Dr. med. Georg Brandl ist ein erfahrener Facharzt für Orthopädie, orthopädische Chirurgie und Traumatologie mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Behandlung des Kniegelenks. Seit über zwei Jahrzehnten widmet er sich der konservativen und operativen Therapie von Kniebeschwerden und genießt als Spezialist für gelenkerhaltende Kniechirurgie sowie Knie-Endoprothetik einen exzellenten Ruf. Durch seine fundierte Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung gehört er zu den führenden Experten auf diesem Gebiet.
Ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit ist die gelenkerhaltende Kniechirurgie. Wann immer möglich, setzt Dr. Brandl auf schonende Verfahren, um die natürliche Funktion des Gelenks zu bewahren und eine frühzeitige Endoprothetik zu vermeiden. Falls ein künstlicher Gelenkersatz unumgänglich ist, bietet er modernste minimal-invasive Methoden für Teil- oder Vollprothesen an, die den Heilungsprozess beschleunigen und eine schnellere Rückkehr zur Mobilität ermöglichen. Seit 2015 ist Dr. Brandl Hauptoperateur eines zertifizierten Endoprothetikzentrums in Wien und führt jährlich eine Vielzahl komplexer Operationen durch.
Sein Fachwissen wird nicht nur durch seine praktische Tätigkeit unterstrichen, sondern auch durch seine aktive Mitgliedschaft in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften. Er hält regelmäßig Vorträge, organisiert Operationskurse und engagiert sich in der medizinischen Forschung. Derzeit ist Dr. Brandl als Oberarzt in der II. orthopädischen Abteilung des Herz-Jesu-Krankenhauses in Wien tätig, wo er Patienten mit Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparates behandelt. Darüber hinaus führt er in seiner eigenen Praxis umfassende Diagnosen und individuelle Beratungsgespräche durch.
Dr. Brandl führt aufgrund seiner hohen Spezialisierung mittlerweile ausschließlich Knieoperationen durch, das Behandlungsspektrum im ab September 2025 neu eröffnenden OrthoZentrum Döbling in Wien erstreckt sich aber nicht nur auf das Kniegelenk, sondern auch auf Hüft-, Fuß-, Schulter- und Ellenbogen-, sowie Wirbelsäulenprobleme. Dort kann auch der gesamte Rehabilitationsprozess durchlaufen werden, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Besonders für Sportverletzungen ist er ein gefragter Ansprechpartner, um Patienten mit gezielten Maßnahmen wieder fit für ihre sportlichen Aktivitäten zu machen. Dr. Brandl legt großen Wert auf eine patientenorientierte Therapie, die auf die individuellen Bedürfnisse und Lebensumstände abgestimmt ist. Die enge Zusammenarbeit mit Experten anderer Fachbereiche ermöglicht eine umfassende Betreuung, bei der alle relevanten Aspekte der Krankheitsgeschichte berücksichtigt werden. Sein oberstes Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit wiederherzustellen und langfristig die bestmögliche Lebensqualität für seine Patienten zu gewährleisten.
Die Redaktion des Leading Medicine Guide sprach mit Dr. Brandl speziell über den vorderen Kreuzbandriss, eine der häufigsten Verletzungen des Kniegelenks.

Ein Riss des vorderen Kreuzbands (VKB) zählt zu den häufigsten und schwerwiegendsten Verletzungen des Kniegelenks, insbesondere bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, plötzlichen Stopps oder Sprüngen. Er ist besonders problematisch, da das vordere Kreuzband eine zentrale Stabilitätsfunktion im Knie übernimmt und nicht von selbst heilen kann. Ein Riss führt oft zu Instabilität und einem erhöhten Risiko für Folgeschäden wie Meniskusverletzungen oder frühzeitige Arthrose.
Schätzungen zufolge erleiden allein in Deutschland jährlich rund 80.000 Menschen einen vorderen Kreuzbandriss, wobei Sportler und aktive Personen besonders gefährdet sind.
