Prof. Dr. med. Dr. habil. Thomas Carus FACS ist ein anerkannter Spezialist für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie mit einem besonderen Fokus auf die minimal-invasive Chirurgie, Adipositaschirurgie und Erkrankungen des Bauchraums. Seit seiner Berufung zum Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Klinik Bassum in Niedersachsen im Januar 2023 bringt er seine umfassende Expertise in die medizinische Versorgung der Region ein. Seine fachliche Qualifikation, ergänzt durch zahlreiche Zusatzweiterbildungen und seine Ausbildung zum Gesundheitsökonom, macht ihn zu einem führenden Vertreter moderner, patientenorientierter Hochleistungsmedizin. Sein medizinisches Profil vereint tiefgehendes Wissen in spezialisierten chirurgischen Verfahren mit einem ausgeprägten Verständnis für effiziente klinische Abläufe.
Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Behandlung komplexer Krankheitsbilder des Magen-Darm-Trakts, der Schilddrüse und der Gefäße. Zuvor war er bereits als Chefarzt an renommierten Kliniken tätig, wo er innovative Standards in der Adipositaschirurgie sowie bei der Versorgung chronischer Wunden etablierte. Auch überregional und in der Fachwelt genießt Prof. Dr. Carus einen ausgezeichneten Ruf – nicht nur als erfahrener Operateur, sondern auch als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten.
Besonders hervorzuheben ist sein mehrfach aufgelegtes Lehrbuch „Atlas der laparoskopischen Chirurgie“, das international Beachtung findet. Mit seinem Wechsel an die Klinik Bassum gewinnt der Klinikverbund Landkreis Diepholz einen Spezialisten, dessen Anspruch an medizinische Qualität, interdisziplinäre Zusammenarbeit und moderne Behandlungsverfahren weit über die Region hinaus ausstrahlt. In einem leistungsstarken Team und mit modernster Medizintechnik setzt Prof. Dr. Carus neue Maßstäbe in der chirurgischen Versorgung – stets mit dem Ziel, Patienten bestmöglich, schonend und ganzheitlich zu behandeln.
Zu laparoskopisch durchgeführten Darmoperationen konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide in einem Gespräch mit Prof. Dr. Carus mehr erfahren.

Laparoskopische Darmoperationen stellen einen bedeutenden Fortschritt in der modernen Viszeralchirurgie dar. Bei diesem minimalinvasiven Verfahren wird der Eingriff nicht über einen großen Bauchschnitt, sondern über mehrere kleine Hautschnitte durchgeführt, durch die spezielle Instrumente und eine Kamera in die Bauchhöhle eingeführt werden. Diese Technik ermöglicht eine präzise Darstellung des Operationsfeldes und schont gleichzeitig das umliegende Gewebe. Besonders bei Erkrankungen wie Divertikulitis, Darmkrebs oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen hat sich die laparoskopische Methode als schonende und zugleich effektive Alternative zur offenen Operation etabliert. Patienten profitieren häufig von geringeren postoperativen Schmerzen, einem kürzeren Krankenhausaufenthalt und einer schnelleren Rückkehr in den Alltag. Trotz dieser Vorteile erfordert der laparoskopische Zugang ein hohes Maß an chirurgischer Erfahrung und technischer Ausstattung – Faktoren, die für den Behandlungserfolg maßgeblich sind.
Ob eine Darmoperation laparoskopisch – also in Schlüssellochtechnik – durchgeführt werden kann, hängt von einer Vielzahl medizinischer, anatomischer und technischer Faktoren ab. Grundsätzlich zielt die minimalinvasive Methode darauf ab, dem Patienten ein möglichst schonendes Operationsverfahren mit kürzerer Erholungszeit, geringeren Schmerzen und einem kleineren Risiko für Wundinfektionen zu ermöglichen. Doch nicht jeder Befund eignet sich automatisch für diesen Zugang.
