Experteninterviews
Zukunftssichere Kardiologie, Ausbau der Interventionen, strategische Partnerschaften und strukturelle Stärke in der Krankenhausreform, Experteninterview mit Prof. Frank Breuckmann
Alexandra Pfitzmann · 7. Juli 2025
Mit Professor Dr. med. Frank Breuckmann hat die Klinik Kitzinger Land einen international anerkannten Kardiologen gewonnen, der Herzmedizin auf universitärem Spitzenniveau in die Region bringt. Als Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin vereint er langjährige klinische Erfahrung, tiefgreifende wissenschaftliche Expertise und eine außergewöhnliche Leidenschaft für die Patientenversorgung. Prof. Dr. Breuckmann zählt zu den führenden Spezialisten im Bereich der kardiovaskulären Medizin – mit besonderen Schwerpunkten auf koronaren Herzerkrankungen, Herzinfarktbehandlung und moderner Herzbildgebung.
Frühzeitig engagierte sich Prof. Dr. Breuckmann für die strukturierte Notfallversorgung bei unklaren Brustschmerzen. Als Mitautor des ersten offiziellen Positionspapiers zur Etablierung sogenannter „Chest Pain Units“ in Deutschland trieb er diese zukunftsweisende Entwicklung entscheidend mit voran. Sein Wirken trägt damit bis heute zur verbesserten Überlebensrate bei Herzinfarktpatienten bei. Auch bei der Behandlung von Schlaganfällen bringt der erfahrene Intensiv- und Notfallmediziner seine umfassende Kompetenz ein: Die enge Verzahnung von Kardiologie und Neurologie – insbesondere in der zertifizierten Stroke Unit der Klinik – ermöglicht eine rasche, fachübergreifende Versorgung auf höchstem Niveau. Besonderen Wert legt Prof. Dr. Breuckmann auf moderne Diagnostik: Herz-CT, Herz-MRT und andere bildgebende Verfahren spielen in seiner täglichen Arbeit eine zentrale Rolle.
Durch seine internationalen Qualifikationen auf diesem Gebiet können Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig erkannt und individuell behandelt werden – auch im Rahmen von Präventionsprogrammen und Check-ups. Die Patienten profitieren von einer erstklassigen Versorgung, die auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert – kombiniert mit persönlicher Zuwendung und einem tiefen Verständnis für die individuellen Bedürfnisse. Mit seinem Wechsel an die Klinik Kitzinger Land stärkte Prof. Dr. Breuckmann nicht nur das kardiologische Leistungsprofil der Region, sondern macht deutlich: Hochspezialisierte Medizin auf internationalem Niveau ist auch außerhalb universitärer Großkliniken möglich – dort, wo die Menschen leben.
Die Redaktion des Leading Medicine Guide hatte Gelegenheit, mit Prof. Dr. Breuckmann über die Neuerungen innerhalb der Kardiologie sowie über die Neustrukturierung der gesamten Klinik zu sprechen.

Die Klinik Kitzinger Land setzt ein klares Zeichen für die Zukunft der kardiovaskulären Versorgung: Mit dem Ausbau eines hochmodernen Herzkatheterlabors erweitert das Haus seine interventionellen Möglichkeiten entscheidend – insbesondere im Bereich der koronaren Herzerkrankungen und strukturellen Herzeingriffe. Zeitgleich markiert die strategische Fusion mit der Partnerklinik Main-Klinik Ochsenfurt zum 1. Januar 2026 einen bedeutenden Schritt hin zu einer leistungsfähigen, vernetzten Versorgungsstruktur, die medizinische Synergien gezielt nutzbar macht. Inmitten der bundesweiten Krankenhausreform stellt sich die Klinik damit nicht nur dem strukturellen Wandel, sondern nimmt aktiv eine Vorreiterrolle ein: durch Innovation, interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein zukunftsfestes Versorgungskonzept, das regionale Stärke mit universitärem Anspruch verbindet. 
