Experteninterviews
Adipositas-Antrag abgelehnt – sind bariatrische Eingriffe im Ausland gefährlich? Experteninterview mit Hristo Nikolaev Kolev
Alexandra Pfitzmann · 1. August 2025
Hristo Nikolaev Kolev ist ein hochqualifizierter Facharzt für Allgemeinchirurgie mit einer klaren Spezialisierung auf die bariatrische Chirurgie. In seiner Privatpraxis Adipositas Chirurgie Westend in Frankfurt am Main begleitet er Menschen mit starkem Übergewicht auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Lebensqualität und Selbstbestimmung. Mit über 300 erfolgreich durchgeführten Adipositas-Eingriffen sowie mehr als 600 endoskopischen Gastroskopien, inklusive der Implantation von Magenballons, zählt Hristo Kolev zu den besonders erfahrenen und versierten Spezialisten seines Fachgebiets.
Sein Leistungsspektrum umfasst moderne Verfahren wie die Sleeve-Gastrektomie, den Mini Gastric Bypass sowie den Roux-en-Y-Magenbypass. Auch komplexe Umwandlungsoperationen – etwa nach vorherigen Sleeve- oder Bypass-Eingriffen – führt Hristo Kolev mit hoher Präzision und unter Anwendung schonender, minimalinvasiver Techniken durch. Dabei verfolgt er stets einen ganzheitlichen, auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Ansatz. Ziel seiner Arbeit ist es, nicht nur das Körpergewicht zu reduzieren, sondern vor allem auch die damit verbundenen Begleiterkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Gelenkschmerzen zu lindern – und so die Lebensqualität seiner Patienten nachhaltig zu verbessern.
Besonderen Wert legt Hristo Kolev auf eine persönliche, respektvolle Betreuung. Vom ersten Beratungsgespräch über die operative Behandlung bis hin zur langfristigen Nachsorge steht er seinen Patienten mit großer Empathie und fachlicher Sorgfalt zur Seite. Dabei wird jede Behandlung individuell auf die gesundheitlichen Voraussetzungen und Wünsche der Betroffenen abgestimmt. Seine zusätzliche Qualifikation als Hygienebeauftragter unterstreicht zudem sein Engagement für höchste Sicherheits- und Qualitätsstandards in der chirurgischen Versorgung. Wer sich mit dem Gedanken an einen bariatrischen Eingriff trägt oder bei einer Ablehnung durch die Krankenkasse nach vertrauensvoller medizinischer Unterstützung sucht, findet in Hristo Kolev einen kompetenten und erfahrenen Ansprechpartner.
Über die Website www.adipositas-chirurgie-westend.de kann ganz unkompliziert ein kostenloser Beratungstermin vereinbart werden – der erste Schritt auf dem Weg zu einem leichteren und gesünderen Leben. Die Beantragung einer bariatrischen Operation bei der Krankenkasse gestaltet sich allerdings häufig problematisch, weil der Eingriff trotz der nachweislichen Wirksamkeit in Deutschland als letzte Maßnahme gilt – also erst dann genehmigt wird, wenn alle anderen konservativen Maßnahmen ausgeschöpft wurden. Einige Patienten sehen ihre Lösung dann im Ausland und lassen sich dort operieren.
Warum das problematisch sein kann, erfuhr die Redaktion des Leading Medicine Guide in einem Gespräch mit dem Adipositas-Spezialisten Hristo Kolev.

Adipositas, umgangssprachlich auch als starkes Übergewicht bezeichnet, ist längst zu einer der drängendsten Gesundheitsherausforderungen unserer Zeit geworden. Sie betrifft nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern ist vor allem eine chronische Erkrankung mit weitreichenden Folgen für den gesamten Organismus. Menschen mit krankhaftem Übergewicht haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Gelenkbeschwerden, bestimmte Krebsarten sowie psychische Belastungen wie Depressionen oder soziale Ausgrenzung.