„Bei der Entscheidung, ob eine Darmoperation laparoskopisch durchgeführt werden kann oder nicht, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. In modernen Kliniken gilt der laparoskopische Zugang mittlerweile als Standardverfahren – die Entwicklung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass heute kaum noch diskutiert wird, ob offen oder laparoskopisch operiert werden soll. Vielmehr dreht sich die Diskussion inzwischen darum, ob rein laparoskopisch oder robotisch assistiert laparoskopisch operiert wird. Der technische Fortschritt hat sich hier deutlich bemerkbar gemacht und in vielen Häusern bereits etabliert. Trotzdem gibt es klare Leitlinien, insbesondere für Eingriffe bei Darmkrebs. Beim Colonkarzinom etwa ist eine laparoskopische Operation nicht uneingeschränkt empfohlen, sondern an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. So ist etwa die operative Behandlung gutartiger Darmerkrankungen wie der Divertikulitis in der Regel laparoskopisch möglich, es sei denn, es handelt sich um schwere oder akute Notfälle. Im Gegensatz dazu erfordert die laparoskopische Chirurgie beim Colonkarzinom eine besondere Expertise – nur erfahrene Operateure sollten diesen Eingriff durchführen, da nur dann vergleichbare onkologische Ergebnisse wie bei einer offenen Operation erzielt werden können“, erklärt Prof. Dr. Carus und führt weiter aus:
„Auch wenn in einigen Ländern wie Großbritannien die laparoskopische Methode beim Colonkarzinom bereits seit Jahren flächendeckend empfohlen wird, liegt die Quote in Deutschland derzeit noch unter fünfzig Prozent. Die aktuell gültige deutsche Leitlinie bestätigt, dass bei entsprechender Qualifikation des Operateurs und geeigneter Patientenauswahl die laparoskopische Chirurgie dieselben onkologischen Ergebnisse liefern kann wie die offene Operation. Gleichzeitig gibt es für neuere Verfahren wie die roboterassistierte Chirurgie noch keine ausreichende Datenlage. Deshalb wird deren Einsatz aktuell nur im Rahmen von Studien empfohlen. Insofern ist es auch heute keineswegs falsch, bestimmte Darmeingriffe offen durchzuführen – entscheidend sind immer die individuellen Gegebenheiten und die Erfahrung des behandelnden Chirurgen“.
Prof. Dr. Carus ergänzt: „Bei gutartigen Darmerkrankungen wird heute in der Regel laparoskopisch operiert – das ist auch so in den Leitlinien verankert. Der Grund dafür liegt vor allem in der geringeren Komplexität dieser Eingriffe. Im Gegensatz zu onkologischen Operationen, bei denen nicht nur das erkrankte Darmsegment, sondern auch sämtliche zugehörigen Lymphknoten radikal entfernt werden müssen, beschränkt sich der Eingriff bei gutartigen Veränderungen häufig auf die Entfernung eines Darmabschnitts ohne zusätzliche Gewebestrukturen. Onkologische Operationen erfordern ein wesentlich präziseres und großflächigeres Vorgehen, bei dem tiefere anatomische Strukturen freigelegt und sorgfältig entfernt werden müssen. Das ist technisch aufwändiger, insbesondere bei laparoskopischen Verfahren, da der Operateur hierbei nicht direkt mit den Händen im Operationsgebiet arbeiten kann“.
Die minimal-invasive Technik – insbesondere bei Darmoperationen – hat einen nachweislich positiven Einfluss auf die Reduktion postoperativer Komplikationen. Im Vergleich zur offenen Chirurgie bietet die laparoskopische Methode mehrere Vorteile, die sowohl die kurzfristige Genesung als auch das langfristige Risiko für Folgeprobleme betreffen.
