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Experteninterview mit Dr. med. univ. Nicolas Rickert - Moderne Urologie: Botulinumtoxin bei überaktiver Blase

26.08.2025

Dr. med. univ. Nicolas Rickert ist ein herausragender Facharzt für Urologie. Als ärztlicher Leiter des Deutsch-Französischen Medizinischen Versorgungszentrums (DFMVZ) in Saarbrücken bietet er ein umfassendes Spektrum moderner urologischer Diagnostik und Therapie an. Seine Expertise reicht von der Uroonkologie und Andrologie bis hin zu innovativen Verfahren wie der Botulinumtoxin-Behandlung bei überaktiver Blase. Diese moderne Therapieoption ermöglicht es ihm, Patienten mit funktionellen Blasenstörungen effektiv zu behandeln.

Dr. Rickert ist bekannt für seine Fähigkeit, hochspezialisierte medizinische Verfahren mit einem patientenzentrierten Ansatz zu kombinieren. Besonders minimalinvasive Eingriffe wie die No-Scalpel Vasektomie gehören zu seinen Schwerpunkten. Diese schonende Methode zur dauerhaften Empfängnisverhütung beim Mann ist ein Paradebeispiel für seine präzise und einfühlsame Herangehensweise an chirurgische Eingriffe. Seine akademische Reise begann mit einem Informatikstudium an der Universität des Saarlandes. Nach seinem Medizinstudium an der Medizinischen Universität Wien und einer umfassenden fachärztlichen Ausbildung am Knappschaftsklinikum Sulzbach praktiziert Dr. Rickert die Urologie auf höchstem Niveau.

Im Deutsch-Französischen MVZ fördert Dr. Rickert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, die sein Engagement für eine ganzheitliche und personalisierte Patientenversorgung unterstreicht. Durch die Kombination von technischer Exzellenz und menschlicher Empathie schafft er eine Praxisumgebung, die sowohl modern als auch einfühlsam ist. Dr. Rickerts Engagement und seine internationale Ausrichtung machen ihn zu einem vertrauenswürdigen Ansprechpartner für Patienten im Saarland und darüber hinaus, während er bestrebt ist, die Urologie der Zukunft heute erlebbar zu machen.

Mit Dr. Rickert konnte die Redaktion de Leading Medicine Guide speziell über das Thema „Moderne Urologie: Botulinumtoxin bei überaktiver Blase“ sprechen und Näheres erfahren.

Dr. med. univ. Nicolas Rickert Spezialist für Urologie, Kinderurologie Deutsch-Französisches Medizinisches Versorgungszentrum

In der modernen Urologie bieten innovative Behandlungsmethoden wie die Botulinumtoxin-Therapie patientenfreundliche Lösungen für häufige urologische Probleme. Die Botulinumtoxin-Injektion hilft effektiv bei überaktiver Blase, indem sie unwillkürliche Muskelkontraktionen reduziert und so die Lebensqualität der Betroffenen verbessert. 

Die Ursachen für eine überaktive Blase (OAB) sind vielfältig und komplex. Sie können sowohl neurologischer, muskulärer als auch lokaler Natur sein. In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache unklar, was die Behandlung erschweren kann. 

Die Ursachen für eine überaktive Blase lassen sich grundsätzlich in zwei Formen unterscheiden. Zum einen gibt es die neurogene Blasenentleerungsstörung, bei der eine feststehende neurologische Erkrankung hinter der Problematik steckt. Typische Ursachen sind neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schlaganfall, Parkinson oder Rückenmarksverletzungen. Bei diesen Erkrankungen ist die Ursache klar nachvollziehbar, da die Nervenbahn, die die Blase steuert, direkt betroffen ist. Auch ein langer bestehender, schlecht eingestellter Diabetes kann Nervenschäden verursachen, die wiederum eine überaktive Blase zur Folge haben. Die zweite Form ist die sogenannte idiopathische überaktive Blase, bei der die genaue Ursache meist unklar bleibt. Hierbei spielen Risikofaktoren eine bedeutende Rolle: Frauen sind beispielsweise doppelt so häufig betroffen wie Männer, und Übergewicht erhöht ebenfalls das Risiko. Bei Frauen in den Wechseljahren kommt zusätzlich noch der hormonelle Einfluss hinzu: Der Östrogenspiegel sinkt, was im Vaginalbereich zu trockenen Schleimhäuten führt. Dieser permanente Reizzustand kann die Blase mit reizen und so die Entstehung einer überaktiven Blase begünstigen“, schildert Dr. Rickert zu Beginn unseres Gesprächs und führt weiter aus:

Viele Patienten berichten auch, dass sie aus Angst vor ungeplantem Harndrang so wenig trinken, dass sie sich in ihrer Lebensqualität stark einschränken. Sie meiden soziale Kontakte, gehen kaum noch aus, weil sie auch immer wissen müssen, wo die nächste Toilette ist – das ist eine erhebliche Einschränkung im Alltag. Manche Betroffene haben nur die typischen Symptome eines plötzlichen Harndrangs, ähnlich wie bei einer Blasenentzündung. Andere leiden an einer Dranginkontinenz, bei der sie die Blase nicht mehr kontrollieren können und sogar Urin unkontrolliert verlieren. Diese Symptome treten in etwa gleich häufig auf. Das betrifft grundsätzlich alle Altersgruppen: Während bei Frauen in den Wechseljahren hormonelle Veränderungen eine Rolle spielen, sind auch jüngere Patienten betroffen. Besonders wichtig ist die psychische Komponente: Chronischer Stress, Angststörungen oder Trauer können die Beschwerden ebenfalls auslösen oder verstärken. Man weiß, dass Stress nicht nur auf den Magen oder Darm Auswirkungen hat, sondern sich auch auf die Blase auswirken kann. Stress ist somit ein bedeutender Risikofaktor bei der Entstehung einer überaktiven Blase“.

Dr. med. univ. Nicolas Rickert Spezialist für Urologie, Kinderurologie Deutsch-Französisches Medizinisches Versorgungszentrum

Die Behandlung mit Botox in Bezug auf die überaktive Blase wurde erstmals ca. 1990 bei Patienten mit neurogener Blasenentleerungsstörung angewendet. Seit 2006 ist die Therapie auch bei idiopathischer überaktiver Blase zugelassen. 

Zuvor muss eine umfangreiche Diagnostik erfolgen.

Der erste Schritt bei der Diagnostik ist immer eine ausführliche Anamnese, bei der die Beschwerden des Patienten besprochen werden. Es folgt ein Schnelltest des Urins mittels Teststreifen, um sofort Hinweise auf Blut im Urin oder Entzündungszeichen zu erhalten. Gegebenenfalls wird eine Urinkultur angelegt. Damit lässt sich vor allem eine Blasenentzündung als Ursache der Beschwerden ausschließen. Zusätzlich wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, bei der die Blase, die Nieren und der Harntrakt beurteilt werden. Besonders häufig findet man bei diesen Untersuchungen eine Restharnbildung, also die Unfähigkeit, die Blase vollständig zu entleeren, was häufige Toilettengänge erklärt. Die Therapie mit Botox ist nicht der erste Schritt bei der Behandlung der überaktiven Blase. Zunächst erfolgt eine ausführliche Patientenaufklärung über das Blasentraining, das die Betroffenen eigenständig zu Hause durchführen können. Ziel ist es, den Harndrang durch gezieltes Zurückhalten zu verzögern – also nicht sofort zur Toilette zu gehen, sondern den Harndrang bis zu einem gewissen Grad zu unterdrücken. Wenn dieses Training keinen ausreichenden Erfolg bringt, wird in der Regel ein Medikament verordnet, meist ein Antimuskarinikum (die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin wird an den sogenannten Muskarinrezeptoren blockiert. Die Muskulatur der Blase entspannt sich dadurch). Diese Medikamente führen bei vielen Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden und können bei einigen nach mehreren Monaten wieder abgesetzt werden, sodass der Patient dann beschwerdefrei bleibt. Ob das Absetzen der Medikamente langfristig gelingt oder die Beschwerden wieder auftreten, ist individuell sehr unterschiedlich. Bei manchen Patienten sind die Medikamente auch dauerhaft notwendig, da die Beschwerden nach Absetzen wiederkehren. Außerdem vertragen einige die Medikamente nicht gut oder reagieren nicht ausreichend auf die Therapie. In solchen Fällen kann das Botox eine sinnvolle Alternative darstellen, allerdings ist es nie der erste Behandlungsschritt. Viele Patienten kommen erst durch diese medikamentöse Behandlung an den Punkt, an dem der Einsatz von Botox sinnvoll wird. Grundsätzlich gibt es nur sehr wenige Patienten, bei denen eine Botox-Therapie ausgeschlossen werden muss. Wichtig ist zunächst, sicherzustellen, dass aktuell keine Blasenentzündung vorliegt; in diesem Fall kann die Behandlung einfach verschoben werden, indem man zunächst ein Antibiotikum verschreibt und den Eingriff zeitlich nach hinten verschiebt. Besondere Vorsicht ist bei Patienten geboten, die eine bekannte Gerinnungsstörung haben oder Gerinnungshemmer einnehmen. In solchen Fällen muss die Medikation vor der Behandlung entsprechend pausiert werden, um das Risiko von Blutungen zu minimieren. Bisher wurden nach solchen Eingriffen kaum Blutungen oder Komplikationen beobachtet, sodass die Behandlung in der Regel sicher durchgeführt werden kann, sofern die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden“, erklärt Dr. Rickert.

