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Experteninterview mit Prof. Bisdas über Aortenaneurysma: Früherkennung und moderne Behandlungsmethoden retten Leben

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Alexandra Pfitzmann · 17. Oktober 2025

Professor Dr. Theodosios Bisdas ist ein angesehener Spezialist für Gefäßchirurgie, der die Gefäßchirurgische Klinik am Medizinischen Zentrum Athen leitet. Seine umfassende Ausbildung begann mit einem Medizinstudium an der Aristoteles-Universität Thessaloniki, gefolgt von einer Spezialisierung in der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort promovierte er mit einer wegweisenden Dissertation zur Sicherheit von Gefäßtransplantationen.

Seine Karriere führte ihn an bekannte Forschungseinrichtungen wie das Crossbit Research Center in Hannover und die Mount Sinai School of Medicine in New York, wo er weitere Expertise in der vaskuläre Chirurgie erwarb. Prof. Dr. Bisdas hat bedeutende Beiträge zur Gefäßchirurgie geleistet, insbesondere durch seine Tätigkeit als Oberarzt in der spezialisierten Klinik am St. Franziskus-Hospital in Münster, wo er über 2.000 endovaskuläre Eingriffe durchführte.

Seine akademischen Leistungen umfassen über 150 Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften und die Betreuung zahlreicher Doktorarbeiten. Er ist ein angesehener Redakteur und Gutachter für maßgebliche medizinische Zeitschriften und wirkt in wissenschaftlichen Komitees internationaler Kongresse mit. Sein Engagement wurde durch zahlreiche Auszeichnungen anerkannt, darunter Preise der Deutschen und Europäischen Gesellschaften für Gefäßchirurgie sowie der Vascular Career Advancement Award. Als Experte in der Entwicklung innovativer endovaskulärer Techniken berät er Medizintechnikunternehmen weltweit.

Seine Führungsrolle in der multizentrischen Studie CRITISCH-Register spiegelt sein Streben nach Exzellenz und Innovation in der Behandlung komplexer Gefäßerkrankungen wider. Prof. Dr. Bisdas ist zudem Mitbegründer der Sommerakademie für Gefäß- und Endovaskuläre Chirurgie und Gründer der Plattform Vascupedia, die Wissen rund um die Gefäßchirurgie weltweit verbreitet. Sein humanitäres Engagement zeigt sich in Initiativen wie der Mission Heart Help in Eritrea, die kardiochirurgische Hilfe leistet.

Prof. Dr. Bisdas verkörpert fachliche Brillanz und ein tiefes Engagement für die Weiterentwicklung der Gefäßchirurgie zum Wohle seiner Patienten. Über das oftmals lebensbedrohliche Aortenaneurysma sprach die Redaktion des Leading Medicine Guide mit Prof. Dr. Bisdas und erfuhr mehr über moderne Herangehensweisen und Behandlungsmaßnahmen.

Prof. Theodosios Bisdas

Ein Aortenaneurysma ist eine ernsthafte Gefäßerkrankung, die durch eine gefährliche Erweiterung der Hauptschlagader gekennzeichnet ist. Diese Erkrankung kann lange ohne Symptome verlaufen und wird oft erst entdeckt, wenn sie lebensbedrohliche Dimensionen erreicht. Durch Fortschritte in der medizinischen Diagnostik und innovative Behandlungsmethoden, wie minimalinvasive endovaskuläre Eingriffe, können Aortenaneurysmen heutzutage effektiver behandelt werden. Früherkennung ist dabei entscheidend, um das Risiko zu minimieren und betroffenen Patienten eine verbesserte Lebensqualität zu ermöglichen.

Die Risikofaktoren für die Entwicklung eines Aortenaneurysmas sind vielfältig und oft miteinander verbunden. Zu den wichtigsten gehören arterielle Hypertonie, also Bluthochdruck, der die Wand der Hauptschlagader zusätzlich beansprucht und die Gefahr einer Ausweitung erhöht. Rauchen ist ein entscheidender Risikofaktor, da es die Gefäßwände schädigt, Entzündungen fördert und die Atherosklerose vorantreibt, was die Gefahr einer Aneurysma-Entstehung erhöht. Auch hohe Cholesterinwerte tragen zur Ablagerung von Plaque in den Gefäßen bei und begünstigen die Wandverdünnung.