„Das vordere Kreuzband reißt am häufigsten bei jungen, sportlich aktiven Menschen – insbesondere bei sogenannten Stop-and-Go-Sportarten wie Fußball, Basketball oder Volleyball. Diese Sportarten beinhalten abrupte Richtungswechsel, Sprünge und Landungen, die starke Rotationskräfte auf das Knie ausüben. Besonders riskant sind Situationen, in denen der Fuß fixiert ist – etwa, wenn die Stollen im Rasen hängen bleiben – und sich der Körper über das Knie dreht. Solche Verletzungen passieren häufig ohne Gegnereinwirkung. Auch beim Skifahren besteht ein hohes Risiko: Der Unterschenkel ist durch den Skischuh stabilisiert, während sich der Ski in eine andere Richtung bewegt. Dadurch entstehen Drehbewegungen, die das Kreuzband stark belasten. Auffällig ist, dass viele Kreuzbandrisse zu Saisonbeginn oder -ende auftreten – zu Beginn oft wegen unzureichender Vorbereitung bzw. Überlastung, zum Ende hin durch Ermüdung.
Eine gut trainierte Muskulatur, insbesondere im Bereich der Beinachse, ist daher entscheidend. Wer sich rechtzeitig mit gezieltem Krafttraining – auch physiotherapeutisch begleitet – vorbereitet, kann das Verletzungsrisiko deutlich senken. Auch die Wahl des richtigen Schuhwerks spielt eine Rolle. Bei Fußballschuhen sind etwa runde Stollen gegenüber länglichen oft vorteilhafter, da sie das Verhaken im Boden und damit Drehbelastungen verringern“, erklärt Dr. Brandl am Anfang unseres Gesprächs und führt weiter aus:
„Ein weiterer zentraler Baustein der Prävention ist das sogenannte Propriozeptionstraining – eine Schulung des Gleichgewichts und der Tiefensensibilität. Sie verbessert die Fähigkeit des Körpers, riskante Bewegungen frühzeitig zu erkennen und automatisch muskulär gegenzusteuern. Nicht nur Sportler sind betroffen: Auch alltägliche Missgeschicke, etwa das Stolpern über eine Teppichkante, können zu einem Kreuzbandriss führen. Das zugrunde liegende Verletzungsmuster ist immer ähnlich – und letztlich ist es oft eine Kombination aus muskulärer Kontrolle, Vorbereitung und schlichtem Zufall, ob das Kreuzband hält oder nicht.
Die Stabilität des Knies allein auf den Oberschenkelmuskel – speziell den Quadrizeps – zurückzuführen, reicht nicht aus, da das Knie von mehreren Muskelgruppen gemeinsam stabilisiert wird. Neben dem Quadrizeps auf der Vorderseite sind vor allem auch die beugeseitigen Muskeln, die sogenannten Hamstrings, entscheidend. Sie tragen wesentlich zur dynamischen Stabilisierung des Knies bei – gerade bei schnellen Bewegungen oder plötzlichen Richtungswechseln. Oft unterschätzt wird auch die Wadenmuskulatur, die von hinten auf das Knie wirkt und ebenfalls eine stabilisierende Funktion übernimmt. Obwohl es in diesem Bereich bislang nur begrenzte biomechanische Daten gibt, zeigt die klinische Erfahrung, dass auch sie einen Beitrag zur Kniegesundheit leistet. Eine kräftige Muskulatur – vorne, hinten und auch darunter – bietet Schutz und Stabilität. Wer gezielt und ausgewogen trainiert, kann das Risiko von Knieverletzungen deutlich senken“.
Die Behandlung eines vorderen Kreuzbandrisses kann entweder konservativ oder operativ erfolgen, wobei die Wahl der Therapie von verschiedenen Faktoren abhängt. Beide Ansätze verfolgen das Ziel, die Funktion des Knies wiederherzustellen und die sportliche Leistungsfähigkeit zu sichern, unterscheiden sich jedoch erheblich in ihrer Vorgehensweise und den langfristigen Auswirkungen.
„Wenn ein Patient mit Beschwerden kommt, die auf eine Kreuzbandverletzung hindeuten, liegt oft ein deutlich spürbares Erlebnis zugrunde – etwa eine plötzliche Drehbewegung mit hörbarem ,Knack´ und anschließender Schwellung. Allerdings ist das nicht immer der Fall. Es gibt auch Kreuzbandrisse, bei denen das Knie zunächst unauffällig wirkt und lediglich ein ,komisches Gefühl´ bleibt. Entscheidend ist hier oft das Ausmaß der Einblutung ins Gelenk und wie akut der Zustand des Knies nach dem Trauma ist.
