Speziell zur Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen der Luftröhre, der Tracheachirurgie, erfuhr die Redaktion des Leading Medicine Guide in einem Gespräch mit Dr. Schega mehr.

Die Tracheachirurgie ist ein hochspezialisiertes Fachgebiet der Chirurgie, das sich mit der Behandlung von Erkrankungen, Verletzungen und Fehlbildungen der Luftröhre (Trachea) beschäftigt. Da die Luftröhre eine zentrale Rolle im Atmungssystem spielt, ist eine präzise Diagnose und Behandlung bei Problemen wie Verengungen, Tumoren oder Verletzungen unerlässlich. Tracheachirurgische Eingriffe reichen von der Entfernung von Tumoren bis hin zur Rekonstruktion von Trachealstenosen und traumatischen Schäden. Dank moderner, minimal-invasiver Techniken können solche Operationen heute oft schonend und mit schnellerer Genesung durchgeführt werden.
Häufige Gründe für eine tracheachirurgische Behandlung sind Verengungen der Luftröhre (Trachealstenosen), die durch Entzündungen, Operationen, Verletzungen oder Langzeitbeatmung entstehen können und die Atmung erschweren. Eine weitere Ursache ist die Tracheomalazie, bei der die Luftröhrenwände kollabieren und die Atemwege verengen. Auch Tumore, sowohl gutartige als auch bösartige, sowie angeborene oder erworbene Fehlbildungen können eine Operation erforderlich machen.
„Die Luftröhre kann von ganz unterschiedlichen Erkrankungen und Verletzungen betroffen sein, die eine Behandlung notwendig machen. Besonders häufig sind es Folgen einer Langzeitbeatmung: Viele Patienten – ob jung oder alt – werden nach Unfällen oder bei schweren Herz- und Lungenerkrankungen intensivmedizinisch behandelt und über längere Zeit beatmet. Dabei kommt oft nicht nur ein Tubus, sondern auch eine Trachealkanüle zum Einsatz, die entweder dilatativ von Anästhesisten oder chirurgisch eingesetzt wird – zeitweilig oder auch dauerhaft. Wenn sich ein Patient erholt, kann die Kanüle wieder entfernt werden. Oft zeigt sich dann aber, dass Narbenbildungen oder Verengungen (Stenosen) entstanden sind, die die Atmung behindern. In solchen Fällen sind spezialisierte Eingriffe nötig: Engstellen werden entfernt und die gesunden Luftröhrenenden wieder zusammengenäht (Anastomose). Am häufigsten treten solche Verengungen im Halsbereich direkt unterhalb des Kehlkopfes auf, seltener in tieferen Abschnitten durch Intubationsfolgen“, erklärt Dr. Schega und führt weiter aus:
„Ein besonderes Merkmal von Treuenbrietzen ist das standortübergreifende Weaning-Zentrum (hier gewöhnen sich Patienten wieder an das normale Atmen), das gemeinsam mit der Reha-Klinik Beelitz-Heilstätten betrieben wird. Dort werden Patienten nach schweren neurologischen Erkrankungen oder Unfällen vorbereitet. In enger Kooperation entscheiden die Teams, wann eine Operation sinnvoll ist und wie die Luftröhre wieder ,atemwegbar´ gemacht werden kann – sei es durch Resektion, Dehnung oder den Einsatz neuer Trachealkanülen. Für solche Operationen braucht es ein eingespieltes Team: Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Thoraxchirurgen, Anästhesisten und Intensivmediziner arbeiten eng zusammen. Wichtig ist vor allem eine sichere Sauerstoffversorgung während des Eingriffs. Die Logistik funktioniert über ein gut vernetztes System: Patienten können von anderen Kliniken, etwa der Charité Berlin, nach Treuenbrietzen überwiesen werden. Oft werden die Befunde bereits vorab digital geteilt – inklusive CT- oder MRT-Bildern –, sodass die Spezialisten früh entscheiden können, ob und wie eine Behandlung möglich ist. Die dankbarsten Momente entstehen, wenn ein Patient, der vorher kaum Luft bekam, nach einer erfolgreichen Operation wieder frei atmen kann – ohne Kanüle, ohne Hindernis“.
