Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Gründen, aus denen Menschen eine Hausarztpraxis aufsuchen. Das Spektrum reicht von harmlosen Infekten, die nach wenigen Tagen abklingen, bis zu dauerhaften Krankheiten, die Betroffene ein Leben lang begleiten.
Hier erfahren Sie, welche Formen es gibt und an welchen Beschwerden Sie diese erkennen. Außerdem lesen Sie, wie die Behandlung aussieht und wo Sie spezialisierte Ärztinnen und Ärzte finden.
Was ist eine Atemwegserkrankung?
Der Begriff fasst alle Krankheiten zusammen, welche die luftleitenden Wege oder das Lungengewebe betreffen. Die Atemwege haben eine wichtige Aufgabe: Sie erwärmen, befeuchten und reinigen die Atemluft, bevor diese die Lungenbläschen erreicht. Dort findet der Gasaustausch statt. Sauerstoff gelangt ins Blut, Kohlendioxid wird abgeatmet. Ist dieser Weg an einer Stelle gestört, etwa durch eine Entzündung, eine Verengung oder vernarbtes Gewebe, kommt weniger Sauerstoff im Körper an.
In der internationalen Klassifikation ICD-10 stehen diese Krankheiten im Kapitel „Krankheiten des Atmungssystems“ (J00–J99). Für Lungen- und Atemwegserkrankungen ist vor allem die Pneumologie (Lungenheilkunde) zuständig. Beschwerden im Bereich von Nase, Nasennebenhöhlen und Kehlkopf behandelt in der Regel die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
So verläuft der Atemweg: Aufbau der oberen und unteren Atemwege
Fachleute unterteilen das Atmungssystem in zwei Abschnitte. Zu den oberen Atemwegen gehören Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen und Rachen. Hier wird die eingeatmete Luft angewärmt und Staubteilchen sowie Keime bleiben an der Schleimhaut hängen. Der Kehlkopf bildet die Grenze. Je nach Quelle wird er dem oberen oder dem unteren Abschnitt zugerechnet.
Unterhalb des Kehlkopfes beginnen die tiefen Atemwege. Die Luftröhre teilt sich in die beiden Hauptbronchien. Diese verzweigen sich in der Lunge wie die Äste eines Baumes, immer feiner. An den Enden der kleinsten Verzweigungen, der Bronchiolen, sitzen mehrere Hundert Millionen Lungenbläschen (Alveolen). Die Bronchien sind innen mit Flimmerhärchen ausgekleidet. Diese befördern Schleim statt Fremdstoffen ständig in Richtung Rachen. Tabakrauch beeinträchtigt diese Selbstreinigung stark.
Einteilung: Wie lassen sich Erkrankungen der Atemwege unterscheiden? Akut oder Chronisch?
Neben dem Ort, an dem eine Krankheit auftritt, ordnen Fachleute Erkrankungen der Atemwege nach ihrem zeitlichen Verlauf und nach der Art der Funktionsstörung ein.
Akut oder chronisch?
Akute Atemwegserkrankungen setzen plötzlich ein. Sie heilen meist innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen folgenlos aus. Typische Beispiele sind Erkältungen, eine akute Sinusitis, Halsentzündungen oder eine echte Virusgrippe. Chronische Krankheiten bestehen dagegen über Monate und Jahre. Sie lassen sich häufig nicht heilen, mit der richtigen Behandlung aber gut kontrollieren. Viele verlaufen in Phasen: auf stabile Zeiten können plötzliche Verschlechterungen folgen, die sogenannten Exazerbationen.
Obstruktive Atemwegserkrankungen und Restriktive Lungenerkrankungen
Bei obstruktiven Atemwegserkrankungen sind die Bronchien verengt, etwa durch eine entzündlich geschwollene Schleimhaut, zähem Schleim oder verkrampfte Bronchialmuskeln. Vor allem das Ausatmen fällt schwer, weil die Luft nur langsam entweichen kann. Im Extremfall droht ein teilweiser oder vollständiger Verschluss der Atemwege, etwa bei einem schweren Anfall oder wenn ein Fremdkörper eingeatmet wurde. Das ist ein Notfall.
