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Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

19.03.2026

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) zählt zu den häufigsten Gefäßerkrankungen und entsteht durch verengte oder verschlossene Arterien, meist in den Beinen. Sie führt zu Durchblutungsstörungen, die zunächst beim Gehen Schmerzen verursachen und im fortgeschrittenen Stadium sogar das Gewebe gefährden können.

In Deutschland sind rund 4,5 bis 5 Millionen Menschen betroffen – viele von ihnen, ohne es zu wissen, da die Erkrankung oft lange unbemerkt bleibt. Eine frühzeitige Diagnose ist daher entscheidend, um schwerwiegende Folgen zu verhindern und die Lebensqualität zu erhalten.

Hierzu konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide mit dem Gefäßspezialisten Dr. med. Konstantinos Verginis in einem Gespräch mehr erfahren.

Dr. Verginis

Die frühe Erkennung der pAVK ist anspruchsvoll, weil viele Betroffene anfangs keine Beschwerden haben oder leichte Symptome wie Kältegefühl, Müdigkeit in den Beinen oder diffuse Wadenverspannungen nicht mit einer Gefäßerkrankung in Verbindung bringen. Dennoch gibt es klare diagnostische Wege, die eine zuverlässige Identifikation bereits im Frühstadium ermöglichen. 

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bleibt in frühen Stadien oft unbemerkt, da der Körper Durchblutungsstörungen zunächst ausgleichen kann. Beschwerden treten meist nur beim Gehen auf und verschwinden rasch in Ruhe.

Typisch ist ein Ermüdungs- oder Krampfgefühl in der Wade. Nervenschmerzen wie beim Ischias sind dagegen häufig lage- oder bewegungsabhängig, strahlen vom Rücken ins Bein aus und werden als stechend oder brennend empfunden. Eine frühe Erkennung der pAVK ist wichtig, da sie auf eine allgemeine Gefäßerkrankung hinweist und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht“, erklärt Dr. med. Konstantinos Verginis zu Beginn unseres Gesprächs.

Dr. Verginis

Um das individuelle Fortschreiten der pAVK wirklich präzise einzuschätzen und therapeutische Entscheidungen fundiert zu treffen, braucht es einen abgestuften diagnostischen Ansatz, der einfache Basisverfahren mit hochauflösender Bildgebung und einer sorgfältigen klinischen Verlaufsbeobachtung verbindet. Kein einzelnes Verfahren reicht allein aus – entscheidend ist das Zusammenspiel. 

Zur Diagnosestellung werden verschiedene Untersuchungen eingesetzt. Zunächst führt der Arzt ein Gespräch und eine körperliche Untersuchung durch. Dabei wird nach typischen Beschwerden gefragt, wie zum Beispiel Schmerzen in den Beinen beim Gehen, kalte Füße oder schlecht heilende Wunden. Anschließend werden die Pulse an den Beinen abgetastet.

Sind diese nur schwach oder gar nicht tastbar, kann dies auf eine Durchblutungsstörung hinweisen. Ein wichtiges und einfaches Untersuchungsverfahren ist der sogenannte Knöchel-Arm-Index, auch ABI-Messung (Ankle-Brachial-Index) genannt. Dabei wird der Blutdruck am Arm und am Knöchel gemessen und miteinander verglichen. Die Untersuchung wird mit einem Hand-Doppler-Ultraschallgerät durchgeführt, welche die Blutströmung in den Gefäßen hörbar macht.

Ist der Blutdruck am Bein deutlich niedriger als am Arm, spricht dies für eine pAVK. Mit einem Ultraschall-Duplex der Beinarterien kann der Arzt sehen, wie gut das Blut durch die Gefäße fließt und ob Engstellen oder Verschlüsse vorhanden sind. Der Ultraschall-Duplex ist ebenfalls schmerzlos und ohne Strahlenbelastung. Wenn genauere Informationen benötigt werden, zum Beispiel zur Planung einer Behandlung oder Operation, kommen spezielle bildgebende Verfahren zum Einsatz.

