Die Ursachen für Leberkrebs sind weitestgehend bekannt. In 80 bis 90 Prozent der Fälle sind Vorerkrankungen der Leber, die in einer Leberzirrhose münden, für die bösartige Entartung der Leberzellen verantwortlich. Bei einer Leberzirrhose vernarbt das Lebergewebe und die Leberzellen können ihre Funktion der Entgiftung des Körpers nicht mehr ausüben.
Eine Leberzirrhose entsteht durch langjährigen übermäßigen Alkoholkonsum oder durch Infektionen mit Hepatitis B oder Hepatitis C.
Als weitere Ursachen für ein primäres Leberkarzinom sind
- Stoffwechselerkrankungen wie die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose),
- der Giftstoff Aflatoxin des Schimmelpilzes Aspergillus flavus und
- die Ausbildung einer Fettleber aufgrund von hohem Übergewicht
zu nennen.
In den letzten Jahren sind vor allem die Leberkrebserkrankungen aufgrund einer Fettleber stark angestiegen. Hierbei kommt es zu einer Einlagerung von Fettgewebe in die Leber, die wiederum zu einer Fettleberentzündung mit anschließender Leberzirrhose führen kann.

Schematische Darstellung von Leberkrebs © blueringmedia | AdobeStock
Risikofaktoren für Leberkrebs auf einen Blick:
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Starkes Übergewicht
- Fettleber
- Leberzirrhose
- Diabetes Mellitus Typ 2
- Chronische Hepatitis B
- Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln mit Aspergillus flavus (Getreide, Nüsse)
Bei Patienten mit Leberzirrhose, Patienten mit chronischer Hepatitis-B-Infektion sowie bei Menschen mit Fettleberhepatitis sind Früherkennungsuntersuchungen notwendig. Die Leber dieser Risikogruppen soll bestenfalls alle sechs Monate mittels Ultraschalluntersuchung überwacht werden.
Entwickelt sich Leberkrebs, kann er dadurch sehr viel früher entdeckt werden, was die Heilungschancen deutlich erhöht.
Das Leberkarzinom verursacht im Anfangsstadium der Erkrankung kaum Beschwerden, sodass der Leberkrebs meist erst entdeckt wird, wenn der Lebertumor schon eine gewisse Größe erreicht hat. Dann kommt es häufig zu
- einem Druckgefühl im rechten Oberbauch,
- ungewollter Gewichtsabnahme,
- einer Gelbfärbung der Skleren (der weiße Teil des Auges) und der Haut sowie
- zu einer Zunahme des Bauchumfangs durch Wassereinlagerung (Bauchwassersucht, Aszites).
Da viele der Symptome sehr unspezifisch sind und genauso bei anderen Erkrankungen der Leber oder des Verdauungstrakts auftreten können, muss ein auf Lebererkrankungen spezialisierter Arzt (Gastroenterologe, Hepatologe, chirurgischer bzw. medizinischer Onkologe) zunächst durch ausführliche Diagnostik die Erkrankung Leberkrebs feststellen und alle anderen möglichen Erkrankungen ausschließen.
Bei der Diagnostik von Leberkrebs steht anfangs die Befragung (Anamnese) des Patienten, welche Vorerkrankungen, Lebensgewohnheiten und Beschwerden bestehen und welche Medikamente eingenommen werden. Die körperliche Untersuchung besteht unter anderem im Abtasten des Bauches. Laboruntersuchungen geben Hinweise auf eine mögliche Schädigung der Leber.
Besteht nach diesen Untersuchungen der Verdacht auf einen Lebertumor, schließen sich bildgebende Verfahren an. Empfohlen wird dabei ein dreiphasiges kontrastverstärktes Schnittbildverfahren, bei dem nach Gabe eines Kontrastmittels in bestimmten zeitlichen Abständen die Anreicherung des Kontrastmittels in der Leber und dem Lebertumor und anschließend das Herausspülen des Kontrastmittels beurteilt werden. Diese Untersuchung kann mittels Ultraschalluntersuchung (Sonographie), Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden.
Bei unklaren Ergebnissen oder zur Bestätigung der Diagnose bei kleineren Tumoren kann eine Gewebeprobe entnommen werden (Leberbiospie). Bei Diagnosestellung, im Rahmen des Follow-up nach Tumoroperation bzw. in fortgeschrittenen Stadien zur Verlaufskontrolle im Rahmen der Behandlung kann die Bestimmung des Tumormarkers Alpha-Fetoprotein (AFP) für das HCC, des CA 19-9 für das CCC und das CEA für Lebermetastasen des Dickdarmkrebses sinnvoll sein.
