Die Pneumologie widmet sich den zentralen Organen unserer Atmung – den Strukturen, die uns Tag für Tag mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgen. Moderne Lungenheilkunde bedeutet heute weit mehr als die Behandlung einzelner Erkrankungen: Sie verbindet präzise Diagnostik, innovative Therapien und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit, um Patienten mit akuten und chronischen Atemwegsleiden bestmöglich zu behandeln.

„Die typischen Krankheitsbilder, mit denen wir es zu tun haben, sind vor allem pneumologische Erkrankungen wie die chronische Bronchitis, die COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) und Lungenentzündungen (Pneumonie). Durch unseren besonderen onkologischen Schwerpunkt sehen wir zudem viele Patienten mit tumorösen Erkrankungen. Insgesamt nimmt die Zahl der Betroffenen Jahr für Jahr zu, und das betrifft praktisch alle Formen von Lungenerkrankungen.
Eine wesentliche Rolle spielen dabei verschiedene Grunderkrankungen und Risikofaktoren. Besonders das Rauchen und der Kontakt mit Schadstoffen haben über Jahrzehnte hinweg zu einer deutlichen Zunahme von Atemwegserkrankungen geführt, deren Auswirkungen wir heute sehen. Gleichzeitig wird die Bevölkerung älter und erhält häufiger komplexe Therapien wie immununterdrückende Behandlungen bei rheumatischen Erkrankungen. Auch das trägt dazu bei, dass infektiöse und andere pulmonale Erkrankungen häufiger auftreten“, erklärt Dr. Brandes zum Einstieg in das Thema.
Zur präzisen Abklärung selbst seltener, komplexer oder schwer zugänglicher Lungenerkrankungen stehen heutzutage hochdifferenzierte diagnostische Instrumente zur Verfügung, die unterschiedliche Fragestellungen – strukturell, funktionell und immunologisch – abdecken. Die Kombination dieser Verfahren ermöglichen eine Diagnostik, die sowohl minimalinvasiv als auch maximal aussagekräftig ist.
„Das Lungenkrebszentrum des Clemenshospitals Münster blickt auf eine lange Erfahrung zurück, denn die Zertifizierung besteht bereits seit 2010. Als eines der ersten Zentren dieser Art in Deutschland wurde hier über viele Jahre hinweg eine Struktur aufgebaut, in der alle beteiligten Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten.
Neben der Strahlentherapie, Radiologie, Hämatoonkologie und Thoraxchirurgie gehören dazu auch Bereiche wie Psycho-Onkologie und Physiotherapie – und all das an einem gemeinsamen Standort. Die Spezialisierung auf Lunge und Lungenkrebs sorgt für eingespielte Abläufe, hohe Expertise und eine Routine, die Patienten spürbar zugutekommt. Gerade eine Diagnose wie der Verdacht auf einen Lungentumor ist für Betroffene und Angehörige eine einschneidende Situation.
In einem Zentrum, das nicht nur fachlich hochqualifiziert ist, sondern auch Sicherheit vermittelt und jeden Schritt der Diagnostik und Therapie aus einer Hand anbieten kann, entsteht ein Rundumangebot, das entlastet. Die Patienten erleben, dass sie in ein System eingebettet sind, das sich kümmert, Erfahrung hat und weiß, was zu tun ist – und genau das macht den besonderen Wert eines zertifizierten Lungenkrebszentrums aus“, betont Dr. Brandes und schildert konkret, wie die Aufnahme eines Patienten abläuft:
„Bevor ein Patient überhaupt einen Termin im Zentrum erhält – und das geschieht immer zeitnah – werden seine bildgebenden Befunde bereits im interdisziplinären Board gesichtet. Dort wird gemeinsam festgelegt, welches Vorgehen für den Patienten am sichersten und schonendsten ist. Ein großer Teil der Diagnostik ist also schon geplant, bevor der Patient das Zentrum betritt.
Anschließend nehmen die Case-Manager Kontakt auf, nachdem die Zuweisung durch Haus- oder Facharzt erfolgt ist. Die Bilder werden mit den Radiologen und, wenn nötig, mit den Thoraxchirurgen besprochen, während die Pneumologen prüfen, welche Untersuchungen im individuellen Fall am wichtigsten sind. Die Patienten kommen dann zu einem Vorgespräch mit einem Oberarzt oder Facharzt für Lungenheilkunde, an dem Tag finden auch Lungenfunktionsuntersuchungen statt. Nach dem ambulanten Gespräch gehen sie wieder nach Hause und erhalten wenige Tage später einen Termin für die geplante Untersuchung.
