Hämorrhoiden: Informationen & Hämorrhoiden-Ärzte

05.07.2022
PD Dr. med. Daniel Dindo
Medizinischer Fachlektor

Hämorrhoiden sind eine natürliche Struktur des menschlichen Körpers und streng betrachtet keine Krankheit. Der „Plexus hämorrhoidales“ besteht aus einer Vielzahl von Blutgefäßen und liegt oberhalb des Schließmuskels des Enddarms. Er unterstützt diesen darin, den Darminhalt zurückzuhalten. Erst wenn der Plexus absinkt und Beschwerden hervorruft, leidet der Betroffene umgangssprachlich unter Hämorrhoiden.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Ärzte für Hämorrhoiden.

ICD-Codes für diese Krankheit: K64

Empfohlene Hämorrhoiden-Spezialisten

Hämorrhoiden Fälle in Deutschland

58.904 Fälle im Jahr 2020
58.675 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Hämorrhoiden: Schmerzhafte Blutgefäßerweiterungen

Bei Hämorrhoiden handelt es sich um ganz normale anatomische Strukturen im menschlichen Körper. Daher spricht man medizinisch von einem Hämorrhoidalleiden, wenn Patienten Beschwerden im Bereich des Anus und Enddarms haben.

Probleme im Darmbereich gelten noch immer als Tabuthema. Nur die wenigsten Patienten suchen deswegen frühzeitig einen Arzt auf.

Es wird geschätzt, dass in Deutschland etwa 50 % der Bevölkerung über 50 Jahre unter Hämorrhoiden leidet. Prinzipiell ist man jedoch in keinem Alter vor Hämorhoidalleiden geschützt. Die Dunkelziffer ist sehr hoch und offensichtlich erkranken etwas mehr Männer als Frauen.

Die 4 Stadien der Hämorrhoiden

Hämorrhoiden werden in 4 Stadien eingeteilt:

  1. Hämorrhoiden 1. Grades
    Die Gefäßerweiterungen sind noch sehr klein. Meist werden sie als Zufallsbefund bei einer Darmspiegelung entdeckt. Schmerzen treten in diesem Stadium nicht auf, Blutungen können aber vorkommen.
  2. Hämorrhoiden 2. Grades
    Die Gefäßknoten sind bereits etwas vergrößert und treten beim Toilettengang infolge der Bauchpresse nach außen. Nach dem Stuhlgang ziehen sie sich jedoch spontan wieder in den Enddarmbereich zurück. In diesem Stadium können neben Blutungen auch Brennen und Juckreiz auftreten.
  3. Hämorrhoiden 3. Grades
    Hier treten die Hämorrhoiden beim Pressen oder auch spontan nach außen, ziehen sich aber nicht selbständig zurück. Die Hämorrhoiden müssen mit dem Finger zurückgeschoben werden. Zusätzlich zum Brennen und Jucken kann es vermehrt zu Schmerzen und einer Absonderung von Flüssigkeit kommen. Auch eine leichte Form der Stuhlinkontinenz, das sogenannte „Stuhlschmieren“, kann auftreten.
  4. Hämorrhoiden 4. Grades
    Wenn die Hämorrhoiden nach außen treten, sich aber nicht mehr zurückschieben lassen, spricht man von Hämorrhoiden 4. Grades. Oft geschieht dies als akutes Ereignis, was mit starken Schmerzen einhergehen kann. Mangelnde Blutversorgung und Thrombosen (Blutgerinnsel) erhöhen noch die Belastung für die Betroffenen.

Hämorrhoiden
Die verschiedenen Stadien von Hämorrhoiden © bilderzwerg | AdobeStock

Ursachen für Hämorrhoidalleiden

Die genauen Gründe für das Hämorrhoidalleiden sind unbekannt. Genetische Faktoren scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. Auch Ernährungsfaktoren können zu symptomatischen Hämorrhoiden beitragen.

Bei Verstopfung muss in der Regel stärker gepresst werden, um sich zu entleeren. Dabei füllen sich die Hämorrhoidalgefäße, was zu ihrer Vergrößerung führen kann. Auch kann die Schleimhaut beim Pressen aufgrund des verstärkten Drucks abscheren und nach außen treten.

Die richtige Diagnose ist wichtig

Die Diagnose wird nicht selten anhand der Schilderungen des Patienten im Anamnesegespräch gestellt. Bestätigen lässt sich der erste Verdacht des Arztes dann durch die Untersuchung der Analregion. Gegebenenfalls kommt eine Rektoskopie zum Einsatz.

Diese Spiegelung des Enddarmbereichs ermöglicht es darüber hinaus, das Stadium der Hämorrhoiden genau zu bestimmen bzw. die Ursache für Blut im Stuhl aufzuklären. Der Verdacht auf Hämorrhoidalleiden wird immer gegen Darmkrebs und Polypen als Vorstufen eines Darmkrebses abgeklärt.

Wie werden Hämorrhoiden behandelt?

Die Therapie richtet sich in erster Linie nach der Art der Beschwerden. Meist jedoch genügt die medikamentöse Therapie in Kombination mit Lebensstilveränderungen. Die Operation ist stets das letzte Mittel zur Behandlung von Hämorrhoiden.

Das erklärte Therapieziel besteht darin, für einen ausreichend weichen Stuhl zu sorgen. Er muss ohne große Anstrengung, d.h. ohne Pressen, abgesetzt werden. Dafür sollte der Patient eine ballaststoffreiche Ernährungsweise wählen und zudem für ausreichend Flüssigkeit und Bewegung sorgen.

Auch die Einnahme von sog. Quellmitteln wie Flohsamenschalen kann zu einem weicherem Stuhl und somit weniger Beschwerden führen.

Zur Behandlung von Hämorrhoiden werden oft Cremes, Salben und Zäpfchen verwendet. Zwar können die darin enthaltenen Inhaltsstoffe (z.B. lokale Betäubungsmittel oder Kortison) die Empfindung und somit die Beschwerden verringern. Eine eigentliche Heilung ist damit aber nicht möglich.

Sollten diese konservativen Behandlungsansätze nicht erfolgreich sein, stehen interventionelle Methoden zur Verfügung. Besonders häufig werden die Gummiband-Ligatur oder das Veröden eingesetzt. Damit vermindern die Mediziner die Blutzufuhr zur Hämorrhoide.

Bei der Ligatur wird ein Gummiband über die angrenzende Schleimhaut gestülpt, wobei diese Schleimhaut dann abstirbt. Beim Veröden wird eine Flüssigkeit gespritzt, die den selben Effekt hat wie das Gummiband. Langzeiterfolge sind jedoch mit diesem Methoden eher selten.

Die besten Resultate können durch operative Therapien erzielt werden. Dabei werden

  • die vergrößerten Hämorrhoiden selbst (sog. Hämorrhoidektomie) oder
  • die Schleimhaut oberhalb der Hämorrhoiden (sog. Stapler-Mukosektomie)

entfernt. Die langfristige Erfolgsrate beträgt mit diesen Methoden 85-95 %.

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