Die Ursachen von Adipositas sind vielschichtig und reichen von genetischen und hormonellen Einflüssen über Stoffwechselstörungen bis hin zu emotionalem Essverhalten und einem ungesunden Lebensstil. Während konservative Maßnahmen wie Diäten, Bewegung und Verhaltenstherapie in vielen Fällen keine nachhaltige Gewichtsreduktion erzielen, bietet die bariatrische Chirurgie – also operative Verfahren zur Magenverkleinerung oder Umleitung des Verdauungstrakts – nachweislich langfristige Erfolge. In Deutschland ist der Zugang zu solchen Eingriffen jedoch streng geregelt: Wer sich einer bariatrischen Operation unterziehen möchte, muss zuvor einen Bewilligungsantrag bei der Krankenkasse stellen.
Bevor eine bariatrische Operation in Deutschland von der Krankenkasse bewilligt wird, müssen Patienten nachweisen, dass mehrere konservative Maßnahmen über einen längeren Zeitraum hinweg erfolglos geblieben sind.
„Das Thema Adipositaschirurgie ist derzeit besonders aktuell, nicht zuletzt, weil immer mehr Patienten für bariatrische Eingriffe ins Ausland reisen. In Deutschland ist der Zugang zu einer solchen Operation klar geregelt und an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Im Zentrum steht dabei ein strukturierter Stufenplan, der zunächst konservative Maßnahmen vorsieht, bevor eine Operation von der Krankenkasse genehmigt werden kann. Ein zentrales Element dieses Prozesses ist das sogenannte multimodale Konzept (MMK), das in der Regel über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten durchgeführt werden muss.
Ziel ist es, eine nachhaltige Lebensstilveränderung herbeizuführen. Das MMK umfasst Ernährungstherapie, die von qualifizierten Fachkräften durchgeführt wird und eine strukturierte Ernährungsumstellung zum Ziel hat, Bewegungstherapie, die durch Physiotherapeuten oder Sportwissenschaftler dokumentiert wird, sowie gegebenenfalls Verhaltenstherapie und psychologische Unterstützung. Diese Maßnahmen müssen nicht nur absolviert, sondern auch lückenlos dokumentiert werden – inklusive Nachweisen, Stempel und Unterschriften – damit die Krankenkasse den Antrag prüfen kann“, erklärt Hristo Kolev am Anfang unseres Gesprächs.
Nach den aktuellen Leitlinien (z. B. der S3-Leitlinie zur Adipositaschirurgie) ist das multimodale Konzept (MMK) in der Regel vor jeder bariatrischen Operation verpflichtend, auch:
- bei einem BMI ≥ 40 kg/m² (Adipositas Grad III) oder
- bei einem BMI ≥ 35 kg/m² mit schweren Begleiterkrankungen (z. B. Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe).
Eine Ausnahme vom MMK ist nur in seltenen Fällen möglich, zum Beispiel wenn eine lebensbedrohliche Erkrankung vorliegt oder der Patient nachweislich bereits alle konservativen Maßnahmen erfolglos ausgeschöpft hat und diese im MMK nicht erneut durchführbar sind – aber das sind Einzelfallentscheidungen.
Eine bariatrische Operation ist in der Regel dann medizinisch indiziert, wenn ein Body-Mass-Index (BMI) von über 40 kg/m² vorliegt, entsprechend Adipositas Grad III. Auch bei einem BMI ab 35 kg/m² kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, wenn schwerwiegende Begleiterkrankungen bestehen – etwa ein Typ-2-Diabetes mellitus oder eine obstruktive Schlafapnoe, die durch ein Schlaflabor sowie eine fachärztliche Diagnose eindeutig nachgewiesen wurden.
In beiden Fällen ist vor einer Operation jedoch grundsätzlich die Durchführung eines konservativen multimodalen Therapiekonzepts (MMK) erforderlich. Dieses beinhaltet unter anderem Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie über einen definierten Zeitraum. Nur in begründeten Ausnahmefällen kann auf das MMK verzichtet werden, etwa wenn eine Kontraindikation gegen die konservative Therapie vorliegt oder eine dringliche Indikation zur Operation besteht. In der Regel ist der konservative Therapieversuch jedoch verpflichtend.
