Strukturierter Behandlungsablauf in der Viszeralchirurgie: Von der Tumorboard-Diagnostik bis zur minimal-invasiven Operation

20.02.2026

Die Viszeralchirurgie umfasst die operative Behandlung der inneren Organe, insbesondere des Verdauungstrakts, der Leber, Gallenwege und Schilddrüse. Sie verbindet moderne chirurgische Verfahren mit einer präzisen Diagnostik, die heute häufig minimal-invasiv erfolgt und damit eine schonendere Abklärung ermöglicht. Bei onkologischen Erkrankungen spielt zudem das interdisziplinäre Tumorboard eine zentrale Rolle: Jeder Patient wird dort gemeinsam mit Experten verschiedener Fachrichtungen besprochen, um eine individuell abgestimmte, medizinisch fundierte Therapieentscheidung zu treffen. Zum konkreten Ablauf und wie welche Behandlungsstrategien entwickelt werden, sprach die Redaktion des Leading Medicine Guide mit dem Spezialisten für Allgemein- und Viszeralchirurgie Sven Henne.

Sven Henne_Spezialist für Allgemein- & Viszeralchirurgie mit Schwerpunkt auf minimal-invasiven und onkologischen Eingriffen in Schwarzenbruck

Der Weg von der ersten Diagnose bis zur Operation bei gastrointestinalen Tumoren folgt einem klar strukturierten, interdisziplinären Ablauf, der darauf ausgelegt ist, die Erkrankung präzise zu erfassen und die bestmögliche Therapie zu planen. 

In der Viszeralchirurgie gibt es zwei typische Wege, auf denen Patienten zu uns kommen: über die Notaufnahme mit akuten Beschwerden wie plötzlich einsetzenden Bauchschmerzen, Erbrechen oder Zeichen eines Darmverschlusses – oder elektiv über die Sprechstunde, nachdem sie bereits vom Hausarzt, Gastroenterologen oder niedergelassenen Chirurgen voruntersucht wurden und eine Operation empfohlen bekommen haben. Bei den elektiven Fällen läuft es so ab, dass der Patient zunächst einen Termin über das Sekretariat vereinbart und dann in der Sprechstunde einem Facharzt vorgestellt wird. Dort wird die Anamnese ausführlich erhoben, inklusive Begleiterkrankungen und Medikamentenplan. Wir freuen uns immer, wenn Vorbefunde oder Arztbriefe mitgebracht werden. Anschließend wird das konkrete Krankheitsbild untersucht und medizinisch bewertet – etwa ein Leistenbruch, Refluxbeschwerden oder proktologische Erkrankungen wie Hämorrhoiden oder Fisteln. Je nach Befund wird eine Therapieempfehlung ausgesprochen: Manches kann beobachtet oder konservativ behandelt werden, vieles – wie ein symptomatischer Leistenbruch – wird operiert, sofern keine schweren Vorerkrankungen dagegensprechen. In derselben Sitzung erfolgt die chirurgische Aufklärung über das Operationsverfahren und das Risikoprofil, damit der Patient ausreichend Bedenkzeit hat und die Aufklärung durch jemanden erfolgt, der den Eingriff auch tatsächlich durchführt. Ein bis zwei Wochen vor der Operation kommen die Patienten zur ambulanten Vorbereitung, bringen Laborwerte vom Hausarzt mit oder lassen Blut abnehmen, führen das Narkosegespräch und werden für die stationäre Aufnahme vorbereitet. Nach drei bis vier Stunden gehen sie wieder nach Hause und erscheinen am Operationstag nüchtern zur vereinbarten Uhrzeit. Auf der Empfangsstation werden sie begrüßt, die OP-Seite wird markiert, und auf Wunsch informieren wir nach der Operation die Angehörigen telefonisch, da es oft etwas dauert, bis die Patienten selbst wieder ansprechbar und sortiert sind. Je nach Eingriff geht es anschließend auf die Intensivstation, die Normalstation oder – bei kleineren Eingriffen – noch am selben Tag nach Hause“, erklärt Sven Henne und schildert dann die Vorgehensweise bei Notfällen:

In der Notaufnahme stellt sich die Situation anders dar. Dort erscheinen Patienten meist über den Rettungsdienst oder eigenständig mit akuten Beschwerden. Die Kolleginnen und Kollegen der Notaufnahme untersuchen sie zunächst und ziehen uns Viszeral- und Allgemeinchirurgen bei Bedarf hinzu. Es wird Blut abgenommen, die Werte werden beurteilt, der Patient wird klinisch untersucht, häufig ergänzt durch einen Ultraschall. Wenn weitere Diagnostik nötig ist, etwa ein CT, wird diese veranlasst. Liegt eine klare Diagnose vor, kann entsprechend gehandelt werden – nicht alles muss operiert werden. Bei unklaren Fällen, die ,noch nicht ganz Fisch und nicht Fleisch´ sind, nehmen wir die Patienten für eine Nacht zur klinischen Überwachung auf und beurteilen sie am nächsten Tag erneut. So gestaltet sich der Zustrom über die Notaufnahme“.

Im Tumorboard wird die Behandlungsstrategie für Patienten mit onkologischen Erkrankungen gemeinsam von Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen entwickelt. Chirurgie, Onkologie, Gastroenterologie, Radiologie, Pathologie und gegebenenfalls Strahlentherapie bringen dabei ihre jeweiligen Perspektiven ein. 

Grundlage der Diskussion sind alle verfügbaren diagnostischen Informationen – Bildgebung, endoskopische Befunde, histologische Ergebnisse, Laborwerte und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Entscheidend ist, das Tumorstadium präzise einzuordnen und zu klären, ob eine primäre Operation sinnvoll ist oder ob zunächst eine Vorbehandlung wie Chemo- oder Strahlentherapie den besseren Therapieerfolg verspricht. 

Wenn bei einem Patienten ein Tumor diagnostiziert wurde, kommen die meisten bereits mit einer gesicherten Diagnose in die Chirurgie – häufig nach einer Vorsorge-Darmspiegelung oder weil Blut im Stuhl aufgefallen ist. Ab dem 50. Lebensjahr wird die Vorsorge empfohlen, bei familiärer Belastung auch früher. Liegt der feingewebliche Nachweis eines Darmkrebses vor, folgt in der Regel schon vor dem chirurgischen Gespräch das sogenannte Staging, also die Umfelddiagnostik. Dabei wird geklärt, ob Lymphknoten befallen sind, wie weit der Tumor in die Darmwand hineinwächst und ob Absiedlungen in Leber, Lunge oder anderen Organen bestehen. Diese Informationen sind entscheidend für die weitere Therapieplanung. Beim Dickdarmkrebs genügt dafür meist ein CT, eventuell ergänzt durch einen Ultraschall und Tumormarker im Blut. In den meisten Fällen wird dieser Tumor primär operiert, ohne vorherige Chemo- oder Strahlentherapie. Beim Mastdarmkrebs ist die Situation komplexer. Hier können die unterschiedlichen Tumorstadien eine präoperative Behandlung mit Strahlen- und Chemotherapie notwendig machen. Deshalb wird zusätzlich ein MRT durchgeführt, das die Weichteile besser darstellt, sowie ein transrektaler Ultraschall, um die Ausdehnung des Tumors noch genauer zu beurteilen. Eine starre Rektoskopie ist ebenfalls notwendig, um den exakten unteren Tumorrand festzulegen, da dieser Einfluss auf die Therapie hat. Hochsitzende Tumoren werden wie Dickdarmkrebs behandelt, Tumoren im mittleren und unteren Drittel dagegen nach speziellen Schemata“, erläutert Sven Henne.

Sind alle Befunde erhoben, wird der Fall in einer Tumorkonferenz besprochen. Dort sitzen alle Fachdisziplinen zusammen, die an Diagnostik und Therapie beteiligt sind. 