„Minimalinvasive Techniken bringen für Patienten nach der Operation eine ganze Reihe positiver Effekte mit sich, die besonders bei größeren Eingriffen ins Gewicht fallen. Bei kleineren Operationen, etwa einer Blinddarmentfernung, ist der Unterschied zwischen einem kleinen offenen Schnitt und einer laparoskopischen Vorgehensweise klinisch kaum spürbar. Anders sieht es bei größeren Operationen aus, etwa bei Eingriffen am Darm. Hier würde alternativ meist ein großer Bauchschnitt entlang der Mittellinie notwendig sein – oft 15 bis 20 Zentimeter lang. Es ist gut belegt, dass der Schmerzmittelverbrauch mit der Länge des Schnitts zunimmt, was eigentlich auch naheliegend ist. Ein größerer Schnitt bedeutet mehr Schmerzen, was dazu führt, dass Patienten schlechter aus dem Bett kommen. Man weiß, dass dadurch auch die Lungenfunktion eingeschränkt ist – allein durch die Schmerzen – und das wiederum erhöht die Gefahr für eine Lungenentzündung. Geringere Mobilität steigert außerdem das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien. Auch die Krankenhausliegedauer verlängert sich bei offenen Operationen, der Arbeitsausfall ist länger, und bis zur Rückkehr zur normalen körperlichen Aktivität dauert es deutlich länger. Langfristig gesehen können offene Eingriffe außerdem zu mehr inneren Verwachsungen führen, die zum Teil lebenslang Beschwerden machen und nicht selten Folgeoperationen notwendig machen. Größere Schnitte sind auch häufiger mit späteren Narbenbrüchen verbunden, die wiederum operiert werden müssen – alles deutlich seltener beim laparoskopischen Vorgehen. Dazu kommt noch der kosmetische Aspekt, der für viele Patienten heutzutage ebenfalls eine Rolle spielt. Und ganz wichtig: Es geht auch um die Frage, wann man sich wieder körperlich voll belasten und Sport treiben kann. Nach einem großen Bauchschnitt ist das natürlich erstmal sehr eingeschränkt möglich. Bei der Laparoskopie kann der Patient im Prinzip schon am Tag der Operation wieder aufstehen, sich frei bewegen und selbstständig zur Toilette gehen. Natürlich muss irgendwo das entnommene Gewebe aus dem Körper geholt werden – dafür gibt es den sogenannten Bergeschnitt. Der liegt bei etwa vier bis fünf Zentimetern und stellt den größten der kleinen Schnitte dar. Er verursacht nur sehr geringe Beeinträchtigungen, auch was die Schmerzen betrifft“, so Prof. Dr. Carus.
Trotz aller Vorteile ist die wichtigste Komplikation – ob offen oder laparoskopisch operiert – nach wie vor die Insuffizienz der Darmverbindung, also ein Nahtbruch an der Anastomose.
„Diese Nahtbrüche treten in der Regel am vierten oder fünften Tag nach der Operation auf. Auch wenn also alles zunächst gut aussieht, kann man nach zwei Tagen noch nicht sicher sagen, dass der Heilungsverlauf komplikationslos bleibt. Die Rate solcher Insuffizienzen liegt trotz aller chirurgischen Erfahrung bei etwa fünf bis zehn Prozent – das heißt, bei jedem zehnten bis zwanzigsten Patienten tritt diese Komplikation auf. Deshalb bleiben die Patienten in der Regel fünf Tage stationär in der Klinik, werden in dieser Zeit voll mobilisiert und können danach mit normaler Kost entlassen werden“, verdeutlicht Prof. Dr. Carus.
In Deutschland setzt sich der Trend zur Ambulantisierung langsam, aber kontinuierlich durch, wenn auch deutlich verzögert im Vergleich zu den USA. Dort sind viele Operationen bereits ambulant möglich, was hierzulande bislang noch oft aus Vorsicht zurückgehalten wird.
