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Experteninterviews

Symptome, Behandlung und moderne Operationsverfahren im Überblick

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Alexandra Pfitzmann ·

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Meningeome und Gliome gehören zu den wichtigsten Hirntumoren – sie unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Entstehung, ihrem Verhalten und den therapeutischen Anforderungen. Während Meningeome oft langsam wachsen und zunächst beobachtet werden können, erfordern Gliome aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften eine besonders präzise und moderne operative Strategie. Ziel ist es stets, Beschwerden früh zu erkennen, die richtige Therapie zu wählen und die Behandlung so sicher und wirksam wie möglich zu gestalten.

Prof. Dr. med. Pantelis Stavrinou

Zu Beginn unseres Gesprächs erläutert Prof. Dr. Stavrinou: „Meningeome gehören zu den häufigsten primären Tumoren im Schädel, und für Betroffene ist vor allem wichtig zu wissen, dass die große Mehrheit gutartig ist und sehr langsam wächst. Durch die häufige Nutzung der MRT werden heute viele dieser Tumoren zufällig entdeckt, etwa bei Untersuchungen wegen Kopfschmerzen, Migräne oder nach einem Schädel‑Hirn‑Trauma. Die Ursachen sind meist unklar, wie bei vielen Hirntumoren, auch wenn bestimmte Risikofaktoren bekannt sind: ionisierende Strahlung in der Kindheit, seltene genetische Erkrankungen und vermutlich hormonelle Einflüsse, was erklären könnte, warum Meningeome bei Frauen häufiger auftreten. Entscheidend ist, dass nicht jedes Meningeom behandelt werden muss. Kleine, symptomlose und zufällig entdeckte Tumoren werden oft über Jahre lediglich kontrolliert – ein Vorgehen, das als ,Watch‑and‑Wait´ bezeichnet wird. Dabei steht nicht das MRT‑Bild im Mittelpunkt, sondern die tatsächliche Situation des Patienten. Meningeome entstehen nicht im Gehirn selbst, sondern wachsen aus der Hirnhaut, einer dünnen Schicht, die das Gehirn umgibt. Man unterscheidet dabei zwei große Gruppen: Konvexitätsmeningeome, die an der Oberfläche liegen und meist einfacher zu behandeln sind, und Schädelbasismeningeome, die in tieferen, anatomisch komplexen Regionen auftreten. Müssen Schädelbasismeningeome operiert werden, sind die Eingriffe oft anspruchsvoller, weil die Tumore dort in engem Kontakt mit wichtigen Gefäßen und Nerven liegen“, und ergänzt:

„Viele Menschen tragen ein Meningeom in sich, ohne es jemals zu bemerken, und oft bleibt es ein Leben lang unentdeckt. Beschwerden entstehen erst, wenn der Tumor auf bestimmte Strukturen drückt – und welche Symptome auftreten, hängt stark von seiner Lage ab. Häufig kommt es zu Kopfschmerzen, meist durch erhöhten Druck im Schädel. Liegt der Tumor in der Nähe der motorischen Region, können Schwächen in Arm oder Bein auftreten; in der Nähe eines Sprachzentrums sind Sprachstörungen möglich, im Hinterhauptsbereich Sehstörungen. Manche Veränderungen sind subtiler, etwa Konzentrationsprobleme, leichte Persönlichkeitsveränderungen oder eine zunehmende Unsicherheit beim Gehen. Entscheidend ist nicht allein die Größe des Tumors: Ein kleines Meningeom an einer kritischen Stelle, etwa an der Schädelbasis, kann deutlich mehr Beschwerden verursachen als ein größerer Tumor in einer weniger empfindlichen Region. Für die Beurteilung werden daher immer drei Aspekte gemeinsam betrachtet – die Bildgebung, die Entwicklung über die Zeit und die tatsächliche Situation des Patienten“.