Ein Aortenaneurysma ist eine spezielle Form eines erweiterten Abschnitts der Aorta, das sich meist schleichend entwickelt und lange unbemerkt bleibt. Die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung eines solchen Aneurysmas sind hoher Blutdruck, also die arterielle Hypertonie, sowie Rauchen und Fettstoffwechselstörungen. Auch eine familiäre Vorbelastung spielt eine bedeutende Rolle. Neben diesen Faktoren erhöht das höhere Lebensalter, insbesondere das Überschreiten des 65. Lebensjahres, das Risiko deutlich.

Darüber hinaus ist das männliche Geschlecht ein wichtiger Risikofaktor, vor allem bei Männern, die rauchen und älter als 65 Jahre sind. Bei dieser Gruppe wird eine gezielte Ultraschalluntersuchung besonders empfohlen, da sie einen hohen Nutzen bei der Früherkennung bietet. Mittlerweile ist diese Untersuchung ein Standard in vielen Ländern und wird im Rahmen der Vorsorge bei Risikopatienten stark empfohlen, um frühzeitig mögliche Aneurysmen zu erkennen und entsprechend zu behandeln“, erklärt Prof. Dr. Bisdas zu Beginn unseres Gesprächs.

Ein Aortenaneurysma ist deshalb so gefährlich, weil es meist unbemerkt bleibt und nur zufällig entdeckt wird, häufig im Rahmen kardiologischer Untersuchungen, die aufgrund anderer Risikofaktoren empfohlen werden.

Prof. Theodosios Bisdas

Da das Aneurysma in den meisten Fällen keine Beschwerden verursacht, bemerken Patienten oft erst etwas, wenn es bereits zu spät ist. Ohne rechtzeitige Diagnose kann das Aneurysma weiterwachsen und im schlimmsten Fall die kritische Größe von 5,5 Zentimetern erreichen, was die Gefahr einer Ruptur erheblich erhöht. Diese Ruptur, die im Bauchraum oder im Brustkorb auftreten kann, ist in den meisten Fällen tödlich, weshalb sie als äußerst gefährlich gilt und in der Fachmedizin als ,tödliche Gefahr´ bezeichnet wird.

Wird das Aneurysma zufällig entdeckt, erfolgt die genaue Diagnose durch weiterführende bildgebende Verfahren. Zunächst wird meist eine Ultraschalluntersuchung, die sogenannte Abdominelle Sonografie, durchgeführt. Bei Verdacht auf ein erweitertes Aneurysma folgt eine CT-Angiografie oder eine MRT, die präzise Aufschlüsse über Größe, Form und Ausdehnung des Aneurysmas liefern. Basierend auf diesen Ergebnissen entscheidet der Arzt, ob eine Behandlung notwendig ist. Maßnahmen sind bei einem Durchmesser über 5,5 Zentimeter oder bei einem schnellen Wachstum von mehr als einem Zentimeter innerhalb eines Jahres angezeigt. In solchen Fällen stehen operative Verfahren zur Wahl.

Die Entscheidung hängt vom individuellen Zustand des Patienten, seiner genetischen Veranlagung, Begleiterkrankungen und Lebenserwartung ab. Aufgrund der Fortschritte bei minimalinvasiven Techniken werden heute fast 90 Prozent der Aneurysmen mithilfe Katheter gestützter Verfahren mit Stentprothesen behandelt, sodass eine schonende, risikoarme Therapie möglich ist“, verdeutlicht Prof. Dr. Bisdas.

Bei Risikogruppen, etwa Personen mit familiärer Vorbelastung oder bekannten Risikofaktoren, sollte regelmäßig eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Bauch- und Brustschlagader durchgeführt werden. Diese nicht invasiven, schmerzfreien Verfahren ermöglichen es, eine Ausdehnung der Aorta frühzeitig sichtbar zu machen, noch bevor Symptome auftreten. Eine konsequente Kontrolle und Änderung riskanter Lebensgewohnheiten wie Rauchen und Bluthochdruck sind die wichtigsten Maßnahmen, um das Risiko einer Aortenaneurysma-Entwicklung erheblich zu verringern.


Die Ultraschalluntersuchung, insbesondere die transabdominale Sonographie, ist das zentrale Screening-Tool bei Verdacht auf ein Aneurysma. Mit ihr können bereits kleine Aneurysmen ab einer Größe von circa 3 cm erkannt werden. Die Computertomographie (CT), speziell die angiographische CT (CTA), bietet eine hochauflösende Ansicht der Aorta und ihrer Wandstruktur. Sie ist besonders dann effektiv, wenn eine detaillierte anatomische Abklärung notwendig ist, z. B. bei unklaren Befunden oder geplanten operativen Eingriffen.