Diese erfolgt nüchtern, und in der Regel können sie bereits am nächsten Tag wieder nach Hause. Parallel werden weitere notwendige Untersuchungen wie PET-CT oder MRT des Kopfes organisiert, sodass niemand in Warteschleifen gerät. Sobald alle Befunde vorliegen, werden diese in der interdisziplinären Tumorkonferenz vorgestellt, an der alle beteiligten Fachabteilungen teilnehmen – Onkologie, Radiologie, Thoraxchirurgie, Strahlentherapie und weitere, je nach Bedarf. Dort wird die bestmögliche Therapie festgelegt oder entschieden, ob zusätzliche Diagnostik erforderlich ist.
Auch diese Termine werden vollständig organisiert, selbst wenn Patienten von weiter herkommen. In solchen Fällen werden heimatnahe onkologische Praxen eingebunden, damit die Betroffenen in einer ohnehin belastenden Situation nicht zusätzlich durch lange Wege oder Wartezeiten belastet werden. Wenn die Diagnose feststeht, kommen Patienten aus der Region erneut ins Zentrum, um alle Befunde und nächsten Schritte persönlich zu besprechen.
Wer von weiter her kommt, wird – wie zuvor vereinbart – telefonisch informiert. Die Ergebnisse der Tumorkonferenz gehen anschließend schriftlich an Hausarzt, Facharzt und die Patienten selbst“.
Als pneumologischer Maximalversorger stehen im Lungenkrebszentrum des Clemenshospitals Münster diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung, die weit über das hinausgehen, was viele Krankenhäuser anbieten können. Dazu gehören sämtliche Formen der invasiven Diagnostik, von der flexiblen und starren Bronchoskopie über den endobronchialen Ultraschall bis hin zur Endosonografie. Es werden klassische Biopsien ebenso durchgeführt wie Kryobiopsien oder Lymphknotenbiopsien. Neu hinzugekommen ist eine Navigationssoftware, mit der sich selbst sehr kleine Rundherde gezielt erreichen lassen. Diese Verfahren können zudem CT-gesteuert durchgeführt werden, was die Präzision weiter erhöht und eine besonders sichere Diagnostik ermöglicht.

COPD und Lungenemphysem erfordern häufig mehr als eine rein medikamentöse Behandlung – insbesondere dann, wenn die Lunge überbläht ist, die Atemnot zunimmt und die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist. Moderne pneumologische Zentren setzen deshalb auf innovative, minimalinvasive Verfahren, die gezielt das überdehnte Lungengewebe entlasten und die Atemmechanik verbessern.
„Bei der COPD reicht das Spektrum der Behandlung von der Akutversorgung bis hin zu spezialisierten Verfahren. Patienten, die mit einer Lungenentzündung oder einer Verschlechterung ihrer COPD aufgenommen werden, können stationär betreut werden und erhalten eine umfassende physiotherapeutische Begleitung, Inhalationstherapie und Schulungen. Atmungstherapeuten unterstützen zusätzlich, insbesondere wenn eine nicht-invasive oder sogar eine langfristige Heimbeatmung notwendig wird.
Auch die Einstellung einer Langzeitsauerstofftherapie erfolgt hier, ebenso wie deren regelmäßige Kontrolle. Für Betroffene mit einem ausgeprägten Lungenemphysem wurde ein eigenes Emphysemzentrum gegründet. Dort arbeiten Pneumologie, Thoraxchirurgie und Radiologie eng zusammen und besprechen jeden Fall in einer speziellen Emphysemkonferenz.
Je nach Befund wird entschieden, ob zunächst eine Rehabilitation sinnvoll ist, ob eine Operation notwendig wird oder ob eine endoskopische Lungenvolumenreduktion – etwa durch das Einsetzen von Ventilen – die beste Option darstellt“, verdeutlicht Dr. Brandes und ergänzt:
„Während der Corona-Pandemie wurden viele schwer erkrankte Patienten intensivmedizinisch betreut, darunter auch Menschen mit COPD, die durch Covid-19 zusätzlich destabilisiert wurden. Auch in der Zeit danach kamen zahlreiche Betroffene zur Nachsorge, insbesondere wenn nach viralen Infekten weiterhin Atemprobleme bestanden.
Eine eigene Long-Covid-Ambulanz gibt es zwar nicht, doch die pneumologische Diagnostik steht allen offen, die nach Infekten unter Luftnot oder unklaren Einschränkungen leiden. Im Schulterschluss mit den Hausärzten und niedergelassenen Fachärzten erfolgt im Lungenkrebszentrum eine gemeinsame Abstimmung der Einweisung und Behandlung, sowie der anschließenden Weiterbehandlung. Mithilfe von Verfahren wie Spiroergometrie, Muskel- und Zwerchfellsonografie wird abgeklärt, wo die Ursachen liegen und wie sich die Beschwerden bestmöglich behandeln lassen“.
