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Erkrankung · Psychiatrie

PTBS: Posttraumatische Belastungsstörung erkennen und behandeln

Susanne_Schmieder.jpgMedizinische FachautorinMag. Susanne SchmiederStand: ICD-10: F43.1

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Reaktion auf ein Trauma
Eine PTBS kann sich entwickeln, wenn ein Erlebnis als außergewöhnlich bedrohlich oder katastrophenartig erfahren wird.
Anhaltende Beschwerden
Für die Diagnose müssen die Symptome länger als vier Wochen bestehen und wichtige Lebensbereiche beeinträchtigen.
Vorrangige Therapie
Die S3-Leitlinie empfiehlt in erster Linie eine traumafokussierte Psychotherapie.
Meist ambulant behandelbar
Die Behandlung kann in aller Regel ambulant erfolgen.
Unterschiedlicher Verlauf
Die Beschwerden können abklingen, länger bestehen bleiben oder in ihrer Stärke schwanken.

Eine posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS, ist eine mögliche psychische Reaktion auf ein außergewöhnlich bedrohliches oder katastrophenartiges Ereignis. Typisch sind anhaltende innere Alarmbereitschaft, starke Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen. Behandelt wird meist mit traumafokussierter Psychotherapie.

Die Erkrankung kann Alltag, Beziehungen und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. In den meisten Fällen ist eine ambulante Behandlung möglich. Bei sehr starken Beschwerden oder dem Bedarf an einem geschützten Rahmen kann eine PTBS-Klinik sinnvoll sein.

Was sind posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)?

Eine PTBS kann sich nach einem traumatischen Ereignis entwickeln, das mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß verbunden war. Als Trauma wird hier ein Erlebnis bezeichnet, das als existenziell bedrohlich erfahren wird. Es kann das Verständnis der eigenen Person und der Welt erschüttern und eine psychische Erkrankung auslösen.

PTBS und PTSD bezeichnen dieselbe Erkrankung. PTSD ist die Abkürzung des englischen Begriffs „Posttraumatic Stress Disorder“. Wie sich die Folgen eines Traumas entwickeln, lässt sich nicht allein aus der Art des Erlebnisses ableiten.

In Deutschland erleben etwa 2 bis 3 % der Bevölkerung mindestens einmal im Leben eine PTBS. Davon zu unterscheiden ist die 1-Monatsprävalenz. Sie beschreibt den Anteil der Menschen, die innerhalb eines bestimmten Monats betroffen sind, und liegt bei 1,5 %.

Welche Symptomatik kann bei einer PTBS auftreten?

Eine PTBS äußert sich häufig durch anhaltende innere Alarmbereitschaft. Betroffene fühlen sich selbst in einer sicheren Umgebung angespannt oder bedroht. Art und Stärke der Beschwerden unterscheiden sich von Person zu Person.

  • Eine erhöhte Wachsamkeit kann dazu führen, dass Betroffene ihre Umgebung ständig auf mögliche Gefahren prüfen.
  • Eine starke Schreckhaftigkeit kann schon durch unerwartete Geräusche, Bewegungen oder andere Reize ausgelöst werden.
  • Schlafstörungen können die nächtliche Erholung beeinträchtigen und die Belastbarkeit am Tag mindern.
  • Flashbacks sind plötzlich auftretende, intensive Wiedererlebnisse, bei denen sich das Geschehen gegenwärtig anfühlen kann.
  • Ein wiederkehrender Albtraum kann Inhalte oder Gefühle aufgreifen, die mit dem Erlebten verbunden sind.
  • Reizbarkeit kann sich durch innere Unruhe, geringe Geduld oder heftige Reaktionen auf alltägliche Situationen zeigen.
  • Ein Geruch, ein Geräusch oder eine bestimmte Umgebung kann Erinnerungen und starke körperliche Reaktionen hervorrufen.
  • Starke Schuldgefühle können sich auf das eigene Verhalten während oder nach dem Ereignis beziehen.
  • Schamgefühle können es erschweren, über das Erlebte zu sprechen oder Unterstützung anzunehmen.