Für die Einschätzung des weiteren Vorgehens spielt der WHO‑Grad (WHO = World Health Organisation / Weltgesundheitsorganisation) eine zentrale Rolle. Meningeome des WHO‑Grad I sind gutartig und haben eine sehr gute Prognose, während Tumoren der Grade II und III ein höheres Rezidivrisiko besitzen und engmaschigere Nachsorge oder zusätzliche Therapien erfordern.

Hierzu erklärt Prof. Dr. Stavrinou: „Das ,Watch‑and‑Wait‑Prinzip´ funktioniert nur unter klaren Voraussetzungen: Ein Meningeom darf bei der Entdeckung nicht zu groß sein, es darf keine Beschwerden verursachen und es darf im Verlauf kein Wachstum zeigen. Solange diese Bedingungen erfüllt sind, kann über Jahre hinweg beobachtet werden, meist zunächst mit jährlichen MRT‑Kontrollen, später in größeren Abständen. Wie lange eine Beobachtung sinnvoll ist, hängt auch vom Alter des Patienten ab. Bei älteren Menschen wird nicht unbegrenzt weiter kontrolliert, weil ein späteres Eingreifen oft keine realistische Option mehr wäre. Insgesamt gilt jedoch, dass ein Meningeom mindestens zehn Jahre lang nachverfolgt werden sollte, wenn man sich für ,Watch‑and‑Wait´ entscheidet. Die Frage, ab wann eine Behandlung notwendig wird, lässt sich nicht allein an der Größe festmachen. Entscheidend ist, ob eines der drei Kriterien verletzt wird: Wenn Symptome auftreten, wenn der Tumor wächst oder wenn er von Anfang an so ungünstig liegt, dass ein Abwarten riskant wäre, endet die Beobachtung und eine Therapie wird erforderlich. Der WHO‑Grad beschreibt, wie aggressiv sich ein Meningeom biologisch verhält. Die häufigsten Tumore gehören zum WHO‑Grad 1, wachsen langsam und sind gutartig. WHO‑Grad 2, die atypischen Meningeome, haben ein höheres Risiko, nach einer Behandlung zurückzukehren. Ein WHO‑Grad 3 ist selten, aber deutlich aggressiver und neigt trotz Therapie zu erneuten Wachstumsschüben. Heute weiß man, dass die mikroskopische Beurteilung allein nicht ausreicht: Molekulare Veränderungen liefern zusätzliche Hinweise darauf, wie sich ein Tumor künftig verhalten könnte. Diese Informationen beeinflussen, ob nach einer Operation weitere Therapien notwendig sind und wie engmaschig die Nachsorge erfolgen sollte“.

Prof. Dr. med. Pantelis Stavrinou


Eine vollständige Entfernung eines Meningeoms senkt das Rückfallrisiko deutlich. In schwer zugänglichen Bereichen oder bei höhergradigen Meningeomen ist das jedoch nicht immer möglich – dann ergänzt oder ersetzt Strahlentherapie die Operation. Wichtig ist, vor dem Eingriff zu klären, wie hoch das neurologische Risiko ist, wie realistisch eine komplette Resektion erscheint und wie erfahren das Zentrum mit komplexen Meningeomen ist.


Eine Verlaufsbeobachtung ist immer dann vertretbar, wenn ein Meningeom keine Beschwerden verursacht, klein ist und im MRT kein oder nur sehr geringes Wachstum zeigt. Viele dieser Tumore wachsen extrem langsam oder bleiben über Jahre stabil.

„Bei gutartigen, nicht raumeinnehmenden Meningeomen orientiert sich die Häufigkeit der Kontrollen an den Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Neuro‑Onkologie. Nach der Erstdiagnose erfolgt zunächst eine MRT‑Kontrolle nach sechs Monaten, anschließend nach einem Jahr und danach für etwa fünf Jahre jährlich. Wenn der Tumor in dieser Zeit stabil bleibt, können die Abstände schrittweise verlängert werden, etwa auf zwei oder drei Jahre. Nach rund zehn Jahren wird abhängig vom Alter und der Gesamtsituation des Patienten entschieden, ob weitere Kontrollen überhaupt noch sinnvoll sind“, so Prof. Dr. Stavrinou.


