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Ästhetische und rekonstruktive Brustchirurgie

17.06.2026

Ästhetische und rekonstruktive Brustchirurgie verbindet medizinische Präzision mit einem tiefen Verständnis für Form, Funktion und individuelle Körperästhetik. Im Mittelpunkt steht, die Brust so wiederherzustellen oder zu gestalten, dass sie sowohl natürlich wirkt als auch funktionell stabil ist – sei es nach Tumoroperationen, Verletzungen, angeborenen Fehlbildungen oder aus ästhetischen Gründen.

Prof. Krämer

Die ästhetische und rekonstruktive Brustchirurgie umfasst unterschiedliche Patientengruppen, die jedoch eng miteinander verbunden sind. Grundsätzlich beschäftigt sich die plastische Chirurgie immer mit der Wiederherstellung von Form und Funktion. In der Brustchirurgie bedeutet das, dass sowohl Patientinnen mit rekonstruktivem Bedarf als auch solche mit ästhetischen Anliegen behandelt werden. Plastische Chirurgen müssen daher beide Bereiche sicher beherrschen. In der täglichen Praxis zeigt sich diese Verbindung sehr deutlich.

Durch die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen gynäkologischen Zentren und Brustzentren kommen viele Patientinnen nach einer Brustkrebsbehandlung, die entweder bereits voroperiert wurden und nun eine Rekonstruktion benötigen oder bei denen der Wiederaufbau gemeinsam mit den Brustzentren schon im Vorfeld geplant wird. Dabei wird onkoplastisch entschieden, ob der Tumoreingriff und der Wiederaufbau in einem einzigen Eingriff erfolgen oder ob es sinnvoller ist, zunächst das Ergebnis der Pathologie abzuwarten und den Wiederaufbau in einem zweiten Schritt durchzuführen.

Für den Brustaufbau kommen Techniken zum Einsatz, die auch in der ästhetischen Brustchirurgie verwendet werden. Dadurch überschneiden sich beide Bereiche fachlich und praktisch, und beide Themenfelder gehören zum regelmäßigen Behandlungsspektrum“, erklärt Prof. Dr. Krämer zum Einstieg in unser Gespräch. 

Die Entscheidung für die passende rekonstruktive Methode ist ein komplexer Prozess, bei dem medizinische Notwendigkeiten, anatomische Voraussetzungen und persönliche Erwartungen sorgfältig miteinander abgewogen werden. 

Die Entscheidung, ob eine Brust am besten mit einem Implantat oder mit Eigengewebe rekonstruiert wird, hängt von mehreren Faktoren ab: der onkologischen Ausgangssituation, der Anatomie der Brust, der Qualität des vorhandenen Gewebes, einer möglichen Strahlentherapie sowie dem individuellen Risikoprofil und den Wünschen der Patientin. Leitlinien betonen ausdrücklich, dass jede Patientin individuell beurteilt werden muss und ihre Präferenz eine zentrale Rolle spielt. Implantat basierte Rekonstruktionen eignen sich vor allem dann, wenn nach der Tumoroperation ein ausreichender Haut- und Weichteilmantel vorhanden ist und keine Bestrahlung geplant ist. Sie kommen häufig infrage, wenn eine kürzere Operation gewünscht wird, wenn Patientinnen sehr schlank sind und nicht genügend Spendergewebe zur Verfügung steht oder wenn zusätzliche Narben an Bauch, Rücken oder Oberschenkeln vermieden werden sollen.

Eigengewebe hingegen ist besonders geeignet für Patientinnen, die bereits bestrahlt wurden oder eine Bestrahlung erhalten werden, deren Haut- und Weichteilmantel dünn, narbig oder schlecht durchblutet ist und die sich ein natürliches Gefühl und ein natürliches Alterungsverhalten des rekonstruierten Brustgewebes wünschen. Zudem entfallen bei Eigengewebe Risiken wie Kapselfibrosen oder spätere Implantatwechsel. Voraussetzung ist jedoch, dass ausreichend Spendergewebe vorhanden ist – typischerweise am Unterbauch, an den Oberschenkeln oder am Gesäß. Auch anatomische Faktoren spielen eine wichtige Rolle: Brustgröße, die Form des Brustkorbs, die Hautqualität, Narbenverläufe, eventuelle Bauchwandinstabilitäten nach Voroperationen sowie die gewünschte Symmetrie zur Gegenseite. All diese Aspekte müssen sorgfältig abgewogen werden.