Die CTA ermöglicht eine genaue Messung der Aneurysma-Dimensionen, die Erfassung von Wanddicke, Felsenbildung und möglichen Begleiterscheinungen wie Thromben oder Verengungen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) kommt vor allem bei Patienten zum Einsatz, bei denen eine Strahlenbelastung vermieden werden soll, etwa bei wiederholten Kontrollen oder Schwangeren. Sie liefert ebenfalls hochauflösende Bilder und kann zusätzlich durch spezielle Kontrastmittel noch mehr Details zur Wandstruktur und Begleiterscheinungen liefern.


Die Entscheidung für eine operative oder minimalinvasive Behandlung eines Aortenaneurysmas basiert in erster Linie auf der Größe des Aneurysmas, dem Wachstumstempo sowie individuellen Risikofaktoren des Patienten.

Bei einem Bauchaortenaneurysma (AAA) wird eine Behandlung empfohlen, wenn die Erweiterung 5,5 Zentimeter erreicht oder überschreitet, da bei dieser Größe das Risiko einer Ruptur deutlich ansteigt. Für Brustaortenaneurysmen (thorakale Aneurysmen) liegt die Regelgrenze meist bei 5 Zentimetern, wobei eine frühere Behandlung bei wachsendem Risiko, familiärer Vorbelastung oder bestimmten Begleitfaktoren in Erwägung gezogen wird.

Auch bei kleineren Aneurysmen, die noch unter den Grenzwerten liegen, erfolgt eine individuelle Risikobewertung: Schnelles Wachstum (über 0,5 cm pro Jahr), begleitende Symptome, Instabilität der Wand oder das Vorliegen von Bindegewebserkrankungen können eine frühzeitige Intervention erforderlich machen. Zudem werden Begleitfaktoren wie hoher Blutdruck, Rauchen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen in die Therapieplanung einbezogen.

Prof. Theodosios Bisdas

Bei der Entscheidung für eine klassische offene Operation greifen wir vor allem bei bestimmten Patientengruppen zu dieser Methode. Besonders junge Patienten, die an Syndromen wie MAFAN (Mitral- und Aorten-Fehlbildungen, Anomalien und Nesselsucht) oder LDS (Loeys-Dietz-Syndrom) leiden, bei denen das Bindegewebe des Körpers genetisch bedingt beeinträchtigt ist, benötigen in der Regel eine offene Behandlung. Diese genetischen Erkrankungen sind mit einer Bindegewebsschwäche verbunden, die das Risiko für die Bildung und das schnelle Wachstum großer Aneurysmen erheblich erhöht.

Außerdem entscheiden wir uns bei Patienten, bei denen die anatomischen Voraussetzungen für eine minimalinvasive, endovaskuläre Therapie nicht geeignet sind. Das betrifft beispielsweise sehr kleine Gefäße, die die Passage der Kathetertechnik erschweren oder unmöglich machen, sowie bei sehr großen Aneurysmen, bei denen eine endovaskuläre Behandlung die Gefahr birgt, nicht ausreichend zu wirken oder Komplikationen zu verursachen. Dies sind die drei wichtigsten Indikationen, bei denen die klassische offene Operation die bevorzugte Option ist“, so Prof. Dr. Bisdas.


MAFAN (Mitral- und Aorten-Fehlbildungen, Anomalien und Nesselsucht) ist ein Akronym, das in der Medizin verwendet wird, um ein Syndrom zu beschreiben, das durch bestimmte genetische Fehlbildungen und Erkrankungen gekennzeichnet ist. Im Zusammenhang mit einem Aortenaneurysma bezieht sich MAFAN jedoch auf ein spezielles genetisches Erkrankungsspektrum, bei dem es zu einer erhöhten Anfälligkeit für die Entwicklung von Aneurysmen, insbesondere in der Aorta, kommt. 

Beim Loeys-Dietz-Syndrom (LDS) handelt es sich um eine seltene genetische Erkrankung, die das Bindegewebe betrifft und durch eine Dysfunktion der Kollagen- und Strukturgene gekennzeichnet ist. Das Syndrom ist nach den Forschern Loeys, Dietz, Debakey und Vogt benannt und führt zu einer allgemeinen Bindegewebsschwäche, die sich besonders in der Ausdehnung und Gefahr von Aneurysmen (einschließlich in der Aorta) zeigt. Es erhöht das Risiko für die Entwicklung umfangreicher und meist sehr schnell wachsender Aneurysmen, die, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden, zu lebensbedrohlichen Rissen oder Dissektionen führen können. 


