Experteninterviews
Hydraulische vs. semirigide Penisprothese
Alexandra Pfitzmann · 26. August 2026
Penisprothesen sind eine wichtige Therapieoption für Männer, bei denen andere Behandlungen der erektilen Dysfunktion nicht mehr wirken. Sie ersetzen nicht den Penis selbst, sondern übernehmen die Funktion der Schwellkörper – und ermöglichen so wieder eine zuverlässige Erektion. Für viele Betroffene bedeutet das eine deutliche Verbesserung von Sexualität, Partnerschaft und Lebensqualität.
In der DACH‑Region ist die Zahl der betroffenen Männer hoch: Allein in Deutschland leiden vier bis sechs Millionen Männer unter einer erektilen Dysfunktion. Hochgerechnet auf Österreich und die Schweiz ergibt das rund fünf bis sieben Millionen Männer, die von Potenzstörungen betroffen sind – und für einen Teil davon kommt eine Penisprothese als wirksame Lösung infrage.

„Das Thema Penisprothesen ist für viele Männer nach wie vor ein Tabu. Dabei betrifft eine erektile Dysfunktion sehr viele Menschen, und es wäre wichtig, mehr Bewusstsein dafür zu schaffen. Ab dem 50. Lebensjahr kann man grob davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Potenzstörung ungefähr der Lebensdekade entspricht: Ein 50‑Jähriger hat also etwa eine fünfzigprozentige Chance, betroffen zu sein, bei Männern mit 60 oder 70 Jahren steigt diese Wahrscheinlichkeit weiter an.
Damit wächst auch die Zahl derjenigen, für die eine Penisprothese am Ende eine sinnvolle Therapieoption sein könnte. Trotzdem wird diese Möglichkeit häufig nicht in Betracht gezogen, weil Patienten zu wenig darüber wissen und auch viele Urologen diese Therapieform nicht aktiv anbieten oder selbst nur begrenzt darüber informiert sind. Der Weg bis zu einem Arztgespräch ist für viele Männer lang, denn Potenzstörungen sind stark tabuisiert. Viele geben ungern zu, dass sie Probleme mit der Erektion haben, obwohl wir in einer Zeit leben, in der Medikamente wie Viagra oder Cialis problemlos und sicher über ein Rezept erhältlich sind.
Dennoch bestellen manche weiterhin fragwürdige Produkte aus dem Internet, obwohl es keinerlei Grund dafür gibt, denn die wirksamen Präparate bekommt man ganz regulär beim Urologen oder Hausarzt. Diese Hemmschwelle führt dazu, dass manche Männer über Jahre hinweg leiden, bevor sie sich Hilfe suchen. Gleichzeitig gibt es aber auch diejenigen, die entschlossen handeln, ihr Problem klar erkennen und ihre Lebensqualität nicht verlieren möchten. Sie informieren sich frühzeitig und nutzen die therapeutischen Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen“, stellt Dr. Kuehhas zu Beginn unseres Gesprächs fest.
Verschreibungspflichtige Medikamente wie Viagra und Cialis verbessern die Erektion, indem sie die Durchblutung im Penis steigern. Beide Wirkstoffe gehören zu den PDE‑5‑Hemmern und sorgen dafür, dass sich die Gefäße im Schwellkörper besser entspannen und mehr Blut einströmen kann. Sie wirken jedoch nur, wenn eine sexuelle Erregung vorhanden ist. Nicht mehr funktionieren können sie, wenn die Durchblutung im Penis stark eingeschränkt ist, das Schwellkörpergewebe vernarbt oder die Nervenversorgung geschädigt ist – etwa nach Operationen, schweren Gefäßerkrankungen oder langjähriger Diabetes. In solchen Fällen reicht der Wirkmechanismus der Medikamente nicht mehr aus, um eine Erektion zu erzeugen. Die nächste Option ist die Therapie mit Alprostadil, ein Wirkstoff, der direkt eine Erektion auslöst, indem er die Blutgefäße im Schwellkörper erweitert. Bei der sogenannten SKAT‑Therapie (Schwellkörper‑Autoinjektionstherapie) wird Alprostadil mit einer sehr feinen Nadel in den Schwellkörper gespritzt, sodass unabhängig von der Nervenfunktion eine Erektion entsteht. Diese Methode wirkt auch dann, wenn PDE‑5‑Hemmer wie Viagra oder Cialis nicht mehr ausreichend funktionieren.

