Experteninterviews
Vordere Kreuzbandersatzbandplastik
Alexandra Pfitzmann · 17. Juli 2026
Kreuzbandrisse gehören zu den häufigsten schweren Knieverletzungen. In Deutschland sind jedes Jahr etwa 70.000 bis 80.000 Menschen betroffen – vor allem beim Sport. Reißt das vordere oder hintere Kreuzband vollständig, verliert das Knie seine Stabilität. In vielen Fällen wird dann eine Kreuzbandersatzplastik notwendig, bei der das gerissene Band durch eine körpereigene Sehne ersetzt wird, um die natürliche Funktion des Kniegelenks wiederherzustellen.

„Die meisten Unfälle, die zu einem vorderen Kreuzbandriss führen, passieren ohne direkten Körperkontakt. Typisch ist ein Valgus‑Rotationstrauma: Das leicht gebeugte Knie knickt nach innen weg, während sich der Oberschenkel nach innen und der Unterschenkel nach außen dreht. Solche Bewegungen entstehen häufig beim Abbremsen im Tennis, bei schnellen Richtungswechseln im Fußball oder bei Landungen nach Sprüngen, wenn das Knie nach innen weggeht und sich verdreht. Das ist der Hauptmechanismus, der zum Reißen des vorderen Kreuzbandes führt.
Ein weiterer Mechanismus ist die Überstreckung des Kniegelenks, eine Hyperextension. Das passiert zum Beispiel, wenn jemand von vorne in das Knie springt und es nach hinten durchdrückt. Dabei treten oft zusätzliche Verletzungen der Gelenkkapsel auf. Auch ein normales Verdrehen kann das Kreuzband reißen lassen – etwa, wenn man beim Fußball mit den Stollen im Rasen hängen bleibt, der Oberkörper weiterdreht und das Knie die Drehbewegung nicht mitmacht.
Beim Skifahren kann ein verhakter oder verkanteter Ski denselben Effekt haben; der sogenannte ,Phantom‑Foot‑Mechanismus´ führt durch das nach vorne Weggehen des Skis und die Verdrehung ebenfalls zu Kreuzbandrissen. Direkte Anprallverletzungen sind deutlich seltener, kommen aber vor – etwa, wenn jemand von außen oder von vorne ins Knie springt, wie man es aus dem American Football kennt. Auch ungewöhnliche Situationen können dazu führen, etwa wenn ein Hund beim Spaziergang ins Knie springt. Solche Fälle gibt es, sie bleiben aber die Ausnahme; meist entstehen Kreuzbandrisse ohne Kontakt“, erklärt Dr. Kohn und ergänzt zur Symptomatik:
„Für Betroffene äußert sich das Ganze häufig in einem sehr starken, akuten Schmerz. Das muss jedoch nicht immer so sein. Bei bestimmten Verletzungsmustern – etwa bei Teilverletzungen oder sehr knochennahen Abrissen am Oberschenkel – kann der Schmerz überraschend gering ausfallen. Teilrisse oder Abrisse, bei denen der synoviale Mantel (Gelenkschleimhaut‑Hülle) noch steht, führen manchmal nicht einmal zu einer deutlichen Schwellung. Es kommt vor, dass Betroffene trotz Verletzung noch weiterfahren oder weiterlaufen können, wie es gelegentlich bei Skifahrern beobachtet wird“.
Ob eine Kreuzbandersatzplastik notwendig wird oder eine konservative Therapie ausreicht, hängt von einem Zusammenspiel aus Verletzungsmuster, Stabilität, Begleitverletzungen, Patientenprofil und funktionellen Anforderungen ab. Entscheidend ist nicht nur der Riss selbst, sondern wie stark das Knie dadurch in seiner Funktion beeinträchtigt ist.
„Zu Beginn lässt sich aus dem geschilderten Unfallmechanismus oft schon ableiten, was passiert sein könnte. Diese Anamnese ist der erste Hinweis darauf, welche Strukturen betroffen sein könnten. Danach folgt die klinische Untersuchung, die jedoch eingeschränkt sein kann, wenn das Knie stark geschwollen, schmerzhaft und in der Bewegung limitiert ist. Zusätzlich wird immer geprüft, wie ausgeprägt ein Kniegelenkserguss ist, denn ein akuter Erguss nach einem Trauma ist fast immer ein Zeichen dafür, dass eine relevante Struktur verletzt wurde – sei es Meniskus, Kreuzband oder auch Knochen.
