Diabetes Typ 2 ist eine der häufigsten Formen des Diabetes mellitus und eine chronische Erkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Beim Typ-2-Diabetes liegt meist eine Insulinresistenz vor, wodurch das Hormon Insulin nicht mehr richtig in der Körperzelle wirkt. Die Bauchspeicheldrüse produziert zunächst mehr Insulin, kann den Bedarf aber langfristig nicht decken. Diabetes Typ 2 entsteht häufig durch Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und einen ungesunden Lebensstil.
Viele Menschen mit Diabetes bemerken die Symptome erst spät, da sich die Erkrankung schleichend entwickelt. Zu den typischen Symptomen gehören erhöhte Blutzuckerwerte, Müdigkeit und vermehrter Durst. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Mit der richtigen Therapie kann der Blutzucker gesenkt und die Lebensqualität verbessert werden.
Komplikationen und Folgeerkrankungen
Diabetiker und deren Angehörige müssen sich ein detailliertes Wissen über die Krankheit aneignen. Viele Diabetiker erleben eine Vielzahl von Komplikationen und Folgeerkrankungen. Darauf müssen sie stets adäquat reagieren können. Die Komplikationen unterteilen Mediziner in kurzfristige und langfristige.
Kurzfristige Komplikationen
Kurzfristige Komplikationen umfassen beispielsweise Unterzuckerungen oder Blutzuckerentgleisungen. Letztere können auch bis zum Koma führen. Unterzuckerung stellt eine große Gefahr dar. Es kann sich auch ein hypoglykämischer Schock entwickeln. Betroffen sind besonders Patienten, die bestimmte Diabetes Medikamente (z. B. Sulfonylharnstoff Präparate) erhalten.
Ursachen einer Unterzuckerung sind beispielsweise:
- ungewöhnliche körperliche Belastungen
- Diätfehler wie das Auslassen von Mahlzeiten
- Alkoholgenuss
Klinische Anzeichen einer Unterzuckerung sind beispielsweise:
- Herzklopfen
- Hautblässe
- Schweißausbruch
- Zittern
- Hunger
- Angst
- Unruhe
- Kopfschmerzen
- Konzentrationsmangel und
- Reizbarkeit
Bei akuter Unterzuckerung benötigt der Patient schnell Zucker.
Dazu kann er folgendes zu sich nehmen:
- 2-3 Stück Würfel- oder Traubenzucker
- 1 Glas Fruchtsaft oder gesüßten Tee oder
- 1-2 BE Obst, Brot oder Kekse
Eine zweite kurzfristige Komplikation ist das genaue Gegenteil: Überzuckerung. Bei einer starken Überzuckerung (Hyperglykämie) ist die Leistungsfähigkeit meist eingeschränkt. Es kann eine Bewusstseinsstörung oder Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) eintreten.
Zusätzlich treten folgende Symptome auf wie:
- Übelkeit und Erbrechen
- Durst
- Bauchschmerzen
- Trockene Haut
- Tiefe Atmung und
- Acetongeruch in der Ausatemluft
Als Ursachen für Überzuckerung kommen plötzliche Faktoren infrage:
- eine plötzliche Erkrankung
- Infekte
- übermäßiges Essen
- andere Medikamente oder
- eine Unterbrechung der Diabetes-Behandlung
Die Ursache für die Entgleisung zu kennen ist wichtig, um die Therapie anzupassen und weitere Entgleisungen zu vermeiden. Je nach Ausprägung der Hyperglykämie erfolgt eine Behandlung mit Insulin. Der Patient sollte außerdem viel trinken.
Langfristige Komplikationen
Mögliche langfristige Komplikationen umfassen Schäden an:
- Augen
- Nieren
- Nerven
- Herz und
- Gefäßen
Komplikationen und Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus können lebensbedrohlich sein. Sie sind verantwortlich für die Einschränkung der Lebenserwartung von Diabetikern.
Eine schlechte Einstellung des Blutzuckerspiegels über einen längeren Zeitraum führt zu Veränderungen in den:
- kleinen (Mikroangiopathie) und
- großen Blutgefäßen (Makroangiopathie)
Die Mikroangiopathie schädigt insbesondere die Nieren (diabetische Nephropathie) und die Augen (Retinopathie).
Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von:
- Diabetische Nervenerkrankung (diabetische Polyneuropathie) und
- Diabetischen Fuß
- Diabetische Retinopathie
Die Ursache hierfür ist eine über Jahre schlechte Blutzuckereinstellung. Das schädigt die Gefäße an der Netzhaut der Augen. Es bilden sich Aussackungen (Mikroaneurysmen). Dazu kann es zu Fettablagerungen an den Gefäßen kommen. In der Folge bilden sich neue Blutgefäße, die leicht bluten und zur Erblindung führen können. In Deutschland erblinden derzeit pro Jahr ca. 8.000 Menschen als Folge von diabetischen Komplikationen. Für die Behandlung diabetischer Netzhautschäden ist zunächst eine gute Einstellung des Blutzuckers notwendig. Außerdem sind regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt nötig.
Diabetische Nephropathie
Auch in den Nierengefäßen führt eine schlechte Einstellung des Blutzuckers über Jahre zu Schäden. Daraus folgt wiederum ein fortschreitender Funktionsverlust der Niere. Dadurch wird nach einiger Zeit eine Dialyse (Blutwäsche) notwendig. In Deutschland sind ungefähr die Hälfte aller dialysepflichtigen Patienten Diabetiker.
Oft macht sich die Nephropathie durch folgende Beschwerden bemerkbar:
- eine Ansammlung von Wasser im Gewebe (Ödeme) oder
- Bluthochdruck, der sich mit Medikamenten schlecht einstellen lässt
Wenn diese Symptome auftreten, ist eine Normalisierung der Nierenfunktion meist nicht mehr möglich. Die Therapie kann nur noch das Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Deswegen sind eine engmaschige Kontrolle der Blutzuckerspiegel sowie Vorsorgeuntersuchungen zwingend notwendig.
Diabetische Füße
Für die Entstehung des diabetischen Fußsyndroms können verschiedene Ursachen eine Rolle spielen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Durchblutungsstörungen und
- Eine periphere Neuropathie (Nervenschäden) als Folge eines langjährig bestehenden Diabetes mellitus
Insbesondere aufgrund der Nervenschäden kommt es häufig zu Abnormen oder Fehlbelastungen des Fußes. Der Fuß verliert auch einen Teil seiner Sensibilität, d. h. Betroffene fühlen nicht mehr so viel am Fuß. Dadurch kommt es häufig auch zu nicht bemerkten Verletzungen. Diese stellen eine mögliche Keim-Eintrittspforte dar. Infektionen wiederum können chronische und schlecht heilende Wunden nach sich ziehen. Auch mangelnde oder falsche Fußpflege kann eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieses schwerwiegenden Krankheitsbildes spielen.
Bei fehlender oder zu später Behandlung droht die Amputation. In Deutschland erfolgen fast 30.000 Amputationen pro Jahr bei Diabetikern.
Diese hohe Zahl lässt sich durch folgende Möglichkeiten verringern:
- Gute Blutzuckereinstellung
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sowie
- Rechtzeitige und sachgerechte Behandlung
Diagnose von Diabetes mellitus Typ 2
Die Diagnose kann durch mehrere Methoden erfolgen. Eindeutig ist ein im nüchternen Zustand wiederholt gemessener erhöhter Blutzuckerspiegel.
Der Langzeit-Zuckerspiegel im Blut lässt sich durch den sogenannten HbA1c-Wert ausdrücken. Ist dieser deutlich erhöht, ist das ebenfalls ein Hinweis auf das Vorliegen von Diabetes.
Am häufigsten stellen Ärzte Diabetes mellitus anhand eines Zuckerbelastungstests fest. Das ist ein oraler Glukosetoleranztest. Die Messung erfolgt nach dem Trinken einer standardisierten Zuckerlösung. Im Mittelpunkt steht dabei der Verlauf des Blutzuckerspiegels im Blut.
Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2
Es gibt standardisierte Leitlinien zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2. Spezialisten für die Therapie von Diabetes sind Fachärzte aus dem Bereich der Diabetologie.
Ziel der Therapie ist, kurzfristige Komplikationen zu vermeiden, wie:
- Unterzuckerungen und
- Blutzuckerentgleisungen
Außerdem soll sie Symptomen eines schlecht eingestellten Diabetes entgegenwirken, wie:
- reduzierte Leistungsfähigkeit und
- Infektneigung
Langfristig soll die Therapie das Auftreten von Folgeerkrankungen verhindern bzw. verzögern.
Typische Folgeerkrankungen sind etwa Schäden an:
Bei der Mehrzahl der Typ 2-Diabetiker erfolgt die Behandlung allein durch eine Ernährungsumstellung.
