Traumatherapie ist ein zentraler Bestandteil der Psychotherapie bei einer posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS.
Die Behandlung kann meistens ambulant stattfinden. Je nach Therapieverfahren sprechen oder schreiben Betroffene über traumabezogene Erinnerungen und lernen dabei Strategien zur Bewältigung.

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Was ist eine Traumatherapie?
Traumatherapie ist ein Oberbegriff für psychotherapeutische Verfahren zur Behandlung von Traumafolgestörungen nach einem Trauma. Im Mittelpunkt steht die Verarbeitung belastender Erinnerungen an das Erlebte. Eine Traumatisierung führt allerdings nicht zwangsläufig zu einer behandlungsbedürftigen Erkrankung. Nach einem schlimmen Erlebnis benötigt daher nicht jeder Mensch sofort eine Therapie.
Traumafolgen können sich unterschiedlich zeigen. Dazu gehören etwa eine Schlafstörung oder Vermeidungsverhalten. Bei einer Dissoziation können sich Wahrnehmung, Erinnerung oder das Erleben der eigenen Person zeitweise verändern.
Sinnvoll kann die Behandlung werden, wenn Beschwerden anhalten und den Alltag stark belasten. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Bei jüngeren Betroffenen ist die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie der am häufigsten untersuchte Ansatz. Wie stark Eltern oder andere Bezugspersonen einbezogen werden, hängt vom jeweiligen Behandlungsprogramm ab.
Bei anhaltenden Beschwerden kann eine PTBS vorliegen. Die Diagnostik klärt, ob die Symptome zu dieser oder einer anderen Erkrankung passen. Auch eine gleichzeitig bestehende Psychose schließt eine traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie nicht grundsätzlich aus. Begleiterkrankungen fließen in die therapeutische Planung ein.
Welche Verfahren gibt es?
Zur Traumatherapie gehören verschiedene psychotherapeutische Ansätze. Dazu zählen die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und EMDR. Beide sind eigenständige Verfahren, bei denen belastende Erinnerungen auf unterschiedliche Weise bearbeitet werden.
| Verfahren oder Ansatz | Anwendung oder Untersuchungsrahmen | Einordnung |
|---|---|---|
| Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie | Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche mit PTBS | Bei jüngeren Menschen ist dies der am häufigsten untersuchte Ansatz. |
| EMDR | Erwachsene mit PTBS; die individuelle Eignung wird therapeutisch geklärt | Die EMDR-Therapie ist ein einzelnes Verfahren innerhalb der Traumabehandlung und nicht mit dem Oberbegriff Traumatherapie gleichzusetzen. |
| Frühes Debriefing | Der Ansatz setzt bald nach dem Ereignis an. | Beim Debriefing sprechen Betroffene frühzeitig und ausführlich über das Ereignis. Der vorbeugende Nutzen dieses Ansatzes wird bezweifelt. |
Die Erfolgsaussichten lassen sich nicht mit einer allgemeingültigen Heilungsquote beziffern. Welche Therapieform gewählt wird, richtet sich nach den Beschwerden und der persönlichen Situation. Für die Behandlung von Traumafolgestörungen ist eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung bedeutsam, weil dabei sehr persönliche Erinnerungen zur Sprache kommen.
Wie bereiten Sie sich auf die Behandlung vor?
Im ersten Gespräch einer kognitiven Verhaltenstherapie schildern Betroffene ihre Beschwerden, Wünsche und Erwartungen an die Behandlung. Vor einer ambulanten Behandlung können Sie Probesitzungen nutzen, um die Therapeutin oder den Therapeuten kennenzulernen und die mögliche Zusammenarbeit einzuschätzen.
Eine feste Stabilisierungsphase ist für Erwachsene nicht generell als notwendige Voraussetzung einer traumafokussierten Behandlung belegt. Stabilisierung kann bedeuten, Fertigkeiten zur Selbstregulation und zum Umgang mit Belastungen zu entwickeln. Daraus ergibt sich jedoch keine starre Phasenfolge, die jeder Traumabearbeitung vorangehen muss.