Die Botulinumtoxin-Therapie bei überaktiver Blase basiert auf dem gezielten Einsatz des Nervengifts, um die Muskelaktivität in der Blase zu reduzieren und somit die Beschwerden deutlich zu lindern. Dabei wird das Botulinumtoxin in die glatte Muskulatur der Blase injiziert. Dies geschieht in der Regel unter lokaler Betäubung oder leichter Sedierung, und die Injektionen erfolgen meist in mehreren kleinen Punkten im Bereich der Blasenwand. Ziel ist es, die übermäßige Kontraktion der Blasenmuskulatur zu hemmen, die die Ursache vieler Beschwerden wie Dranghaften Harndrang, nächtliches Wasserlassen oder unkontrollierte Blasenentleerung ist.

Wenn ein Patient bereits alles ausprobiert hat und die Behandlung bislang nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, kann die Botox-Therapie eine sinnvolle Option sein. Das Verfahren beginnt mit einem separaten Termin in der Praxis. Der Patient wird dabei auf einen gynäkologischen Untersuchungsstuhl gelegt, und es erfolgt eine Blasenspiegelung mit einem Zystoskop, einem dünnen Spiegelungsinstrument. Dieses wird nach lokaler Betäubung in die Blase eingeführt, um sich die Schleimhaut anzuschauen. Durch das Zystoskop kann anschließend eine kleine Spezialnadel eingeführt werden, mit der in etwa zehn verschiedene Bereiche der Blasenmuskulatur das Botox appliziert wird. Die Applikation erfolgt durch das Einbringen des Botox in die Muskulatur, was in der Regel nur 1-2 Minuten dauert. Schmerzhaft ist der Eingriff meistens kaum. Viele Patienten spüren kaum etwas, manche empfinden es als unangenehm, doch nur in Ausnahmefällen muss der Eingriff wegen Schmerzhaftigkeit abgebrochen werden“, erläutert Dr. Rickert.


Zur Dosierung: Die Standardmenge liegt bei 100 internationalen Einheiten (IE), die auf mehrere Bereiche verteilt wird. Diese Menge lässt sich individuell anpassen, zum Beispiel kann die Dosis erhöht werden, wenn die Wirkung nach einer ersten Behandlung nicht ausreichend war.


Dr. Rickert klärt über die Wirkungsweise auf: „Die Wirkung tritt meist nach etwa zwei Wochen ein und hält in der Regel zwischen 6-12 Monaten an. Bei manchen Patienten kann die Wirkung sogar noch länger anhalten, auch wenn das Botox nach spätestens einem Jahr abgebaut ist. Die meisten Betroffenen merken innerhalb dieses Zeitraums, dass die Beschwerden nachlassen, und vereinbaren dann einen neuen Termin, wenn die Wirkung nachlässt. Es gibt kein festgelegtes Intervall – die Behandlung wird nur wiederholt, wenn die Beschwerden wieder auftreten. Solange die Beschwerden bestehen, wird die Therapie fortgesetzt; wenn die Beschwerden zurückgekehrt sind, erfolgt die erneute Anwendung des Botulinums“.


Die Effekte der Botulinumtoxin-Therapie bei überaktiver Blase sind in der Regel zeitlich begrenzt und dauern meist zwischen sechs Monaten und einem Jahr an. Die individuelle Dauer der Wirksamkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie etwa der Schwere der Symptome, dem Alter des Patienten, der genauen Dosierung und dem Behandlungsverlauf.