Ob eine Penisprothese infrage kommt, wird erst nach einer gründlichen medizinischen Abklärung entschieden. Dabei steht im Mittelpunkt, ob eine schwere erektile Dysfunktion vorliegt, die sich trotz medikamentöser Therapien, Injektionen oder mechanischer Hilfsmittel nicht mehr ausreichend behandeln lässt.
„Um ein Kandidat für eine Penisprothese zu sein, müssen zunächst alle konservativen Therapieoptionen ausgeschöpft sein. Wenn ein Patient mit einer erektilen Dysfunktion in die Sprechstunde kommt, beginnt die Abklärung deshalb immer damit, ob die bisherigen Behandlungswege vollständig durchlaufen wurden. Dazu gehört, dass zunächst medikamentöse Therapien ausprobiert wurden, also die üblichen Tabletten, die eine Erektion unterstützen sollen.
Wenn diese nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, folgt als nächster Schritt die Injektionstherapie mit Alprostadil, die sogenannte SKAT‑Therapie. Viele Männer empfinden es als unangenehm, sich selbst eine Spritze in den Penis setzen zu müssen, und manche brechen diese Therapie ab, weil sie Schmerzen verursacht oder nicht den gewünschten Effekt erzielt.
Erst wenn klar ist, dass diese konservativen Maßnahmen nicht erfolgreich waren oder nicht infrage kommen, wird geprüft, ob eine Penisprothese eine geeignete Option sein könnte“, erklärt Dr. Kuehhas und geht noch näher auf die nötigen Untersuchungen ein:
„Wenn ein Patient nach allen konservativen Therapien weiterhin unter einer ausgeprägten erektilen Dysfunktion leidet und sich für eine Penisprothese interessiert, müssen zunächst mögliche Ausschlusskriterien geklärt und die anatomischen Voraussetzungen sorgfältig untersucht werden. Dazu gehört als Erstes eine gründliche körperliche Untersuchung des Penis.
Entscheidend ist, ob im Schwellkörpergewebe Vernarbungen oder Verkalkungen vorliegen, die den Eingriff erschweren könnten. Um das beurteilen zu können, wird ein detaillierter Ultraschall durchgeführt und zusätzlich eine künstliche Erektion ausgelöst – mit derselben Injektion, die auch in der SKAT‑Therapie verwendet wird.
Auf diese Weise lässt sich erkennen, wie das Gewebe reagiert und ob strukturelle Veränderungen bestehen, die bei der Implantation relevant wären. Ebenso wichtig ist die genaue Messung des Schwellkörperdurchmessers. Nur wenn klar ist, welche Breite der Schwellkörper hat, lässt sich bestimmen, welche Prothesenmodelle infrage kommen und ob bestimmte Varianten ausgeschlossen sind. Manche Patienten benötigen aufgrund der Anatomie dünnere Modelle, andere können alle verfügbaren Systeme nutzen. Diese Informationen müssen vor der Operation eindeutig vorliegen.
Die Untersuchung ist für viele Männer eine intime und schambehaftete Situation, besonders wenn eine künstliche Erektion ausgelöst werden muss. Dennoch wird sie in der Regel gut akzeptiert, sobald klar ist, warum sie notwendig ist und welche Informationen sie liefert. Wenn der Ablauf transparent erklärt wird, verstehen die meisten Patienten den medizinischen Zweck und empfinden die Untersuchung nicht mehr als unangemessen.
Für den Arzt bedeutet das, mit professioneller Haltung, Seriosität und ohne Berührungsängste vorzugehen, denn es handelt sich um eine Untersuchung, die zwar ungewohnt ist, aber medizinisch essenziell“.
Wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind und klar ist, dass nur noch die Implantation einer Penisprothese infrage kommt, beginnt die eigentliche Entscheidungsfindung. Dabei spielt die Wahl zwischen einer semirigiden und einer hydraulischen Prothese eine zentrale Rolle, denn beide Systeme unterscheiden sich deutlich in Funktion, Alltagstauglichkeit und natürlicher Wirkung. Welche Variante eingesetzt wird, hängt immer von den Erwartungen und Bedürfnissen des Patienten ab.
