Zum Inhalt springen
Leading Medicine Guide Logo

Erkrankung · Endokrinologie

Testosteronmangel beim Mann: Symptome, Ursachen und Diagnostik bei Hypogonadismus nach Leitlinie

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: E29.1

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Ein Testosteronmangel beim Mann kann verschiedene Symptome verursachen, darunter Libidoverlust, verminderte Muskelkraft und Veränderungen der Körperzusammensetzung. Ein Hypogonadismus kann primär die Hoden betreffen oder sekundär durch eine gestörte hormonelle Steuerung über Hypophyse und Hypothalamus entstehen. Um einen Testosteronmangel zu erkennen, sind klinische Beschwerden und die ärztlich bestimmten Testosteronwerte entscheidend. Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung und kann bei entsprechender Indikation eine Testosteronersatztherapie umfassen.

Testosteronmangel bezeichnet einen Zustand, bei dem zu wenig Testosteron vorhanden ist und gleichzeitig passende klinische Beschwerden bestehen können. Das Sexualhormon wird beim Mann überwiegend in den Hoden produziert und beeinflusst unter anderem Libido, Muskelkraft und Knochendichte. Ein typisches Symptom eines Testosteronmangels kann Libidoverlust sein, allerdings sind die Beschwerden häufig unspezifisch. Medizinisch kann ein Hypogonadismus primär durch eine Störung der Hoden oder sekundär durch Veränderungen von Hypophyse beziehungsweise Hypothalamus entstehen.

Auch chronische Erkrankungen, Übergewicht oder Diabetes können mit einem erniedrigten Testosteronspiegel zusammenhängen. Für die Diagnostik werden die klinischen Symptome zusammen mit wiederholt bestimmten Testosteronwerten im Blut beurteilt. Erst wenn ein Testosteronmangel tatsächlich vorliegt und seine mögliche Ursache abgeklärt wurde, lässt sich entscheiden, ob eine spezifische Behandlung oder Testosterontherapie sinnvoll ist.

Welche Ursachen hat ein Hypogonadismus?

Der Hypogonadismus lässt sich je nach Ursache in drei Formen unterteilen:

  1. Primäre Hypogonadismus
  2. Sekundäre Hypogonadismus
  3. Tertiäre Hypogonadismus

Primäre Hypogonadismus

Beim primären Hypogonadismus findet sich die Ursache direkt in den Keimdrüsen. Die übergeordneten hormonellen Zentren stimulieren Eierstöcke oder Hoden zwar, diese produzieren aber zu wenig Hormone.

Eine typische angeborene primäre Störung des Mannes ist das Klinefelter-Syndrom. Menschen mit dieser Erkrankung besitzen statt des bei Männern üblichen XY-Chromosomensatzes ein zusätzliches X-Chromosom.

Ein primärer Hypogonadismus tritt ebenfalls bei Frauen auf, die unter dem Turner-Syndrom leiden. Sie haben anstelle von zwei Geschlechtschromosomen (XX) nur ein funktionsfähiges X-Chromosom.

Ebenso können beim Mann Hodentumore oder Verletzungen im Genitalbereich zu einer verminderten Hormonproduktion führen. Bei Frauen kann Eierstockkrebs und/oder eine Entzündung in diesem Bereich eine mögliche Ursache sein.

Sekundäre Hypogonadismus

Der sekundäre Hypogonadismus beruht hingegen auf einer Störung der Hypophyse, die im Hirn als übergeordnetes hormonelles Zentrum fungiert. Sie schüttet das Follikelstimulierende Hormon (FSH) sowie das Luteinisierende Hormon (LH) aus.

Diese sogenannten Releasing-Hormone animieren die Keimdrüsen zur Produktion der Geschlechtshormone. Mangelt es also an den Releasing-Hormonen, produzieren Eierstöcke und Hoden zu wenig Testosteron bzw. Östrogen und Progesteron.

Hormondiagnostik aus Blutabnahme
Die Hypophyse ist ein etwa haselnussgroßes endokrines Organ im zentralen Nervensystem @ bilderzwerg /AdobeStock

Das Hypophysenadenom ist eine typische Erkrankung, bei der ein sekundärer Hypogonadismus auftreten kann. Es handelt sich dabei um einen seltenen, gutartigen Tumor im Kopf.

Auch bei angeborenen Störungen, wie beispielsweise dem Kallmann-Syndrom, oder einer direkten Schädigung des Hypophysenvorderlappens kann ein sekundärer Hypogonadismus entstehen.