Bei restriktiven Lungenerkrankungen ist dagegen die Dehnbarkeit der Lunge bzw. des Lungengewebes eingeschränkt. Ursachen sind etwa vernarbtes Lungengewebe bei einer Lungenfibrose, Verformungen des Brustkorbs oder eine geschwächte Atemmuskulatur bie neuromuskulären Krankheiten. Die Lunge kann sich beim Einatmen nicht mehr vollständig entfalten und nimmt weniger Luft auf.
Häufige Atemwegsinfektionen im Überblick
Atemwegsinfektion: von der Erkältung bis zur Lungenentzündung
Infekte der Atemwege sind mit Abstand die häufigste Form. Eine Infektion beginnt oft in den oberen Atemwegen mit Schnupfen, Halskratzen oder einer akuten Sinusitis. Sie kann sich aber nach unten ausbreiten, etwa als Bronchitis, die bei Kindern sehr häufig vorkommt, oder als Lungenentzündung. Ob Viren oder Bakterien dahinterstecken, ist für die Behandlung entscheidend. Die allermeisten Infekte der oberen Atemwege werden durch Viren verursacht, Antibiotika wirken jedoch nur gegen Bakterien.
Influenza und Covid-19
Die echte Grippe unterscheidet sich deutlich von einer gewöhnlichen Erkältung. Sie beginnt meist schlagartig mit hohem Fieber, ausgeprägtem Krankheitsgefühl sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Eine Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kann sehr unterschiedlich verlaufen, vom kaum spürbaren Beschwerden bis zu einer schweren Lungenentzündung. Ebenfalls ernst zu nehmen ist das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Bei gesunden Erwachsenen löst es oft nur eine Erkältung aus. Für Säuglinge, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen von Herz oder Lunge sind diese Viren jedoch besonders gefährlich, weil sie bei ihnen häufiger zu schweren Verläufen führen.
Asthma und COPD
Asthma Bronchiale ist eine chronische Entzündung im Bereich der Bronchien. Die Atemwege reagieren überempfindlich auf bestimmte Reize, wie etwa Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, kalte Luft oder körperliche Anstrengung. Dann verengen sie sich anfallsartig. Es kommt zu Atemnot, pfeifenden Atemzügen und Reizhusten. Häufig liegt eine Allergie zugrunde. Besonders oft sind Kinder von Asthma betroffen. Es gilt als häufigste chronische Krankheit im Kindesalter.
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) entwickelt sich dagegen schleichend, meist nach jahrelangem Rauchen. Die Verengung der Atemwege ist dauerhaft und schreitet ohne Behandlung fort. Oft ist zusätzlich das Lungengewebe überbläht (Lungenemphysem). Typisch sind Auswurf am Morgen und Atemnot, die zunächst nur bei Belastung auftritt, später auch in Ruhe. Weil sich die Beschwerden ähneln, lässt sich nicht immer auf den ersten Blick sagen, ob Asthma oder COPD vorliegt. Manche Menschen haben auch Merkmale beider Krankheiten. Eine Lungenfunktionsprüfung bringt oft Klarheit.

Weitere chronische Atemwegserkrankungen
Neben diesen beiden Volkskrankheiten gibt es zahlreiche seltenere Formen. Dazu zählen etwa Bronchiektasen, also dauerhaft erweiterte Bronchien. Auch die angeborene Mukoviszidose gehört dazu, bei der zäher Schleim die Atemwege verstopft, ebenso Lungenfibrosen und die Sarkoidose. Eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Rhinosinusitis) oder eine anhaltende Rachenentzündung können die Lebensqualität ebenfalls deutlich einschränken.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Gründe für eine Krankheit der Atemwege sind vielfältig. Am häufigsten sind Erreger, die über Tröpfchen oder die Hände übertragen werden. Ein gesundes Immunsystem wehrt sie meist schnell ab, ist es geschwächt, etwa im hohen Alter, bei Vorerkrankungen oder durch bestimmte Medikamente, verlaufen Infekte häufiger schwer.
Der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für dauerhafte Lungenschäden ist Tabakrauch, auch beim Passivrauchen. Weitere Risiken sind Feinstaub und Luftschadstoffe, berufliche Belastungen durch Staub, Dämpfe oder Asbest sowie Allergene. Hinzu kommen angeborene Ursachen. Dazu zählen Fehlbildungen, erbliche Krankheiten wie Mukoviszidose oder ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel sowie eine Stoffwechselerkrankung. Bei Kindern spielen zudem die noch engen Atemwege und häufige Infekte in Kita und Schule eine Rolle. Rauchen in der Schwangerschaft erhöht außerdem das Risiko für spätere Atemwegsprobleme beim Kind.