Psychologische Unterstützung spielt eine wichtige Rolle, denn Atemnot löst bei vielen Menschen starke Angst und das Gefühl von Kontrollverlust aus.
„Im Rahmen des zertifizierten Lungenkrebszentrums ist psychoonkologische Betreuung ohnehin fest verankert, doch darüber hinaus steht am Standort eine eigene psychologische Versorgung zur Verfügung.
Das Krankenhaus ist Teil eines onkologischen Spitzenzentrums, der Münsteraner Allianz gegen Krebs (MAgKs), in dem verschiedene Tumorzentren eng miteinander vernetzt sind. Diese Struktur sorgt dafür, dass Patienten nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch gut begleitet werden. Durch die Zugehörigkeit zum Alexianer-Verbund (ein großer, deutschlandweit tätiger gemeinnütziger Träger im Gesundheits- und Sozialwesen) bestehen zudem enge Verbindungen zu psychotherapeutischen Einrichtungen in Münster und der Umgebung.
Wenn Betroffene eine weiterführende oder spezialisierte Behandlung benötigen, kann diese bereits im stationären Rahmen angebahnt und anschließend ambulant fortgesetzt werden. Ergänzend arbeiten die Teams mit Selbsthilfegruppen und der Krebsberatungsstelle zusammen, um auch Angehörigen eine verlässliche Unterstützung zu bieten. Für Menschen mit weit fortgeschrittenen Atemwegserkrankungen steht außerdem eine eigene Palliativstation an unserem weiteren Standort der Raphaelsklinik Münster, zur Verfügung, die eine umfassende, palliativ ausgerichtete Betreuung ermöglicht und Teil des Lungenkrebszentrums ist“, so Dr. Brandes.
Die pneumologische Intensiv- und Beatmungsmedizin spielt eine zentrale Rolle, wenn Menschen an einer schweren respiratorischen Insuffizienz leiden und die eigene Atmung nicht mehr ausreichend funktioniert.

In solchen Situationen sorgt ein spezialisiertes Team dafür, dass Atmung, Sauerstoffversorgung und Kreislauf stabilisiert werden – oft mithilfe moderner Beatmungsverfahren, die individuell an die Erkrankungssituation angepasst werden. Dazu gehören sowohl nicht-invasive Methoden wie die Maskenbeatmung als auch invasive Beatmungskonzepte, die bei schwerer Atemmuskelschwäche, ausgeprägten Entzündungen oder akuten Verschlechterungen notwendig werden.
Ergänzend stehen Lungenersatzverfahren wie ECMO zur Verfügung, wenn selbst die maschinelle Beatmung nicht mehr ausreicht. Eine besondere Bedeutung hat die angeschlossene Beatmungsintensivstation, die sich auf die Entwöhnung von der Beatmung, das Weaning, spezialisiert hat.
„Die Beatmungsintensivstation spielt eine zentrale Rolle für Patienten, die nach einer schweren Erkrankung künstlich beatmet werden mussten. Als pneumologisches Zentrum, das sich nicht nur um die Lunge, sondern auch um Atmung und Beatmung kümmert, liegt der Schwerpunkt darauf, Menschen behutsam und strukturiert von der künstlichen Beatmung zu entwöhnen. Dieser Prozess ist komplex und keineswegs damit getan, dass jemand einfach aufwacht und die Beatmung beendet wird. Er erfordert eine spezialisierte Umgebung, in der erfahrene Ärzte, speziell geschulte Pflegekräfte sowie Logopädie, Physiotherapie und Atmungstherapie eng zusammenarbeiten.
Gerade nach langen Intensivaufenthalten – wie sie etwa während der Covid 19 Pandemie häufig vorkamen – benötigen viele Betroffene eine intensive, koordinierte Unterstützung, um wieder selbstständig atmen zu können und Schritt für Schritt aus der Intensivmedizin herausgeführt zu werden. Ziel ist es, die Patienten so zu stabilisieren, dass eine anschließende Rehabilitation möglich wird und sie langfristig wieder ein möglichst selbstbestimmtes Leben in ihrer gewohnten Umgebung führen können“, hebt Dr. Brandes hervor.