Die moderne Diagnostik, insbesondere durch MRT-Geräte mit hoher Auflösung (z. B. 3-Tesla), ermöglicht es heute, selbst kleinste Strukturen exakt darzustellen. Dennoch bleibt der klinische Stabilitätstest essenziell. Der sogenannte Lachman-Test oder vordere Schubladentest liefert entscheidende Hinweise darauf, wie instabil das Knie tatsächlich ist – und damit auch, ob eine Operation notwendig ist. Nicht jeder Kreuzbandriss bedeutet automatisch eine Operation. Teilrupturen, bei denen noch Bandanteile am Oberschenkel anhaften, können in bestimmten Fällen konservativ behandelt werden – vorausgesetzt, das Knie zeigt keine wesentliche Instabilität. Unterstützend wirken hier muskuläres Aufbautraining sowie biologische Therapien, wie etwa Behandlungen mit Eigenblut (PRP), um die körpereigene Heilung anzuregen“, so Dr. Brandl und ergänzt:
„Anders verhält es sich bei einem kompletten Riss des vorderen Kreuzbandes: Hier ist eine konservative Therapie in der Regel nicht zielführend, da sich die Biomechanik des Kniegelenks deutlich verändert. Langfristig kann das zu Folgeschäden wie Meniskusrissen führen – Studien zeigen, dass bereits nach einem Jahr die Häufigkeit von Innenmeniskusschäden steigt. Zwar gibt es Ausnahmen – etwa Patienten, die sich sportlich ausschließlich aufs Fahrradfahren beschränken oder durch sehr gute muskuläre Kontrolle (,Coper´) kompensieren können –, doch gerade bei jungen, aktiven Menschen überwiegt das Risiko. In den allermeisten Fällen wird deshalb bei vollständiger Ruptur zur operativen Stabilisierung geraten. Konservative Behandlungsversuche sind zwar möglich, führen aber selten zu einem dauerhaft stabilen Kniegelenk“.
Der Lachman-Test ist ein klinischer Test zur Überprüfung des vorderen Kreuzbands im Knie. Dabei wird das leicht angewinkelte Schienbein nach vorne gezogen, während der Oberschenkel fixiert ist. Ein stärkeres Verschieben als beim gesunden Knie weist auf eine Verletzung des vorderen Kreuzbands hin. Der Test gilt als sehr zuverlässig für die Diagnose von Kreuzbandrissen.
Bei einer Kreuzbandverletzung steht nicht unbedingt der Schmerz im Vordergrund – vor allem nicht langfristig. In der akuten Phase direkt nach dem Trauma können Schmerzen auftreten, doch häufig sind diese nach ein bis zwei Monaten deutlich abgeklungen oder sogar vollständig verschwunden. Das eigentliche Problem liegt in der Instabilität des Kniegelenks.
Dr. Brandl kommentiert dies so: „Diese Instabilität äußert sich nicht kontinuierlich, sondern in unberechenbaren Momenten – etwa beim Treppenabsteigen, beim schnellen Richtungswechsel oder sogar beim Um-die-Ecke-Gehen. Dabei kann es passieren, dass das Knie plötzlich ,weggeht´. Genau diese Unvorhersehbarkeit führt oft zu Verunsicherung bei den Betroffenen. Viele entwickeln ein Vermeidungsverhalten, sie schränken ihre Bewegungen und Aktivitäten bewusst ein, um keine Instabilität zu provozieren. Trotzdem ist es grundsätzlich möglich, ohne Krücken und spezielle Schienen durch den Alltag zu kommen – vorausgesetzt, man vermeidet risikobehaftete Bewegungen konsequent.