Bei sehr schlanken Patientinnen kann eine Eigengewebsrekonstruktion schwierig oder unmöglich sein, da moderne rekonstruktive Verfahren immer ausreichendes Spendergewebe voraussetzen. Fehlt dieses, scheidet die Methode aus – unabhängig davon, wie fortschrittlich die Technik ist“, schildert Prof. Dr. Krämer und ergänzt zur Beschaffenheit der Implantate: 

Bei Implantaten kommen heute nahezu ausschließlich Silikonimplantate zum Einsatz. Früher wurden auch Kochsalzimplantate verwendet, und es gab sogar Modelle mit Sojafüllung. Über die Jahre haben sich jedoch silikonbasierte Implantate als der beste Kompromiss erwiesen – sowohl in Bezug auf Haltbarkeit und Stabilität als auch auf das Körpergefühl. Eine Ausnahme bilden sogenannte Expanderimplantate, die eingesetzt werden, wenn der Haut- und Weichteilmantel nach einer Brustamputation zu klein ist.

Dabei wird zunächst ein flaches Implantat eingesetzt, das über Wochen und Monate mit Kochsalzlösung befüllt wird, um das Gewebe langsam aufzudehnen. Erst danach folgt in einem zweiten Schritt das endgültige Silikonimplantat. Beeinflussen lässt sich heute vor allem die Form des Implantats. Je nach gewünschtem Ergebnis kann ein rundes oder ein tropfenförmiges, anatomisches Implantat gewählt werden. Welche Form am besten geeignet ist, hängt vom individuellen Brustbild ab und wird gemeinsam mit der Patientin besprochen – ihr Wunsch steht dabei immer im Vordergrund“.

Prof. Krämer

Ein natürliches ästhetisches Ergebnis bei rekonstruktiven Brustoperationen entsteht immer dann, wenn Form, Gewebequalität und funktionelle Stabilität konsequent zusammengedacht werden. 

Zur Haltbarkeit der Implantate prognostiziert Prof. Dr. Krämer: „Die Wahrscheinlichkeit für ein relevantes Problem innerhalb von zehn bis fünfzehn Jahren liegt bei etwa 15 Prozent liegt, sodass dann ein Folgeeingriff notwendig werden kann. Diese Faustregel soll vor allem dafür sensibilisieren, dass insbesondere jüngere Patientinnen im Laufe ihres Lebens mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens einmal erneut operiert werden müssen, um Implantate zu tauschen oder Komplikationen zu beheben. Die Ursachen für solche Folgeeingriffe können unterschiedlich sein.

Am häufigsten tritt eine Kapselfibrose auf. Der Körper bildet physiologisch eine Kapsel um das Implantat, da es sich um einen Fremdkörper handelt. Ob diese Kapsel später Beschwerden verursacht, hängt sowohl von individuellen Faktoren als auch von äußeren Einflüssen ab und lässt sich nicht vorhersagen. Manche Patientinnen tragen ihre Implantate zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre lang ohne Probleme, während andere bereits nach wenigen Jahren relevante Beschwerden entwickeln. Wenn man selbst betroffen ist, helfen statistische Wahrscheinlichkeiten leider wenig – entscheidend ist immer der individuelle Verlauf“. 

Moderne mikrochirurgische Techniken haben die Brustrekonstruktion in den letzten Jahren grundlegend verändert, weil sie eine besonders natürliche Form, weiche Gewebeübergänge und eine langfristige Stabilität ermöglichen. 

Bei der Brustrekonstruktion geht es heute nicht mehr nur darum, Volumen zu ersetzen, sondern eine natürliche Form, Projektion und Unterbrustfalte wiederherzustellen, eine gute Weichteilbedeckung zu erreichen, Symmetrie zu schaffen und Narben sinnvoll zu platzieren. Gerade im Bereich der Eigengewebsrekonstruktion hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Früher wurden häufig Verfahren eingesetzt, bei denen Muskelanteile aus dem Rücken oder dem Bauch entnommen wurden, um das Brustvolumen zu rekonstruieren.

