Thrombose (Venenthrombose, TVT): Symptome, Ursachen & Vorbeugung 

07.11.2025
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Eine Thrombose entsteht, wenn sich in einem Blutgefäß ein Blutgerinnsel bildet und den normalen Blutfluss behindert. Besonders häufig sind die Venen der Beine betroffen, man spricht dann von einer tiefen Venenthrombose oder TVT. Löst sich das Gerinnsel, kann es in die Lunge gelangen und dort eine Lungenembolie verursachen, die lebensbedrohlich sein kann. Zu den typischen Symptomen gehören Schwellung, Schmerzen oder Druckgefühl im Bein. Bewegungsmangel, Operationen, hormonelle Einflüsse oder Störungen der Blutgerinnung gelten als wichtige Risikofaktoren. Mit frühzeitiger Diagnose und gezielter Thromboseprophylaxe lässt sich das Risiko deutlich verringern.
ICD-Codes für diese Krankheit: I74, I80

Kurzübersicht:

Eine Thrombose bezeichnet die Verstopfung eines Blutgefäßes durch ein Gerinnsel. Am häufigsten betroffen sind die Beinvenen im Rahmen einer tiefen Venenthrombose. Typische Beschwerden sind Schmerzen, Schwellung und Spannungsgefühl in der betroffenen Extremität. Unbehandelt kann die Erkrankung zu einer Lungenembolie führen. Bewegung, Kompressionsstrümpfe und eine gute Flüssigkeitszufuhr helfen, einer Thrombose wirksam vorzubeugen.

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Thrombose?

Bei einer Thrombose verstopft ein Blutgerinnsel (medizinisch: Thrombus) ein Blutgefäß. Der normale Blutfluss wird dadurch unterbrochen. Betroffen sind meist Venen, insbesondere die tiefen Bein- und Beckenvenen – man spricht dann von einer tiefen Venenthrombose (TVT). Auch arterielle Thrombosen, also Verschlüsse in Arterien, können auftreten, sind aber seltener.

Ein Erwachsener hat etwa 5 Liter Blut im Körper – rund 8 Prozent des Körpergewichts. Dieses Blut zirkuliert ununterbrochen durch Arterien und Venen. Kommt es zur Bildung eines Thrombus, ist die Blutzirkulation gestört. Das kann zu ernsten Folgen wie einer Lungenembolie führen – einem Notfall, bei dem das Gerinnsel in die Lungenarterie gelangt.

In Industrieländern tritt die Erkrankung relativ häufig auf: Etwa zwei von 1.000 Menschen erleiden jährlich eine Thrombose.

Thromboseformen: Venös oder arteriell?

Thrombosen können sowohl die Venen als auch die Arterien betreffen. Am häufigsten ist die venöse Thrombose, insbesondere in den tiefen Beinvenen. Sie entsteht, wenn der Blutfluss verlangsamt ist oder sich ein Blutgerinnsel an der Gefäßwand bildet. Typische Beschwerden sind Schwellung, Druckgefühl und Schmerzen im betroffenen Bein. Löst sich das Gerinnsel, kann es mit dem Blutstrom in die Lunge gelangen und dort eine Lungenembolie auslösen.

Deutlich seltener ist die arterielle Thrombose. Sie entsteht meist infolge einer Arteriosklerose, also einer Verengung oder Verletzung der Gefäßwand. In der Folge kann es zu einem akuten Gefäßverschluss kommen - etwa im Herz (Herzinfarkt), im Gehirn (Schlaganfall) oder in den Beinen.

Eine oberflächliche Thrombose (Thrombophlebitis) betrifft dagegen oberflächlich verlaufende Venen, häufig im Zusammenhang mit Krampfadern oder kleineren Verletzungen. Sie ist meist schmerzhaft, aber in der Regel weniger gefährlich. Dennoch sollte sie ärztlich kontrolliert werden, um ein Übergreifen auf tiefere Venen zu verhindern.

Thrombose in den tiefen Beinvenen

Die häufigste Form ist die tiefe Beinvenenthrombose. Hier verstopft ein Blutgerinnsel die Venenklappen. Das Blut staut sich zurück, das betroffene Bein schwillt an und schmerzt. Ohne Behandlung besteht die Gefahr, dass sich das Gerinnsel löst und zur Lunge wandert.

Thrombose in den tiefen Beinvenen
Thrombose in den tiefen Beinvenen: Ein Blutgerinnsel (Thrombus) verstopft die Venenklappen und führt zum Blutstau @ Анна Богатырева /AdobeStock

Symptome: Wie erkenne ich eine Thrombose?

