Prof. Christian Taube: Die Atmung betrifft alle!

09.01.2022
Matthias Kühn
Redakteur

Univ.-Prof. Dr. med. Christian Taube zählt als Leiter der Klinik für Pneumologie an der Ruhrlandklinik Essen zu den international anerkannten Spezialisten für Allergologie, Pneumologie und Lungenkrebs. In dem von ihm geführten Kompetenzzentrum werden alle Arten von chronisch obstruktiven und infektiösen Lungen- und Atemwegserkrankungen behandelt – etwa seltene Lungenerkrankungen, berufsbedingte Lungen- und Atemwegserkrankungen, genetische Erkrankungen der Lunge und des Rippenfells. Eines seiner Spezialgebiete ist der Lungenkrebs. Im Gespräch mit dem Leading Medicine Guide erläutert er, warum Lungenerkrankungen weltweit immer weiter zunehmen.

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Leading Medicine Guide: Professor Dr. Taube, mit der Erfahrung von weit über zwanzig Jahren im Klnikalltag – stellen Sie eine Zunahme von Atemwegserkrankungen fest?

Prof. Dr. Christian Taube: Weltweit ist eine Zunahme von Atemwegserkrankungen zu verzeichnen, insbesondere von Asthma und COPD.

Leading Medicine Guide: Und woran liegt das?

Prof. Dr. Christian Taube: Das hat verschiedene Gründe. Bei der COPD steht das inhalative Zigarettenrauchen im Vordergrund. Bei Asthma ist insbesondere eine Zunahme der Häufigkeit von Allergien ausschlaggebend.


COPD ist eine aus dem Englischen übernommene Abkürzung für chronic obstructive pulmonary disease und bezeichnet eine chronisch-obstruktive Bronchitis (auch COB abgekürzt).


Leading Medicine Guide: Atemwegserkrankungen gelten weltweit als eine der häufigsten Todesursachen. Weiß die Bevölkerung genug über diese Krankheiten?

Prof. Dr. Christian Taube: Die Bedeutung der Atemwegserkrankungen hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, aber es besteht noch ungenügend Kenntnis darüber in der Bevölkerung. Als Beispiel sei die akute Verschlechterung, Exazerbation, einer COPD genannt. Zum einen gibt es dafür keinen guten und einprägsamen Begriff, wie z. B. der Herzinfarkt in der Kardiologie oder der Schlaganfall in der Neurologie. Bei diesen Begriffen weiß jeder sofort, dass es lebensbedrohende Krankheitsbilder sind, bei denen sofort gehandelt werden muss. Dazu kommt, dass Patientinnen und Patienten mit einer akuten Exazerbation der COPD eine schlechtere Überlebensprognose haben als Patienten mit einem Herzinfarkt. Daher nehmen wir jede Exazerbation sehr ernst und sorgen dafür, dass die Patienten schnell und gut behandelt werden. Diese Tatsachen müssen wir unbedingt noch breiter in der Öffentlichkeit bekannt machen.

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© Sebastian Kaulitzki / Fotolia

Leading Medicine Guide: Welche Atemwegserkrankungen werden am häufigsten behandelt?

Prof. Dr. Christian Taube: In der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik behandeln wir alle möglichen akuten und chronischen Lungenerkrankungen. Dabei sind die häufigsten Krankheitsbilder der Lungenkrebs, die chronisch obstruktive Bronchitis COPD, Asthma und Lungenerkrankungen wie die Lungenfibrose, also die Vernarbung des Lungengewebes. Wir behandeln auch eine große Anzahl von Patienten mit seltenen Lungenerkrankungen: zum Beispiel erwachsene Patienten mit Mukoviszidose, Patienten mit genetischen Lungenerkrankungen, etwa alpha-1 Antitrypsinmangel, und seltenen Tumorerkrankungen im Brustkasten, als da zum Beispiel Mesotheliom und Sarkome wären.

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Leading Medicine Guide: Sie arbeiten eng mit der Thoraxchirurgie etwa bei Lungentranplantationen zusammen. Wie wichtig sind dabei Vor- und Nachbehandlung für den Erfolg?

Prof. Dr. Christian Taube: Im Rahmen der Lungentransplantation besteht in unserem Westdeutschen Zentrum für Lungentransplantation eine sehr enge Zusammenarbeit. Die Klinik für Pneumologie ist dabei maßgeblich an der Vorbereitung der Patientinnen und Patienten und an der Nachsorge nach erfolgter Transplantation beteiligt. Gerade nach erfolgter Transplantation ist eine enge Patientenüberwachung notwendig, um mögliche Komplikationen, wie z. B. eine Abstoßung der transplantierten Lunge frühzeitig zu erkennen und dann zu behandeln. Durch die enge Zusammenarbeit in unserem Zentrum versuchen wir, eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten.

Leading Medicine Guide: Was können wir uns unter einem sogenannten Weaningzentrum zur Entwöhnung von einer Langzeitbeatmung vorstellen?

Prof. Dr. Christian Taube: Durch die Weiterentwicklungen in der Medizin überleben immer mehr Menschen kritische Erkrankungen. Dabei ist es häufig notwendig, Patienten zu beatmen. Eine Schwierigkeit ist aber, die Patienten nach längerer Beatmung wieder davon zu entwöhnen, d. h. dass sie wieder selbstständig atmen. Dieser langwierige Entwöhnungsprozess wird Weaning genannt. 

Die Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik ist ein zertifiziertes Weaningzentrum, in dem wir diese Entwöhnung durchführen. Unserem interdisziplinären Team gelingt diese Entwöhnung häufig. Einige Patienten können aber trotz vieler Anstrengungen nicht komplett auf eine Beatmung verzichten. Dann muss eine weitere Versorgung mit einer Langzeitbeatmung sichergestellt werden, entweder zu Hause oder in einer spezialisierten Einrichtung.

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Leading Medicine Guide: Was fasziniert Sie persönlich an der Pneumologie besonders?

Prof. Dr. Christian Taube: Mich fasziniert insbesondere die Vielseitigkeit des Fachs: Dieses reicht von Erkrankungen der Atemwege, wie bei Asthma und COPD, zu Veränderungen am Lungengewebe, wie bei einer Fibrose, oder einer Störung der Atempumpe oder des Blutkreislaufs in der Lunge. Die größte Herausforderung ist dabei, den Überblick über die ganzen neuen medizinischen Entwicklungen für diese Krankheitsbilder zu behalten. Daher bin ich sehr froh, mit einem großen Team an Fachärzten und Spezialisten in der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik zusammenzuarbeiten, so dass wir für alle Krankheitsbilder die bestmögliche Therapie und eine Rundumversorgung anbieten können. 

Das klingt wirklich nach einem spannenden und vielseitigen Arbeitsfeld. Vielen Dank für das sehr informative Gespräch, Herr Professor Taube! Für weitere Fragen oder einen direkten Kontakt ist Professor Taube auf seiner Profilseite des Leading Medicine Guide direkt zu erreichen.

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