Einige Patienten wählen diesen Weg, etwa weil sie sich aus persönlichen Gründen gegen eine Operation entscheiden. Allerdings muss individuell unterschieden werden: Nicht selten ist bei einer Kreuzbandverletzung nicht nur das vordere Kreuzband betroffen, sondern auch begleitende Strukturen wie das Innenband. In solchen Fällen kommt es häufig zu einer mehrdimensionalen Instabilität, die konservative Therapiechancen stark einschränkt. Wenn das vordere Kreuzband isoliert verletzt ist und keine weiteren Strukturen betroffen sind, kann unter bestimmten Voraussetzungen über eine konservative Therapie nachgedacht werden. Besteht jedoch eine komplexere Verletzungslage, führt der Weg meist klar zur operativen Versorgung“.
Bei der Behandlung eines vorderen Kreuzbandrisses gibt es verschiedene operative Verfahren, die sich vor allem in der Technik der Rekonstruktion unterscheiden. Das Ziel dieser Operationen ist es, die Stabilität des Knies wiederherzustellen und eine normale Funktion zu ermöglichen, damit der Patient zu seinen gewohnten Aktivitäten zurückkehren kann.
„Eine Operation nach einem Kreuzbandriss ist in den meisten Fällen gut planbar – sie muss nicht sofort erfolgen. Wichtig ist, zunächst die Begleitverletzungen genau zu beurteilen. Bei größeren Meniskus- oder Knorpelverletzungen ist eine zeitnahe Operation oft sinnvoll, um Folgeschäden zu vermeiden. In anderen Fällen – etwa bei gleichzeitiger Verletzung des Innenbands – geht man zunächst gerne konservativ vor, behandelt mit einer Orthese über etwa sechs Wochen und gibt dem Innenband die Chance zu heilen (das Innenband heilt häufig konservativ aus), bevor eine Kreuzband-OP in Erwägung gezogen wird. Zudem spielt der Zustand des Kniegelenks direkt nach der Verletzung eine zentrale Rolle.
Ist das Knie stark geschwollen oder gereizt, wird zunächst mit Physiotherapie begonnen, um das Gelenk zu beruhigen. Erst wenn das Knie reizfrei ist, erfolgt die Operation – geplant und kontrolliert, um das Risiko von Vernarbungen zu minimieren. In der Regel empfiehlt sich ein Zeitraum von rund drei Monaten nach dem Trauma für die OP, wobei der Eingriff nicht zu lange hinausgezögert werden sollte, um Sekundärverletzungen zu vermeiden“, verdeutlicht Dr. Brandl.
Operative Verfahren gibt es mehrere. In seltenen Fällen, wenn das Kreuzband nahe seinem Ansatz abgerissen und sonst intakt ist, kann es mit einem kleinen arthroskopischen Eingriff wieder refixiert werden – oft kombiniert mit einem sogenannten „internal brace“, einem dünnen Kunstband zur zusätzlichen Stabilisierung.
„Dieses Verfahren eignet sich vor allem für wenig sportlich aktive Patienten und ist sehr schonend. In den meisten Fällen ist jedoch ein Kreuzbandersatz notwendig. Dabei wird eine körpereigene Sehne entnommen – typischerweise Beugesehnen (z. B. aus dem Oberschenkel) oder die Quadrizepssehne. Die Wahl hängt vom Alter, der Sportart und den beruflichen Anforderungen des Patienten ab. Die Quadrizepssehne wird zunehmend bei jungen, sportlich aktiven Menschen eingesetzt, da sie eine gute Regeneration aufweist und mit geringeren Beschwerden an der Entnahmestelle verbunden ist.
Bei starker Beanspruchung in Rotation (z. B. Fußball) ist die Patellarsehne eine gute Wahl, da sie durch ihre Knochenblöcke besonders stabil einheilt. Für Menschen, die beruflich viel knien (z. B. Handwerker), ist diese Methode hingegen oft ungeeignet. Eine weitere Option ist die Verwendung von Spendersehnen (Allografts), besonders bei älteren Patienten oder wenn eine schnellere Genesung ohne Entnahmestelle gewünscht ist. Diese benötigen allerdings längere Einheilzeiten. Die eigentliche Kreuzbandrekonstruktion erfolgt heute minimalinvasiv und rein arthroskopisch. Nur für die Sehnenentnahme ist ein kleiner Hautschnitt nötig – in der Regel nicht größer als drei Zentimeter.
