Leading Medicine Guide Logo

Marisken: Marisken sind Hautläppchen am After - eine harmlose Erkrankung, aber oft mit Hämorrhoiden und Analfalten verwechselt

05.12.2025
Prof. Dr. med. Susanne Regus
Medizinische Fachautorin
Marisken sind in der Regel harmlose Veränderungen im Analbereich. Dennoch werden sie von vielen Betroffenen als Hämorrhoiden fehlinterpretiert. Es handelt sich um schlaffe, weiche oder gelegentlich derbe Hautanteile, die sich direkt am After befinden. Solange kein Symptom besteht, bleiben sie oft unbemerkt. Da Laien Hämorrhoiden oder Marisken schwer auseinander halten können, ist eine professionelle Einschätzung wichtig. Dieser Artikel beantwortet alle relevanten Fragen zu Marisken und zeigt auf, wie die Diagnose von Marisken, die Behandlung und Präventionsmaßnahmen aussehen können.
ICD-Codes für diese Krankheit: K64.4

Kurzübersicht:

Marisken sind gutartige Hautläppchen am After, die meist harmlos bleiben und nur selten ein Symptom verursachen. Die Diagnose von Marisken erfolgt in der Regel durch eine einfach Blickdiagnose, während die Therapie von Marisken überwiegend konservativ bleibt und ein Entfernen nur bei funktioneller oder hygienischer Beeinträchtigung empfohlen wird. Durch eine angepasste Analhygiene und stuhlregulierende Maßnahmen lassen sich Marisken vorbeugen.

Artikelübersicht

Definition: Was sind Marisken?

Marisken sind kleine, von außen teilweise sichtbare, Hautfalten im Analbereich. Die Hautfältchen bestehen zumeist aus weicher oder schlaffer Haut. Sie können aber auch anschwellen und derbe Knoten entwickeln – insbesondere bei chronischen Entzündungen, starkem Pressen durch harten Stuhlgang oder anderen Druckbelastungen auf den Analring.

Oftmals werden sie als kosmetisches oder hygienisches Problem empfunden, obwohl sie medizinisch eher harmlos sind. Dennoch erschweren die Analhygiene. Die Haut kann einzelne Marisken oder mehrere bilden. 

In der Bevölkerung sind die weit verbreitet: Marisken kommen sehr häufig vor. Viele Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens Marisken ohne es wirklich zu bemerken. 

Marisken müssen nicht behandelt werden, kommen aber oft gemeinsam mit anderen Veränderungen wie Analfissuren oder auch chronischen Analfissuren vor, daher ist eine genaue Abklärung wichtig, um eine mögliche organische Ursache finden zu können.

Ursachen - die Entstehung von Marisken

Die Ursachen für die Entstehung von Marisken als harmlose Hautfalten am Aftereingang sind nur zum Teil bekannt.

Allgemein sind Erkrankungen und Zustände, bei denen ein erhöhter Druck im Enddarmbereich besteht (z.B. bei chronischer Verstopfung, Schwangerschaft, Geburt) Risikofaktoren für die Entwicklung von Marisken. In einigen Fällen sind sie eine Begleiterscheinung folgender proktologischer (auf den Enddarm bezogener) Erkrankungen:

Grundsätzlich treten die Hautläppchen bei etwa 60 Prozent der Bevölkerung auf – bei Frauen häufiger und durchschnittlich bereits ab dem 20., bei Männern ab dem 40. Lebensjahr. 

ES EXISTIEREN ZWEI ARTEN VON MARISKEN:

Primäre Marisken entstehen ohne erkennbare Ursache. Hier spielt genetische Veranlagung eine Rolle.

Sekundäre Marisken treten oft als Folge anderer Veränderungen im Analbereich. 

Wieso entstehen Marisken in der Schwangerschaft

Ebenfalls ein besonders relevanter Faktor ist die Schwangerschaft und Geburt. Durch hormonelle Veränderungen und Druck auf den Beckenboden bilden sich bei vielen Frauen Marisken. 

