Experteninterviews
Beckenvenensyndrom: Experteninterview mit Dr. med. Dipl. oec. med., FESC Michael Lichtenberg
Alexandra Pfitzmann ·
Dr. med. Dipl. oec. med. Michael Lichtenberg ist ein anerkannter Spezialist auf dem Gebiet der Angiologie und leitet als Chefarzt der Klinik für Angiologie am Klinikum Hochsauerland das Zentrum für Beckenvenenobstruktionen in Arnsberg. Das Arnsberger Zentrum ist bundesweit eine der größten Spezialabteilungen für die Behandlung von Beckenvenenerkrankungen.
Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Behandlung venöser und arterieller Gefäßerkrankungen hat sich Dr. Lichtenberg national und international einen exzellenten Ruf erarbeitet. Sein besonderer Fokus liegt auf der Diagnose und Therapie komplexer Beckenvenenerkrankungen, bei denen er mit seinem Team jährlich mehrere Hundert minimalinvasive Eingriffe vornimmt. Dabei kommen moderne bildgebende Verfahren und Kathetertechniken zum Einsatz, um Patienten mit Beschwerden wie Schwellungen, chronischen Schmerzen oder offenen Beinen gezielt und schonend zu helfen.
Ein weiterer medizinischer Schwerpunkt von Dr. Lichtenberg liegt in der Behandlung kritischer Durchblutungsstörungen der Extremitäten, insbesondere im Rahmen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Hierfür wurde am Standort ein eigenes Studienzentrum etabliert, in dem neuartige endovaskuläre Verfahren erprobt und wissenschaftlich begleitet werden. Die langjährige Betreuung der Patienten durch ein spezialisiertes Team stellt dabei eine besonders hohe Versorgungsqualität sicher. Dr. Lichtenberg bringt sich darüber hinaus aktiv in die Weiterentwicklung seines Fachgebiets ein: Als Geschäftsführer und zukünftiger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Angiologie setzt er sich unter anderem für neue Leitlinien und die Förderung des medizinischen Nachwuchses ein. Seine Arbeit steht für moderne, evidenzbasierte Gefäßmedizin auf hohem klinischem und wissenschaftlichem Niveau.
Zum Beckenvenensyndrom sprach die Redaktion des Leading Medicine Guide mit Dr. Lichtenberg und konnte mehr zu dessen schwieriger Diagnose und erfolgreicher Behandlung erfahren.
Das Beckenvenensyndrom ist eine oft unterschätzte Ursache chronischer Beschwerden im Becken- und Beinbereich, die vor allem Frauen betrifft – aber auch bei Männern auftreten kann. Charakteristisch für diese venöse Erkrankung ist ein gestörter Blutabfluss aus den Beckenvenen, der durch Kompressionen, Engstellen oder postthrombotische Veränderungen ausgelöst wird. Die Folge ist ein venöser Rückstau, der zu Beschwerden wie chronischen Beckenschmerzen, Schwellungen, Krampfadern oder einem Schweregefühl in den Beinen führen kann. Da die Symptome unspezifisch sind, bleibt das Beckenvenensyndrom häufig lange unentdeckt. Moderne bildgebende Verfahren und minimalinvasive Behandlungsmöglichkeiten ermöglichen heute jedoch eine gezielte Diagnose und wirksame Therapie – mit dem Ziel, die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern. Die Folge eines Beckenvenensyndroms ist ein chronischer Blutstau, der zu Schwellungen, Schmerzen, Krampfadern oder sogar offenen Beinen (Ulcera) führen kann. Häufige Ursachen sind angeborene Engstellen, Narben nach Thrombosen oder äußere Kompressionen, zum Beispiel durch benachbarte Gefäße oder Strukturen wie die Arterie (beim May-Thurner-Syndrom).
Das May-Thurner-Syndrom – auch Cockett-Syndrom genannt – ist eine venöse Abflussstörung, die durch eine Kompression der linken Beckenvene (Vena iliaca communis sinistra) durch die darüber verlaufende rechte Beckenarterie (Arteria iliaca communis dextra) entsteht. Diese anatomische Engstelle kann zu einer chronischen Behinderung des venösen Rückflusses aus dem linken Bein führen und damit zu unterschiedlichen Symptomen. Die linke Beckenvene verläuft unter der rechten Beckenarterie – diese anatomische Kreuzung ist bei allen Menschen vorhanden. Beim May-Thurner-Syndrom ist jedoch der Winkel besonders ungünstig, oder das umliegende Gewebe so eng, dass es zu einer dauerhaften Einengung der Vene kommt. Dies kann durch Pulsationsdruck der Arterie über Jahre hinweg zu einer Verdickung und Schädigung der Venenwand führen.
