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Hallux valgus: Wenn der große Zeh aus der Spur gerät

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Alexandra Pfitzmann · 28. August 2026

Der Hallux valgus ist eine der häufigsten Fehlstellungen des Vorfußes – und weit mehr als ein rein kosmetisches Problem. Wenn sich der große Zeh zunehmend nach außen neigt und der Mittelfuß nach innen driftet, verändert sich die gesamte Statik des Fußes. Das führt zu Schmerzen, Druckstellen und oft erheblichen Einschränkungen im Alltag. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung sind entscheidend, um Beschwerden zu lindern und die natürliche Funktion des Fußes zu erhalten.

Daniel Krapf

Der Hallux valgus entwickelt sich durch ein komplexes Zusammenspiel aus biomechanischen Fehlbelastungen und genetischen Einflussfaktoren, die gemeinsam dazu führen, dass sich der große Zeh allmählich nach außen verschiebt. 

Die Ursachen für die Entwicklung eines Hallux valgus, umgangssprachlich auch Ballenzeh genannt, sind vielfältig. Häufig besteht eine familiäre Häufung, weshalb genetische Faktoren und eine angeborene Veranlagung eine wichtige Rolle spielen.

Darüber hinaus können biomechanische Veränderungen des Fußes, wie beispielsweise ein Knick-Senkfuß, die Entstehung und das Fortschreiten der Fehlstellung begünstigen. Solche Veränderungen führen zu einer veränderten Belastungsverteilung und Stabilität des Vorfußes. In seltenen Fällen kann auch ein Unfall Auslöser der Fehlentwicklung sein.

Zudem kann ungeeignetes Schuhwerk die Beschwerden verstärken. Insbesondere schmale oder drückende Schuhe sowie hohe Absätze erhöhen den Druck auf den Vorfuß und den Ballenbereich. Zwar sind sie meist nicht die alleinige Ursache eines Hallux valgus, können jedoch bestehende Fehlstellungen und Beschwerden deutlich verschlimmern.

Weitere mögliche Ursachen sind entzündliche Gelenkerkrankungen, welche die Stabilität des Gelenks beeinträchtigen, sowie muskuläre Schwächen oder neurologische Erkrankungen, die zu einer veränderten Fußbelastung und damit zu einer Fehlstellung der Großzehe führen können“, erklärt Dr. Krapf zu Beginn unseres Gesprächs. 

Beim Hallux valgus suchen Patienten den Arzt meist dann auf, wenn die Fehlstellung nicht mehr nur ein optisches Problem ist, sondern den Alltag spürbar beeinträchtigt. 

Die meisten Patienten klagen über belastungsabhängige Schmerzen beim Gehen oder Stehen. Häufig entwickeln sich diese Beschwerden über Jahre hinweg schleichend, sie können jedoch auch innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich zunehmen. Neben Schmerzen im Ballenbereich treten häufig Druckstellen, Schwellungen und Schwierigkeiten beim Tragen von Schuhen auf. In fortgeschrittenen Stadien können auch nächtliche Beschwerden, Brennen, Kribbeln oder andere Gefühlsstörungen auftreten“, schildert Dr. Krapf.

Daniel Krapf

Foto Hallux Valgus KI-generiert

Betroffene berichten über ein unsicheres Abrollen, ein Ausweichen auf die Außenkante des Fußes oder über belastungsabhängige Schmerzen im Mittelfuß, die durch die veränderte Druckverteilung entstehen. Manche entwickeln zusätzlich Beschwerden in den kleineren Zehen, etwa durch Hammerzehen oder Metatarsalgien (Schmerzen im Bereich des Mittelfußes), die sekundär durch die Fehlstellung ausgelöst werden.

Auch nächtliche Schmerzen, ein Gefühl von Instabilität oder das Empfinden, „nicht mehr richtig laufen zu können“, sind häufige Gründe für eine ärztliche Vorstellung. Viele kommen zudem, weil sie beobachten, dass sich der große Zeh sichtbar weiter nach außen verschiebt oder weil die Fehlstellung plötzlich schneller fortschreitet. 

Ob ein Hallux valgus stabil bleibt oder sich deutlich verschlimmert, lässt sich nur durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, funktioneller Analyse und bildgebender Diagnostik zuverlässig beurteilen. Die Diagnose folgt einem klaren Ablauf, bei dem sowohl die sichtbare Fehlstellung als auch die zugrunde liegenden biomechanischen Muster bewertet werden. 

