Die transarterielle periartikuläre Embolisation (TAPE) ist ein minimalinvasives, bildgestütztes Verfahren zur Behandlung schmerzhafter Gelenkerkrankungen. Sie kommt insbesondere bei Beschwerden an Hüfte, Knie, Händen und Füßen zum Einsatz und zielt darauf ab, entzündlich bedingte Schmerzen durch gezielte Gefäßembolisation zu reduzieren. Ziel dieser Methode ist es, die pathologische Mehrdurchblutung und Entzündung im Gelenkbereich gezielt zu reduzieren, wodurch Schmerzen gelindert und die Beweglichkeit verbessert werden. Zu diesem Thema konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide in einem Gespräch mit Professor Dr. Dr. med. Thomas J. Vogl mehr erfahren.

Die TAPE-Therapie (transarterielle periartikuläre Embolisation) wird insbesondere bei chronischen Gelenkerkrankungen angewendet, die durch degenerative Veränderungen oder entzündliche Prozesse verursacht werden.
„TAPE steht für eine transarterielle, periartikuläre Embolisation. Manchmal spricht man auch einfach von TAE, also einer transarteriellen Embolisation, aber TAPE beschreibt das Ganze eigentlich präziser. Faszinierend ist daran, dass man Menschen helfen kann, indem man gezielt Gefäße verschließt. Normalerweise nutzt man solche arteriellen Verfahren, um Blutungen zu stoppen oder Tumore zu behandeln. Hier aber werden Medikamente über die Gefäße direkt in das Gelenk gebracht. Durch den Verschluss bestimmter Gefäße wird die wuchernde Gelenkinnenhaut – die Synovia – sowie bestehende Reizzustände von der Durchblutung abgeschnitten. Das führt dann zu einer Verbesserung der Beschwerden. Geeignet ist das Verfahren nicht für akute Entzündungen oder Tumorerkrankungen, sondern für chronische Gelenkschäden: Knorpeldefekte, alte Bandverletzungen oder allgemein Reizzustände im Gelenk. Genau diese Reizzustände werden durch die Embolisation unterbrochen, weil die Durchblutung reduziert wird. Viele Patienten können sich danach wieder besser bewegen, werden insgesamt beweglicher und empfinden eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität“, schildert Prof. Dr. Dr. Vogl zu Beginn unseres Gesprächs und führt weiter aus:
„Typischerweise kommen Patienten zu uns, deren Gelenke sich über eine längere Zeit kontinuierlich verschlechtern, aber noch keinen Gelenkersatz möchten. Ein Beispiel: Ein 60-jähriger Patient mit ausgeprägter Kniearthrose. Wenn er durch das Verfahren ein oder zwei Jahre länger gut laufen kann, lässt sich der Zeitpunkt einer Prothese hinauszögern. Das ist wichtig, denn bekommt man mit 60 Jahren ein künstliches Knie, ist es mit 70 oft verschlissen – und ein Prothesenwechsel ist in einem höheren Alter immer deutlich riskanter. Genau das versucht man zu vermeiden. Am häufigsten wird das Verfahren am Knie eingesetzt, weltweit ist das der Hauptanwendungsbereich. Danach folgen die Hüftgelenke. Seltener behandelt man Ellbogen bei schwerer Arthrose, Handgelenke oder Füße – aber grundsätzlich überall dort, wo Weichteilreaktionen auftreten. Das lässt sich gut steuern, weil stark durchblutete Bereiche viel Kontrastmittel aufnehmen und man diese ,wolkigen´ Areale durch die Kügelchen gezielt reduzieren kann. Hier gibt es zwei Varianten: permanente Partikel, die über viele Jahre langsam abgebaut werden, und neuere, temporäre Partikel, die sich durch natürliche Prozesse im Blut innerhalb von drei bis sechs Monaten vollständig auflösen. Das finden viele Patienten sehr attraktiv. Die Wirkung ist grundsätzlich dieselbe, nur weiß man bei den temporären Partikeln noch nicht, ob der Effekt langfristig genauso stabil bleibt, weil sie noch nicht lange genug im Einsatz sind. Und wichtig ist: Das Verfahren heilt das Gelenk nicht. Der Knorpel bleibt geschädigt. Aber der Schmerz lässt nach, die Lebensqualität steigt, und man kann das eigene Gelenk länger nutzen“.