In den meisten Fällen gehört ein Röntgenbild zur Basisdiagnostik, um mögliche Begleitverletzungen wie knöcherne Schäden auszuschließen. Die entscheidende Untersuchung ist anschließend das MRT, die Kernspintomographie des Kniegelenks. Sie zeigt, welche Verletzungsmuster vorliegen, ob das Kreuzband gerissen ist, ob es sich um einen vollständigen oder teilweisen Riss handelt und an welcher Stelle der Schaden sitzt. Bestimmte Kreuzbandrisse lassen sich nähen oder refixieren, etwa wenn das Band am Oberschenkelknochen ausgerissen ist.
In solchen Fällen besteht eine gute Chance, das Kreuzband zu erhalten. Gleichzeitig wird im MRT geprüft, ob Begleitverletzungen vorliegen – Meniskus, Knorpel, Innen- oder Außenbänder –, denn diese beeinflussen sowohl die Therapieentscheidung als auch die Dringlichkeit der Versorgung“, so Dr. Kohn.
Diagnostik
Das diagnostische Vorgehen umfasst Anamnese, klinische Untersuchung, Ultraschall- und Röntgendiagnostik sowie zeitnah eine MRT‑Untersuchung, um möglichst genau festzustellen, was im Knie passiert ist.
Eine konservative Therapie ist in einigen Fällen durchaus möglich; nicht jedes Kreuzband muss operiert werden. Entscheidend sind Alter, sportliche und körperliche Aktivität sowie der individuelle Anspruch des Patienten – und natürlich mögliche Begleitverletzungen.
„Jüngere, sportlich sehr aktive Menschen, insbesondere mit Rotationssportarten wie Fußball, werden eher operiert. Ältere, weniger aktive Patienten mit geringeren Belastungsansprüchen profitieren dagegen häufig von einer konservativen Behandlung. Wichtig ist dabei, dass das Knie im Verlauf stabil bleibt. Die Muskulatur muss das fehlende Kreuzband ausreichend kompensieren können, sowohl kraftmäßig als auch neuromuskulär.
Entwickelt sich trotz Therapie eine Instabilität oder beschreibt der Patient ein Wegknicken des Knies, muss über eine operative Versorgung nachgedacht werden. Auch wenn der Patient selbst sagt, dass ihn die Instabilität stört, ist eine Operation sinnvoll. Grundsätzlich gilt: jung, sportlich, hohe Belastung – eher Operation; älter, weniger aktiv, keine Rotationssportarten – eher konservativ. Die konservative Therapie beginnt mit einer Phase, in der das Knie abschwillt und die Muskelaktivierung wiederhergestellt wird. Sobald die Beweglichkeit zurückkehrt und die Muskulatur wieder ansteuerbar ist, folgen Krafttraining, Tiefensensibilitätstraining, Muskelaufbau und kniestabilisierende Übungen.
Danach zeigt sich, wie gut der Patient zurechtkommt. Wer das fehlende Kreuzband gut kompensiert und keine Instabilität verspürt, kann konservativ sehr erfolgreich behandelt werden. Patienten, die trotz Physiotherapie weiterhin Instabilität empfinden, müssen die konservative Therapie häufig abbrechen und doch operiert werden, um Folgeschäden wie Meniskus‑ oder Knorpelverletzungen und langfristig eine Arthrose zu vermeiden. Je jünger der Patient ist, desto wichtiger ist ein stabiles Kniegelenk, um solche Folgeschäden zu verhindern“, betont Dr. Kohn.
Für den Alltag sind viele Patienten relativ schnell wieder fit. Oft gelingt das bereits nach wenigen Wochen. Nach vier bis sechs Wochen, spätestens nach zwei bis drei Monaten, können diejenigen, die gut kompensieren, wieder vieles problemlos machen. Patienten, die länger eine Instabilität verspüren, gehören meist zu denen, bei denen konservativ keine ausreichende Stabilität erreicht wird.
Ein Kreuzbandersatz wird vor allem dann notwendig, wenn die biomechanische Stabilität des Knies durch den Riss so stark beeinträchtigt ist, dass das Gelenk seine Führungsfunktion nicht mehr zuverlässig erfüllen kann.