Zunächst zeigt die klinische Untersuchung, wie stark die Achse des großen Zehs bereits abweicht und ob Begleitveränderungen vorliegen. Ein Hinweis auf einen fortschreitenden Verlauf sind zunehmende Druckschmerzen an der Innenseite des Fußes, eine entzündete oder verdickte Schleimbeutelregion sowie sekundäre Veränderungen wie Hammerzehen oder ein überlasteter Mittelfuß.

Auch die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks spielt eine Rolle: Ein instabiles oder hypermobiles Gelenk begünstigt eine Verschlechterung, während ein festes, wenig bewegliches Gelenk eher auf einen stabilen Verlauf hinweist. 

Hierzu kommentiert Dr. Krapf: „Eine zuverlässige Prognose ist im Einzelfall schwierig. Verschiedene Faktoren können jedoch Hinweise darauf geben, ob mit einer Zunahme der Fehlstellung zu rechnen ist. Von Bedeutung sind insbesondere die Ursache des Hallux valgus sowie die allgemeine Stabilität des Fußes.

Zusätzlich können Instabilitäten im Mittelfuß, beispielsweise im Bereich des Lisfranc-Gelenkes (Gelenkreihe zwischen den Mittelfußknochen und den Fußwurzelknochen), das Fortschreiten der Fehlstellung begünstigen. Bei bereits vorhandenen Veränderungen ist deshalb eine frühzeitige Beurteilung durch einen auf Fußchirurgie spezialisierten Orthopäden sinnvoll. Oft können vorbeugende Maßnahmen wie geeignetes Schuhwerk, Einlagenversorgung sowie gezielte Kräftigungs- und Bewegungsübungen dazu beitragen, das Fortschreiten der Fehlstellung zu verlangsamen“. 


Der Verlauf eines Hallux valgus kann anhand von sichtbaren Veränderungen, funktionellen Einschränkungen, radiologischen Winkeln und biomechanischen Mustern gut einschätzen. Die Diagnose ist daher immer eine Kombination aus klinischem Blick, technischer Messung und der Bewertung individueller Risikofaktoren.


Konservative Maßnahmen können den Verlauf eines Hallux valgus beeinflussen, indem sie die biomechanischen Kräfte verbessern, die auf den Vorfuß wirken, und damit die Fehlstellung funktionell stabilisieren. Entscheidend ist, dass diese Maßnahmen vor allem dann wirksam sind, wenn der Hallux valgus noch flexibel ist und die Gelenkachsen nicht dauerhaft verändert wurden. 

Konservative Behandlungsmaßnahmen zielen vor allem darauf ab, Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Fehlstellung möglichst zu verlangsamen. Bestehende biomechanische Probleme wie ein Knick-Senkfuß oder muskuläre Ungleichgewichte können durch individuell angepasste Einlagen, Physiotherapie und gezielte Übungen verbessert werden. Ebenso wichtig ist die Wahl geeigneter Schuhe mit ausreichend Platz im Vorfußbereich, um Druckstellen und Schmerzen zu reduzieren.

Die Grenzen der konservativen Therapie liegen jedoch darin, dass eine bereits bestehende knöcherne Fehlstellung in der Regel nicht dauerhaft korrigiert werden kann. Nehmen die Beschwerden trotz konservativer Behandlung zu oder schreitet die Fehlstellung deutlich fort, sollte die Situation neu beurteilt und gegebenenfalls ein operatives Vorgehen diskutiert werden“, empfiehlt Dr. Krapf. 

Ob eine Operation beim Hallux valgus sinnvoll oder medizinisch notwendig ist, entscheidet sich durch eine Kombination aus klinischen Beschwerden, funktionellen Einschränkungen, radiologischen Befunden und der Frage, ob die Fehlstellung noch flexibel oder bereits strukturell fixiert ist. 

Der wichtigste Faktor für die Operationsindikation sind die Beschwerden des Patienten und die dadurch verursachte Einschränkung der Lebensqualität. Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn alltägliche Aktivitäten, berufliche Anforderungen oder wichtige Freizeitbeschäftigungen nicht mehr beschwerdefrei möglich sind.