Auch Vermeidung kann zur PTBS gehören. Betroffene meiden dann beispielsweise Orte oder Menschen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten.

Belastende Gefühle nach einem Trauma bedeuten nicht automatisch, dass eine PTBS vorliegt. Maßgeblich sind unter anderem die Dauer der Beschwerden und deren Folgen für den Alltag. Auch andere psychische Probleme können mit ähnlichen Symptomen verbunden sein.

Welche traumatischen Ereignisse, Traumata und Risikofaktoren sind relevant?

Am Anfang steht ein Ereignis, das als außergewöhnlich bedrohlich oder katastrophenartig erlebt wird. Das Trauma kann Hilflosigkeit auslösen und grundlegende Annahmen über Sicherheit, Kontrolle und Vertrauen erschüttern. Eine solche Erfahrung führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Mögliche Auslöser sind etwa ein schwerer Unfall oder eine Naturkatastrophe, wenn das Geschehen als außergewöhnliche Bedrohung oder als Ereignis katastrophenartigen Ausmaßes erlebt wird. Entscheidend ist nicht allein die Bezeichnung des Ereignisses, sondern auch dessen Wirkung auf die betroffene Person.

Mehrere Einflüsse bestimmen gemeinsam, wie ein Mensch ein Trauma verarbeitet. Risikofaktoren erlauben keine sichere Vorhersage. Auch bei einer erhöhten Anfälligkeit muss keine PTBS entstehen.

  • Genetische Faktoren können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, nach einem Trauma eine PTBS zu entwickeln.
  • Umwelteinflüsse können beeinflussen, wie belastend ein Ereignis erlebt und verarbeitet wird.
  • Frühere Lernerfahrungen können sich darauf auswirken, wie eine Person auf Bedrohung und anhaltenden Stress reagiert.

Die Entstehung einer PTBS lässt sich deshalb meist nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Manche Menschen erkranken, während andere nach einem vergleichbaren Erlebnis keine anhaltende Störung entwickeln. Schuldzuweisungen an Betroffene sind sachlich nicht gerechtfertigt.

Was bedeutet komplexe posttraumatische Belastungsstörung?

Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung ist eine eigenständige Diagnose für Folgen lang anhaltender oder wiederholter extremer Belastungen. Solche Traumatisierungen können tief in das Selbstbild, die Gefühlsregulation und die Gestaltung von Beziehungen eingreifen.

Neben den bereits beschriebenen Reaktionen können anhaltende Schwierigkeiten entstehen, Gefühle zu steuern, ein stabiles Selbstbild zu bewahren und zwischenmenschliche Beziehungen zu gestalten. Eine fachliche Abklärung unterscheidet diese Form von anderen psychischen Erkrankungen.

Wie läuft die Diagnostik traumatisch bedingter Beschwerden ab?

Eine PTBS wird diagnostiziert, wenn die Beschwerden länger als vier Wochen bestehen und die Leistungsfähigkeit in wichtigen Lebensbereichen einschränken. Betroffen sein können etwa Beruf oder Schule, das Familienleben, soziale Kontakte und die Bewältigung alltäglicher Aufgaben.

Im diagnostischen Gespräch werden die Beschwerden nach dem Erlebten erfasst. Dabei geht es um ihre Dauer und die Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Person. Die fachliche Beurteilung dient außerdem dazu, andere mögliche Ursachen der Symptome einzuordnen.

Weiterführende Übersichten behandeln die Psychiatrie und Psychotherapie sowie die Psychosomatik und Psychotherapie.

Weitere Informationen bietet der Beitrag über psychische Störungen bei Kindern.

Soldat mit PTBS bei Psychologin
Kriegserfahrungen führen bei vielen Soldaten zu einer PTBS © Photographee.eu | AdobeStock

Wie wird die posttraumatische Belastungsstörung behandelt?

Die Behandlung besteht vorrangig aus traumafokussierter Psychotherapie. Dabei beziehen Therapeutinnen und Therapeuten das traumatische Ereignis und seine Folgen gezielt in die Arbeit ein. Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt, Menschen mit PTBS dieses Verfahren vorrangig anzubieten.