„Ein weiteres Thema ist der Einsatz von medikamentösen Alternativen wie GLP-1-Rezeptoragonisten (zum Beispiel Wegovy®). Diese werden aktuell nur unter bestimmten Bedingungen von den Krankenkassen übernommen, etwa bei Diabetikern. Für andere Patienten mit einem BMI zwischen etwa 30 und 39 ist diese Therapie eine Option, jedoch ausschließlich als Selbstzahlerleistung.
Auch hier gilt: Nur wenn sich trotz dieser Maßnahmen keine Verbesserung einstellt, kann ein Antrag auf eine Operation Aussicht auf Erfolg haben. Die Argumentation, eine Operation bereits früher zu ermöglichen, ist medizinisch durchaus nachvollziehbar, denn starkes Übergewicht steht in direktem Zusammenhang mit zahlreichen Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Gelenkbeschwerden, Fettleber, Diabetes oder sogar einer verkürzten Lebenserwartung.
Studien zeigen, dass die Lebenserwartung bei langjähriger Adipositas um bis zu zehn Jahre reduziert sein kann. Trotzdem gilt in Deutschland die Operation weiterhin als Ultima Ratio, also als letzter Ausweg, auch aufgrund der damit verbundenen hohen Kosten. Die Krankenkassen legen daher großen Wert darauf, dass alle nichtinvasiven und kostengünstigeren Möglichkeiten zuvor ausgeschöpft wurden“, macht Hristo Kolev deutlich und ergänzt:
„In der Praxis können sich die Anforderungen der verschiedenen Krankenkassen im Detail unterscheiden. Zwar sind die medizinischen Leitlinien weitgehend einheitlich, etwa durch die Deutsche Adipositas-Gesellschaft oder die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie, doch können Krankenkassen beispielsweise unterschiedliche Anforderungen an die Dauer des multimodalen Konzepts oder an die Detailtiefe der Dokumentation stellen.
Einige fordern zwölf Monate statt sechs, andere verlangen sehr präzise Angaben zu Therapieinhalten, Häufigkeit der Beratung oder Bewegungsnachweisen. Im Genehmigungsprozess spielt außerdem der Medizinische Dienst eine zentrale Rolle. Dieser erstellt auf Grundlage aller eingereichten Unterlagen ein unabhängiges Gutachten, in dem die medizinische Notwendigkeit, die Ergebnisse des multimodalen Konzepts sowie das psychologische Gutachten geprüft werden. Dabei wird besonders darauf geachtet, ob der Patient motiviert und ,compliant´ ist, also bereit und in der Lage ist, sich auf die notwendigen langfristigen Verhaltensänderungen einzulassen. Auch mögliche Kontraindikationen für den Eingriff werden bewertet“.
Das deutsche Gesundheitssystem basiert stark auf dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit: Invasive Maßnahmen sollen erst dann erfolgen, wenn risikoärmere Therapien nicht zum Erfolg geführt haben. Auch besteht nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung gegenüber der operativen Adipositastherapie, die teils aus veralteten Vorstellungen über "Disziplinlosigkeit" bei Übergewicht resultiert, teils aber auch aus dem Bemühen um Kosteneffizienz im Gesundheitswesen. Der Zugang zur bariatrischen Chirurgie bleibt daher ein sorgfältig regulierter Prozess, bei dem der langfristige Nutzen und die individuelle Eignung des Patienten im Mittelpunkt stehen.
Bariatrische Eingriffe im Ausland ohne ausreichende Vorbereitung und Nachsorge können ein hohes Risiko für unerwünschte Komplikationen und langfristige gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Eine sorgfältige Planung, umfassende Information und ein strukturierter Nachsorgeplan sind unerlässlich, um den Behandlungserfolg zu sichern und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Deshalb wird in Deutschland großer Wert auf eine interdisziplinäre Betreuung gelegt, die diese Aspekte systematisch berücksichtigt.
„Stellen wir uns vor, ein Patient hat einen BMI von 30, keine Begleiterkrankungen, und der Antrag auf eine bariatrische Operation wird abgelehnt. Der Patient möchte jedoch nicht lange warten und entscheidet sich stattdessen, in die Türkei zu reisen, um sich dort einen Schlauchmagen einsetzen zu lassen. Die Kosten dafür müsste der Patient in der Regel selbst tragen, denn eine deutsche Krankenkasse übernimmt solche Auslandsbehandlungen nicht.
