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Behandlung · Psychiatrie

Psychopharmaka: Informationen & Psychopharmaka-Spezialisten

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Wirkung
Psychopharmaka können Beschwerden lindern, wirken aber je nach Erkrankung, Wirkstoff und Person unterschiedlich.
Einnahme
Die Pharmakotherapie wird individuell festgelegt. Manche Mittel werden zunächst niedrig dosiert und anschließend schrittweise gesteigert.
Sicherheit
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen hängen vom Präparat ab. Deshalb ist eine vollständige Medikamentenliste für das Arztgespräch wichtig.
Kosten
Bei einem von der gesetzlichen Krankenkasse übernommenen Arzneimittel beträgt die Zuzahlung meist 5 bis 10 Euro pro Medikament.
Verordnung
Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie können Psychopharmaka bei entsprechender Indikation verordnen.

Psychopharmaka sind Medikamente, die Vorgänge im Gehirn beeinflussen und dadurch die psychische Verfassung verändern. Sie werden etwa bei Depressionen, Psychosen oder Angststörungen eingesetzt.

Welches Psychopharmakon geeignet ist, hängt von der Diagnose, der Krankheitsphase, gleichzeitig eingenommenen Medikamenten und möglichen Nebenwirkungen ab. Deshalb wird die Medikation ärztlich geplant und kontrolliert.

Was sind Psychopharmaka und für wen kommen sie infrage?

Psychopharmaka ist der Oberbegriff für verschiedene Mittel, die bei einer psychischen Erkrankung eingesetzt werden. Die einzelnen Gruppen unterscheiden sich in ihren Anwendungsgebieten und Wirkweisen.

Zu den Antidepressiva gehören Sertralin und Citalopram. Beide sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI. Eine weitere Gruppe bilden Antipsychotika, die auch Neuroleptika genannt werden.

Chlorpromazin ist ein älterer Vertreter dieser Gruppe. Davon werden die atypischen Antipsychotika unterschieden.

Mögliche Behandlungsanlässe sind:

  • Depression: Antidepressiva können eine mittelschwere oder schwere depressive Episode lindern.
  • Angststörungen: Auch bei diesen Erkrankungen werden Antidepressiva eingesetzt.
  • Bipolare Störung: Je nach Krankheitsphase kommen Stimmungsstabilisierer, Antidepressiva und Antipsychotika infrage.
  • Psychose bei Schizophrenie: Antipsychotika können Beschwerden wie Halluzinationen lindern.
Depressiver Mann mit Tabletten
Antidepressiva helfen bspw. bei Depressionen oder Angststörungen © Patrick Daxenbichler | AdobeStock

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer können außerdem eine Zwangsstörung lindern. Bei einer Schlafstörung können zeitweise Schlaf- und Beruhigungsmittel eingesetzt werden.

Was können Psychopharmaka bewirken?

Der realistische Nutzen hängt von der Erkrankung und dem ausgewählten Wirkstoff ab, denn nicht alle Patientinnen und Patienten sprechen auf dieselbe Behandlung an.

Im zentralen Nervensystem übertragen chemische Botenstoffe Signale, indem sie an Rezeptoren von Nervenzellen binden. Zu diesen Botenstoffen gehören Noradrenalin und Dopamin. Je nach Mittel beeinflusst die Behandlung unterschiedliche Signalwege.

Bei Erwachsenen mit mittelschwerer oder schwerer Depression besserten Antidepressiva die Beschwerden innerhalb von 6 bis 8 Wochen bei etwa 50 von 100 Behandelten. Eine Besserung bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sämtliche Beschwerden verschwinden.

Bei einer akuten Psychose im Rahmen einer Schizophrenie besserten Antipsychotika die Symptome innerhalb von sechs Wochen bei etwa 50 von 100 Menschen. Während einer solchen Episode können Betroffene psychotisch sein. Bei ADHS können Medikamente vor allem Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität lindern.

Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz können Cholinesterasehemmer den Verlust geistiger Fähigkeiten leicht verlangsamen. Auch Memantin kann bei Alzheimer-Demenz den Abbau geistiger Fähigkeiten leicht verlangsamen.

Wie wird die Behandlung mit Psychopharmaka geplant?

Vor der Behandlung klärt die Ärztin oder der Arzt, welches Mittel zur Diagnose und zur persönlichen gesundheitlichen Situation passt. Bei einer medikamentösen Depressionsbehandlung sollen die für das Präparat empfohlenen Eingangsuntersuchungen vor Beginn stattfinden.

Bringen Sie eine aktuelle Liste aller eingenommenen Medikamente zum Arztgespräch mit. Erfassen Sie darauf auch frei verkäufliche und pflanzliche Präparate, da pflanzliche Mittel ebenfalls Wechselwirkungen verursachen können. Vor der Verordnung von ADHS-Medikamenten wird zudem die Herzgesundheit überprüft.

Eine Behandlung mit einem Antidepressivum verläuft häufig in diesen Schritten:

  1. Die Ärztin oder der Arzt wählt den Wirkstoff passend zur Diagnose und zur gesundheitlichen Situation aus.
  2. Die Einnahme beginnt in der Regel mit einer niedrigen Dosis.
  3. Falls erforderlich und verträglich, wird die Dosis schrittweise erhöht.
  4. Je nach Antidepressivum folgen Laboruntersuchungen und gegebenenfalls EKG-Kontrollen.
  5. Im weiteren Verlauf beurteilt die Ärztin oder der Arzt die Wirkung und mögliche belastende Beschwerden.

Je nach Mittel und Behandlungssituation können Ärztinnen und Ärzte Psychopharmaka auf unterschiedliche Weise verabreichen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Erkrankung und der Medikamentengruppe. Nach dem Abklingen einer depressiven Episode empfiehlt die Nationale VersorgungsLeitlinie, das Antidepressivum weitere 6 bis 12 Monate einzunehmen.

Für Benzodiazepine und Z-Substanzen gelten bei Schlafstörungen kürzere Zeiträume. Sie sollen spätestens nach vier Wochen wieder abgesetzt werden, weil Entzugserscheinungen auftreten können. Diese Schlaf- und Beruhigungsmittel werden auch als Hypnotika oder Tranquilizer bezeichnet.

Sedativa sind dämpfende Mittel, von denen einige angstlösend wirken.

Bei Schlafstörungen wird die Anwendung dieser beiden Gruppen zeitlich begrenzt. Beim Absetzen wird die Dosis schrittweise verringert.

Auch andere Psychopharmaka sollten Sie nicht eigenständig absetzen. Nach dem Absetzen eines Antidepressivums können bereits innerhalb von 2 bis 4 Tagen Beschwerden auftreten.

Anschließend wird beobachtet, ob Beschwerden erneut auftreten oder zeitlich mit dem Absetzen zusammenhängen. Dieser Verlauf hilft der Ärztin oder dem Arzt bei der klinischen Einordnung.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Jedes Antidepressivum kann unerwünschte Wirkungen verursachen. Welche Beschwerden auftreten, hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab. Die Risiken lassen sich daher nicht für alle Psychopharmaka gemeinsam angeben.

In Studien mit Kindern löste Methylphenidat bei ungefähr 12 von 100 Behandelten Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust aus. Angaben für Erwachsene oder andere Arzneimittel lassen sich daraus nicht ableiten.

Auch pflanzliche Mittel sind nicht automatisch frei von Nebenwirkungen. Johanniskraut kann die Wirkung anderer Medikamente abschwächen, darunter Arzneimittel zur Hemmung der Blutgerinnung.

Für das ärztliche Gespräch sind folgende Angaben hilfreich:

  • Beschreiben Sie neue oder belastende Beschwerden und ihren zeitlichen Bezug zur Einnahme.
  • Ändern Sie die Dosis nur nach ärztlicher Rücksprache.

Wann ist Psychotherapie eine Alternative?