Der WHO‑Grad zeigt, wie „gutartig“ oder „bösartig“ ein Meningeom biologisch ist und bestimmt damit Prognose, Rückfallrisiko und die Nachsorge. Pathologen ordnen den Tumor anhand von Zellteilungsrate, Gewebestruktur und Invasionsverhalten einem Grad zu. Daraus lässt sich ableiten, wie wahrscheinlich ein erneutes oder schnelleres Wachstum ist.


Bei der Entscheidung zwischen Operation und Strahlentherapie spielt zunächst eine Rolle, dass die operative Entfernung nach wie vor die häufigste und oft effektivste Behandlung ist, weil eine vollständige Resektion das Risiko eines erneuten Wachstums deutlich senkt. Allerdings ist eine komplette Entfernung nicht in jedem Fall sinnvoll oder sicher.

„Eine Strahlentherapie kommt vor allem dann infrage, wenn der Tumor klein ist und die Operation aufgrund seiner Lage, des allgemeinen Gesundheitszustands oder des Alters des Patienten ein erhöhtes Risiko darstellen würde. In solchen Situationen kann die Bestrahlung eine gleichwertige oder sogar bessere Option sein. Häufig werden beide Verfahren kombiniert, etwa bei komplexen Schädelbasismeningeomen: Der gut zugängliche Teil wird operiert, während ein kleiner Rest an kritischen Strukturen wie großen Gefäßen oder Hirnnerven gezielt bestrahlt wird. Die Frage lautet daher weniger Operation oder Strahlentherapie, sondern welche Kombination die beste Balance aus Tumorkontrolle, Sicherheit und Risiko bietet. Es ist durchaus möglich, dass nach einer Operation eine Strahlentherapie folgt. Bei Meningeomen höherer WHO‑Grade, insbesondere Grad 2 und Grad 3, ist das Risiko eines Rezidivs deutlich erhöht, sodass eine zeitnahe Bestrahlung nach der Operation geplant wird. Auch bei gutartigen Meningeomen kann später eine Bestrahlung notwendig werden, wenn im Verlauf ein kleiner Rückfall entsteht, der langsam wächst. In solchen Fällen ist eine erneute Operation oft nicht erforderlich, weil die Bestrahlung kleine Rezidive zuverlässig kontrollieren kann. Bei bösartigen Meningeomen des WHO‑Grad 3 kann unter bestimmten Voraussetzungen eine kurative Behandlung möglich sein. Dafür muss der Tumor vollständig entfernt werden, einschließlich seiner ,Wurzel´ in der Hirnhaut, idealerweise mit einem Sicherheitsabstand. Wird anschließend zusätzlich bestrahlt, besteht die Chance auf eine Heilung, auch wenn diese nicht garantiert ist. Aufgrund der aggressiven Natur dieser Tumore sind engmaschige Verlaufskontrollen notwendig, meist alle sechs Monate. Selbst nach vollständiger Entfernung und adäquater Therapie kann ein Rezidiv auftreten, was die besondere Herausforderung dieser Tumorform widerspiegelt“, verdeutlicht Prof. Dr. Stavrinou.

Prof. Dr. med. Pantelis Stavrinou

Meningeome und Gliome unterscheiden sich grundlegend in ihrer Entstehung, ihrem biologischen Verhalten und den therapeutischen Anforderungen. Meningeome gehen von den Hirnhäuten aus und liegen meist außerhalb des eigentlichen Gehirngewebes. Sie wachsen verdrängend, oft langsam, und schieben sich gegen das Gehirn, ohne es zu infiltrieren. Gliome dagegen entstehen im Gehirn selbst, aus Gliazellen, also den Stützzellen des Nervensystems. Sie wachsen nicht nur verdrängend, sondern infiltrierend, das heißt, sie durchdringen gesundes Hirngewebe und breiten sich entlang funktioneller Netzwerke aus. Dieser Unterschied ist ursächlich entscheidend: Während Meningeome häufig gutartig sind und sich klar vom umliegenden Gewebe abgrenzen, sind Gliome – insbesondere höhergradige – biologisch aktiver, schwerer zu kontrollieren und oft nicht vollständig entfernbar.

