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Erkrankung · Kinderpneumologie

Diagnose: Asthma bei Kindern und Jugendlichen

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: J45, J46

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Weit verbreitet
Asthma zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter, je nach Erhebung ist bis zu jedes zehnte Kind von Asthma betroffen.
Typische Anzeichen
Trockener Reizhusten, ein Pfeifen beim Atmen und Luftnot treten oft nachts, bei Erkältungen oder beim Toben auf.
Sichere Abklärung ab etwa 6 Jahren
Ab diesem Alter lässt sich die Lungenfunktion zuverlässig messen, bei jüngeren Kindern zählt vor allem der Verlauf.
Inhalative Therapie im Stufenschema
Die nationale Versorgungsleitlinie Asthma sieht ein Notfallspray und bei Bedarf eine entzündungshemmende Dauertherapie vor.
Gute Aussichten
Gut eingestellt können Kinder normal leben und sich bewegen, bei manchen bilden sich die Probleme bis zur Pubertät zurück. Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die oft schon in den ersten Lebensjahren beginnt. Typisch sind wiederkehrender Husten, ein Pfeifen beim Ausatmen und Phasen mit Luftnot. Mit Sprays zum Inhalieren lässt sich die Krankheit in den meisten Fällen gut kontrollieren. Eine frühe Abklärung und eine gut abgestimmte Therapie schützen die Lunge und ermöglichen einen weitgehend normalen Alltag mit Kita, Schule und Sport. Wichtig ist, dass Eltern und Kinder lernen, sicher mit den Beschwerden umzugehen.

Was ist Asthma bei Kindern und Jugendlichen?

Beim Asthma Bronchiale sind die Bronchien dauerhaft gereizt und überempfindlich. Auf bestimmte Reize reagieren sie mit einer Verengung der Atemwege. Dabei verkrampft sich die Muskulatur der Luftröhrenäste, die Schleimhaut schwillt an und es bildet sich vermehrt zäher Schleim. Die Luft kann vor allem beim Ausatmen schlechter entweichen.

Diese Engstellung ist grundsätzlich umkehrbar. Zwischen den Anfällen können Kinder völlig unauffällig sein. Die Reizung in den Atemwegen bleibt jedoch oft bestehen, auch ohne spürbare Probleme. Deshalb ist bei vielen Kindern eine regelmäßige Therapie sinnvoll.

Wie häufig ist Asthma Bronchiale als Erkrankung bei Kindern?

Asthma gilt als häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. In Deutschland sind innerhalb eines Jahres rund 4 Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen, je nach Studie und Definition liegen die Angaben bei bis zu 10 Prozent. Vor der Pubertät erkranken Jungen öfter als Mädchen.

Bei Säuglingen ist eine pfeifende Atmung im Rahmen von Erkältungen sehr verbreitet. Ein Drittel bis die Hälfte der Kinder macht im ersten Lebensjahr mindestens einmal eine sogenannte obstruktive Bronchitis durch. Nicht jedes dieser Kinder entwickelt später ein Asthma.

Welche Symptome zeigen Kinder mit Asthma?

Die Anzeichen kommen meist anfallsartig und wechseln in ihrer Stärke. Typische Symptome sind:

  • Trockener Reizhusten, vor allem nachts, früh am Morgen oder nach dem Toben.
  • Ein Pfeifen oder Brummen beim Ausatmen, in der Fachsprache auch Giemen genannt.
  • Atemnot, die sich durch schnelles Atmen, Einziehungen zwischen den Rippen oder Unruhe zeigen kann
  • Ein Engegefühl in der Brust, das manche Kinder als Druck oder Bauchweh beschreiben.
  • Schnelle Erschöpfung, sobald körperliche Anstrengung gefragt ist, etwa beim Spielen.

Bei kleinen Kindern ist oft ein lang anhaltendes Hüsteln nach jedem Infekt das erste Zeichen. Weil die ihre Beschwerden kaum beschreiben können, achten Eltern am besten darauf, wann die Symptome auftreten: beim Schlafen, beim Spielen oder in bestimmten Räumen.

Ursachen und Auslöser: Welche Rolle spielt eine Allergie?