Bestätigt sich der Verdacht auf Leberkrebs, werden die Experten für Leberkrebs eine so genannte Ausbreitungsdiagnostik durchführen, bei der geklärt wird, inwieweit der Lebertumor bereits die Leberkapsel durchbrochen und sich auf benachbarte Organe ausgedehnt und ob er bereits Metastasen gebildet hat.
Hier kommt zunächst die kontrastmittelverstärkte Magnetresonanztomographie (MRT) und bei Verdacht auf Ausbreitung des Tumors in den Brust- und Bauchraum auch die Computertomographie zur Anwendung.
Für die Planung der Therapie sind darüber hinaus wichtig:
- Bestimmung des Tumorstadiums (Tumor-Staging) auf Basis der Ausbreitungsdiagnostik
- Abschätzung der Therapieoptionen und des daraus resultierenden Krankheitsverlaufs mithilfe der „Barcelona Clinic Liver Cancer“-Klassifikation (BCLC-Klassifikation)
- Erfassen des körperlichen Zustandes mithilfe eines speziellen Bewertungsschemas, dem so genannten ECOG Performance Status (ECOG = Eastern Cooperative Oncology Group)
Das bisher noch erfolgreichste Mittel der Leberkrebsbehandlung ist die Leberkrebsoperation. Bei der Leberkrebsbehandlung mittels Operation werden je nach Größe des Tumors Teile der Leber entfernt (Segmentresektion oder Hemihepatektomie). Auch eine Lebertransplantation kann bei definierter Tumorausdehnung und zugrunde liegender Zirrhose im Endstadium als Therapieoption zur Verfügung stehen. Leider scheitert diese Therapieoption häufig an der Verfügbarkeit geeigneter Spenderorgane.
Alternative Leberkrebsbehandlungen: Transarterielle Chemoembolisation
Bei der Transarteriellen Chemoembolisation (TACE) wird die Blutzufuhr der Leberkrebstumoren mechanisch mit Gelschaum oder kleinen Metallspiralen verschlossen, nachdem zunächst ein Chemotherapeutikum appliziert wird.
Alternative Leberkrebsbehandlungen
Tumorzerstörung durch Hitze: Radiofrequenzablation (RFA), Microwellenablation (MWA)
Dies sind Verfahren der minimal-invasiven interventionellen Radiologie. Dabei werden Leberkarzinome bis zu einer Größe von maximal 5 cm durch Hitze lokal zerstört.
Bei der sogenannten Thermoablation wird unter CT- oder Ultraschall-Kontrolle eine dünne Sonde durch die Haut direkt im Zentrum des Lebertumors platziert. Der Patient ist dabei leicht betäubt, aber bei Bewusstsein. Mittels Strom werden nun die Leberkrebszellen bis auf 125°C erhitzt, sodass sie absterben.
Der Erfolg der Ablation wird im Anschluss durch CT-Kontrollen überwacht. Das Verfahren ist für den Patienten sehr schonend und kann auch bei eingeschränkter Leberfunktion durch eine Leberzirrhose angewandt werden.
Stereotaktische Bestrahlung
Dabei werden die Tumore von außen durch eine speziell fokussierte Bestrahlung abgetötet.
Systemische Immun-/Antikörpertherapie
Die derzeit beste den ganzen Körper behandelnde Therapieoption ist die Kombination aus Immuntherapie mit einem Antikörper. Alternativ dazu stehen eine Reihe von zumeist oralen (Tabletten zum Schlucken) Medikamenten zur Verfügung, die effektiv bestimmte Wachstumsfaktoren der Tumore hemmen.
Je früher der Leberkrebs diagnostiziert wird, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Leider wachsen Lebertumoren in den meisten Fällen zunächst unbemerkt. In 80% der Fälle können sie bei Diagnosestellung nicht mehr operiert werden.
Hat das Leberkarzinom in andere Organe metastasiert, ist die Lebenserwartung neingeschränkt. Ist der Leberkrebs noch zu operieren, überleben 50% der Patienten länger als 5 Jahre.
In einer Tumorkonferenz arbeiten Experten verschiedenster Fachgebiete zusammen, um die für den Patienten geeignetste Behandlung auszuarbeiten. Alle Krankenhäuser, die auf die Behandlung von Leberkrebs spezialisiert sind, halten Tumorkonferenzen ab, an denen Experten aus den Bereichen der Inneren Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, der Nuklearmedizin, der Radiologie, der Chirurgie und der Pathologie teilnehmen.
Spezialisten für Leberkrebs zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine große Erfahrung in den empfohlenen diagnostischen und therapeutischen Verfahren aufweisen. Onkologische Zentren sind in der Regel durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert, wodurch eine hohe Qualität in der Versorgung von Patienten mit Leberkrebs gewährleistet ist.