Prof. Dr. Carus erläutert hierzu „Ein Beispiel, wo dieser Wandel bereits spürbar ist, ist die Leistenbruchchirurgie – sie wird inzwischen in vielen Fällen ambulant durchgeführt, ebenso wie zahlreiche endoskopische Eingriffe. Mit der Einführung der sogenannten Hybrid-DRGs wurde ein einheitliches Vergütungssystem etabliert, das unabhängig davon greift, ob ein Patient noch am selben Tag oder erst am nächsten Morgen entlassen wird. Diese Regelung wird in 2026 auch auf die Gallenblasenchirurgie ausgeweitet. Während früher Patienten nach einer offenen Gallenblasenoperation noch zwei Wochen im Krankenhaus lagen, fragen heute viele bereits am ersten Tag nach der Entlassung – und das wird zunehmend auch ermöglicht, zum Teil sogar noch am selben Abend. Bisher war das deutsche Abrechnungssystem jedoch ein Hemmschuh: Bei bestimmten Eingriffen wie der Dickdarmchirurgie gab es eine vorgeschriebene Mindestliegezeit. Wer früher entließ, riskierte eine Rückzahlung an die Krankenkasse. Doch das wird sich ändern.
Es ist gut vorstellbar, dass in Zukunft auch Patienten nach einer Dickdarmoperation – zum Beispiel nach zwei oder drei Tagen – nach Hause gehen, sofern keine Drainagen gelegt werden müssen und die klinische Situation stabil ist. Voraussetzung wäre eine engmaschige Nachsorge mit Blutkontrollen und klinischen Checks in der Ambulanz. Sollte dann an Tag fünf beispielsweise doch eine Komplikation auftreten, könnte man immer noch reagieren und die Person erneut stationär aufnehmen. Tatsächlich ist es so, dass viele Patienten in den ersten fünf Tagen nach einer Operation im Krankenhaus liegen, ohne dass medizinisch viel passiert – rein vorsorglich. Natürlich spielt die Sicherheit der Patienten dabei eine große Rolle. Viele Menschen empfinden eine frühzeitige Entlassung nach einem größeren Eingriff zunächst als befremdlich. Es ist verständlich, dass man sich fragt, wie das mit dem eigenen Sicherheitsgefühl vereinbar ist. Aber man kann es auch positiv betrachten: Bei 90 bis 95 Prozent der Patienten verläuft alles ohne Probleme. Wenn man das so kommuniziert und klarstellt, dass bei auftretenden Beschwerden jederzeit wieder eingegriffen werden kann, lässt sich für viele auch die Vorstellung einer sicheren ambulanten Weiterbetreuung gut vermitteln“.
Die Erfahrung des Operateurs spielt eine zentrale Rolle bei der Auswahl und erfolgreichen Durchführung minimal-invasiver Verfahren wie der laparoskopischen Darmchirurgie – möglicherweise sogar eine noch größere als bei offenen Eingriffen. Während die offene Chirurgie auf etablierten Techniken basiert, die viele Chirurgen über Jahrzehnte erlernt haben, erfordert die minimal-invasive Methode spezielle Schulungen, eine hohe technische Präzision und ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen.
„In der modernen Chirurgie ist die laparoskopische Technik längst fester Bestandteil der Ausbildung. Junge Assistenzärzte beginnen mit den einfachen Eingriffen wie der laparoskopischen Blinddarm- oder Gallenblasenentfernung – Eingriffe, bei denen man schlicht etwas entfernt, was technisch eher unkompliziert ist. Im weiteren Verlauf der Ausbildung steigen dann die Anforderungen, etwa mit der laparoskopischen Hernienchirurgie. Hier sind bereits ein sehr gutes anatomisches Verständnis und feinmotorisches Geschick gefragt, denn es wird viel präpariert. Diese Stufe gilt schon als anspruchsvoller und wird typischerweise von Assistenzärzten in der Mitte ihrer Ausbildung durchgeführt. Der nächste große Schritt in der Entwicklung zum versierten laparoskopischen Operateur ist das Nähen und Verbinden von Organen im Bauchraum, also das Herstellen sogenannter Anastomosen. Diese Techniken kommen etwa bei Darmresektionen zum Einsatz. Dabei müssen nicht nur erkrankte Abschnitte entfernt, sondern auch die anatomischen Strukturen sorgfältig wiederhergestellt werden. Es geht also um hochkomplexe Eingriffe, bei denen man präparieren, schneiden, nähen und stapeln muss – und das alles mit speziellen Instrumenten, teils ferngesteuert. Bis man das wirklich sicher beherrscht, vergehen viele Jahre. In der Regel beginnt man damit frühestens im fünften oder sechsten Ausbildungsjahr unter Anleitung, bis man schließlich als Facharzt oder Oberarzt eigenverantwortlich operiert. Die echte Sicherheit in diesen Verfahren kommt aber meist erst nach rund zehn Jahren Erfahrung“, betont Prof. Dr. Carus.
