Wirbelsäulenchirurgie

23.02.2026

In Deutschland leiden schätzungsweise rund 8 bis 10 Millionen Menschen an behandlungsbedürftigen Wirbelsäulenerkrankungen, in Österreich sind es etwa 1 bis 1,5 Millionen, und in der Schweiz rund 600.000 bis 700.000 Betroffene. Die moderne Wirbelsäulenchirurgie bietet heute sowohl konservative als auch operative Verfahren, um Schmerzen zu lindern, Fehlstellungen zu korrigieren und die Mobilität nachhaltig zu verbessern. Hierzu sprach die Redaktion des Leading Medicine Guide mit dem Wirbelsäulenspezialisten Dr. med. Christoph Weber.

Dr. med. Christoph Weber

Die Wirbelsäulenchirurgie beschäftigt sich mit der Behandlung von Erkrankungen, Verletzungen und Fehlbildungen der Wirbelsäule, die Beweglichkeit, Haltung und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.

Wenn man über chirurgisch relevante Erkrankungen der Wirbelsäule spricht, handelt es sich zahlenmäßig mit Abstand am häufigsten um degenerative Veränderungen – also Alters- und Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule. Verletzungen sieht man in einer Praxis zwar auch, etwa osteoporotische Wirbelbrüche, aber schwere Unfallverletzungen wie nach Ski- oder Verkehrsunfällen werden in der Regel im Akutspital behandelt. In der täglichen Praxis dominieren daher klar die degenerativen Erkrankungen. Bei älteren Patienten steht dabei vor allem die Spinalkanalstenose im Vordergrund – eine Verengung des Wirbelkanals, verursacht durch Gelenkverschleiß, Arthrose, Bandscheibenvorwölbungen und die allgemeine Abnutzung der Wirbelsäule. Durch diesen Wirbelkanal verlaufen die Nerven, die die Beine versorgen. Wird der Kanal zunehmend enger, haben diese Nerven irgendwann zu wenig Platz. Es entsteht Druck auf die Nerven, der zunächst Schmerzen und Gefühlsstörungen in den Beinen verursacht. Bei stärkerer Einengung kann es schließlich auch zu Muskelschwäche bis hin zu Lähmungserscheinungen kommen. Dieser Prozess verläuft langsam und schleichend. Man muss keine Angst haben, dass solche Symptome über Nacht entstehen. Genau diese Langsamkeit ist aber auch die Gefahr: Viele ältere Menschen gewöhnen sich an die zunehmenden Einschränkungen und schreiben sie einfach dem Alter zu. Typisch ist, dass die Schmerzen beim Gehen zunehmen. Der Aktionsradius wird immer kleiner, die Betroffenen gehen weniger vor die Tür, bleiben schließlich überwiegend zu Hause und bewegen sich insgesamt zu wenig. Das ist im Alter ein erheblicher Risikofaktor, denn fehlende Bewegung führt zu einem allgemeinen körperlichen Abbau – mit Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-System, Lunge, Verdauung und den gesamten Gesundheitszustand“, schildert Dr. Weber.


Ziel jeder Behandlung ist es, Schmerzen zu reduzieren oder zu beseitigen und vor allem die Mobilität wiederherzustellen und zu verbessern.


Foto Spinalkanalstenose
Spinalkanal Stenose mit Rückenmarkskompression_Blausen.com staff, 2014

Dr. Weber beschreibt einige typische Symptome von Patienten mit Spinalkanalstenose: „Ein typisches äußeres Zeichen dieser Erkrankung ist das nach vorne gebeugte Gangbild. Viele Betroffene gehen leicht vorgebeugt, weil sich dadurch der Wirbelkanal etwas erweitert und die Beschwerden nachlassen. Sie können nur kurze Strecken gehen, müssen häufig stehen bleiben, sich setzen oder den Oberkörper nach vorne beugen. Dann werden die Beinschmerzen kurzfristig besser, und sie können wieder ein Stück weitergehen. Dieses Krankheitsbild nennt man Claudicatio spinalis – auch bekannt als ,Schaufensterkrankheit´, weil die Betroffenen beim Gehen immer wieder stehen bleiben müssen, als würden sie Schaufenster betrachten“ und führt weiter aus:

Der Begriff „Schaufensterkrankheit“ wird meist im Zusammenhang mit der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) gebraucht. Hierbei handelt es sich um eine durch Arterienverkalkungen verursachte Durchblutungsstörung der Beine, die ähnliche Symptome wie die Spinalkanalstenose verursacht, nämlich zunehmende Beinschmerzen je weiter die Gehstrecke ist. Umso wichtiger ist das Gespräch mit den Patienten, die genaue körperliche Untersuchung und die zielgerichtete Diagnostik, um die Beschwerdeursache zu finden und die entsprechende Behandlung einzuleiten.

Viele fragen sich natürlich zuerst, was man konservativ unternehmen kann. Grundsätzlich gilt: Bewegung ist immer gut und grundsätzlich empfehlenswert. Früher hat man bei Rückenschmerzen oft Bettruhe verordnet, heute weiß man, dass genau das nicht sinnvoll ist. Ziel ist vielmehr, die Schmerzen so weit zu lindern, dass die Betroffenen wieder in der Lage sind, sich zu bewegen und ihren Alltag zu bewältigen. Welche konservativen Maßnahmen infrage kommen, hängt aber stark von der Ursache ab. Liegt eine nachgewiesene, hochgradige Spinalkanalstenose vor – also eine deutliche Einengung des Wirbelsäulenkanals –, zeigen Studien inzwischen klar, dass eine Operation in diesen Fällen die wirksamste Behandlung ist. Der Grund ist einfach: Nur die Operation setzt direkt an der Ursache an. Sie schafft wieder Platz im Spinalkanal und entlastet die Nerven dauerhaft. Trotzdem beginnt man immer zunächst mit konservativen Therapien. Dazu zählen Physiotherapie, gezielte Übungen und auch Injektionen, zum Beispiel Cortison-Spritzen in den Wirbelsäulenkanal, um die Schwellung der entzündeten Nerven zu lindern. Bei einer hochgradigen Einengung ist das jedoch keine nachhaltige Lösung, weil diese Maßnahmen nur die Symptome behandeln – nicht aber die eigentliche Ursache des Problems“.

Ältere Menschen haben häufiger degenerative Veränderungen wie die Spinalkanalstenose, während jüngere Patienten eher Probleme wie Bandscheibenvorfälle zeigen. Des Weiteren spielen die genetische Prädisposition als auch Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle. 

Immer mehr Menschen arbeiten sitzend, häufig über viele Stunden am Stück. Das ist für die Wirbelsäule sehr belastend, weil der menschliche Körper eigentlich nicht dafür ausgelegt ist, die meiste Zeit sitzend zu verbringen. Durch die Hebelkräfte auf die Wirbelsäule entstehen unphysiologische Belastungen, die Schmerzen verursachen. Gleichzeitig verkümmert die Muskulatur, Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich, und es kommt zu einer chronischen Überlastung. Dies kann langfristig auch zu Bandscheibenvorfällen führen, selbst wenn zunächst keine eindeutige Ursache im MRT erkennbar ist. Heute wird bei Bandscheibenvorfällen nicht mehr so schnell operiert wie früher – es kommt immer auf den Einzelfall an. Entscheidend ist, wie stark der Vorfall auf einen Nerv drückt. Ein Bandscheibenvorfall selbst ist nicht das Problem, sondern der Druck auf den Nerv. Wenn dieser Druck so stark ist, dass der Nerv Schaden nehmen kann und Gefühlsstörungen oder Lähmungen bestehen, überwiegen klar die Vorteile einer Operation. Liegen dagegen nur lokale Rückenschmerzen vor und die Nervenfunktionen sind erhalten, wird zunächst konservativ behandelt, zum Beispiel mit Physiotherapie und gegebenenfalls Infiltrationen. Das Bandscheibenmaterial enthält viel Flüssigkeit, die der Körper nach und nach resorbiert. In den meisten Fällen – etwa 60 bis 70 % – bildet sich der Vorfall zurück, der Druck auf den Nerv lässt nach, und die Beschwerden bessern sich ohne Operation. Dieser Prozess dauert mehrere Wochen bis wenige Monate. Wichtig ist die Entwicklung: Auch wenn nach sechs Wochen noch keine vollständige Beschwerdefreiheit besteht, spricht eine erkennbare Besserungstendenz für das Weiterführen der konservativen Therapie. Wenn jedoch bereits deutliche Funktionsstörungen des Nervs bestehen, sollte operiert werden. Die Operation nimmt den Druck durch Entfernung des vorgefallenen Bandscheibengewebes direkt vom Nerv, wodurch sich dieser wieder erholen kann“, betont Dr. Weber.


