Crosslinking: Informationen & Crosslinking-Spezialisten

Das Crosslinking bzw. die Quervernetzung der Hornhaut der Augen ist eine noch relativ junge Methode. Sie wird in der Regel zur Behandlung eines Keratokonus eingesetzt. Das Verfahren wurde erst Ende der 90er Jahre an der Dresdner Universitätsaugenklinik entwickelt. Den Medizinern gelang es dabei, durch eine Quervernetzung die Hornhaut zu stabilisieren. Der fortschreitende Prozess der Hornhautvorwölbung konnte sich so stoppen lassen. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Crosslinking-Spezialisten und Zentren.

Empfohlene Spezialisten für das Augen-Crosslinking

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Crosslinking - Weitere Informationen

Was versteht man unter einem Crosslinking der Hornhaut?

Das Crosslinking ist ein sicherer und erfolgreicher Routine-Eingriff zur Stabilisierung der Hornhaut. Mediziner wenden ihn insbesondere bei einem progressiven, also fortschreitenden Keratokonus an.

Erreicht wird diese Stabilisierung durch einen photochemischen Vorgang. Unter dem Einsatz von UV-Licht wird das B2-Vitamin Riboflavin aktiviert und Sauerstoffradikale freigesetz. Diese verbinden die Kohlenstoff- und Stickstoffgruppen der Kollagenfasern der Hornhaut miteinander. Man spricht daher auch von einer Quervernetzung der Hornhaut. Es entsteht ein dichtes Netz, das die Hornhaut stabilisiert.

Das eingesetzte Vitamin Riboflavin absorbiert außerdem UV-Licht. Dadurch werden tiefer liegende Segmente der Hornhaut geschützt.

Die Kosten für das Crosslinking der Hornhaut belaufen sich auf einige Hundert Euro. Meistens ist eine Erstattung der Kosten durch die Krankenkasse möglich.

Krankheitsverlauf des Keratokonus

Etwa 40.000 Menschen in Deutschland leiden an einem Keratokonus. Darunter versteht man eine speziellen Form der Hornhautverkrümmung, bei der sich die Hornhaut des Auges kegelförmig nach vorn auswölbt.

Die Ursachen der Erkrankung sind weitgehend ungeklärt. Da der Keratokonus gehäuft innerhalb einer Familie auftritt, wird eine erbliche Veranlagung vermutet. Ursachen könnten auch

  • Enzymveränderungen am Epithel, der oberen Schicht der Hornhaut, 
  • Stoffwechselstörungen und
  • Infektionen

sein.

Oft tritt die Krankheit bereits früh auf. Sie kann sich in der Pubertät zeigen, meistens aber bis zum 30. Lebensjahr. Insbesondere bei jungen Patienten kann das Crosslinking der Hornhaut der Augen daher eine Alternative zu bisherigen Therapieansätzen sein.

Keratokonus
Bei einem Keratokonus wölbt sich die Hornhaut kegelförmig nach vorne © Zarina Lukash | AdobeStock

Die häufigste Form des Keratokonus ist die so genannte „Forme Fruste“ oder auch stille Form. Sie kann in der Mehrheit der Fälle mit einer Sehhilfe korrigiert werden und bedarf keines weiteren Eingriffs.

Wenn die Erkrankung bereits sehr früh auftritt, verläuft der Keratokonus jedoch häufig progressiv. Die Erkrankung verschlimmert sich also. Hier sind zunächst Brillen zur Korrektur der Sehschwäche anzuraten. Auch formstabile Kontaktlinsen, die nicht zusätzlich auf die geschädigte Hornhaut drücken, schaffen Abhilfe.

Als operative Methode stellt auch das Crosslinking der Hornhaut der Augen schon zu Beginn der Erkrankung eine mögliche Alternative dar.

Nimmt die Auswölbung der Hornhaut jedoch weiter zu, wird die Hornhaut dünner, kann durchbrechen oder vernarben.

Die Sehschärfe leidet dauerhaft und die Verschlechterung setzt sich trotz Brille oder Kontaktlinse weiter fort. Die Wahrnehmung von

  • Halos,
  • Lichtringen, die insbesondere um Lampen und andere Leuchtquellen entstehen, sowie
  • Schatten oder Schlieren

können weitere Anzeichen für einen Keratokonus sein.

Zunächst tritt der Keratokonus einseitig auf, greift aber im Verlauf der Erkrankung auf das andere Auge über. Gerade im fortgeschrittenen Stadium kommt der Behandlung durch das Crosslinking eine bedeutende Rolle zu.

Diagnosestellung vor dem Augen-Crosslinking

Zu Beginn der Erkrankung lässt sich der Keratokonus nur mit medizinischer Technik sicher feststellen. Neben der allgemeinen augenärztlichen Untersuchung greift der Arzt auf verschiedene Methoden zurück. Ziel ist dabei, die Hornhaut exakt zu vermessen und deren Dicke präzise zu bestimmen. Das ist auch für ein späteres Crosslinking wichtig, da einige Voraussetzungen für einen Behandlungserfolg gegeben sein müssen.

