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Experteninterviews

Surgical Leadership Programm an der Harvard University absolviert - Experteninterview mit OA mag. dr. Jurij Gorjanc, dr. med., FRCS, FEBS AWS

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Alexandra Pfitzmann · 30. Juli 2025

OA mag. dr. Jurij Gorjanc, dr. med., FRCS, FEBS AWS, zählt zu den international ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Hernienchirurgie und hat sich mit langjähriger operativer Erfahrung und internationaler Anerkennung als verlässliche Größe in der Versorgung von Bauchwandbrüchen etabliert. An seiner chirurgischen Ordination im Ärztehaus Krainer in Klagenfurt und im Klinikum in Klagenfurt widmet er sich der Diagnostik, operativen Behandlung und Nachsorge bei Eingeweide- und Bauchwandbrüchen mit einem ganzheitlichen Anspruch an Qualität, Sicherheit und medizinischen Fortschritt.

Seine besondere Expertise liegt sowohl in der offenen als auch in der minimal-invasiven Chirurgie (inklusiv Robotik), wobei er alle gängigen Techniken beherrscht und auch bei komplexen Fällen ein individuell abgestimmtes Vorgehen bietet. Dr. Gorjanc verfügt über einen bemerkenswerten internationalen Ausbildungshintergrund. Als einer der wenigen nicht-britischen Fachärzte wurde er in das renommierte Royal College of Surgeons of England aufgenommen. Damit verbunden ist die Verleihung des Titels FRCS, der für ein hohes Maß an chirurgischer Kompetenz und ethischer Integrität steht. Seine Qualifikation wird zusätzlich durch den europäischen Titel FEBS AWS („Fellow of the European Board of Surgery – Abdominal Wall Surgery“) unterstrichen, der als Anerkennung für seine Spezialisierung und seinen Beitrag zur Entwicklung der Hernienchirurgie auf europäischer Ebene verliehen wurde. Diese Auszeichnung berücksichtigt neben praktischer Erfahrung auch wissenschaftliche Publikationen und das Ansehen in Fachkreisen. Seine Forschungstätigkeit sowie seine Mitgliedschaft in internationalen Fachgesellschaften ermöglichen ihm den regelmäßigen Austausch mit Kollegen weltweit und halten ihn stets am Puls neuer Erkenntnisse.

Neben seiner klinischen Tätigkeit engagiert sich Dr. Gorjanc seit vielen Jahren ehrenamtlich im Rahmen der Organisation „Hernia International“. In Ländern wie Ghana, Tansania, Madagaskar oder Indien operiert er unentgeltlich Menschen mit Hernien, die andernfalls keinen Zugang zu medizinischer Versorgung gehabt hätten. Dieses humanitäre Engagement (im November 2025 bereitet er die schon 16. solche Mission vor) unterstreicht seine Haltung, dass ärztliche Expertise immer auch soziale Verantwortung mit sich bringt.

In seiner Ordination in Klagenfurt und im Klinikum in Klagenfurt bietet Dr. Gorjanc seinen Patienten eine qualitätsgesicherte Betreuung, die mit dem Gütesiegel der Deutschen Herniengesellschaft und der DGAV als Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie ausgezeichnet wurde. Damit wird belegt, dass Behandlungsabläufe, OP-Zahlen, Nachsorgekonzepte und Patientenergebnisse regelmäßig überprüft und nach hohen Standards geführt werden. Der ganzheitliche Blick auf den individuellen Krankheitsverlauf, kombiniert mit hoher operativer Routine, macht ihn zu einem gefragten Ansprechpartner in der Region und darüber hinaus. Als Universitätsdozent ist er an der Medizinischen Fakultät in Ljubljana mit Vorträgen tätig.

Mit seinem Wissen, seiner Präzision und seinem Engagement repräsentiert OA mag. dr. Jurij Gorjanc, dr. med., FRCS, FEBS AWS die moderne Hernienchirurgie auf höchstem Niveau. Dabei bleibt sein Anspruch stets, medizinische Qualität mit Menschlichkeit zu verbinden – für eine sichere Versorgung, die sich an den besten verfügbaren Standards orientiert. Als Pionier auf seinem Gebiet absolvierte Dr. Gorjanc zudem das Surgical Leadership Programm an der Harvard Medical School, einer weltweit führenden Ausbildungsstätte für medizinisches Fachpersonal. Diese Weiterbildung verdeutlicht sein Engagement für kontinuierliche Weiterentwicklung und den Transfer internationaler Standards in die tägliche klinische Praxis.

