Experteninterviews
Allergien im Fokus: Ursachen, Auswirkungen und moderne Behandlungsmöglichkeiten - Experteninterview mit Prof. Bergmann
Alexandra Pfitzmann · 14. März 2025
Professor Dr. med. Christoph Bergmann ist ein herausragender Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde mit den Schwerpunkten in den Bereichen Schlafmedizin und Allergologie, dessen umfangreiche klinische und wissenschaftliche Expertise ihn zu einem der angesehensten Spezialisten Deutschlands macht. In seiner Privatpraxis und als Leiter des HNO-Bereichs der Facharztklinik RKM740 in Düsseldorf bietet er seinen Patienten eine hochspezialisierte und individuell abgestimmte Versorgung. Prof. Dr. Bergmanns Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Allergien, Schlafstörungen, Nasen- und Nebenhöhlenerkrankungen sowie der funktionellen und ästhetischen Nasenkorrektur. Seine Fähigkeit, medizinische Präzision mit empathischer Betreuung zu verbinden, wurde mehrfach durch die Aufnahme in die FOCUS-Ärzteliste gewürdigt, insbesondere in den Bereichen Nasenchirurgie, Schnarchchirurgie und Allergologie.
Die Klinik RKM740, deren Name auf die geografische Lage am 740. Rheinkilometer in Düsseldorf verweist, steht für eine interdisziplinäre und ganzheitliche medizinische Versorgung. Hier verbindet sich moderne Schulmedizin mit komplementären Ansätzen wie Ayurveda, um Patienten eine umfassende Behandlung zu bieten. Diese Philosophie spiegelt sich auch in der Praxis von Prof. Dr. Bergmann wider, die modernsten diagnostischen Verfahren und innovative Therapien einsetzt, um die Gesundheit und Lebensqualität seiner Patienten zu fördern. Seit 2021 leitet Prof. Dr. Bergmann seine HNO-Privatpraxis im RKM740 und ist zugleich Professor an der Universität Duisburg-Essen, wo er Medizinstudierende im Fachbereich HNO-Heilkunde ausbildet.
Darüber hinaus engagiert er sich als Regionsvorstand Düsseldorf im Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA) und als Secretary der Working Group der Europäischen Allergie Academie (EAACI) sowie als Mitglied der Prüfungskommission der Ärztekammer Nordrhein und des Fortbildungsausschusses der Ärztlichen Akademie. Zu seinen medizinischen Kernkompetenzen gehören neben der ästhetischen und funktionellen Nasenchirurgie auch die Behandlung von allergischen Erkrankungen, Schlafstörungen, wie OSAS und Insomnie, Ohrbelüftungsstörungen sowie die Abklärung und Behandlung von stillem Reflux mittels 24-Stunden-pH-Metrie. Seine Patienten profitieren zudem von innovativen Therapien wie Longevity-Infusionen. Prof. Dr. Bergmann kombiniert wissenschaftliche Exzellenz mit einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse seiner Patienten.
Die Redaktion des Leading Medicine Guide konnte in einem Gespräch mit Prof. Dr. Bergmann mehr zum Thema Allergien erfahren.

Allergien gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit und können Menschen jeden Alters betreffen. Sie entstehen, wenn das Immunsystem auf eigentlich harmlose Substanzen wie Pollen, Hausstaubmilben oder bestimmte Nahrungsmittel überreagiert. Diese Überempfindlichkeit kann vielfältige Symptome hervorrufen, von leichtem Juckreiz bis hin zu schweren Atemwegsbeschwerden oder anaphylaktischen Reaktionen. Durch den Einfluss von Umweltfaktoren, genetischer Veranlagung und steigender Allergenbelastung nehmen Allergien weltweit zu und stellen Betroffene oft vor große Herausforderungen im Alltag. Eine frühzeitige Diagnose und moderne Behandlungsmethoden können jedoch helfen, die Beschwerden effektiv zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Die Entstehung von Allergien wird durch ein komplexes Zusammenspiel genetischer Faktoren und Umweltallergenen beeinflusst.