Zur Diagnose eines Keratokonus und zur Prüfung der möglichen Durchführung eines Crosslinkings kommen verschiedene Messverfahren zum Einsatz. Ein progressiver Keratokonus lässt sich bei einer Zunahme der Hornhautbrechkraft um etwa eine Dioptrie im Zeitraum eines Jahres nachweisen.

Mittels einer sogenannten Scheimpflug-Kamera kann der behandelnde Arzt die Topographie der Hornhaut aufnehmen. Anhand der Höhenlinien berechnet er die Krümmung der Hornhautoberfläche. Auch eine Messung der Hornhautdicke sowie der Krümmungsradien ist mit solch einer Pentacam möglich.

Beide Behandlungen dauern nur einen kurzen Moment und sind absolut schmerzfrei.

Weniger sicher ist eine Beurteilung anhand der Brillenstärke. Auch Vorbefunde sollten einen ärztlich fundierten Nachweis vor Beginn eines Crosslinkings nicht ersetzen.

Obwohl die Technik eine frühe Erkennung zulässt, wird der Keratokonus häufig erst diagnostiziert, wenn er schon weit vorangeschritten ist. Dann ist er oft auch ohne Hilfsmittel gut sichtbar.

Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Der Verlauf der Erkrankung lässt sich aber stoppen.

Vorteile des Crosslinkings gegenüber einer Transplantation

Der Verlauf der Erkrankung ist bei jedem Patienten unterschiedlich. In etwa 20 Prozent der Fälle schreitet die Verwölbung und Vernarbung der Hornhaut sehr weit fort. Herkömmliche Sehhilfen und spezielle Kontaktlinsen-Anfertigungen helfen dann nicht mehr weiter. Sie finden keinen Halt und fallen aus dem Auge heraus.

Bislang galt im fortgeschrittenen Stadium eines Keratokonus die Hornhauttransplantation als die bevorzugte operative Wahl. Allerdings birgt diese Behandlungsform erhebliche Risiken.

So ist nicht gesichert, dass der Patient die Spenderhornhaut verträgt. Zudem dauert der Heilungsprozess zumeist recht lang. Anders als beim Crosslinking tritt eine deutliche Verbesserung der Sehkraft erst nach bis zu zwei Jahren ein.

Die Hornhautverpflanzung kommt zudem oft bei jungen Patienten zum Einsatz. Das stellt hohe Anforderungen an das Transplantat. Das Crosslinking kommt hingegen ohne tieferen Eingriff und Fremdmaterial aus.

Mit Hilfe des Crosslinkings besteht nunmehr eine schonende und vielversprechende Alternative. Ziel der Quervernetzung der Hornhaut ist es, diese zu stabilisieren. Eine Korrektur der Fehlsichtigkeit ist dabei nicht vordergründig. Mittlerweile ist jedoch klar, dass durch das Crosslinking die Vorwölbung der Hornhaut in vielen Fällen leicht zurückgeht. Dadurch verbessert sich auch die Sehkraft.

Allgemein gilt: Je früher mit dem Crosslinking bzw. der Quervernetzung der Hornhaut des Auges begonnen wird, desto günstiger für den Patienten. So können insbesondere sehr junge Patienten von der Crosslinking-Behandlung profitieren.

Voraussetzungen für das Crosslinking

Die mit einer Brille oder Kontaktlinse ausgeglichene Sehstärke sollte nicht weniger als 0,3 betragen.

Die Hornhaut sollte mindestens eine Stärke von 400 µm aufweisen. Nur so ist eine möglichst hohe Absorption der UV-Strahlung durch das B-Vitamin Riboflavin gewährleistet. Unterschreitet die Hornhaut-Dicke den Minimalwert, ist auch während der ansonsten sehr sicheren Methode eine Schädigung des Endothels nicht auszuschließen.

Weitere Faktoren, die den Behandlungserfolg des Crosslinkings ungünstig beeinflussen können, sind etwa

  • ein Krümmungswert von mehr als 55 Dioptrien,
  • hohes Alter,
  • bereits entstandene Vernarbungen der Hornhaut,
  • Schwangerschaft,
  • Augeninfektionen oder
  • Störungen des Epithels.

Vorgehen beim Crosslinking

Das Auge muss für das Crosslinking nicht eröffnet werden und kann ambulant erfolgen.

Zunächst wird das Auge unter tröpfchenweiser Gabe von Augentropfen schmerzunempfindlich gemacht. In der Regel kommt ein Lidhalter zum Einsatz, der die Augen geöffnet hält. Dann wird der Arzt die Hornhaut von oben abtragen. Dies ist nötig, da das Epithel einen gewissen Schutz vor UV-Strahlen bietet. Das Vitamin Riboflavin könnte das Hornhaut-Epithel sonst nicht durchdringen und ins Stroma gelangen.

Nach dem Abtragen des Epithels werden auf Basis des B-Vitamins Tropfen in die Augen des Patienten verabreicht. Im Takt von etwa zwei Minuten werden dabei 0,1 Prozent Riboflavin verwendet. Dieser Vorgang dauert etwa eine halbe Stunde.