Über seine Erfahrungen in Harvard konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide mit Dr. Gorjanc in einem Gespräch mehr erfahren.

Das Surgical Leadership Program der Harvard Medical School (HSLP) ist ein international anerkanntes Weiterbildungsprogramm, das sich an erfahrene Chirurgen richtet, die ihre fachliche, strategische und unternehmerische Kompetenz auf höchstem Niveau weiterentwickeln möchten. Ziel des Programms ist es, medizinische Führungspersönlichkeiten auszubilden, die nicht nur operative Exzellenz verkörpern, sondern auch über fundiertes Wissen in den Bereichen Gesundheitsökonomie, Innovation, Kommunikation, Qualitätsmanagement und klinisches Leadership verfügen. Durch eine Kombination aus interaktivem Online-Unterricht, Fallstudien, Vorträgen von führenden Expertinnen und Experten sowie individuellem Mentoring vermittelt das Programm umfassende Kompetenzen, um chirurgische Abteilungen zu führen, multidisziplinäre Teams zu managen und den Wandel im Gesundheitswesen aktiv mitzugestalten. Die Teilnahme an diesem Programm gilt international als Ausweis besonderer fachlicher und strategischer Qualifikation in der modernen Chirurgie.

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Was hat Sie motiviert, sich für das Harvard Surgical Leadership Program zu bewerben – und wie war es, als erster Österreicher daran teilzunehmen?

Die Motivation, mich für das HSLP zu bewerben, entstand aus dem Wunsch, meine Führungsqualitäten gezielt weiterzuentwickeln und chirurgische Exzellenz mit strategischem Denken, Innovation und interdisziplinärer Zusammenarbeit zu verbinden. Zu einem gewissen Zeitpunkt meines Lebens war ich chirurgischer Leiter eines kleinen chirurgischen Teams im Krankenhaus der Elisabethinen in Klagenfurt. Ich habe mich in dieser Position wohlgefühlt, jedoch habe ich während meines Studiums nie ein tieferes Verständnis für die Hintergründe erlangt, die zu Managementkompetenzen beitragen. Harvard genießt international einen exzellenten Ruf – insbesondere im Bereich der medizinischen Weiterbildung – und ich wollte dieses Know-how in mein berufliches Umfeld einbringen. Es war eine besondere Ehre, als erster Österreicher teilzunehmen. Das brachte nicht nur eine gewisse Verantwortung mit sich, sondern auch die Möglichkeit, mein Heimatland in einem internationalen, hochkarätigen Umfeld zu repräsentieren. Dabei gilt mein großer Dank meinem Chef, Prim. Prof. Dr. Reinhard Mittermair, und dem EOA Dr. Markus Fellner, die mir die Abwesenheit vom Klinikum – und dadurch die Teilnahme – ermöglicht haben“, so Dr. Gorjanc.

Foto Final ceremony

Wie unterscheidet sich dieses Programm von anderen Fortbildungen oder Leadership-Kursen für Chirurgen, die Sie bisher erlebt haben?

Das HSLP hebt sich durch seine Kombination aus chirurgischer Fachlichkeit, strategischem Leadership, Healthcare Innovation und Management deutlich von klassischen Fortbildungen ab. Während andere Programme oft nur einzelne Aspekte beleuchten, integriert dieses Programm Themen wie strategisches Denken, Entrepreneurship, Change Management und sogar Finanzplanung – alles unter dem Fokus auf die chirurgische Praxis. Die wissenschaftliche Tiefe und die enge Begleitung durch die Harvard-Fakultät machen es einzigartig“, erklärt Dr. Gorjanc.

Welche Inhalte oder Module des Programms haben Sie am meisten beeindruckt oder direkt Ihre tägliche Praxis beeinflusst?

Dr. Gorjanc antwortet: „Besonders beeindruckt haben mich die Module zu Change Management und Innovation in der Chirurgie. Beim Modul ‚Clinical Change‘ hat unsere Gruppe sogar alle Punkte erreicht und dadurch den ersten Preis unter 70 Teilnehmer gewonnen. Die systematische Herangehensweise an komplexe Herausforderungen in chirurgischen Abteilungen sowie die Strategien zur Umsetzung von Veränderungen im klinischen Alltag waren äußerst praxisrelevant. Auch die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen (ganz wichtig für das Zusammenleben in einer Abteilung) und Leadership-Kommunikation hat meine tägliche Arbeit nachhaltig beeinflusst – insbesondere in interdisziplinären Teamsituationen“.

