Sexuelle Funktionsstörungen sind in ihrer Symptomatik, ihrer Ausprägung und ihren Ursachen sehr unterschiedlich. In jeder Phase des sexuellen Reaktionszyklus (Abfolge der sexuellen Erregung) können psychische und/oder körperliche Ursachen Beeinträchtigung hervorrufen, welche sich in sexuellen Symptombildungen zeigen.
Welcher Arzt Libidoverlust behandelt und die Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen bei Mann und Frau aussieht, erfahren Sie im Folgenden.
Kurzübersicht:
Libidoverlust beschreibt ein vermindertes sexuelles Verlangen, das sowohl körperliche als auch psychosoziale Ursachen haben kann. Oft spielen hormonelle Veränderungen, Stress, Erkrankungen wie Diabetes oder psychische Belastungen eine zentrale Rolle. Die Symptome reichen von sexueller Unlust über Rückzug aus sexuellen Aktivitäten bis hin zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen, jedoch mit unterschiedlichen hormonellen und diagnostischen Schwerpunkten. Die Behandlung erfolgt individuell und reicht von Sexualtherapie über Psychotherapie bis hin zu medizinischen Abklärungen bei der Urologie oder Gynäkologie.
Artikelübersicht
Was ist Libidoverlust
Libidoverlust beschreibt ein vermindertes sexuelles Verlangen oder den Verlust der Libido, also ein nachlassendes Interesse an Sex, das über einen längeren Zeitraum bestehen kann. Mediziner sprechen häufig von einer sexuellen Appetenzstörung, wenn der Geschlechtstrieb oder das Bedürfnis nach Sex deutlich reduziert ist. Ein solcher Zustand kann sowohl sexuelle Luststörung als auch sexuelle Unlust umfassen und betrifft Frauen und Männer in unterschiedlichen Lebensphasen – oft zwischen 18 und 59 Jahren. Der Libidoverlust kann anhaltend auftreten oder als wiederkehrender Mangel beschrieben werden und wird oft erst dann medizinisch relevant, wenn er mindestens sechs Monaten andauert und die Paarbeziehung oder das allgemeine Wohlbefinden belastet.
Ursachen und Symptome einer gestörten Libido
Die Ursachen einer gestörten Libido sind vielfältig und können sowohl körperlich als auch psychosozial bedingt sein. Zu den körperlichen Ursachen gehören unter anderem Testosteronmangel, Veränderungen des Testosteronspiegels, Hormonstörungen oder Erkrankungen wie Diabetes, die das sexuelle Erleben beeinträchtigen können. Auch Medikamente wie Antidepressiva können die Libido negativ beeinflussen. Nicht selten spielen zudem Faktoren wie Stress, Stress im Beruf oder allgemeine Gesundheitsthemen eine wichtige Rolle. Psychische Auslöser wie Angststörungen können ebenfalls zu einer sexuellen Appetenzstörung führen und das Interesse an sexuellen Aktivitäten vermindern.
Unter therapeutischen Gesichtspunkten lassen sich psychosoziale Ursachen in drei Bereiche einteilen:
- Relativ oberflächliche Gründe wie mangelnde Lernerfahrung, geringe sexuelle Fertigkeiten oder irrationale Vorstellungen können sexuelle Funktionsbeeinträchtigungen begünstigen – hier empfiehlt sich zunächst eine Sexualberatung
- intrapsychische Faktoren wie unbewusste Ängste oder innere Konflikt: eine Einzelpsychotherapie ist sinnvoll
- Sind die Beschwerden Ausdruck eines Beziehungskonfliktes, etwa bei fehlenden sexuellen Fantasien oder einer sexuellen Aversion, kann eine Paartherapie hilfreich sein
Symptomatisch zeigt sich eine gestörte Libido oft durch verminderte sexuelle Lust, anhaltenden Rückzug von sexuellen Handlungen, sexuelle Unlust oder Beschwerden wie sexuell bedingte Schmerzen bzw. Schmerzen beim Sex. Eine detaillierte Anamnese und gegebenenfalls urologische oder gynäkologische Abklärung sind ratsam, um die möglichen Ursachen einzugrenzen und eine geeignete Therapie zu finden.

