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Experteninterviews

Zertifizierung zum Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung, Robotik in der Endoprothetik: Experteninterview mit Prof. Schräder

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Alexandra Pfitzmann · 17. Februar 2025

Prof. Dr. Peter Schräder, Chefarzt und Ärztlicher Leiter der Klinik für Orthopädie und Traumatologie am OrthoCentrum Jugenheim (OCJ), ist ein herausragender Spezialist, dessen Expertise weit über die Region hinaus geschätzt wird. Mit einem breiten Spektrum an Fachgebieten, das von Orthopädie und Unfallchirurgie über Kinderorthopädie bis hin zu rheumatologischen und sportorthopädischen Behandlungen reicht, deckt er sämtliche Bereiche der modernen Orthopädie ab. Besonders hervorsticht seine Kompetenz in der Endoprothetik von Knie und Hüfte sowie in der gelenkerhaltenden Knorpelchirurgie.

Seine Klinik in Seeheim-Jugenheim, idyllisch im Landkreis Darmstadt-Dieburg gelegen, genießt einen ausgezeichneten Ruf als Spezialklinik für Mobilität. Hier werden Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen individuell und ganzheitlich betreut. Prof. Dr. Schräder legt größten Wert darauf, für jede Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates die bestmögliche Therapie zu finden – sei es konservativ oder operativ. Dank modernster Ausstattung und innovativer Behandlungsmethoden, etwa minimalinvasiver Eingriffe und hochpräziser Navigationssysteme, wird die Mobilität seiner Patienten so schnell wie möglich wiederhergestellt.

Besondere Aufmerksamkeit widmet Prof. Dr. Schräder der Kinderorthopädie. Sein sensibles Einfühlungsvermögen und sein Fachwissen schaffen gerade bei jungen Patienten ein vertrauensvolles Umfeld, in dem individuelle Behandlungspläne entwickelt werden. Ob es um Wachstumsstörungen, Fehlbildungen oder Verletzungen geht, stets steht die bestmögliche Lebensqualität der Kinder im Mittelpunkt – immer in enger Abstimmung mit den Eltern.

In der Erwachsenenmedizin setzt Prof. Dr. Schräder Maßstäbe, insbesondere bei der Implantation künstlicher Gelenke. Mit jährlich rund 1.200 Endoprothesen für Hüft- und Kniegelenk einschließlich Wechseloperationen gehört die Klinik zu den führenden Zentren in diesem Bereich. Die Verwendung hochwertiger Implantate und gewebeschonender Techniken sorgt für herausragende Behandlungserfolge. Innovative Ansätze wie die computergestützte Navigation garantieren eine optimale Ausrichtung der Prothesen, was die Funktionalität verbessert und die Lebensdauer der Implantate erheblich verlängert.

Auch in der Rheumatologie und der Sporttraumatologie zeigt Prof. Dr. Schräder seine Vielseitigkeit. Mit gezielten, oft nicht-operativen Therapien lindert er Beschwerden und sorgt dafür, dass Operationen häufig vermieden werden können. Sollte dennoch ein Eingriff notwendig sein, etwa bei schwerwiegenden Knorpelschäden oder komplexen Bandrekonstruktionen, greift er auf minimalinvasive und modernste Verfahren zurück, um die Belastung für die Patienten so gering wie möglich zu halten.

Die Redaktion des Leading Medicine Guides sprach mit Prof. Dr. Schräder und erfuhr mehr zum Thema „Robotik in der Endoprothetik“.

Prof. Peter Schräder Leading Medicine Guide

In der Endoprothetik, also dem Ersatz von Gelenken durch künstliche Implantate, gewinnen robotergestützte Verfahren zunehmend an Bedeutung. Diese Systeme ermöglichen eine nie dagewesene Präzision bei der Planung und Durchführung von Operationen, was sowohl die Positionierung von Prothesen als auch die postoperative Funktionalität und Langlebigkeit erheblich verbessert. Gleichzeitig eröffnen sie neue Möglichkeiten, individuelle anatomische Gegebenheiten zu berücksichtigen und minimalinvasive Eingriffe weiterzuentwickeln. 