„Eine semirigide Prothese besteht aus zwei Silikonstäben, die dauerhaft eine Grundsteifigkeit erzeugen. Der Penis lässt sich nach oben oder unten biegen, bleibt aber immer in einem halbsteifen Zustand. Für den Geschlechtsverkehr wird er einfach in die gerade Position gebracht, für den Alltag nach unten gebogen. Diese Prothesen sind mechanisch unkompliziert, aber weniger anatomisch und wirken im Alltag weniger natürlich.
Gerade in Situationen wie Sauna oder Umkleidekabinen ist die permanente Grundsteifigkeit sichtbar, was für manche Patienten eine Einschränkung darstellt. Die hydraulische Prothese funktioniert anders: Sie ist aufpumpbar und ermöglicht es, den Grad der Steifigkeit selbst zu bestimmen. Im Alltag kann der Penis weich und unauffällig bleiben, während für den Geschlechtsverkehr eine vollständige Erektion erzeugt wird. Dadurch wirkt diese Variante deutlich natürlicher und ist im Alltag besser zu kaschieren.
In der Sauna oder unter Kleidung fällt sie nicht auf, weil der Penis im schlaffen Zustand normal erscheint. Unter Kleidung ist die semirigide Prothese schwieriger zu verbergen. Patienten müssen meist enganliegende Unterwäsche tragen, um den Penis zu fixieren und die sichtbare Grundsteifigkeit zu kontrollieren. Bei der hydraulischen Prothese ist das nicht notwendig, da der schlaffe Zustand optisch unauffällig bleibt“, erläutert Dr. Kuehhas und führt weiter aus:
„Klinisch gilt die hydraulische Prothese als Goldstandard, weil sie anatomisch natürlicher wirkt, im Alltag unauffällig bleibt und eine hohe Funktionalität bietet. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine semirigide Prothese die bessere Wahl ist. Entscheidend sind dabei die körperlichen Voraussetzungen und die Fähigkeiten des Patienten im Umgang mit der Prothese.
Eine hydraulische Prothese erfordert, dass der Patient die Pumpe im Hodensack sicher erreichen und bedienen kann. Bei starkem Übergewicht oder einem sehr großen Bauchumfang kann es vorkommen, dass der Hodensack schwer zugänglich ist. Wenn der Patient die Pumpe nicht ertasten oder nicht drücken kann, ist die hydraulische Variante nicht praktikabel. Ähnliches gilt bei eingeschränkter Fingerfertigkeit, etwa durch Parkinson, neurologische Erkrankungen oder altersbedingte Kraftlosigkeit. Wer die Pumpe nicht zuverlässig betätigen kann, profitiert klinisch eher von einer semirigiden Prothese, die keine Bedienung erfordert.
Trotz dieser Ausnahmen bleibt die hydraulische Prothese die bevorzugte Lösung, sofern die körperlichen Voraussetzungen gegeben sind. Sie bietet die natürlichste Funktion und die höchste Alltagstauglichkeit. Die Entscheidung erfordert Erfahrung, denn der Operateur muss einschätzen können, welche Variante für den jeweiligen Patienten langfristig sinnvoll ist. In manchen Fällen sind Partnerinnen oder Partner in die Beratung einbezogen, denn die Potenzstörung ist in der Beziehung meist längst bekannt. Viele kommen gemeinsam zur Konsultation, andere lassen den Mann allein gehen, aber der Wunsch nach einer Verbesserung ist in der Regel beidseitig vorhanden.
Die Frage, wie sich die Bedienung einer Pumpe auf die Intimität auswirkt, spielt dabei durchaus eine Rolle. Dennoch zeigen Studien, dass die hydraulische Prothese trotz der technischen Bedienung die höchsten Zufriedenheitsraten erreicht. Rund 98 % der Patienten berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität, weil Sexualität wieder möglich wird. Auch die semirigide Prothese erzielt mit etwa 80 % Zufriedenheit gute Werte, da sie ebenfalls eine verlässliche Lösung für eine zuvor nicht behandelbare erektile Dysfunktion bietet“.
Bei hydraulischen Prothesen entsteht die Erektion durch ein aktives, flüssigkeitsbasiertes System, das die natürliche Funktion der Schwellkörper nachahmt, während semirigide Prothesen eine permanente Grundsteifigkeit bieten, die durch manuelle Positionierung genutzt wird. Die Wahl hängt daher stark von anatomischen Voraussetzungen, motorischen Fähigkeiten, ästhetischen Erwartungen und dem gewünschten Grad an Natürlichkeit ab.