Vertrauensvolle Kommunikation als Schlüssel: Eine professionelle Sexual- oder Paartherapie bietet einen geschützten Raum, um psychische Ursachen für den Libidoverlust zu klären und gemeinsam Wege zurück zur Intimität zu finden.
Libidoverlust weiblich vs. männlich
Der Libidoverlust betrifft sowohl die Libido der Frau als auch die Libido des Mannes, jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Bei Männern steht oft ein Hypogonadismus oder eine Beeinträchtigung des Testosterons im Vordergrund, weshalb die Abklärung beim Urologen sinnvoll ist – insbesondere, wenn zusätzlich eine Hormonersatztherapie in Betracht gezogen wird.Wie werden sexuelle Funktionsstörungen klassifiziert?
Die nicht-organischen sexuellen Funktionsbeeinträchtigungen des Mannes und der Frau werden folgendermaßen klassifiziert:
- F 52.0: Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen
- F 52.1: sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung (F 52.10 sexuelle Aversion, F 52 .11 mangelnde sexuelle Befriedigung)
- F 52.2: Versagen genitaler Reaktionen
- F 52.3: Orgasmusstörungen
- F 52.4: Ejaculatio praecox (vorzeitiger Samenerguss)
- F 52.5: nichtorganischer Vaginismus (verkrampfte Scheidenmuskulatur ermöglicht ein Eindringen des Penis nur unter Schmerzen)
- F 52.6: nichtorganische Dyspareunie (Schmerzhaftigkeit beim Geschlechtsverkehr)
- F 52.7: gesteigertes sexuelles Verlangen
- F 52.8: sonstige nichtorganische sexuelle Funktionsbeeinträchtigungen
- F 52.9: nicht näher bezeichnete nichtorganische sexuelle Funktionsstörung
Behandlung sexueller Funktionsbeeinträchtigungen
Die Therapie sexueller Funktionsbeeinträchtigungen richtet sich nach den verschiedenen Ursachen, die einer Störung zugrunde liegen. Viele Beschwerden werden primär sexualtherapeutisch behandelt, besonders wenn individualpsychologische Faktoren oder partnerschaftliche Belastungen eine Rolle spielen. Liegt dem Problem eine der Appetenzstörungen zugrunde oder handelt es sich um einen Libidoverlust, kommen sowohl verhaltenstherapeutische Methoden als auch Techniken zur Förderung der Erregung zum Einsatz. Erst bei den häufiger vorhandenen Komorbiditäten wie Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen und affektiven Störungen ist eine tiefer gehende Psychotherapie angezeigt. Körperliche Aspekte werden je nach Befund ergänzt durch Laboruntersuchungen, körperliche Untersuchungen oder Maßnahmen im Rahmen der Urologie oder Gynäkologie. Auch Medikamente wie Antidepressiva sowie die Einnahme anderer Präparate können sexuelle Beschwerden negativ beeinflussen und müssen daher therapeutisch berücksichtigt werden. Insgesamt ist die Behandlung individuell und hängt davon ab, wie unterschiedlich stark ausgeprägt die Symptome sind.
FAQ Häufige Fragen zu Libidoverlust
Welche Ursachen führen am häufigsten zu Libidoverlust?Häufige Auslöser sind hormonelle Veränderungen, Stress, psychische Belastungen, Testosteronmangel, bestimmte Erkrankungen sowie Medikamente wie Antidepressiva.
Wann sollte ich wegen Libidoverlust einen Arzt aufsuchen?Wenn die Beschwerden länger als sechs Monate bestehen, Belastungen in der Beziehung verursachen oder von Schmerzen begleitet werden, ist eine Abklärung beim Urologen oder Gynäkologen empfehlenswert.
Wie äußert sich eine gestörte Libido?Typisch sind verminderte sexuelle Lust, Rückzug von sexuellen Handlungen, sexuelle Unlust, fehlende Erregtheit oder Schmerzen beim Sex.
Wie wird Libidoverlust behandelt?Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen und kann Sexualtherapie, Psychotherapie, medizinische Diagnostik, hormonelle Abklärung oder die Anpassung bestimmter Medikamente umfassen.