Typische Symptome
Die Symptomatiken sind unabhängig von der konkreten Atemwegserkrankung in den meisten Fällen ähnlich. Sie reichen von gewöhnlichem Husten bis hin zur akuten Atemnot. Je nach Form kommen eine laufende oder verstopfte Nase, Halsschmerzen, Heiserkeit, Auswurf, pfeifende oder brummende Atemgeräusche, ein Engegefühl in der Brust, Fieber sowie Abgeschlagenheit und verminderte Belastbarkeit hinzu.
Bereits beim ersten Verdacht auf eine ernstere Krankheit ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll, um ein Fortschreiten zu verhindern. Das gilt besonders, wenn Beschwerden länger als drei Wochen anhalten oder immer wiederkehren. Auch Blut im Auswurf sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Rufen Sie sofort den Notruf 112 in folgenden Fällen:
- wenn plötzlich starke Atemnot auftritt,
- wenn sich Lippen oder Fingernägel bläulich verfärben,
- wenn Sprechen nur noch in kurzen Sätzen möglich ist,
- wenn starke Brustschmerzen hinzukommen oder
- wenn der Betroffene verwirrt oder ungewöhnlich schläfrig wirkt.
Untersuchung: So finden Ärzte und Ärztinnen die Ursache
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über Beschwerden, Vorerkrankungen, Rauchgewohnheiten, bekannte Allergien und berufliche Belastungen. Anschließend hört die Ärztin oder der Arzt Lunge und Herz mit dem Stethoskop ab und untersucht Nase und Rachen. Bei einem einfachen Infekt reicht das oft schon aus.
Besteht der Verdacht auf eine chronische oder schwerere Krankheit folgt eine weiterführende Diagnostik. Zentrales Verfahren ist die Lungenfunktionsprüfung, auch Spirometrie genannt. Dabei atmen Betroffene kräftig in ein Mundstück, das Atemvolumen und der Atemfluss wird dabei gemessen. Ein zusätzlicher Test mit einem bronchienerweiternden Spray zeigt, ob sich eine Verengung zurückbildet. Das ist ein wichtiger Hinweis um die verschiedenen obstruktiven Krankheitsbilder voneinander zu unterscheiden. Je nach Fragestellung kommen ergänzende Untersuchungen in Frage. Dazu gehören die Messung der Sauerstoffsättigung oder eine Blutgasanalyse, Blutuntersuchungen auf Entzündungswerte und ein Abstrich zum Nachweis von Viren. Auch Röntgen- oder CT-Aufnahmen des Brustkorbs, Allergietests und eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) können sinnvoll sein.
Behandlung: abgestimmt auf Ursache und Schweregrad
Die meisten Infekte heilen von selbst aus. Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und bei Bedarf fiebersenkende Mittel lindern die Beschwerden. Antibiotika sind nur bei einer nachgewiesenen oder sehr wahrscheinlichen bakteriellen Ursache sinnvoll, etwa bei einer bakteriellen Lungenentzündung. Bei der echten Virusgrippe können antivirale Medikamente den Verlauf abmildern, wenn sie früh eingenommen werden. Das kommt vor allem für Menschen mit erhöhtem Risiko infrage.
Chronische Krankheiten erfordern meist eine dauerhafte Therapie. Diese orientiert sich an aktuellen Leitlinien, etwa an den Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Viele Patienten mit Asthma kommen mit einem Entzündungshemmenden Kortisonpräparat zum Inhalieren gut zurecht. Bei Bedarf wird es mit bronchienerweiternden Wirkstoffen kombiniert. Bei der COPD stehen lang wirksame, bronchienerweiternde Sprays im Vordergrund. Die wirksamste Maßnahme, um das fortschreiten zu bremsen, ist jedoch der Rauchstopp.