Die Entwicklung minimal-invasiver Techniken hat die Tracheachirurgie erheblich verändert und bietet sowohl für die Patienten als auch für die behandelnden Ärzte zahlreiche Vorteile. Diese modernen Verfahren haben die Art und Weise, wie Erkrankungen der Luftröhre behandelt werden, revolutioniert, indem sie den Fokus auf kleinere Einschnitte, geringeren körperlichen Stress und schnellere Heilung legen.

Kehlkopf, Luftröhre und Bronchialsystem._Patrick J. Lynch, medical illustrator, CC BY 2.5
„Früher wurden Eingriffe an der Luftröhre ganz anders durchgeführt, heute geht vieles minimalinvasiv oder zumindest ,kleinschnittig´. Natürlich müssen wir die Schnitte immer individuell anpassen: Liegt die Engstelle im Halsbereich, reicht ein kleiner Zugang, manchmal muss aber auch das Brustbein teilweise oder ganz eröffnet werden – oder wir operieren von der Seite, je nachdem, wo genau sich die Enge befindet. Die Luftröhre ist immerhin 10 bis 12 Zentimeter lang, besteht aus 22 bis 24 Knorpelspangen und teilt sich hinter dem Brustbein in die beiden Hauptbronchien auf. Der große Fortschritt der letzten Jahre ist die moderne Oxygenierung während der Operation. Heute können wir mit einer Jetventilation arbeiten – das ist wie ein feiner Katheter, der durch die eröffnete Luftröhre bis in die Lunge vorgeschoben wird und mit hohen Frequenzen und kontrolliertem Druck Sauerstoff zuführt. So können wir beide Lungenflügel oder auch nur die untere Trachea belüften. Zusätzlich überwachen wir den Gasaustausch mit einer transkutanen CO₂-Messung an der Haut. Das verschafft uns wertvolle Zeit, um in Ruhe eine Anastomose zu nähen – also die Ränder der Luftröhre wieder zusammenzufügen – oder bei Bedarf sogar eine neue Bifurkation zu rekonstruieren. Natürlich braucht man immer auch Plan B und Plan C: Wenn die Jetventilation nicht funktioniert, können wir über das Operationsfeld einen Tubus einlegen und so eine Lunge gezielt beatmen, bis die Verbindung wiederhergestellt ist. Entscheidend ist dabei die perfekte Vorbereitung: Anästhesie, Chirurgie und Pflege müssen als eingespieltes Team funktionieren, jeder Handgriff muss sitzen. Dieses ,Crisis Resource Management´ stellt sicher, dass im Ernstfall keine Zeit verloren geht. Der große Vorteil eines spezialisierten Zentrums ist die Routine. In Treuenbrietzen führen wir rund 100 tracheobronchoplastische Eingriffe pro Jahr durch und sind damit deutschlandweit an der Spitze sowohl in der Anzahl als auch in der Qualität der Versorgung. Neben den Folgen von Beatmung oder Verletzungen behandeln wir auch seltene Luftröhrentumoren, ob gutartig oder bösartig. So decken wir das ganze Spektrum der modernen Luftröhrenchirurgie ab“, betont Dr. Schega.
Die Therapie bei Luftröhrenerkrankungen richtet sich nach der Ursache: Leichtere Engstellen (z. B. bei Trachealstenosen oder Tracheomalazie) können minimal-invasiv mit Stents oder Ballondilatationen behandelt werden. In schwereren Fällen sind offene Operationen nötig, etwa zur Entfernung oder Rekonstruktion von Luftröhrenabschnitten. Bei Tumoren kommt eine partielle Trachektomie infrage; Fehlbildungen oder Verletzungen erfordern oft eine Rekonstruktion. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen, wie Lungenkrebs mit Trachealbeteiligung, wird meist eine Kombination aus Chirurgie, Bestrahlung und Chemotherapie eingesetzt.