Da die Symptome oft unspezifisch sind, wird das Beckenvenensyndrom häufig erst spät erkannt. Moderne bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT sowie venöse Druckmessungen helfen, die Diagnose zu sichern. Die Behandlung erfolgt meist minimal-invasiv durch das Einsetzen eines Stents, um den venösen Abfluss dauerhaft zu verbessern.
„Beim Beckenvenen-Syndrom handelt es sich um ein vor allem bei Frauen auftretendes Beschwerdebild – das Verhältnis liegt bei etwa 70 % Frauen zu 30 % Männern. Die Betroffenen berichten häufig über ein starkes Schmerzgefühl im Unterbauch, das in die Leistengegend und bis in die Beine ausstrahlen kann. Besonders auffällig ist dabei, dass diese Schmerzen sich perimenstruell, also rund um die Monatsblutung, noch einmal massiv verstärken. Hinzu kommen oftmals starke Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, was nicht selten zu Konflikten in der Partnerschaft führt. In vielen Fällen treten zudem Beschwerden beim Wasserlassen auf – sogenannte Dysurien – oder Schmerzen während des Urinflusses. Die Ursache für diese Symptome liegt in einer Einengung der Beckenvene, in der Regel auf der linken Seite. Anatomisch gesehen verläuft bei uns Menschen die linke Beckenvene unter der rechten Beckenarterie hindurch – genau an der Stelle, wo beide Gefäße vor dem fünften Lendenwirbelkörper aufeinandertreffen. Ist der Raum an dieser Kreuzung zu eng, kommt es zu einer Art ,Konkurrenzsituation´: Die Arterie, die kräftiger pulsiert, drückt die darunterliegende Vene zusammen. Das hat zur Folge, dass der Blutabfluss gestört wird – das venöse Blut staut sich. Man kann sich das vorstellen wie bei einem Gartenschlauch: Wenn Sie vorne den Schlauch zudrücken, staut sich das Wasser – bei billigen Schläuchen kann der Druck so groß werden, dass sie hinten platzen. Bei Frauen platzt zwar nichts, aber der entstehende Rückstau erzeugt einen massiven Druck in der Vene. Und dieser hohe Venendruck, weil das Blut nicht richtig abfließen kann, führt letztlich zu den intensiven Schmerzen im Unterleib. Das ist das sogenannte Beckenvenen-Syndrom“, erklärt Dr. Lichtenberg zu Beginn unseres Gesprächs und führt weiter aus:
„Oft stellt sich die Frage, ob damit auch Schwellungen der Beine einhergehen – etwa, dass Patienten nicht mehr gut stehen können. Das kann vorkommen, muss aber nicht zwingend der Fall sein. Wenn es auftritt, dann typischerweise auf der linken Seite, meist beginnend im Bereich des Knöchels. Betroffene bemerken beim Stehen oder Gehen, insbesondere bei Belastung, eine deutliche Schmerzsymptomatik im linken Bein. Man kann sich das vorstellen wie einen Ballon, der immer weiter aufgeblasen wird: Über die Arterie fließt ständig Blut ins Bein, aber der Rückfluss über die Vene ist blockiert. Dieser ansteigende Venendruck drückt auf alles – auf Sehnen, Nerven, Muskeln – und erzeugt so die teils unerträglichen Schmerzen. Wie lange es dauert, bis die Symptome spürbar werden, ist schwer zu sagen. Das ist individuell sehr verschieden. Bei manchen entwickelt sich das langsam über Jahre, andere merken früher, dass ,etwas nicht stimmt´. Man kann also nicht pauschal vorhersagen, wann der Leidensdruck so groß wird, dass eine medizinische Abklärung erfolgt – aber genau das ist bei solchen Symptomen entscheidend“.
Vom Beckenvenensyndrom sind besonders häufig Frauen im mittleren Lebensalter betroffen, vor allem nach Schwangerschaften. In vielen Fällen liegt dem Syndrom eine angeborene oder erworbene Kompression oder Engstelle der Beckenvenen zugrunde.
Die Diagnose des Beckenvenensyndroms erfolgt in der Praxis in mehreren Schritten und beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung. Patienten berichten häufig über unspezifische Beschwerden wie Schwellungen, Spannungsgefühle oder Schmerzen im Becken- und Beinbereich, die sich vor allem beim Sitzen oder Stehen verstärken.