Tatsächlich sind es etwa 75 Prozent der Frauen und ca. 70 Prozent der Männer entwickeln im Lauf ihres Lebens eine solche Veränderung.

Sind Hämorrhoiden oder Marisken das Gleiche?

Marisken werden von Nichtmedizinern und Betroffenen nicht selten mit vergrößerten Hämorrhoiden verwechselt. Es handelt sich aber um unterschiedliche Krankheitsbilder im Bereich des Anus.

Hämorrhoiden sind ringförmig angelegte, durch Arterien versorgte Gefäßpolster unter der Enddarmschleimhaut. Sie stellen keine Erkrankung dar, sondern sorgen für den Feinverschluss des Afters und die Kontinenz, also das kontrollierte Zurückhalten von Stuhlgang. Erst eine deutliche Vergrößerung von Hämorrhoiden ist krankhaft, insbesondere wenn sie aus dem Analkanal austreten und äußerlich sichtbar sind. Dann sprechen Mediziner in diesem Zusammenhang von einem Hämorrhoidalleiden.

Im Gegensatz zu Hämorrhoiden sind Marisken keine Gefäßpolster, sondern lediglich schlaffe, nach außen getretene Anteile der Analkanalhaut und bedürfen keiner Therapie. Im Rahmen eines Hämorrhoidalleidens kann allerdings die Haut des Analkanals nach außen verschoben werden. Entsprechend können Hautveränderungen am Analring ein Indiz für ein zugrundeliegendes Hämorrhoidalleiden sein. Marisken können eine Folge von Hämorrhoiden sein.

Mariske 01
Mariske (kleine Falte) am Darmausgang © Armin Kübelbeck, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

Symptome von Marisken

Marisken sind in aller Regel harmlos und verursachen meistens keine Beschwerden. Sie stellen daher eher ein hygienisches und kosmetisches Problem dar.

Wird die Analhygiene allerdings durch die Hautläppchen stark beeinträchtigt, können Marisken auch zu Problemen führen. Denn mit einer eingeschränkten Analhygiene begünstigt das Risiko für Infektionen, beispielsweise ausgelöst durch Bakterien oder Pilze. 

Typische Beschwerden, verursacht durch Marisken, können dann sein:

  • Juckreiz
  • Brennen
  • Hautausschläge (Analekzeme)
  • wunde Stellen am Analkanal
  • Schmierblutungen, die an Unterwäsche oder Toilettenpapier sichtbar werden können
  • Schwierigkeiten bei der Analhygiene

Meist sind die Beschwerden eher mild, können jedoch im Alltag beeinträchtigen und Beschwerden verursachen.

Diagnose von Marisken

Marisken können sehr einfach diagnostiziert werden, da es sich um eine sogenannte „Blickdiagnose“ handelt. Sie sind mit bloßem Auge in aller Regel sichtbar und werden im Rahmen der Inspektion (medizinischer Fachausdruck für die Untersuchung mittels einfacher Betrachtung) durch einen Facharzt der Proktologie diagnostizierbar. Für die Diagnosestellung von Marisken sind folglich keine weiteren apparativen Untersuchungen notwendig.

Da Marisken allerdings, wie erwähnt, in einigen Fällen mit anderen Erkrankungen des Enddarms einhergehen, wird der Anal- und Enddarmbereich dennoch sorgfältig kontrolliert. So empfiehlt sich die digitale Untersuchung (Austasten mit dem Finger), um Auffälligkeiten feststellen zu können. Hierdurch können möglicherweise zusätzlich vorhandene Hämorrhoiden oder verdeckte Risse (Analfissuren) identifiziert werden. Auch Analthrombosen, Analkarzinome sowie gutartige bindegewebige Geschwulste können mit Marisken vergesellschaftet sein.