Asthma entsteht durch ein Zusammenspiel aus Veranlagung und Umwelt. Das Risiko für Asthma steigt, wenn Eltern oder Geschwister an Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis leiden oder das Kind allergisch auf Stoffe aus der Umwelt reagiert. Weitere Risikofaktoren sind Tabakrauch in der Schwangerschaft und im Wohnumfeld, Übergewicht und eine Frühgeburt. Kinder die auf einem Bauernhof aufwachsen, erkranken dagegen seltener.

Fachleute unterscheiden verschiedene Formen von Asthma, die sich vor allem in ihren Triggern unterscheiden.

Allergisches Asthma

Ab dem Schulalter überwiegt das allergische Asthma. Das Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Stoffe. Tpyische Allergene sind Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare und Schimmelpilze. Bei Kindern mit Allergien kommen oft Heuschnupfen oder Neurodermitis hinzu, denn Asthma und Allergien treten häufig gemeinsam auf.

Nicht-allergisches Asthma

Bei den Jüngsten sthen virale Atemwegsinfektionen im Vordergrund. Aber auch ohne Allergie können die Bronchien bei Asthma reagieren, etwa auf kalte Luft, Zigarettenrauch, Nebel, Aufregung oder körperliche Belastung. Oft wirken mehrere Faktoren zusammen.

Des Weiteren zeigen Studien einen Zusammenhang zwischen der Menge von IgE beim ungeborenen Kind und der Entwicklung von Asthma.

Das Immunsystem des Körpers bildet Immunglobulin E (lgE) als Abwehrstoff gegen Parasiten. Er setzt diesen Antikörper gezielt gegen in den Körper eindringende Fremdstoffe ein.

Befinden sich bei der Geburt große IgE-Mengen an der Nabelschnur, hat das Kind ein dreifach erhöhtes Risiko auf Asthma. Entsprechende Untersuchungen wurden an Säuglingen und Kleinkindern durchgeführt.

Zu hohe IgE-Werte sind daher ein eindeutiger Hinweis auf ein erhöhtes Risiko, an allergischem Asthma zu erkranken.

Richtwerte für das Immunglobulin E (lgE)

AlterGesamt-lgE
Erwachsenebis zu 100 IU/ml (240 µg/l)
Jugendliche (10-15 Jahre)bis zu 200 IU/ml (480 µg/l)
Kinder (6-9 Jahre)bis zu 90 IU/ml (216 µg/l)
Kleinkinder (1-5 Jahre)bis zu 60 IU/ml (144 µg/l)
Babys (bis 1 Jahr)bis zu 12,2 IU/ml (29,3 µg/l)

Diagnose von Asthma bei Kindern: Wie läuft die Untersuchung ab?

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch, die Anamnese. Die Ärztin oder der Arzt fragt, wann und wie oft die Probleme auftreten, was sie auslöst und ob in der Familie Heuschnupfen oder Neurodermitits vorkommen. Danach folgt die körperliche Untersuchung der Lunge mit dem Stethoskop.

Lungenfunktionsprüfung ab etwa sechs Jahren

Etwa ab dem fünften bis sechsten Lebensjahr können Kinder bei einer Lungenfunktionsprüfung gut mitmachen. Bei der Spirometrie atmet das Kind kräftig in ein Mundstück. Gemessen wird unter anderem, wie viel Luft es in der ersten Sekunde ausatmen kann. Ein Test mit einem bronchienerweiternden Spray zeigt, ob sich die Engstellung zurückbildet. Ergänzend können ein Belastungstest auf dem Laufband oder ein Peak-Flow-Protokoll für zu Hause sinnvoll sein.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind diese Messungen nicht zuverlässig möglich. Die Diagnose Asthma stützt sich dann auf das Muster der Anzeichen und darauf, ob eine probeweise Therapie hilft. Bei Verdacht auf Asthma prüft die Praxis außerdem, ob eine Sensibilisierung vorliegt, etwa mit einem Hauttest oder einer Blutuntersuchung auf spezifische IgE-Antikörper. Andere Ursachen wie ein eingeatmeter Fremdkörper werden ausgeschlossen.