„Eine Frau, die über chronische Schmerzen im Unterbauch klagt, geht in der Regel zunächst zum Gynäkologen. Dieser untersucht routinemäßig die Eierstöcke, die Gebärmutter, die Scheide, macht einen Ultraschall – aber auf die Beckenvenen richtet sich der Blick meist nicht. Viele Gynäkologen wissen mit dem Bild zahlreicher Krampfadern im kleinen Becken auch wenig anzufangen. Dabei entstehen diese typischerweise aufgrund des erhöhten Venendrucks: Die betroffenen Venen weiten sich, ähnlich wie Krampfadern am Bein, weil das Blut nicht richtig abfließen kann. Und genau das bleibt oft über Jahre hinweg unerkannt. In der Folge erhalten viele Patienten zunächst Fehldiagnosen. Ein klassisches Beispiel ist die Endometriose. Nicht selten wird sogar vorgeschlagen, die Gebärmutter zu entfernen – in der Annahme, dies könne die Beschwerden lindern. Dabei ist die Diagnostik äußerst anspruchsvoll, denn tatsächlich können sich Symptome bei verschiedenen Krankheitsbildern stark ähneln. Neben der Endometriose gehören dazu auch Adenomyose, also Endometriose in der Gebärmutter, sowie Nervenbeteiligungen wie die Pudendusneuralgie, bei der Beckennerven gereizt sind. Auch Zysten, Einblutungen oder andere gynäkologische Veränderungen können ähnliche Schmerzen verursachen. Das führt dazu, dass Patienten mehrfach operiert oder untersucht werden – etwa mittels Laparoskopie – ohne dass die Ursache gefunden wird. Selbst moderne Bildgebungen wie MRTs liefern nicht immer Antworten, denn oft wird schlicht nicht auf die Beckenvenen geachtet. Der Radiologe muss gezielt nach dieser Engstelle suchen – wenn er das nicht tut, bleibt das Problem unsichtbar“, verdeutlicht Dr. Lichtenberg.
MRT oder CT sind grundsätzlich in der Lage, die Veränderungen darzustellen. Entscheidend ist die Fragestellung, also worauf man achtet.
Hierzu kommentiert Dr. Lichtenberg: „Häufig sind Fachärzte auf ihr Gebiet fokussiert – was ich selbstkritisch als ,Scheuklappen-Diagnostik´ bezeichne. Der Blick über das eigene Fach hinaus fehlt oft. Dabei wäre genau dieser Austausch entscheidend: zwischen Gynäkologie, Radiologie, Gastroenterologie, Allgemeinchirurgie. Denn ,diffuse Bauchschmerzen´ können viele Ursachen haben – und nur wer breit denkt, kann die richtige Diagnose stellen. Um die Engstelle sichtbar zu machen, wird beim MRT Gadolinium als Kontrastmittel verwendet, beim CT ein jodhaltiges Mittel. Die betroffene Vene funktioniert dabei durchaus noch – sie ist nur an einer bestimmten Stelle eingeengt. Man kann sich das bildlich wie einen Hundeknochen vorstellen: Vor der Engstelle ist die Vene normal weit, im mittleren Bereich schnürt etwas sie ein, danach erweitert sie sich wieder. Genau dort, an der Verengung, staut sich das Blut – das führt zu den typischen Beschwerden. Die eigentliche Behandlung erfolgt natürlich erst nach gesicherter Diagnose. Dafür müssen die Symptome klar sein: Wenn ein Patient über massive Schmerzen berichtet, die die Lebensqualität deutlich einschränken – etwa beim Spielen mit den Kindern, in der Partnerschaft oder im Beruf – dann ist die Indikation zur Therapie gegeben. Der nächste Schritt wäre dann in der Regel eine spezielle MRT-Untersuchung mit venöser Darstellung. Die Patienten bringen die Aufnahmen mit, und wenn die Symptome und Bildbefunde zusammenpassen, kann eine gezielte Behandlung eingeleitet werden – etwa durch einen Kathetereingriff“.
Bei der Behandlung des Beckenvenensyndroms kommen vor allem minimalinvasive Verfahren zum Einsatz, die gezielt auf die Wiederherstellung eines ungestörten Blutflusses in den Beckenvenen abzielen.