Solche Fälle kommen tatsächlich vor und werden von den Patienten meist selbst finanziert. Die Operationskosten im Ausland liegen nach meinen Informationen deutlich unter den Preisen in Deutschland, meist zwischen 3.000,00 und 6.000,00 Euro. Das wirft natürlich Fragen hinsichtlich der Qualität und Sicherheit dieser Eingriffe auf, denn in Deutschland sind die Kosten für Materialien, Instrumente und Einwegartikel sehr hoch, was sich auch in der hohen Behandlungsqualität widerspiegelt.
Im Ausland variiert die Qualität der Kliniken stark. Es gibt durchaus hochqualifizierte Kliniken und Chirurgen, aber ebenso solche, die nicht den deutschen Standards entsprechen. Wichtig ist, dass die Klinik und der Operateur eine internationale Akkreditierung besitzen und auf die jeweilige Operationsmethode spezialisiert sind. Erfahrung mit der spezifischen Technik ist ebenfalls entscheidend. Hygienestandards können von Klinik zu Klinik sehr unterschiedlich sein, und unzureichende Hygiene erhöht das Risiko von Infektionen und schwerwiegenden Komplikationen nach dem Eingriff.
Ein großes Problem bei Auslandsoperationen ist die Nachsorge. Die Patienten werden oft schon wenige Tage nach der Operation entlassen und reisen zurück nach Deutschland. Durch Sprachbarrieren können Missverständnisse bei der Aufklärung oder den postoperativen Anweisungen entstehen, was die Patientensicherheit beeinträchtigen kann. Viele Patienten verstehen auch nicht genau, welche Nachsorge notwendig ist. Die Nachsorge ist jedoch entscheidend, da ein Mangel daran zu langfristigen medizinischen Komplikationen führen kann.
So benötigen Patienten nach einer bariatrischen Operation unbedingt lebenslange medizinische Betreuung, Ernährungsberatung und oft auch psychologische Unterstützung. Manche Patienten glauben fälschlicherweise, dass nach der Operation keine weiteren Maßnahmen nötig sind, sondern sie einfach abnehmen und alles gut sei. Das ist jedoch nicht der Fall. Aufgrund der Operationen kommt es häufig zu Mangelerscheinungen, beispielsweise an Vitaminen oder Eisen, die sorgfältig ausgeglichen werden müssen, um Folgeschäden zu vermeiden“, zeigt Hristo Kolev auf. 
Für deutsche Ärzte stellt die Behandlung von Komplikationen nach bariatrischen Operationen im Ausland eine erhebliche Herausforderung dar, insbesondere wenn die medizinische Dokumentation unvollständig oder mangelhaft ist. Das erschwert nicht nur die Einschätzung der Ursache der Komplikationen, sondern kann auch dazu führen, dass notwendige Behandlungsmaßnahmen verzögert oder gar nicht erkannt werden.
„Viele Patienten wissen tatsächlich gar nicht genau, welche Operation sie im Ausland erhalten haben. Manche sagen nur, sie hätten eine Magenoperation oder Magenverkleinerung bekommen. Dabei gibt es aber verschiedene Verfahren: Ein Schlauchmagen ist etwas anderes als zum Beispiel ein Omega-Loop-Bypass, bei dem auch der Dünndarm mit dem Magen verbunden wird und der Verdauungstrakt komplett umgestellt wird.