Tertiäre Hypogonadismus

Der tertiäre Hypogonadismus ist die seltenste Form des Hypogonadismus. Er liegt dann vor, wenn die Ursache auf Ebene des Hypothalamus zu finden ist.

Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns, der ebenso wie die Hypophyse Releasing-Hormone ausschüttet. Diese stimulieren jedoch nicht direkt die Keimdrüsen, sondern die Hypophyse zur Ausschüttung von FSH und LH.

Über einen Mangel an diesen hypophysen eigenen Releasing-Hormonen kommt es zu einer verminderten Keimdrüsenaktivität und einer verminderten Ausschüttung von Geschlechtshormonen.

Wie äußert sich der Hypogonadismus beim Mann?

Die Symptome sind äußerst vielseitig und zeigen sich nicht nur im sexuellen Bereich. Fehlt es bereits im Kindesalter an Testosteron, bleibt die Pubertät aus.

Mediziner sprechen hier auch vom Eunuchismus. Sowohl die primären als auch die sekundären Geschlechtsmerkmale bleiben in der Entwicklung zurück.

Betroffene haben ein geringes Hodenvolumen und einen unterentwickelten Penis. Des Weiteren ist die Körperbehaarung eher spärlich. Im Erwachsenenalter können folgende Symptome auftreten:

  • Abnahme der Libido
  • Verlust der Achsel- und Schambehaarung
  • verminderter Bartwuchs
  • Abnahme der Körpergröße
  • Spontanbrüche durch eine verminderte Knochendichte
  • Verlust von Muskelmasse und Kraft

Erkennen der Erkrankung Testosteronmangel beim Mann: Mangel an Testosteron (primär und sekundär) behandeln und geeignete Diagnostik - Sexualhormon Testosteron und das Zusammenspiel von Hypophyse und Hypothalamus

Welche Symptome treten beim Hypogonadismus der Frau auf?

Bei Frauen zeigen sich vor allem Auffälligkeiten im Zyklus. Besteht die Hormonstörung bereits vor der Pubertät, bekommen die betroffenen Mädchen nie ihre Periode.

Mediziner sprechen hier von einer primären Amenorrhoe. Auch im Erwachsenenalter bleibt die Monatsblutung aus (sekundäre Amenorrhoe). Da kein Eisprung stattfindet, sind Frauen mit Hypogonadismus unfruchtbar.

Die Diagnose von Hypogonadismus

In einer detaillierten Anamnese kann der behandelnde Arzt mithilfe spezieller Fragebögen alle Symptome erfragen. Häufig zeigen sich hier schon Hinweise auf einen Hypogonadismus.

Auch die körperliche Untersuchung liefert hypogonadismus-assoziierte Befunde wie beispielsweise unterentwickelte Geschlechtsteile oder eine verminderte Körperbehaarung.

Laborchemische Untersuchungen sind zur Stellung einer sicheren Diagnose jedoch unabdingbar.

Der Arzt bestimmt die Werte der Geschlechtshormone wie:

  • Testosteron
  • Östrogen
  • Progesteron
  • LH
  • FSH
  • Binding Globuline (SHBG)

Bei Verdacht auf einen sekundären oder tertiären Hypogonadismus müssen Ärzte die organspezifischen Releasing-Hormone ebenfalls testen.

Sie sollten einen niedrigen Hormonspiegel immer durch eine zweite Messung bestätigen. Eine vorübergehende Abnahme kann auch durch andere akute Erkrankungen bedingt sein.

Bei einem spezifischen Verdacht können ferner bildgebende Verfahren wie die Sonographie (Ultraschall) hilfreich sein. Hier lassen sich die Geschlechtsdrüsen strukturell darstellen und beurteilen.

Hypothalamus und Hypophyse
Für die Diagnose ist eine labordiagnostische Blutuntersuchung notwendig @ angellodeco /AdobeStock

Die Behandlung von Hypogonadismus

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Hormonstörung. So kommt bei Tumoren beispielsweise eine Chemo- oder Strahlentherapie zum Einsatz. 

Nicht immer ist eine ursächliche Behandlung jedoch möglich. Zur Linderung der Beschwerden erhalten die Patienten dann Hormonpräparate in Form von Tabletten, Cremes, Depotspritzen oder Pflastern.

