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Analabszess und Analfistel: Informationen über Symptome und Behandlung von Analabszessen 

08.12.2025
Prof. Dr. med. Susanne Regus
Medizinische Fachautorin

Ein Analabszess gehört zu den schmerzhaftesten akuten Erkrankungen im Analbereich und entsteht durch eine eitrige Entzündung, die sich im Bereich des Afters ausbreitet. Dabei sammelt sich Eiter in einem abgeschlossenen Hohlraum an, dessen Druck rasch zunimmt und deutliche Beschwerden verursacht. Diese Befunde treten oft plötzlich auf, weshalb eine schnelle ärztliche Abklärung entscheidend ist. Da Männer häufiger als Frauen betroffen sind und unbehandelte Abszesse häufig in eine Analfistel übergehen, ist eine zügige Intervention erforderlich.

ICD-Codes für diese Krankheit: K61

Kurzübersicht:

Der Analabszess ist eine Erkrankung, die durch bakterielle Keime ausgelöst wird, die sich in den Drüsen des Analkanals einnisten und dort eine Infektion verursachen. Er tritt meist plötzlich auf und verursacht starke Beschwerden. Bleibt der Abszess unbehandelt, kann sich eine Analfistel entwickeln, die eine chronische Form der Erkrankung darstellt. Die Diagnose erfolgt durch Blickdiagnose, Abtasten und die Spiegelung des Analkanals, bei komplizierteren Fällen unterstützt durch ein MRT. Auch wenn kleine Abszesse selten konservativ behandelt werden können, ist die Therapie überwiegend chirurgisch, da nur das Eröffnen der Höhle eine vollständiges Abfließen des Eiters ermöglicht. Nach der Operation stehen Hygiene, offene Wundbehandlung, Sitzbäder und eine kontrollierte Ernährung im Vordergrund. Risikofaktoren wie Diabetes Mellitus, Morbus Crohn, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und wiederkehrende Infekte erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Analabszessen und Analfisteln.

Artikelübersicht

Definition: Was ist ein Analabszess?

Ein Analabszess ist ein durch Eiter gefüllter Hohlraum, der sich typischerweise im unmittelbaren Umfeld des Anus bildet. Er entsteht, wenn die Ausführungsgänge der Proktodealdrüsen durch Keime verlegt werden und die Drüsen entzünden. Sobald sich Bakterien in diesem Bereich ungehindert vermehren, bildet sich eine eitrige Entzündung, die das umliegende Gewebe rasch anschwellen lässt. Die Schleimhaut des Analkanals reagiert empfindlich auf Druck und Entzündung, sodass die Beschwerden meist sehr ausgeprägt sind. 

Der Verlauf ist unmittelbar akut und zeigt eine deutliche Schmerzsymptomatik. Bei vor bestehenden Darmerkrankungen, insbesondere Morbus Crohn oder anderen chronisch-entzündlichen Veränderungen, ist das Risiko für die Entstehung eines Abszesses erhöht. Auch Patienten mit Diabetes Mellitus entwickeln aufgrund der verminderten Immunabwehr häufiger solche Infektionen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Analabszess und einer Analfistel?

Ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Analabszess und einer Analfistel liegt im zeitlichen Verlauf und in der anatomischen Struktur. Der Abszess stellt die akute Phase der Erkrankung dar: Ein abgeschlossener Hohlraum füllt sich mit Eiter, die Schmerzen steigen und ohne Therapie kommt es zu einer zunehmenden Druckentwicklung.

Wenn dieser Druck zu groß wird, sucht sich der Eiter einen Weg nach außen. Dabei kann ein Gang vom inneren Analkanal zur Hautoberfläche entstehen: die Fistel. Diese bildet eine dauerhafte Verbindung zwischen dem Enddarm und der Haut, durch die eitriges Sekret, Flüssigkeit oder Kotbestandteile austreten können. Diese oft sichtbare Fistelöffnung entlastet zwar kurzfristig die Schmerzen, macht den Verlauf jedoch chronisch.

Die Bildung einer Analfistel ist daher eine häufige und unerwünschte Folge eines unbehandelten Abszesses. Das Risiko, eine Analfistel zu entwickeln, ist besonders hoch bei Patienten mit Morbus Crohn, Darmerkrankungen und wiederkehrenden Infektionen.

Sowohl ein Analabszess als auch eine Analfistel sind wichtige Hinweise bei Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, weshalb auch hier eine sorgfältige Diagnostik erforderlich ist. 

Symptome bei einem Analabszess

Die Beschwerden setzen meist plötzlich ein und nehmen innerhalb weniger Stunden deutlich zu. Zu den typischen Symptomen gehören:

  • starke Schmerzen, besonders beim Stuhlgang, Sitzen oder beim Aufstehen
  • deutlich sichtbare Schwellung und Rötung
  • Druckschmerzen und Überwärmung der Analregion
  • Austritt von Sekret oder eitrig veränderten Flüssigkeiten
  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl

Die Schmerzen sind so schmerzhaft, dass viele Betroffene alltägliche Aktivitäten kaum ausführen können. Ein Analabszess geht meist nicht spontan zurück, daher ist frühzeitig medizinische Abklärung notwendig, um Komplikationen wie Blutvergiftung oder die Entstehung einer Analfistel zu verhindern. 