Asthmatisches Kind mit Inhalator
Kinder mit Asthma müssen früh lernen, mit Asthmaanfällen und Atemnot umzugehen. In Notfällen hilft ein Inhalator © Africa Studio | AdobeStock

Behandlung von Asthma bei Kindern: Welche Medikamente helfen?

Ziel ist ein gut kontrolliertes Asthma: Das Kind soll möglichst beschwerdefrei sein, nachts durchschlafen und ohne Einschränkung spielen und lernen können. Die nationale Versorgungsleitlinie richtet die Therapie nicht mehr nach dem Schweregrad, sondern nach der Asthmakontrolle aus. Je nachdem, wie gut diese gelingt, passt die Ärztin oder der Arzt die Behandlung in einem Stufenschema an.

Die Arzneimittel wirken direkt dort, wo sie gebraucht werden. Zur Bedarfsmedikation gehören schnell wirkende Beta-2-Sympathomimethika wie Salbutamol. Sie erweitern die Bronchien innerhalb weniger Minuten, bekämpfen aber nicht die Entzündung. Reicht das nicht aus, kommt eine Dauertherapie mit inhalativem Kortison hinzu. Dieser Wirkstoff dämpft die Entzündung der Atemwege udn senkt das Risiko für Anfälle. Lang wirksame Beta-2-Sympathomimetika werden nur in Kombination mit Kortison eingesetzt.

VerfahrenFür wen geeignet?DauerVor- und Nachteile
Notfallspray (schnell wirksame Beta-2-Sympathomimetika)Für alle betroffenen Kinder zur Linderung akuter AtemnotNur bei BedarfVorteil: wirkt innerhalb weniger Minuten. Nachteil: wirkt nicht gegen die Entzündung; häufiger Gebrauch zeigt eine unzureichende Kontrolle.
Inhalatives KortisonFür Kinder mit wiederkehrenden ProblemenÜber Monate bis Jahre, regelmäßig überprüftVorteil: beugt Anfällen vor. Nachteil: Wirkung erst nach Tagen bis Wochen; bei längerer Anwendung wird das Wachstum kontrolliert.
Kombination mit lang wirksamen Beta-2-Sympathomimetika oder MontelukastWenn Kortison allein nicht ausreichtIndividuell nach VerlaufVorteil: bessere Kontrolle. Nachteil: Montelukast kann Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen verursachen.
BiologikaBei schwerem AsthmaLangfristig, in spezialisierten ZentrenVorteil: gezielter Eingriff in das Immunsystem. Nachteil: Spritzen, nur für ausgewählte Kinder geeignet.
HyposensibilisierungBei allergischem Asthma mit klar nachgewiesenem AllergenIn der Regel drei JahreVorteil: setzt an der Ursache an. Nachteil: nur bei stabil eingestelltem Asthma möglich.

Richtig inhalieren

Der Erfolg hängt stark von der Technik ab. Kleinkinder nutzen eine Vorschaltkammer mit Maske, ältere Kinder ein Mundstück oder einen Pulverinhalator. Nach der Anwendung von Kortison sollte das Kind etwas essen, trinken oder den Mund ausspülen, um einer Pilzinfektion vorzubeugen.

Schulung als Teil der Asthmatherapie

In einer Asthmaschulung lernen Kinder und Eltern, Warnzeichen zu erkennen, Sprays richtig anzuwenden und im Notfall zu handeln. Ein schriftlicher Notfallplan gibt Sicherheit in Kita und Schule.

Verlauf und Prognose: Verwächst sich Asthma beim Kind?

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Viele Kinder, die nur bei Erkältungen pfeifend atmen, sind im Schulalter wieder unauffällig. Bei einem leichten Verlauf verschwindet das Asthma in der Pubertät nicht selten, vor allem bei Jungen. Beim allergischen Asthma gilt eine grobe Faustregel: Ein Drittel verliert die Symptome bis zur Jugend, ein Drittel braucht nur noch wenige Medikamente und bei einem Drittel bleibt die Erkrankung bestehen.