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Die Module zu Change Management und Innovation im Harvard Surgical Leadership Program vermitteln Führungskräften in der Chirurgie grundlegende Modelle und Strategien, um Veränderungsprozesse in komplexen klinischen Strukturen erfolgreich zu steuern. Dabei stehen praktische Werkzeuge zur Überwindung von Widerständen, nachhaltige Implementierung von Neuerungen und effektive Kommunikation im Fokus. Ergänzt wird dies durch Inhalte zur Förderung von kreativem Denken und Unternehmergeist, der Evaluierung und Einführung innovativer Methoden sowie der interdisziplinären Zusammenarbeit. Durch reale Fallstudien und den internationalen Austausch bereiten die Module Teilnehmende darauf vor, Veränderungen wirkungsvoll und ethisch verantwortungsvoll in ihrem Arbeitsumfeld umzusetzen.

 

 


Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den internationalen Teilnehmern und der Harvard-Fakultät erlebt? Gab es dabei besondere interkulturelle oder fachliche Erkenntnisse?

 

Die Zusammenarbeit war unglaublich bereichernd. Die Teilnehmer kamen weltweit aus 40 unterschiedlichen Ländern. Die Diversität der Teilnehmenden – sowohl geografisch als auch in Bezug auf chirurgische Subdisziplinen – eröffnete völlig neue Perspektiven. Zum Beispiel beim erwähnten Thema ‚Clinical Change‘ habe ich die meiste Arbeit an diesem Projekt mit einer chirurgischen Kollegin aus Schottland geleistet, die Muslimin ist und sich als Frau dort einen Namen gemacht hat. Man lernt, wie unterschiedlich Gesundheitssysteme und Führungsansätze weltweit funktionieren und wie man voneinander lernen kann. Besonders spannend war der interkulturelle Austausch über ethische und wirtschaftliche Fragen in der Chirurgie – das erweitert den eigenen Horizont enorm“, reflektiert Dr. Gorjanc.

Das Programm legt großen Wert auf Führungskompetenz, Innovation und unternehmerisches Denken. Inwiefern hat es Ihre Sichtweise auf Ihre Rolle als Chirurg verändert?

Das Programm hat mein Rollenverständnis nachhaltig erweitert. Man wird nicht nur als Operateur gesehen, sondern als Systemgestalter, Innovator und Führungskraft mit Verantwortung für langfristige Entwicklungen. Es hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, strategisch zu denken, Veränderungen zu initiieren und auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu verstehen, um nachhaltige Verbesserungen für Patienten und Mitarbeiter zu erreichen. Und vor allem junge Chirurgen zu ermutigen und auszubilden, damit sie ihre Arbeit gut machen. Schließlich sind das die künftigen Experten, die uns operieren werden“, betont der Hernienspezialist Dr. Gorjanc.

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Sie mussten ein persönliches Capstone-Projekt (ein praxisorientiertes Abschlussprojekt) entwickeln. Können Sie uns mehr über Ihr Projekt erzählen und wie es Ihre Klinik oder Institution verbessern soll?

Ich habe viel Zeit damit verbracht, mit meinem Mentor zu überlegen, welches Thema ich wählen sollte. Es gab zwei Möglichkeiten: die Optimierung der chirurgischen Lehre in der Dritten Welt, wo ich in meiner Freizeit seit 15 Jahren internationale Missionen durchführe, und die Ausbildung von Chirurgen, hauptsächlich in Afrika. Ich habe mich dann aber für das Thema der Entwicklung der Hernienchirurgie in Kärnten entschieden. Derzeit arbeite ich in einem Tertiärkrankenhaus – dem Klinikum Klagenfurt, wo wir mit modernsten Geräten (inklusive Roboter) und erstklassigen Teams arbeiten können. Es besteht der Wunsch vieler Kollegen, die Patienten mit schwierigsten Fällen von Hernien (Rezidiven, parastomalen Hernien, Komponentenseparationen, neuralgischen Problemen nach Hernien-OPs) in einem solchen Klinikum zu konzentrieren und behandeln zu können. Dies ist nicht zuletzt die Erfahrung in den skandinavischen Ländern, wo sich gezeigt hat, dass die Ergebnisse deutlich besser waren, wenn komplexe Hernien von speziell ausgebildeten oder sogar zertifizierten Chirurgen behandelt werden, die sich auf die Bauchwandchirurgie spezialisiert haben (Fellow of the European Board of Surgery – Abdominal Wall Surgery). Durch strukturierte Abläufe, klare Kommunikation und die Integration digitaler Tools konnten zum Beispiel die Kollegen in Dänemark bereits erste positive Effekte zeigen. Ziel war es, postoperative Komplikationen zu reduzieren und die Patientenzufriedenheit zu steigern, während gleichzeitig Ressourcen effizienter genutzt werden. Das Projekt kann auch als Blaupause für andere Fachbereiche dienen. Da bin ich für die Möglichkeit, diese Erfahrungen in Kärnten implementieren zu dürfen, meinem Chef Prim. Prof. Dr. Reinhard Mittermair sehr dankbar“, konstatiert Dr. Gorjanc.