Tracheomalazie._KI generiert
Die Tracheachirurgie spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Tumoren der Luftröhre, da diese Tumore sowohl die Atemwege blockieren als auch eine potenzielle Gefahr für die umliegenden Strukturen wie die Lunge, die Speiseröhre und die Blutgefäße darstellen können.
Tumore der Luftröhre sind relativ selten, können aber sowohl gutartig als auch bösartig sein, wobei letztere in der Regel eine aggressivere und umfassendere Behandlung erfordern. Die chirurgische Behandlung dieser Tumore zielt darauf ab, die Tumormasse zu entfernen, den Luftweg zu sichern und Komplikationen zu minimieren.
„Wenn es um Tumore in der Luftröhre geht, stellt sich oft die Frage nach den Ursachen. Grundsätzlich gibt es sowohl genetische Faktoren als auch bekannte Risikofaktoren, wobei die gilt, dass vor allem das Rauchen eine entscheidende Rolle spielt. Beim Lungenkrebs ist die Verbindung zum Rauchen bereits gut erforscht, und beim Luftröhrenkrebs zeigt sich eine ähnliche Korrelation: Statistisch betrachtet sind etwa neun von zehn männlichen Krebspatienten Chronik-Raucher. Bei Frauen sind es ungefähr sieben von zehn, was allerdings bedeutet, dass auch bei ihnen das Risiko durch vermeidbare Faktoren stark erhöht ist. Das Rauchen gilt als der bedeutendste präventive Faktor, um die Entstehung eines solchen Tumors zu verhindern. Diese enge Verbindung erklärt auch die Häufigkeit von Luftröhrenkrebs bei Rauchern. Es gibt jedoch auch gutartige Tumore, wie Papillome, die die Atemwege ebenfalls verlegen können. Das Problem ist, dass diese gutartigen Tumore manchmal unterschätzt werden: Man könnte denken, es handle sich nur um eine chronische Bronchitis, besonders wenn es zu Verengungen kommt, die durch Bronchospasmodika oder Antibiotika behandelt werden. Doch die tatsächliche Ursache kann ein Tumor sein, der rasch die Atemwege verlegen und so die Atmung stark behindern kann. In solchen Fällen ist die Zeit ein entscheidender Faktor. Wenn jemand Veränderungen in seiner Atmung bemerkt, vermehrt hustet und sich dieser Zustand über Wochen hinzieht, sollte unbedingt ein Facharzt aufgesucht werden. Oft wird die zugrunde liegende Tumorerkrankung zunächst nicht erkannt. Daher gilt die Empfehlung: Bei anhaltendem Husten von zwei bis drei Wochen sollte eine Untersuchung erfolgen. Diese umfasst meist bildgebende Verfahren wie Röntgen oder CT sowie eine Bronchoskopie, um die genaue Ursache zu klären“, so Dr. Schega.
Frühzeitig diagnostizierte Tumore haben deutlich bessere Behandlungsaussichten, da sie oft noch nicht in die umliegenden Gewebe eingewachsen sind.