„Das Beckenvenen-Syndrom ist keine lebensbedrohliche Erkrankung: Es drohen weder Amputationen noch schwerwiegende Komplikationen wie das ,schwarze Bein´. Ist die Diagnose jedoch klinisch gestellt und im MRT bestätigt, besteht die therapeutische Option darin, die verengte Beckenvene mithilfe eines Stents zu öffnen. Dieser Eingriff erfolgt minimal-invasiv über die Leistenvene. Zunächst wird die Punktionsstelle lokal betäubt, anschließend führt der Operateur einen Katheter ein und appliziert Kontrastmittel, um die Engstelle angiografisch exakt darzustellen. Danach wird eine intraluminale Ultraschallsonde vorgeschoben: Sie vermisst Länge und Durchmesser der Stenose millimetergenau, sodass anschließend ein passgenauer Stent ausgewählt werden kann. Vor dem Einsetzen des Stents wird die Engstelle mit einem Ballon vorsichtig aufgedehnt; erst danach wird das Metallgerüst eingebracht, das das Gefäß dauerhaft offenhält und einen erneuten Kollaps verhindert. Ein Verschluss der betroffenen Vene wäre keine Option – anders als bei einer Insuffizienz der Eierstockvene, bei der das Blut aufgrund defekter Klappen retrograd in das kleine Becken strömt. Die Beckenvene ist hingegen das Hauptabflussgefäß des Beins; würde man sie ligieren, käme es unweigerlich zu einer schweren Thrombose. Der Stent-Eingriff wird in Deutschland stationär durchgeführt. Der Patient wird am Tag der Intervention aufgenommen, über Nacht überwacht und kann in der Regel am folgenden Morgen entlassen werden. Nach dem Eingriff treten meist nur leichte Wund- oder Rückenschmerzen auf, und die Rückkehr in den gewohnten Alltag ist bereits nach wenigen Tagen möglich. Da es sich bei dem Stent um ein relativ großes Metallgerüst handelt, besteht ein Thromboserisiko; deshalb ist in den ersten drei Monaten eine konsequente Antikoagulation mit einem modernen oralen Blutverdünner erforderlich, um einer Gerinnselbildung im Implantat sicher vorzubeugen“, macht Dr. Lichtenberg deutlich.
Die Erfolgsaussichten einer Therapie beim Beckenvenensyndrom sind in der Regel sehr gut – insbesondere, wenn die Diagnose frühzeitig gestellt und die Behandlung durch ein spezialisiertes Zentrum durchgeführt wird.
Minimalinvasive Verfahren wie die Stentimplantation führen in über 90 Prozent der Fälle zu einer nachhaltigen Verbesserung der Beschwerden. Viele Patienten berichten bereits kurz nach dem Eingriff über eine spürbare Linderung typischer Symptome wie Schwellungen, Spannungsgefühl, Schmerzen oder chronischer Müdigkeit der Beine. „Die Erfolgsaussichten einer Stentimplantation bei Beckenvenenverengung sind grundsätzlich gut, allerdings bedarf es einer realistischen Erwartungshaltung. Es handelt sich nicht um einen unmittelbaren ,Hebeleingriff´, bei dem durch eine einzige Maßnahme plötzlich alle Beschwerden verschwinden. Vielmehr ist es so, dass die Patienten in der Regel bereits über viele Jahre hinweg unter der chronischen Abflussstörung gelitten haben. In dieser Zeit haben sich ausgeprägte venöse Umgehungskreisläufe und Krampfadern im kleinen Becken entwickelt. Mit der Stentimplantation wird der Druck im venösen System nachhaltig gesenkt, wodurch sich diese erweiterten Gefäße nach und nach zurückbilden. Das wiederum führt zu einer sukzessiven Linderung der Symptome. Patienten sollten darüber aufgeklärt werden, dass es mehrere Wochen – mitunter zwei bis drei Monate – dauern kann, bis eine deutliche Besserung spürbar ist. Die Beschwerden nehmen in der Regel schrittweise ab. Eine vollständige Beschwerdefreiheit ist möglich, kann jedoch nicht garantiert werden, da die individuelle Reaktion auf den Eingriff unterschiedlich ausfallen kann. Bezüglich der Langzeitstabilität des Stents gilt: Auch wenn es sich um ein robustes, dauerhaft angelegtes Implantat handelt, bleibt es dennoch ein Fremdkörper im Körper. Wie bei anderen medizinischen Implantaten – etwa Herzschrittmachern oder Koronarstents – besteht grundsätzlich ein Restrisiko, etwa für eine erneute Einengung (Restenose) oder einen Verschluss. Die verwendeten Venenstents sind relativ groß (etwa 14 mm im Durchmesser), und die Rate eines Stentverschlusses liegt nach aktuellen Erkenntnissen bei unter 5 % über einen Zeitraum von fünf Jahren. Um potenzielle Komplikationen frühzeitig zu erkennen, wird empfohlen, mindestens einmal jährlich eine Verlaufskontrolle per Ultraschall durchführen zu lassen“, empfiehlt Dr. Lichtenberg.