Dr. Kohn schildert dazu: „In manchen Fällen lässt sich ein Kreuzband tatsächlich erhalten, etwa wenn es direkt am Knochen ausgerissen ist und noch ausreichend Gewebe vorhanden ist. Das sind jedoch die Ausnahmen. Reißt das Band in der Mitte, hat es eine sehr schlechte Heilungstendenz. In den meisten Fällen muss das Kreuzband daher ersetzt werden. Dafür stehen körpereigene Sehnen zur Verfügung – gewissermaßen das ,Ersatzteillager´ des Körpers. Die drei gängigsten Transplantate sind die Hamstringsehnen an der Innenseite des Oberschenkels, einen Teil der Patellasehne mit kleinen Knochenblöcken an den Enden sowie ein Teil der Quadrizepssehne. Jede dieser Optionen hat Vor- und Nachteile, und es gibt nicht das eine perfekte Transplantat. Die Wahl richtet sich immer nach dem individuellen Patienten.
Am häufigsten werden die Hamstringsehnen verwendet, meist die Semitendinosussehne an der Rückseite des Oberschenkels, die vierfach gelegt wird. Sie passt in der Regel gut zur Anatomie des Kniegelenks, hat eine sehr hohe Ausreißkraft und lässt sich über denselben Zugang entnehmen, über den später auch die Fixierung erfolgt – was kosmetisch vorteilhaft ist. Nachteile sind eine geringere Steifigkeit, wodurch eine gewisse Verlängerung des Transplantates im Verlauf möglich ist, sowie eine gewisse Beugeschwäche im Knie, da die Hamstrings an dieser Bewegung beteiligt sind. Wenn die Hamstringsehnen bereits verwendet wurden – etwa bei einer früheren Operation – oder wenn gleichzeitig eine Innenbandverletzung vorliegt, greift man häufig auf die Quadrizepssehne zurück. Ihr Vorteil ist eine hohe Steifigkeit, wodurch etwas besser seine ursprüngliche Länge hält.
Allerdings ist die Entnahme technisch etwas anspruchsvoller, erfordert einen zusätzlichen Hautschnitt und kann zu vorderen Knieschmerzen führen. Zudem dauert es länger, bis die Kraft des Quadrizeps vollständig zurückkehrt. Die Patellasehne bietet ebenfalls ein stabiles Transplantat mit guter Einheilung, wird aber aufgrund möglicher vorderer Knieschmerzen und Belastungsprobleme beim Knien nicht für jeden Patienten bevorzugt“.
Die Wahl des Transplantats ist eine individuelle Entscheidung, die sich an Anatomie, Vorerkrankungen, sportlichen Anforderungen und eventuellen Voroperationen orientiert. Alle genannten Sehnen liefern stabile, bewährte Ergebnisse – sie unterscheiden sich lediglich in ihren spezifischen Eigenschaften und den jeweiligen Vor- und Nachteilen.
Wenn eine Sehne entnommen wird, fehlt an dieser Stelle natürlich zunächst Gewebe und dies kann zu Beschweren führen – und genau das bezeichnet man als „Donor‑Site‑Morbidität“ (Entnahmestellen‑Morbidität).
„Jede Entnahmestelle kann Beschwerden verursachen, und je nach Transplantat fallen diese unterschiedlich aus. Bei den Hamstringsehnen konnte gezeigt werden, dass sich die Semitendinosussehne in bis zu 70 % der Fälle teilweise regeneriert. Auch bei der Quadrizepssehne bildet der Körper neues Gewebe und stellt die Struktur wieder her, ähnlich wie bei der Patellasehne. Die Patellasehne ist grundsätzlich ein sehr gutes Transplantat, weil sie mit kleinen Knochenblöcken entnommen wird und dadurch besonders schnell und stabil in den Knochenkanälen einheilt. Gleichzeitig führt genau diese Entnahmetechnik jedoch häufig zu vorderen Knieschmerzen.
Für Menschen, die beruflich viel knien müssen – etwa Fliesenleger –, kann das zu erheblichen Problemen führen. In solchen Fällen wäre die Patellasehne daher kein geeignetes Transplantat. Die Entnahmestelle spielt also eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, welche Sehne verwendet wird. Je nach beruflicher Belastung, sportlicher Aktivität und individueller Anatomie muss sorgfältig abgewogen werden, welches Transplantat für den jeweiligen Patienten die beste Option ist“, verdeutlicht Dr. Kohn.