Grundsätzlich besteht bei der Anwendung nur ein sehr geringes Risiko, da es nur in kontrollierten medizinischen Rahmen und von erfahrenen Ärzten injiziert wird. Es kann zu leichten Blutungen durch die Einstiche kommen, diese sind jedoch äußerst selten beobachtet worden.

Bei manchen Patienten besteht die Möglichkeit, dass eine Überempfindlichkeitsreaktion auf das Medikament oder die Bestandteile auftreten könnte, doch solche Reaktionen sind äußerst selten – ich habe sie selbst nach hunderten von Behandlungsfällen noch nie gesehen. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass das Botox die Blasenmuskulatur zu stark schwächt. Das kann dazu führen, dass die Blase sich nach dem Wasserlassen nicht mehr vollständig entleert, was zu einer Restharnbildung führt. Die Folge ist, dass die Blase immer noch leicht gefüllt bleibt, obwohl schon Wasser gelassen wurde. Diese sogenannte Restharnbildung hat in den meisten Fällen keine gravierenden Konsequenzen, muss jedoch ernst genommen werden. In sehr seltenen Fällen, die ich nur ein- oder zweimal beobachtet habe, bleibt die Blase so voll, dass die Betroffenen bis die Wirkung des Botox nachlässt entweder einen Blasenkatheter tragen oder sich selbst katheterisieren müssen, um die Blase regelmäßig zu entleeren. Es gibt Fälle, bei denen die Betroffenen nach einer Behandlung jahrelang beschwerdefrei bleiben, manchmal sogar dauerhaft. Das ist allerdings die Ausnahme. In den meisten Fällen kehren die Beschwerden innerhalb von zwölf Monaten zurück, weil die Wirkung des Botox nachlässt.“, macht Dr. Rickert deutlich.

Dr. med. univ. Nicolas Rickert Spezialist für Urologie, Kinderurologie Deutsch-Französisches Medizinisches Versorgungszentrum

Vor der Einführung der Botox-Therapie bei der Behandlung der überaktiven Blase gab es bereits verschiedene herkömmliche Methoden, die bis heute in der Behandlung angewandt werden. Die gängigsten Medikamente sind die Antimuscarinika. 

Diese Medikamente sind schon relativ lange auf dem Markt und werden häufig benutzt, um die Beschwerden zu lindern. Bei Bedarf können sie auch mit neuen Medikamentengruppen wie den Beta-3-Adrenozeptor-Agonisten, die eine vergleichsweise neuere Entwicklung darstellen, kombiniert werden. Zusätzlich gibt es die Reizstromtherapie, bei der elektrische Impulse über Elektroden, die auf den Bauch, in die Scheide oder rektal in die Nähe der Blase platziert werden, die Blasenmuskulatur beeinflussen. Diese Therapie, die von der Krankenkasse größtenteils übernommen wird, ist risikoarm, kann zu Hause durchgeführt werden und bietet eine gute Ergänzung zu medikamentösen Verfahren. Im Vergleich zu Medikamenten in Form von Tabletten gilt die Botox-Therapie als verträglichere Behandlungsmöglichkeit. Medikamente, insbesondere Antimuscarinika, wirken systemisch im Blutkreislauf und beeinflussen dadurch den gesamten Körper. Diese Nebenwirkungen können Mundtrockenheit, Sehbeschwerden, Verstopfungen oder in seltenen Fällen sogar Beeinträchtigungen der kognitiven Funktionen wie Demenz hervorrufen, vor allem bei älteren Patienten, die bereits viele Medikamente einnehmen. Botox wirkt ausschließlich lokal in der Blase, ohne in den Blutkreislauf zu gelangen. Dadurch reduziert sich das Risiko von Nebenwirkungen erheblich, was die Behandlung deutlich verträglicher macht. Für den Patienten bedeutet das vor allem: weniger tägliche oder wöchentliche Medikamenteneinnahmen, kein langfristiges Mitdenken und einfache Handhabung – einfach einmal zum Arzt gehen, die Behandlung durchführen lassen, und für längere Zeit ist Ruhe“, betont Dr. Rickert.

