienten klagen häufig über Symptome wie Schmerzen am Innenknöchel oder eine eingeschränkte Belastbarkeit. In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung konservativ mittels Physiotherapie, Fußgymnastik und orthopädischen Einlagen, um den Fuß zu stabilisieren. Nur wenn die Beschwerden stark ausgeprägt sind oder konservative Maßnahmen versagen, wird eine Operation zur Korrektur der Fehlstellung in Betracht gezogen.

Artikelübersicht

Definition und Ursache des Knick-Senk-Fußes (Plattfuß)

Etwa um das erste Lebensjahr herum beginnt ein Kind mit ersten Steh- und Gehversuchen. Bei von einem Plattfuß betroffenen Kind lässt sich dann eine veränderte Fußform erkennen. Medizinisch bezeichnet man diese als Knick-Senk-Fuß, umgangssprachlich ist sie als Plattfuß bekannt.

Veränderungen in der Fußanatomie gibt es verschiedene, wie die Grafik zeigt:

Fußfehlstellungen Plattfüße
Verschiedene Formen von Fußdeformitäten © Henrie / Fotolia

Der Knick bezeichnet eine im Vergleich zum Normalen verstärkte Abknickung der Ferse (von oben nach unten und von hinten betrachtet) zur Außenseite des Fußes. Die Senkung bezeichnet das Abflachen des normalerweise auf der Innenseite des Fußes vorhandenen Längsgewölbes.

Ursache sind häufig anlagebedingte Bindegewebs- oder Muskelschwächen. Besonders bei älteren Kindern kann Übergewicht eine zusätzliche Rolle spielen. Selten sind Lähmungen der Auslöser.

Symptome und Diagnose beim Plattfuß

Besonders bei kleinen Kindern ist die Abgrenzung von alterskorrelierten Normalbefunden manchmal schwierig. Der Plattfuß verursacht oft auch keine Beschwerden.

Zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr ist ein diskret ausgeprägter Knick-Senk-Fuß entwicklungsbedingt normal und braucht in der Regel nicht behandelt werden.

Die Fehlstellung ist meistens flexibel, d. h. die Fußform kann durch den Untersucher passiv beeinflusst werden. Bei einem rigiden Knick-Senk-Fuß ist dies nicht mehr möglich.

Erfahrene Spezialisten, etwa Fachärzte für Orthopädie oder Kinderorthopäden, diagnostizieren einen Plattfuß durch Inspektion und Funktionsprüfung. Bei stark ausgeprägtem Befund hilft auch eine Röntgenuntersuchung.

Mit geeigneten Apparaten (Podoskop) kann in Fachpraxen auch der Fußabdruck dargestellt und beurteilt werden.

Behandlung des Knick-Senk-Fußes

Die häufigste Plattfuß-Form ist der flexible, gering bis mittelgradig ausgeprägte Plattfuß des kleinen Kindes. Er erfordert meist keine spezielle Behandlung.

Halbjährliche klinische Verlaufskontrollen genügen. Das Kind soll viel barfuß gehen und zu spielerischen Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur motiviert werden. Dazu gehören etwa der Zehenspitzenstand, Greifübungen mit den Zehen etc.

Bei schwereren Fällen kann eine krankengymnastische Mitbehandlung sinnvoll sein.

Einlagen sind nur bei schwerem Knick-Senk-Fuß indiziert. Sie müssen nach Gipsabdruck angefertigt und vom Orthopädietechniker in Absprache mit dem behandelnden Orthopäden hergestellt werden. Die Tragedauer soll nicht zu kurz gewählt werden und kann mehrere Jahre betragen.

Ihre Notwendigkeit ist regelmäßig vom Orthopäden zu überprüfen.

Schwere Plattfuß-Formen können eine Indikation zur Operation begründen. Voraussetzungen hierfür sind

  • die langfristige, vorausgegangene und erfolglose konservative Therapie,
  • ein entsprechend ausgeprägter klinischer Befund und
  • belastungsabhängige starke Schmerzen.

Eine Vielzahl von Weichteileingriffen (etwa Sehnenverlagerungen) ist bekannt. Gemeinsames Prinzip ist die Verbesserung des fußgewölbehebenden Muskelzuges.

Derartige Eingriffe sollten erst nach dem 8. Lebensjahr in Erwägung gezogen werden.

Bei schwersten, vor allem rigiden Verläufen können sogar Eingriffe am Fußskelett nötig sein. Das ist vor allem bei neurologischen Grunderkrankungen wie infantiler Zerebralparese notwendig. Die OP kann etwa Versteifungen mit Knochenkeilentnahme oder das Einbringen von gewölbestützenden Implantaten beinhalten.

