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Warum eine Aussackung der Hauptschlagader oft unbemerkt bleibt

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Melanie Al Tikriti, BSc · 2. September 2026

Viele schwerwiegende Erkrankungen kündigen sich durch deutliche Beschwerden an. Ein Aortenaneurysma jedoch, gehört zu den Ausnahmen. Die krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader entwickelt sich meist langsam und verursacht über Jahre hinweg keine oder nur unspezifischen Symptome. Daher wird sie häufig erst zufällig bei einer Ultraschall-, CT- oder MRT-Untersuchung entdeckt. Bleibt ein Aortenaneurysma unerkannt, kann es im schlimmsten Fall reißen – ein medizinischer Notfall, der innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich werden kann.

Die gute Nachricht: Wird ein Aortenaneurysma rechtzeitig erkannt, lassen sich schwere Komplikationen deutlich reduzieren. Moderne bildgebende Verfahren ermöglichen zusätzlich eine zuverlässige Diagnose, während regelmäßige Kontrollen dazu beitragen, die Erkrankung sicher zu überwachen. Ist das Aneurysma zu groß oder wächst es schnell, stehen heutzutage schonende minimalinvasive Eingriffe ebenso zur Verfügung wie bewährte offene Operationsverfahren. 

Was ist ein Aortenaneurysma?

Die Aorta ist die größte Schlagader des menschlichen Körpers. Sie transportiert sauerstoffreiches Blut vom Herzen in alle Organe und Gewebe. Im Laufe des Lebens kann die Gefäßwand jedoch an Stabilität verlieren. Gibt sie dann dem Blutdruck nach, erweitert sich die Aorta an einer bestimmten Stelle wie ein kleiner Ballon. Mediziner sprechen dann von einem Aortenaneurysma. Oft tritt diese Gefäßerweiterung im Bauchraum auf. Das sogenannte abdominale Aortenaneurysma macht den Großteil aller Aneurysmen der Hauptschlagader aus. Erweiterungen im Brustkorb oder solche, die sich über mehrere Abschnitte der Aorta erstrecken sind eher seltener.

Nicht jedes Aneurysma ist unmittelbar gefährlich. Entscheidend sind vor allem die Größe, die Wachstumsgeschwindigkeit und der allgemeine Gesundheitszustand der betroffenen Person. Mit zunehmendem Durchmesser steigt klarerweise das Risiko, dass die Gefäßwand reißt oder sich aufspaltet – eine Situation, die sofort behandelt werden muss.

Aortenaneurysma mit Erklärung

Bild über KI generiert

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Ein Aortenaneurysma entwickelt sich meist über viele Jahre. Verschiedene Faktoren können die Gefäßwand zusätzlich schwächen und das Risiko erhöhen.

Dazu gehören insbesondere:

  • höheres Lebensalter
  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
  • erhöhte Blutfettwerte
  • familiäre Vorbelastung
  • männliches Geschlecht

Vor allem Männer über 65 Jahre sind häufiger betroffen. Auch wer raucht oder früher geraucht hat, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko. Deshalb empfehlen viele medizinische Fachgesellschaften für bestimmte Risikogruppen eine einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader zur Früherkennung. 

Welche Symptome können auftreten?

Das Tückische an einem Aortenaneurysma ist, dass die Erkrankung oft keinerlei Beschwerden verursacht. Viele Betroffene fühlen sich völlig gesund und erfahren erst bei einer Routineuntersuchung von der Gefäßerweiterung. Größere Aneurysmen können jedoch Beschwerden verursachen.

Dazu zählen:

  • dumpfe Schmerzen im Bauch oder Rücken
  • Druckgefühl im Bauchraum
  • pulsierende Vorwölbung im Bauch
  • Schmerzen in der Flanke
  • ausstrahlende Rückenschmerzen

Reißt ein Aneurysma, treten meist plötzlich stärkste Bauch-, Rücken- oder Flankenschmerzen auf. Dazu kommen Schweißausbrüche, Blutdruckabfall, Schwindel oder Bewusstlosigkeit. In dieser Situation zählt jede Minute, da es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall handelt.