Ergänzend helfen Atemphysiotherapie, Lungensport und eine pulmonale Rehabilitation. Dort lernen Betroffene unter anderem atemerleichternde Techniken und die richtige Handhabung ihrer Inhalationsgeräte. In fortgeschrittenen Stadien kann eine Sauerstoff-Langzeit-Therapie oder eine nicht-invasive Beatmung über eine Maske zu Hause notwendig werde.n In ausgewählten Fällen kommen eine operative oder endoskopische Lungenvolumenreduktion oder eine Lungentransplantation in Frage.
Vorbeugung: So schützen Sie Ihre Atemwege
Wer nicht raucht oder rechtzeitig aufhört, senkt sein Risiko für dauerhafte Lungenschäden erheblich. Regelmäßiges Hände waschen, Abstand zu erkranken Personen und gutes Lüften verringern die Ansteckungsgefahr bei Infekten. Menschen mit Allergien sollten bekannte Auslöser meiden. Am Arbeitsplatz schützen geeignete Atemschutzmasken vor schädlichen Stäuben.
Einen wirksamen Schutz vor schweren Verläufen bietet die Impfung. Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt unter anderem Menschen ab 60 Jahren und Personen mit chronischen Vorerkrankungen sich jährlich gegen die Virusgrippe und gegen Corona impfen zu lassen und sich gegen Pneumokokken zu schützen. Eine Schutzimpfung gegen das RS-Virus empfiehlt sie allen ab 75 Jahren sowie Risikopersonen ab 60 Jahren. Für Säuglinge steht ein vorbeugender Antikörperschutz zur Verfügung. Lassen Sie Ihren Impfstatus am besten in der Hausarztpraxis prüfen.
Welche Ärzte behandeln Erkrankungen der Atemwege?
Erste Anlaufstelle ist meist die hausärztliche Praxis, bei Kindern die Kinder- und Jugendärztliche Praxis. Bei Beschwerden in Nase, Nebenhöhlen oder Kehlkopf helfen HNO-Ärzte weiter. Bei Lunge und Bronchien sind Fachärzte für Pneumologie zuständig, Kinder mit chronischen Lungenleiden betreuen spezialisierte Kinderpneumologen. Allergologen klären allergische Auslöser auf. Bei komplexen Krankheitsbildern, schweren Verläufen oder der Frage nach einer Operation sind spezialisierte Lungenzentren und Thorax Kliniken die richtige Adresse.
Häufige Fragen
Ist jede Erkrankung der Atemwege ansteckend?
Nein. Ansteckend sind nur Infekte durch Krankheitskeime, etwa Erkältungen oder die echte Virusgrippe. Allergisch bedingte, durch Rauchen entstandene oder angeborene Krankheiten der Atemwege sind nicht übertragbar.
Wann sollte ich mit Atembeschwerden zum Arzt?
Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie Atemnot haben, wenn hohes Fieber länger als drei Tage anhält, wenn Blut im Auswurf auftritt oder wenn Beschwerden länger als drei Wochen bestehen oder immer wiederkehren. Säuglinge, Schwangere sowie ältere oder vorerkrankte Personen sollten früher ärztlichen Rat einholen. Bei plötzlicher starker Atemnot gilt: sofort den Notruf 112 wählen.
Wie lange dauert ein Infekt der Atemwege?
Eine Erkältung klingt meist nach sieben bis zehn Tagen ab. Ein Reizhusten kann jedoch noch einige Wochen anhalten. Nach einer echten Virusgrippe fühlen sich viele Betroffene auch nach dem Abklingen des Fiebers noch längere Zeit erschöpft.
Helfen Antibiotika bei einem Infekt der Atemwege?
Nur wenn Bakterien die Ursache sind. Gegen Viren, die die meisten Infekte auslösen, sind Antibiotika wirkungslos. Ein unnötiger Einsatz begünstigt zudem Nebenwirkungen und Resistenzen.
Kann man chronischen Lungenleiden vorbeugen?
Angeborenen Krankheiten lässt sich nicht vorbeugen. Das Risiko für viele andere chronische Lungenleiden lässt sich aber deutlich senken. Am wichtigsten ist ein rauchfreies Leben. Auch Arbeitsschutz, Bewegung und die frühzeitige Behandlung von Allergien tragen dazu bei. Eine Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen kann zum Beispiel das Risiko verringern, dass sich zusätzlich Beschwerden der Bronchien entwickeln.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.
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- https://www.netdoktor.de/krankheiten/atemwegserkrankungen/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Atemwegserkrankung