Wir arbeiten seit über zwei Jahren mit dem Cori-Roboter der Firma Smith + Nephew, ein sogenannter handgehaltener Roboter und haben uns für dieses Modell entschieden, weil er eine gute Kombination aus Erfahrung des Operateurs und dem maximalen Nutzen der Robotik bietet. Letzten Endes sind die Roboter auch immer verknüpft mit der jeweiligen Endoprothetik Firma. Man kann also nicht mit dem Roboter der Firma A eine Prothetik der Firma B nutzen. Und von dieser Firma hatten wir über 20 Jahre die Navigationshilfe, und die Robotik ist die Ergänzung dazu. Da die Navigation uns extrem vertraut ist, war die Lernkurve für die Robotik sehr kurz, weil die Software und die nötige Planung schon sehr vertraut war. Es waren dann lediglich Feinabstimmungen und Änderungen in der Hardware nötig, was auf einem steril eingepacktes iPad auf dem Operationstisch stattfindet. Das Handling des Roboters, der eine Fräse ist, muss natürlich geübt werden, wofür man ca. 20-50 Operationen benötigt, um komplett versiert zu sein. Man kann hier keine großen Fehler machen, und am Anfang sind auch zwei erfahrene Operateure am Tisch, die auch eine hohe Erfahrung im Umgang mit der Navigation haben. So lässt sich alles gut, schnell und sicher umsetzen. Am Anfang dauert die Operation ca. 10-15 Minuten länger als gewohnt, aber wir konnten sehr schnell alles umsetzen, sodass die Operationsdauer mit und ohne Robotik mittlerweile identisch ist“, so Prof. Dr. Schräder zur Einführung der Robotik in Jugenheim.

Ein wesentlicher Vorteil der robotergestützten Systeme ist die Reduzierung des intraoperativen Gewebetraumas. Die Roboterassistenz ermöglicht kleinere, präzisere Schnitte, was das umliegende Gewebe und die Muskeln weniger beansprucht. Infolgedessen wird die Heilung gefördert, postoperative Schmerzen werden reduziert, und die Patienten können schneller in ihre Rehabilitation zurückkehren. Robotergestützte Systeme bieten zudem die Möglichkeit, intraoperative Anpassungen während des Eingriffs in Echtzeit vorzunehmen, was die Notwendigkeit für wiederholte Korrekturen oder Anpassungen verringert, die bei herkömmlichen Techniken möglicherweise erforderlich sind. Hierzu verdeutlicht Prof. Dr. Schräder: „Man kombiniert mit der Robotik die Präzision der Achsausrichtung, die entscheidend ist für die Funktion und Langlebigkeit, die eine Navigation ermöglicht, mit der exakten Schnittführung und präzisen Umsetzung der präoperativen Planung. Und diese präoperative Planung ist der größte Vorteil der Robotik, da man die gesamte Operation vorher einmal durchspielen kann, ob das die Größe oder Lage der Implantate meint, die Dicke usw., und kann auf dem sterilen I-Pad die verschiedenen Optionen durchspielen, miteinander vergleichen und sich für das Optimale entscheiden“. 

Robotergestützte Verfahren in der Endoprothetik bieten erhebliche Vorteile, wenn es darum geht, die Langlebigkeit und Funktionalität von Endoprothesen zu steigern. Diese technologischen Fortschritte ermöglichen eine präzisere Implantation und eine optimierte Anpassung der Prothesen, was sowohl die sofortige Funktionsfähigkeit als auch die langfristige Haltbarkeit der Implantate verbessert. „Man kann schon erste Tendenzen sehen, was die Effekte der Robotik auf die Funktion und bessere Mobilisierbarkeit durch weniger Schmerzen betrifft. Die Langlebigkeit kann man noch nicht messen, da man hier 10-20 Jahre im Blick haben muss, was bei der Aktualität zeitlich einfach noch nicht machbar ist. Die harten Fakten dazu gibt es einfach noch nicht. Man kann nur festhalten, dass die präzise Implantierung der Prothese einen entscheidenden Effekt auf die Langlebigkeit hat, und die ist mit der Robotik gegeben. Das heißt, die Hypothese ist plausibel, die aber eben noch nicht bewiesen werden konnte“, stellt Prof. Dr. Schräder fest.

Die präoperative Planung spielt eine entscheidende Rolle in der Endoprothetik, da sie die Grundlage für den gesamten chirurgischen Eingriff bildet und sicherstellt, dass die Implantation der Prothese optimal auf die individuellen anatomischen Gegebenheiten des Patienten abgestimmt ist. 

Grundsätzlich gibt es maßangefertigte Prothesen. Wir machen das nicht, und es ist so, dass die wenigsten Kliniken mit sehr guten Ergebnissen und hohen Fallzahlen dies tun. Diese Möglichkeit besteht, und sie erscheint auch plausibel – dennoch hat sich dieses Verfahren nicht durchgesetzt. Denn am Ende ist die Maßanfertigung gar nicht so relevant. Eine Prothese muss nicht 100% auf den Zehntelmillimeter genau sein. Die Positionierung ist wichtig! Denn damit wird die Achse und die Stabilität definiert. Und genau das übernehmen die Robotik und die Navigation“, macht Prof. Dr. Schräder klar und erklärt, was alles mit dem Patienten vor der Operation gemacht wird, sobald die Entscheidung für den Einsatz einer Prothese getroffen ist:

Zunächst wird eine Ganzbein-Standaufnahme angefertigt, digitalisiert und mit Referenzkugeln versehen. Dabei wird die gesamte Beinachse vom Hüftgelenk bis zum Sprunggelenk mittels Röntgenaufnahme vermessen. Anhand dieser Röntgenaufnahme kann ich die Operation im Voraus simulieren und planen. Ich kann mit verschiedenen Implantatgrößen verschiedene Positionierungen ausprobieren bis ich die optimale Position für das beste Ergebnis habe. Im Operationssaal werden am eröffneten Knie Lokatoren an Ober- und Unterschenkel angebracht, sodass der Computer genau erkennen kann, in welcher Position sich das Bein befindet – ob gebeugt oder gestreckt, ob es ein X- oder O-Bein ist etc. Diese Darstellung erfolgt dynamisch, sodass ich sehen kann, wie sich das Bein unter verschiedenen Krafteinwirkungen verändert. Mit einem speziellen Tastgerät kann ich die Form des Kniegelenks abtasten, wodurch eine bildliche Darstellung erzeugt wird. Und der Computer errechnet dann einen Vorschlag, wie das Implantat eingebracht werden kann, und ich vergleiche dies mit meiner Planung, um anhand meiner Erfahrung einzugreifen und eine Entscheidung zu treffen. Hier zeigt sich der große Vorteil der Robotik: Der Computer analysiert die Entscheidung und prognostiziert deren positive oder negative Konsequenzen. So ergibt sich ein sehr guter Entscheidungsprozess. Anschließend wird die Prothese implantiert und die Wunde verschlossen. Wir folgen dem Fast-Track-Konzept, d.h. der Patient wird sehr schnell wieder mobil. Schon im Aufwachraum darf der Patient wieder essen und trinken und erhält bereits hier eine Bewegungsschiene. Noch am Operationstag kann der Patient sein Bein bereits voll belasten. Allerdings ist es auch so, dass der Patient so lange stationär bleibt, wie er es braucht. Unser Ziel ist es, die Patienten so schnell wie möglich zur Selbstständigkeit zu führen!“.

Der Einsatz von Robotik in der Endoprothetik wird in den kommenden Jahren voraussichtlich eine noch tiefgreifendere Entwicklung erfahren.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz und intensivere Robotik wird in der nächsten Entwicklungsstufe sicherlich zunehmen, vor allem hinsichtlich der Digitalisierung der internen Vernetzung, auch was die präoperative Planung und intraoperative Umsetzung betrifft. Auch die Qualitätssicherung wird teilweise durch KI organisiert, da sich die Umsetzung der angestrebten Qualität gut dokumentieren lässt. Hier stehen wir sicherlich noch am Anfang, doch für uns ist es wichtig, den gesamten Prozess aktiv mitzugestalten. Die Begeisterung für neueste technische Entwicklungen ist nachvollziehbar, aber man muss schauen, dass man hier noch steuernd auch eingreifen kann. Die Vernetzung wird sicherlich noch weiter voranschreiten. Auch die Patienten werden zunehmend digitaler: Sie erhalten Smartwatches und Aufgaben zur Operationsvorbereitung. Wir führen mittlerweile auch digitale Ganganalysen durch, um Achsverhältnisse und Bewegungsabläufe zu prüfen. Perspektivisch wird es hier sicherlich Kooperationen mit Herstellern von Robotik, Navigationssystemen und Endoprothesen geben – ebenso mit Versicherungen und Kostenträgern“, beschreibt Prof. Dr. Schräder.