Diese Techniken führten jedoch oft zu funktionellen Einschränkungen, weil wichtige Muskelstrukturen geopfert wurden. Die Weiterentwicklung führte zu den sogenannten Perforatorlappenplastiken, die heute als Goldstandard gelten. Das wichtigste Verfahren ist der DIEPLappen (Deep Inferior Epigastric Perforator). Dabei wird eine HautFettInsel aus dem Unterbauch entnommen, deren versorgende Gefäße fein durch die Muskulatur hindurch präpariert werden, ohne den Muskel selbst zu entfernen. Die Muskulatur bleibt vollständig oder weitgehend erhalten, was funktionell ein großer Vorteil ist. Das Bauchgewebe eignet sich zudem besonders gut, weil es sich in Haptik und Formbarkeit ideal zur Brustrekonstruktion eignet.

Wenn am Bauch nicht genügend Gewebe vorhanden ist – etwa bei sehr schlanken Patientinnen –, können andere Spenderregionen genutzt werden, zum Beispiel die Innenseite des Oberschenkels oder der untere Gesäßbereich. Welche Region infrage kommt, hängt immer von den individuellen anatomischen Voraussetzungen ab. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen alle Eigengewebsoptionen ausscheiden. Dann bleibt entweder die Rekonstruktion mit Implantaten oder, in seltenen Situationen, die Rückkehr zu älteren Verfahren, bei denen Muskelgewebe aus dem Rücken genutzt wird, um eine ausreichende Weichteilbedeckung zu erzielen.

Welche Methode geeignet ist, muss immer im Gesamtbild beurteilt werden. Das erfordert Erfahrung und eine sorgfältige Abwägung der Vor und Nachteile, die im persönlichen Gespräch transparent besprochen werden“, verdeutlicht Prof. Dr. Krämer und wird konkreter: 

Bei einer Lappenplastik wird ein zusammenhängender Gewebeblock aus Haut und Fettgewebe entnommen und zur Brust übertragen. Das bedeutet, dass eine sichtbare Narbe entsteht, deren Verlauf den Patientinnen vorher genau erklärt wird. Gleichzeitig wird darauf geachtet, die Narbe möglichst unauffällig zu platzieren, etwa an der Innenseite des Oberschenkels, wie man es auch von Oberschenkelstraffungen kennt.

Am Gesäß wird die Narbe in die natürliche Falte unterhalb des Gesäßes gelegt, und am Bauch möglichst tief im Bereich der Bikinizone. Eine andere Möglichkeit ist die Rekonstruktion oder Volumenverbesserung mittels Fetttransplantation (Lipofilling). Dabei wird körpereigenes Fett an einer Stelle entnommen, an der es die Patientin ohnehin als störend empfindet – zum Beispiel an den seitlichen oder inneren Oberschenkeln oder am Unterbauch. Das Fett wird anschließend aufbereitet und in die Brust eingebracht. Diese Methode ermöglicht ein sehr natürliches Tastgefühl und eignet sich gut, um Konturen zu verbessern oder Asymmetrien auszugleichen. Biologisch ist sie jedoch anspruchsvoll, denn nicht jedes transplantierte Fett heilt zuverlässig ein.

Die Einheilungsrate hängt von der Durchblutung und der Qualität des Empfängergewebes ab. Vernarbtes oder verhärtetes Gewebe eignet sich weniger gut, und das Fett darf nicht unter zu hohem Druck eingebracht werden. Es muss fein verteilt werden, damit keine Fettdepots entstehen, die nicht einheilen können. Ein erfahrener rekonstruktiver Brustchirurg kennt diese biologischen Grenzen genau. Er weiß, dass sich mit Lipofilling keine beliebig großen Volumina in einer Sitzung erzielen lassen und dass realistische Erwartungen wichtig sind. Eine Fetttransplantation kann das Volumen eines Implantats oder eines großen Gewebeblocks nicht ersetzen. In der Regel lässt sich mit einer Sitzung keine Vergrößerung über etwa eine Körbchengröße hinaus erreichen.