Wenn bei der alleinigen Austastung des Analkanals verdächtige Befunde wie tastbare Wandverdickungen, Schmerzen oder Blutungen auffallen, wird in aller Regel eine Spiegelung des Enddarms (Rektoskopie) oder des gesamten Dickdarms (Koloskopie) veranlasst. 

Therapie von Marisken am After

Marisken sind meist harmlos, daher ist eine Behandlung lediglich in seltenen Fällen erforderlich. In jedem Fall wird eine sorgfältige und zugleich schonende Hygiene des Analbereichs empfohlen. Dabei sollten Sie Ihre Analregion nach Ihrem Stuhlgang feucht reinigen. Verwenden Sie hierzu klares Wasser (auf Toilettenpapier oder Einmalwaschlappen) und verzichten Sie auf Seifen oder Desinfektionsmittel. Auch feuchtes Toilettenpapier kann aufgrund der enthaltenen Konservierungs- und Duftstoffe zu Hautreizungen führen. Trocknen Sie die Analregion zudem immer behutsam ab.

Bei Beschwerden kann kurzfristig eine Zinksalbe eingesetzt werden. Sollte sich ein Analekzem entwickelt haben, können Sie dieses mit Hämorrhoidalsalbe oder Eichenrinden- bzw. Kamillensitzbädern behandeln.

Lassen Sie sich von einem Proktologen untersuchen, sollten sich Ihre Beschwerden nicht verbessern bzw. fortbestehen bzw. Sie zu großen Marisken neigen. Lediglich bei erschwerter Analhygiene mit Sekretstau und Erkrankungen der Analhaut wird eine operative Entfernung der weichen Marisken (Mariskenexzision) empfohlen. Dabei werden die Hautläppchen mit einem elektrischen Messer unter örtlicher Betäubung abgetragen. Auch in den seltenen Fällen, in denen Marisken 

  • schmerzhaft werden oder 
  • sich einklemmen bzw. 
  • den Stuhlgang behindern oder zu 
  • Kontinenzproblemen (Stuhlgang kann nicht mehr gehalten werden) führen, 

können operative Maßnahmen notwendig werden.

Entfernen von Marisken

Das Entfernen von Marisken ist ein kleiner Eingriff. Marisken müssen nur dann chirurgisch behandelt werden, wenn sie starke Beschwerden verursachen oder wiederholt entzündet sind. Die Operation erfolgt in lokaler Betäubung. Es handelt sich um eine unkomplizierte Entfernung überschüssiger Haut.

Die Heilung verläuft in den meisten Fällen problemlos. Die Prognose bei Marisken ist sehr gut. Sitzbäder, Schonung und eine sorgfältige Wundpflege unterstützen die Heilung.

Vorbeugen: So können sie Marisken vorbeugen

Um Marisken vorzubeugen und die Entstehung neuer Marisken zu reduzieren empfehlen sich:

  • ballasststoffreiche Ernährung
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Bewegung
  • Vorsicht beim Pressen (Stuhlgang)
  • gute Analhygiene

Eine vollständige spontane Rückbildung von Marisken ist möglich, aber nicht garantiert.

Häufige Fragen zu Marisken

Sind Hämorrhoiden oder Marisken gefährlich?

Beide sind meist ungefährlich, Marisken sind gutartige Hautveränderungen

Können Marisken am After wiederkommen?

Ja, besonders bei anhaltendem Druck oder wiederholten Reizungen können auch mehrere Marisken zeitgleich entstehen. 

Welche Rolle spielt die Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft entstehen Marisken oft, da das Gewebe weicher wird und es zusätzlich zu veränderten Druckverhältnissen kommt.

Wann müssen Marisken entfernt werden?

Nur bei deutlicher Beeinträchtigung oder chronischen Beschwerden müssen Marisken chirurgisch entfernt werden. 

Empfohlene Ärzte für Marisken