Die präoperative Diagnostik spielt in der Wirbelsäulenchirurgie eine zentrale Rolle, denn sie bildet die Grundlage für eine präzise, sichere und individuell abgestimmte Operationsplanung. Bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) liefern detaillierte Informationen über die Anatomie der Wirbelsäule, den Zustand von Bandscheiben, Wirbelkörpern, Nerven und Weichteilen sowie mögliche Fehlstellungen oder Verengungen.


Eine chirurgische Behandlung der Wirbelsäule wird immer dann in Betracht gezogen, wenn die natürlichen Heilungsprozesse, konservative Therapien oder medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen, um Schmerzen zu lindern, die Funktion der Wirbelsäule wiederherzustellen oder neurologische Schäden zu verhindern.

Foto Wirbel

Die einzige wirklich kausale Behandlung der Spinalkanalstenose ist die Dekompression – genauer gesagt die mikrochirurgische Dekompression. Sie gilt heute als Goldstandard. Dabei wird über einen kleinen Zugang mit Hilfe eines Operationsmikroskops und feinen Instrumenten genau an der Stelle, an der der Spinalkanal eingeengt ist, überschüssiges Gewebe vorsichtig entfernt oder abgefräst. Ziel ist es, gerade so viel Material wegzunehmen, dass die Nerven wieder den Platz haben, den sie benötigen. Die Verengung liegt meist im Bereich der Bandscheibenfächer, am häufigsten zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel, gefolgt vom Segment zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel. Oft sind zwei Segmente gleichzeitig betroffen, manchmal auch mehr. Die Dekompression eines einzelnen Segments dauert in der Regel etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde. Wichtig ist: Eine Dekompression bedeutet nicht automatisch, dass auch eine Stabilisation oder ,Versteifung´ notwendig ist. Das sind zwei unterschiedliche Eingriffe, die für jeden Patienten individuell geprüft werden müssen. Der Trend geht heute zur reinen Dekompression, weil sich gezeigt hat, dass in vielen Fällen das Erweitern des Spinalkanals allein ausreicht und eine zusätzliche Stabilisierung nicht zwingend erforderlich ist. Für Patienten ist das eine gute Nachricht. Die mikrochirurgische Dekompression ist ein vergleichsweise kleiner Eingriff: kürzere Operationszeit, kleinere Hautschnitte, weniger Blutverlust, weniger Muskelverletzung, geringeres Infektionsrisiko. Zusammenfassend ist eine Dekompressionsoperation insgesamt deutlich weniger invasiv als eine Stabilisierungsoperation. Es gibt allerdings Situationen, in denen die alleinige Dekompression nicht genügt, weil sonst keine dauerhafte Beschwerdefreiheit erreicht werden kann. Dann muss zusätzlich stabilisiert werden“, so Dr. Weber zur Dekompression.

Bei einer Stabilisation werden pro Wirbel zwei Schrauben eingesetzt. Die dazwischenliegende Bandscheibe wird entfernt und durch einen Platzhalter, einen sogenannten Cage, ersetzt. Die Schrauben werden über Stäbe miteinander verbunden, sodass dieses Bewegungssegment – also zwei Wirbel mit der dazwischenliegenden Bandscheibe – nicht mehr beweglich ist. 