Wie viel Fett transplantiert werden kann, hängt immer davon ab, wie viel eigenes Brustgewebe vorhanden ist. Je weniger Ausgangsgewebe, desto geringer die mögliche Fettmenge. In der ästhetischen Chirurgie – bei einer normalen Brust, die lediglich etwas größer werden soll – lässt sich mit Lipofilling deutlich mehr erreichen als in der rekonstruktiven Situation, in der oft nur wenig Gewebe vorhanden ist“.

Prof. Krämer


Moderne freie Lappenplastiken sind der Goldstandard der Brustrekonstruktion. Dabei wird körpereigenes Haut‑ und Fettgewebe mitsamt Blutgefäßen mikrochirurgisch transplantiert. Dank präziser Gefäßanschlüsse bleibt das Gewebe dauerhaft durchblutet und passt sich Gewicht und Alter an. Im Vergleich zu Implantaten oder älteren Muskelentnahme‑Techniken treten langfristig weniger Komplikationen oder funktionelle Einschränkungen auf, und selbst bei bestrahltem oder vorgeschädigtem Gewebe bieten freie Lappenplastiken hohe Sicherheit, Stabilität und eine sehr natürliche Formgebung.


Rekonstruktive Eingriffe nach einer Tumoroperation folgen einer völlig anderen chirurgischen Logik als ästhetisch motivierte Brustoperationen, weil sie nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern vor allem die Wiederherstellung von Gewebe, Funktion und Stabilität zum Ziel haben. 

Bei Patientinnen nach einer Tumorerkrankung spielt die Symmetrie zwischen der erkrankten und der gesunden Brust eine zentrale Rolle. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig zu klären, welche Wünsche die Patientin hinsichtlich der gesunden Brust hat. Soll sie unverändert bleiben oder soll sie verkleinert oder gestrafft werden, um sich an die rekonstruierte Seite anzupassen? Diese Überlegungen müssen bereits in die Planung der Rekonstruktion einfließen, damit das Ergebnis realistisch erreichbar ist.

Gerade bei sehr großen natürlichen Körbchengrößen und gleichzeitig wenig verfügbarem Eigengewebe kann es sein, dass bestimmte rekonstruktive Techniken – etwa der Fetttransfer – nicht ausreichen, um das Volumen der gesunden Seite zu erreichen. In solchen Fällen wird häufig besprochen, ob die gesunde Brust später verkleinert oder gestrafft wird, um eine harmonische Symmetrie herzustellen. Die Planung erfolgt idealerweise interdisziplinär, gemeinsam mit Gynäkologie, Senologie und plastischer Chirurgie.

Dabei wird im Vorfeld geklärt, wie groß der Tumor ist, wie ausgedehnt operiert werden muss und ob eine brusterhaltende Operation möglich ist oder eine subkutane Mastektomie, d.h. eine Entfernung der Brustdrüse notwendig wird. Auch die Frage, ob Haut und Brustwarze erhalten werden können, beeinflusst die spätere Rekonstruktion“, so Prof. Dr. Krämer und führt weiter aus: 

Ob der Wiederaufbau in derselben Operation erfolgt oder erst später, hängt wesentlich von der onkologischen Situation ab. Wird die gesamte Brustdrüse entfernt, die Haut aber erhalten, und ist eine anschließende Bestrahlung notwendig, wird häufig zunächst ein Implantat eingesetzt, das als Platzhalter dient und den Hautmantel stabil hält. Dieses Vorgehen verhindert, dass das Gewebe während der Bestrahlung schrumpft und dabei verhärtet. Eine sofortige Rekonstruktion mit Eigengewebe wäre in solchen Fällen ungünstig, da auch transplantiertes gesundes Gewebe auf Bestrahlung reagiert und sich verhärten oder verziehen kann. Nach Abschluss der Bestrahlung und wenn die Patientin sich erholt hat, kann in Ruhe über die endgültige Rekonstruktion entschieden werden.