Hierzu kommentiert Dr. Schega: „Hierbei kommt die sogenannte sublobäre Resektion zum Einsatz – eine minimalinvasive Operation, bei der nur das betroffene Segment der Lunge entfernt wird. Die Lunge besteht aus 19 Segmenten, die in fünf Lungenlappen angeordnet sind, sodass bei einer solchen Operation nur das erkrankte Segment entfernt werden kann. Das schont die restliche Lunge und erhält die Atmungsfunktion des Patienten bestmöglich. Bei der Behandlung von Patienten mit Lungen- oder Tumorerkrankungen gleicht sich die operative Technik in der Regel. Beide Eingriffe erfordern eine sorgfältige Entfernung der Erkrankung bei entzündungsfreier, narbenfreier Umgebung, um Rezidive und Engstellen zu vermeiden. Dabei wird oft mit Schnellschnittmikroskopie gearbeitet, um während der Operation sicherzustellen, dass alle tumorfreien Grenzen erreicht werden. Was die Dauer einer solchen Operation betrifft, so kann sie in einem routinierten Team etwa zwei bis drei Stunden dauern. Besonders bei Patienten, die langzeitig intubiert waren und eine Trachealkanüle tragen, ist die Anatomie oftmals stark verändert und vernarbt. Das macht die OP komplizierter und erfordert präzises Vorgehen, insbesondere bei der Beseitigung von Stenosen unterhalb des Kehlkopfes, etwa am Dach der Kanüle. Hierbei wird die verengte Stelle sorgfältig entfernt, die End-zu-End-Anastomose erfolgt und die Sauerstoffversorgung sichergestellt. Ein aktueller Trend ist die Anwendung des Neuromonitorings während der Operation, um die Funktion der Nerven, vor allem des Nervus laryngeus recurrens, exakt zu überwachen. Das schützt die Stimme und vermeidet Nervenschäden. Für die Stabilität der Nerven und eine bestmögliche postoperative Funktion wird diese Technik auch bei komplizierten Eingriffen in der Luftröhre oder im Thoraxbereich eingesetzt. Dabei werden die Nerven durch spezielle Elektroden und Sensoren permanent überwacht, um zu gewährleisten, dass sie auch während der Operation gut durchblutet bleiben – eine Maßnahme, die die Langzeitergebnisse deutlich verbessert“.
Wenn ein Patient bereits eine Carotis-Stenose (Verengung der Carotis-Arterie) hat, zum Beispiel durch einen Stent behandelt wurde, beeinflusst das die Durchführung von Luftweg-Operationen in der Regel nicht grundsätzlich.
„Erfahrene Kollegen haben mehrere Möglichkeiten, den optimalen Zugang zu wählen. Ist die Durchblutung im Halsbereich gut wiederhergestellt, etwa durch interventionelle oder operative Eingriffe, steht einer Operation meist nichts im Wege. Wichtig ist jedoch eine gründliche Vorbereitung, insbesondere hinsichtlich der Funktionalität der Stimmbänder und der Atemwege, um Komplikationen zu vermeiden. Vor einer Operation sollten auch bestehende Schluckstörungen oder Ernährungsweisen berücksichtigt werden. Viele Patienten mit Langzeitbeatmung und Trachealkanüle werden über Gastrostomie ernährt, was die Logopädie und Schlucktraining notwendig macht. Eine umfassende Einschätzung dieser Faktoren ist essenziell, damit der Patient nach dem Eingriff wieder eigenständig atmen und schlucken kann und Aspirationen vermieden werden. Das ist wichtig, weil Aspirationen die Lungenfunktion verschlechtern und im schlimmsten Fall eine Re-Tracheotomie notwendig machen können – was wir jedoch möglichst verhindern möchten. Gerade bei jungen verletzten Patienten, die lange Reha-Zeiten benötigen, zeigt sich, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit in spezialisierten Zentren ist. Neben dem Operateur sind dabei Anästhesie, Thoraxchirurgen und andere Fachärzte beteiligt. Diese Zusammenarbeit unter einem Dach ist entscheidend für den Erfolg, ähnlich wie in Gesellschaft und Familie: Gemeinsam lassen sich bessere Ergebnisse erzielen. Bei der Luftröhren- und Kehlkopfchirurgie gilt es, die verschiedenen Fachdisziplinen optimal zu koordinieren, um stets das beste Ergebnis zu erreichen. Besonders wichtig ist die enge Abstimmung zwischen Anästhesie und Thoraxchirurgen, da die Trachea in den Brustkorb führt und sich mit der Lunge verbindet. Eine sorgfältige Vorbereitung ist die halbe Miete, denn gut geplante Anastomosen heilen besser ab. Falls die respiratorische Leistungsfähigkeit vor der Operation eingeschränkt ist, besteht das Risiko, dass der Patient nach dem Eingriff wieder re-tracheotomiert werden muss. Deshalb sollte vorab eine umfassende Einschätzung erfolgen – ähnlich wie bei der Planung eines Tumorbetriebs, bei dem die Akte gemeinsam mit dem Anästhesisten durchgesprochen wird, um alle Risiken zu minimieren und den Behandlungserfolg zu sichern“, schildert Dr. Schega.