„Gliome unterscheiden sich grundlegend von Meningeomen, weil sie nicht aus der Hirnhaut entstehen, sondern direkt aus den Zellen des Gehirns. Dadurch wachsen sie im Hirngewebe selbst und haben meist keine klare Grenze. Einzelne Tumorzellen können weit über das hinausreichen, was im MRT sichtbar ist oder während einer Operation erkannt wird. Das macht die chirurgische Situation deutlich komplexer: Ziel ist es, möglichst viel Tumor zu entfernen, ohne wichtige Funktionen wie Sprache oder Bewegung zu gefährden. Diese Balance zwischen maximaler Tumorentfernung und funktioneller Sicherheit ist das zentrale Prinzip der modernen Gliomchirurgie. Die Beschwerden, die ein Gliom verursacht, hängen – wie bei Meningeomen – stark von seiner Lage und Größe ab. Auch hier können Kopfschmerzen, langsam zunehmende Schwächen, Sprachstörungen oder epileptische Anfälle auftreten. Oft entwickeln sich die Symptome etwas schneller, aber grundsätzlich ähneln sie sich. Für die Planung einer Operation reicht eine reine anatomische MRT‑Darstellung jedoch nicht aus. Entscheidend ist zu verstehen, welche Funktionen rund um den Tumor liegen und wie eng er mit wichtigen Netzwerken verknüpft ist. Dafür kommen funktionelle Bildgebung, Traktografie und intraoperatives Neuromonitoring zum Einsatz, um die Operation so sicher wie möglich zu gestalten“, macht Prof. Dr. Stavrinou klar.

Das Ausmaß der Resektion ist bei Gliomen deshalb so bedeutsam, weil diese Tumore anders als Meningeome nicht einfach verdrängend wachsen, sondern das Gehirngewebe mikroskopisch infiltrieren. Ein Gliom besteht nie nur aus dem sichtbaren Tumorknoten im MRT. Es breitet sich entlang von Nervenbahnen, Gefäßstrukturen und funktionellen Netzwerken aus – oft weit über die radiologisch erkennbare Grenze hinaus. Dadurch bleibt nach jeder Operation zwangsläufig Tumorgewebe zurück. Wie viel davon übrig bleibt, beeinflusst den weiteren Krankheitsverlauf unmittelbar.

Prof. Dr. Stavrinou klärt dazu auf: „Der Unterschied zwischen einer radikalen und einer präzisen Operation besteht heute darin, dass nicht einfach ,mehr´ Tumor entfernt wird, sondern dass die Grenze zwischen Tumor und wichtigen Funktionen immer genauer bestimmt wird. Dafür werden mehrere Verfahren kombiniert, die jeweils unterschiedliche Informationen liefern. Die Neuronavigation zeigt die anatomische Lage, die Fluoreszenz mit 5‑ALA macht Tumoranteile sichtbar, die unter normalem Licht kaum zu erkennen wären, und der intraoperative Ultraschall zeigt während des Eingriffs, wie viel Tumor noch vorhanden ist. Mit Neuromonitoring und direkter elektrischer Stimulation lassen sich zudem funktionelle Strukturen identifizieren, die unbedingt geschont werden müssen. Erst das Zusammenspiel dieser Methoden ermöglicht es, möglichst viel Tumor zu entfernen, ohne neurologische Funktionen zu gefährden“, und beschreibt dann was es mit einer Wachkraniotomie auf sich hat:

„Eine Wachkraniotomie wird eingesetzt, wenn ein Tumor sehr nah an Hirnregionen liegt, deren Funktion man bei einem schlafenden Patienten nicht zuverlässig testen kann. Dazu gehören Sprache, komplexe motorische Abläufe, höhere kognitive Leistungen oder mehrere Sprachen. Während bestimmter Phasen der Operation ist der Patient wach, kommuniziert mit dem Team und führt Aufgaben aus, die zuvor gemeinsam geübt wurden. Je nach Hobby oder Profession spielen manche Patienten während des Eingriffs sogar Geige oder Klavier oder wechseln zwischen verschiedenen Sprachen, um genau diese Funktionen und Fähigkeiten zu überprüfen. Während der Operation werden kleine Bereiche des Gehirns elektrisch stimuliert. Der Patient benennt Bilder, zählt, liest oder führt komplexe Aufgaben aus. Wenn eine Funktion durch die Stimulation kurzzeitig aussetzt, zeigt das, dass diese Struktur geschont werden muss. So lässt sich präzise bestimmen, welche Bereiche funktionell wichtig sind und wo sicher operiert werden kann. Viele Menschen empfinden die Vorstellung zunächst als beängstigend. Das Gehirngewebe selbst ist jedoch nicht schmerzempfindlich, und die Anästhesie sorgt dafür, dass der Patient wach, aber ruhig und ohne Schmerzen bleibt. Entscheidend ist die Vorbereitung: Der Patient lernt den Operationssaal kennen, sieht die Geräte, weiß, wo er liegen wird, und trifft alle beteiligten Fachpersonen. Die Tests, die später im OP durchgeführt werden, werden vorher ein- bis zweimal geübt, damit falsche Antworten ausgeschlossen sind. Während des Eingriffs kommuniziert der Neuropsychologe kontinuierlich mit dem Patienten, während der Chirurg operiert. Durch dieses strukturierte Vorgehen lässt sich besonders präzise in funktionell wichtigen Hirnregionen arbeiten: mehr Tumor entfernen, ohne neurologische Funktionen zu gefährden“.


5‑ALA macht Tumoranteile sichtbar, die unter Weißlicht unsichtbar bleiben. 5‑ALA ist die Abkürzung für 5‑Aminolävulinsäure, eine körpereigene Vorstufe der Häm‑Synthese. Nach Einnahme reichern Tumorzellen Protoporphyrin IX an und fluoreszieren unter blauem Licht pink‑violett, während gesundes Gewebe dunkel bleibt. Dadurch erkennt der Operateur nicht nur den sichtbaren Tumorknoten, sondern auch infiltrierte Areale und mikroskopische Satellitenherde, die im MRT nur angedeutet sind. Die fluoreszierenden Bezirke markieren biologisch aktive Tumoranteile mit höherem Rezidivrisiko. So lässt sich die Übergangszone zwischen Tumor und Gehirn präzise bestimmen und mehr Tumor entfernen, ohne funktionelle Grenzen zu überschreiten. Das verbessert die Resektionsqualität und senkt die Tumorlast für die anschließende Therapie.


Intraoperativer Ultraschall, Neuronavigation und Neuromonitoring sind drei unterschiedliche, aber eng miteinander verzahnte Werkzeuge, die während einer Operation dafür sorgen, dass der Eingriff radikaler, präziser und gleichzeitig sicherer wird. Sie ergänzen sich, weil jedes dieser Verfahren eine andere Art von Information liefert: räumliche Orientierung, Echtzeit‑Bildgebung und funktionelle Rückmeldung. Zusammen ermöglichen sie eine maximale sichere Resektion – also die größtmögliche Tumorentfernung ohne zusätzliche neurologische Ausfälle.

