Nierensteine sind feste Ablagerungen, die sich aus bestimmten Substanzen im Urin bilden und meist im Nierenbecken entstehen. Medizinisch wird die Erkrankung als Nephrolithiasis bezeichnet, während Nieren- und Harnleitersteine zusammen zu den Harnsteinen gezählt werden.
Kleine Steine verursachen häufig keine Beschwerden und können mit dem Urin ausgeschieden werden. Wandert ein Nierenstein aus der Niere in den Harnleiter, kann er den Abfluss des Urins behindern und eine schmerzhafte Nierenkolik auslösen. Ein typisches Symptom sind plötzlich einsetzende, krampfartige Schmerzen in der Flanke, die bis in den Unterbauch ausstrahlen können.
Auch Blut im Urin sowie Übelkeit und Erbrechen können bei Nierensteinen auftreten. Welche Behandlung erforderlich ist, hängt insbesondere von Größe, Zusammensetzung und Lage des Steins ab.
Was sind Nierensteine?
Nierensteine (Nephrolithen, Nierenkonkrement) entstehen dadurch, dass im Urin gelöste Substanzen in der Niere ausfallen und Kristalle sowie kleinere und größere Ablagerungen bilden. Viele kleine Nierensteine werden als Nierengries bezeichnet. Diese Gebilde können sich lösen und mit dem Urin über den Harnleiter ausgeschieden werden. Sind sie jedoch größer, können sie sich im Harnleiter als Harnleiterstein festsetzen und eine Nierenkolik auslösen. Die Nierensteinkrankheit ist eine der häufigsten Erkrankungen der Niere, sie wird auch Nephrolithiasis genannt. Nierensteine können nach ihrer äußeren Form und ihrer chemischen Zusammensetzung unterschieden werden. Am häufigsten bestehen sie aus Kalziumoxalat, ein Kalziumsalz.

Von Monster4711 - Eigenes Werk, CC0 , https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22096282
Ursachen und Risikofaktoren für Nierensteine
Nimmt die Konzentration an Salzen im Urin zu, fallen die gelösten Substanzen aus. Dies kann bereits durch Wasserverlust bei starkem Schwitzen oder chronischen Darmerkrankungen oder durch zu wenig Trinken der Fall sein. So gelten alle Umstände, die die Konzentration der Salze im Urin erhöhen, als mögliche Ursachen. Dazu gehören beispielsweise Harnabflussbehinderungen (z.B. durch Nierenfehlbildungen), aber auch die Ernährung. Ein übermäßiger Fleisch- und Wurstkonsum und Nahrungsmittel mit einem erhöhten Oxalsäuregehalt (wie z.B. Spinat und Schokolade) gelten als Risikofaktoren.
Kommt es durch Krankheit zu einer erhöhten Freisetzung von Kalzium aus den Knochen, ist das Risiko für Steine in den Nieren ebenfalls erhöht. Auch spielt das Geschlecht eine gewisse Rolle. Männer leiden etwa dreimal so häufig an Nephrolithiasis wie Frauen. Darüber hinaus werden auch Krankheiten wie Gicht, wiederholte Harnwegsinfektionen und Nebenschilddrüsenerkrankungen für Steine in den Nieren verantwortlich gemacht.
Symptome von Nierensteinen
Kleine Steine in den Nieren verursachen in der Regel keine Beschwerden. Versperren allerdings größere Steine den Harnabfluss, können sie Schmerzen in der Niere auslösen. Zu einer Nierenkolik kommt es, wenn der Stein in den Harnleiter gelangt und dort hängen bleibt und nur langsam ausgeschieden wird. Eine Nierenkolik zeichnet sich u.a. durch folgende Symptome aus: heftige Schmerzen in der Nierengegend, Übelkeit und Erbrechen, Blut im Urin, aufgeblähter Bauch und Fieber. Die Schmerzen bei Nierenkolik zählen zu den am intensivsten empfundenen Schmerzzuständen. Die Schmerzen lassen nach, wenn die Steine die Blase erreichen, sie können bei kleineren Steinen wenige Minuten dauern, bei großen, sich festsetzenden Steinen aber auch mehrere Tage. Diese Symptome können auch in abgeschwächter Form während des Wasserlassens auftreten.
Diagnose von Nierensteinen
Häufig geben die Anamnese und die Beschreibung der Symptome die ersten Hinweise auf mögliche Nierensteine. Der Arzt versucht durch körperliche sowie Blut- und Urin-Untersuchungen einerseits andere Krankheiten auszuschließen, andererseits weitere Hinweise auf Steine in der Niere zu finden. Über bildgebende Verfahren (Ultraschalluntersuchung, Ausscheidungsurographie, Kernspintomographie, Computertomographie) können Steine und ein eventuell vorhandener Harnstau nachgewiesen werden.