Die Zertifizierung als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung trägt erheblich zur Verbesserung der Patientenversorgung und zur Optimierung operativer Ergebnisse bei, indem sie höchste Qualitätsstandards und spezialisierte Expertise sicherstellt. Kliniken, die diese Zertifizierung erhalten, müssen nachweisen, dass sie über umfassende Erfahrung und Fachkompetenz in der Durchführung komplexer Endoprothesenoperationen verfügen. 

Die Zertifizierung erfolgt durch eine von der Fachgesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie beauftragte Firma, die speziell für die Endoprothetik zuständig ist, und umfasst einen umfangreichen Kriterienkatalog. Dieser umfasst die Anzahl der im Zentrum beschäftigten Ärzte mit ihrer jeweiligen Qualifikation, und auch eine Mindestanzahl an Endoprothesen pro Jahr muss erfüllt sein. Es wird weiterhin die Prozessqualität berücksichtigt – es wird geprüft, wie Patienten aufgenommen und wie sie beispielsweise geröntgt werden, wie die Anästhesie abläuft usw. Schließlich erfolgt eine qualitative Prüfung, die für die Beurteilung der Ergebnisqualität entscheidend ist. Hier wird genau geschaut, wie viel Prozent Komplikationen es gibt, wie viel Prozent der Prothesen werden korrekt implantiert. Diese Prüfungen erfolgen jährlich und umfassen Nachkontrollen, Einweiser-, Patienten- und Zufriedenheitsbefragungen – insgesamt ein umfangreicher Katalog an Anforderungen, die erfüllt werden müssen. Die Vorbereitung auf diesen Prozess dauert etwa ein Jahr. Es müssen viele Unterlagen eingereicht werden, und es kommt ein Auditorenteam aus Fachexperten des Bereichs Endoprothetik und aus dem Bereich Qualitätssicherung für die Prüfung vor Ort. Die Zertifizierung zum Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung stellt die höchste Versorgungsstufe dar, die wir erhalten haben. Diese Zertifizierung besitzen nur wenige Kliniken: sieben in Hessen und etwa 150 in ganz Deutschland. Angesichts der rund 2000 Kliniken in Deutschland, von denen etwa 1000 Endoprothesen anbieten, 500 davon zertifiziert sind und nur 150 als Endoprothetikzentren der Maximalversorgung gelten, wird die Exklusivität dieser Zertifizierung deutlich“, erläutert Prof. Dr. Schräder.

Seit 30 Jahren führen wir in Jugenheim Endoprothetik durch und hatten vor Kurzem unsere Jubiläumsfeier. Während der Vorbereitung auf dieses Jubiläum entstand die Idee, die Zertifizierung anzustreben. Uns war von vornherein klar, dass wir alle Anforderungen erfüllen würden. Doch es ist eine ganz andere Herausforderung, sämtliche Prozesse in einen zertifizierungsreifen Zustand zu versetzen. Denn schließlich müssen alle Prozesse erneut überprüft werden, und das ganze Team muss motiviert werden. Die treibende Kraft dahinter waren mein Stellvertreter und ich. Wir sprachen mit unseren Oberärzten und wiesen schließlich die jeweiligen Kompetenzen zu. Es folgten zahlreiche gemeinsame Treffen und enge Teamarbeit. Wir reflektierten gemeinsam, ob unser Vorgehen sinnvoll und zielführend war. Plötzlich entstehen aus den unterschiedlichsten Disziplinen Überlegungen, Prozesse zu optimieren und anzupassen. Letztlich erhält der Patient in einem Zentrum der Maximalversorgung mit hoher Wahrscheinlichkeit das bestmögliche Behandlungsergebnis. Dies liegt an der engen interdisziplinären Zusammenarbeit und der hohen Expertise der festgelegten Haupt- und Senioroperateure, die für maximale Sicherheit und eine minimale Komplikationsrate sorgen. Für viele Patienten bedeutet dies, im Zweifelsfall eine längere Anfahrt in Kauf zu nehmen, um die bestmögliche Behandlungsoption zu erhalten. Ein zentrales gesundheitspolitisches Ziel ist es, dass Zentren der Maximalversorgung eng mit anderen Endoprothetikzentren und niedergelassenen Ärzten kooperieren und einen Verbund bilden“, so Prof. Dr. Schräder zum Abschluss unseres Gesprächs.

Herzlichen Dank, Herr Professor Dr. Schräder, für diesen aufschlussreichen Einblick!

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Alexandra Pfitzmann

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Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.

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