Zur Behandlung eines Aortenaneurysmas stehen heute mehrere moderne, innovative Verfahren zur Verfügung, die sich in ihrer Technik, den Risikoabwägungen und den Heilungsaussichten unterscheiden. Die beiden Hauptansätze sind die klassische offene Operation und die minimalinvasive endovaskuläre Aneurysma-Repair-Methode.

Die endovaskuläre Behandlung eines Aneurysmas ist heute bei vielen Patienten die bevorzugte Methode, da sie weniger invasiv ist, kürzere Krankenhausaufenthalte ermöglicht und ein geringeres perioperatives Risiko birgt. Dabei führt man die Therapie durch zwei kleine Schnitte in der Leiste durch, durch die Drähte eingeführt werden, die als Laufbahn für Stents, Ballons und andere Geräte dienen. Mit Hilfe eines Kontrastmittels, das aus Jod besteht, wird die Aorta sichtbar gemacht. Eine Herausforderung bei dieser Methode ist jedoch, dass das Kontrastmittel bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, etwa bei Niereninsuffizienz, sorgfältig dosiert werden muss, um Nierenschäden zu vermeiden.

Im Operationsteil wird der Stent genau in die Aorta eingesetzt, so dass das Blut durch den Stent fließt und das Aneurysma – also der geschwächte Abschnitt der Gefäßwand – vom Blutdruck entlastet wird. Dadurch verringert sich der Druck auf die Aneurysma-Wand erheblich, was die Gefahr einer Ruptur auf null reduziert. Die Dauer der Operation hängt vom Umfang des Aneurysmas ab.

Bei einem reinen Bauchhaut-Aneurysma dauert die Prozedur etwa eine Stunde und kann sogar ohne Vollnarkose erfolgen. Wenn jedoch die wichtigen Seitenäste der Aorta, wie Nieren- oder Darmarterien, involviert sind, wird die Operation komplexer. Dann sind individuell angefertigte Prothesen mit eingebauten Seitenästen erforderlich, was die Operationszeit auf drei bis vier Stunden verlängert. Trotz der längeren Dauer bleibt die Sicherheit und Effektivität dieser Verfahren auf dem gleichen hohen Niveau wie bei Standardoperationen“, konstatiert Prof. Dr. Bisdas und führt weiter aus:

Besondere Herausforderungen bestehen bei sehr komplexen Aneurysmen, bei denen die gesamte Aorta betroffen ist. Hier besteht die Gefahr, dass die Versorgung wichtiger Organe wie der Wirbelsäule, der Nieren oder des Darms beeinträchtigt wird, was unter Umständen zu Paraparesen oder Paraplegien führen kann. Die endovaskuläre Therapie gilt grundsätzlich als sichere und effektive Option.

Im Vergleich dazu steht die offene Operation, bei der der Bauch eröffnet wird. Dieses Verfahren ist deutlich aufwendiger, erfordert längere Erholungszeiten und einen längeren Krankenhausaufenthalt. Dafür kann die komplette Aorta durch eine künstliche Prothese ersetzt werden, was einem endgültigen Abschluss der Gefahr durch das Aneurysma gleichkommt. Allerdings bringt diese Methode Risiken mit sich, etwa Komplikationen im Zusammenhang mit den umliegenden Organen, Verletzungen von Darm oder Harnleitern sowie die Gefahr einer Protheseninfektion, was bei etwa zwei Prozent der Fälle langfristig auftreten kann.

Solche offenen Eingriffe dauern in der Regel drei bis vier Stunden und erfordern eine Intensivstation. Für jüngere Patienten ist die offene Operation häufig gut verträglich, weil sie in der Regel keine erheblichen Vorbelastungen haben. Für ältere oder Herz-Kreislauf-geschädigte Patienten ist die endovaskuläre Behandlung jedoch die bevorzugte Wahl, da sie weniger belastend ist und eine schnellere Rückkehr in den Alltag ermöglicht“.

Wird ein Aneurysma in einem frühen Stadium erkannt, bevor es zu größeren Ausdehnungen oder zum Auftreten von Symptomen kommt, besteht die Chance, das Risiko eines Risses oder einer lebensbedrohlichen Ruptur erheblich zu minimieren.

In diesem frühen Stadium kann oft eine überwachte Beobachtung mit regelmäßigen Kontrollen erfolgen, um das Wachstum zu überwachen und nur bei Überschreiten bestimmter Größe oder bei beschleunigtem Wachstum aktiv zu intervenieren. Dadurch lassen sich Eingriffe in einem stabilen, gut absehbaren Zustand durchführen, was die Erfolgsaussichten deutlich erhöht und Komplikationen reduziert.