TAPE wird häufig dann eingesetzt, wenn konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerzmedikation oder intraartikuläre Injektionen nicht mehr ausreichend wirken, eine Operation aber noch nicht erforderlich oder nicht gewünscht ist. Besonders vorteilhaft ist die Methode für Patienten, die eine gelenkerhaltende Alternative suchen, da das Verfahren das Gelenk selbst unverändert lässt und minimalinvasiv durchgeführt wird.

„In der Regel nimmt der Patient vorher Kontakt auf, entweder über den Orthopäden oder direkt bei uns. Zunächst klären wir in einem telefonischen Gespräch, ob das Verfahren grundsätzlich infrage kommt. Stellt sich der Patient dann persönlich vor, erstellen wir dreidimensionale Aufnahmen, meist ein MRT inklusive Gefäßdarstellung. Dabei prüfen wir, ob die Gefäße offen sind und ob der Eingriff technisch überhaupt möglich ist. Anschließend muss geklärt werden, wie es mit dem Kostenträger aussieht – also welche Krankenkasse zuständig ist. Je nach Versicherung kann es notwendig sein, eine Genehmigung einzuholen. Bei diesem Prozess unterstützen wir die Patienten. Manche Krankenkassen verlangen eine genaue Begründung oder Hypothese zu den Kosten, bevor sie zustimmen. Das muss man im Einzelfall prüfen. Nach der Untersuchung bespricht man erneut alles mit dem Patienten, geht Chancen und Risiken durch und entscheidet gemeinsam, ob der Eingriff durchgeführt wird. Dieser kann entweder am selben Tag oder zu einem späteren Termin stattfinden. Der Eingriff selbst dauert etwa eine Stunde und ist in der Regel schmerzlos. Danach beobachten wir den Patienten noch vier Stunden. Wenn alles unauffällig ist, kann er die Klinik am selben Tag wieder verlassen“, so Prof. Dr. Dr. Vogl.
Konservative Therapien wie Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente oder Injektionen wirken meist nur symptomatisch, ohne direkt die Ursache der Schmerzen zu adressieren, während operative Eingriffe deutlich invasiver sind, längere Erholungszeiten erfordern und mit höheren Risiken verbunden sein können. TAPE hingegen wirkt gezielt an den krankhaften Gefäßen, ist gewebeschonend, erhält das Gelenk und kann sowohl als eigenständige Therapie als auch begleitend zu anderen Maßnahmen eingesetzt werden. Durch diese direkte, minimalinvasive Behandlung können Schmerzen oft effektiv reduziert und die Gelenkfunktion verbessert werden, ohne dass eine Operation erforderlich ist.
TAPE eignet sich nicht für Patienten mit stark zerstörten Gelenken, etwa bei ausgeprägter Arthrose oder massivem Knorpelverlust, da die Schmerzen dort vor allem durch die strukturellen Schäden entstehen. Auch infizierte oder akut entzündete Gelenke sowie systemische Infektionen schließen den Eingriff aus. Zudem müssen die Blutgerinnung und Gefäße geeignet sein – schwere Gerinnungsstörungen, unkontrollierte Blutverdünnung oder bestimmte Gefäßerkrankungen erhöhen das Risiko. Bei starkem Übergewicht oder ungünstiger Anatomie kann der Zugang zu den Gefäßen erschwert sein. Grundsätzlich ersetzt TAPE keine Operation, wenn eine Prothese oder ein anderer Eingriff eindeutig notwendig ist, etwa bei Instabilität, stark eingeschränkter Funktion oder großen Defekten.
Der Ablauf der TAPE-Therapie ist für die Patienten gut strukturiert, minimalinvasiv und meist ambulant durchführbar. Vor dem Eingriff steht zunächst eine gründliche Vorbereitung, die eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT oder CT umfasst, um das betroffene Gelenk und die Gefäßstruktur genau zu beurteilen. Zudem werden mögliche Risiken abgeklärt, etwa Blutgerinnungsstörungen oder Begleiterkrankungen, und der Patient über den Ablauf, mögliche Nebenwirkungen und die Nachsorge aufgeklärt. Oft ist eine Anpassung von blutverdünnenden Medikamenten erforderlich.