Dr. Weber verdeutlicht: „Der Eingriff kann offen oder auch minimalinvasiv über kleine Schnitte und mit Hilfe von Navigationstechnik durchgeführt werden. Welche Methode geeignet ist, muss immer individuell entschieden werden. Trotz des Begriffs ,Versteifung´ muss niemand Angst haben, danach unbeweglich zu sein. Tatsächlich werden nur einzelne Wirbel miteinander verbunden. Die gesamte Beweglichkeit des Körpers bleibt also erhalten. Nach abgeschlossener Heilung bestehen normalerweise keine Einschränkungen in Alltag, Arbeit, Sport oder Hobbys – die meisten Menschen sind danach ganz normal beweglich, oft sogar besser als vor der Operation, weil die Schmerzen verschwunden sind“.


In der modernen Wirbelsäulenchirurgie steht heute ein breites Spektrum hochentwickelter operativer Techniken zur Verfügung, die darauf abzielen, Schmerzen zu lindern, neurologische Strukturen zu entlasten und die Mobilität langfristig zu erhalten. 


Ein zentraler Trend ist die Minimalinvasivität: Verfahren wie die mikrochirurgische Bandscheibenentfernung oder die endoskopische Spinalkanal-Dekompression ermöglichen es, krankhaftes Gewebe präzise zu entfernen, ohne umfangreiche Gewebeschäden zu verursachen.

Foto Bandscheiben

Wenn ein Eingriff minimalinvasiv durchgeführt werden kann, wirkt sich das vor allem positiv auf die unmittelbare Erholungsphase aus. Die Operation ist kürzer, die Hautschnitte sind kleiner, das Operationsausmaß ist geringer und der Blutverlust und das Infektionsrisiko niedriger. All das erleichtert die erste Zeit nach dem Eingriff. Langfristig macht es jedoch keinen entscheidenden Unterschied, ob offen oder minimalinvasiv operiert wurde. Sobald alles verheilt ist, sind die Ergebnisse in Bezug auf Funktion und Beschwerdefreiheit im Wesentlichen gleichwertig. Die Entscheidung, ob minimalinvasiv oder offen operiert wird, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen der individuelle Patient, sein Alter, sein Allgemeinzustand und mögliche Vorerkrankungen. Eine große Rolle spielt auch die genaue Situation an der Wirbelsäule. Wenn zum Beispiel Wirbel in ihrer Stellung korrigiert oder ,reponiert´ werden müssen, wählt man eher ein offenes Verfahren. Ist die Wirbelsäulenstellung hingegen stabil und soll lediglich verschraubt werden, kann dies häufig minimalinvasiv erfolgen. Jede Situation wird dabei einzeln beurteilt. Oft kommt in diesem Zusammenhang auch die Frage nach Zement auf. Grundsätzlich wird bei einer Spondylodese, also einer Verschraubung von Wirbeln, routinemäßig kein Zement verwendet. Es gibt jedoch Ausnahmen: Bei Patienten mit Osteoporose, also verminderter Knochendichte, kann man die Schrauben zusätzlich mit Knochenzement verstärken. Nachdem die Schrauben im Wirbel platziert sind, wird über die Schrauben ein zähflüssiger Zement eingebracht, der sich wie eine Wolke um die Schraube legt und sie fester im Knochen verankert. Innerhalb weniger Minuten härtet der Zement aus und verbessert so den Halt der Schrauben. Diese Technik wird gezielt bei osteoporotischen Patienten eingesetzt, nicht aber standardmäßig bei allen“, macht Dr. Weber klar.

Wirbelsäulenimplantate: Die Funktion der Schrauben, Bildung der Knochenbrücke und Risiken der Anschlussdegeneration.