Heilungsaussichten beim Plattfuß

Die häufigste Form des Plattfußes, die frühkindliche flexible Variante, hat eine gute Prognose. Die meisten Knick-Senk-Füße bedürfen keiner speziellen Therapie. Sie gleichen sich bis zum Schulalter häufig durch das normale Wachstum wieder aus.

Die Resultate der operativen Verfahren sind umso besser, je sorgfältiger die strenge und individuelle Indikation zur Operation gestellt wurde.

Bei schweren, anders nicht behandelbaren Plattfuß-Formen kann oft keine komplette physiologische Fußstellung hergestellt werden. Meistens erreichen die Chirurgen aber eine lohnende Verbesserung der Fehlstellung. Sie lindert die Beschwerden der Betroffenen.

Sport beim Knick-Senk-Fuß

Besonders in Bezug auf den häufigen kindlichen Knick-Senk-Fuß ohne zugrundeliegende Zusatzerkrankungen gilt: Sport, in vernünftigen Belastungsgrenzen und mit Spaß ausgeübt, wirkt sich positiv auf Koordination und Muskelkräftigung aus. Mediziner empfehlen solche sportliche Betätigungen grundsätzlich.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Plattfuß und Knick-Senkfuß

Was ist der Unterschied zwischen Senkfuß, Knickfuß und Plattfuß?

Der Senkfuß ist die Vorstufe, bei der das Längsgewölbe absinkt. Beim Plattfuß liegt die Fußsohle komplett auf. Der Knickfuß beschreibt das Wegknicken der Ferse nach außen. In der Praxis treten diese Fehlstellungen meist gemeinsam als Knick-Senkfuß oder Knick-Plattfuß auf.

Welche Symptome verursacht ein Plattfuß bei Erwachsenen?

Der erworbene Plattfuß führt oft zu Belastungsschmerzen. Typisch sind Schmerzen an der Innenseite des Fußes (entlang der Tibialis-posterior-Sehne) und unter dem Innenknöchel. Auch Schmerzen an der Außenkante (durch Druck des Talus) oder in der Wade treten auf. Unbehandelt kann sich eine Arthrose im Sprunggelenk entwickeln.

Ist ein Plattfuß bei Kindern immer behandlungsbedürftig?

Nein. Ein kindlicher, flexibeler Knick-Senkfuß ist im Kindesalter oft normal. Er verwächst sich häufig durch Wachstum und Training der Muskeln und Bänder (z.B. Barfußlaufen). Eine Behandlung erforderlich ist meist erst, wenn der Befund stark ausgeprägt ist oder das Kind über Schmerzen klagt.

Wie hilft Physiotherapie beim Plattfuß?

Aktive Physiotherapie und gezielte Fußgymnastik sind essenziell, um die Fußmuskulatur zu stärken und das Fußgewölbe aktiv aufzurichten. Übungen wie der Zehenstand helfen, den Fuß zu stabilisieren und können Beschwerden lindern, die durch die Fehlstellung der Füße entstehen.

Wann ist eine Operation beim Plattfuß notwendig?

Eine Operation wird erwogen, wenn konservative Maßnahmen (wie Schuheinlagen) versagen und der Leidensdruck hoch ist. Ziel der operative Behandlung durch Spezialisten für Orthopädie und Unfallchirurgie ist die Korrektur der Achse und die Wiederherstellung des Fußlängsgewölbes, oft durch Eingriffe an der Sehne oder am Fersenbein.

Helfen Einlagen wirklich?

Ja, orthopädische Einlagen sind der Goldstandard in der konservativen Therapie. Sie stützen das Längsgewölbe des Fußes passiv, entlasten die Sehne und verhindern ein weiteres Knicken nach innen. Sie sollten jedoch immer mit orthopädische Schuhe oder gutem Schuhwerk und Training kombiniert werden.

Was ist die Tibialis-posterior-Insuffizienz?

Das ist die häufigste Ursache für den Plattfuß des Erwachsenen. Die Tibialis-posterior-Sehne hält das Gewölbe. Wenn sie durch Verschleiß, Übergewicht oder Entzündung schwächelt, sinkt der Fuß zum Senk- oder Plattfuß ein.

Wie erkenne ich einen Plattfuß auf dem Röntgenbild?

Der Facharzt für Orthopädie sieht auf dem Röntgenbild unter Belastung, dass der Winkel zwischen Sprungbein (Talus) und Mittelfußknochen abgeknickt ist. Zudem liegt der knöcherne Vorfuß nicht mehr in einer Linie mit dem Rückfuß.

Empfohlene Ärzte für die Behandlung eines Plattfuß