Gab es einen bestimmten Moment oder eine Lektion während des Programms, die Sie besonders geprägt hat – fachlich oder persönlich?

Hierzu erklärt Dr. Gorjanc: „Ein Schlüsselmoment war eine Case Study über ein reales Leadership-Dilemma in einer der Harvard-Kliniken. Unsere Mentoren haben das Problem mit der Besteigung eines Achttausenders, mit ganzer Logistik, verglichen. Da habe ich mich sehr wohl gefühlt, denn vor 13 Jahren habe ich auch an einer Expedition auf den Achttausender im Himalaya teilgenommen. Die Diskussion darüber mit Teilnehmern aus aller Welt – jeder mit seinen eigenen kulturellen, ethischen und medizinischen Sichtweisen – hat mir gezeigt, wie komplex Führungsverantwortung sein kann und wie wichtig transparente, werteorientierte Entscheidungen sind. Das hat mich auch persönlich sehr geprägt“.

Wie gut lassen sich die im Programm vermittelten Inhalte in das österreichische Gesundheitssystem übertragen? Gibt es dabei Herausforderungen oder besonders gute Ansätze?

Viele der Inhalte sind sehr gut übertragbar, besonders in Bereichen wie Change Management, Patientenorientierung und Innovationsstrategien. Natürlich gibt es strukturelle Unterschiede – etwa in der Finanzierung oder bei rechtlichen Rahmenbedingungen –, aber die zugrunde liegenden Prinzipien sind universell. Die größte Herausforderung sehe ich in der Umsetzungsgeschwindigkeit: Während Innovation in den USA oft proaktiver gefördert wird, sind hierzulande die Entscheidungswege mitunter komplexer. In meinen Augen ist das österreichische Gesundheitssystem eines der besten der Welt. Es ermöglicht Spitzenmedizin für alle Patienten, ist äußerst sozial ausgerichtet und (derzeit) finanziell auf gesunden Füßen“, so Dr. Gorjanc. Foto Harvard Certificate

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Wie bewerten Sie das Format des Programms – mit Online-Vorlesungen, Live-Webinaren und Präsenz-Workshops – im Hinblick auf Vereinbarkeit mit einem anspruchsvollen chirurgischen Berufsalltag?

Das hybride Format ist hervorragend durchdacht. Wir mussten zweimal für zwei Wochen nach London und einmal nach Boston für eine Woche reisen. Die Flexibilität der Online-Module ermöglicht es, Inhalte individuell zu bearbeiten, ohne den Klinikbetrieb zu stören. Gleichzeitig bieten die Live-Webinare und Präsenzworkshops eine wertvolle Gelegenheit zum Austausch und zur Netzwerkbildung. Natürlich erfordert das Programm ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Zeitmanagement – aber die Investition, die nicht klein ist, lohnt sich in jeder Hinsicht“, verdeutlicht Dr. Gorjanc.

Welche Empfehlungen würden Sie Kollegen geben, die über eine Teilnahme an diesem Programm nachdenken – besonders aus dem deutschsprachigen Raum?

Ich kann die Teilnahme uneingeschränkt empfehlen – besonders für Kollegen, die über den Tellerrand hinausblicken, ‚out of the box‘ denken wollen und aktiv die Zukunft der Chirurgie mitgestalten möchten. Wichtig ist, sich frühzeitig auf das Programm vorzubereiten, anzumelden und ein konkretes Ziel oder Projekt im Hinterkopf zu haben. Englischkenntnisse und Offenheit für neue Denkweisen sind essenziell. Und: Man sollte sich nicht von der ‚Harvard-Aura‘ abschrecken lassen – die Gemeinschaft ist unterstützend und offen, nicht elitär“, macht Dr. Gorjanc zum Abschluss unseres Gesprächs deutlich. 

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Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.

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