Hierzu verdeutlich Sven Henne: „Der Gastroenterologe berichtet über die Befunde der Spiegelung und weist auf Besonderheiten hin, etwa große Polypen oder sehr frühe Tumoren, die man von außen während einer minimalinvasiven Operation sonst nicht erkennen würde. In solchen Fällen empfiehlt er, den Tumor vorab mit medizinischer Tinte zu markieren – ein ,Tattoo´, das die Orientierung im OP erleichtert. Der Radiologe stellt die Bildgebung vor, erklärt die Ausdehnung des Tumors und den Bezug zu umliegenden Strukturen wie Harnleiter oder Organen. Der Onkologe beurteilt die Situation aus Sicht der Chemotherapie, der Strahlentherapeut klärt, ob und in welcher Dosierung eine Bestrahlung möglich ist – besonders wichtig bei Patienten, die im kleinen Becken bereits eine Vorbestrahlung erhalten haben. Der Chirurg bringt seine Einschätzung ein, kennt idealerweise den Patienten bereits und beurteilt, ob eine primäre Operation möglich ist oder ob der Allgemeinzustand vorher verbessert werden sollte, etwa durch Behandlung einer Blutarmut oder durch körperliche Aktivierung. Am Ende steht ein gemeinsamer Beschluss, der sich an den aktuellen Leitlinien orientiert, aber immer individuell auf den Patienten zugeschnitten ist. Die Empfehlung kann eine primäre Operation sein, eine vorgeschaltete Chemo- oder Strahlentherapie oder – bei fortgeschrittener Metastasierung – ein palliatives Konzept, das auf Lebensqualität und Symptomkontrolle ausgerichtet ist. Beim Mastdarmkrebs findet diese Tumorkonferenz immer prä- und postoperativ statt. Beim Dickdarmkrebs genügt in der Regel die postoperative Besprechung. Wenn ein Patient jedoch ein mehrstufiges Therapiekonzept erhält, wird er nach jedem Abschnitt erneut vorgestellt – nach der Diagnose, nach der Vorbehandlung und nach der Operation. Auch in der Nachsorge gilt: Jede neue relevante Erkenntnis, etwa das Auftreten einer Lebermetastase zwei Jahre nach der Operation, wird erneut im Tumorboard besprochen. So wird sichergestellt, dass jeder Patient zu jedem Zeitpunkt die bestmögliche, interdisziplinär abgestimmte Therapie erhält“.

Steht eine Operation im Raum, wird im nächsten Schritt festgelegt, ob ein minimal-invasives oder ein offenes Verfahren den größeren Nutzen bietet. Minimal-invasive Techniken werden bevorzugt, da sie onkologisch gleichwertige Ergebnisse liefern und gleichzeitig Vorteile wie geringere Schmerzen, weniger Wundkomplikationen und eine schnellere Erholung ermöglichen. In manchen Fällen kann eine „offene“ Operation sinnvoller sein, z. B. bei deutlich eingeschränkter Herzfunktion, nach ausgedehnten Voroperationen oder aufgrund anatomischer Besonderheiten.

Sven Henne Spezialist für Allgemein- & Viszeralchirurgie mit Schwerpunkt minimal-invasive und onkologische Eingriffe Krankenhaus Rummelsberg
Sven Henne im OP._Uwe Niklas