Das plastisch-organisatorische Vorgehen beim Weaning (der langsame Entzug der künstlichen Beatmung) im Behandlungszentrum für Wirtschaft, Bildung und Gesundheit (BWB) ist gut strukturiert. Es bietet eine interdisziplinäre Versorgung für Patienten, die spezielle medizinische Betreuung benötigen. Es vereint medizinische Behandlung, Rehabilitation und Bildungsangebote, um die Patienten optimal auf eine Rückkehr in den Alltag vorzubereiten.
„Dabei werden die Fälle regelmäßig via Video- oder Telefonkonferenzen besprochen. In diesen Gesprächen klären die beteiligten Fachleute, wie die Vorbereitung für das Entfernen der Trachealkanüle verläuft und ob die Voraussetzungen für das Weaning gegeben sind. Während des Prozesses, etwa beim Zurückziehen der Kanüle oder bei der Platzierung eines Platzhalters, wird überprüft, ob eine Engstelle in den Atemwegen besteht oder ob die Weichteile kollabiert sind. Diese örtlichen Probleme werden in der Konferenz benannt, ebenso wie die bisherigen Nebenerkrankungen des Patienten, etwa Niereninsuffizienzen, Durchblutungsstörungen oder Herzprobleme wie koronare Herzkrankheit oder Klappenfehler. Wenn alle Faktoren zusammenpassen, besteht die Möglichkeit, den Patienten erfolgreich zu entwöhnen und die Trachealkanüle zu entfernen. Dieses gemeinsame Vorgehen wird dann planmäßig in die Tat umgesetzt. Im Anschluss daran, falls eine Rehabilitation notwendig ist, erfolgt die Weiterbehandlung in einem verbesserten Zustand. Die Patienten werden optimal auf ein selbstständiges Leben vorbereitet, getragen von einem interdisziplinären Team. Der Zeitraum von der Planung bis zur Umsetzung beträgt in der Regel ein bis zwei Wochen. Das Team erhält aus anderen Einrichtungen, wie außerklinischen oder klinischen Beatmungszentren, Anfragen und tauscht sich kontinuierlich aus. Bereits vorab, zum Beispiel durch bronchoskopische Untersuchungen, zeigen sich oft Hinweise auf relevante Probleme wie eine Luftröhrenenge, was eine wichtige Rolle im weiteren Vorgehen spielt. Eine zentrale Herausforderung bleibt die essenzielle Funktion der Luftzufuhr; denn die Atmung ist lebenswichtig. Daher ist eine sorgfältige Planung und Vorbereitung entscheidend, um Risiken zu minimieren und den Erfolg des Weaning-Prozesses sicherzustellen“, verdeutlicht Dr. Schega.
Außer den üblichen OP-Risiken gibt es bei solchen Eingriffen noch einige spezielle Risiken und Komplikationen, die beachtet werden müssen.