Das sorgt für eine schnelle Wundheilung und geringe sichtbare Narben. Die Wahl des geeigneten Verfahrens erfolgt immer individuell angepasst an den Patienten – unter Berücksichtigung seiner sportlichen Ziele, beruflichen Belastung und allgemeinen körperlichen Voraussetzungen“, schildert Dr. Brandl und ergänzt:
„Eine Kreuzbandoperation ist in vielen Fällen ein ambulanter Eingriff. Wenn der Patient nach der OP noch rund drei bis vier Stunden in der Einrichtung zur Nachbeobachtung bleiben kann, ist die Schmerzlage meist gut beherrschbar. Allerdings hängt die Möglichkeit zur ambulanten Behandlung auch von eventuellen zusätzlichen Eingriffen ab. Müssen etwa Außenbänder mitversorgt werden, wird der Eingriff komplexer, und eine ambulante Versorgung ist weniger ratsam. In der Regel bleiben Patienten für eine Nacht zur Überwachung in der Klinik. Das bietet Sicherheit – etwa zur Schmerztherapie und Mobilisationsunterstützung – und erleichtert den Übergang in die erste Phase der Nachsorge.
Wer hingegen nach einem Kreuzbandriss nicht zum Arzt geht oder über längere Zeit auf eine Behandlung verzichtet, riskiert Folgeschäden. Wenn ein Kreuzband instabil ist – und der Patient das im Alltag sogar bemerkt –, spricht das bereits für eine relevante Funktionseinschränkung. In solchen Fällen übernimmt der Körper teilweise sogenannte Sekundärstabilisatoren – etwa den Innenmeniskus, der das Knie zusätzlich stabilisiert. Diese Strukturen werden jedoch bei anhaltender Instabilität überlastet, was insbesondere beim Innenmeniskus problematisch ist. Studien zeigen, dass sich ab etwa einem Jahr nach der Verletzung das Risiko für größere Meniskusschäden deutlich erhöht. Der Meniskus kann sich von der Gelenkkapsel ablösen, was zu irreparablen Rissen führen kann – oft bei alltäglichen Bewegungen, ohne erneutes Trauma. Auch Knorpelschäden sind auf längere Sicht möglich. Sie entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über Jahre durch die Überbeweglichkeit des Gelenks.
Im Gegensatz zu den Meniskusschäden ist die Rolle der Kreuzbandruptur bei der Entstehung von Knorpelverschleiß nicht ganz so eindeutig belegt, aber die Tendenz ist klar: Langfristig instabile Kniegelenke verschleißen schneller. Gerade aus diesem Grund wurden die Operationstechniken in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert – sie sind heute wesentlich schonender und erfolgreicher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Dadurch hat die operative Versorgung an Schrecken verloren und bietet in vielen Fällen eine nachhaltige Lösung, vor allem im Vergleich zu einer rein konservativen Therapie, bei der sich Folgeschäden mitunter schleichend entwickeln“.
Spendersehnen stammen aus Gewebebanken, bestehen aus Kollagengewebe und werden nicht als „fremd“ vom Körper erkannt. Die Transplantate lassen sich gut integrieren und sind in der Praxis bewährt. Künstliche Bänder hingegen wurden über die Jahre immer wieder getestet, etwa das sogenannte LARS-Band. Diese Kunstbänder führten jedoch häufig zu Komplikationen, insbesondere zu Entzündungen im Knochen und Knochenerweiterungen.
Hierzu erläutert Dr. Brandl: „Aufgrund dieser negativen Erfahrungen sind reine Kunstbänder aktuell vom Markt verschwunden und werden heute nicht mehr eingesetzt. Einzig erhalten geblieben ist der unterstützende Einsatz sehr dünner Kunstfasern, die das eigentliche biologische Transplantat in der sensiblen Einheilungsphase schienen können. Dieses Verfahren nennt sich ,Internal Brace´. Hierbei wird das biologische Kreuzband durch ein feines synthetisches Band zusätzlich stabilisiert, was besonders in der Frühphase eine gewisse Schutzwirkung entfalten kann. Das eigentliche Bandgewebe bleibt dabei aber biologisch. Diese Technik ist vielversprechend, allerdings gibt es bisher zu wenige belastbare wissenschaftliche Daten, um eine klare Empfehlung auszusprechen. Sie bleibt eine ergänzende Option in bestimmten Einzelfällen – das Haupttransplantat bleibt in jedem Fall ein natürliches Gewebe“.
