Asbestose ist eine durch eingeatmeten Asbeststaub verursachte Lungenfibrose: Das Gewebe vernarbt, sodass das Atmen schwerer fällt. Typische Beschwerden sind Atemnot und trockener Husten. Die Behandlung soll weitere Belastungen verhindern und die Beschwerden lindern.
Die Vernarbung lässt sich nicht rückgängig machen. Eine Asbestose entwickelt sich meist nach langjährigem beruflichem Kontakt und kann auch nach dem Ende der Belastung fortschreiten.
Was ist eine Asbestose?
Asbestose ist eine Staubinhalationskrankheit, fachsprachlich eine Pneumokoniose. Bei einer Pneumokoniose schädigen eingeatmete Stäube das Lungengewebe. Asbest verursacht eine fortschreitende Vernarbung, die als Fibrose bezeichnet wird.
Asbest ist ein Mineralfasermaterial. Eingeatmete Fasern können im Gewebe zurückbleiben und dort chronische Entzündungen sowie die Bildung von Narbengewebe fördern.
Die Erkrankung ist nicht dasselbe wie Lungenkrebs. Beide können jedoch durch Asbest verursacht werden. Auch ein eigenständiges Mesotheliom, also ein Tumor des Brust- oder Bauchfells, kann mit einer früheren Belastung zusammenhängen.
Für 2003 wurden in Deutschland rund 1.975 bestätigte Fälle der Berufskrankheit 4103 ausgewertet. Die BK-Nr. umfasst neben Asbestose auch gutartige asbestbedingte Erkrankungen der Pleura, also des Brustfells. Sie gibt daher weder eine aktuelle Fallzahl noch die Zahl der Asbestosefälle allein an.
Wie entsteht die Erkrankung?
Eine Asbestose entsteht in aller Regel durch langjähriges, regelmäßiges Einatmen von Asbeststaub. In einer dänischen Kohortenstudie stieg das Erkrankungsrisiko mit der gesamten beruflichen Belastung, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hatte.
Zu den Ursachen und Risikofaktoren gehören:
- Berufliche Exposition: Zu den früheren Quellen gehörten Isolierarbeiten, Asbesttextilien, Asbestzement und die Werftindustrie.
- Hohe Gesamtbelastung: Das Risiko nimmt mit der über längere Zeit aufgenommenen Asbestmenge zu.
- Einmaliger Kontakt: Ein Gesundheitsrisiko ist theoretisch möglich, wenn tatsächlich Fasern eingeatmet wurden. Gewöhnlich führt ein einzelner Kontakt jedoch nicht zu Asbestose.
- Tabakrauch: Bei bereits asbestbelasteten Menschen erhöht Rauchen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tumor entsteht.
Eine frühere berufliche Asbestexposition betrifft vor allem Tätigkeiten, bei denen asbesthaltige Materialien hergestellt oder verarbeitet wurden. Auch heute kann bei Arbeiten an älteren Gebäuden eine Belastung entstehen. Das gilt besonders, wenn Schutzmaßnahmen fehlen oder verdächtige Bauteile eigenständig bearbeitet werden.
Welche Symptome hat eine Asbestose?
Die Beschwerden entstehen, weil vernarbtes Gewebe den Gasaustausch und die Beweglichkeit der Lunge einschränkt. Sie sind jedoch kein Beweis für eine Asbestose, da andere Lungenerkrankungen ähnliche Symptome verursachen können.
Mögliche Symptome sind:
- Atemnot: Das Atmen fällt zunehmend schwerer.
- Trockener Husten: Er kann zusammen mit Atemnot auftreten.
- Atemnot in Ruhe: Sie kann auf eine fortgeschrittene Vernarbung hinweisen.
Wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, hängt vom Ausmaß der Veränderungen ab. Bei belastungsabhängiger oder zunehmender Atemnot sollte deshalb nicht allein aufgrund eines früheren Asbestkontakts auf die Ursache geschlossen werden.
Wie wird eine Asbestose festgestellt?
Für die Diagnose werden die frühere Belastung und die Untersuchungsergebnisse gemeinsam beurteilt. Atemnot und Husten allein reichen für den Nachweis einer Asbestose nicht aus.