Gerade bei bösartigen Erkrankungen wie dem Darmkrebs ist das operative Vorgehen besonders anspruchsvoll.
„Es reicht nicht, nur den Tumor zu entfernen – es muss ein ganzer Block aus Blut- und Lymphgefäßen sowie angrenzenden Lymphknoten mit herausgenommen werden. Man spricht hier bildhaft von einem großen Kuchenstück, das sauber entfernt werden muss. Diese onkologisch radikale Resektion verlangt hohe Präzision. In der offenen Chirurgie ist das oft leichter zu bewerkstelligen, da man mit den Händen direkt im Bauchraum arbeiten und tasten kann. Laparoskopisch hingegen muss man das Gewebe mit Instrumenten anheben, halten und spannen, während gleichzeitig die Übersicht und Präzision gewahrt bleiben – eine echte Herausforderung. In der Praxis erklärt das auch, warum der gleiche Patient in zwei unterschiedlichen Kliniken unterschiedliche Empfehlungen bekommt: Während in der einen Klinik der Eingriff offen durchgeführt wird, wird er in der anderen laparoskopisch vorgenommen. Das liegt häufig an der individuellen Erfahrung der Operateure. Gerade ältere Chirurgen, die ihre Expertise in der offenen Technik haben, bleiben oft bei diesem Verfahren – nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie darin geschult sind und exzellente Ergebnisse erzielen. Studien zeigen zwar vereinzelt Vorteile der Laparoskopie, etwa durch geringeren Blutverlust oder eine geringere Beeinträchtigung des Immunsystems, aber entscheidend bleibt die vollständige Tumorentfernung. Und die ist offen wie laparoskopisch möglich – entscheidend ist die Expertise“, so Prof. Dr. Carus.
In Kliniken, die überwiegend offen operieren, wird deshalb häufig zwischen gutartigen und bösartigen Erkrankungen unterschieden: Gutartige Befunde werden minimalinvasiv operiert, bösartige klassisch offen. Dabei wird jeder Patient über beide Möglichkeiten aufgeklärt, auch darüber, dass ein laparoskopischer Eingriff bei Komplikationen jederzeit in eine offene Operation überführt werden kann.
Prof. Dr. Carus sagt hierzu: „Für mich persönlich ist der laparoskopische Zugang der Standard, sofern es keine eindeutigen Gründe dagegen gibt – etwa massive Verwachsungen nach Voroperationen. Selbst dann beginne ich in der Regel laparoskopisch, um zumindest Teilschritte so minimalinvasiv wie möglich durchzuführen und den offenen Eingriff auf ein Minimum zu begrenzen. Was der Laparoskopie fehlt, ist der Tastsinn der Finger – ein Sinn, der bei Chirurgen besonders ausgeprägt und fein geschult ist. Kleinste Strukturen wie etwa Lymphknoten lassen sich mit den Fingern oft sicherer ertasten als mit Kamera und Instrumenten. In der offenen Chirurgie kann ich wie unter einer Tischdecke selbst kleinste Unebenheiten sofort spüren. Laparoskopisch geht das nicht. Dafür habe ich aber andere Vorteile: Ich arbeite mit modernsten 3D-Kamerasystemen, kann sehr nah an das Gewebe heranfahren und habe damit eine enorme Vergrößerung und Detailschärfe – besser als mit dem bloßen Auge in der offenen Chirurgie. Der Abstand zum Operationsfeld ist bei der offenen Technik rund 50 Zentimeter, bei der Laparoskopie hingegen ist die Kamera wenige Millimeter vom Gewebe entfernt. Das ermöglicht eine fast mikroskopisch genaue Sicht. Moderne Entwicklungen wie die fluoreszenzgestützte Darstellung helfen zusätzlich, etwa Lymphknoten sichtbar zu machen, die man sonst ertasten müsste. Dadurch kann der einzige echte Nachteil der Laparoskopie – das fehlende Tasten – zunehmend kompensiert werden“.