Wenn ein Patient nach einer Kreuzbandoperation nach Hause kommt, liegt der Schwerpunkt in der ersten Woche ganz klar auf abschwellenden Maßnahmen, auf Ruhe und auf der Erholung von der Operation. Typisch für das Kniegelenk nach einer solchen Verletzung ist ein leichtes Streckdefizit – das heißt, die volle Streckung des Knies fällt schwer.
Dr. Brandl teilt seine persönlichen Erfahrungen: „Für mich ist in den ersten ein bis zwei Wochen genau diese Streckung das zentrale Ziel, sie ist quasi die wichtigste Form der Physiotherapie zu Beginn. Das lässt sich oft auch schon eigenständig umsetzen, da braucht es nicht unbedingt sofort eine physiotherapeutische Anleitung. Es geht vor allem darum, die Beweglichkeit möglichst schnell und gut wiederherzustellen, insbesondere eben die vollständige Streckung. Nach etwa zwei Wochen kann man dann damit beginnen, in die eigentliche Rehabilitation einzusteigen. An dieser Stelle rate ich meinen Patienten immer, sich physiotherapeutische Unterstützung zu holen oder ein strukturiertes Reha-Programm zu starten.
Allein ist das schlicht zu schwierig, und es bestehen auf Patientenseite viele Unsicherheiten – was darf man schon, welche Übungen sind sinnvoll, was sollte man lieber noch vermeiden? Viele unterschätzen, was alles bereits wieder möglich ist, gerade wenn es um Beweglichkeit geht. Oft ist es eher die Angst, etwas falsch zu machen, die den Fortschritt hemmt. Deshalb ist der Kontakt zur Physiotherapie für mich ein ganz zentraler Bestandteil der Behandlung, und ich arbeite hier auch eng mit verschiedenen Partnern zusammen. Wenn es keine größeren Begleitverletzungen gibt und der Verlauf gut ist, dann können Patienten nach zwei Wochen wieder erste Schritte ohne Krücken machen.
Bis man im Alltag wieder voll einsatzfähig ist, vergehen im Regelfall sechs bis acht Wochen. Natürlich gibt es Ausnahmen – ich hatte mal einen Patienten, der nach drei Monaten den Großglockner (3798m) bestiegen hat –, aber an solchen Fällen sollte man sich nicht orientieren. Die sechs bis acht Wochen sind ein guter Richtwert. Dabei kommt es natürlich auch auf den Beruf an: Einen Bürojob kann man oft schon nach einer Woche wieder aufnehmen, aber für den ,richtigen´ Alltag braucht es doch mehr Zeit“.
Wichtig ist ein individuell abgestimmter Nachbehandlungsplan mit festen Kontrollterminen, bei denen der Heilungsverlauf genau überprüft wird. So lassen sich mögliche Komplikationen frühzeitig erkennen, und die Patienten erhalten die notwendige Sicherheit für den Wiedereinstieg in ihren gewohnten Lebensstil.
„Ich sehe meine Patienten nach der OP auch regelmäßig zur Kontrolle wieder. Jeder bekommt einen individuellen Nachbehandlungsplan mit festgelegten Terminen. Die erste Kontrolle findet meist nach zehn Tagen statt, wenn auch die Nähte entfernt werden. Da schaue ich mir an, wie das Knie aussieht, ob die Schwellung zurückgegangen ist. Vier Wochen später folgt die zweite Kontrolle, bei der geprüft wird, ob man auf unterstützende Maßnahmen wie Bandagen oder Krücken komplett verzichten kann.