Auch Sport und Bewegung helfen bei der Behandlung. Der arbeitende Muskel kann Zucker unabhängig vom Insulin aufnehmen und verbrennen. Daher benötigt der Körper bei ausreichender Bewegung weniger Insulin für die Regulation des Zuckerstoffwechsels.
Erst wenn die gesunde Lebensweise nicht ausreicht, kommen Medikamente (Tabletten oder Insulin) zur Anwendung. Die richtige und bewusste Ernährung ist ein lebenslanger Begleiter des Diabetikers. In speziellen Schulungen können Patienten mehr über die richtige und bewusste Ernährung lernen.

Fazit
Der Type 2 Diabetes mellitus ist eine der häufigsten chronischen Stoffwechselerkrankungen und entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren für Diabetes wie Übergewicht, Bewegungsmangel und genetische Veranlagung. Die Entstehung von Diabetes sowie die Entstehung von Diabetes Typ 2 verlaufen meist schleichend, sodass typische Symptome oft erst spät auftreten. Viele Menschen mit Diabetes Typ 2 bemerken die Erkrankung erst, wenn bereits ein erhöhten Blutzuckerspiegel vorliegt oder Folgeprobleme entstehen.
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden. Dabei spielen Untersuchungen wie der orale Glukosetoleranztest sowie die Betreuung durch eine Ärztin oder der Arzt eine wichtige Rolle. Organisationen wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung oder die Diabetes Gesellschaft geben klare Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung sowie zur langfristigen Betreuung. Auch internationale Erkenntnisse, etwa aus Diabetes Care, tragen zur Verbesserung der Therapie bei.
Die Behandlung von Diabetes umfasst neben oralen Antidiabetika auch eine Anpassung des Lebensstil. Eine ausgewogene Ernährung und gezielte Ernährung bei Diabetes sind zentrale Bausteine, um den Blutzucker zu kontrollieren. Menschen mit Diabetes sollten außerdem auf ausreichend Bewegung achten, um das erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen zu senken. Besonders das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei dieser Erkrankung erhöht.
Da viele Menschen einen Typ-2-Diabetes haben, ist Prävention besonders wichtig. Maßnahmen wie Diabetes Typ 2 vorbeugen können helfen, die Erkrankung hinauszuzögern oder sogar zu verhindern. Dennoch lässt sich Diabetes Typ 2 nicht immer vollständig vermeiden, vor allem bei genetischer Vorbelastung. Beim Diabetes Typ 2 verläuft Diabetes Typ 2 individuell unterschiedlich, weshalb eine personalisierte Therapie notwendig ist. Insgesamt zeigt sich, dass ein bewusster Lebensstil und eine frühzeitige Betreuung entscheidend sind, um das Risiko für Diabetes Typ 2 zu erkranken zu reduzieren und die Lebensqualität langfristig zu erhalten.
FAQ
Was ist Diabetes Typ 2?
Diabetes Typ 2 ist eine chronische Erkrankung, bei der der Blutzucker erhöht ist, weil Insulin nicht mehr richtig wirkt. Diese Form des Diabetes mellitus tritt besonders häufig bei Erwachsenen auf.
Welche Symptome treten bei Typ-2-Diabetes auf?
Typische Symptome sind erhöhter Blutzuckerspiegel, Müdigkeit, vermehrter Durst und häufiges Wasserlassen. Oft bleiben die Symptome lange unbemerkt.
Wie entsteht Diabetes Typ 2?
Die Entstehung von Diabetes Typ 2 hängt mit Insulinresistenz, Übergewicht, Bewegungsmangel und genetischen Faktoren zusammen. Diese Risikofaktoren für Diabetes begünstigen die Erkrankung.
Wie wird Diabetes Typ 2 diagnostiziert?
Die Diagnose Diabetes erfolgt über Blutzuckerwerte, den HbA1c-Wert und ggf. einen oralen Glukosetoleranztest. Eine Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose.
Wie wird Diabetes Typ 2 behandelt?
Die Behandlung von Diabetes umfasst eine Umstellung des Lebensstil, ausgewogene Ernährung bei Diabetes, Bewegung sowie Medikamente oder Antidiabetika. In manchen Fällen muss Insulin gespritzt werden.
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Über den Fachautor
Prof. Dr. med. Stefan Richard Bornstein
Medizinischer Fachautor · Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III & des Zentrums für Innere Medizin · Dresden
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
- S3-Leitlinie „Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes“ (AWMF-Register-Nr. nvl-001), Stand 25.05.2023: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-001