„Man muss zunächst wissen, dass der Mensch an der Schnittstelle zwischen Körper und Umwelt verschiedene Grenzflächen besitzt. Die erste dieser Grenzflächen ist die Haut, die über ein starkes Immunsystem verfügt. Weitere wichtige Barrieren sind die oberen und unteren Atemwege – auch die Augen spielen eine Rolle, da hier Fremdstoffe eindringen können. Die dritte wesentliche Grenzfläche, die besonders groß ist, stellt der Darm dar. An all diesen Grenzflächen findet eine Regulation durch das Immunsystem statt, wobei eine Allergie als eine fehlgeleitete Reaktion dieses Systems betrachtet wird. Vor vielen Jahrhunderten waren Allergien nicht bekannt; sie traten erst im Zuge der Industrialisierung und weiterer Entwicklungen in den westlichen Industrieländern verstärkt auf. Allergien, als übermäßige Reaktionen des Immunsystems auf eigentlich harmlose Substanzen, waren zu dieser Zeit noch nicht vollständig verstanden. Erst seit etwa 130 Jahren verfügt die Wissenschaft über genauere Erkenntnisse, die zur Entwicklung gezielter Therapien führten. Diese Erklärung macht deutlich, dass sich allergische Symptome vor allem an den Grenzflächen des Körpers äußern, da hier die Immunzellen sitzen. Bei Allergikern erkennen diese Zellen harmlose Fremdstoffe oder Partikel fälschlicherweise als gefährlich und lösen eine übersteigerte Immunreaktion aus. Bei Kleinkindern tritt dies klassischerweise zunächst auf der Haut auf, während in späteren Lebensjahren zunehmend die Nase, Augen und die unteren Atemwege betroffen sind. Die Lunge ist dabei nur selten als Erstes involviert – vielmehr wandert die Allergie allmählich nach unten. Dieser Verlauf wird als sogenannter „allergischer Marsch“ bezeichnet: Zunächst sind Nase und Augen betroffen, was sich in rhinokonjunktivalen Symptomen äußert – also einer gleichzeitigen Entzündung der Nasenschleimhäute (Rhinitis) und der Bindehaut des Auges (Konjunktivitis). Diese Symptome zeigen sich in Form von Juckreiz, Schwellungen, Ödemen oder Fließschnupfen“, erläutert Prof. Dr. Bergmann zu Beginn unseres Gesprächs und ergänzt zu den Faktoren Klimawandel und Hygiene:
„Seit Ende der 1980er Jahre gibt es die Hygienetheorie, die besagt, dass das Immunsystem durch übermäßige Hygiene unterfordert wird – ein Phänomen, das insbesondere in den Industrieländern beobachtet wird. Eine Studie der Kinderallergologin, Frau Professor von Mutius von der Ludwig-Maximilian-Universität München bestätigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof oder generell auf dem Land aufwachsen, ein fünfmal geringeres Risiko haben, später im Leben eine Allergie zu entwickeln. Dies liegt daran, dass ihr Immunsystem dort stärker gefordert wird. T-Zellen, insbesondere die Th2-Zellen, spielen eine entscheidende Rolle bei Allergien. Bei Allergikern reagieren diese Zellen auf normalerweise harmlose Substanzen wie Pollen oder Hausstaubmilben, als wären sie eine Bedrohung. Sie aktivieren das Immunsystem, das daraufhin IgE-Antikörper produziert. Diese Antikörper binden sich an z.B. Mastzellen, die bei erneutem Kontakt mit dem Allergen Histamin und andere entzündungsfördernde Substanzen freisetzen. Dies führt zu typischen allergischen Symptomen wie Juckreiz, Schwellungen und Atemproblemen. Durch den Klimawandel verändern sich zudem die Vegetationsphasen. Die Natur beginnt früher und intensiver zu blühen, wodurch sich auch der Pollenflug verändert. In diesem Zusammenhang kann für Allergiker ein regelmäßiger Blick auf den Deutschen Pollenflugdienst hilfreich sein“.