Geplant ist die Gründung eines gemeinsamen Kommunalunternehmens zum 1. Januar 2026. Der reguläre Betrieb soll ab dem 1. Januar 2027 aufgenommen werden. In der Zwischenzeit sind zahlreiche organisatorische und konzeptionelle Fragen zu klären. Ziel der Fusion ist es, vorhandene Ressourcen zu bündeln und Synergiepotenziale zu erschließen. Beide Klinikstandorte sollen weiterhin über zentrale Versorgungsstrukturen verfügen.
Sowohl in Kitzingen als auch in Ochsenfurt sind die Aufrechterhaltung von Notaufnahmen, der Allgemeinen Chirurgie, der Inneren Medizin sowie von Intensivkapazitäten vorgesehen. Bestehende medizinische Schwerpunkte – wie die Kardiologie und Geburtshilfe in Kitzingen sowie die Urologie in Ochsenfurt – sollen ebenfalls bestehen bleiben. Hintergrund der Entscheidung ist unter anderem die anstehende bundesweite Krankenhausreform, die zum 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Diese bringt insbesondere für kleinere Krankenhäuser strukturelle und wirtschaftliche Herausforderungen mit sich und verfolgt unter anderem das Ziel, medizinische Leistungen stärker zu spezialisieren. Seit Anfang 2025 tragen Prof. Dr. Frank Breuckmann und sein Stellvertreter Dr. Andreas Cramer die Verantwortung für die ärztliche Leitung an der Klinik Kitzinger Land. Mit Blick auf die bevorstehende Krankenhausreform stehen sie dabei vor anspruchsvollen strukturellen und strategischen Aufgaben. 
Prof. Dr. Breuckmann erklärt dazu: „Die geplante Fusion zwischen unserer Klinik und der Partnerklinik zielt darauf ab, für beide Einrichtungen einen spürbaren Mehrwert für die Patienten zu schaffen. Durch die Bündelung des medizinischen Know-hows aus unterschiedlichen Fachbereichen entsteht eine breitere und qualitativ hochwertige Versorgungsstruktur. Wir können modernste Technik gemeinsam nutzen und das Behandlungsangebot an beiden Standorten besser aufeinander abstimmen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass auch das Personal standortübergreifend eingesetzt werden kann. Das ermöglicht nicht nur eine engere Zusammenarbeit, sondern auch die gemeinsame Behandlung komplexer Fälle. So profitieren die Patienten von der höchsten fachlichen und strukturellen Kompetenz beider Häuser – unabhängig davon, wo sie sich gerade befinden. Darüber hinaus erlaubt die Fusion eine effizientere Nutzung bestehender Strukturen: Doppelungen können besser ausgelastet oder perspektivisch abgebaut werden, wodurch Ressourcen für neue diagnostische oder therapeutische Angebote frei werden.
Ziel ist es, die Patientenversorgung so zu steuern, dass Wege kürzer werden, gleichzeitig aber beide Klinikstandorte erhalten bleiben. So sichern wir die wohnortnahe Grundversorgung und ergänzen sie durch spezialisierte Leistungen an den jeweiligen Standorten. Letztlich setzen wir damit um, was in der Theorie oft gefordert wird: eine stärkere Zentralisierung medizinischer Leistungen – allerdings ohne dabei auf die Strukturen und Nähe einer Universitätsklinik angewiesen zu sein. Wir zeigen, dass sich eine solche Entwicklung auch im kommunalen Raum umsetzen lässt. Nur durch eine solche Bündelung ist es künftig überhaupt möglich, das bisherige medizinische Leistungsspektrum dauerhaft aufrechtzuerhalten. Dazu braucht es eine Krankenhausgröße, die den Anforderungen der verschiedenen Leistungsgruppen gerecht wird. So können wir gezielt einzelne Bereiche weiter ausbauen und vertiefen. Unser Einzugsgebiet umfasst vor allem den Landkreis Kitzingen sowie Teile des angrenzenden Landkreises Würzburg. Im Würzburger Raum sind allerdings weitere große Anbieter tätig, darunter die Universitätsklinik als Maximalversorger sowie das Krankenhaus Klinik Würzburg Mitte. Wir würden uns mit der Fusion also in ein bereits vielfältiges Versorgungsnetzwerk eingliedern und dieses sinnvoll ergänzen“. 