Formen von Analabszessen
Verschiedene Bereiche, an denen sich Analabszesse bilden können © nmfotograf | AdobeStock

Diagnostik - körperliche Untersuchung und Spiegelung des Analkanals

Die Diagnose wird v.a. durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung gestellt. Der Arzt beurteilt die betroffene Region, die Ausdehnung der Schwellung und die Druckempfindlichkeit. Besonders oberflächlich gelegene Abszesse lassen sich rasch erkennen.

Bei tiefer liegenden Abszessen oder dem Verdacht auf eine Fistel kommen weitere diagnostische Schritte dazu. Dazu gehört die Spiegelung des Analkanals, bei der der Proktologe mittels Proktoskop die Schleimhaut beurteilt. Diese Untersuchung ermöglicht es auch, versteckte Fistelöffnungen zu entdecken und das Ausmaß der Erkrankung besser einzuschätzen. 

Wenn sich der Abszess im inneren Teil des Analkanals befindet oder ein komplexer Fistelverlauf zu vermuten ist, wird häufig ein MRT eingesetzt. Diese Bildgebung erlaubt eine genaue Darstellung der anatomischen Strukturen und klärt, ob es sich um einen Analabszess oder Perianalabszess handelt. 

Die operative Behandlung des Analabszesses

Die Therapie eines Analabszesses erfolgt in den meisten Fällen operativ, da nur durch das Öffnen der Eiterhöhle ein vollständiges Abfließen ermöglicht wird. Kleine Abszesse können vereinzelt mit konservativen Maßnahmen, wie Salben unterstützt werden, jedoch bleibt dies die Ausnahme. Die schnelle Entlastung des Eiters ist entscheidend, da die Erkrankung eine sofortige Behandlung erfordert.

Die Operation beginnt üblicherweise nach einer lokalen Betäubung oder einer Vollnarkose, da die Region sehr schmerzempfindlich ist und der Schließmuskel nicht verletzt werden darf. Sobald die Haut eröffnet ist, wird der Eiter entleert und die gesamte Höhle wird sorgfältig gereinigt und gespült. Eventuell vorhandene Fistelgänge oder eine bereits bestehende Fistelöffnung werden ebenfalls untersucht.

Die offene Wundheilung ist notwendig, um eine erneute Eiteransammlung zu vermeiden. Gerade bei Patienten mit Diabetes Mellitus, immunsuppressiven Zuständen oder Darmerkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko für einen erneuten Abszess, sodass Nachkontrollen und konsequente Wundpflege unverzichtbar sind. In komplizierten Fällen kann eine weitere Operation notwendig werden. Ergänzend kann eine Therapie mit Antibiotika eingesetzt werden.

Prognose nach der Operation

Der Heilungsverlauf nach der Operation ist in der Regel günstig, sofern die Wunde konsequent offen behandelt wird. Die ersten Tag und Wochen erfordern tägliches Ausduschen, sorgfältige Reinigung und regelmäßige Verbandswechsel, um das Risiko einer erneuten Infektion zu minimieren. Sitzbäder verbessern das Wohlbefinden und fördern die Durchblutung, was die Heilung unterstützt.

In den Wochen nach der Operation ist eine weiche Stuhlkonsistenz besonders wichtig. Eine ballaststoffreiche Ernährung ist langfristig zu empfehlen, sollte jedoch unmittelbar nach dem Eingriff vorsichtig aufgebaut werden.

Unbehandelte oder unzureichend behandelte Verläufe können zu Stuhlinkontinenz, wiederkehrenden Abszessen oder lebenslangen Fisteln führen. Mit korrekter Diagnostik und Behandlung ist die Prognose jedoch sehr gut. 

FAQ Häufige Fragen zum Analabszess

Wie entsteht ein Analabszess?

Ein Analabszess entsteht, wenn sich die Drüse im Analkanal entzündet, sich Eiter ansammelt und so eine eitrige Entzündung im Gewebe entsteht. Dies kann durch bakteriell verursachte Infektionen, Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa oder Immunschwäche begünstigt werden.

Kann ein Analabszess von selbst verschwinden?

Ein spontanes Heilen ist sehr unwahrscheinlich, da der Eiter sich nicht selbstständig entleeren kann. Eine Operation ist meist unvermeidlich. Ohne Behandlung droht die Entwicklung einer Analfistel oder einer systemischen Infektion.

Wie gefährlich ist ein unbehandelter Abszess?

Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sie zu einer Fistel, erneuten Abszessen, schweren Infektionen bis hin zur Sepsis führen. Eine rasche ärztliche Hilfe ist daher erforderlich.

Wie lässt sich ein erneuter Abszess vermeiden?

Gute Analhygiene, das Management von Darmerkrankungen, die Kontrolle von Diabetes Mellitus und eine ausgewogene Ernährung senken das Risiko. Wiederkehrende Fälle sollten proktologisch abgeklärt werden. 

Empfohlene Ärzte für einen Analabszess