Dann kommen Eigengewebsverfahren wie der DIEPLappen oder andere Lappenplastiken zum Einsatz. Das zuvor eingesetzte Implantat wird entfernt und durch körpereigenes Gewebe ersetzt, das dauerhaft verbleibt, eine natürliche Form besitzt, weich ist und dem normalen Alterungsprozess folgt. Ob eine prophylaktische Brustdrüsenentfernung sinnvoll ist, hängt immer von der Art der Genmutation ab. Es gibt Mutationen, die das Brustkrebsrisiko nur leicht oder moderat erhöhen, und andere, die ein massiv gesteigertes Risiko mit sich bringen. Je nach individueller Risikokonstellation wird gemeinsam mit der Patientin entschieden, ob intensivierte Überwachungsintervalle – etwa durch Mammographie, Ultraschall oder MRT – ausreichend sind oder ob das Risiko so hoch ist, dass die Entfernung der gesamten Brustdrüse medizinisch sinnvoll erscheint.

Dabei spielt auch der Wunsch der Patientin eine große Rolle. Manche Frauen mit nur moderat erhöhtem Risiko entscheiden sich dennoch für eine prophylaktische Operation, weil sie ihr persönliches Risiko so weit wie möglich reduzieren möchten. Andere bevorzugen engmaschige Kontrollen. Beide Wege sind möglich, und die Entscheidung wird immer individuell getroffen“. 


Rekonstruktive Brustchirurgie ist von medizinischen Faktoren wie Gewebeverlust, Strahlenschäden und funktionellen Anforderungen geprägt, während ästhetische Eingriffe auf planbaren, symmetrischen und formgebenden Techniken in gesundem Gewebe basieren. Obwohl beide Bereiche ähnliche operative Prinzipien nutzen, unterscheiden sich Ziele, Ausgangssituation und chirurgische Strategie grundlegend.


Der Weg durch eine Brustkrebserkrankung ist nicht nur medizinisch, sondern auch emotional tiefgreifend. Viele Patientinnen richten ihren gesamten Fokus zunächst auf die Behandlung und die Rückkehr zu körperlicher Stabilität – Fragen der Ästhetik oder eines möglichen Wiederaufbaus treten in dieser Phase oft vollständig in den Hintergrund. 

Prof. Dr. Krämer hebt hervor: „Psychologische Aspekte spielen bei vielen Brustkrebspatientinnen eine große Rolle. Es kommt häufig vor, dass sich Betroffene zunächst ausschließlich auf ihre Gesundheit konzentrieren und sich weder emotional noch gedanklich mit einer möglichen Rekonstruktion befassen möchten. In dieser Phase stehen körperliche Stabilisierung und psychische Erholung im Vordergrund. Dafür gibt es im Rahmen der Brustzentren die psychoonkologische Betreuung, in der speziell geschulte Fachkräfte die Patientinnen begleiten und unterstützen.

Nicht selten entscheiden sich Frauen erst Monate oder sogar ein Jahr nach einer Brustamputation dafür, den Wiederaufbau anzugehen. Sobald die Erkrankung überwunden ist und sich ein stabiler körperlicher und seelischer Zustand eingestellt hat, entsteht oft der Wunsch, sich wieder mit dem eigenen Körperbild auseinanderzusetzen. Genau an diesem Punkt setzt die plastische Chirurgie an und bespricht gemeinsam mit der Patientin die passenden rekonstruktiven Möglichkeiten“. 


Wenn Narbenheilung, Gewebequalität und individuelle Risikofaktoren gut berücksichtigt werden, kann das Ergebnis einer Brustrekonstruktion oder ästhetischen Brustoperation über viele Jahre natürlich, weich und symmetrisch bleiben – sowohl im Aussehen als auch im Körpergefühl.


Ein zertifiziertes Brustzentrum bietet Patientinnen eine deutlich höhere strukturelle und fachliche Sicherheit als nicht zertifizierte Einrichtungen. Die Zertifizierung setzt voraus, dass pro Jahr eine bestimmte Anzahl an Brustkrebsfällen behandelt wird und dadurch ein hoher Grad an Standardisierung gewährleistet ist.