Eine Thrombose zeigt sich nicht immer sofort durch auffällige Beschwerden. Dennoch gibt es typische Warnzeichen – besonders bei einer Venenthrombose:

  • Einseitige Beinschwellung, oft am Unterschenkel oder Fuß
  • Spannungsgefühl oder Druckschmerz in der Wade
  • Schmerzen beim Auftreten oder Gehen
  • Bläuliche oder rötliche Verfärbung der Haut
  • Erwärmung oder Glanz der betroffenen Hautstelle

Diese Symptome sind Warnsignale. Bei Verdacht auf eine Thrombose sollte man sofort ärztliche Hilfe suchen. Eine unbehandelte Thrombose kann lebensbedrohlich sein.

Ursachen & Risikofaktoren: Wie entsteht eine Thrombose?

Thrombosen entstehen, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Die sogenannte Virchow-Trias beschreibt drei Hauptursachen:

  1. Verlangsamter Blutfluss – z. B. bei längerer Bettlägerigkeit oder langem Sitzen (z. B. im Flugzeug)
  2. Veränderung der Gefäßwand – z. B. durch Entzündungen, Verletzungen oder Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
  3. Erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes – z. B. durch Flüssigkeitsmangel, Medikamente oder genetische Veranlagung

Häufige Risikofaktoren im Überblick:

  • Längere Bettlägerigkeit (nach Operationen, Krankenhausaufenthalten)
  • Bewegungsmangel (z. B. langes Sitzen auf Reisen)
  • Flüssigkeitsmangel
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Antibabypille (hormonelle Verhütung)
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Krampfadern
  • Arteriosklerose
  • Krebserkrankungen
  • Erbliche Gerinnungsstörungen
  • Vorangegangene Thrombose

Eine Thrombose ist häufig von außen sichtbar.
Eine Thrombose-Erkrankung ist häufig von außen sichtbar @ hriana /AdobeStock

Untersuchung & Diagnose: Wie wird eine Thrombose festgestellt?

Zunächst beurteilt der Arzt die Beschwerden und führt eine körperliche Untersuchung durch. Bei begründetem Verdacht erfolgt eine weitere Diagnostik:

  • D-Dimer-Test: Ein einfacher Bluttest, der aufzeigt, ob sich im Körper vermehrt Blutgerinnsel bilden oder abbauen.
  • Ultraschall (Kompressionssonografie): Die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf Venenthrombose.
  • Phlebografie: Röntgenuntersuchung der Beinvenen mit Kontrastmittel – wird selten angewendet, z. B. bei unklaren Befunden.
  • Wells-Score: Ein Bewertungssystem, das die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose anhand klinischer Kriterien einschätzt.

Behandlung: Wie wird eine Thrombose therapiert?

Eine rasche Behandlung ist entscheidend, um das Fortschreiten der Thrombose und eine Lungenembolie zu verhindern. Die wichtigsten Behandlungsschritte sind:

Blutverdünnende Medikamente (Antikoagulanzien):

  • Start häufig mit Heparin-Spritzen
  • Weiterbehandlung meist mit Tabletten wie Rivaroxaban, Apixaban, Dabigatran oder Warfarin

Kompressionstherapie:

  • Zunächst Wickelverbände
  • Danach medizinische Kompressionsstrümpfe, um die Venen zu entlasten und Schwellungen zu reduzieren

Bei einer Thrombose müssen Sie einen Kompressionsstrumpf tragen.
Dort wo die Thrombose eine Stauung hervorruft, müssen Sie den Kompressionsstrumpf tragen @ tibanna79 /AdobeStock

Frühzeitige Mobilisierung:

  • Patienten sollen sich bewegen, um den Blutfluss zu fördern

Operative Eingriffe:

  • Bei großen Thromben, z. B. in der Beckenvene, kann eine Thrombektomie (operative Entfernung des Gerinnsels) erforderlich sein

Bypass-Operation:

  • Nur bei arteriellen Thrombosen – nicht bei Venenthrombosen

Verlauf und Prognose: Wie geht es nach der Diagnose weiter?

Wird die Thrombose rechtzeitig behandelt, ist die Prognose gut. Die Therapie dauert meist drei bis sechs Monate – in Risikofällen auch länger oder lebenslang.

Mögliche Langzeitfolgen:

  • Postthrombotisches Syndrom (PTS): Chronische Beschwerden wie Beinschmerzen, Schwellungen, Hautveränderungen
  • Wiederholte Thrombosen: Besonders bei erblich bedingter Neigung oder unzureichender Nachsorge

Wichtig: Regelmäßige ärztliche Kontrollen, konsequente Medikamenteneinnahme und das Tragen von Kompressionsstrümpfen können Langzeitfolgen verringern.

Fazit

Eine Thrombose ist eine ernste Gefäßerkrankung, die lebensgefährlich werden kann – besonders durch mögliche Folgeerkrankungen wie die Lungenembolie. Wer Risikofaktoren kennt und Symptome früh erkennt, kann sich effektiv schützen. Mit moderner Diagnostik und rechtzeitiger Behandlung sind die Heilungschancen in der Regel sehr gut.