Dr. Weber nennt noch wichtige Details zu den einzusetzenden Implantaten: „Bei einer Wirbelsäulenverschraubung bleiben die eingesetzten Implantate grundsätzlich dauerhaft im Körper. Das eigentliche Ziel der Operation ist jedoch, dass sich zwischen den verschraubten Wirbeln eine knöcherne Verbindung bildet. Die Schrauben dienen dabei im Wesentlichen als temporäre Fixierung, damit der Körper die Knochenbrücke sicher ausbilden kann. Während der Operation werden hierfür auch Knochenstücke oder künstliche Materialien eingesetzt, die das Knochenwachstum unterstützen. So muss der Körper nicht jede Knochenzelle selbst bilden, sondern hat ein Substrat, auf dem die Verknöcherung erfolgen kann. Sobald diese knöcherne Brücke entsteht, übernehmen sie die Stabilität, und die Belastung auf die Schrauben nimmt ab. Einen Aspekt, den man im Vorfeld sorgfältig besprechen muss, ist die sogenannte Anschlussdegeneration. Durch die Versteifung eines Segments verändert sich die Belastungsverteilung in der Wirbelsäule: Die angrenzenden Segmente müssen die Beweglichkeit kompensieren und werden dadurch stärker beansprucht. Diese zusätzliche Belastung kann dazu führen, dass diese Segmente schneller degenerieren als unter normalen Umständen. In bis zu 10 % der Fälle tritt eine solche Anschlussdegeneration auf. Dann kann es erforderlich werden, die bestehende Spondylodese zu verlängern – zum Beispiel, wenn nach einigen Jahren das benachbarte Segment Probleme bereitet. Die Schrauben und Implantate selbst bleiben dabei bestehen, die Stabilisation wird lediglich um das neue Segment erweitert“.

Die Genesungszeit ist bei minimalinvasiven Eingriffen meist deutlich kürzer. Viele Patienten können nach wenigen Tagen wieder aufstehen, und die Rehabilitation kann schneller beginnen. Das ermöglicht eine frühere Rückkehr zu Alltag und Beruf, während offene Operationen oft längere Krankenhausaufenthalte und eine intensivere postoperativen Phase erfordern. 

Die Dauer des Krankenhausaufenthalts hängt vor allem vom Alter, vom Allgemeinzustand und vom Ausmaß der Operation ab. Nimmt man zum Beispiel einen 70-jährigen Patienten in gutem Allgemeinzustand ohne gravierende Begleiterkrankungen, bei dem eine mikrochirurgische Dekompression an zwei Segmenten durchgeführt wurde, dann kann dieser in der Regel am dritten, spätestens am vierten Tag nach der Operation nach Hause gehen. Meist ist dafür keine spezielle Reha notwendig. Der Patient geht nach Hause, und die beste Therapie besteht aus entspanntem Spazierengehen. Nach etwa sechs Wochen erfolgt eine Nachkontrolle. Bis dahin sind die Schmerzmedikamente üblicherweise deutlich reduziert oder bereits abgesetzt. Die Patienten bemerken zu diesem Zeitpunkt meist schon eine klare Verbesserung. Das endgültige Behandlungsergebnis ist dann zwar oft noch nicht vollständig erreicht, weil Nerven viel Zeit zur Erholung brauchen, aber eine spürbare und durchgreifende Besserung zeigt sich in der Regel bereits in den ersten Tagen und Wochen nach der Operation. Bewegung spielt von Anfang an eine zentrale Rolle. Im Grunde beginnt die Mobilisation sofort: Sobald der Patient aus der Narkose aufwacht, wird er noch am Tag der Operation auf die Beine gebracht. Physiotherapie und Pflege unterstützen dabei mehrmals täglich. Zunächst wird auf Zimmerebene gegangen, dann über die Station, später auch Treppen gestiegen. Die Gehstrecken werden Schritt für Schritt gesteigert, bis die Patienten nach drei bis vier Tagen sicher mobil sind und nach Hause entlassen werden können“, erläutert Dr. Weber zum Genesungsprozess.

Die Angst der Patienten spielt bei Wirbelsäulenoperationen immer eine große Rolle. Viele haben Horrorvorstellungen: Sie denken, sie könnten im Rollstuhl landen, die Nerven könnten verletzt werden oder sie könnten gar nicht mehr laufen. Häufig basiert diese Angst auf Fehlinformationen. 