Die Klinik Kitzinger Land verfügt über 200 Betten und beschäftigt rund 730 Mitarbeitende. Pro Jahr werden dort etwa 10.000 Patienten stationär versorgt und rund 5.000 operative Eingriffe durchgeführt. Die Main-Klinik Ochsenfurt zählt 140 Betten und rund 500 Mitarbeitende. Dort werden jährlich rund 6.500 stationäre Behandlungen und etwa 4.000 Operationen vorgenommen.
Die Fusion der Klinik Kitzinger Land mit der Main-Klinik Ochsenfurt eröffnet vielfältige Chancen für medizinische und strukturelle Synergien. Ein zentraler Vorteil liegt in der gemeinsamen Nutzung von fachlicher Expertise: Spezialisierte Ärzte sowie pflegerisches Fachpersonal können künftig standortübergreifend eingesetzt werden, was die Versorgungssicherheit verbessert und gleichzeitig eine effizientere Personaleinsatzplanung ermöglicht.
Auch technologisch ergeben sich Vorteile: Medizintechnische Großgeräte müssen nicht doppelt vorgehalten werden, sondern können gezielter genutzt und durch gebündelte Investitionen auf einem hohen Niveau gehalten werden. Dies steigert die Wirtschaftlichkeit und ermöglicht den Ausbau modernster Behandlungsmethoden. Strukturell profitieren beide Standorte durch abgestimmte Versorgungsmodelle. So können beispielsweise Notaufnahmen, Intensivstationen und Fachabteilungen gezielt miteinander verzahnt werden, um Überkapazitäten zu vermeiden und Patienten schneller in die jeweils bestgeeignete Einrichtung zu lotsen. Darüber hinaus erlaubt die Zusammenführung der administrativen und logistischen Prozesse eine Verschlankung der Strukturen, ohne dass Versorgungsqualität oder Erreichbarkeit eingeschränkt werden. https://www.youtube.com/watch?v=hte-RxdS1OU
„Eine klare Trennung nach dem Motto ,Die Klinik Kitzinger Land bietet dies, was der Klinik Ochsenfurt fehlt – und umgekehrt´ lässt sich in dieser Form nicht ziehen. Vielmehr handelt es sich um eine Partnerschaft, bei der Synergien und komplementäre Strukturen gezielt genutzt werden sollen. Das Ziel ist eine Fusion auf Augenhöhe, bei der beide Standorte eine gleichwertige Rolle einnehmen. An beiden Häusern wird eine sogenannte Mindestvorhaltung gewährleistet – das bedeutet, dass sowohl eine grundlegende internistische Versorgung als auch eine allgemeinchirurgische Versorgung, die Notfallversorgung und damit verknüpfte intensivmedizinische Leistungen dauerhaft sichergestellt werden sollen.
Diese Mindestvorhaltungen bestehen bereits heute an beiden Standorten. Darüber hinaus setzen die einzelnen Kliniken zusätzliche fachliche Schwerpunkte. So ist beispielsweise am Standort Kitzingen die invasive Kardiologie etabliert – einschließlich zweier Herzkatheterlabore – und würde im Rahmen der Fusion auch ausschließlich dort weitergeführt werden, da hier bereits die notwendige Infrastruktur besteht. Ebenso ist die Klinik Kitzinger Land infrastrukturell auf die Versorgung im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe spezialisiert. Die Fusion soll also nicht dazu führen, dass Leistungen einfach abgeschafft oder verschoben werden, sondern dass sie dort gestärkt und weitergeführt werden, wo bereits solide Strukturen vorhanden sind. Auf diese Weise wird nicht nur die medizinische Qualität gesichert, sondern auch eine stabile, wohnortnahe Versorgung für die Bevölkerung in beiden Regionen gewährleistet“, verdeutlicht Prof. Dr. Breuckmann.