Robotergestützte Systeme – allen voran das Da Vinci-System – haben die minimal-invasive Chirurgie in vielen Bereichen revolutioniert. Diese Systeme ermöglichen dem Operateur eine äußerst präzise Steuerung der Instrumente über eine Konsole. Die Roboterarme sind hochgradig beweglich und können feinere Bewegungen ausführen, als es mit menschlicher Hand allein möglich wäre.
„Zwar gibt es bislang keine wissenschaftlich gesicherten Hinweise darauf, dass robotergestützte Operationen in onkologischer Hinsicht bessere Ergebnisse liefern als die klassische Laparoskopie – also etwa bei der Fünfjahresüberlebensrate oder der Rückfallquote von Tumoren. Dennoch bietet die Robotik klare technische Vorteile, die insbesondere bei komplexeren Eingriffen zum Tragen kommen. Geplant ist auch in unserer Klinik, in naher Zukunft ein robotergestütztes System wie den Da Vinci-Roboter einzuführen, sobald die Finanzierung gesichert ist. Dieser Roboter bietet eine verbesserte Sicht in 3D und überträgt die Bewegungen des Chirurgen von einer Steuerkonsole aus direkt auf die Instrumente im Körper des Patienten. An dieser Konsole arbeitet der Operateur mit Handgriffen und Pedalen und hat dabei deutlich mehr Bewegungsfreiheit als bei herkömmlichen laparoskopischen Eingriffen. Während bei der Laparoskopie mit starren, stabförmigen Instrumenten gearbeitet wird, die sich nur begrenzt drehen und bewegen lassen, sind die robotischen Instrumente an ihrer Spitze voll beweglich – ähnlich wie eine menschliche Hand. Dreht der Chirurg seine Hand nach links oder rechts, folgt die Spitze des Instruments dieser Bewegung millimetergenau im Körperinneren. Ein weiterer Vorteil liegt in der Skalierung der Bewegungen. Der Roboter kann Bewegungen des Chirurgen bis zum Faktor 5 herunterbrechen: Eine äußere Handbewegung von fünf Zentimetern wird im Operationsgebiet auf nur einen Zentimeter reduziert. Das ermöglicht eine extrem präzise Arbeit, besonders in engen anatomischen Regionen oder schwer zugänglichen Bereichen. Genau hier liegt auch der besondere Nutzen der Robotik, etwa bei tiefsitzenden Enddarmkarzinomen im kleinen Becken, wo der Platz gerade bei männlichen Patienten sehr begrenzt ist. Auch im oberen Bauchraum, etwa an der Speiseröhre oder am Mageneingang, kann der Roboter Vorteile bringen – überall dort, wo komplex genäht oder präpariert werden muss“.
In der Klinik Bassum werden jährlich über 100 Darmresektionen durchgeführt, von denen rund 80 Prozent laparoskopisch erfolgen. Besonders bei gutartigen Erkrankungen spielt die minimalinvasive Technik eine große Rolle.