Ebenso kann ein Eingriff angezeigt sein, wenn regelmäßig Schmerzmedikamente benötigt werden oder konservative Behandlungsmaßnahmen keine ausreichende Besserung mehr erzielen. Grundsätzlich sollte vor einem operativen Eingriff, sofern medizinisch vertretbar, zunächst ein konservativer Therapieversuch erfolgen“, rät Dr. Krapf. 

In der Untersuchung prüft der Arzt, ob der große Zeh noch beweglich und korrigierbar ist oder ob die Achse bereits strukturell fixiert ist. Ein flexibler Hallux valgus lässt sich oft konservativ stabilisieren, während eine feste Fehlstellung langfristig meist eine Operation erfordert. Das Röntgenbild liefert die entscheidenden objektiven Hinweise: stark erhöhte Winkel, verschobene Sesambeine oder beginnende Arthrose zeigen, dass die Fehlstellung verankert ist und ohne Operation weiter zunehmen wird.

Wichtig ist auch der Verlauf. Wenn sich der Hallux valgus über Monate sichtbar verschlechtert, obwohl Einlagen, Physiotherapie und geeignetes Schuhwerk konsequent genutzt werden, gilt er als progressiv. Zusätzliche Veränderungen wie Hammerzehen oder deutliche Mittelfußschmerzen sind weitere Zeichen dafür, dass der Vorfuß bereits überlastet ist und eine operative Korrektur sinnvoll sein kann.

Daniel Krapf


Eine Operation dann sinnvoll, wenn Schmerzen und funktionelle Einschränkungen zunehmen, konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind, die Fehlstellung strukturell fixiert ist oder radiologische Parameter eine fortschreitende Achsabweichung zeigen. Die medizinische Notwendigkeit ergibt sich also aus der Kombination von Beschwerden, objektiven Befunden und der Frage, ob der Fuß seine natürliche Funktion ohne operative Korrektur wiedererlangen kann.


Moderne HalluxvalgusOperationen unterscheiden sich heute deutlich darin, wie sie die Fehlstellung korrigieren, wie stabil die Korrektur langfristig ist und welche Ergebnisse Patienten erwarten können. Entscheidend ist, auf welcher Höhe des ersten Mittelfußknochens operiert wird und ob die Ursache der Fehlstellung – etwa eine Instabilität des ersten Strahls – direkt adressiert wird. 

Die verschiedenen Operationsarten/-techniken unterscheiden sich nicht nur darin, wo am Knochen korrigiert wird, sondern auch in der Bedeutung ihrer Namen. Distale Verfahren wie die Chevron‑Osteotomie heißen so, weil der Knochen in einer V‑Form – einem „Chevron“ – direkt am Großzehengrundgelenk durchtrennt wird. Diese kleine, gezielte Verschiebung eignet sich gut für leichte bis mittelgradige Fehlstellungen, heilt schnell und erlaubt eine frühe Belastung, stößt aber bei stärkeren Winkeln an Grenzen.

Diaphysäre Verfahren wie die Scarf‑Osteotomie tragen ihren Namen, weil der Knochen in einem langen, schrägen Schnittmuster durchtrennt wird, das an einen Stoffschal („scarf“) erinnert. Diese Form schafft eine große Kontaktfläche und damit hohe Stabilität, sodass mittelgradige bis ausgeprägte Fehlstellungen zuverlässig korrigiert werden können und langfristig selten Rückfälle auftreten.

Proximale Verfahren wie die Lapidus‑Arthrodese sind nach dem Chirurgen Paul Lapidus benannt. Hier wird das instabile Gelenk zwischen Mittelfuß und Fußwurzel versteift, um die Ursache schwerer Fehlstellungen direkt an der Wurzel zu stabilisieren. Die Heilung dauert länger, doch die biomechanische Stabilität ist am größten, besonders bei ausgeprägter Instabilität oder hypermobilen Gelenken. 

Der Hallux valgus ist keine einheitliche Erkrankung, sondern umfasst unterschiedliche Fehlstellungen mit verschiedenen Ursachen und Ausprägungen. Deshalb stehen heute zahlreiche operative Verfahren zur Verfügung. Das Ziel moderner Hallux-valgus-Chirurgie besteht darin, die zugrunde liegenden Ursachen möglichst gezielt zu behandeln, die Fehlstellung präzise zu korrigieren und langfristig stabile Ergebnisse zu erzielen. Dabei kommen je nach Befund sowohl minimalinvasive als auch offene Operationstechniken zum Einsatz.