Die Abklärung umfasst je nach Situation folgende Schritte:

- Krankengeschichte erheben: Die Ärztin oder der Arzt fragt nach früheren Schadstoffbelastungen am Arbeitsplatz und im privaten Umfeld.
- Brustkorb untersuchen: Bildgebende Verfahren zeigen, ob Veränderungen einer Lungenfibrose vorliegen.
- Computertomografie einsetzen: Sie kann fibrotische Veränderungen genauer darstellen als eine gewöhnliche Röntgenaufnahme.
- Lungenfunktion prüfen: Die Untersuchung zeigt, ob und wie stark die Atmung eingeschränkt ist.
- Diffusionskapazität messen: Dabei wird untersucht, wie gut Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft in das Blut gelangt.
Eine Computertomografie kann auch bei unklaren Befunden während der Nachsorge nach beruflicher Belastung eingesetzt werden. Sie zeigt Veränderungen des Gewebes, muss aber zusammen mit der Vorgeschichte und den Funktionswerten beurteilt werden.
Wie wird eine Asbestose behandelt?
Die Behandlung kann bereits entstandenes Narbengewebe nicht beseitigen. Sie soll eine erneute Staubbelastung verhindern und Folgen wie einen ausgeprägten Sauerstoffmangel behandeln.
| Verfahren | Für wen | Dauer | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|---|
| Weitere Staubbelastung vermeiden | Für alle Betroffenen | Dauerhaft | Verringert eine zusätzliche Exposition, macht bestehende Vernarbungen aber nicht rückgängig. |
| Langzeitsauerstofftherapie | Bei ausreichend stark erniedrigtem Sauerstoffgehalt im Blut | Langfristig | Kann Beschwerden durch Sauerstoffmangel behandeln, beseitigt jedoch nicht die Ursache der Vernarbung. |
Welche Rolle spielen Medikamente?
Der Nutzen von Medikamenten gegen die Vernarbung ist speziell bei Asbestose bislang nicht gesichert. Nintedanib kann andere fortschreitende Lungenfibrosen verlangsamen. Ob sich diese Erkenntnis auf Asbestose übertragen lässt, ist unklar.
Auch für Pirfenidon ist kein gesicherter Nutzen nachgewiesen. In einer kleinen Studie mit 10 Betroffenen verbesserten sich die im Krankenhaus gemessenen Lungenfunktionswerte nicht statistisch signifikant.
Wie sind Verlauf und Prognose bei Asbestose?
Eine Asbestose macht sich meist erst lange nach Beginn der Belastung bemerkbar. Bis zur Diagnose vergehen häufig 20 bis 30 Jahre. Die Länge dieses Zeitraums hängt von der Stärke und Beständigkeit der Belastung ab.
Die Erkrankung kann weiter fortschreiten, obwohl kein neuer Kontakt mehr besteht. Nach einer pneumologischen Leitlinie geschieht dies jedoch häufig langsam. Aus der Diagnose allein lässt sich keine einheitliche Lebenserwartung ableiten.
Eine frühere Asbestbelastung kann noch Jahrzehnte später Krebs auslösen. Dazu zählen insbesondere Lungenkrebs und das Mesotheliom des Brustfells. Auch gutartige Entzündungen der Pleura sowie ein Pleuramesotheliom gehören zu den möglichen Komplikationen.
Wie lässt sich weiterer Asbestkontakt vermeiden?
Die Verwendung von Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten. In älteren Gebäuden und Geräten kann das Material jedoch weiterhin vorkommen. Von außen lässt sich nicht immer zuverlässig erkennen, ob ein Bauteil asbesthaltig ist.
Asbestzement kann vor allem beim Bearbeiten oder bei deutlicher Verwitterung Fasern freisetzen. Verdächtige Platten und Verkleidungen sollten deshalb weder angebohrt noch zersägt werden. Auch vom eigenständigen Abbrechen und Entfernen ist abzusehen.
Vor Arbeiten an verdächtigen Altmaterialien sollten Fachleute hinzugezogen werden. Sie können feststellen, ob Asbest enthalten ist, und anschließend die erforderlichen Schutzmaßnahmen für den sicheren Umgang festlegen.
Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?