„Die modernen Verfahren der Hirntumorchirurgie zielen nicht darauf ab, ,aggressiver´, sondern präziser zu operieren. Dafür werden mehrere Techniken kombiniert, die jeweils unterschiedliche Informationen liefern: Die Neuronavigation zeigt die anatomische Position, funktioniert wie ein präzises Orientierungssystem und verbindet die präoperativen Bilddaten mit der tatsächlichen Anatomie im OP. Die 5‑ALA‑Fluoreszenz macht bestimmte Tumoranteile sichtbar, der intraoperative Ultraschall zeigt während des Eingriffs durch Echtzeitbilder, wie viel Tumor noch vorhanden ist. Und das Neuromonitoring sowie die direkte elektrische Stimulation identifizieren funktionell wichtige Strukturen. Wo liegt eine kritische Funktion, bei der man vorsichtig sein oder stoppen muss? Zusammen ermöglichen diese Verfahren, die Grenze zwischen Tumor und gesundem, funktionell relevantem Gewebe genau zu bestimmen – und damit mehr Tumor zu entfernen, ohne neurologische Funktionen zu gefährden“, beschreibt Prof. Dr. Stavrinou.

Prof. Dr. med. Pantelis Stavrinou

Nach einer erfolgreichen Operation hängt die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus davon ab, wie gut sich der Patient neurologisch erholt. In der Regel bleiben sowohl Meningeom‑ als auch Gliompatienten etwa drei bis vier Tage stationär. Innerhalb der ersten 24 Stunden wird eine neue Bildgebung – CT oder MRT – durchgeführt, um das Operationsergebnis zu überprüfen. Wenn der Befund gut aussieht, der Patient stabil ist und mobilisiert werden kann, steht einer Entlassung nach Hause nichts im Weg.

Prof. Dr. Stavrinou merkt dazu an: „Die weitere Verlaufskontrolle unterscheidet sich deutlich zwischen Meningeomen und Gliomen. Bei Gliomen handelt es sich nicht um gutartige Tumore, weshalb nach der Operation eine kombinierte Radiochemotherapie notwendig ist. Diese beginnt etwa 20 bis 30 Tage nach dem Eingriff. Der Patient erhält über sechs Wochen insgesamt rund 30 Bestrahlungen, jeweils von Montag bis Freitag, und anschließend sechs Zyklen einer Chemotherapie in Tablettenform. Wie wahrscheinlich ein Rezidiv ist, hängt stark vom Tumortyp ab. Besonders hochgradige Gliome – Glioblastome und anaplastische Gliome – neigen fast regelhaft dazu, wiederzukommen. Das Wiederauftreten ist eher die Regel als die Ausnahme. Trotz der aggressiven Natur dieser Tumore hat sich die Prognose in den vergangenen Jahren verbessert: Neue Medikamente und moderne Therapiekonzepte ermöglichen heute nicht nur eine längere Überlebenszeit, sondern auch eine deutlich bessere Lebensqualität, was für viele Betroffene von großer Bedeutung ist“.


„Künstliche Intelligenz spielt heute bereits eine wichtige Rolle – allerdings vor allem in der Diagnostik. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können mithilfe von KI so präzise ausgewertet werden, dass die Modelle teils genauso genaue, manchmal sogar genauere Befunde liefern als ein Radiologe. Während der Operation selbst kommt KI derzeit noch nicht zum Einsatz, doch genau dort wird sie sich als Nächstes etablieren: bei der Verarbeitung anatomischer und funktioneller Daten aus Neuronavigation und Neuromonitoring. Künftig könnten präoperative Informationen automatisch erstellt werden, und die KI könnte in Echtzeit berechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass sich an einer bestimmten Stelle eine wichtige Funktion befindet. Erste KI‑gestützte Eingriffe – etwa bei Hypophysenadenomen – wurden bereits durchgeführt. Die Entwicklung schreitet schnell voran und wird die intraoperative Entscheidungsfindung spürbar verändern“, so Prof. Dr. Stavrinou.


Patienten können ein wirklich hochspezialisiertes Zentrum daran erkennen, dass moderne Verfahren wie Neuronavigation, intraoperativer Ultraschall und Neuromonitoring nicht nur vorhanden, sondern tatsächlich routinemäßig und mit hoher Qualität eingesetzt werden. Das zeigt sich nicht an Werbeaussagen, sondern an klaren, überprüfbaren Merkmalen im klinischen Alltag und in der Art, wie das Team über den Eingriff spricht.