Die Nachsorge gestaltet sich je nach Situation der Patienten sehr unterschiedlich. Viele kommen von weiter her oder sind bereits bei einem niedergelassenen Lungenfacharzt angebunden, sodass sie nach Abschluss der Akutbehandlung in die ursprüngliche Versorgung zurückkehren.
„Bei Menschen, deren Entwöhnung von der Beatmung noch nicht vollständig abgeschlossen ist – etwa, wenn weiterhin eine Trachealkanüle oder eine Beatmung notwendig bleibt – erfolgen regelmäßige Kontrollen im Lungenkrebszentrum. Dabei wird geprüft, ob bestimmte Maßnahmen noch erforderlich sind oder ob sich im Verlauf Möglichkeiten ergeben, die Kanüle zu entfernen oder die Beatmung zu beenden.
Für Patienten, die noch nicht stabil genug sind, besteht eine enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Intensivpflegeeinrichtungen in der Region. Dort können sie sich weiter erholen, bis eine erneute Vorstellung im Zentrum sinnvoll ist. Die Case-Managerin des Weaning-Bereichs hält dafür den Kontakt, fragt regelmäßig nach dem Zustand und koordiniert weitere Schritte.
Menschen, die nach dem Weaning oder im Rahmen einer COPD-Erkrankung eine nichtinvasive Maskenbeatmung benötigen, werden anfangs engmaschig und später jährlich einbestellt. Die Atmungstherapeuten überprüfen dabei Geräte und Masken, während ärztlich beurteilt wird, ob Einstellungen angepasst oder Therapien verändert werden müssen. So bleibt die Versorgung strukturiert, kontinuierlich und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt“, macht Dr. Brandes klar.

Interstitielle Lungenerkrankungen wie Lungenfibrose oder Sarkoidose erfordern eine besonders sorgfältige, strukturierte und spezialisierte Diagnostik, da sie häufig schleichend beginnen, unterschiedliche Verlaufsformen zeigen und eine frühzeitige therapeutische Steuerung entscheidend für den langfristigen Verlauf ist.
Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) bezeichnen eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen das feine Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen entzündet oder vernarbt. Dadurch verliert die Lunge an Elastizität, der Gasaustausch wird eingeschränkt und es entsteht zunehmend Atemnot, oft begleitet von trockenem Reizhusten. Die Ursachen reichen von Autoimmun- und Rheumaerkrankungen über genetische Faktoren bis hin zu Schadstoffen, Medikamenten oder idiopathischen Formen wie der idiopathischen Lungenfibrose. Weil viele ILD unbehandelt fortschreiten können, ist eine frühe Diagnostik in spezialisierten Zentren entscheidend, um den Verlauf zu bremsen und eine gezielte Therapie einzuleiten.
„Interstitielle Lungenerkrankungen sind in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Schwerpunkt geworden. Neben den Tumorkonferenzen gibt es dafür ein eigenes ILD-Board, in dem alle beteiligten Fachdisziplinen zusammenkommen und komplexe Fälle gemeinsam besprechen. Ergänzend steht eine spezialisierte Ambulanz (ASV) für rheumatische Erkrankungen zur Verfügung, die eng mit dem Westdeutschen Rheumazentrum in Sendenhorst vernetzt ist.
Diese enge Kooperation ermöglicht eine präzise Diagnostik und eine moderne Therapie, einschließlich aller neuen antifibrotischen Behandlungsoptionen. Auch die Sarkoidose gehört zu den Erkrankungen, die hier häufig diagnostiziert und behandelt werden und einen festen Platz im Schwerpunkt der Abteilung haben“, erläutert Dr. Brandes.
Das Clemenshospital Münster ist sehr gut aufgestellt und bietet in allen Bereichen moderne Diagnostik- und Therapieverfahren an. Dennoch bleibt die Weiterentwicklung immer ein fortlaufender Prozess.
„Unsere Ausstattung ist auf einem hohen Niveau, von der Strahlentherapie mit neuen Linearbeschleunigern bis hin zur Thoraxchirurgie, die sämtliche modernen Operationsverfahren durchführt. Gleichzeitig entstehen ständig Innovationen, etwa im Bereich der Bronchoskopie oder bei neuen diagnostischen Geräten. Die Oberärzte und Fachärzte sind regelmäßig deutschlandweit auf Fortbildungen unterwegs, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben.
Insgesamt sieht sich das Zentrum als etabliertes, erfahrenes Lungenkrebszentrum, das fachlich wie technisch sehr gut aufgestellt ist. Ein wichtiger Punkt für die Zukunft ist die bessere Vernetzung im Gesundheitswesen. Der Austausch zwischen Krankenhäusern, niedergelassenen Fachärzten und anderen Leistungserbringern soll deutlich einfacher werden, idealerweise über gemeinsame Portale oder die elektronische Patientenakte.