„Ein klassisches Beispiel ist die Divertikulitis, die bei leichteren Schüben zunächst konservativ mit Antibiotika behandelt wird. Kommt es jedoch zu wiederkehrenden oder schweren Schüben, wird das betroffene Darmsegment operativ entfernt. Eine weitere häufige gutartige Indikation sind große Kolonpolypen, die sich endoskopisch nicht entfernen lassen – auch hier ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Ein besonders positives Beispiel im Bereich der Darmchirurgie betrifft Patienten mit einem vorübergehend angelegten künstlichen Darmausgang, einem sogenannten Anus praeter. Auch wenn dieser zunächst über einen Bauchschnitt erfolgt ist, lässt sich der Rückanschluss in vielen Fällen laparoskopisch vornehmen. Das bedeutet, dass eine Rückverlegung des Stomas nach etwa drei bis sechs Monaten in der Regel ohne erneuten großen Bauchschnitt möglich ist. Für die Patienten ist das eine wichtige Perspektive, da ein vorübergehendes Stoma keineswegs eine dauerhafte Einschränkung bedeuten muss. Auch die Handhabung künstlicher Darmausgänge hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert. Die Versorgungstechnik ist heute deutlich weiterentwickelt, was den Alltag der Betroffenen erheblich erleichtert. Zudem werden Stomata heutzutage deutlich seltener angelegt als früher. Früher war es üblich, sogenannte Schutzstomata vorzuschalten, um eine frische Nahtverbindung im Darm – eine Anastomose – zu entlasten und besser abheilen zu lassen. Heute hingegen sind die Nahttechniken so ausgereift, dass diese Verbindungen auch unter Durchgang von Stuhlgang zuverlässig heilen, sodass auf ein zusätzliches Stoma meist verzichtet werden kann“, macht Prof. Dr. Carus deutlich.
Wenn bei einem Patienten die Diagnose Darmkrebs gestellt wird, ist es für eine bestmögliche Behandlung entscheidend, dass er sich in einem spezialisierten Zentrum wie der Klinik Bassum vorstellt, in dem ein sogenanntes Tumorboard etabliert ist.
„In einem Tumorboard wird die Therapie interdisziplinär abgestimmt – also unter Einbezug von Internisten, Radiologen, Pathologen und Chirurgen – und bereits vor der Operation genau überlegt, welcher Behandlungsweg im individuellen Fall der richtige ist. Denn nicht jeder Tumor wird gleichbehandelt: Ein tiefsitzendes Rektumkarzinom erfordert in der Regel eine vorgelagerte Radiochemotherapie, während etwa ein höher liegender Tumor im Colon sigmoideum meist direkt operativ angegangen wird. Solche Entscheidungen richten sich nach medizinischen Leitlinien und werden im Tumorboard gemeinsam getroffen. Es ist ebenso sinnvoll, eine Zweitmeinung einzuholen – schließlich handelt es sich um einen gravierenden Eingriff mit weitreichender Bedeutung. In den meisten Fällen wissen jedoch auch die Hausärzte gut Bescheid, welche Kliniken auf große Tumorchirurgie spezialisiert sind, und können den Patienten entsprechend leiten. Generell kann man in Deutschland davon ausgehen, dass mittelgroße bis große Krankenhäuser über ausreichend Erfahrung in der Darmkrebschirurgie verfügen. Auf den Internetseiten der Kliniken lässt sich zudem häufig bereits ablesen, ob dort regelmäßig onkologische Eingriffe durchgeführt werden – ein klarer Hinweis auf fachliche Routine. Wer darüber hinaus bestimmte technische Verfahren wie robotisch-assistierte Chirurgie für sich in Betracht zieht, sollte das offen im ärztlichen Gespräch thematisieren. Kein Chirurg kann pauschal behaupten, dass der Einsatz eines Roboters grundsätzlich besser sei.
In bestimmten Situationen – etwa bei einem ungünstig tief gelegenen Tumor im engen kleinen Becken – kann der robotische Zugang jedoch Vorteile bieten, insbesondere wenn die Klinik mit dieser Technik erfahren ist. Es kann also durchaus sein, dass der eine Chirurg auf eine offene Operation setzt, weil er sich in dieser Technik sicher fühlt, während ein benachbartes Krankenhaus über Robotik verfügt und darin routiniert operiert. Letztlich ist es entscheidend, sich in der Sprechstunde auf einen erfahrenen und transparent beratenden Chirurgen verlassen zu können – jemanden, der die individuellen Gegebenheiten des Patienten erkennt und eine fundierte, ehrliche Empfehlung für den besten Therapieansatz ausspricht“, so der dringende Rat von Prof. Dr. Carus, und damit beenden wir unser Gespräch.
Besten Dank, Prof. Dr. Carus, für dieses so informative Gespräch!
