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Erkrankung · Neurologie

Diagnose Demenz und Alzheimer Erkrankung: Diagnose, Informationen und Hilfe

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: F01, F02, F03, G30, G31, G31.0, G31.82

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Demenz ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für unterschiedliche Krankheitsbilder, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Orientierung und Denkvermögen nachlassen. Weltweit ist ihre Zahl in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Allein in Deutschland leben schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen mit der Diagnose. Die verbreitetste Form ist die Demenz bei Alzheimer, gefolgt von der vaskulären Form sowie selteneren Demenzformen, etwa der fronttotemporalen Variante. Da die Beschwerden im Frühstadium oft unspezifisch sind, bleibt sie Erkrankung häufig lange unerkannt. Eine frühzeitige Diagnostik verbessert die Behandlungsmöglichkeiten und hilft Betroffenen länger selbstständig zu bleiben.

Es gibt Krankheitsbilder, die nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch deren Familien hart treffen. Eine solche Diagnose ist Demenz. Ihr Verlauf ist für das nahe Umfeld oft ebenso belastend, wie für die Betroffenen selbst.

Dieser Beitrag informiert über die wichtigsten Aspekte der Demenz. Hier finden Sie Informationen, wo Betroffene und Angehörige Unterstützung und einen Arzt finden.

Diagnose: Ist es Demenz?

Viele Menschen sehen Demenz als eigenständige Krankheit. Richtig ist: Das Wort steht einerseits als Oberbegriff für verschiedene Formen, etwa die vaskuläre Demenz, andererseits bezeichnet es eine Begleiterscheinung, etwa im Rahmen neurodegenerativer Prozesse.

Sie führt bei Betroffenen zur Einschränkung geistiger Fähigkeiten. Hierzu zählen:

  • Orientierungsvermögen
  • Kurz- und Langzeitgedächtnis sowie das allgemeine Denken
  • Persönlichkeitsveränderungen

Menschen mit Demenz: Erste Anzeichen erkennen

Grundsätzlich gilt: Menschen mit Demenz bleiben länger selbstständig, wenn Ärzte ihre Beschwerden frühzeitig erkennen und behandeln. Solche Hinweise sollten deshalb ernst genommen werden.

Verdacht auf Demenz: Der Selbsttest

Die folgenden Fragen bieten Ihnen eine erste Orientierung:

  • Machen Sie kleine Fehler im Alltag, die Ihnen früher nicht passiert sind, etwa beim Würzen des Essens oder beim Bedienen der Waschmaschine?
  • Sind Sie schusselig, verlassen den Raum und vergessen sofort, wohin Sie wollten, oder finden Ihre Schlüssel nicht mehr?
  • Sind Sie vergesslich, sodass Sie beim Lesen längerer Texte am Ende schon den Anfang vergessen haben?
  • Fällt es Ihnen schwer, alltägliche Begriffe zu finden, obwohl Ihnen das Wort früher mühelos eingefallen wäre?
  • Fühlen Sie sich antriebslos und haben kaum noch Lust auf Aktivitäten, die Ihnen früher wichtig waren?
  • Haben Sie Probleme, längere Sätze fehlerfrei auszusprechen, weil Sie sich verheddern und den Faden verlieren?

Kommen Ihnen diese Punkte bekannt vor, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber. Es muss nicht bedeuten, dass bei Ihnen eine Demenz vorliegt, doch es lohnt sich, dem Auslöser auf die Spur zu kommen.

Tipp: Der Wegweiser Demenz

Das Bundesfamilienministerium bietet mit diesem Portal eine bundesweite Übersicht regionaler Beratungsangebote.

Fühlen Sie sich mit Ihren Beschwerden nicht ernst genommen oder wollen Sie gleich eine verlässliche Diagnose erhalten? Dann vereinbaren Sie einen Termin für eine "Gedächtnissprechstunde". 

Große Kliniken verfügen über Spezialisten, die Sie umfassend auf Hirnleistungsstörungen hin untersuchen. Über die Website der Deutschen Alzheimer Gesellschaft finden Sie Ansprechpartner in Ihrer Nähe.