Die Implantation einer Penisprothese – unabhängig davon, ob es sich um ein semirigides oder ein hydraulisches Modell handelt – ist ein standardisierter Eingriff, der in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten dauert.

Schwellkörperimplantate
„Das Einsetzen der Prothese wird in Vollnarkose durchgeführt und zählt zu den tagesstationären Operationen, sodass der Patient theoretisch noch am selben Tag wieder nach Hause gehen kann. Die eigentliche Nutzung der Prothese beginnt jedoch erst später: Die Einweisung in die Handhabung der hydraulischen Pumpe oder, bei der semirigiden Variante, in den Umgang mit der Prothese selbst erfolgt nach vier bis sechs Wochen. Erst dann ist die Heilung so weit fortgeschritten, dass Sexualität wieder möglich ist. Die Komplikationsraten sind bei beiden Prothesenarten ähnlich.
Besonders wichtig ist es, eine Infektion der Prothese zu verhindern, denn das wäre der schwerwiegendste Zwischenfall: In einem solchen Fall müsste die Prothese entfernt und später neu implantiert werden. Dank moderner Operationstechniken und antibakterieller Beschichtungen der hydraulischen Modelle ist dieses Risiko jedoch extrem gering. Aktuelle Studien sprechen von einer Infektionsrate von etwa 0,3 %, was deutlich unter den Infektionsraten von Knie‑ oder Hüftprothesen liegt, die bei rund 2 % liegen. Zusätzlich wird während der Operation über die Vene ein Antibiotikum verabreicht, was den Schutz weiter erhöht.
Nach der Operation muss der Patient vor allem darauf achten, dass die Wunde sauber bleibt und sich nicht entzündet. Eine sorgfältige Desinfektion und Hygiene sind in dieser Phase entscheidend. Probleme beim Wasserlassen treten nicht auf, da die Harnröhre während des Eingriffs nicht berührt wird; der operative Fokus liegt ausschließlich auf den beiden Schwellkörpern“, hebt Dr. Kuehhas hervor.
Hydraulische Implantate bieten mehr Diskretion, Komfort und eine natürlichere Sexualfunktion, während semirigide Implantate durch ihre Einfachheit und sofortige Einsatzbereitschaft überzeugen, aber im Alltag weniger flexibel sind.
Die Haltbarkeit und langfristige Funktionssicherheit hydraulischer und semirigider Penisprothesen unterscheiden sich vor allem aufgrund ihres technischen Aufbaus.
Hierzu schildert Dr. Kuehhas: „Die Haltbarkeit der verschiedenen Penisprothesen unterscheidet sich deutlich. Semirigide Modelle bestehen aus festen Silikonstäben und können theoretisch ein Leben lang funktionieren, weil sie keine beweglichen Teile besitzen, die verschleißen könnten. Bei hydraulischen Prothesen gibt es sehr gute Langzeitdaten, da diese Systeme bereits seit 1974 eingesetzt werden. Nach drei Jahren funktionieren etwa 98 % der Implantate, nach zehn Jahren rund 88 %. Nach 15 Jahren liegt die Funktionsrate bei etwa 60 %, nach 20 Jahren bei 55 % und selbst nach 25 Jahren arbeiten noch ungefähr die Hälfte dieser Prothesen zuverlässig.
Diese Langlebigkeit ist bemerkenswert und übertrifft die Haltbarkeit vieler anderer Implantate, etwa Brustprothesen. Wenn eine hydraulische Prothese ausgetauscht werden muss, liegt das meist an einem mechanischen Defekt. Funktioniert das System nicht mehr, wird es operativ ersetzt. Die Prothese besteht aus drei Komponenten – Reservoir, Zylindern und Pumpe – und häufig lässt sich nicht eindeutig feststellen, welcher Teil defekt ist.
In solchen Fällen wird das gesamte System gewechselt, während in Einzelfällen auch ein Austausch einzelner Komponenten möglich ist. Der Eingriff selbst ist standardisiert und technisch gut beherrschbar. Wichtig ist vor allem, während der Operation gründlich mit Antibiotika zu spülen und die Wundhöhlen sauber zu halten, um Infektionen zu vermeiden“.