Wie wird ein Aortenaneurysma diagnostiziert?

Da Betroffene häufig keine Beschwerden verspüren, spielt die Bildgebung eine entscheidende Rolle. Eine Ultraschalluntersuchung kann ein Aortenaneurysma zuverlässig erkennen und seinen Durchmesser bestimmen. Soll eine Operation geplant werden oder besteht der Verdacht auf Komplikationen, kommen zusätzlich eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Diese Verfahren liefern detaillierte Informationen über Größe, Form und genaue Lage des Aneurysmas und helfen dabei, die optimale Therapie zu planen. 

Wann muss ein Aortenaneurysma behandelt werden?

Nicht jedes Aneurysma muss sofort operiert werden. Kleinere Erweiterungen werden zunächst regelmäßig kontrolliert. Dabei wird von spezialisierten Gefäßmedizinern in festen Abständen geprüft, ob sich das Aneurysma vergrößert.

Eine Behandlung wird meist empfohlen, wenn:

  • der Durchmesser einen kritischen Wert erreicht,
  • das Aneurysma rasch wächst,
  • Beschwerden auftreten oder
  • Anzeichen für eine drohende Ruptur bestehen.

Zusätzlich werden Blutdruck, Blutfettwerte und weitere Risikofaktoren konsequent behandelt, um die Belastung der Gefäßwand möglichst gering zu halten. 

Welche Operationsverfahren gibt es heute?

In den vergangenen Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten erheblich weiterentwickelt. Heute stehen zwei etablierte Verfahren zur Verfügung.

Bei der offenen Operation wird der betroffene Abschnitt der Hauptschlagader über einen Bauchschnitt freigelegt und durch eine Gefäßprothese ersetzt. Dieses Verfahren gilt als sehr langlebig und kommt insbesondere bei komplexen Aneurysmen infrage.

Daneben hat sich die endovaskuläre Aneurysmareparatur (EVAR) einen Namen gemacht. Dabei wird über die Leistenarterien ein mit Stoff ummantelter Stent in die Hauptschlagader vorgeschoben und im Bereich des Aneurysmas entfaltet. Das Blut fließt anschließend durch den Stent, wodurch die geschwächte Gefäßwand entlastet wird. Da kein großer Bauchschnitt notwendig ist, profitieren viele Patientinnen und Patienten von einer schnelleren Erholung und kürzeren Krankenhausaufenthalten. Ob dieses Verfahren geeignet ist, hängt jedoch von der individuellen Anatomie der Aorta ab. 

Lässt sich einem Aortenaneurysma vorbeugen?

Nicht alle Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Ein gesunder Lebensstil trägt aber wesentlich dazu bei, die Gefäße zu schützen. Besonders wichtig ist der Verzicht auf das Rauchen, da Nikotin die Gefäßwände nachhaltig schädigt und das Wachstum eines Aneurysmas beschleunigen kann.

Ebenso wichtig sind eine gute Blutdruckeinstellung, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und die Behandlung erhöhter Blutfettwerte oder eines Diabetes mellitus. Menschen mit familiärer Vorbelastung oder weiteren Risikofaktoren sollten ärztlich besprechen ob eine vorsorgliche Ultraschalluntersuchung sinnvoll ist. 

Fazit: Frühes Erkennen ist entscheidend

Ein Aortenaneurysma bleibt häufig über lange Zeit unbemerkt und wird oft erst zufällig entdeckt. Gerade deshalb ist die Früherkennung bei Menschen mit erhöhtem Risiko von großer Bedeutung. Moderne Ultraschall- und CT-Untersuchungen ermöglichen eine zuverlässige Diagnose, während individuell abgestimmte Kontrollen und moderne Operationsverfahren helfen, lebensbedrohliche Komplikationen zu verhindern. Wer Risikofaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck konsequent behandelt und Warnzeichen ernst nimmt, kann wesentlich dazu beitragen, die Gesundheit der Hauptschlagader langfristig zu erhalten.

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