In den ersten Gesprächen können Sie folgende Punkte klären:
- Verfahren: Fragen Sie, welche Methode angeboten wird.
- Vorgehen: Klären Sie, wann belastende Erinnerungen bearbeitet werden.
- Zusammenarbeit: Prüfen Sie, ob Sie sich ernst genommen und gut aufgehoben fühlen.
- Erwartungen: Besprechen Sie, welche persönlichen Ziele realistisch sind.
Was passiert während der Traumatherapie?
Der genaue Ablauf hängt vom eingesetzten Verfahren ab, denn eine starre Phasenfolge gilt nicht für jede Behandlung. Bei der Konfrontation, also der gezielten Auseinandersetzung mit dem Erlebten, sprechen Betroffene über ihre Erinnerungen.
Eine traumafokussierte Behandlung kann folgendermaßen ablaufen:
- Belastende Erlebnisse werden ausführlich erzählt oder aufgeschrieben.
- Die erlernten Strategien werden im Alltag angewendet und nach Therapieende selbstständig weitergeführt.
Die Behandlung kann meistens ambulant stattfinden. Eine ambulante Einzelsitzung dauert üblicherweise 50 Minuten. Wann bei traumatisierten Patientinnen und Patienten konkrete Erinnerungen zur Sprache kommen, hängt vom therapeutischen Vorgehen und ihrer persönlichen Situation ab.
Kann eine Traumatherapie Beschwerden verschlimmern?
Eine Zunahme der Beschwerden tritt nicht zwangsläufig ein. In einer Metaanalyse randomisierter Studien, bei denen Behandlungen nach dem Zufallsprinzip zugeteilt wurden, traten erfasste Verschlechterungen und unerwünschte Ereignisse bei psychologischen Behandlungen mit Häufigkeiten von 0 bis 5 % auf.
In derselben zusammenfassenden Studienauswertung war die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie mindestens so sicher wie die anderen untersuchten psychologischen Behandlungen. Eine weitere Metaanalyse fand zur Mitte traumafokussierter Therapien keine Hinweise auf eine durchschnittliche Verschlimmerung von PTBS- oder Depressionsbeschwerden.
Bei Menschen mit PTBS und Psychose war eine Verschlechterung der PTBS-Symptomatik nach der ersten traumafokussierten Sitzung in einer Studie ungewöhnlich. Bei Kindern und Jugendlichen wurden negative Entwicklungen in Therapiestudien dagegen nur lückenhaft erfasst. Genaue Häufigkeiten sind deshalb unsicher.
Was geschieht nach der Behandlung?
Nach dem Ende der Traumatherapie können Betroffene die erlernten Strategien selbstständig weiter anwenden. Dazu gehören persönliche Wege zur Bewältigung belastender Erinnerungen und zur Selbstregulation.
Was zahlt die Krankenkasse?
Die gesetzliche Krankenkasse kann eine Psychotherapie übernehmen, wenn eine posttraumatische Belastungsstörung behandlungsbedürftig ist. Bei Erwachsenen kann EMDR ergänzend auch im Rahmen einer systemischen Therapie Kassenleistung sein, sofern das Verfahren in ein umfassendes Behandlungskonzept eingebunden ist.
Ob eine private Krankenversicherung die Behandlung bezahlt, hängt von den Bedingungen des jeweiligen Tarifs ab. Vor Beginn sollten Sie deshalb klären, welche therapeutischen Leistungen Ihr Vertrag umfasst.
Wenn Sie die Sitzungen selbst bezahlen, sollten Sie sich die voraussichtlichen Kosten vorher schriftlich nennen lassen. Außerdem kann es sinnvoll sein, schriftliche Preisangebote verschiedener Praxen miteinander zu vergleichen.
Welche Ärztinnen und Ärzte führen Traumatherapie durch?
PTBS-Behandlungen bieten ärztliche und psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten an. Einige von ihnen verfügen über eine zusätzliche Weiterbildung in Traumatherapie. Ärztinnen und Ärzte können unter anderem im Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie tätig sein.