Auch der Roux-en-Y-Bypass ist eine komplexe Operation, bei der zwei Darmschlingen unterschiedlich miteinander verbunden werden – eine am Magenansatz und eine zwischen zwei Darmabschnitten. Wenn ein Patient also nur angibt, er sei ,am Magen operiert´ oder habe eine ,Magenverkleinerung´ bekommen, ist es für uns sehr schwierig, ohne genaue Operationsberichte herauszufinden, welches Verfahren tatsächlich durchgeführt wurde. Oft sind diese Berichte entweder gar nicht vorhanden oder liegen in einer Fremdsprache vor, die wir nicht ohne Weiteres verstehen. Trotzdem müssen wir hier in Deutschland die auftretenden Komplikationen behandeln und beheben. Rechtlich gesehen sind wir dazu verpflichtet, den Patienten bestmöglich zu versorgen, auch wenn wir die ursprüngliche Operation nicht selbst durchgeführt haben“, so Hristo Kolev und schildert noch die häufigsten Herausforderungen:
„Die häufigste Komplikation bei Patienten, die sich im Ausland einen Schlauchmagen haben operieren lassen, ist eine Undichtigkeit der Nahtreihe. Das ist eine schwerwiegende Komplikation und stellt einen Notfall dar, der umgehend behandelt werden muss. Die Patienten kommen dann häufig mit Bauchfellentzündungen und starken Schmerzen zu uns. In solchen Fällen sind oft erneute Operationen notwendig, bei denen die Bauchhöhle gründlich gespült und gereinigt wird. Zudem erfolgt eine weitere Behandlung, bei der ein spezieller Stent im Magen platziert wird, um die undichte Stelle zu überbrücken. Dieser Stent verbleibt in der Regel sechs Wochen, bis die Stelle verheilt ist.
Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Heilung nicht vollständig eintritt. Dann muss eine weiterführende Therapie erfolgen, bei der endoskopisch ein spezieller Schwamm in eine entstandene Höhle, in der sich die Entzündung befindet, eingebracht wird. Dieser Schwamm ist sehr teuer und muss im Verlauf von etwa zwei bis drei Wochen alle drei Tage – also Montag, Mittwoch und Freitag – gewechselt werden, bis die Heilung abgeschlossen ist. Diese Behandlung ist sehr kostenintensiv und stellt eine große Belastung für die Krankenkassen dar“.
Wenn Patienten sich für einen bariatrischen Eingriff im Ausland entscheiden, der in Deutschland nicht genehmigt wurde, können diverse rechtliche und versicherungstechnische Schwierigkeiten auftreten, insbesondere wenn postoperative Komplikationen entstehen.
Hristo Kolev kommentiert dazu: „Wenn ein Patient sich im Ausland operieren lässt und danach Komplikationen auftreten, die in Deutschland behandelt werden müssen, stellt sich die Frage, wie das versicherungstechnisch gehandhabt wird. Grundsätzlich übernehmen die Krankenkassen in Deutschland die Kosten für die Behandlung solcher Komplikationen, unabhängig davon, wo die Erstoperation stattgefunden hat. Deutsche Ärzte sind moralisch und ethisch verpflichtet, jeden Patienten zu behandeln, unabhängig vom Ort der Erstbehandlung. Allerdings kann die Kostenübernahme durch die Krankenkasse in manchen Fällen kritisch sein.
Wenn ein Patient sich bewusst gegen den Rat der Krankenkasse oder ohne medizinische Begründung im Ausland operieren lässt, könnten theoretisch Regressansprüche geltend gemacht werden. Solche Forderungen sind jedoch selten und schwer durchsetzbar, da die Behandlung im Heimatland meist als humanitäre Pflicht angesehen wird“.
Die beliebtesten Länder für solche Operationen sind vor allem die Türkei, Polen oder Tschechien. In der Türkei sind die Operationen oft am günstigten, was viele Patienten anzieht.
„In Deutschland gibt es strenge Standards sowohl bei den Kliniken als auch bei den verwendeten Materialien. Diese hochwertigen Materialien, die in Deutschland verwendet werden, sind oft sehr teuer, während im Ausland teilweise günstigere, aber qualitativ fragwürdige Produkte zum Einsatz kommen könnten. Man weiß nicht immer, wie hochwertig die eingesetzten Instrumente und Materialien tatsächlich sind. Auch wenn es in der Türkei durchaus sehr gute Ärzte gibt, ist das nicht überall der Fall. Aus diesem Grund ist eine klare Warnung angebracht.