Die im Oktober 2024 vom Bundesministerium für Gesundheit beschlossene Krankenhausreform verfolgt das Ziel, die Qualität der stationären Versorgung zu verbessern und gleichzeitig eine stabile medizinische Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen sicherzustellen. Zugleich basiert die Reform auf der Einschätzung, dass die derzeitige Anzahl von rund 1.700 Krankenhäusern in Deutschland – die europaweit höchste Klinik- und Bettendichte – strukturelle Überkapazitäten verursacht, die mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden sind.
Das neue Herzkatheterlabor ermöglicht eine erweiterte Palette an interventionellen Verfahren, die die Akutversorgung von Patienten mit koronarer Herzkrankheit sowie strukturellen Herzfehlern erheblich verbessert. Dazu zählen unter anderem komplexe Koronarinterventionen wie die Behandlung von Mehrgefäßerkrankungen, chronischen Totalverschlüssen und hochriskanten Stentimplantationen.
„Das neue Herzkatheterlabor stellt einen bedeutenden Fortschritt in der regionalen kardiologischen Versorgung dar und ist gezielt darauf ausgelegt, insbesondere Notfallpatienten noch schneller und umfassender behandeln zu können. Ein zentraler Aspekt ist dabei die 24/7-Verfügbarkeit für akute Herzinfarkte. Mit der Einrichtung eines zweiten Katheterlabors wurde die Voraussetzung geschaffen, dass auch bei längeren elektrophysiologischen oder planbaren Eingriffen jederzeit ausreichend Kapazitäten für Notfallbehandlungen zur Verfügung stehen. Während bislang ein einzelnes Labor unter Umständen über Stunden durch komplexe Prozeduren belegt war, können nun beide Labore flexibel genutzt werden – das eine mit Schwerpunkt auf akuter Notfall- und Infarktversorgung, das andere eher auf elektive und elektrophysiologische Leistungen.
Die räumliche Nähe des neuen Labors zur Notaufnahme, zur kardiologischen Funktionsdiagnostik und zur derzeit im Bau befindlichen Intensivstation schafft eine kompakte, hochspezialisierte Notfalleinheit. Auch aus technischer Sicht sind beide Labore auf dem neuesten Stand – sie verfügen über identische Großgeräte, sodass alle Formen kardiologischer Interventionen flexibel durchführbar sind. Neu hinzugekommen sind außerdem besondere therapeutische Möglichkeiten wie der Einsatz von Herzunterstützungssystemen, etwa die sogenannte Impellatherapie mit Mikroaxialpumpe zur Behandlung eines kardiogenen Schocks (ein Verfahren der mechanischen Kreislaufunterstützung). Auch bei besonders komplexen Eingriffen, wie etwa bei stark verkalkten Gefäßen oder chronischen Gefäßverschlüssen, bietet das Labor mit Verfahren wie Lithotripsie und doppelter intravaskulärer Bildgebung neue Optionen“, so Prof. Dr. Breuckmann und führt weiter aus:
„Zudem wird das Leistungsspektrum weiter ausgebaut. Dazu gehört neben der Versorgung struktureller Herzerkrankungen – wie dem interventionellen Verschluss kleiner Vorhofscheidewanddefekte – auch die geplante Einführung interventioneller Therapien bei Bluthochdruck und die Ausweitung auf AV-Klappentherapien. Besonders erwähnenswert ist auch die Integration chirurgischer Eingriffe in das Katheterlabor: Schrittmacher, Defibrillatoren und komplexe Aggregatsysteme werden nun ebenfalls hier implantiert. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurde das neue Labor nicht nur als konventionelles Katheterlabor, sondern mit der Luftreinigungsklasse 1b als Hybrid-OP konzipiert – eine Kombination aus modernster Interventionstechnik und chirurgischer Infrastruktur. Damit positioniert sich die Klinik zukunftssicher mit einem klaren Fokus auf die Leistungsgruppen akute Herzinfarktversorgung, koronare Intervention, Rhythmustherapie (inklusive Ablation und EPU) sowie strukturelle Herzerkrankungen – ein Gesamtpaket, das sowohl medizinisch als auch infrastrukturell weit über den bisherigen Standard hinausgeht“. 