Hierzu erläutert Dr. Schega: „Die Gefahr von Stimmbandschwächen, insbesondere die beidseitige Stimmbandschwäche, muss geringgehalten werden, die wir in den vergangenen 20 Jahren auch nur ein einziges Mal beobachtet haben. Solche Risiken können durch eine sehr subtile Operationstechnik minimiert werden, häufig gestützt durch den Einsatz des Neuromonitorings, um die Nervenfunktion während der OP zu sichern. Trotzdem ist manchmal eine gewisse Aggressivität bei der Operation notwendig, etwa um Narben wieder zu entfernen. Insbesondere bei komplexen Veränderungen im Bereich der Luftröhre, beispielsweise bei ausgedehnten Verengungen, ist eine Mobilisation oder Transposition von Teilen der Luftröhre erforderlich, um die Strecke zu gewinnen und wieder einen funktionierenden Atemweg herzustellen. Die Luftröhre selbst ist ein Organ, das bislang kaum durch Kunststoffe oder andere Ersatzmaterialien vollständig ersetzt werden kann. In der Forschung gibt es Ansätze wie Tissue Engineering, bei dem körpereigene Zellen gezüchtet werden, um die Funktionen der Trachealschleimhaut nachzubilden. Doch diese Verfahren sind noch experimentell, da eine funktionierende Innervierung und Durchblutung notwendig sind“, und vertieft das Ziel der normalen Atmung beim Patienten:
„Für Patienten mit chronischen Atemwegsproblemen, die nicht unfallbedingt oder durch Intubationen bedingt sind, stellt sich die Frage, ob sie von einer solchen OP langfristig profitieren können. Ist eine mechanische Engstelle in der Luftröhre die Ursache der Atemnot, kann die Entfernung dieser Engstelle die Atmung deutlich verbessern. Voraussetzung ist jedoch, dass die Lunge selbst noch leistungsfähig ist. Deshalb erfolgt vor solchen Eingriffen eine gründliche Untersuchung der respiratorischen und kardiologischen Leistungsfähigkeit. Das Ziel ist, die normale Atemwegskonfiguration wiederherzustellen, doch eine reine mechanische Verbesserung führt nicht immer zu einer spontanen Atmung; gegebenenfalls bleibt eine Unterstützung durch eine Maske oder eine Beatmungsmaschine notwendig, zum Beispiel bei Schlafapnoe oder bei respiratorischer Insuffizienz“.
Beelitz-Heilstätten – Vom Kurort zur neuen Stadt
Am Rande des Brandenburger Flämings, aber immer mit direkter Bahnverbindung nach Berlin, entstanden vor über 100 Jahren die Beelitz-Heilstätten – eine der größten Lungenheilanstalten Europas. In den 1920er und 1930er Jahren wurden hier über 2.000 Tuberkulosekranke gleichzeitig behandelt. Die Anlage war für ihre Zeit hochmodern: weitläufige Gebäude, ein eigenes Heizkraftwerk, unterkellerte Trakte und großzügige Grünanlagen boten beste Voraussetzungen für die damals gängige Frischluft-Therapie. Nach 1945 nutzte die sowjetische Armee das Areal bis zu ihrem Abzug in den 1990er Jahren. Mit der Schließung verfielen die Gebäude, Vandalismus und Leerstand prägten das Bild. Erst das Engagement der Historikerin Irene Krause, die die Geschichte sammelte, dokumentierte und Führungen anbot, brachte neues Interesse. Heute ist das Gelände eine der größten Baustellen Berlin-Brandenburgs: Historische Bauten wurden aufwendig saniert und in Wohnungen umgewandelt, ergänzt durch ein neues Stadtviertel mit Schule, Kindergarten und Ärztehaus. Damit erfindet sich ein Ort neu, der einst für Heilung stand und nun zum lebendigen Wohn- und Lebensraum geworden ist.
Das Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) als Exzellenzzentrum im Land Brandenburg zertifiziert und ist zudem als Lungenkrebszentrum der Deutschen Krebsgesellschaft anerkannt. Modern ausgestattete Operationssäle, spezialisierte Techniken und eine 14-Betten-Intensivstation ermöglichen hochleistungsfähige Thoraxchirurgie. Durch die enge Verbindung von spezialisierter pneumologischer und thoraxchirurgischer Diagnostik und Therapie gilt die Klinik als bedeutsames thoraxchirurgisch-pneumologisches Kompetenzzentrum im Land Brandenburg und darüber hinaus.