Am Ende des 19. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler und Ärzte, das Immunsystem und seine Reaktionen auf verschiedene Substanzen intensiver zu erforschen. 1906 entdeckte der deutsche Immunologe Clemens von Pirquet den Begriff "Allergie". Er prägte den Begriff, um eine ungewöhnliche Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf Substanzen zu beschreiben, die für den Körper normalerweise harmlos sind. Pirquet stellte fest, dass allergische Reaktionen durch das Immunsystem ausgelöst werden, das auf Umwelteinflüsse wie Pollen, Nahrungsmittel oder Insektengifte in einer übermäßigen und schädlichen Weise reagiert.
Die ALEX-Studie wurde als Cross-Sectionale Studie zwischen 1990 und 2000 durchgeführt und untersuchte den Zusammenhang zwischen der frühen Exposition von Kindern gegenüber Umweltfaktoren und dem Risiko, Allergien zu entwickeln. Dabei wurden mehr als 2000 Kinder aus verschiedenen ländlichen und städtischen Regionen aus Deutschland, Österreich und Schweiz einbezogen. Die Studie zeigte, dass Kinder, die in einer zu sterilen Umgebung aufwachsen und wenig Kontakt mit Mikroben, Pollen oder Staub haben, ein höheres Risiko haben, später im Leben Allergien zu entwickeln. Diese Ergebnisse stützen die „Hygienehypothese“, die besagt, dass das Immunsystem durch eine zu geringe Stimulierung in der Kindheit nicht ausreichend trainiert wird und später überempfindlich auf harmlose Substanzen wie Pollen oder Hausstaubmilben reagiert. Die Studie belegt somit, dass der Kontakt mit natürlichen Umweltfaktoren essenziell für die Entwicklung eines gesunden Immunsystems ist.
Es ist wichtig, dass Kinder in der Natur aufwachsen und nicht in einer übermäßig hygienischen Umgebung, da der Kontakt mit natürlichen Umweltfaktoren wie Staub, Pollen und Mikroben das Immunsystem stärkt.
Ein gewisses Maß an Exposition gegenüber diesen Reizen fördert die Entwicklung eines robusten Immunsystems, das lernt, zwischen harmlosen und schädlichen Substanzen zu unterscheiden. Kinder, die in einer natürlichen Umgebung leben, haben ein geringeres Risiko, allergische Erkrankungen zu entwickeln, da ihr Immunsystem regelmäßig herausgefordert wird. In einer übermäßig sauberen oder sterilen Umgebung fehlen oft diese wichtigen Impulse, die die Reifung des Immunsystems unterstützen. „Was Kinder betrifft, so gibt es eine wichtige Studie von Du Toit et al., die 2015 im höchstrangigen New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Sie zeigte, dass Kinder, die definierte Allergene wie Nüsse oder Milchenzyme bereits in Form von Brei erhalten haben, einen deutlich höheren Schutz gegenüber Allergien entwickelten als Kinder, die diesen Kontakt nicht hatten. Der Körper muss also lernen, sich mit fremden Stoffen auseinanderzusetzen“, so Prof. Dr. Bergmann.
Menschen mit einer familiären Vorgeschichte von Allergien oder anderen atopischen Erkrankungen wie Asthma oder Neurodermitis haben ein deutlich erhöhtes Risiko, ebenfalls allergisch zu reagieren. Bestimmte Genvarianten, etwa solche, die die Produktion von Immunglobulin E (IgE) regulieren, fördern eine überschießende Immunantwort auf Allergene. „Wenn beispielsweise beide Elternteile Allergiker sind, hat das Kind eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit, ebenfalls eine Allergie zu entwickeln. Ist nur ein Elternteil betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 Prozent, und wenn kein Elternteil betroffen ist, sinkt sie auf unter 20 Prozent. Daher ist es besonders wichtig, Kindern ab dem fünften Lebensmonat neben Muttermilch oder Säuglingsnahrung Beikost mit vielfältigen Nahrungsmitteln, einschließlich allergener Lebensmittel, anzubieten“, empfiehlt Prof. Dr. Bergmann.
Drei Säulen der Allergietherapie: Vermeidung, Medikation und Immuntherapie.