Der Großteil der Patienten, die im Herzkatheterlabor behandelt werden, leidet an koronarer Herzkrankheit oder an damit verbundenen Durchblutungsstörungen. Genau darauf liegt auch der zentrale Versorgungsauftrag der Abteilung: Akute koronare Syndrome und Herzinfarkte müssen schnell diagnostiziert und unmittelbar behandelt werden können.
Hierzu konkretisiert Prof. Dr. Breuckmann: „Diese Patientengruppe bildet das Rückgrat der kardiologischen Versorgung, da sie sowohl notfallmäßig aufgenommen als auch im Anschluss weiter stationär betreut wird – je nach Schweregrad der Erkrankung und Art der Intervention. Im Zuge der geplanten Fusion entstehen zusätzliche Ressourcen, die sowohl den stationären Aufenthalt dieser Patienten als auch eine gezielte Weiterbehandlung ermöglichen. Die genaue Zuordnung der Patienten zu den jeweiligen Standorten wird derzeit im Rahmen eines medizinischen Gesamtkonzepts festgelegt. Ziel ist es, die Behandlungspfadplanung so zu gestalten, dass sie ideal zum jeweiligen Leistungsschwerpunkt passt. Dadurch soll eine noch effizientere Patientensteuerung zwischen den beiden Häusern erreicht werden. Interessanterweise kommen die Patienten schon heute nicht nur aus dem Landkreis Kitzingen, sondern vermehrt auch aus dem angrenzenden Raum Würzburg und dessen Umgebung.
In Anbetracht der zunehmenden Wartezeiten und begrenzten Kapazitäten in anderen Einrichtungen besteht die berechtigte Annahme, dass künftig auch mehr überregionale Patienten das gebündelte, hochqualitative Versorgungsangebot in Anspruch nehmen werden – insbesondere dann, wenn es um komplexe oder spezialisierte kardiologische Eingriffe geht. Durch die strukturellen und technischen Veränderungen in der neuen Klinikstruktur sind sowohl kurzfristig als auch langfristig deutliche Verbesserungen in der Patientenversorgung zu erwarten. Kurzfristig führt die erweiterte technische Ausstattung, insbesondere das neue Herzkatheterlabor, zu einer schnelleren und präziseren Diagnostik sowie Behandlung in der Notfallmedizin. Patienten mit akuten kardiologischen Ereignissen, wie Herzinfarkten oder Herzrhythmusstörungen, profitieren von einer rascheren Intervention, was die Überlebenschancen erhöht und Komplikationen reduziert“.
Die aktuelle Entwicklung rund um die Krankenhausreform und den damit einhergehenden Trend zur Zentralisierung wird vielerorts mit Sorge betrachtet – insbesondere in Bezug auf ihre Umsetzbarkeit für Kliniken, Ärzte und Patienten.