Hierzu klärt Dr. Weber auf: „Natürlich ist es theoretisch möglich, dass bei einer Operation schwere Schäden auftreten, aber das reale Risiko ist extrem gering. Verglichen mit Flugzeugen oder Schiffen lässt sich sagen: Es gibt kein absolut sicheres System, aber die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich etwas passiert, ist sehr niedrig. Dank moderner Technik wie Operationsmikroskopen, Navigation und jahrelanger Erfahrung von Wirbelsäulenchirurgen sind derartige Komplikationen heutzutage äußerst selten. Die inzwischen weit verbreitete spinale Neuronavigation ist eine Technologie, die eine noch exaktere Schraubenplatzierung ermöglicht und den Patienten dadurch zusätzliche Sicherheit bietet. Interessanterweise ist das Risiko, Nervenschäden zu erleiden, oft sogar höher, wenn man gar nicht operiert. Durch den natürlichen Verlauf der Erkrankung können Nerven kontinuierlich geschädigt werden, was zu Lähmungen führen kann. Solche Lähmungen müssen nicht komplett sein – sie können graduell auftreten, zum Beispiel, wenn ein Patient das Körpergewicht auf einem Bein nicht mehr vollständig auf die Zehenspitzen bringen kann, während andere Bewegungen weiterhin funktionieren. Häufig sind nur einzelne Muskelgruppen betroffen, sodass die Betroffenen die Einschränkungen zunächst gar nicht bewusst wahrnehmen. Sie merken vielleicht nur, dass sie unsicher laufen oder manchmal ein Bein einknickt. In solchen Fällen kann die Operation helfen: Durch die Dekompression der Nerven können sich diese oft wieder erholen und die Kraft zurückkehren. Das bedeutet, dass die zugrundliegende Erkrankung ein höheres Schädigungsrisiko für die Nerven darstellt als die Operation“.

Bewegung ist alles!

Foto Sportliche Frau_KI generiert
Sportliche Frau_KI generiert

Zum Abschluss unseres Gesprächs empfiehlt der Wirbelsäulenspezialist Dr. med. Christoph Weber: „Wenn es um präventive Ratschläge für die Wirbelsäule geht, lautet das Schlagwort eindeutig: Bewegung ist alles! Dabei muss es keine bestimmte Sportart sein – wichtig ist, dass die Betroffenen etwas tun, das ihnen Spaß macht, weil sie es dann regelmäßig und gerne ausüben. Vor allem sollte körperliche Monotonie vermieden werden. Längeres Sitzen am Schreibtisch oder am Computer über mehrere Stunden ist sehr belastend für die Wirbelsäule. Eine einfache, aber wirksame Maßnahme ist es, sich regelmäßige Bewegungspausen einzurichten. Zum Beispiel kann ein Wecker oder eine Erinnerung auf dem Handy helfen, jede Stunde kurz aufzustehen, sich zu strecken oder ein paar Schritte um den Arbeitsplatz zu gehen. Schon solche kleinen Unterbrechungen entlasten die Wirbelsäule und fördern langfristig die Rückengesundheit. Darüber hinaus sind eine ausgewogene Ernährung, das Vermeiden von Übergewicht und Nikotin sowie vor allem bei älteren Patienten eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D sehr zu empfehlen“.

Herzlichen Dank, Dr. Weber, für diese gute Aufklärung rund um die Wirbelsäulenchirurgie!


  • Spezialist für Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie und Radiochirurgie in Zürich.
  • Einsatz des schweizweit ersten ZAP-X-Systems für hochpräzise, ambulante Radiochirurgie von Hirntumoren ohne Operation.
  • Umfassende mikrochirurgische und minimalinvasive Wirbelsäulenoperationen bei degenerativen, traumatischen und tumorösen Erkrankungen.
  • Langjährige klinische Expertise, interdisziplinär vernetzt, inklusive Zweitmeinungen und moderner Patientenbetreuung.