Hierzu kommentiert Prof. Dr. Bisdas: „Viele Patienten kommen mit der Diagnose eines Bauchaortenaneurysmas und stellen die Frage, warum im Zweifelsfall nicht sofort eine Operation erfolgt. Besonders bei Aneurysmen um die vier Zentimeter, die noch kein akutes Risiko darstellen, wird oft die Entscheidung getroffen, zunächst abzuwarten. Die Antwort darauf basiert auf umfangreichen Studien, insbesondere einer großen europäischen, multizentrischen Untersuchung.

Dabei wurde festgestellt, dass bei kleinen Aneurysmen die Vorteile einer frühen endovaskulären Behandlung nicht eindeutig sind, weil die Gefäße noch sehr klein und eng sind. Das führt zu einer hohen Zahl an Frühverschlüssen der Prothesen, was keinen Überlebensvorteil bringt. Es kann durchaus sein, dass ein Patient mit einem vier Zentimeter großen Aneurysma durch konsequente konservative Behandlung, also durch Medikamente wie Statine, Blutdrucksenker und Aspirin, keine Zunahme des Durchmessers erlebt.

Solange sich das Aneurysma nicht vergrößert, kann er bis zu zehn Jahre ohne Operation auskommen. Eine Ausnahme besteht bei sakulären Aneurysmen, bei denen nur eine Seite der Aorta betroffen ist und die Wandbeschaffenheit gefährdet sein kann. Solche Formen stellen ein höheres Risiko für eine Ruptur dar, und bei ihnen wird die Behandlung in jedem Fall empfohlen. Die meisten kleinen Aneurysmen verursachen keine Symptome. Wenn Beschwerden auftreten, sind sie meist bei Aneurysmen um die 3,5 bis 4,5 Zentimeter zu finden, wobei die Ursachen häufig mit einer Entzündung der Wand zu tun haben, die die Nerven im Darm reizt. In solchen Fällen steht die Reduktion der Entzündung im Mittelpunkt der Behandlung“.

Bei einem drei Zentimeter großen Aneurysma ist es ausreichend, einmal jährlich eine Ultraschalluntersuchung durchzuführen, um die Entwicklung zu beobachten.

Faktoren, die das Wachstum begünstigen, sind individuell verschieden, aber es gibt klare Empfehlungen, die jeder Patient beachten sollte. Der Blutdruck sollte gut kontrolliert werden und notfalls mit entsprechenden Medikamenten eingestellt werden. Das Rauchen muss sofort aufgegeben werden, da es direkt mit dem Wachstum des Aneurysmas verknüpft ist.

Ebenso sind eine Behandlung der Fettstoffwechselstörungen und die Einnahme von Statinen wichtig, weil diese das Aneurysma stabilisieren und die Wand stärken. Wichtig ist außerdem, körperliche Überanstrengung zu vermeiden und auf eine gesunde Körpergewichtsentwicklung zu achten“, hält Prof. Dr. Bisdas fest.

Wenn bei einem Patienten nach einer offenen Operation die Aortenprothese eingesetzt wurde, gilt grundsätzlich die Aussage, dass die Behandlung damit abgeschlossen ist. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass sich im Bereich der Aorta, wo die Prothese nicht ersetzt wurde, später weitere Aneurysmen entwickeln können.

Dieses Risiko ist zwar relativ gering, doch wir beobachten gelegentlich Aneurysmen im Bereich der Anastomose, also dort, wo die Prothese an die Aorta genäht wurde. Daher empfehlen wir keine standardmäßige Kontrolle innerhalb der ersten fünf Jahre, sondern eine individuell abgestimmte Nachsorge. Bei Patienten, die mit einem Stent behandelt wurden, sieht das Kontrollprotokoll anders aus. Nach der Behandlung erfolgen in der Regel eine sofortige Kontrolle, dann Ultraschallkontrollen nach drei, sechs und zwölf Monaten sowie jährlich für mindestens fünf Jahre.