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Am Behandlungstag erhält der Patient zunächst eine örtliche Betäubung. Anschließend wird ein dünner Katheter über eine Arterie in der Leiste oder am Arm eingeführt und unter Röntgenkontrolle bis zu den kleinen Gefäßen rund um das betroffene Gelenk vorgeschoben. Dort werden die entzündungsfördernden Gefäße mit winzigen Partikeln gezielt verschlossen. Der Patient bleibt währenddessen wach oder erhält eine leichte Sedierung; eine Vollnarkose ist nicht erforderlich. Nach Entfernen des Katheters und einer kurzen Überwachungsphase kann der Patient in der Regel noch am selben Tag nach Hause gehen.
Hierzu kommentiert Prof. Dr. Dr. Vogl: „Während des Eingriffs selbst braucht man aktuelle Blutwerte, und es wird ein sehr kleiner Katheter gelegt, der präzise an die richtige Stelle geführt wird. Der Eingriff dauert meist zwischen einer halben und einer Stunde, weil die Arbeit an den sehr kleinen Gefäßen äußerst detailliert ist. Mit entsprechender Erfahrung ist das aber gut machbar. Grundsätzlich richtet sich die Methode an Patienten, die durch eine Gelenkarthrose starke Einschränkungen in ihrer Lebensqualität haben, aber noch nicht bereit oder geeignet für eine Vollprothese sind – sei es, weil sie zu jung sind, es noch nicht wollen oder der Schaden noch nicht so weit fortgeschritten ist. Genau in diese Lücke passt das Verfahren. Schließlich ist auch bei einer Prothese nicht garantiert, dass man danach völlig beschwerdefrei ist. Viele würden es an dieser Stelle genauso machen: erst einmal versuchen, ob man durch die Embolisation Lebensqualität zurückgewinnt. Eine Prothese kann man später immer noch einsetzen – die läuft ja nicht weg, und eingebaut wird sie heute an jeder Ecke. Die Methode selbst ist in einem ähnlichen Kontext entstanden wie die Prostata- oder Myomembolisation“ und erläutert zum Abschluss unseres Gesprächs, was im Nachgang passiert:
„Ein wenig Ruhe schadet nicht, und die Belastung sollte zunächst reduziert werden. Schwere Komplikationen haben wir bei mehreren Hundert Patienten noch nie erlebt. Es kann höchstens sein, dass es an der Punktionsstelle in der Leiste etwas nachblutet, aber ernsthafte Probleme sind bislang glücklicherweise nicht aufgetreten. Was den Effekt betrifft, berichten die meisten Patienten, dass die erste Besserung nach drei bis vier Wochen einsetzt. Das Maximum wird nach etwa drei Monaten erreicht, und der Nutzen hält meist ein bis zwei Jahre an – abhängig vom Bewegungsumfang und davon, wie gut der Patient selbst mitarbeitet. Verschlechtern sich die Beschwerden wieder, kann man den Eingriff grundsätzlich wiederholen. Beliebig oft sollte man das nicht tun, aber zwei- bis dreimal ist durchaus möglich. Gerade für jüngere Patienten, die früh Probleme mit dem Knie haben und eine Prothese möglichst lange hinauszögern möchten, ist das eine sehr attraktive Option“.
Vielen Dank, Professor Dr. Dr. Vogl, für den interessanten Einblick in die vielversprechende TAPE-Behandlung!
- Spezialist für Strahlentherapie-Radioonkologie, Neuroradiologie und interventionelle Radiologie in Frankfurt am Main und anerkannt in der interventionellen Radiologie als einer der führenden Experten Europas.
- Führt fortschrittliche Verfahren durch, wie transarterielle regionale Chemoperfusion, Tumorablationstechniken und Embolisationen.
- Innovator in der medizinischen Technik, bekannt für die Entwicklung eines Angiographie-Roboters zur besseren Tumordiagnose.
- Fokus auf minimalinvasive Behandlungen, einschließlich der Anwendung von modernster 3D-Kameratechnologie und KI.
- Engagiert für patientennahe Betreuung, Qualitätssicherung und interdisziplinären Austausch.
- Offizieller Kooperationspartner des DFB, spezialisiert auf die medizinische Versorgung von Profisportlern.
- Publiziert zahlreiche Standardwerke, erhält mehrere Wissenschaftspreise und ist Mitglied in diversen internationalen Fachverbänden.