Langzeitstudien zeigen allerdings, das sich Asthma oft nicht einfach auswächst. Es kann im Erwachsenenalter auch nach Jahren ohne Probleme zurückkehren. Abwarten ist deshalb keine Strategie. Eine konsequente Therapie beugt Anfällen vor und schützt die Lungenfunktion. Die meisten Menschen mit Asthma können so ein weitgehend normales Leben führen.

Kann ein Kind mit Asthma Sport treiben?

Ja, Bewegung ist ausdrücklich erwünscht. Bei manchen Kindern löst Toben oder Laufen Hustenreiz oder Luftnot aus, besonders bei Kälte. Das ist ein Hinweis, dass die Therapie angepasst werden sollte und kein Grund für ein Sportverbot. Langsames Aufwärmen und nach ärztlicher Absprache, das Notfallspray vor dem Training helfen vielen. 

Was tun bei einem Asthmaanfall?

Bei einem akuten Asthmaanfall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Das Kind sollte aufrecht sitzen und sich mit den Armen abstützen. Eltern geben das Notfallspray nach dem Notfallplan. Älteren Kindern hilft die Lippenbremse: Sie atmen langsam durch die leicht geschlossenen Lippen aus.

Bessert sich die Luftnot nicht rasch, kann das Kind kaum noch sprachen oder färben sich die Lippen und Fingernägel bläulich, muss sofort der Notruf 112 gewählt werden.

Wann ist ärztliche Hilfe nötig?

Eine kinderärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn ein Kind wiederholt nachts hustet, beim Atmen pfeift oder bei Belastung schnell außer Atem kommt. Auch ein Hustenreiz, der nach Erkältungen über mehrere Wochen anhält, sollte untersucht werden. Bei bekanntem Asthma ist ein Termin nötig, wenn das Kind das Notfallspray öfter braucht, als vereinbart. Für schwierige Verläufte gibt es spezialisierte Kinderpneumologen sowie Fachleute für Allergien und Asthma.

Häufige Fragen zu Asthma im Kindesalter, Diagnose und Behandlung

Ab welchem Alter lässt sich Asthma sicher feststellen?

Erste Anzeichen zeigen sich oft in den ersten Lebensjahren. Gesichert wird der Befund meist erst ab etwa fünf bis sechs Jahren, wenn eine Lungenfunktionsprüfung möglich ist.

Ist Asthma heilbar?

Im eigentlichen Sinne nicht. Bei einem Teil der Kinder bilden sich die Probleme jedoch zurück, gut behandelt lässt sich die Krankheit meist gut kontrollieren.

Wer übernimmt die Diagnose und Behandlung von Asthma?

Erste Ansprechpartner sind Kinderärztinnen und Kinderärzte. Bei unklaren oder schweren Verläufen ziehen sie Kinderpneumologen hinzu und stimmen sich mit der behandelnden Praxis ab.

Schadet Kortison zum Inhalieren meinem Kind?

In niedriger Dosis ist inhaliertes Kortison gut verträglich, da es vor allem in den Bronchien wirkt. Eine leichte Verzögerung des Längenwachstums ist möglich, deshalb wird die Größe regelmäßig kontrolliert. Ein unbehandeltes Asthma birgt meist größere Risiken.

Was hilft gegen Husten durch Asthma?

Vor allem eine gute Kontrolle der Atemwegsentzündung. Hustenstiller beseitigen die Ursache nicht und ersetzen auch keine Asthmasprays.

Wie können Eltern einem Asthmaanfall vorbeugen?

Regelmäßig angewendete Sprays, gemiedene Auslöser und eine rauchfreie Umgebung senken das Risiko für einen Anfall. Ein Notfallplan hilft, bei ersten Warnzeichen richtig zu reagieren.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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Quellen
  • https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/asthma-bei-kindern/wie-haeufig-ist-asthma-bei-kindern/
  • https://www.asthma.de/asthma/symptome
  • https://www.netdoktor.de/krankheiten/asthma/
  • https://www.schoen-klinik.de/asthma-bronchiale
  • https://www.toppharm.ch/krankheitsbild/asthma-bronchiale
  • https://www.internisten-im-netz.de/mediathek/blutbild-erklaerung/immunglobulin-e.html
  • https://www.gesundheit.de/krankheiten/allergien/allergien-und-allergiesymptome/ige-wert-immunglobulin

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