Zu den am besten untersuchten Verfahren gehören die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR. Bei EMDR werden Erinnerungen unter anderem mit angeleiteten Augenbewegungen bearbeitet. Patientinnen und Patienten geraten dabei nicht in Trance.

Eine PTBS lässt sich in aller Regel ambulant behandeln. Reicht dieser Rahmen wegen der Stärke der Beschwerden nicht aus, kann eine stationäre Aufnahme in einer PTBS-Klinik sinnvoll sein. Das gilt auch, wenn die betroffene Person einen besonderen Schutzraum benötigt.

VerfahrenFür wen geeignet?DauerVor- und Nachteile
Traumafokussierte PsychotherapieSie ist die vorrangige Behandlung für Menschen mit diagnostizierter PTBS.Die Dauer richtet sich nach den Beschwerden, dem Behandlungsverlauf und dem vereinbarten Verfahren.Vorteil: Das Trauma und seine Folgen werden gezielt bearbeitet. Mögliche Belastungen hängen vom eingesetzten Verfahren und der persönlichen Situation ab.
Ambulante BehandlungEine ambulante Behandlung ist in aller Regel möglich.Der zeitliche Rahmen wird individuell festgelegt.Vorteil: Die Behandlung lässt sich in den Alltag einbinden. Bei sehr starken Beschwerden kann dieser Rahmen nicht ausreichen.
Stationäre Behandlung in einer PTBS-KlinikSie kann bei sehr starken Beschwerden oder bei Bedarf an einem geschützten Behandlungsrahmen infrage kommen.Die Aufenthaltsdauer richtet sich nach dem Behandlungsbedarf und dem Verlauf.Vorteil: Die Behandlung findet in einem strukturierten Schutzraum statt. Dafür ist eine zeitweise Aufnahme in eine Klinik erforderlich.
Ergänzende MedikamenteSie kommen in bestimmten Situationen als Unterstützung der Psychotherapie infrage.Art und Dauer werden ärztlich anhand der persönlichen Situation festgelegt.Vorteil: Medikamente können die Behandlung unterstützen. Nachteil: Sie ersetzen die Psychotherapie nicht. Benzodiazepine können schon nach wenigen Wochen abhängig machen.

Verfahren und organisatorische Rahmenbedingungen erläutert der Beitrag zur Psychotherapie. Medikamente können die Psychotherapie in bestimmten Situationen ergänzen. Die Unterstützung kann medikamentös mit Antidepressiva erfolgen; häufig dauert es mehrere Wochen, bis eine Wirkung spürbar wird. Besondere Vorsicht gilt bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine.

Verlauf und Prognose der PTBS

Der Verlauf einer posttraumatischen Belastungsstörung ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die Beschwerden können sich zurückbilden, über längere Zeit bestehen bleiben oder in ihrer Stärke schwanken. Bleiben sie lange bestehen, kann der Verlauf chronisch sein. Das auslösende Ereignis allein erlaubt keine zuverlässige Vorhersage der weiteren Entwicklung.

Nach Angaben der Fachgesellschaftsseite wird etwa die Hälfte der Menschen mit PTBS auch ohne Behandlung wieder gesund. Daraus ergibt sich keine Garantie für eine spontane Besserung.

Eine Behandlung kann auch sinnvoll sein, solange die betroffene Person ihren Alltag noch teilweise bewältigt. Sie soll die Beschwerden und deren Auswirkungen gezielt bearbeiten. Ob und wie schnell eine Besserung eintritt, hängt von der persönlichen Situation und dem individuellen Verlauf ab.

Was hilft unmittelbar nach einem Trauma?

Unmittelbar nach einem traumatischen Erlebnis helfen vor allem verlässliche emotionale und praktische Unterstützung. Angehörige können aufmerksam zuhören, die Gefühle ernst nehmen und bei konkreten Alltagsaufgaben helfen. Welche Unterstützung sie annimmt, sollte die betroffene Person möglichst selbst bestimmen können.