Dazu zählen die CT- oder MR-Angiographie. Hierbei werden die Blutgefäße mithilfe eines Kontrastmittels detailliert dargestellt. In bestimmten Fällen wird auch eine Angiographie durchgeführt, bei der ein dünner Schlauch in ein Blutgefäß eingeführt wird, um Engstellen genau sichtbar zu machen. Zusammenfassend erfolgt die Diagnostik der pAVK schrittweise – von einfachen, schonenden Untersuchungen bis hin zu sehr genauen bildgebenden Verfahren. Dadurch kann die Erkrankung sicher erkannt und eine passende Behandlung geplant werden“, schildert Dr. Verginis das diagnostische Vorgehen. 

Für die Steuerung der Therapie ist entscheidend, wie sich die Kombination aus Symptomen, ABI‑Verlauf, Duplex‑Befunden und Bildgebung über die Zeit verändert. Bleibt die Erkrankung unter konsequenter konservativer Therapie (Rauchstopp, Gehtraining, medikamentöse Sekundärprophylaxe) stabil, kann auf invasive Maßnahmen oft verzichtet werden. Zeigt sich hingegen eine deutliche Verschlechterung der Gehstrecke, ein Abfall des ABI oder eine zunehmende Stenose im Duplex, rückt eine endovaskuläre oder operative Revaskularisation in den Fokus.

Bei kritischer Extremitätenischämie mit Ruheschmerz oder nicht heilenden Ulzera wird die Diagnostik genutzt, um rasch den bestmöglichen Revaskularisationsweg zu planen und so Amputationen zu vermeiden. 

Lebensstilfaktoren spielen bei der Entstehung und dem Fortschreiten der pAVK eine deutlich größere Rolle, als viele Betroffene zunächst vermuten. Während Alter und genetische Veranlagung den Boden bereiten können, sind es vor allem beeinflussbare Verhaltensweisen, die darüber entscheiden, ob sich eine Gefäßerkrankung tatsächlich entwickelt und wie schnell sie voranschreitet.

Dr. Verginis

Hierzu macht Dr. Verginis deutlich: „Lebensstilfaktoren spielen bei der Entstehung der pAVK eine zentrale Rolle und sind häufig von größerer Bedeutung als genetische oder altersbedingte Risiken. Während Alter und genetische Veranlagung die individuelle Ausgangslage bestimmen, beeinflusst der Lebensstil maßgeblich, ob und wie schnell sich die Erkrankung entwickelt und fortschreitet.

Der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor ist das Rauchen. Es führt zu Gefäßverengungen, fördert entzündliche Prozesse in der Gefäßwand und beschleunigt die Arteriosklerose. Raucher erkranken häufiger, früher und mit schwereren Verlaufsformen an pAVK und haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Amputationen.

Ein Rauchstopp ist daher die wirksamste Einzelmaßnahme zur Prävention und Progressionshemmung. Auch die Ernährung beeinflusst das pAVK-Risiko vor allem indirekt, da eine ungesunde Kost Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck begünstigt, die die Gefäßverkalkung beschleunigen. Bewegungsmangel stellt ebenfalls einen wichtigen Risikofaktor dar, während regelmäßige körperliche Aktivität die Durchblutung verbessert und insbesondere in Form von Gehtraining einen therapeutischen Nutzen hat.

Das Lebensalter erhöht das Risiko für eine pAVK, insbesondere ab dem 60. Lebensjahr, ist jedoch kein alleiniger Auslöser. Genetische Faktoren erhöhen die individuelle Anfälligkeit, führen aber meist erst in Kombination mit ungünstigen Lebensstilfaktoren zur Erkrankung. Insgesamt bestimmen Alter und Genetik die Ausgangslage, während der Lebensstil entscheidend für Entstehung, Verlauf und Prognose der pAVK ist“. 

Konservative, endovaskuläre und operative Therapien verfolgen bei der pAVK dasselbe Ziel – die Durchblutung zu verbessern, Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu verhindern –, unterscheiden sich aber deutlich in ihrer Intensität, ihrem Risiko und ihrem Einsatzzeitpunkt.

Welche Methode für einen Patienten sinnvoll ist, ergibt sich aus einer Kombination aus Symptomen, anatomischen Befunden, Begleiterkrankungen und dem individuellen RisikoNutzenVerhältnis. 

Konservative, endovaskuläre und operative Therapieansätze unterscheiden sich vor allem durch ihren Invasivitätsgrad, ihr Risiko und ihre Zielsetzung. Die konservative Therapie umfasst Maßnahmen wie Medikamente, Physiotherapie, Kompression, Lebensstiländerungen oder kontrolliertes Abwarten. Sie zielt häufig darauf ab, Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder Komplikationen zu verhindern, ohne die zugrunde liegende Ursache direkt zu beseitigen.