„Ein Patient, der nach der richtigen neurochirurgischen Behandlung sucht, sollte weniger auf einzelne Geräte oder technische Schlagworte achten, sondern darauf, ob ein Zentrum diese Verfahren routinemäßig und sinnvoll in ein Gesamtkonzept integriert. Entscheidend ist, dass moderne Neuroonkologie immer interdisziplinär funktioniert: Neuroradiologie, Neuropathologie, Neuroonkologie, Strahlentherapie und Neurochirurgie müssen eng zusammenarbeiten und ihre Entscheidungen in einem Tumorboard abstimmen. Ebenso wichtig ist, dass Technologien wie Navigation, Fluoreszenz oder Neuromonitoring nicht als Selbstzweck eingesetzt werden, sondern gezielt und passend zum jeweiligen Tumor. Die eigentliche Expertise zeigt sich darin, für jeden einzelnen Fall die richtigen Werkzeuge auszuwählen und sie so zu kombinieren, dass Tumorkontrolle und funktionelle Sicherheit optimal ausbalanciert sind. Für Patienten ist eine einfache Frage oft besonders aufschlussreich: Wie planen Sie meine Operation konkret, um möglichst viel Tumor zu entfernen und gleichzeitig meine Funktionen zu schützen? Die Qualität der Antwort sagt meist mehr aus als lange Listen technischer Ausstattung oder reine Fallzahlen. Ebenso spielt die Beziehung zwischen Arzt und Patient eine große Rolle. Gerade bei Hirntumoren braucht es Vertrauen, klare Kommunikation und das Gefühl, gut begleitet zu sein. Ein Zentrum, das viele solcher Eingriffe durchführt, verfügt nicht nur über die notwendige Erfahrung, sondern auch über die Strukturen, die für eine komplexe Behandlung unverzichtbar sind“, betont Prof. Dr. Stavrinou zum Abschluss unseres Gesprächs.


  • Erfahrener Neurochirurg mit langjähriger klinischer Tätigkeit in führenden europäischen Universitätskliniken
  • Oberarzt der Neurochirurgie Köln von 2011–2019; seit 2020 Direktor Neurochirurgie am Metropolitan Hospital Athen
  • Habilitation und Ernennung zum Privatdozenten an der Universität zu Köln, 2020
  • Professor für Neurochirurgie an der University of Nicosia, 2025
  • Spezialist für Neuroonkologie, Schädelbasischirurgie und minimalinvasive Wirbelsäulenchirurgie
  • Hohe operative Expertise: zahlreiche komplexe Hirntumor‑ und Wirbelsäulenoperationen; international gefragter Kursleiter
  • Leiter des „Cologne Skull Base Course“ über viele Jahre; Ausbildung von Neurochirurgen aus aller Welt
  • Mitautor offizieller EANO‑Leitlinien für Meningeome (2016, 2021) und Vestibularisschwannome (Neuro-Oncology 2020;22(1):31–45)
  • Beteiligung an internationalen neuroonkologischen Studien; zahlreiche Publikationen in führenden Fachjournalen
  • Master-Diplom der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft mit Expertise in Mikrodiskektomie, perkutaner Fusion, Kyphoplastie und XLIF
  • Internationale Ausbildung: Stationen u. a. in Köln, Hannover, München (pädiatrische Neurochirurgie), Thessaloniki und Athen
  • Mehrfach ausgezeichnet: Forschungspreise 2009, 2017 sowie Honourable Mention des EANS-Research Prize 2018

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Über den Fachautor

Alexandra Pfitzmann

Redakteurin

Als Diplomatentochter weltweit Zuhause, lebt Alexandra Pfitzmann seit dem Jahr 2000 glücklich in Berlin und auf Mallorca.

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