Die Wahl der Operationstechnik hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie gut das Knie nach einer Kreuzbandrekonstruktion funktioniert und wie stabil es langfristig bleibt. Jede Technik beeinflusst die Position des Transplantats, die Wiederherstellung der natürlichen Kinematik und die Einheilung des neuen Bandes – und damit letztlich das funktionelle Ergebnis.
Dr. Kohn mit OP Schwester
„Für die Implantation eines Kreuzbandersatzes gibt es verschiedene operative Möglichkeiten, auch wenn der eigentliche Kern der Operation – also das Einsetzen des neuen Bandes – sehr standardisiert abläuft. Die Technik wird jeweils an das verwendete Transplantat und an die individuellen anatomischen Gegebenheiten des Patienten angepasst, damit das neue Kreuzband möglichst anatomisch positioniert wird. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Fixation der Sehne, da jede Transplantatart eigene Anforderungen mitbringt.
Zusätzlich zur eigentlichen Kreuzbandrekonstruktion kann das Knie weiter stabilisiert werden. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass eine Verstärkung oder Rekonstruktion des anterolateralen Ligaments (ALL) die Rotationsstabilität deutlich verbessern und das Risiko einer erneuten Ruptur senken kann. Dafür wird ein zusätzlicher Schnitt an der Außenseite des Knies gesetzt, und der äußere Kniebereich wird gezielt verstärkt. Diese zusätzliche Stabilisierung ist jedoch nicht für jeden Patienten notwendig.
Sie kommt vor allem bei Sportlern infrage, die Rotationssportarten wie Fußball, Handball oder Basketball betreiben, bei Patienten mit ausgeprägter Rotationsinstabilität oder bei Revisionseingriffen. Bei der Verwendung von Hamstringsehnen kann zusätzlich ein besonders reißfester Faden mitimplantiert werden. Dieses sogenannte ,Internal Bracing´ wirkt wie eine innere Schienung, schützt das Transplantat in der frühen Phase und ermöglicht gleichzeitig eine frühzeitige Belastung. Es gibt also mehrere Möglichkeiten, das Ergebnis zu optimieren und die Stabilität des Kniegelenks weiter zu erhöhen“, konstatiert Dr. Kohn.
Für den Operateur besteht die besondere Herausforderung darin, das neue Kreuzband so präzise wie möglich in die individuelle Anatomie des Patienten einzupassen, denn schon kleinste Abweichungen können die spätere Funktion erheblich beeinträchtigen.
Dr. Kohn macht an dieser Stelle deutlich: „Auch wenn die vordere Kreuzbandoperation grundsätzlich sehr standardisiert abläuft, bleibt sie eine anspruchsvolle Eingriffssituation, weil die Technik immer an die individuellen Gegebenheiten des Patienten angepasst werden muss. Das Ziel ist nicht nur ein subjektiv stabiles Knie, sondern die möglichst genaue Wiederherstellung der ursprünglichen Kniekinematik. Dafür muss das Transplantat millimetergenau in der anatomisch korrekten Position verankert werden.
Die Lage der Bohrkanäle ist dabei entscheidend: Schon kleine Abweichungen können zu Instabilität, Bewegungseinschränkungen oder sogar zum Versagen des Transplantats führen. Gerade in engen oder anatomisch schwierigen Gelenken erfordert diese Präzision viel Erfahrung und ein sehr exaktes Vorgehen. Oft braucht es die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen, Positionen zu korrigieren und so lange nachzujustieren, bis die anatomische Zielposition wirklich stimmt.
Hinzu kommt die individuelle Auswahl des Transplantats und die Entscheidung, ob zusätzliche Maßnahmen wie eine ALL‑Rekonstruktion (Verstärkung des anterolateralen Ligaments) notwendig sind. Auch knöcherne Besonderheiten müssen berücksichtigt werden. All diese Faktoren machen deutlich, dass es sich nicht um eine triviale Operation handelt, sondern um einen Eingriff, der hohe Präzision, anatomisches Verständnis und viel operative Erfahrung erfordert“.
Eine Kreuzbandersatzplastik wird heute in der Regel ambulant durchgeführt. Der Ablauf ist klar strukturiert.