Ein weiterer wichtiger Kontrolltermin ist nach drei bis vier Monaten. In dieser Phase funktioniert in der Regel schon wieder sehr vieles gut, und viele Patienten wollen dann wissen, wie es weitergeht – insbesondere, welchen Sport sie wieder ausüben dürfen. Gerade bei Sportlern, die ins Training zurückkehren wollen, ist dieser Termin essenziell, wobei ein Wiedereinstieg meistens erst nach sechs Monaten empfohlen wird. Sport stellt eben noch einmal ganz eigene, spezifische Anforderungen an das Knie. Zu diesem Zeitpunkt kann auch ein MRT sinnvoll sein, um zu überprüfen, wie gut das Transplantat eingeheilt ist, und um dem Patienten die nötige Sicherheit zu geben. Denn die größte Gefahr liegt darin, zu früh wieder aktiv zu werden – viele erneute Verletzungen entstehen genau dadurch.
Wer nur gelegentlich Sport treibt, etwa einmal im Jahr Skifahren geht, bei dem lässt sich das auch gut klinisch kontrollieren. Bei aktiven Sportlern sieht das anders aus: Sie fühlen sich nach sechs Monaten oft schon wieder sehr fit, aber das Band braucht insgesamt neun bis zwölf Monate, bis es vollständig eingeheilt ist und das Risiko einer erneuten Verletzung wirklich gering ist. Deshalb macht man die MRT-Kontrolle auch kurz vor Ablauf der sechs Monate. Nach einem Jahr ist dann eigentlich eine Abschlusskontrolle vorgesehen, die allerdings nicht mehr von allen Patienten wahrgenommen wird. Dennoch ist sie Teil des geplanten Nachsorgekonzepts, und wenn ich diese Abschlusskontrolle durchführe, schaue ich mir noch einmal alles genau an, um den langfristigen Erfolg der Operation zu sichern“, konstatiert Dr. Brandl.
Als langjähriges Mitglied und „faculty member“ der AGA und des Kreuzband-Komitees (AGA = größte deutschsprachige Arthroskopie-Gesellschaft) liegt der Fokus von Dr. Brandl vor allem auf sportchirurgischen Eingriffen am Kniegelenk. Die Erfahrung des behandelnden Arztes spielt eine große Rolle. Die Entnahme des Transplantats steht dabei im Mittelpunkt, und nicht jeder Chirurg ist mit allen Transplantatarten gleichermaßen vertraut. Deshalb ist eine gezielte Spezialisierung in der Kreuzbandchirurgie besonders wichtig, da Ärzte, die alle Gelenke operieren, hier oft nicht die gleiche Expertise haben.
„Auch wenn einige Kollegen sich auf Sportmedizin und arthroskopische Operationen konzentrieren, erfordert die Kreuzbandchirurgie oft eine noch spezifischere Kompetenz. Für Patienten ist es daher ratsam, sich an einen spezialisierten Kniechirurgen zu wenden, da der Verlauf der Operation maßgeblich für den langfristigen Erfolg ist. Eine gut durchgeführte Operation führt in der Regel zu guten Ergebnissen, während Komplikationen lebenslange Folgen haben können. Pro Jahr führe ich rund 500 Knieoperationen durch, davon etwa 150 Kreuzbandoperationen. Viele Patienten kommen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus weiter entfernten Regionen, beispielsweise aus der Slowakei, Ungarn/Budapest. Dies zeigt die internationale Nachfrage nach spezialisierten Behandlungen.
In Zukunft besteht noch Optimierungsbedarf, insbesondere im Bereich der Einheilung der Transplantate. Biologische Faktoren spielen hierbei eine entscheidende Rolle und erklären, warum die Einheilung bei manchen Patienten besser gelingt als bei anderen. Die weitere Erforschung und Verbesserung der biologischen Heilungsprozesse wird daher ein wichtiger Schwerpunkt sein. Ebenso wird untersucht, welche Rehabilitationsmaßnahmen die Heilung am besten unterstützen. Die operativen Techniken sind inzwischen recht ausgereift, doch der Fokus verlagert sich zunehmend auf biologische Ansätze, um die Einheilung zu fördern. Obwohl bereits viele Erkenntnisse vorliegen, besteht großes Potenzial für weitere Fortschritte in diesem Bereich“, führt Dr. Brandl zum Ende unseres Gesprächs aus.
Vielen Dank, Herr Dr. Brandl, für diesen intensiven Einblick in die Behandlung des vorderen Kreuzbandrisses!