Anhaltender trockener Husten oder Atemnot sollten ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch bei abnehmender körperlicher Belastbarkeit, besonders nach einem früheren beruflichen oder privaten Kontakt mit asbesthaltigen Materialien.
Nach einem vermuteten privaten Kontakt ist die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Bei einer möglichen berufsbedingten Belastung können Sie sich auch an die Betriebsärztin, den Betriebsarzt oder eine fachärztliche Stelle für Arbeitsmedizin wenden.
Nach einer als relevant eingestuften beruflichen Asbestbelastung kann eine lebenslange ärztliche Überwachung durch spezialisierte Fachärztinnen und Fachärzte in Anspruch genommen werden. Dabei werden mögliche spätere Veränderungen der Atemwege und des Brustfells kontrolliert.

Häufige Fragen zur Asbestose
Ist eine Asbestose dasselbe wie Lungenkrebs?
Nein. Die Asbestose ist eine Vernarbung des Lungengewebes und keine Krebserkrankung. Eine frühere Asbestbelastung kann jedoch beide Erkrankungen verursachen.
Führt ein einmaliger Asbestkontakt zu einer Asbestose?
Ein einmaliger Kontakt führt gewöhnlich nicht zu einer Asbestose. Ein Gesundheitsrisiko ist theoretisch möglich, wenn bei dem Ereignis tatsächlich Asbestfasern eingeatmet wurden.
Kann eine Asbestose erst lange nach dem Kontakt auftreten?
Ja. Die Diagnose wird häufig erst 20 bis 30 Jahre nach Beginn der Belastung gestellt. Die Erkrankung kann auch nach dem Ende des Kontakts fortschreiten.
Ist eine Asbestose heilbar?
Nein, eine bereits entstandene Vernarbung lässt sich nicht rückgängig machen. Weitere Staubbelastungen sollten möglichst vermieden werden.
Lässt sich eine Asbestose in der Computertomografie erkennen?
Eine Computertomografie kann Veränderungen einer Lungenfibrose genauer zeigen als eine gewöhnliche Röntgenaufnahme. Zur Diagnose gehören außerdem die Belastungsgeschichte und Untersuchungen der Lungenfunktion.
Was sollte ich bei vermutetem Asbest in einem älteren Gebäude tun?
Bearbeiten oder entfernen Sie das verdächtige Material nicht selbst. Vor Bauarbeiten sollten Fachleute prüfen, ob Asbest vorhanden ist und welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind.
An wen kann ich mich nach einem Asbestkontakt wenden?
Nach einem privaten Kontakt ist zunächst die Hausärztin oder der Hausarzt zuständig. Bei einem beruflichen Kontakt können Sie zusätzlich die Betriebsärztin oder den Betriebsarzt ansprechen.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
- Asbest: Noch lange ein Krebsrisiko. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums, 2023
- Lungenfibrose: Diagnose. Lungeninformationsdienst, Helmholtz Munich
- Lungenfibrose: Medikamente und Behandlung. Lungeninformationsdienst, Helmholtz Munich
- Lungenfibrose: Formen. Lungeninformationsdienst, Helmholtz Munich, 2023
- Lungenfibrose: Risikofaktoren. Lungeninformationsdienst, Helmholtz Munich
- Chemicals of public concerns I Asbestos. Weltgesundheitsorganisation
- Non-malignant occupational respiratory diseases in Germany in comparison with those of other countries. Autorinnen und Autoren der Studie, 2005
- BKV - Berufskrankheiten-Verordnung. Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz
- The asbestos-asbestosis exposure-response relationship: a cohort study of the general working population. Iversen und weitere Autorinnen und Autoren, 2024
- Interdisziplinäre Diagnostik interstitieller Lungenerkrankungen im Erwachsenenalter. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und beteiligte Fachgesellschaften, 2023
- Lungenfibrose: Symptome und Entstehung. Lungeninformationsdienst, Helmholtz Munich
- Pharmakotherapie der idiopathischen Lungenfibrose und anderer progredienter pulmonaler Fibrosen. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und beteiligte Fachgesellschaften, 2022
- Safety and tolerability of pirfenidone in asbestosis: a prospective multicenter study. Miedema und weitere Autorinnen und Autoren, 2022