Auch Fachärztinnen und Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie kommen infrage. Ihre ärztliche Weiterbildung umfasst Psychotraumatherapie mit traumaspezifischen Techniken wie EMDR.
Für das Erstgespräch eignen sich zum Beispiel folgende Fragen:
- Welche Weiterbildung haben Sie in Traumatherapie?
- Mit welchem Therapieverfahren arbeiten Sie?
- Welche Erfahrung haben Sie mit meiner Beschwerdesituation?
- Wie gehen Sie vor, wenn mich die Behandlung vorübergehend stark belastet?
Probesitzungen bieten Gelegenheit, neben der fachlichen Qualifikation auch die persönliche Zusammenarbeit zu beurteilen. Spezialistinnen und Spezialisten für Traumatherapie finden Sie im Anschluss an diesen Text.
Häufige Fragen zur Traumatherapie
Benötige ich nach einem schlimmen Erlebnis unbedingt eine Therapie?
Nein, nicht jeder Mensch benötigt nach einem schlimmen Erlebnis eine Psychotherapie. Sie kann infrage kommen, wenn Beschwerden anhalten und stark belasten. Ein sofortiger Beginn ist ebenfalls nicht für alle Betroffenen erforderlich.
Muss eine Psychotherapie nach einem Trauma sofort beginnen?
Nein, eine Psychotherapie muss nach einem Trauma nicht bei jedem Menschen sofort beginnen. Auch der vorbeugende Nutzen eines frühen Debriefings wird bezweifelt.
Muss vor der Traumabearbeitung immer eine Stabilisierung stattfinden?
Nein, eine vorgeschaltete Stabilisierungsphase ist bei Erwachsenen nicht generell als notwendige Voraussetzung belegt. Ob stabilisierende Schritte Teil der Behandlung sind, hängt von der persönlichen Situation und dem Verfahren ab.
Ist EMDR dasselbe wie eine Traumatherapie?
Nein, EMDR ist ein bestimmtes Therapieverfahren innerhalb der Traumatherapie. Traumatherapie ist der weiter gefasste Begriff und schließt andere Ansätze wie die traumafokussierte Verhaltenstherapie ein.
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.
Mehr über den Fachautor →Quellen
- Posttraumatische Belastungsstörung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Psychotherapie und ergänzende Behandlungen bei einer posttraumatischen Belastungsstörung. IQWiG
- Was ist eine Psychotherapie und wie läuft sie ab?. IQWiG
- Kann frühe psychische Hilfe einer posttraumatischen Belastungsstörung vorbeugen?. IQWiG
- Incidence and relative risk of negative outcomes of psychological interventions for pediatric posttraumatic stress disorder: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 2026
- S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung. DeGPT, 2026
- Trauma-focused therapy integrated with cognitive behavioural therapy for psychosis for people with post-traumatic stress disorder and psychosis (the STAR trial): a multicentre, pragmatic, randomised trial in the UK. The Lancet Psychiatry, 2026
- Kognitive Verhaltenstherapie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Psychische Probleme: Wo gibt es Hilfe?. IQWiG
- Safety of psychological interventions for adult post-traumatic stress disorder: meta-analysis on the incidence and relative risk of deterioration, adverse events and serious adverse events. The British Journal of Psychiatry, 2022
- A systematic review and meta-analysis of PTSD symptoms at mid-treatment during trauma-focused treatment for PTSD. Journal of Traumatic Stress, 2024
- Trauma-Focused Treatment in PTSD Patients With Psychosis: Symptom Exacerbation, Adverse Events, and Revictimization. Schizophrenia Bulletin, 2016
- Posttraumatische Belastungsstörungen bei Erwachsenen: EMDR künftig auch bei Systemischer Therapie Kassenleistung. Gemeinsamer Bundesausschuss, 2024
- Was kosten Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)?. Verbraucherzentrale
- (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 in der Fassung vom 03.07.2026. Bundesärztekammer, 2026