Psychische Betreuung sollte nach einem Trauma nicht aufgedrängt werden. Beim frühen psychologischen Debriefing wird das Geschehen zeitnah und strukturiert besprochen. Dieses Vorgehen konnte das spätere PTBS-Risiko in Studien nicht verringern. Es ist daher von einer Unterstützung zu unterscheiden, die sich nach den Wünschen der betroffenen Person richtet.

Manchen Menschen kann eine frühzeitige psychotherapeutische Behandlung nach einem Trauma helfen. Der Bedarf richtet sich nach den Beschwerden, der Belastung und dem Wunsch der betroffenen Person. Aufmerksame soziale Unterstützung kann den Zugang zu Hilfe erleichtern, ersetzt jedoch keine fachliche Behandlung.

Wann ist ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe nötig?

Die fachliche Abklärung richtet sich nach Dauer und Auswirkungen der Beschwerden. Für die PTBS-Diagnose müssen die Symptome länger als vier Wochen bestehen und die Leistungsfähigkeit einschränken.

Bei Suizidgedanken besteht unmittelbarer Handlungsbedarf. Äußert eine betroffene Person solche Gedanken, sollte sofort ärztliche Hilfe eingeschaltet werden. Bei akuter Suizidgefahr müssen Angehörige professionelle Hilfe organisieren.

Angehörige sollten Äußerungen über Suizid ernst nehmen.

Häufige Fragen zur posttraumatischen Belastungsstörung

Was bedeuten die Abkürzungen PTBS und PTSD?

PTBS steht für posttraumatische Belastungsstörung. Die englische Bezeichnung lautet „Posttraumatic Stress Disorder“ und wird mit PTSD abgekürzt. Beide Begriffe bezeichnen dieselbe Erkrankung.

Wie merke ich, ob meine Beschwerden eine PTBS sein könnten?

Erhöhte Wachsamkeit, starke Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen gehören zu den möglichen Anzeichen. Auch Flashbacks, ein wiederkehrender Albtraum oder ausgeprägte Vermeidung können auftreten. Ob tatsächlich eine PTBS vorliegt, lässt sich nur durch eine fachliche Abklärung klären.

Wie lange müssen die Symptome für eine Diagnose bestehen?

Maßgeblich sind eine Dauer von mehr als vier Wochen und Einschränkungen in wichtigen Lebensbereichen. Bei starker Belastung müssen Betroffene diesen Zeitraum nicht abwarten, bevor sie Unterstützung suchen.

Mit welcher Behandlung sollte man bei PTBS anfangen?

Vorrangig soll eine traumafokussierte Psychotherapie angeboten werden. Medikamente können sie in bestimmten Situationen unterstützen, aber nicht ersetzen.

Wann kann eine PTBS in einer Klinik behandelt werden?

Eine Klinik kommt vor allem infrage, wenn die Beschwerden für eine ambulante Behandlung zu stark sind. Auch der Bedarf an einem besonderen Schutzraum kann für eine stationäre Aufnahme sprechen. In aller Regel ist jedoch eine ambulante Behandlung möglich.

Kann eine PTBS ohne Behandlung besser werden?

Ein Gesundwerden ohne Therapie ist möglich. Die Fachgesellschaftsseite gibt an, dass etwa die Hälfte der Menschen mit PTBS auch ohne Behandlung wieder gesund wird. Daraus lässt sich der persönliche Verlauf nicht vorhersagen. Für die Diagnose sind die Dauer der Beschwerden und Einschränkungen in wichtigen Lebensbereichen maßgeblich.

Was können Angehörige nach einem Trauma tun?

Angehörige können aufmerksam zuhören, Gefühle ernst nehmen und praktische Hilfe anbieten. Sie sollten psychische Betreuung nicht aufdrängen. Äußert die betroffene Person Suizidgedanken, muss sofort ärztliche Hilfe organisiert werden.

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Über den Fachautor

Mag. Susanne Schmieder

Medizinische Fachautorin

Mag. Susanne Schmieder studierte Psychologie in Salzburg und absolvierte eine Weiterbildung zur Online-Redakteurin. Sie schreibt unter anderem Patientenratgeber, Blogbeiträge oder textet ganze Websites für Psychologen und Coaches.

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