„Der Patient erscheint nüchtern im ambulanten OP‑Bereich, erhält eine kurze Vorbereitungszeit und wird anschließend operiert. Der Eingriff selbst dauert mit Narkose und Aufwachphase etwa eine Stunde. Danach bleibt der Patient noch ein bis zwei Stunden zur Überwachung und kann anschließend abgeholt werden. Insgesamt verbringt er meist nur zwei bis drei Stunden im ambulanten OP und erhält eine Notfallnummer, unter der jederzeit jemand erreichbar ist.
Am Folgetag erfolgt die erste Kontrolle in der Praxis. Stationäre Aufenthalte sind weiterhin möglich, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen – etwa, wenn keine häusliche Versorgung gewährleistet ist, zusätzliche Eingriffe notwendig sind oder besondere medizinische Gründe bestehen. In solchen Fällen bleibt der Patient in der Regel zwei bis drei Tage im Krankenhaus: Viele Betroffene fühlen sich inzwischen mit der ambulanten Versorgung wohler. Die Schmerztherapie ist heute so gut optimiert, dass postoperative Beschwerden meist gut kontrollierbar sind.
Zudem schätzen viele die Möglichkeit, die erste Zeit nach der Operation in der vertrauten häuslichen Umgebung zu verbringen. Dennoch gibt es Menschen, die ausdrücklich einen stationären Aufenthalt wünschen – sei es aufgrund früherer Erfahrungen oder persönlicher Sicherheit. Auch das ist weiterhin möglich, sofern es medizinisch begründbar ist und die Rahmenbedingungen erfüllt sind“, erklärt Dr. Kohn zum praktischen Ablauf für den Patienten.
Die Risiken einer Kreuzbandersatzplastik lassen sich in biologische, mechanische und funktionelle Komplikationen einteilen – und moderne Verfahren zielen genau darauf ab, diese Risiken deutlich zu reduzieren.
„Zu den wichtigsten Risiken einer Kreuzbandersatzplastik gehört das Versagen des Transplantats – sei es durch erneutes Reißen oder durch eine verbleibende Instabilität. Dieses Risiko lässt sich deutlich reduzieren, wenn das Transplantat anatomisch exakt positioniert, sorgfältig fixiert und gegebenenfalls durch zusätzliche Maßnahmen wie eine ALL‑Rekonstruktion unterstützt wird. Auch die Wahl des geeigneten Transplantats und des passenden Fixationsmaterials spielt dabei eine Rolle. Ein weiterer Punkt ist das Infektionsrisiko, das beim Kreuzband ohnehin niedrig ist.
Durch das Einlegen des Transplantats in eine antibiotikahaltige Lösung vor der Implantation konnten die Infektionsraten in den letzten Jahren nochmals deutlich gesenkt werden. Selten treten überschießende Vernarbungen auf, wie z.B. ein sogenanntes Zyklops‑Syndrom, bei dem sich Narbengewebe vor dem Kreuzbandimplantat bildet und die Beweglichkeit beeinträchtigen kann. Auch hier sind eine korrekte Bohrkanalposition und die richtige Spannung des Transplantats entscheidend – weder zu fest noch zu locker. Der Zeitpunkt der Operation kann ebenfalls Einfluss auf das Ergebnis haben.
Manche Komplikationen lassen sich trotz aller Sorgfalt nicht vollständig verhindern, doch viele Risiken können durch präzises Operieren, anatomisch korrekte Technik und eine sorgfältige Nachbehandlung deutlich minimiert werden“, hält Dr. Kohn fest.
Die Kreuzbandersatzplastik ist ein sehr sicheres Verfahren, und durch präzisere OP‑Techniken, verbesserte Bildgebung, optimierte Transplantate und moderne Rehabilitation lassen sich die meisten Risiken heute deutlich reduzieren.
Die Rehabilitation nach einer Kreuzbandersatzplastik verläuft strukturiert, phasenorientiert und deutlich individueller als früher. In den ersten Wochen steht die Schwellungsreduktion, die Wiedererlangung der Kniestreckung und eine frühfunktionelle Aktivierung der Muskulatur im Vordergrund.
„Nach einer Kreuzbandoperation hat sich die Rehabilitation in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Früher war sie streng zeitbasiert aufgebaut – nach drei Monaten durfte man dies, nach sechs Monaten jenes –, unabhängig davon, wie weit der Patient tatsächlich war. Heute orientiert sich die Reha viel stärker an klar definierten Kriterien, auch wenn die Zeit für die Einheilung des Transplantats weiterhin eine Rolle spielt. In den ersten ein bis zwei Wochen stehen Abschwellung, das Wiedererlangen der vollständigen Streckung und eine erste Verbesserung der Beugung im Vordergrund.
Ebenso wichtig ist die frühe Aktivierung des Oberschenkelmuskels, um einer dauerhaften Inaktivität vorzubeugen. Sobald die Schwellung zurückgeht, wird die Belastung gesteigert, die Beweglichkeit weiter verbessert und mit ersten Kräftigungsübungen begonnen. Bis zur sechsten Woche sollte das Knie voll belastbar sein, die Streckung vollständig und die Beugung weitgehend wiederhergestellt. Anschließend beginnt die Phase des Muskelaufbaus, der Kniestabilisierung und des neuromuskulären Trainings. Gerade in dieser Zeit fühlen sich viele Patienten subjektiv schon erstaunlich gut, obwohl das Transplantat biologisch am verletzlichsten ist.
Nach vier bis sechs Monaten kann vorsichtig mit sportartspezifischen Übungen begonnen werden – Lauftraining, leichte Sprungübungen, erste Richtungswechsel. Ob ein Sportler wieder auf den Platz darf, wird heute anhand von verschiedenen Tests entschieden. Dazu gehören Kraftmessungen der vorderen und hinteren Oberschenkelmuskulatur, Seitenvergleiche, Sprungtests wie Single‑Hop oder Triple‑Hop sowie die Beurteilung von Schwellung und Beweglichkeit. Erst wenn diese Kriterien erfüllt sind, beginnt der vorsichtige Wiedereinstieg ins Training am Beispiel Fußball: Ballgefühl, Passen, leichtes Dribbling – noch kein Mannschafts- oder Wettkampfbetrieb.
Nach einer weiteren Testphase kann der Spieler ins volle Mannschaftstraining zurückkehren, bevor schließlich die letzte Stufe folgt: die Rückkehr in den Wettkampf“, so Dr. Kohn zur Rehabilitationsphase.
Pro Jahr werden in der Orthopädie Mühleninsel in Landshut rund 60 bis 80 Kreuzbandoperationen durchgeführt.
„Ein großer Vorteil der Praxis ist, dass alle Schritte der Behandlung an einem Ort stattfinden. Durch den integrierten ambulanten OP-Bereich können Eingriffe ambulant erfolgen, ohne dass Patienten an andere Einrichtungen verwiesen werden müssen. Es kann aber auch eine stationäre Versorgung durch mich in einem nahegelegenen Krankenhaus durchgeführt werden. Von der ersten Abklärung über den Eingriff bis zur gesamten Nachbehandlung bleibt die Betreuung durchgehend in derselben Hand. Auch die Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten ist eng und unkompliziert. Die kurzen Wege vor Ort ermöglichen einen schnellen Austausch, was besonders in der Nachbehandlung von Vorteil ist. Rückmeldungen aus der Physiotherapie erreichen die Praxis zeitnah, sodass frühzeitig reagiert werden kann, wenn der Heilungsverlauf nicht optimal verläuft. Diese durchgängige Betreuung, kombiniert mit dem direkten Austausch zwischen allen Beteiligten, sorgt für eine besonders verlässliche und engmaschige Versorgung“, hebt Dr. Kohn zum Abschluss unseres Gesprächs hervor.
- Spezialisierter Kniespezialist mit tiefem Fokus auf alle Strukturen des Kniegelenks.
- Hohe Expertise in Sporttraumatologie und komplexen Band‑, Knorpel‑ und Meniskusverletzungen.
- Operatives Spektrum: Kreuzband‑OPs (VKB/HKB), Seitenbandchirurgie, Meniskus‑ und Knorpeltherapien, Achskorrekturen, Patella‑Stabilisierung, arthroskopische Frakturversorgung.
- Zertifizierter Kniechirurg der DKG mit modernsten minimal‑invasiven Techniken und 3D‑Bildgebung.
- Erfahren in konservativen Therapien wie Infiltrationen, Schmerztherapie und Physiotherapie.
- Leitender Arzt für die Sektion Sportorthopädie
- Zwei Standorte: Krankenhaus Landshut‑Achdorf & Orthopädie Mühleninsel.
- Präventionsorientierte Diagnostik
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Über den Fachautor
Alexandra Pfitzmann
Redakteurin
Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.
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