„Zwar ist das Ziel, die medizinische Versorgung durch Konzentration auf bestimmte Kernkompetenzen zu verbessern, grundsätzlich nachvollziehbar, doch in der Praxis zeigt sich die Umsetzung als äußerst komplex. Viele Krankenhäuser, vor allem solche, die keine Maximalversorger sind, werden ihr bisheriges Leistungsspektrum voraussichtlich nicht in vollem Umfang beibehalten können. Stattdessen sollen sie sich auf definierte Kernleistungen fokussieren, in der Hoffnung, durch höhere Fallzahlen in diesen Bereichen auch die Qualität zu steigern – ob das tatsächlich gelingt, bleibt allerdings offen. Diese Einschränkungen führen dazu, dass die Versorgungsangebote einzelner Kliniken stark schwanken werden.
Für Patienten bedeutet das mitunter längere Anfahrtswege, weil Leistungen, die bislang wohnortnah angeboten wurden, künftig nur noch an weiter entfernten spezialisierten Standorten verfügbar sind. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob diese Zentren überhaupt über die nötigen Kapazitäten verfügen, um zusätzliche Patientengruppen aufzunehmen – insbesondere unter den derzeitigen Bedingungen des akuten Fachkräftemangels, der längst nicht mehr nur Grund- und Regelversorger betrifft, sondern in gleichem Maße auch Maximalversorger und Universitätskliniken“, schildert Prof. Dr. Breuckmann und weist noch auf die Problematik mit den geforderten Fallzahlen hin:
„Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion bislang oft zu kurz kommt, betrifft die Interpretation der Fallzahlen. Es wird häufig versäumt, die Fallzahl auf die tatsächlich tätigen Operateure oder Behandler herunterzurechnen. So kann es vorkommen, dass eine Klinik zwar insgesamt hohe Fallzahlen vorweist, diese sich jedoch auf viele Operateure verteilen – was bedeutet, dass der einzelne Behandler am Ende womöglich weniger operative Erfahrung sammelt als sein Kollege in einem kleineren Haus mit geringerer Personaldecke.
Die Einführung von Mindestvorgaben für bestimmte Leistungsgruppen soll dieser Problematik zwar entgegenwirken, verhindert aber nicht, dass die tatsächliche Versorgungsrealität von Haus zu Haus stark variiert. Hinzu kommt, dass die gesetzlich vorgesehenen Leistungsgruppen samt der dazugehörigen Strukturvoraussetzungen nach wie vor nicht abschließend definiert sind. Diese Unsicherheit erschwert es den Kliniken erheblich, fundierte medizinische Konzepte für Fusionen oder Standortentwicklungen zu erarbeiten. Die Reform ist ins Stocken geraten, und solange keine klaren Vorgaben vorliegen, bleibt die Zukunft vieler Häuser ungewiss. Die damit verbundenen Planungsrisiken sind hoch – sowohl für die medizinischen Fachabteilungen als auch für die Patientenversorgung insgesamt“. 
Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten, wo bereits seit Längerem in vielen Fachrichtungen deutlich mehr Behandlungen ambulant durchgeführt werden, ist die Situation in Deutschland eine andere. Die Strukturen hierzulande lassen sich nicht eins zu eins übertragen, da sie grundsätzlich anders aufgebaut sind.
„Zwar spielt die Ambulantisierung auch in Deutschland zunehmend eine Rolle, doch sie ist nicht unmittelbar an die Leistungsgruppen gekoppelt, wie sie im stationären Bereich vorgesehen sind. Vielmehr handelt es sich bei der Ambulantisierung um eine parallele Entwicklung, die unabhängig davon verläuft, in welchen Leistungsgruppen ein Krankenhaus tätig ist. Trotzdem gibt es inzwischen erste Überschneidungen – etwa bei den sogenannten Hybrid-DRGs. Dabei handelt es sich um Leistungen, die sowohl ambulant als auch stationär erbracht werden können. Je nachdem, in welcher Versorgungsstruktur sie angeboten werden, greifen dann die Kriterien der Leistungsgruppen oder eben nicht. Diese Übergangszone stellt die Kliniken vor erhebliche Herausforderungen, denn sie verlangt nicht nur organisatorische Umstellungen, sondern auch eine strategische Ausrichtung an ein System, das derzeit noch im Wandel ist.