Demenzformen

Die Medizin unterscheidet verschiedene Arten von Demenz.

  • Demenz bei Alzheimer (häufigste Form der Demenz): Morbus Alzheimer ist die Ursache von 50 Prozent aller Demenz-Fälle. Die beginnende Demenz tritt eher erst ab 65 Jahren auf, die meisten Betroffenen sind älter als 80 Jahre. Diese Form der Demenz verläuft chronisch-progredient (dauerhaft und fortschreitend).
  • Vaskuläre Demenz: Kleine und größere Schlaganfälle stören die Durchblutung der betroffenen Gehirnregionen und zerstören dadurch das Gehirngewebe. Besonders kleine, wiederholt auftretende Hirnschläge führen zu schwankenden Symptomen. Der Betroffene wirkt phasenweise verwirrt und kurz darauf wieder klar. Im Gegensatz zu Morbus Alzheimer beginnen die Beschwerden früher und oft abrupt.
  • Mischformen von 1 und 2
  • Metabolische Demenz: Demenz tritt als Folge von Vitaminmangel oder Intoxikation auf.
  • Frontotemporale Demenz: Bei dieser selteneren Form sterben Nervenzellen vor allem im Stirn- und Schläfenlappen ab. Die Ursachen der frontotemporalen Demenz sind bislang nicht vollständig geklärt, genetische Faktoren werden jedoch diskutiert. Anders als bei den zuvor beschriebenen Formen stehen hier häufig Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen im Vordergrund, während das Gedächtnis zu Beginn oft noch erhalten bleibt. Menschen mit frontotemporaler Demenz erkranken im Durchschnitt früher als Betroffene mit anderen Verlaufsformen.

Nach dem Ausbruch leben Betroffene im Mittel zwei bis sieben Jahre; der individuelle Verlauf der Demenz hängt jedoch stark von der Form, dem Diagnosezeitpunkt und Begleiterkrankungen ab.

Symptome einer Demenz

Die Beschwerden lassen sich unterschiedlichen Kategorien zuordnen und reichen von kognitiven über motorische bis hin zu psychischen Veränderungen.

Im Anfangsstadium gleicht die Demenz einer Depression, so dass weder Betroffene noch Angehörige an eine Demenz denken. Aus diesem Grund bieten die folgenden Abschnitte erste Anhaltspunkte.

Kognitive Ausfälle

Ein zentrales Merkmal ist der Gedächtnisverlust, der sich im Krankheitsverlauf zunehmend verschlimmert. Betroffene bemerken diese Gedächtnisstörungen oft selbst nicht oder verschweigen sie aus Scham, weshalb viele Patienten erst spät den Weg zum Arzt finden. Weitere Symptome wie Wortfindungsstörungen oder Orientierungsprobleme, auch in gewohnter Umgebung, zählen zu den kognitiven Ausfallerscheinungen und gehören zu den ersten Symptome, die im Umfeld auffallen.

Demenz
© LIGHTFIELD STUDIOS | AdobeStock

Motorische Ausfälle

Im Verlauf einer Demenz kann es auch zum Verlust der motorischen Fähigkeiten kommen. Abzugrenzen sind diese von einer anderen Erkrankung - der Parkinson-Krankheit - welche mit eben jenen motorischen Störungen (Zittern) beginnt.

Die motorischen Störungen gefährden den Patienten im Alltag. Vor allem das Sturzrisiko steigt rapide an. Motorische Störungen lassen sich vor allem durch einen unsicheren Gang mit kleinen Schritten erkennen.

Verhaltensauffälligkeiten

Verhaltensstörungen sind vor allem für das Umfeld anstrengend und kräftezehrend: Betroffene zeigen unterschiedliche Beschwerden, etwa Enthemmung, Apathie, Aggression, Schlafstörungen, Angst oder depressive Phasen. Bei einigen treten im Verlauf zusätzlich psychotische Beschwerden wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen auf, hinzu kommt die schwindende Fähigkeit, den Haushalt zu führen oder für angemessene Körperpflege zu sorgen. In der Summe beeinträchtigt Demenz damit nicht nur das Gedächtnis, sondern nahezu alle Lebensbereiche der Betroffenen.