„In jedem Fall sollte ein Patient mit einer allergischen Reaktion aktiv werden – abhängig vom Ausmaß der Symptome. Es gibt drei wesentliche Therapiesäulen, um einer Allergie zu begegnen. Die erste ist die Karenz, also das Vermeiden des auslösenden Allergens. Ob es sich um einen Apfel handelt, der Reizungen im Mund verursacht, oder um Hausstaubmilben, die vorwiegend im Bett vorkommen – entsprechende Maßnahmen können helfen. Bei Hausstaubmilben empfiehlt es sich beispielsweise, auf organische Bettwaren zu verzichten und stattdessen Kaltschaummatratzen sowie synthetische Bettdecken zu nutzen. Auch Allergiebettbezüge und Luftreiniger können die Allergenkonzentration im Schlafzimmer senken – was übrigens auch für Pollenallergiker vorteilhaft ist. Die zweite Säule umfasst die antiallergische Bedarfsmedikation. Dazu gehören Antihistaminika, die Patienten einnehmen, wenn sie einem erhöhten Allergierisiko ausgesetzt sind, beispielsweise während des Birkenpollenflugs. Diese Medikamente unterbrechen die allergische Reaktion, die zu den typischen Symptomen führt. Darüber hinaus gibt es kombinierte kortisonhaltige Nasensprays, die sehr wirksam sind, sowie antiallergische Augentropfen. Ist die Lunge betroffen, kommen zusätzlich Inhalationssprays zum Einsatz. Diese Maßnahmen dienen jedoch nur der Symptombehandlung. Um die Ursache der Allergie anzugehen, ist die dritte Therapiesäule entscheidend: die spezifische Immuntherapie, auch als De- oder Hyposensibilisierung bekannt. Diese kausale Therapieform trainiert das Immunsystem schrittweise, sodass es das Allergen nicht mehr als Bedrohung wahrnimmt. Sie ist die einzige Möglichkeit, den zuvor beschriebenen „allergischen Marsch“ – also die fortschreitende Entwicklung einer Allergie bis hin zu allergischem Asthma – zu stoppen oder in manchen Fällen sogar rückgängig zu machen. Eine solche Therapie erstreckt sich über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren und erfolgt entweder in Form monatlicher Injektionen unter die Haut (SCIT) oder einer täglichen Schmelztablette und der Zunge (SLIT). Sie gehört zu den von den Krankenkassen erstattungsfähigen Leistungen“, verdeutlicht Prof. Dr. Bergmann.
Die molekulare Allergiediagnostik hat bedeutende Fortschritte in der Differenzierung von Allergiearten erzielt, indem sie spezifische Eiweiße (Allergenkomponenten) identifiziert, die eine allergische Reaktion auslösen.
„Der Erstkontakt mit dem Arzt beginnt immer mit der Anamnese, bei der erfragt wird, welche Medikamente eingenommen werden, ob es allgemeine gesundheitliche Probleme gibt und wie die Allergiesituation in der Familie aussieht. Die Anamnese wird dann durch eine allergologische Diagnostik in Form eines Haut-Prick-Tests ergänzt. Mittlerweile ist eine breite Palette molekularer Allergietests verfügbar, die auf die häufigsten allergenen Proteine von Pollen, Milben, Schimmel, Tierhaaren oder Nahrungsmitteln abgestimmt sind. Alternativ kann ein Bluttest durchgeführt werden, mit dem spezifische IgE-Antikörper nachgewiesen werden, falls eine Sensibilisierung vorliegt. Die moderne Allergiediagnostik setzt zunehmend auf molekulare Verfahren. Im Gegensatz zu traditionellen Hauttests oder Blutuntersuchungen, die die Gesamtreaktion des Immunsystems auf ein Allergen messen, identifiziert die molekulare Diagnostik spezifische Allergenkomponenten, die eine allergische Reaktion auslösen. In den letzten 20 Jahren konnten zahlreiche Oberflächenstrukturen von Allergenen identifiziert werden. Jedes Allergen besteht aus mehreren Molekülen, aber nicht alle lösen eine Allergie aus. Manche Menschen reagieren nur auf bestimmte Teile des Allergens, während andere auf mehrere Komponenten gleichzeitig sensibilisiert sind. Beispielsweise reagieren einige Menschen auf den Kot von Hausstaubmilben, andere auf deren Panzer. Diese präzisere Diagnostik ermöglicht eine differenziertere Einschätzung der Allergieauslöser. Tatsächlich können mittlerweile bis zu 295 Allergene in einer einzigen Blutuntersuchung getestet werden, sodass sich auch bislang unklare Symptome besser einordnen lassen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für eine personalisierte Medizin“, erklärt Prof. Dr. Bergmann.