In der Tumorkonferenz wird nicht nur über die Therapieabfolge entschieden, sondern auch darüber, ob ein Eingriff offen oder minimalinvasiv durchgeführt werden sollte. Die Patienten werden anschließend in der Sprechstunde gesehen, aufgeklärt und klinisch untersucht. Dabei zeigt sich oft schon, welche Operationsmethode sinnvoll ist. Wenn jemand mehrfach am Bauch voroperiert wurde, kann das ein Grund sein, primär offen zu operieren. Auch sehr große Magentumoren oder eine ausgeprägte Leberzirrhose mit Umgehungskreisläufen – vergleichbar mit Krampfadern im Bauch – erhöhen das Blutungsrisiko und schränken die Möglichkeiten der Laparoskopie ein. Trotzdem lassen sich die meisten Patienten minimalinvasiv operieren. Eine Voroperation ist dabei kein Ausschlusskriterium. Häufig wird zunächst laparoskopisch mit der Kamera hineingeschaut. Wenn die Verwachsungen überschaubar sind, kann der Eingriff minimalinvasiv fortgeführt werden. Erst wenn sich zeigt, dass die Situation im Bauchraum zu komplex oder zu stark verwachsen ist, wird auf eine offene Operation umgestellt. Gründe für eine primär offene Operation gibt es also, sie sind aber insgesamt selten. Die Vorteile der minimalinvasiven Chirurgie liegen klar auf der Hand. Durch die 3D-Kamera entsteht eine hervorragende Sicht, die es ermöglicht, sehr nah und präzise am Gewebe zu arbeiten. Für die Patienten bedeutet die Methode vor allem eine deutlich geringere Störung der Bauchdecke, da nur kleine Schnitte notwendig sind. Das wirkt sich unmittelbar auf die Schmerztherapie aus: Die Erholung verläuft schneller, es werden weniger Schmerzmittel benötigt, und damit sinkt auch das Risiko einer postoperativen Darmlähmung. Gerade Morphinderivate machen den Darm träge, und wenn am Darm operiert wurde, verstärkt sich dieser Effekt. Minimalinvasive Eingriffe führen hier zu deutlich weniger und kürzer anhaltenden Problemen. Durch die schnellere Erholung können viele Patientinnen und Patienten früher aus dem Krankenhaus entlassen werden. Im Durchschnitt liegt der Aufenthalt bei etwa sieben Tagen. Manche gehen bereits nach fünf Tagen nach Hause, andere bleiben zehn – je nachdem, wie schnell der Darm wieder in Gang kommt und wie das individuelle Schmerzempfinden ist. Im Schnitt zeigt sich jedoch, dass die minimalinvasive Operation den Genesungsprozess spürbar beschleunigt“, hebt Sven Henne hervor.

Bei gutartigen und bösartigen Erkrankungen unterscheiden sich die operativen Techniken vor allem in Zielsetzung und Radikalität. Diese Unterschiede bestimmen maßgeblich, wie operiert wird – und ob robotische Systeme einen zusätzlichen Nutzen bieten. 

Bei bösartigen Tumoren folgt die Operation immer dem Prinzip der onkologischen Resektion. Das bedeutet, dass nicht nur der Tumor selbst entfernt wird, sondern auch sein potenzieller Metastasierungsweg: die zu- und abführenden Blutgefäße sowie das gesamte lymphatische Gewebe mitsamt der zugehörigen Lymphknotenstationen. Das kennt man etwa vom Brustkrebs, bei dem häufig Lymphknoten in der Achsel mitentfernt werden. Im Darmbereich wird das Fettgewebe, das die Blut- und Lymphgefäße enthält, die den betroffenen Darmabschnitt versorgen, ebenfalls mitreseziert. Das bestimmt letztlich auch das Ausmaß der Operation, denn der Darm kann nur dort wieder zusammengenäht werden, wo er auf beiden Seiten gut durchblutet ist. Wird das tumorversorgende Gefäß zentral unterbunden, muss man genau prüfen, an welcher Stelle der Darm sicher wieder verbunden werden kann. Bei gutartigen Erkrankungen ist dieses Vorgehen nicht notwendig. Hier müssen weder die Lymphabflussgebiete entfernt noch die Blutgefäße zentral unterbunden werden. Dadurch fällt die Resektion meist kleiner aus, und auch die möglichen Nebenwirkungen – etwa eine postoperative Darmlähmung – können geringer sein“, konstatiert Sven Henne.

Nach onkologischen oder minimal-invasiven Eingriffen folgt eine strukturierte, eng abgestimmte postoperative Betreuung, die darauf ausgelegt ist, Komplikationen zu vermeiden, die Genesung zu beschleunigen und Patienten sicher durch die erste Zeit nach der Operation zu führen. 