Hydraulische Prothesen bieten eine sehr natürliche Funktion, sind aber technisch komplexer und können langfristig mechanische Defekte wie Pumpenprobleme oder kleine Leckagen entwickeln. Nach zehn Jahren arbeiten je nach Modell etwa 70–80 % zuverlässig. Semirigide Implantate sind einfacher aufgebaut, nahezu ausfallsicher und halten oft über viele Jahre stabil; ihre Risiken betreffen eher Druckstellen oder seltene Gewebeerosionen. Das Infektionsrisiko ist bei hydraulischen Systemen wegen des aufwendigeren Eingriffs etwas höher, während semirigide Prothesen insgesamt etwas weniger anfällig sind.
Der tatsächlich gelebte Bedarf an Penisprothesen ist deutlich höher als die Zahl der Eingriffe, die jährlich durchgeführt werden. In der Ordination Andrologie Kuehhas in Wien werden pro Jahr etwa 80 bis 100 Prothesen implantiert, wobei klar ist, dass weit mehr Männer von dieser Therapie profitieren könnten.
„Viele Betroffene wissen schlicht nicht, dass es diese Möglichkeit gibt, oder sie scheuen den Schritt zum Spezialisten. Nach der Operation und den Nachuntersuchungen zeigt sich in der Regel eine sehr hohe Zufriedenheit. Patienten berichten, dass sich ihr sexuelles Leben und ihre Intimität spürbar verbessern, weil eine Tür wieder aufgeht, die oft über viele Jahre verschlossen war. Das belebt Partnerschaften und wirkt sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus.
Sexualität im höheren Alter kann gesundheitlich fördernd sein, und es gibt eindrucksvolle Beispiele dafür, wie wichtig sie für manche Menschen bleibt. Einer der ältesten Patienten war 92 Jahre alt, körperlich fit und hatte eine 60‑jährige Partnerin. Für ihn war Sexualität ein zentraler Bestandteil seines Lebens, den er wieder erleben wollte. Nach der Operation schrieb er eine Karte aus Miami und bedankte sich dafür, dass ihm ein Stück Lebensqualität zurückgegeben wurde.
Solche Rückmeldungen zeigen, wie stark diese Therapie das Leben verändern kann. Dass viele Menschen gar nicht wissen, dass es Penisprothesen gibt, liegt auch daran, dass das Thema kaum öffentlich präsent ist. Mehr Aufklärung wäre notwendig – durch Interviews, Informationsangebote und eine offenere Kommunikation in der Urologie.
Hinzu kommt, dass die Implantation in vielen Ländern keine Leistung der öffentlichen Krankenkassen ist und daher nicht zu den Standardoperationen gehört, die jeder Urologe routinemäßig durchführt“, betont Dr. Kuehhas und fügt zum Abschluss unseres Gesprächs an:
„Medizintourismus spielt auch hier eine Rolle. Immer wieder kommen Patienten, die sich im Ausland – etwa in der Türkei – operieren ließen, weil es dort günstiger ist. Wenn später Probleme auftreten und der Kontakt zur ursprünglichen Klinik abbricht, stehen sie ohne Ansprechpartner da und benötigen eine Korrekturoperation. Das zeigt, wie wichtig es ist, die richtige Klinik zu wählen. Entscheidend ist, dass die Operation von einem Spezialisten für Genitalchirurgie durchgeführt wird, der eine hohe Fallzahl vorweisen kann.
Patienten sollten klar nachfragen, wie oft die Prothese in diesem Zentrum implantiert wird. Wird ein Eingriff nur ein‑ oder zweimal im Jahr durchgeführt, fehlt die notwendige Routine, und das Risiko für Komplikationen steigt. Hohe Fallzahlen bedeuten hohe Expertise – ein Prinzip, das auch in der Onkologie gilt, wo Mindestmengen vorgeschrieben sind, um Qualität zu sichern. In Österreich bleibt die Implantation von Penisprothesen selten, weil sie nicht von der öffentlichen Krankenkasse übernommen wird und daher nicht Teil der regulären urologischen Ausbildung ist.
Der Weg zur Spezialisierung führt oft über internationale Zentren. Die Ausbildung in London etwa bietet große Erfahrung, weil dort jährlich mehrere hundert Prothesen implantiert werden. Auch in Deutschland gibt es nur wenige Kollegen, die diese Operation in hoher Zahl anbieten. Viele deutsche Patienten reisen deshalb nach zu mir in die Praxis nach Wien, um sich dort behandeln zu lassen“.
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Über den Fachautor
Alexandra Pfitzmann
Redakteurin
Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.
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