Aufgrund des geringen Risikos ist sie oft die erste Behandlungsoption, bei leichten Beschwerden, frühen Krankheitsstadien oder bei Patienten mit hohem Operationsrisiko. Endovaskuläre Therapien stellen einen minimal-invasiven Zwischenweg dar. Sie erfolgen über Katheter, die über Blutgefäße eingeführt werden, und ermöglichen Eingriffe wie Ballondilatationen, Stentimplantationen oder Gefäßverschlüsse, ohne dass eine offene Operation notwendig ist.

Dadurch sind sie in der Regel weniger belastend, gehen mit kürzeren Krankenhausaufenthalten einher und sind auch bei vorerkrankten oder älteren Patienten gut einsetzbar. Ihre Grenzen liegen jedoch in der Anatomie, der Ausdehnung der Erkrankung und in der teilweise begrenzten Langzeitstabilität. Die operative Therapie ist die invasivste Form der Behandlung und umfasst offene chirurgische Eingriffe.

Sie wird vor allem dann eingesetzt, wenn Erkrankungen weit fortgeschritten, komplex oder lebensbedrohlich sind oder wenn konservative und endovaskuläre Maßnahmen nicht ausreichend wirksam waren. Operationen bieten häufig die dauerhafteste und effektivste Lösung, sind jedoch mit höheren Risiken, einer längeren Erholungsphase und einer stärkeren Belastung für den Organismus verbunden“, macht Dr. Verginis klar und ergänzt: 

Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, wird individuell entschieden. Dabei spielen der Schweregrad und die Dynamik der Erkrankung, ihre Lokalisation und Prognose ebenso eine Rolle wie Alter, Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen und Lebenserwartung des Patienten. Alle Faktoren spielen zusammen. Es werden technische Machbarkeit, Erfolgsaussichten, Risiken, aktuelle Leitlinien sowie der persönliche Leidensdruck und die Wünsche der Betroffenen berücksichtigt.

Grundsätzlich gilt das Prinzip, eine Behandlung so schonend wie möglich, aber so wirksam wie nötig zu wählen. Damit unsere Patienten eine optimale Versorgung bekommen, wird jedes Therapieverfahren individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt.

Dazu gehören Teamarbeit, Kooperationen mit anderen Fachabteilungen und Partnerschaften mit Verbunds Häusern in der näheren Umgebung. Z. B. erfolgt die Carotis Chirurgie unter dem Neurovaskulären Zentrum in Kooperation mit Neurologen, Neuroradiologen, Neurochirurgen und uns als Gefäßchirurgie.

Die pAVK und die Aneurysmen Chirurgie erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der interventionellen Radiologie und der Gefäßchirurgie des Sana Klinikums Düsseldorf Gerresheim, unter der Leitung von Prof. Dr. med. Ralf Kolvenbach. Wir bieten eine optimale Versorgung der Patienten durch ein stabiles Netzwerk an Spezialisten“. 

Das Risiko schwerer Komplikationen wie kritischer Extremitätenischämie oder Amputation lässt sich nur dann wirksam senken, wenn man die pAVK nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines komplexen Gefäßgeschehens, das besonders bei Menschen mit Diabetes, Niereninsuffizienz oder anderen Begleiterkrankungen deutlich aggressiver verläuft. Entscheidend ist deshalb ein Bündel an Strategien, das sowohl die Gefäße selbst schützt als auch die Faktoren kontrolliert, die sie schädigen. 

Um das Risiko schwerer Komplikationen wie einer kritischen Extremitätenischämie oder einer Amputation zu reduzieren, ist vor allem eine konsequente Behandlung der Risikofaktoren entscheidend.

Ein vollständiger Rauchstopp hat dabei den größten Einfluss, da Rauchen das Fortschreiten der Gefäßerkrankung deutlich beschleunigt. Besonders bei Patienten mit Diabetes ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, um Gefäßschäden, Infektionen und Wundheilungsstörungen zu vermeiden.