Prof. Krämer

Dazu gehören feste interdisziplinäre Strukturen: Gynäkologie, plastische Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie arbeiten eng zusammen. Ergänzt wird dieses Netzwerk durch Psychoonkologie, ,BreastCareNurses´ und – bei entsprechender Risikokonstellation – auch durch die Humangenetik. Diese enge Verzahnung stellt sicher, dass Diagnostik, Therapie, Nachsorge und Rekonstruktion aus einer Hand geplant und durchgeführt werden.

In der Zusammenarbeit mit dem Brustzentrum der Knappschaft Kliniken Marienhospital Bottrop unter Prof. Dr. Kolberg sind diese Strukturen vollständig gegeben. Dort findet die plastische Chirurgie nicht nur auf Wunsch der Patientin statt, sondern ist integraler Bestandteil des Behandlungsteams. Insgesamt werden in den beiden von mir geleiteten Kliniken für Plastische Chirurgie der Knappschaft Kliniken in Gelsenkirchen-Buer und Dortmund jährlich etwa 60 bis 70 brustchirurgische Eingriffe durchgeführt, wobei sich rekonstruktive Operationen nach Brustkrebs, rekonstruktive Eingriffe nach massivem Gewichtsverlust und ästhetische Operationen jeweils ungefähr zu gleichen Teilen verteilen.

Zu letzterer Gruppe zählen ästhetische Brustoperationen wie Brustvergrößerungen mit Implantaten oder Lipofilling, Bruststraffungen sowie Brustverkleinerungen. Wesentlich ist, dass ein erfahrener plastischer Brustchirurg alle rekonstruktiven Techniken sicher beherrscht – denn genau diese Verfahren bilden die Grundlage für hochwertige ästhetische Ergebnisse. Beide Bereiche folgen denselben chirurgischen Prinzipien: Form, Symmetrie, Volumen, Gewebequalität, Narbenführung, Stabilität und ein natürliches Erscheinungsbild. Eine ästhetische Brustoperation ist daher keineswegs ein rein kosmetischer Eingriff, sondern erfordert eine präzise Analyse der individuellen anatomischen Voraussetzungen und eine hohe technische Expertise. Nur so lässt sich ein Ergebnis erzielen, das sowohl funktionell als auch ästhetisch überzeugt“, betont Prof. Dr. Krämer und erklärt zum Abschluss unseres Gesprächs: 

Die größte Herausforderung besteht darin, im persönlichen Gespräch mit jeder Patientin genau herauszufinden, welches Ergebnis sie sich wünscht – in Bezug auf Form, Ästhetik und das endgültige Erscheinungsbild der Brust. Diese Vorstellungen müssen anschließend mit den realistischen Möglichkeiten abgeglichen werden, die die jeweilige Anatomie, das Gewebe und die verfügbaren chirurgischen Techniken tatsächlich zulassen. Entscheidend ist, der Patientin von Vornherein eine ehrliche und fundierte Einschätzung zu geben, welches Ergebnis erreichbar ist. Das erfordert viel Erfahrung: die eigenen Grenzen zu kennen, die Grenzen des Gewebes zu verstehen und die Grenzen der Technik einschätzen zu können. Genau diese Kombination macht für den Operateur die eigentliche Herausforderung aus“. 


 

  • Chefarzt der Kliniken für Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie (Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer und Dortmund)
  • Facharzt für Plastische & Ästhetische Chirurgie, Zusatz: Handchirurgie, Notfallmedizin
  • Spezialist für ästhetische & rekonstruktive Brustchirurgie
  • Hohe Expertise in mikrochirurgischen Verfahren, inkl. Nervenchirurgie
  • Leiter des Zentrums für Schwerbrandverletzte
  • Schwerpunkte: Rekonstruktion nach Tumoren/Unfällen, Handchirurgie, postbariatrische Straffungsoperationen, Ästhetische Chirurgie
  • Studium u. a. Medizinische Hochschule Hannover & University of Pittsburgh Medical Center (USA); Professur an der Universität Lübeck
  • Verbindet wissenschaftliche Arbeit mit langjähriger operativer Erfahrung