Sollte während dieser Kontrollen eine Abnahme des Aneurysma-Durchmessers beobachtet werden, ist meist kein weiteres Eingreifen notwendig. Eine Ausnahme bildet der sogenannte Endo-Leak, bei dem weiterhin Blut außerhalb der Prothese im Aneurysmensack nachweisbar ist. Das bedeutet, dass der Arzt die Leckage genau untersuchen muss, um seine Ursache zu klären. Dabei werden verschiedene Typen von Endoleaks unterschieden, wobei die gefährlichste die sogenannte Typ-1-Variante ist, bei der die Prothese nicht optimal an das Gefäß angepasst wurde. Das kann dazu führen, dass weiterhin Blut in den Aneurysmensack läuft, was in der Regel auf eine unzureichende Auswahl der Prothese oder weitere Aneurysmaentwicklung zurückzuführen ist. Typ 2-Endoleaks sind häufig und beschreiben den Blutfluss in den Aneurysmensack, der meist innerhalb der ersten zwölf Monate durch Thrombose der Seitennähte verschlossen wird und oft keine weitere Behandlung erfordert.

Sollte das Blut jedoch durch große Seitennähte weiterhin fließen oder das Aneurysma deutlich wachsen, kann eine zweite Level-Intervention, wie eine Embolisation, notwendig werden. Weitere Typen, wie die sogenannte Disconnection (die Prothese ist nicht mehr vollständig an das natürliche Gefäß angeschlossen) oder die Lochbildung der Prothese, treten äußerst selten auf, meist bei sehr frühen Generationen der Prothesen, und erfordern in Extremfällen eine Entfernung der Prothese. Insgesamt ist zu sagen, dass moderne Prothesen in der Regel ein Leben lang im Körper verbleiben. Nur bei Komplikationen, wie beispielsweise einem Aneurysma, das trotz Prothese weiterwächst, oder bei schwerwiegender Prothesenfehlfunktion, ist ein Austausch notwendig, was eine sehr riskante Operation darstellt“, betont Prof. Dr. Bisbas.

Im Athens Medical Center werden jährlich ca. 100-150 Aneurysma-Operationen durchgeführt. Die endovaskuläre Behandlung gilt dabei als Goldstandard.

Prof. Theodosios Bisdas

Gerade in diesem Bereich profitieren die Patienten erheblich von den modernen Technologien, insbesondere in sogenannten Hybridräumen, die wir haben – eine Kombination aus guter Bildgebung und steriler Umgebung. In diesen speziell ausgestatteten Räumen können wir die Strukturen mithilfe von Röntgenstrahlen sehr präzise erkennen, was für die sichere Durchführung der Operationen unabdingbar ist. Diese Hybridräume sind so konzipiert, dass sie steril bleiben und gleichzeitig bei Komplikationen jederzeit offen chirurgisch operiert werden können, ohne die Sterilität zu gefährden.

Dank der Software und der technischen Entwicklungen in diesen Räumen ist es heute möglich, Operationen mit weniger Strahlung und mit weniger nephrotoxischen Kontrastmitteln durchzuführen. Wir verfügen auch im Athens Medical Center über solche Hybridräume. Unsere Erfahrung umfasst komplexe Eingriffe von der Behandlung des Aortenbogens bis hin zu den speziellen Gefäßen im Bereich des Abdomens. In unserem Zentrum führen wir eine breite Palette an Eingriffen durch, wobei die technologischen Möglichkeiten die Sicherheit und Effizienz der Operationen deutlich verbessern“, stellt Prof. Dr. Bisdas heraus.

Zur Vermeidung eines Aortenaneurysmas oder zur Verzögerung seines Fortschreitens sind vor allem lebensstilbezogene Maßnahmen und eine sorgfältige medizinische Betreuung entscheidend.

Zum Abschluss unseres Gesprächs gibt Prof. Dr. Bisbas noch Empfehlungen zur Prophylaxe: „Die wichtigsten präventiven Maßnahmen zur Vermeidung eines Aneurysmas bestehen in einem gesunden Lebensstil. Dazu gehört die konsequente Kontrolle des Blutdrucks, der Verzicht auf Rauchen, eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung sowie regelmäßige Bewegung. Es ist außerdem entscheidend, Fettstoffwechselstörungen frühzeitig zu behandeln und bei bekanntem Aneurysma körperliche Überbelastung zu vermeiden. Besonders bei Patienten mit familiärer Vorbelastung sollte eine ärztliche Beratung erfolgen. Auch nach der Diagnose können gezielte Änderungen des Lebensstils dazu beitragen, das Wachstum eines Aneurysmas zu verlangsamen oder sogar zu stoppen, was die Prognose deutlich verbessert!“.

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Über den Fachautor

Alexandra Pfitzmann

Redakteurin

Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.

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Porträt Prof. Theodosios Bisdas, MD, PhD, FACS

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