Die Behandlungsergebnisse der Botulinumtoxin-Therapie unterscheiden sich in der Regel deutlich zwischen Patienten mit neurologisch bedingter und nicht-neurologischer Blasenüberaktivität. 

Aus meiner Erfahrung wirkt die Botox-Therapie bei beiden Gruppen – sowohl bei den Patienten mit neurogenischer Ursache der Blasenüberaktivität als auch bei den idiopathischen Fällen – sehr gut. In der Fachliteratur wird jedoch berichtet, dass die Wirksamkeit bei den neurogenen Ursachen oftmals noch etwas besser sein soll, die Erfolgsquote in diesen Fällen also tendenziell höher ist. Dennoch ist die Erfolgsrate insgesamt sehr hoch, doch gibt es auch immer wieder einzelne Patienten, bei denen die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt. Bei manchen wirkt sie gar nicht, was dann schwer zu erklären ist. In solchen Fällen kann man versuchen, die Behandlung zu optimieren, etwa durch eine Erhöhung der Botox-Dosis oder durch die Kombination mit Medikamenten. Das ist grundsätzlich eine sinnvolle Option. Bei Patienten, die bereits eine Behandlung hinter sich haben, ist es auch möglich, die Dosis noch einmal zu erhöhen, um eine bessere Wirksamkeit zu erreichen. Was die Dosierung betrifft, orientiert man sich an der Wirksamkeit: Wenn der Patient mit der aktuellen Dosierung zufrieden ist, bleibt diese bestehen. Wenn die Wirkung jedoch nach ein paar Monaten nachlässt oder der Patient von Anfang an unzufrieden war, wird in Absprache eine höhere Dosis erwogen. In der Regel wird die Dosis nicht weiter als bis zu 200 Einheiten erhöht, in Einzelfällen manchmal sogar auf 300 Einheiten. Die Dosis noch weiter zu steigern, macht in der Regel keinen Sinn. Eher sollte man sich dann nach Therapiealternativen umsehen“, hält Dr. Rickert fest.

Die Behandlung der überaktiven Blase mit Botox ist in Deutschland mittlerweile recht verbreitet und wird von den Krankenkassen vollständig übernommen, obwohl die Therapie kostenintensiv ist. Es gibt jährlich zahlreiche Behandlungen, und die Zahl steigt kontinuierlich, weil sich die Methode in der Praxis gut etabliert hat. 

Hierzu kommentiert Dr. Rickert abschließend: „Die Patienten, die diese Behandlung in Anspruch nehmen, sind meist Frauen im Alter zwischen 50 und 80 Jahren, wobei auch jüngere Patientinnen nicht ausgeschlossen sind. Die Behandlung wird häufig von einem spezialisierten Arzt durchgeführt, der in der Regel bereits mehrere hundert solcher Eingriffe durchgeführt hat. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die meisten Betroffenen erst nach Jahren des Leidens den Mut finden, einen Arzt aufzusuchen. Besonders schambesetzte Themen wie Inkontinenz werden lange verdrängt, was zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führt. Bei der Beratung betonen wir, wie einfach und risikoarm die Botulinumtoxin-Injektion ist. Es handelt sich um einen kurzen, vergleichsweise schmerzarmen Eingriff, der meist nur wenige Minuten dauert und Patienten danach sofort nach Hause gehen können. Viele berichten, dass sie nach der Behandlung deutlich weniger Beschwerden haben und sich ihre Lebensqualität enorm verbessert – oft sogar, wenn die Behandlung schon über Jahre hinweg bestand, sind die Patienten wieder aktiver und nehmen wieder am Alltag teil. In unserem Versorgungszentrum ist die Botox-Therapie gut eingespielt. Wir verfügen über viel Erfahrung und behandeln jährlich zahlreiche Patienten mit dieser Methode. Unser Ziel ist es, den Betroffenen eine schnelle, unkomplizierte und effektive Hilfe anzubieten, damit sie wieder unbeschwert ihr Leben genießen können. Besonders erfreulich ist, dass viele Patienten uns schon sehr lange treu bleiben, was das Vertrauen in unsere Behandlung bestätigt. Wir sind dankbar, einen Beitrag dazu leisten zu können, die Lebensqualität dieser Menschen deutlich zu verbessern“.

Sehr geehrter Herr Dr. Rickert, vielen Dank für den Einblick in diese für viele noch nicht so bekannte Behandlungsmethode!