Ein zentraler Bestandteil der Nachsorge ist das sogenannte Fast-Track- oder Enhanced-Recovery-Konzept, das frühe Mobilisation, eine rasche Wiederaufnahme der Ernährung und eine gezielte Schmerztherapie kombiniert. Durch diese Maßnahmen wird der Kreislauf stabilisiert, das Risiko für Thrombosen und Infektionen reduziert und die Darmfunktion schneller wiederhergestellt. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die engmaschige Überwachung der Vitalparameter und der Wundheilung. Moderne minimal-invasive Techniken führen zwar zu kleineren Schnitten und weniger Schmerzen, dennoch werden Blutwerte, Entzündungsparameter und die Funktion der betroffenen Organe regelmäßig kontrolliert, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Bei onkologischen Patienten spielt zudem die interdisziplinäre Nachsorge eine große Rolle: Chirurgie, Onkologie, Radiologie und gegebenenfalls Strahlentherapie stimmen gemeinsam ab, ob weitere Behandlungen wie Chemotherapie oder Immuntherapie notwendig sind und wann diese beginnen können. Auch die patientenorientierte Unterstützung ist entscheidend. Dazu gehören strukturierte Aufklärungsgespräche, individuelle Ernährungsberatung, physiotherapeutische Anleitung und eine klare Anleitung für die Zeit nach der Entlassung. Viele Kliniken nutzen heute digitale Tools oder telefonische Nachsorge, um Symptome früh zu erfassen und Unsicherheiten schnell zu klären.

Hierzu verdeutlicht Sven Henne: „Bei gutartigen und bösartigen Erkrankungen unterscheidet sich die Nachsorge deutlich. Am Beispiel des Darmkrebses lässt sich das gut erklären, denn hier gelten klare, leitlinienbasierte Vorgaben. Wird ein Darmkrebs in kurativer Absicht operiert – also mit dem realistischen Ziel, den Patienten wieder gesund zu machen – und bestätigt der Pathologe anschließend, dass der Tumor vollständig entfernt wurde und keine Metastasen mehr vorhanden sind, beginnt eine strukturierte Nachsorge. Die Patienten erhalten dazu einen Tumorpass und einen Arztbrief, in dem genau festgelegt ist, welche Untersuchungen in welchen Abständen notwendig sind. In den ersten zwei Jahren erfolgt die Kontrolle halbjährlich. Dabei wird erhoben, wie es dem Patienten geht, ob sich Beschwerden verändert haben, und es werden Blutuntersuchungen sowie Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Entscheidend ist auch die erste Darmspiegelung nach der Operation: Wenn der Tumor den Darm zuvor verengt hat und man den dahinterliegenden Abschnitt vor der Operation nicht einsehen konnte, wird die erste Spiegelung bereits nach einem halben Jahr empfohlen. In allen anderen Fällen erfolgt sie nach einem Jahr und dann erneut nach fünf Jahren – es sei denn, es gibt Auffälligkeiten, die eine frühere Kontrolle notwendig machen. Bis zum fünften Jahr nach der Operation finden die Nachsorgetermine jährlich statt. Zusätzlich kann nach einem Jahr ein CT sinnvoll sein, weil man weiß, dass sich damit Lebermetastasen früher erkennen lassen. Diese Empfehlung ist in die aktuelle Leitlinie aufgenommen worden. Die bekannte ,Fünf-Jahres-Grenze´ gilt weiterhin: Wenn in diesem Zeitraum keine Rückfälle auftreten, ist das Risiko eines Rezidivs sehr gering. Deshalb wird die strukturierte Nachsorge über genau diesen Zeitraum hinweg durchgeführt“.

Die Viszeralchirurgie wurde im Krankenhaus Rummelsburg eingeführt, weil das Haus sich von einer rein orthopädischen Fachklinik zu einem Akutkrankenhaus weiterentwickeln wollte. Eine gastroenterologische Abteilung war bereits geplant, und damit war klar, dass ergänzend auch ein Viszeralchirurg gebraucht wird. So entstand die Idee, die neue Fachrichtung aufzubauen.