Für die eigene Gesundheit sollte man lieber sicherstellen, dass die Operation von erfahrenen Spezialisten mit hochwertigen Materialien durchgeführt wird. Ein weiteres großes Problem ist die Nachsorge. Diese wird in Deutschland oft nur teilweise von den Krankenkassen übernommen, insbesondere die langfristige Nachsorge nicht. Viele Adipositas-Zentren versuchen zwar, die erste Nachsorge mit den von den Krankenkassen gezahlten Pauschalen abzudecken, aber die weiteren Nachsorgetermine und begleitenden Maßnahmen müssen häufig privat bezahlt werden. Dieses Thema ist bei Operationen im Ausland noch schwieriger, da die Nachsorge oft gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist“, hält Hristo Kolev fest.
Eine Nachsorge nach einer Adipositas-Operation ist für die Patienten unbedingt lebenslang notwendig. Viele Patienten kommen nach der Operation in ein Adipositas-Zentrum und berichten, dass sie wieder zugenommen haben oder sich nicht mehr an den Ernährungsplan halten.
„Manche wissen zwar, wie sie sich ernähren sollten, greifen aber trotzdem gelegentlich zu Süßigkeiten. Genau an diesem Punkt müssen die Patienten wieder aktiv werden, erneut zur Ernährungsberatung gehen, mehr Sport treiben oder ein Ernährungstagebuch führen, um herauszufinden, wo genau das Problem liegt. Häufig ist es so, dass viele nur einmal nach der Operation eine Ernährungsberatung erhalten und danach nicht weiter zur Nachsorge gehen, obwohl diese regelmäßig stattfinden sollte. Wenn die Gewichtsreduktion stagniert, muss man genau prüfen, woran das liegt und gezielt dagegen steuern.
Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die lebenslange Einnahme von Supplementen, also von Vitaminen und Mineralstoffen. Hier spielen vor allem die Hausärzte eine entscheidende Rolle, denn sie sind es, die weiterhin die Patienten betreuen und regelmäßig, idealerweise ein- bis zweimal im Jahr, den Spiegel von wichtigen Stoffen wie Eisen, Ferritin, Transferrin, Vitamin B12 und anderen B-Vitaminen kontrollieren müssen. Werden diese Werte zu niedrig, können ernsthafte Mangelerscheinungen auftreten, die sich auch neurologisch auswirken können oder zu Blutarmut führen.
Die Hausärzte sind auch dafür zuständig, die fehlenden Stoffe zu substituieren. Bei Eisenmangel reicht es nicht, dem Patienten einfach eine Tablette zu geben, gerade bei Patienten mit Bypass muss oft eine Eiseninfusion erfolgen, was allerdings kostenintensiv ist. Das führt dazu, dass viele Hausärzte solche Behandlungen nicht durchführen, was die Patienten wieder in einen Teufelskreis bringt“, macht Hristo Kolev deutlich und betont zum Abschluss unseres Gesprächs:
„Zudem ist es so, dass viele Adipositas-Zentren in Krankenhäusern keinen kassenärztlichen Sitz haben und daher Laboruntersuchungen nicht einfach über die Krankenkasse abgerechnet werden können. Das bedeutet, dass Patienten häufig unzufrieden sind, da sie nicht alle notwendigen Nachsorgeleistungen erhalten, und dann zum nächsten Arzt wechseln, was die Situation nicht verbessert. Die Nachsorge sollte also idealerweise vom Hausarzt übernommen werden, doch wenn dieser sich weigert oder nicht mitmacht, müssen die Patienten die Kosten selbst tragen. Leider ist das die Realität, denn die Krankenkassen zahlen für viele dieser notwendigen Nachsorgeleistungen nicht ausreichend.
Es ist ein schwieriges Thema, weil die Krankenkassen oft vor allem an den Kosten orientiert sind und weniger den Patienten in den Mittelpunkt stellen. Jede Behandlung wird streng nach Codes abgerechnet, und oft sind die bereitgestellten Gelder für eine umfassende Betreuung nicht ausreichend. Zudem findet durch die günstigen Angebote im Ausland leider viel Medizintourismus statt, etwa in der plastischen Chirurgie, was allerdings mit hohen Risiken verbunden ist“.
Herzlichen Dank, Herr Kolev, für diese wichtigen mahnenden Worte zu bariatrischen Operationen im Ausland!
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Alexandra Pfitzmann
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Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.
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