Diagnose Demenz: Diagnostik von Alzheimer und Demenzerkrankungen

Hausärzte sind in der Regel die erste Anlaufstelle für Menschen mit Gedächtnisstörungen und überweisen zur genauen Abklärung an einen Neurologen oder Psychiater.

In der neurologischen Praxis erhebt der Neurologe zunächst die Anamnese, die genaue Krankheitsgeschichte. Die geistige Leistungsfähigkeit lässt sich zum Beispiel mit dem DemTect oder dem Mini-Mental-Status-Test einschätzen; beide Verfahren geben erste, verlässliche Hinweise.

Bildgebende Verfahren wie die MRT (Magnetresonanztomographie) oder die Positronen-Emissions-Tomographie (PET-CT) geben Informationen über organische Veränderungen im Gehirn und helfen, das Stadium der Demenz einzuordnen.

Abgrenzung zu Pseudo-Demenzen

Ehe der Arzt eine entsprechende Diagnose stellt, muss er im sogenannten Ausschlussverfahren andere Krankheiten ausschließen, etwa Pseudo-Demenzen: Beschwerden, die täuschend ähnlich wirken, wie sie beispielsweise bei schweren Depressionen mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen auftreten können, ohne dass tatsächlich eine Demenz vorliegt.

Welche Ursachen hat Demenz? Primäre Demenz und sekundäre Demenzen:

Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwei Gruppen von Ursachen.

Primäre Demenz

Hier steht die krankhafte Veränderung des Gehirns selbst im Vordergrund, etwa bei neurodegenerativen Prozessen im Gehirn.

Sekundäre Ursachen

Eine sekundäre Form entwickelt sich dagegen als Folge äußerer Einflüsse oder Vorerkrankungen, etwa:

  • Gehirnblutungen nach Unfällen
  • Tumore
  • Alkohol und andere Drogen sowie
  • verschiedene Medikamente

Auch die steigende Lebenserwartung trägt zum Anstieg der Demenzerkrankungen bei, da das Risiko für Demenz mit zunehmendem Alter steigt.


Therapie: Wie erfolgt die Behandlung bei Demenz?

Alzheimer und vaskuläre Demenz sind bislang nicht heilbar. Die Behandlung der Demenz kombiniert meist Medikamente, Psychotherapie und spezielle Trainings mit dem Ziel, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhöhen.

Die medikamentöse Therapie erfolgt je nach Präparat als Tablette, Lösung oder Wirkstoff-Pflaster, was für das Umfeld und Pflegepersonal oft eine spürbare Erleichterung im Alltag bedeutet.

Folgende Therapiebausteine ergänzen die medikamentöse Behandlung:

  • Im Anfangsstadium empfehlen Mediziner ein Gedächtnistraining unter Anleitung. Dieses Training stärkt das Gedächtnis und die Fähigkeit der Patienten, sich zu orientieren. 
  • Im fortgeschrittenen Stadium ist diese Therapie eher nicht angezeigt. Der Grund: Da es zu immer stärkeren Ausfallerscheinungen kommt, bleiben auch die "Erfolge" aus. Dies könnte sich sehr negativ auf die Psyche und das Allgemeinbefinden der Patienten auswirken.
  • Biografie-Arbeit: Zum Einsatz kommt hier häufig der "Ich-Pass". Die Patienten beantworten einfache Fragen zu ihrer Person und tragen die Antworten in ihren „Ich-Pass“ ein. Der positive Nutzen besteht darin, dass das Pflegepersonal erkennt, was der Patient mit bestimmten Verhaltensmustern mitteilen will. Denn gerade im fortgeschrittenen Stadium können sich die Betroffenen oft nicht mehr vernünftig mitteilen.
  • Hinzu kommen Ergo-, Bewegungs- und Musiktherapie

Demenz vorbeugen

Viele Menschen beschäftigen sich mit der Frage, ob sich Demenz verhindern lässt. Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht.