Ein reibungsloser Datenfluss ist ein entscheidender Schritt angesichts komplexer werdender Erkrankungen und begrenzter Ressourcen. Projekte wie Patientenportale, über die Befunde ausgetauscht und Informationen bereitgestellt werden können, laufen bereits im Konzern. Ziel der Digitalisierung ist es, Abläufe zu beschleunigen und die Versorgung transparenter zu gestalten“ und hält fest:
„Das Lungenkrebszentrum gehört nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den größten seiner Art. Jedes Jahr werden dort über 300 Erstdiagnosen von Lungenkrebs gestellt, und auch die übrigen pneumologischen Erkrankungen bewegen sich im Bereich mehrerer Hundert Fälle jährlich. Diese Zahlen spiegeln das kontinuierliche Wachstum des Zentrums wider und zeigen, wie viele Patienten hier jährlich versorgt werden“.
Trotz aller modernen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten bleibt die Prävention der wichtigste Baustein für den Erhalt der Lungengesundheit. Entscheidend ist, gar nicht erst mit dem Rauchen zu beginnen oder frühzeitig Wege aus der Abhängigkeit zu finden. Ebenso wichtig ist der Schutz vor Schadstoffen, Dämpfen, Stäuben und Feinstaub – ein Bereich, in dem Deutschland betriebsmedizinisch bereits gut aufgestellt ist. Am Ende geht es darum, Menschen davor zu bewahren, überhaupt zu Patienten zu werden.
„Ein Teil der Lungenfibrosen ist genetisch oder durch individuelle Prädisposition bedingt. Ein großer Anteil entsteht jedoch als Begleiterkrankung rheumatischer oder systemischer Erkrankungen, etwa im Rahmen von Kollagenosen oder Vaskulitiden. Besonders problematisch ist, dass eine unerkannte oder unbehandelte Lungenbeteiligung den Verlauf der gesamten Grunderkrankung deutlich verschlechtern und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden kann.
Deshalb steht die enge Verzahnung zwischen Pneumologie und Rheumatologie heute im Zentrum der Versorgung. Rheumatologen schicken ihre Patienten frühzeitig zum pneumologischen Screening, und umgekehrt wird bei auffälligen Lungenbefunden sofort die Rheumatologie eingebunden. Diese strukturierte Zusammenarbeit und die gemeinsame Fallbesprechung im ILD-Board sind entscheidend für eine frühzeitige und zielgerichtete Behandlung“, konstatiert Dr. Brandes.
„Im Umgang mit Betroffenen, die trotz Erkrankung weiter rauchen, steht weniger Frustration im Vordergrund als vielmehr Verständnis für individuelle Lebenssituationen. Viele kämpfen mit psychischen Belastungen, schweren Diagnosen oder Grunderkrankungen, die das Aufhören erschweren. Andere sind aufgrund psychischer Erkrankungen kaum in der Lage, ihr Verhalten zu ändern. Entscheidend ist, sie dort abzuholen, wo sie stehen, und ihnen unabhängig von ihrem Rauchverhalten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Grundsätzlich wäre es sinnvoll, Prävention stärker in den Mittelpunkt des Gesundheitssystems zu rücken. Während enorme Summen in Medikamente und Behandlungen fließen, bleibt die Aufklärung oft zurück. Weniger Zugänglichkeit von Tabakwaren, mehr Gesundheitsbildung in Schulen und Familien sowie eine bessere Unterstützung bei Entwöhnung und Lebensstiländerungen könnten langfristig viele chronische Erkrankungen verhindern – nicht nur im Bereich der Lunge, sondern auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Übergewicht. Medizinisch wäre es nur folgerichtig, Prävention als Kernaufgabe zu begreifen und ihr deutlich mehr Raum zu geben“, empfiehlt Dr. Brandes, und damit schließen wir unser Gespräch.
- Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Clemenshospital Münster
- Experte für komplexe Lungenerkrankungen: Lungenkarzinom, Mesotheliom, COPD, Asthma, Fibrose, ILD, Sarkoidose
- Interventionelle Pneumologie: EBUS, Kryobiopsien, Stent- /Ventilimplantationen
- Diagnostik: Rechtsherzkatheter, kardiopulmonale Belastungstests, Allergologie
- Beatmungsmedizin und Weaning: inkl. intensivmedizinischer Versorgung und ECMO
- Leitung im zertifizierten Lungenkrebszentrum mit starker interdisziplinärer Vernetzung