Die Behandlung zielt nicht nur darauf ab, den venösen Rückstau zu beseitigen, sondern auch die Funktion der Venenklappen zu stabilisieren und Folgeschäden wie Hautveränderungen oder offene Beine (Ulcera) zu vermeiden. Dadurch verbessert sich die Lebensqualität meist deutlich: Die Mobilität nimmt zu, die Leistungsfähigkeit steigt, und viele Betroffene können wieder ohne Beschwerden ihren Alltag bewältigen. Langfristig profitieren Patienten auch davon, dass die Therapie das Risiko für erneute Thrombosen oder das Fortschreiten einer chronischen Venenerkrankung reduziert. Voraussetzung für einen stabilen Therapieerfolg ist jedoch eine sorgfältige Nachsorge, zu der neben der regelmäßigen klinischen Kontrolle auch Ultraschalluntersuchungen und ggf. die Anpassung von Kompressionstherapien gehören.
Dr. Lichtenberg betont: „Das Karolinen-Hospital hat sich in den vergangenen Jahren zu einem europaweit führenden Zentrum für die Diagnostik und Behandlung des Beckenvenensyndroms entwickelt. Mit über 400 dokumentierten und behandelten Fällen pro Jahr verfügt die Klinik über eine außergewöhnlich hohe Erfahrung in diesem Bereich. Die Patienten kommen nicht nur aus dem gesamten Bundesgebiet, sondern auch aus dem europäischen Ausland und zunehmend aus Regionen wie dem Nahen Osten. In vielen dieser Länder – etwa in Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten – wird diese Art der interventionellen Therapie bislang kaum oder gar nicht angeboten, weshalb gezielte Schulungen und Kooperationsprojekte mit dortigen Kollegen zunehmend an Bedeutung gewinnen“.
Wenn Patienten mit wiederkehrenden oder chronischen Unterbauchbeschwerden, Schmerzen im kleinen Becken oder beim Geschlechtsverkehr über längere Zeit keine eindeutige Diagnose erhalten, kann das eine erhebliche Belastung darstellen – nicht selten beginnt dann eine langwierige diagnostische Odyssee.
„Eine Internetrecherche bringt zwar viele Erfahrungsberichte zutage, ersetzt aber keine strukturierte medizinische Abklärung. Grundsätzlich ist es richtig und wichtig, zunächst naheliegende Ursachen abzuklären, beispielsweise gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose oder Zystenbildungen. Auch andere Fachgebiete wie Urologie oder Gastroenterologie sollten in Betracht gezogen werden, insbesondere bei unspezifischen Becken- oder Flankenschmerzen. Wenn jedoch trotz aller Abklärungen keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann und die Beschwerden weiterhin bestehen – insbesondere bei typischen Symptomen wie zyklusabhängigen Schmerzen, Beschwerden beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr sowie gegebenenfalls Schwellungsgefühlen im Bein – ist es dringend anzuraten, auch eine angiologische Untersuchung in Betracht zu ziehen. Fachärzte für Angiologie verfügen über die notwendige Expertise, um vaskuläre Ursachen wie das Beckenvenensyndrom oder das May-Thurner-Syndrom zu erkennen und einzuordnen. Diese Krankheitsbilder sind zwar nicht selten, bleiben jedoch häufig unerkannt, da sie interdisziplinär verortet sind und im klassischen gynäkologischen oder radiologischen Blickfeld oft nicht berücksichtigt werden. Auch wenn Männer seltener betroffen sind, können sie unter vergleichbaren Symptomen leiden, etwa bei ausgeprägten venösen Abflussstörungen. Die Diagnostik und Therapie unterscheiden sich in der Methodik nicht wesentlich“, so Dr. Lichtenberg abschließend.
Vielen Dank, Dr. Lichtenberg, für die Aufklärung über diese nicht ganz alltägliche und oft unentdeckte Erkrankung!
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Über den Fachautor
Alexandra Pfitzmann
Redakteurin
Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.
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