Sven Henne Spezialist für Allgemein- & Viszeralchirurgie mit Schwerpunkt minimal-invasive und onkologische Eingriffe Krankenhaus Rummelsberg
Sven Henne im OP_Uwe Niklas

Ich habe diese Herausforderung angenommen und gemeinsam mit der Klinikleitung den Weg dorthin gestaltet. Zunächst begann die Teamsuche. Eine Kollegin aus meiner vorherigen Klinik kam einen Monat nach mir dazu, eine weitere Oberärztin startet zum 1. März, und zwei Assistentinnen gehören ebenfalls zum Team. Das Dienstsystem ist mit den orthopädischen Assistenten verzahnt, sodass rund um die Uhr ein chirurgischer Dienstarzt vor Ort ist – ergänzt durch eine oberärztliche Rufbereitschaft, die jederzeit hinzugezogen werden kann. Bevor die Arbeit überhaupt beginnen konnte, musste viel Struktur geschaffen werden. Es ging um die Anforderungen an die Station, an den OP und an das gesamte technische Umfeld. Für die minimalinvasive Chirurgie brauchten wir einen neuen Laparoskopie-Turm, inklusive CO₂-Insufflation, Optiken und Kameraeinheiten. Verschiedene Systeme wurden getestet, Angebote eingeholt, bis schließlich ein 4K-3D-System angeschafft wurde – mit 10-mm-Optik und einer 5-mm-Optik für kleinere Patienten. Die OP-Leitung hat diesen Prozess eng begleitet und die Instrumentensiebe entsprechend neu strukturiert. Auch Verbrauchsmaterialien mussten ausgewählt werden: Abdeckungen, Netze für Leisten- und Bauchwandbrüche, angepasstes Nahtmaterial. Für die Diagnostik bei Mastdarmtumoren wurden neue Rektoskope samt Lichtquellen benötigt. Viele Abläufe mussten im Vorfeld gedanklich durchgespielt werden, um nichts zu übersehen – und trotzdem zeigt sich im Alltag immer wieder etwas, das nachjustiert werden muss. Der gesamte Prozess des Aufbaus funktionierte sehr gut und eröffnet perspektivisch einen breiten Horizont für die Weiterentwicklung der Klinik“, fasst Sven Henne zusammen, und hebt zum Abschluss unseres Gesprächs noch hervor:

Neben der minimalinvasiven Darmchirurgie decken wir das gesamte Spektrum der Allgemein- und Viszeralchirurgie ab – mit wenigen Ausnahmen wie der Pankreaschirurgie oder sehr komplexen Leberoperationen. Dazu gehört die Schilddrüsenchirurgie ebenso wie die Behandlung gutartiger Erkrankungen, etwa Bauchwandbrüche oder symptomatische Gallensteine, die wir regelmäßig operieren. Auch gut- und bösartige Tumoren des Magens werden hier behandelt, ebenso wie Anti-Reflux-Operationen bei chronischem Sodbrennen oder bei einer Magenverlagerung in den Brustkorb. Das gesamte onkologische Spektrum der Darmchirurgie gehört ebenfalls zu unserem Portfolio, genauso wie akute Krankheitsbilder: Blinddarmentzündungen, Darmverschlüsse durch Verwachsungen und andere Notfälle werden hier versorgt. Ergänzt wird das Angebot durch die Proktologie – von der Fistelschirurgie bis zum Sinus pilonidalis, der Steißbeinfistel, die wir mit oder ohne plastische Deckung operieren. Das Krankenhaus Rummelsberg bietet damit eine breite Palette an Eingriffen, die das gesamte viszeralchirurgische Spektrum abbildet“.

Herzlichen Dank, Herr Henne, für dieses Gespräch rund um die Viszeralchirurgie!


  • Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Krankenhaus Rummelsberg, spezialisiert auf minimal-invasive und onkologische Chirurgie
  • Operative Behandlung von Tumoren des Verdauungstrakts; Vorstellung aller onkologischen Fälle im Tumorboard
  • Eingriffe an Leber, Gallenwegen, Milz und Schilddrüse
  • Versorgung von Hernien sowie Operationen bei Refluxerkrankung und Appendizitis
  • Konsequenter Einsatz schonender Schlüsselloch-Techniken
  • Enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Gastroenterologie und Radiologie zur optimalen Diagnostik, Therapie und Nachsorge