Für die Behandlung von Depressionen kann eine Psychotherapie eine Alternative zur Pharmakotherapie sein. Welche Behandlung infrage kommt, richtet sich nach der Diagnose, den Beschwerden und dem bisherigen Verlauf.

Die Behandlungsformen unterscheiden sich in ihren Anwendungsgebieten und ihrer Einordnung.

BehandlungFür wen kommt sie infrage?Einordnung
PsychopharmakaMenschen mit einer ärztlich festgestellten IndikationDer mögliche Nutzen und die Risiken unterscheiden sich je nach Erkrankung und Präparat.
Kognitive VerhaltenstherapieMenschen mit Angststörungen, Zwangsstörungen oder einer diagnostizierten SchlafstörungDie psychotherapeutische Behandlung ist bei Angststörungen wirksam, bei Zwangsstörungen bevorzugt und kann bei Schlafproblemen helfen.
Psychotherapie bei DepressionMenschen mit DepressionenSie kann die Beschwerden ebenso wie eine medikamentöse Behandlung verbessern.

Was übernimmt die Krankenkasse?

Für ärztlich verordnete Psychopharmaka in Deutschland, die von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden, beträgt die Zuzahlung in der Regel 5 bis 10 Euro pro Medikament.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren müssen für ein von der gesetzlichen Krankenkasse übernommenes Medikament keine Zuzahlung leisten.

Welche Ärztinnen und Ärzte verordnen Psychopharmaka?

Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie können Psychopharmaka bei entsprechender Indikation verordnen. Der fachlich empfohlene Weiterbildungsplan sieht für diese Facharztbezeichnung eine Weiterbildungszeit von 60 Monaten vor.

Zur fachärztlichen Qualifikation gehören Verlaufskontrollen mithilfe von Laborwerten und EKG. Eine Psychiaterin oder ein Psychiater sollte außerdem erklären, welches Behandlungsziel verfolgt wird und wie Wirkung sowie Nebenwirkungen beurteilt werden.

Welche Fachrichtung zuständig ist, richtet sich nach der Diagnose und dem Behandlungsbedarf. Bei körperlichen Beschwerden mit seelischen Wechselwirkungen kann die Psychosomatik beteiligt sein.

Diese Fragen können Sie zum Erstgespräch mitnehmen:

  • Kommen Psychostimulanzien oder Lithium für meine Beschwerden infrage?
  • Welche Bedeutung hat die Psychopharmakologie für die Auswahl des Präparats?
  • Welche Untersuchungen sind vor und während der Einnahme vorgesehen?
  • Wie soll das Präparat später reduziert oder abgesetzt werden?

Spezialistinnen und Spezialisten für Psychopharmaka finden Sie im Anschluss an diesen Text.

Häufige Fragen zu Psychopharmaka

Ist Sertralin ein Psychopharmakon?

Ja. Sertralin gehört ebenso wie Citalopram zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern und damit zu den Antidepressiva.

Gehört ein EKG zur Kontrolle bei Antidepressiva?

Bei manchen Antidepressiva kann ein EKG zur Verlaufskontrolle gehören. Ob die Untersuchung erforderlich ist, hängt vom ausgewählten Mittel und von der gesundheitlichen Situation ab.

Warum werden bestimmte Schlafmittel schrittweise abgesetzt?

Bei bestimmten Schlaf- und Beruhigungsmitteln können Entzugserscheinungen auftreten. Deshalb wird die Dosis beim Absetzen schrittweise verringert.

Kann eine Psychotherapie Medikamente ersetzen?

Bei Depressionen kann eine Psychotherapie eine Alternative zur medikamentösen Behandlung sein, da beide Behandlungsformen die Beschwerden verbessern können. Bei Zwangsstörungen gilt die kognitive Verhaltenstherapie als bevorzugte Behandlung.

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Über den Fachautor

Univ.-Prof. Dr. med. Klaus Lieb

Direktor · Mainz

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Quellen

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