Ziel ist, dass der Patient wieder frei atmen kann_KI generiert
„In Treuenbrietzen wollen wir die Entwicklung neuer Technologien vorantreiben, insbesondere die Einführung der Roboterchirurgie, ähnlich wie es schon einige andere Zentren in Deutschland machen. Dieses Ziel verfolgen wir ganz klar patientenorientiert. Dabei setzen wir vermehrt auf minimalinvasive Verfahren, die auch ohne Intubation und Vollnarkose durchgeführt werden können. Das bedeutet, dass wir bei geeigneten Patienten Operationen an der Lunge, beispielsweise bei gutartigem Befunden oder anderen Indikationen, inzwischen auch in Analgosedierung ohne Tubus vornehmen können (Sedierung mit Beruhigungs- und Schmerzmitteln). Dabei können wir die Nervenstrukturen, wie den Nervus vagus, gezielt betäuben, um die Atmung zu erleichtern und das Risiko einer Verletzung der zentralen Atemwege zu minimieren. Mit dieser Technik können wir sowohl kleinere als auch größere Lungenoperationen in derselben sicheren Atmosphäre durchführen, was Treuenbrietzen deutlich auszeichnet. Die Thoraxchirurgie existiert in Treuenbrietzen bereits seit 22 Jahren. Früher eine spezialisierte, konservative Klinik, zog sie von Beelitz-Heilstätten nach Treuenbrietzen und wurde dort mit mir, einem erfahrenen Thoraxchirurgen und gebürtigem Treuenbrietzener, sowie einem engagierten Team aufgebaut. Unser Leistungsspektrum ist breit – von der septischen Chirurgie bei Rippenfellentzündungen, über die Metastasenchirurgie mit modernster Laser- und photothermischer Energie, bis hin zur sublobären anatomischen Resektion bei frühen Lungentumoren, die segmentale Schnitte erfordert. Wir behandeln auch Thorax-Traumata mit modernen Titan-Systemen, um den Brustkorb stabil zu fixieren, damit die Patienten schnell wieder ihrer normalen beruflichen und Freizeitaktivitäten nachgehen können. Ein weiterer Stärkepunkt ist unser Netzwerk über Brandenburg hinaus. Wir unterstützen Patienten aus benachbarten Kliniken wie in Brandenburg, Frankfurt und anderen Orten. Wenn dort akute Thoraxerkrankungen auftreten, die eine sofortige Versorgung erfordern und eine Verlegung nach Treuenbrietzen nicht möglich ist, leisten wir vor Ort Hilfe. Das fördert eine enge Zusammenarbeit in Brandenburg und entspricht dem modernen Ansatz, in Deutschland stärker teamorientiert und interdisziplinär zu arbeiten. Zudem legen wir Wert auf den Austausch mit internationalen Kollegen und nehmen regelmäßig an globalen Symposien teil, um die neuesten Entwicklungen der Thoraxchirurgie aktiv mitzubringen und umzusetzen“, so Dr. Schega, und damit beenden wir unser Gespräch.
Herzlichen Dank, Herr Dr. Schega, für diesen fast historischen Einblick in die Thorax- und im speziellen in die Tracheachirurgie!
- Leiter der Abteilung für Thoraxchirurgie am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen; ausgewiesener Spezialist für Erkrankungen des Brustraums und der Lunge.
- Hervorragend ausgebildeter Chirurg mit großer Erfahrung in offener, minimal-invasiver und videoassistierter Thoraxchirurgie.
- Besondere Expertise in schonenden, modernen Verfahren wie videothorakoskopischen Eingriffen, Lasermetastasenchirurgie und plastischen Rekonstruktionen.
- Breites Behandlungsspektrum: von entzündlichen Erkrankungen über Brustwandfehlbildungen bis hin zu komplexen Lungenkrebserkrankungen und Lungenemphysem.
- Eng eingebunden in ein zertifiziertes Lungenkrebs- und Thoraxzentrum; arbeitet interdisziplinär für individuell abgestimmte, hochmoderne Therapiekonzepte.