Ebenso trägt eine gute Kontrolle von Blutdruck und Cholesterin dazu bei, weitere Gefäßverengungen zu verhindern. Regelmäßiges Gehtraining kann, sofern es möglich ist, die Durchblutung verbessern, indem sich Umgehungsgefäße, sogenannte Kollaterale bilden. Zusätzlich senken blutverdünnende Medikamente das Risiko von Gefäßverschlüssen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die regelmäßige Fußpflege und -kontrolle, da kleine, oft schmerzlose Verletzungen früh erkannt und behandelt werden müssen. Bei Anzeichen einer kritischen Durchblutungsstörung ist eine frühzeitige interventionelle oder operative Behandlung notwendig, um Gewebeverlust und Amputationen zu vermeiden“, so der Gefäßspezialist. 


Eine zentrale Rolle spielt der Rauchstopp. Kein anderer Faktor beschleunigt die pAVK so stark wie Nikotin. Bei Diabetikern wirkt Rauchen wie ein „Brandbeschleuniger“: Es verschlechtert die Mikrozirkulation, fördert Entzündungen und erhöht das Risiko für Wundheilungsstörungen massiv. Der Verzicht auf Tabak ist daher eine der wirksamsten Maßnahmen, um Amputationen zu verhindern.


Eine wirksame langfristige Nachsorge bei pAVK entsteht aus einem kontinuierlichen Zusammenspiel von medizinischer Kontrolle, Lebensstilstabilisierung und frühzeitiger Intervention – und sie beginnt nicht erst nach einem Eingriff, sondern begleitet Betroffene dauerhaft. Entscheidend ist, dass die Nachsorge nicht als „Kontrolltermin“, sondern als strukturierter Prozess verstanden wird, der Rückfälle verhindert, Gefäßverschlüsse früh erkennt und die Lebensqualität stabilisiert.

Dr. Verginis

Dr. Verginis empfiehlt abschließend dazu: „Eine langfristige Nachsorge zielt darauf ab, neue Gefäßverschlüsse frühzeitig zu erkennen und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Dafür sind regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen wichtig, bei denen Beschwerden, Gehstrecke, Pulse und bei Bedarf Ultraschalluntersuchungen überprüft werden.

Ebenso entscheidend ist die konsequente Behandlung der Risikofaktoren durch eine gute Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin sowie die dauerhafte Einnahme der verordneten Medikamente. Ein strukturierter Bewegungsplan, insbesondere regelmäßiges Gehtraining, trägt dazu bei, die Durchblutung zu fördern und die körperliche Belastbarkeit zu erhalten.

Ergänzend spielen Rauchstopp, gesunde Ernährung und Gewichtsreduktion eine wichtige Rolle. Bei Patienten mit Diabetes sind zusätzlich regelmäßige Fußkontrollen notwendig, um kleine Verletzungen frühzeitig zu erkennen und Komplikationen zu vermeiden. Durch diese Kombination aus medizinischer Kontrolle, aktiver Mitarbeit der Patienten und gezielten Lebensstiländerungen lassen sich Rückfälle häufig verhindern und die Lebensqualität langfristig steigern“. 

Herzlichen Dank, Dr. Verginis, für Ihre aufklärenden Worte! 


 

  • Facharzt für Gefäßchirurgie und endovaskuläre Chirurgie an den Sana Kliniken Duisburg mit breiter Expertise in arteriellen und venösen Erkrankungen.
  • Spezialisiert auf komplexe Eingriffe bei pAVK, Carotisstenosen, Aneurysmen sowie Erkrankungen der Viszeral‑ und Nierenarterien.
  • Herausragende Kompetenz in seltenen viszeralen und retroperitonealen Kompressionssyndromen wie Dunbar‑, Wilkie‑, Nussknacker‑ und May‑Thurner‑Syndrom.
  • Führt jährlich zahlreiche offene und endovaskuläre Carotis‑Rekonstruktionen im neurovaskulären Zentrum durch.
  • Versiert in endovaskulären Techniken, Gefäßrekonstruktionen, Shuntchirurgie, Port‑ und Schrittmacherimplantationen.
  • Umfassende Erfahrung in der Behandlung venöser Erkrankungen wie Varikosis, TVT und Thrombophlebitis sowie in der Versorgung chronischer Wunden.
  • Wissenschaftlich ausgewiesener Experte für seltene Kompressionssyndrome; diese bilden auch den Schwerpunkt seiner Dissertation.
  • Verbindet moderne Diagnostik, innovative Technik und chirurgische Präzision zu einer patientenorientierten, hochqualifizierten Gefäßmedizin.