Therapie / Behandlung von Nierensteinen
Die meisten Nierensteine werden von alleine mit dem Urin ausgeschieden, sodass in diesen Fällen keine Therapie erforderlich ist. Der Abgang kann durch konservative oder aktive Maßnahmen unterstützt werden. Dazu zählen:
- Zur konservativen Behandlung von Nierensteinen gehören die Schmerzbehandlung, die Wärmeanwendung, die körperliche Bewegung und reichliche Flüssigkeitszufuhr. Kommt es zu einer Nierenkolik, muss die Behandlung abgebrochen werden und der Nierenstein aktiv entfernt werden.
- Bei der medikamentösen Behandlung (Litholyse) werden Substanzen gegeben, die die Steine auflösen.
- Bei der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) werden die Steine durch Druckwellen (Stoßwellen) zerkleinert. Die Trümmer werden dann spontan mit dem Urin ausgeschieden.
- Bei der perkutanen Nephrolitholapaxie (PCNL) wird eine Hohlnadel durch die Haut bis zur Niere vorgeschoben. Anschließend wird der Nierenstein mithilfe eines speziellen Instrumentes zerkleinert und entfernt.
- Die operative Steinentfernung kommt bei festsitzenden Harnleitersteinen zur Anwendung. Dabei wird ein Katheter über Harnröhre und Harnblase bis in den Harnleiter vorgeschoben. Über den Katheter werden wiederum Instrumente zum Zerkleinern oder selten zum Herausziehen des Steins eingeführt.
Vorbeugung von Nierensteinen
Mit folgenden Maßnahmen kann man der Bildung von neuen Nierensteinen wirkungsvoll vorbeugen:
- Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (etwa 2 bis 3 Liter pro Tag)
- Zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme bei übermäßigem Wasserverlust durch Schwitzen und bei chronischen Darmerkrankungen
- Salzarme Ernährung
- Umstellung der Ernährung: Konsum von tierischem Eiweiß sowie oxalsäurehaltiger und purinreicher Lebensmittel reduzieren
- Vermeidung von Übergewicht
- Regelmäßige körperliche Aktivitäten (Sport)
Welche Fachärzte und Spezialkliniken behandeln Nierensteine?
Nierensteine werden in der Regel von Fachärzten für Urologie behandelt. Weiterführende bildgebende Untersuchungen werden von Radiologen durchgeführt. Spezielle Kliniken für Nierensteine sind meist urologische Kliniken.
FAQ
Welche Symptome verursachen Nierensteine?
Nierensteine können lange ohne deutliches Symptom bleiben. Gelangt ein Stein jedoch in den Harnleiter und behindert den Urinabfluss, kann eine Nierenkolik mit starken, krampfartigen Schmerzen in der Seite beziehungsweise Flanke auftreten. Die Schmerzen können in den Unterbauch ausstrahlen. Weitere mögliche Beschwerden sind Blut im Urin, Übelkeit und Erbrechen sowie Schmerzen beim Wasserlassen.
Wie entstehen Nierensteine?
Nierensteine entstehen, wenn bestimmte Stoffe im Urin Kristalle bilden und sich daraus feste Ablagerungen entwickeln. Die Zusammensetzung kann unterschiedlich sein; häufig enthalten Steine beispielsweise Kalziumverbindungen, daneben kommen unter anderem Harnsäuresteine und Infektsteine vor. Verschiedene Faktoren können die Steinbildung begünstigen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ausgewogene Ernährung spielen deshalb auch bei der Vorbeugung eine wichtige Rolle.
Können Nierensteine von selbst ausgeschieden werden?
Ja, kleine Steine können häufig mit dem Urin ausgeschieden werden. Ob ein spontaner Abgang wahrscheinlich ist, hängt insbesondere von der Größe und Lage des Steins ab. Auch Steine zwischen 5 und 10 mm können teilweise noch spontan abgehen, während größere Steine häufiger behandelt werden müssen. Die Entscheidung sollte anhand des individuellen Befunds ärztlich getroffen werden.
Wie werden Nierensteine entfernt?
Die Behandlung von Nierensteinen richtet sich nach Lage und Art des Steins sowie seiner Größe und den bestehenden Beschwerden. Kann der Stein nicht selbstständig abgehen, stehen in der Urologie unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Bei der Stoßwellenlithotripsie (ESWL) wird der Stein durch von außen erzeugte Stoß- beziehungsweise Schallwellen zertrümmert, sodass die Bruchstücke anschließend ausgeschieden werden können. Größere Steine können außerdem endoskopisch oder mit anderen minimal-invasiven operativen Verfahren entfernt werden.
Wie kann man der erneuten Bildung von Nierensteinen vorbeugen?
Nach Nierensteinen besteht ein erhöhtes Risiko für weitere Steine. Zur Vorbeugung sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung wichtig. Welche Maßnahmen darüber hinaus sinnvoll sind, hängt von der Zusammensetzung des Steins und individuellen Risikofaktoren ab. Deshalb kann eine Analyse ausgeschiedener oder entfernter Harnsteine für die weitere Vorbeugung hilfreich sein.
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →