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Experteninterviews

Der Leistenbruch - Experteninterview mit OA Dr. Matthias Hofmann, FEBS AWS

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Alexandra Pfitzmann · 18. Juni 2025

OA Dr. Matthias Hofmann ist ein hochqualifizierter Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit einer ausgeprägten Spezialisierung auf Hernienchirurgie. Seit 2019 ist er Oberarzt im Hernien Kompetenz-Zentrum des Franziskus Spitals und hat sich in seiner Praxis in Wien als angesehener Spezialist für Hernienbehandlungen etabliert. Als einer von nur vier Chirurgen in Österreich, die die europaweit anerkannte Facharztprüfung FEBS AWS (Fellow of the European Board of Surgery in Abdominal Wall Surgery) erfolgreich abgelegt haben, verfügt Dr. Hofmann über eine außergewöhnliche Expertise in der rekonstruktiven Chirurgie bei Leisten- und Bauchwandbrüchen.

Mit über 845 erfolgreich durchgeführten Leistenbruch-Operationen und mehr als 400 Bauchwandbruch-Eingriffen kann Dr. Hofmann auf einen beeindruckenden Erfahrungsschatz zurückblicken. Dabei kommen modernste, minimal-invasive Techniken zum Einsatz, die eine schnellere Heilung und weniger postoperative Beschwerden ermöglichen. Besonders die chirurgische Behandlung von Leistenhernien bei Frauen und komplexen Narbenhernien stellt einen seiner Schwerpunkte dar. Seine Patienten profitieren nicht nur von seiner fachlichen Expertise, sondern auch von einer individuell abgestimmten, ganzheitlichen Betreuung – von der präzisen Diagnostik über die Operation bis hin zur postoperativen Nachsorge, die er in seiner Praxis selbst übernimmt.

Dr. Hofmann legt großen Wert auf eine umfassende Beratung und die präventive Betreuung seiner Patienten, darunter auch die Prähabilitation vor Operationen, die zur optimalen Vorbereitung auf chirurgische Eingriffe beiträgt. Auch Magen- und Darmspiegelungen zur Krebsvorsorge gehören zu seinem Leistungsspektrum, wodurch er einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung und Prävention von Magen-Darm-Erkrankungen leistet. Mit seiner Mitgliedschaft in renommierten Fachgesellschaften, wie der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (ÖGCH) und der Deutschen Hernien Gesellschaft (DHG), sowie seiner Tätigkeit im einzigen zertifizierten Hernien-Kompetenzzentrum Wiens, bleibt Dr. Hofmann stets auf dem neuesten Stand der medizinischen Forschung und Technik. Durch seine langjährige Erfahrung und das tiefe Fachwissen bietet er eine hochspezialisierte und patientenorientierte Versorgung, die in der Region und darüber hinaus geschätzt wird. Die Redaktion des Leading Medicine Guide hatte Gelegenheit, mit Dr. Hofmann zu sprechen und mehr über die Schwerpunkte seiner Arbeit und speziell zum Leistenbruch erfahren.

Co-Ordination – Das Ärzte-Zentrum - OA Dr. Matthias Hofmann, FEBS AWS

Ein Leistenbruch – medizinisch Hernia inguinalis genannt – zählt zu den häufigsten chirurgischen Erkrankungen. Dabei tritt Gewebe, meist ein Teil des Darms oder Fettgewebes, durch eine Schwachstelle oder Öffnung in der Bauchwand im Bereich der Leiste nach außen. Häufig zeigt sich dies durch eine sichtbare Vorwölbung und kann mit Schmerzen oder einem unangenehmen Druckgefühl einhergehen. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Unbehandelt kann ein Leistenbruch ernsthafte Komplikationen verursachen, weshalb eine rechtzeitige Diagnose und Therapie, oft in Form einer Operation, wichtig ist. Moderne chirurgische Verfahren ermöglichen heute schonende und sichere Eingriffe.

Zu den wichtigsten Faktoren, die die Entstehung eines Leistenbruchs begünstigen, gehört eine angeborene Bindegewebsschwäche. Besonders bei Menschen mit familiärer Vorbelastung kann das Gewebe schneller nachgeben. Hinzu kommen mechanische Belastungen, die den Druck im Bauchraum erhöhen: Schweres Heben, chronischer Husten (etwa bei COPD oder Asthma), häufiges und starkes Pressen beim Stuhlgang (z. B. bei chronischer Verstopfung) oder wiederholtes Erbrechen zählen dazu. Auch Übergewicht, Schwangerschaften, eine schwache Bauchmuskulatur oder frühere Operationen, die die Stabilität der Bauchwand beeinträchtigt haben, sind Risikofaktoren.

Ein Leistenbruch entsteht letztlich durch eine Bindegewebsschwäche. Es gibt verschiedene Faktoren, die diese begünstigen können. Einer der wichtigsten – und der einzige, den man selbst aktiv beeinflussen kann – ist das Rauchen. Rauchen schädigt das Bindegewebe und erhöht das Risiko für einen Leistenbruch deutlich. Wer aufhört zu rauchen, betreibt also gleichzeitig auch wirksame Vorbeugung. Daneben gibt es natürlich auch Ursachen, die man weniger beeinflussen kann, etwa eine genetische Veranlagung. Wenn in der Familie bereits Leistenbrüche aufgetreten sind, ist das Risiko selbst ebenfalls erhöht. Auch bestimmte Erkrankungen, wie zum Beispiel chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen, bei denen viel und stark gehustet wird, schädigen das Bindegewebe langfristig und können einen Leistenbruch begünstigen. Ähnliches gilt für Menschen, die körperlich sehr hart arbeiten oder exzessiv Kraftsport betreiben – durch den permanent hohen Druck auf die Bauchwand steigt auch hier das Risiko“, erklärt Dr. Hofmann zu Beginn unseres Gesprächs.

Anatomische Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die häufig unspezifischen Symptome bei Frauen und altersbedingter Gewebeverschleiß beim Mann erklären, weshalb Leistenbrüche überwiegend männliche Patienten betreffen. Die Diagnose ist oft eine Herausforderung – besonders bei Frauen – und weltweit zählt der Leistenbruch zu den häufigsten operativen Eingriffen.

Warum Männer häufiger betroffen sind als Frauen, lässt sich zum Teil anatomisch erklären. Der Leistenkanal ist zwar bei beiden Geschlechtern angelegt, beim Mann entwickelt sich daraus aber eine durchgehende Verbindung vom Bauchraum bis in den Hodensack – dort verläuft der Samenstrang mit Blutgefäßen und Hoden. Diese Struktur ist anfälliger für Schwächen. Bei der Frau hingegen endet der Kanal blind und enthält lediglich das sogenannte Mutterband, das zur Aufhängung der Gebärmutter dient. Dadurch gibt es weniger Möglichkeiten für einen Bruch. Hinzu kommt, dass Leistenbrüche bei Frauen oft schwerer zu diagnostizieren sind. Die typischen Anzeichen wie eine sichtbare Schwellung in der Leiste treten seltener auf. Stattdessen klagen viele über unklare Schmerzen, was die Diagnose erschwert. Oft dauert es lange, bis man überhaupt an einen Leistenbruch denkt – viele Frauen haben bis dahin bereits eine Reihe anderer Untersuchungen durchlaufen. Häufig braucht es dann zusätzlich ein CT oder einen Ultraschall, um die Ursache zu finden. In der Schwangerschaft spielt das Thema eher eine untergeordnete Rolle. Der wachsende Uterus legt sich im Verlauf der Schwangerschaft schützend über die Leistenregion und wirkt wie eine Art Puffer, der den Druck dort reduziert. Bei Frauen treten Leistenbrüche häufiger ab einem Alter von etwa 50 Jahren auf. Viele haben dann schon länger Beschwerden, bis man letztlich auf die richtige Diagnose kommt. Bei Männern hingegen ist der Leistenbruch deutlich häufiger – das Verhältnis liegt ungefähr bei 10 zu 1. Es ist eine der weltweit am häufigsten durchgeführten Operationen, mit rund 20 Millionen Eingriffen jährlich. Man kann sagen, es ist eine Art Verschleißerscheinung: Das Bindegewebe wird mit zunehmendem Alter nicht stabiler, sondern schwächer. Und wenn der Druck in der Bauchregion hoch genug ist, kommt es eben zu dieser typischen Ausstülpung in den Leistenkanal hinein“, so Dr. Hofmann.

Hinzu kommt, dass bei der körperlichen Untersuchung die kleineren oder tiefer liegenden Hernien bei Frauen schwerer zu tasten sind. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT werden daher öfter zur Sicherung der Diagnose herangezogen. Gerade weil Schenkelbrüche bei Frauen schneller einklemmen und dann einen medizinischen Notfall darstellen können, ist eine frühzeitige und exakte Diagnose besonders wichtig. Daher sollten bei unklaren Leisten- oder Unterbauchbeschwerden auch bei Frauen frühzeitig Hernien in Betracht gezogen werden.

Ein Leistenbruch verläuft oft über längere Zeit hinweg symptomarm und kann zunächst harmlos erscheinen. Ein Bruch wird jedoch zu einem akuten Notfall, wenn es zu einer Einklemmung (Inkarzeration) des Bruchsacks kommt. Dabei werden Darmschlingen oder anderes Gewebe im Bruchspalt eingeklemmt und die Durchblutung kann unterbrochen werden – eine potenziell lebensbedrohliche Situation.

Wenn ein Patient mit Schmerzen in der Leistengegend in die Praxis kommt, stellt sich zunächst die Frage, ob es sich um einen Notfall handelt oder nicht. In den meisten Fällen liegt beim Mann ein sogenannter reponibler Leistenbruch vor – eine weiche Schwellung in der Leiste, bei der sich Anteile des Bauchraums, etwa Fettgewebe oder Darm, durch eine Schwachstelle in den Leistenkanal vorwölben. Diese Vorwölbung lässt sich jedoch in der Regel wieder zurückdrücken, sodass keine akute Gefahr besteht. Anders sieht es aus, wenn sich dieser Bruchinhalt – insbesondere Darm – im Leistenkanal einklemmt und verdreht. Dann spricht man von einem eingeklemmten Leistenbruch, und das ist eine echte Notfallsituation. Die betroffenen Patienten haben in der Regel plötzlich sehr starke Schmerzen, die Schwellung lässt sich nicht mehr zurückdrücken und fühlt sich steinhart an. In einem solchen Fall besteht akute Handlungsnotwendigkeit, denn die Durchblutung des eingeklemmten Darmabschnitts ist gestört. Innerhalb weniger Stunden muss operiert werden, um das betroffene Darmstück zu befreien und schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. In gut versorgten Regionen wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz stellt das in der Regel kein Problem dar – Patienten kommen schnell ins Krankenhaus, werden zeitnah operiert und alles läuft geordnet ab. Kritisch kann es hingegen in Ländern oder Regionen werden, in denen keine adäquate medizinische Versorgung gewährleistet ist. Wenn in einem solchen Fall nicht rechtzeitig eingegriffen wird, kann sich die Situation dramatisch zuspitzen: Die Durchblutung des Darms wird vollständig unterbrochen, es entsteht ein Loch im Darm, Stuhl tritt in die Bauchhöhle aus, was eine schwere Bauchfellentzündung verursacht. Diese kann in eine Sepsis übergehen und unbehandelt sogar tödlich enden. Für Patienten, die nicht sofort operiert werden müssen, gilt: Sie sollten die Situation gut beobachten und bei bestimmten Warnzeichen sofort handeln. Dazu zählen starke Schmerzen in der Leiste, eine verhärtete Schwellung, die sich nicht zurückdrücken lässt – in diesen Fällen sollte umgehend der Notruf gewählt und ein Krankenhaus aufgesucht werden. Ansonsten kann man mit einem Leistenbruch durchaus eine Zeit lang leben, ohne dass es zu Problemen kommt. Dennoch zeigen Erfahrungen, dass etwa 70 Prozent der Patienten, bei denen man zunächst auf eine Operation verzichtet, im weiteren Verlauf doch wiederkommen – meist, weil der Bruch größer wird und zunehmend Beschwerden verursacht“, schildert Dr. Hofmann.


Akuter Notfall bei Leistenbruch

Wichtige Anzeichen für einen Notfall sind plötzlich auftretende, starke Schmerzen im Bereich des Bruchs, die auch in Ruhe nicht nachlassen. Zudem kann die Bruchstelle hart oder gespannt sein und die Vorwölbung lässt sich nicht mehr zurückdrücken – anders als bei einem unkomplizierten Bruch. Begleitend können Übelkeit, Erbrechen, Fieber, ein aufgeblähter Bauch sowie eine zunehmende Schwierigkeit, Stuhl oder Winde abzusetzen, auftreten. Diese Symptome deuten auf eine beginnende Darmlähmung oder einen Darmverschluss hin und erfordern sofortige medizinische Hilfe!


Bei der Behandlung eines Leistenbruchs stehen heute verschiedene moderne Operationsverfahren zur Verfügung, die sich grundsätzlich in offene und minimal-invasive Techniken unterteilen. Die Wahl der Methode hängt von mehreren Faktoren ab, etwa der Größe des Bruchs, individuellen Risikofaktoren des Patienten und auch von dessen persönlichen Wünschen.

Dr. Hofmann klärt auf: „Wenn es schließlich zur Operation kommt, stehen grundsätzlich zwei bewährte Verfahren zur Verfügung: die offene Operation und die minimalinvasive Technik. Entgegen der häufigen Annahme, dass nur noch minimalinvasiv operiert wird, gilt die offene Versorgung mit einem Kunststoffnetz weiterhin als Goldstandard. Dabei wird der Leistenkanal chirurgisch eröffnet, das Netz eingelegt und die Wunde wieder verschlossen. Dieses Verfahren ist nach wie vor etabliert und effektiv. Dennoch haben sich in den letzten Jahren die minimalinvasiven Methoden immer weiter durchgesetzt – vor allem, weil sie nachweislich mit weniger postoperativen Schmerzen und einer kürzeren Erholungszeit verbunden sind. Man unterscheidet dabei zwei Varianten: In Deutschland ist die extraperitoneale Methode verbreitet, bei der die Operation außerhalb des Bauchraums stattfindet. Diese wird als TEP bezeichnet. In Österreich hingegen bevorzugt man häufiger die transabdominelle Methode, die durch den Bauchraum führt – das ist die sogenannte TAPP. Beide Verfahren bringen das Netz an derselben Stelle hinter dem Bauchfell ein. Dieses Netz ist in der Regel größer als das bei der offenen Technik verwendete und deckt damit potenzielle Bruchstellen besser ab. Gerade bei Frauen sollte die minimalinvasive Technik bevorzugt werden. Denn bestimmte Bruchformen, wie etwa die Schenkelhernie, treten bei Frauen häufiger auf, bleiben bei der offenen Methode jedoch oft unerkannt – es sei denn, man sucht gezielt danach. Die minimalinvasiven Techniken bieten hier also einen diagnostischen und therapeutischen Vorteil. Es gibt auch netzfreie Verfahren wie die sogenannte Shouldice-Technik, bei der der Bruch mit körpereigenem Gewebe verschlossen wird. Dieses Verfahren ist in bestimmten Ausnahmefällen eine Option – etwa bei jungen Männern, bei denen man individuell abwägen kann. In der Regel wird jedoch das Einlegen eines Netzes empfohlen, da es das geringste Risiko für ein Wiederauftreten des Bruchs und für chronische Schmerzen bietet. Patienten haben selbstverständlich ein Mitspracherecht. Wenn jemand explizit kein Netz möchte, wird dies respektiert. In der Praxis kommt das allerdings selten vor. In anderen Regionen, etwa in den USA, entwickelt sich hingegen zunehmend eine kritische Haltung gegenüber Netzen – teils spricht man dort sogar von einer regelrechten Netzphobie“.


Netze, die bei der operativen Versorgung von Leistenbrüchen eingesetzt werden, bestehen aus verschiedenen synthetischen Polymeren. Es gibt zahlreiche Hersteller mit jeweils unterschiedlichen Materialien und Strukturen. Das Netz verbleibt dauerhaft im Körper und verwächst mit dem umliegenden Gewebe. Dabei spielt die Reaktion des Körpers auf das Material eine zentrale Rolle: Da das Netz als Fremdkörper erkannt wird, bildet sich Narbengewebe um die Maschenstruktur. Dieses Narbengewebe ist letztlich der entscheidende Faktor für die Stabilität des behandelten Bereichs – es stützt die Region stärker als das Netz selbst.


Nach einer Leistenbruch-Operation können verschiedene Risiken und Komplikationen auftreten, auch wenn die Eingriffe heute meist sicher und routiniert verlaufen. 

Das Risiko für Komplikationen bei einer Leistenbruchoperation ist insgesamt relativ gering. Wie bei jeder Operation bestehen zwar allgemeine Risiken – etwa durch die Narkose oder Wundheilungsstörungen –, doch treten schwerwiegende Probleme nur selten auf. Speziell bei Männern besteht jedoch ein besonderes Risiko: Da der Eingriff in unmittelbarer Nähe des Samenstrangs erfolgt, kann es in seltenen Fällen zu einer Verletzung kommen. Wird der Samenstrang auf beiden Seiten durchtrennt, hätte das denselben Effekt wie eine Vasektomie. Gerade für jüngere Männer oder solche mit Kinderwunsch ist das ein Aspekt, den man im Vorfeld unbedingt bedenken sollte. Ein weiteres mögliches Risiko betrifft die minimalinvasive Technik, bei der durch den Bauchraum operiert wird. Dabei könnten theoretisch auch andere Organe wie die Blase oder der Darm verletzt werden – auch wenn das äußerst selten vorkommt. Etwas häufiger ist hingegen das Auftreten von chronischen Schmerzen nach dem Eingriff: Etwa 7 bis 10 Prozent Patienten berichten über anhaltende Beschwerden, die auch noch sechs Monate nach der Operation bestehen. Um solche Komplikationen möglichst zu vermeiden, ist die Erfahrung der behandelnden Chirurgin oder des Chirurgen ein wesentlicher Faktor. Studien zeigen deutlich, dass in spezialisierten Zentren, in denen regelmäßig Leistenbrüche operiert werden, das Risiko für chronische Schmerzen und Rückfälle bei nur etwa 1 bis 2 Prozent liegt. In weniger erfahrenen Einrichtungen hingegen kann es bei bis zu einem Viertel der Fälle zu Problemen kommen. Die Wahl des richtigen Operateurs ist also keineswegs nebensächlich“, betont Dr. Hofmann


Dr. Matthias Hofmann hat in seiner medizinischen Laufbahn bereits 1.007 Leistenbruch Operationen sowie 467 Bauchwandbruch Operationen durchgeführt. (Stand: Juni 2025)


Die Rückkehr in den Alltag nach einer Leistenbruch-Operation hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art des Eingriffs, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und den individuellen Heilungsprozessen. 

Nach einer Leistenbruchoperation verläuft die Genesung in der Regel unkompliziert und schnell. Die empfohlene Schonzeit ist vergleichsweise kurz: In den ersten zwei bis drei Wochen nach dem Eingriff sollte auf schweres Heben – also Lasten über fünf Kilogramm – verzichtet werden. Danach dürfen die meisten Tätigkeiten im Alltag wieder aufgenommen werden. Wichtig ist dabei, auf den eigenen Körper zu hören und sich an den persönlichen Beschwerden zu orientieren: Was schmerzt, sollte zunächst vermieden werden. Grundsätzlich ist die operierte Stelle nach wenigen Wochen wieder belastbar, sodass keine erhöhte Gefahr mehr besteht.

Dr. Hofmann erläutert: „Besonders bei jüngeren, sportlich aktiven Patienten stellt sich oft die Frage, wann wieder mit dem Training begonnen werden kann – etwa beim Fußball. Auch hier gilt: Nach zwei bis drei Wochen ist der Körper in der Regel wieder stabil genug. Trotzdem sollte man sich langsam herantasten und Belastungen schrittweise steigern. Natürlich kann man sich fragen, was passiert, wenn jemand zu früh wieder zu schwer hebt. Zwar ist es theoretisch möglich, dass sich das eingesetzte Netz bei Überlastung verschiebt oder beschädigt wird, doch die heute verwendeten Materialien sind äußerst stabil. In den USA etwa wird teilweise schon am ersten oder zweiten Tag nach der OP wieder voll belastet – gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse über Vor- oder Nachteile dieses Ansatzes gibt es allerdings nicht. Im deutschsprachigen Raum ist man bei der Nachsorge tendenziell vorsichtiger. Spezielle Rehabilitationsmaßnahmen sind nach einer Leistenbruchoperation nicht notwendig. In der Regel genügt es, sich an die grundlegenden Empfehlungen zur Schonung zu halten“, und ergänzt:

Was die ärztliche Betreuung betrifft, ist Erfahrung ein entscheidender Faktor. In spezialisierten Zentren wie unserem Hernien-Kompetenzzentrum werden jährlich über 1.300 Hernienoperationen durchgeführt – eine Zahl, die auch im europäischen Vergleich weit vorn liegt. Dort konzentriert sich das gesamte Behandlungsteam, vom Chirurgen über die Anästhesie bis hin zur Pflege, ausschließlich auf diese Eingriffe. Diese Spezialisierung trägt entscheidend dazu bei, dass die Patienten bestmöglich versorgt werden – mit hoher Sicherheit und geringem Risiko für Komplikationen“.

In Österreich ist die Organisation chirurgischer Eingriffe grundsätzlich ähnlich geregelt wie in Deutschland: Theoretisch darf jeder Facharzt Operationen wie eine Leistenbruch-OP durchführen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jeder Eingriff mit gleicher Qualität erfolgt. Genau darin liegt das Problem – und auch der Ansatzpunkt für die Diskussion um Spezialisierung und Zentralisierung.

Der Gedanke, bestimmte Operationen nur in spezialisierten Zentren durchführen zu lassen, ist aus medizinischer Sicht durchaus sinnvoll. Denn was man häufig macht, macht man in der Regel auch besser. Das gilt für die Chirurgie ebenso wie für viele andere Lebensbereiche. Wer sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert hat, entwickelt mehr Routine, arbeitet sicherer und macht seltener Fehler. Am Ende profitieren davon in erster Linie die Patienten, weil die Komplikationsraten sinken und die Ergebnisse insgesamt besser sind. Trotzdem ist es auch in Österreich weiterhin möglich, dass jeder Allgemeinchirurg Leistenbruchoperationen durchführt – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Die Aussage, dass ,jeder so eine Hernie operieren kann´, mag auf dem Papier stimmen, trifft aber nicht unbedingt die Realität in Bezug auf Qualität und Erfahrung. Gerade aufgrund dieser Spezialisierung werden wir von Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet aufgesucht. Manche reisen sogar aus dem Ausland an – etwa aus Dubai, Holland oder Norwegen. Das zeigt deutlich, dass viele Menschen gezielt nach Erfahrung und Kompetenz suchen, wenn es um einen operativen Eingriff geht“, verdeutlicht Dr. Hofmann, und damit schließen wir unser Gespräch ab.

Besten Dank, Dr. Hofmann, für diese aufschlussreichen Informationen!

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Über den Fachautor

Alexandra Pfitzmann

Redakteurin

Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.

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