Die Wahl des optimalen Verfahrens erfolgt individuell auf Grundlage der klinischen Untersuchung, der Krankengeschichte und einer detaillierten Bildgebung. Besonders hilfreich ist hierbei eine belastete Röntgenaufnahme oder ein modernes stehendes 3D-Röntgen. Anschließend werden die verschiedenen Behandlungsoptionen gemeinsam mit dem Patienten besprochen und auf dessen anatomische Voraussetzungen sowie persönliche Bedürfnisse abgestimmt“, macht Dr. Krapf deutlich. 

Die Dauer der Genesung nach einer HalluxvalgusOperation hängt von mehreren ineinandergreifenden Faktoren ab, die bestimmen, wie schnell Knochen, Gelenke und Weichteile wieder belastbar werden. 

Die Dauer der Genesung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten, die gewählte Operationstechnik sowie die konsequente Umsetzung der Nachbehandlung. Patienten können den Heilungsverlauf aktiv unterstützen, indem sie die empfohlenen Maßnahmen vor und nach der Operation sorgfältig einhalten.

Dazu gehören insbesondere ein Nikotinverzicht, konsequente Hochlagerung des Fußes, die Einhaltung der Belastungsvorgaben, regelmäßige Übungen sowie das Tragen von Entlastungsschuhen, Schienen oder Bandagen, sofern diese verordnet wurden. Ebenso wichtig sind regelmäßige Nachkontrollen, damit der Heilungsverlauf überwacht und die Behandlung bei Bedarf rechtzeitig angepasst werden kann“, konstatiert Dr. Krapf und betont zur Behandlung im Fusszentrum Luzern zum Abschluss unseres Gesprächs: 

Im Fusszentrum werden Patienten von spezialisierten Fachärzten für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Schwerpunkt Fuß- und Sprunggelenkschirurgie betreut. Dank langjähriger Erfahrung und kontinuierlicher Weiterbildung bieten wir eine umfassende Diagnostik sowie individuelle konservative und operative Behandlungskonzepte an. Unsere Betreuung erfolgt interdisziplinär und in enger Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten, Orthopädietechnikern sowie weiteren therapeutischen Fachpersonen. Dadurch können wir eine optimale Versorgung mit Einlagen, orthopädischen Schuhen und ergänzenden Therapien gewährleisten.

Falls eine Operation erforderlich wird, begleiten wir unsere Patienten während des gesamten Behandlungsprozesses von der präoperativen Planung bis zur Rehabilitation. Die Eingriffe werden in den Hirslanden Kliniken St. Anna in Luzern, , St. Anna Meggen sowie im Schweizer Paraplegiker-Zentrum durchgeführt. Auch nach der Operation profitieren unsere Patienten von einem engen Netzwerk aus Hausärzten, Physiotherapeuten und weiteren Fachpersonen, um eine bestmögliche Rehabilitation und ein nachhaltiges Behandlungsergebnis zu erreichen“. 


- Spezialist für Fuß‑ und Sprunggelenkchirurgie mit internationaler Reputation

- Experte für Hallux valgus, Arthrose und Rheuma – operative und konservative Behandlung

- Leiter des Fusszentrums Luzern seit 2018

- Teamarzt des FC Luzern – Betreuung von Sportlern aller Leistungsniveaus

- Zertifizierter Fußchirurg (DGFF‑Expertenzertifikat, Mikrochirurgie Universität Basel)

- Schwerpunkt Sporttraumatologie und Sportorthopädie inklusive Trainingsoptimierung und Equipment‑Anpassung

- Spezialisierte biomechanische Ganganalyse für präzise Diagnostik und Prävention

- Breites konservatives Spektrum: orthopädische Schuhe, Einlagen, Orthesen, Physiotherapie

- Operatives Gesamtspektrum von Vor‑, Mittel‑ und Rückfuß bis Fehlstellungen, Sehnenverletzungen, Instabilitäten, Frakturen

- Interdisziplinäre Zusammenarbeit

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Über den Fachautor

Alexandra Pfitzmann

Redakteurin

Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.

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