Da die Hormonersatztherapie Risiken birgt, müssen Ärzte mögliche Gegenanzeigen vor der Behandlung ausschließen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Hormonabhängige Tumore
  • Überempfindlichkeit gegen künstliche Hormone oder andere Inhaltsstoffe der Präparate
  • Frühere oder bestehende Krebserkrankungen der Leber

Welche Prognose hat der Hypogonadismus?

Die Prognose hängt vor allem von der Ursache ab. Lässt sich diese gut behandeln und führen die Betroffenen regelmäßig Sexualhormone zu, können sich die Geschlechtsmerkmale wiederherstellen. Auch mögliche Folgeerkrankungen, die durch den Hormonmangel bedingt auftreten, lassen sich so vorbeugen.

FAQ

Welche Symptome können bei einem Testosteronmangel auftreten?

Die Symptome eines Testosteronmangels können sehr unterschiedlich und teilweise unspezifisch sein. Typische Symptome sind beispielsweise Libidoverlust, verminderte sexuelle Funktion, reduzierte Muskelkraft und langfristig eine verminderte Knochendichte. Auch Veränderungen der Körperzusammensetzung mit mehr Bauchfett können auftreten. Da zahlreiche Erkrankungen ähnliche Beschwerden wie ein Testosteronmangel verursachen können, reicht ein einzelnes Symptom für die Diagnose nicht aus.

Wie kann man einen Testosteronmangel erkennen?

Bei Verdacht auf einen Testosteronmangel werden zunächst die klinischen Symptome und die Krankengeschichte beurteilt. Hinzu kommen eine körperliche Untersuchung und die Bestimmung des Testosteronspiegels im Blut, üblicherweise morgens und bei auffälligem Ergebnis durch eine weitere Messung bestätigt. Je nach Situation können SHBG sowie LH und FSH bestimmt werden. Die Diagnostik hilft dabei, einen tatsächlichen männlichen Hypogonadismus von anderen möglichen Ursachen der Beschwerden abzugrenzen.

Welche Ursachen kann ein Testosteronmangel beim Mann haben?

Ein primärer Hypogonadismus entsteht durch eine Funktionsstörung der Hoden und kann beispielsweise genetisch bedingt sein, wie beim Klinefelter-Syndrom. Beim sekundären Hypogonadismus liegt die Ursache dagegen im Bereich der hormonellen Steuerung durch Hypophyse beziehungsweise Hirnanhangsdrüse oder Hypothalamus. Darüber hinaus kann ein Testosteronmangel funktionell mit Übergewicht, Diabetes mellitus oder bestimmten chronischen Erkrankungen verbunden sein. Deshalb sollten verschiedene Ursachen abgeklärt werden, bevor eine Therapie begonnen wird.

Wann ist eine Testosterontherapie sinnvoll?

Eine Therapie mit Testosteron kommt nicht allein aufgrund eines einzelnen niedrigen Messwerts infrage. Für einen behandlungsbedürftigen Hypogonadismus sind passende klinische Symptome und wiederholt erniedrigte Testosteronwerte relevant. Vor einer Testosteronersatztherapie werden mögliche Ursachen und Gegenanzeigen ärztlich geprüft. Während der Behandlung sind Verlaufskontrollen notwendig, damit Wirkung und mögliche Risiken der Therapie überwacht werden können.

Kann Testosteronmangel mit zunehmendem Alter auftreten?

Der Testosteronspiegel kann mit dem Aging beziehungsweise zunehmenden Erwachsenenalter allmählich sinken, wobei ein niedrigerer Wert allein noch keine Erkrankung bedeutet. Nicht jeder Mann entwickelt dadurch einen behandlungsbedürftigen Testosteronmangel oder entsprechende Symptome. Entscheidend ist, ob klinische Symptome gemeinsam mit dauerhaft niedrigen Hormonwerten vorliegen. Gerade bei älteren Männern können andere Erkrankungen oder Medikamente Beschwerden wie ein Testosteronmangel verursachen und sollten deshalb in die Diagnostik einbezogen werden.

Beitrag teilen

Sabine_Schneider.png

Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

Vollständiges Expertenprofil ansehen →

Geprüfte Expertise

Empfohlene Spezialisten

2 Spezialisten

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Testosteronmangel. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Medizinisches Spektrum

Medizinisch verwandte Themen

Weiterführende Informationen zu Erkrankungen, Anatomie, Behandlung, Diagnostik und passenden medizinischen Spezialisierungen.

Sie suchen den passenden Ansprechpartner? Die empfohlenen Spezialisten bleiben der zentrale nächste Schritt.

Zu den Spezialisten