Folgende Faktoren wirken sich jedoch positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit und das allgemeine Wohlbefinden aus:

  • ausgewogene Ernährung
  • ausreichend Bewegung
  • soziale Kontakte
  • geistig anregende Aktivitäten, etwa Gehirnjogging

Bestimmte gesundheitliche Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, und benötigen daher eine frühzeitige Behandlung. An erster Stelle steht Bluthochdruck: Der Druck auf die Blutgefäße begünstigt vor allem die vaskuläre Form der Demenz, ebenso wie Arteriosklerose, die Verkalkung der Gefäße.

Verlauf einer Demenz

Der Verlauf der Erkrankung ist individuell unterschiedlich und hängt von der Form, dem Diagnosezeitpunkt sowie weiteren Faktoren ab. Grob lassen sich ein leichtes, mittelschweres und schweres Stadium unterscheiden. Eine leichte Demenz liegt vor, wenn Betroffene trotz erster Gedächtnis- und Orientierungsstörungen noch weitgehend selbstständig leben können; im weiteren Verlauf nehmen die Beeinträchtigungen zu, bis Betroffene im späten Stadium umfassende Unterstützung benötigen. Die Folgen betreffen dabei nicht nur die kognitiven, sondern zunehmend auch die körperlichen Fähigkeiten der Betroffenen.


Selbsthilfe für Betroffene und Angehörige

Eine chronische, fortschreitende Erkrankung bedeutet immer einen großen Einschnitt ins Leben. Für Betroffene und Angehörige gibt es verschiedene Anlaufstellen. Von regionalen Selbsthilfegruppen über Fachgesellschaften und Internetforen.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. bietet umfassende Unterstützung. Betroffene können sich auf der Website ausführlich über das Thema informieren.

Für persönliche Fragen stehen Ihnen eine kostenlose E-Mail-Beratung und das „Alzheimer-Telefon“ zur Verfügung.

Im Online-Forum der Gesellschaft können sich Betroffene in einem geschützten Rahmen austauschen und gegenseitig unterstützen.

Angehörige finden zum Beispiel bei den regionalen Fachstellen für pflegende Angehörige der Caritas eine kompetente Anlaufstelle. Die Fachstelle unterstützt die Angehörigen in allen Belangen.

Die Diagnose Demenz stellt das Umfeld des Betroffenen vor große Herausforderungen und wirft viele Fragen auf. Fachkräfte beraten und unterstützen Sie in dieser Zeit.

Fazit: Demenz bedeutet eine enorme Herausforderung. Um diese zu meistern, steht den Betroffenen und ihren Angehörigen ein Netz kompetenter Unterstützer zur Seite.

Häufige Fragen

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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Quellen
  • Gebhard, D. & Mir, E. (2019): Gesundheitsförderung und Prävention für Menschen mit Demenz: Grundlagen und Interventionen. Springer-Verlag. (Anmerkung: Das Buch erscheint im Juli und klingt sehr vielversprechend.)
  • Forstmeier, S. & Roth, T. (2017): Kognitive Verhaltenstherapie für Patienten mit leichter Alzheimer-Demenz und ihre Angehörigen. Springer-Verlag.
  • Diekämper, W. (2010): Pflegiothek: Menschen mit Demenz begleiten und pflegen: Fachbuch. Cornelsen-Verlag.
  • Maier et al. (2011): Alzheimer & Demenzen verstehen: Diagnose, Behandlung, Alltag, Betreuung. Trias-Verlag.
  • Baumann, U. & Perrez, M. (Hrsg.) (2011): Klinische Psychologie – Psychotherapie. Lehrbuch. Hans-Huber-Verlag.
  • Wegweiser Demenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: https://www.bmfsfj.de/blob/95300/9a041b860bb2b13085e4dd74a67a881c/serviceportal-wegweiser-demenz-flyer-data.pdf

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