Es entsteht ein gewisser Druck, bestimmte Leistungen möglichst ambulant anzubieten – unabhängig davon, ob die Voraussetzungen in der Praxis bereits durchgängig gegeben sind. Ob diese Entwicklung grundsätzlich negativ zu bewerten ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Ein möglicher Vorteil liegt durchaus darin, dass Pflegekräfte, die stationär vor allem in den Nachtdienststrukturen stark belastet sind, durch ambulante Strukturen entlastet werden könnten. Diese freigewordenen Kapazitäten könnten dann gezielt in Bereichen eingesetzt werden, in denen eine vollstationäre Versorgung zwingend notwendig ist. Das würde idealerweise dazu führen, dass es in diesen kritischen Bereichen seltener zu Abmeldungen aufgrund von Personalmangel kommt – ein nicht unerheblicher Beitrag zur Sicherung der Versorgung“, äußert Prof. Dr. Breuckmann kritisch.
Die Überlegungen zu einer möglichen Fusion der beiden Kliniken reichen bereits einige Jahre zurück – deutlich länger, als es durch das aktuelle Reformvorhaben der Bundesregierung den Anschein haben könnte.
„Konkret intensiver wurde der Austausch in den vergangenen zwei Jahren, also seit etwa 2022. Zu Beginn war das Thema noch weitgehend unabhängig von der geplanten Krankenhausreform und den damit verbundenen Leistungsgruppenregelungen. Diese Reform hat die Fusionsbestrebungen aber seither spürbar beschleunigt und die Notwendigkeit zur strukturellen Neuausrichtung unterstrichen. Auch wenn die politischen Gremien – die jeweiligen Kreistage sowie der gemeinsame Kreisausschuss – der Gründung eines gemeinsamen kommunalen Unternehmens (GKU) zugestimmt haben, über das die Fusion vollzogen werden soll, ist der Prozess formal noch nicht vollständig abgeschlossen. Es bleibt ein gewisses Restrisiko bis zur endgültigen Vertragsunterzeichnung bestehen. Doch die Zustimmung zur GKU stellt einen wichtigen Meilenstein dar: Sie ist die Grundlage, auf der beide Klinikträger ihre Häuser in eine gemeinsame Struktur überführen können. Ziel dieser Fusion ist es nicht nur, Synergien zu schaffen und Kompetenzen zu bündeln, sondern vor allem, die Versorgungssicherheit in der Region langfristig zu gewährleisten.
Insbesondere für die Kardiologie bedeutet das eine deutliche Stärkung: Die Zusammenführung von Personal, Know-how und technischer Infrastruktur aus beiden Häusern soll eine leistungsfähige, zukunftsfeste Abteilung ermöglichen, die den Anforderungen der neuen Leistungsgruppenstruktur gewachsen ist. Ein zentrales Motiv ist darüber hinaus die Sicherung beider Klinikstandorte. Gerade für kommunale Häuser ist das ein zentraler Versorgungsauftrag – insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele kleinere Krankenhäuser mit einer Bettengröße unter 200 zunehmend unter Druck geraten. Diese Häuser tun sich oft schwer, die strukturellen und personellen Anforderungen der Reform zu erfüllen, was dazu führt, dass die regionale Versorgung nicht mehr überall gewährleistet werden kann. Die Fusion soll daher nicht nur wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll sein, sondern vor allem ein klares Signal setzen: Regionale Daseinsvorsorge bleibt möglich – wenn man gemeinsam neue Wege geht“, erläutert Prof. Dr. Breuckmann zum Abschluss unseres Gesprächs.

Vielen Dank, Prof. Dr. Breuckmann, für diese zukunftsweisenden Informationen!
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Über den Fachautor
Alexandra Pfitzmann
Redakteurin
Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.
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