FAQ – Häufige Fragen zur Thrombose

Woran erkennt man eine Thrombose?
Die Symptome einer Thrombose zeigen sich meist an einem Bein, seltener an einem Arm. Typische Anzeichen einer Thrombose sind Schwellung, Spannungsgefühl und Schmerzen, die sich beim Gehen oder bei Druck auf die Venen verstärken können. Die Haut ist oft gerötet oder bläulich verfärbt und fühlt sich wärmer an als die Umgebung. Bei einem Verdacht sollte schnell ärztlich gehandelt werden, da sich das Blutgerinnsel lösen und eine Embolie verursachen kann.

Welche Ursachen und Risikofaktoren begünstigen eine Thrombose?
Risikofaktoren für eine Thrombose sind langes Sitzen, Operationen, Rauchen, hormonelle Verhütung, Übergewicht und eine angeborene erhöhte Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Auch Erkrankungen der Blutgefäße oder Entzündungen der Gefäßwände können die Entstehung fördern. Bei manchen Menschen besteht ein erhöhtes Risiko durch familiäre Vorbelastung oder wiederkehrende venöse Thrombosen.

Wie entsteht eine Thrombose genau?
Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel, das sich an der Wand eines Blutgefäßes festsetzt und den Blutfluss behindert. Das Blut staut sich und kann die Gefäße weiter dehnen oder verstopfen. Löst sich ein Teil des Blutgerinnsels, kann er mit dem Blutstrom in die Lunge gelangen und eine lebensbedrohliche Embolie auslösen. Diese Form der Komplikation gehört zu den schwerwiegendsten Folgen einer unbehandelten Thrombose.

Wie wird eine Thrombose diagnostiziert und behandelt?
Die Diagnose und Behandlung erfolgen in der Regel durch einen Facharzt für Gefäßmedizin. Mithilfe bildgebender Verfahren wie Ultraschall oder spezieller Bluttests (D-Dimere) kann eine Thrombose zuverlässig nachgewiesen werden. In der Therapie kommen blutverdünnende Medikamente wie Heparin oder andere Antikoagulanzien zum Einsatz, um das Blutgerinnsel aufzulösen oder eine Vergrößerung zu verhindern. Ergänzend wird eine Kompressionstherapie durchgeführt, um den Blutfluss in den betroffenen Blutgefäßen zu verbessern.

Lässt sich eine Thrombose vollständig heilen?
In vielen Fällen heilt eine Thrombose unter konsequenter Therapie folgenlos ab. Wird sie jedoch zu spät erkannt, kann sie bleibende Schäden an den Venen hinterlassen. Eine mögliche Spätfolge ist das sogenannte offene Bein oder das postthrombotische Syndrom. Um schwerwiegende Folgen zu vermeiden, sind eine frühe Diagnostik und konsequente Nachsorge entscheidend.

Wie kann man einer Thrombose vorbeugen?
Eine wirksame Prophylaxe der venösen Thromboembolie besteht aus Bewegung, ausreichender Flüssigkeitszufuhr und dem Tragen von Kompressionsstrümpfen, vor allem bei langem Sitzen oder nach Operationen. In bestimmten Fällen empfiehlt der Arzt eine medikamentöse Thromboseprophylaxe mit Heparin. Wer Risikofaktoren für eine Thrombose hat, sollte ärztlichen Rat einholen und regelmäßige Kontrollen wahrnehmen.

Wann besteht ein besonders hohes Risiko für eine Thrombose?
Das Risiko einer Thrombose steigt bei längerer Immobilität, während und nach Operationen sowie in Schwangerschaft und Wochenbett. Auch bei Tumorerkrankungen oder einer gesteigerten Gerinnungsneigung des Blutes ist besondere Vorsicht geboten. Eine gezielte Prophylaxe hilft, die venösen Blutgefäße zu schützen und die Bildung neuer Thromben zu verhindern.

Glossar: Fachbegriffe einfach erklärt

  • Thrombus: Blutgerinnsel, das ein Gefäß verstopfen kann
  • Venenthrombose: Verstopfung einer Vene durch ein Blutgerinnsel
  • Arterielle Thrombose: Verschluss einer Arterie durch ein Gerinnsel
  • Kompressionsstrümpfe: Spezielle medizinische Strümpfe, die den venösen Rückfluss verbessern
  • Antikoagulanzien: Medikamente zur Blutverdünnung
  • Lungenembolie: Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel
  • Virchow-Trias: Drei Hauptursachen, die gemeinsam zur Thrombose führen können
  • Wells-Score: Bewertungssystem zur Einschätzung des Thromboserisikos

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie – www.dga-gefaessmedizin.de
  • Deutsche Gesellschaft für Phlebologie – www.phlebology.de
  • AWMF-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose“ – www.awmf.org

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