Ein Beispiel für die Anwendung der molekularen Diagnostik ist die Unterscheidung zwischen einer echten Nahrungsmittelallergie und einer Kreuzreaktion. So kann eine Person auf Birkenpollen allergisch sein und gleichzeitig Symptome nach dem Verzehr von Äpfeln zeigen – nicht aufgrund einer eigenständigen Apfelallergie, sondern wegen ähnlicher Proteine in beiden Substanzen. Die molekulare Diagnostik kann hier genau bestimmen, ob die Reaktion auf die Birkenpollen oder die Frucht selbst zurückzuführen ist.
Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung und dem Verlauf allergischer Erkrankungen, da der Darm das größte Immunorgan des Körpers ist.
Es besteht eine enge Verbindung zwischen der Darmflora und dem Immunsystem. Eine ausgewogene Darmflora trägt dazu bei, das Immunsystem zu regulieren und eine gesunde Balance zwischen entzündungsfördernden und -hemmenden Reaktionen aufrechtzuerhalten. Störungen im Mikrobiom, auch Dysbiose genannt, können hingegen die Entstehung von Allergien begünstigen und deren Schweregrad beeinflussen.
„Der Stellenwert des Mikrobioms in Darm, Haut, Mund, Lunge und Nase – also an allen Grenzflächen – hat in der Medizin deutlich zugenommen. Hier geht es um mehrere Millionen Bakterien, mit denen wir in Symbiose leben. Die ‚guten‘ Bakterien unterstützen uns durch positive Wechselwirkungen mit dem Immunsystem und helfen, Krankheiten zu verhindern. Man konnte feststellen, dass das Mikrobiom von Allergikern Lücken aufweist, die bei Nicht-Allergikern nicht vorhanden sind. Der erste mikrobiologische Kontakt findet bei einer natürlichen vaginalen Geburt statt. Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, haben ein höheres Allergiepotenzial, da sie weniger Kontakt mit mütterlichen Bakterien hatten. Diese Erkenntnis hat zur Entwicklung von Präparaten wie Probiotika für den Darm oder speziell für Pollenallergiker geführt, um ein Ungleichgewicht zwischen ‚guten‘ und ‚schlechten‘ Bakterien auszugleichen und Symptome zu lindern“, so Prof. Dr. Bergmann.
Das Darmmikrobiom kann durch verschiedene Maßnahmen positiv beeinflusst werden, um allergische Erkrankungen vorzubeugen oder deren Verlauf zu mildern.
Eine ausgewogene Ernährung mit hohem Anteil an Ballaststoffen, wie sie in Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten vorkommen, fördert das Wachstum nützlicher Bakterien wie Bifidobakterien und Laktobazillen. Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir und Sauerkraut liefern ebenfalls probiotische Kulturen, die die Diversität der Mikrobiota erhöhen können. „Allergiefördernd ist in jedem Fall der Konsum von Fast-Food oder Convenience Produkten. Es ist wichtig, Lebensmittel frisch zu verarbeiten! Zucker gilt es ebenfalls, weitestgehend zu vermeiden, vor allem Industriezucker, da dieser für Bakterien ein Verstärker ist. Was auch hilft, ist viel draußen zu tanken und Vitamin D zu tanken!“, rät Prof. Dr. Bergmann, und damit beenden wir unser Gespräch.
Herzlichen Dank, Prof. Dr. Bergmann, für diese hochinteressanten und wichtigen Informationen!
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Über den Fachautor
Alexandra Pfitzmann
Redakteurin
Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.
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