Sollte die Hornhaut dünner als die empfohlenen 400 µm sein, kann das Verabreichen von hypotonem Riboflavin ggf. eine Quellung der Hornhaut erzielen. Eine Quervernetzung ist dann doch noch möglich.

Die Bestrahlung mit UV-Licht während des Crosslinkings der Hornhaut der Augen erfolgt anschließend auf einer etwa 8 bis 9 cm² großen Fläche. Die unter der Hornhaut gelegenen Bereiche dürfen dabei nicht geschädigt werden. Deswegen werden der Abstand des UV-Lichts zur Hornhaut sowie die Intensität des Strahls entsprechend eingestellt. Diese Behandlung dauert etwa eine halbe Stunde.

Währenddessen wird das Vitamin weiterhin im Abstand von zwei Minuten getropft. Ebenso wird der Arzt während der Durchführung des Crosslinkings kontinuierlich die Dicke der Hornhaut überprüfen. Im Anschluss wird die Oberfläche der Hornhaut gespült.

Inklusive Vorbereitung dauert das Crosslinking weniger als zwei Stunden.

Nachsorge des Eingriffs

Unmittelbar nach dem Crosslinking sind Schmerzen nicht ganz vermeidbar. Das abgetragene Epithel benötigt Zeit zur Heilung. Entzündungshemmende Antibiotika sowie Steroide werden nach der Operation bedarfsweise für etwa ein bis zwei Wochen getropft.

Im Anschluss an das Crosslinking muss der Patient für einige Tage eine Verbandskontaktlinse tragen. So lange der Heilungsprozess des Epithels nicht abgeschlossen ist, können in den ersten beiden Monaten verschiedene Begleiterscheinungen, wie etwa ein Reiben oder Tränen der Augen auftreten. Häufiger stellt sich nach einem Crosslinking Augentrockenheit und Lichtempfindlichkeit ein.

Auch leichte Trübungen des vorderen Stromas sind als Folge des Eingriffs nach einer Quervernetzung der Hornhaut des Auges wahrscheinlich, verschwinden aber innerhalb einiger Monate. Über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen wird das Auge nach dem Crosslinking der Hornhaut der Augen zudem gerötet sein.

Diese Symptome sind nach einer Crosslinking-Behandlung der Hornhaut der Augen normal und unbedenklich. Durch die regelmäßige Einnahme der verabreichten Medikamente und Tränenersatzmittel können die mit der Quervernetzung der Hornhaut der Augen einhergehenden Beschwerden gelindert werden.

Nach der erfolgreichen Behandlung der Augen kann der Patient wieder auf harte Kontaktlinsen zurückgreifen. Damit verbessert sich nicht nur die Sehstärke, sondern entscheidend auch die Lebensqualität.

In der Regel ist bereits die erste Crosslinking-Behandlung erfolgreich und kann die Hornhaut ausreichend stabilisieren. Daran schließt sich in der Regel eine regelmäßige Nachkontrolle der Hornhaut an. Der Augenarzt überprüft die Topographie der Hornhaut und die Sehschärfe der Augen zunächst täglich, dann alle drei Monate, später im Rhythmus von einem halben Jahr.

Crosslinking und Ringimplantat

In Einzelfällen ist auch eine Kombination des Crosslinkings mit einer Ring-Implantation möglich. So lassen sich sowohl der progressive Krankheitsverlauf stoppen als auch deutliche Verbesserungen der Sehkraft erzielen.

Bei der Ring-Implantation werden einzelne Ringe in die tieferen Hornhautsegmente eingebracht. Die Stärke der Korrektur wird dabei durch die Länge und Dicke der Ringe beeinflusst. Die Ringe werden mittels präzise arbeitendem Laser implantiert.

Allerdings sollte eine solche Kombination nur erfolgen, wenn neben einem fortschreitenden Keratokonus auch eine Unverträglichkeit der Kontaktlinsen besteht.

Risiken und Nebenwirkungen der Quervernetzung

Das Crosslinking ist in der Regel eine sehr sichere Methode, die ohne große Nebenwirkungen einhergeht. Im Vergleich zur Hornhauttransplantation ist Crosslinking auch wesentlich kostengünstiger.

Schwerwiegende Komplikationen, wie etwa Beeinträchtigungen der Netzhaut oder der Augenlinse, sind bisher nicht bekannt. Die Komplikationsrate des Verfahrens liegt bei unter 3 Prozent. Diese Komplikationen nach einem Crosslinking beschränken sich im Wesentlichen auf

  • eine längerfristige Wundheilung oder
  • Narbenbildungen, die jedoch behandelbar sind.

Sehr selten treten nach der Quervernetzung der Hornhaut Infektionen auf.

Bleibende Schäden durch das Crosslinking wurden bislang nicht festgestellt. Auch eine Hornhauttransplantation war in keinem der bisher behandelten Fälle notwendig.

In 98 bis 99 Prozent der durchgeführten Crosslinks wurde die gewünschte Stabilisierung der Hornhaut erreicht.

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