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Behandlung · Allgemeine Radiologie

Radiotherapie: Informationen und Radiotherapie-Spezialisten

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand:

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Die Radiotherapie zerstört mithilfe gezielter Strahlung Tumorzellen in einer bestimmten Körperregion. Neben der externen Strahlentherapie gibt es auch die Brachytherapie, bei der die Strahlenquelle direkt im oder am Tumor platziert wird. Moderne Verfahren wie die stereotaktische Strahlentherapie ermöglichen eine besonders präzise Bestrahlungsplanung und schonen so umliegendes gesundes Gewebe. Da auch das umliegende Organ in Mitleidenschaft gezogen werden kann, ist eine engmaschige Betreuung durch Strahlentherapeuten besonders wichtig.

Die Radiotherapie ist auch als Strahlentherapie oder Bestrahlung bekannt. Sie ist eine wichtige Therapieform bei der Behandlung von bösartigen Tumorerkrankungen. Ärzte nutzen ionisierte Strahlung, um Tumorzellen zu zerstören und den Tumor dadurch zu verkleinern. Durch moderne Techniken wird gesundes Gewebe immer besser geschont. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für Radiotherapie.

Definition: Was versteht man unter Radiotherapie?

Die Radiotherapie (auch Strahlentherapie oder einfach Bestrahlung genannt) kommt bei einer Krebserkrankung neben der Operation und der Chemotherapie häufig zum Einsatz. 

Bei jedem zweiten Krebspatienten wird im Krankheitsverlauf eine Strahlentherapie eingesetzt. Die medikamentöse („systemische“) Chemotherapie betrifft den gesamten Körper. Die Radiotherapie ist dagegen eine rein lokale Maßnahme. Die Wirkung der Strahlung zeigt sich also nur dort, wo die Strahlen eingesetzt werden, also im Strahlenfeld.

Die Strahlentherapie kann

  • in Kombination mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie) und
  • in Absprache mit dem behandelnden Chirurgen nach (adjuvanten) oder vor (neoadjuvanten) Operationen

eingesetzt werden.

Bei einigen Krebsarten, wie zum Beispiel beim lokalisierten Kehlkopfkrebs oder Prostatakrebs, ist die Radiotherapie die einzig mögliche Therapie. Auch bei Tumoren der Prostata zählt die Bestrahlung zu den Standardbehandlungen. 

Darüber hinaus kann die Strahlentherapie bei Krebsbehandlungen therapeutisch eingesetzt werden, um Symptome zu lindern oder zu verhindern. 

Gründe für eine Radiotherapie

Sehr häufig werden bösartige Tumoren bestrahlt, oft in Kombination mit anderen Behandlungen wie Operation und Chemotherapie. Etwa jeder zweite Krebspatient unterzieht sich einer oder mehreren Strahlentherapien.

Je nach Zweck der Strahlentherapie unterscheidet man

  • die kurative Bestrahlung: Ziel ist, den Patienten zu heilen und die Krebszellen vollständig zu entfernen.
  • die palliative Bestrahlung: Ist eine Heilung nicht mehr möglich, kann eine Strahlentherapie die Symptome lindern und die Lebensqualität des Patienten verbessern.
  • die neoadjuvante Bestrahlung: Die Bestrahlung soll den Tumor vor einer OP verkleinern und den Eingriff somit aussichtsreicher machen.
  • die adjuvante Bestrahlung: Die adjuvante Radiotherapie soll das Ergebnis einer vorangegangenen Operation festigen und mikroskopisch kleine Tumornester zerstören.

Die Krebsbehandlung folgt immer dem Gesetz der „logarithmischen Zelltötung“. Tumoren bestehen oft aus 100 Milliarden einzelnen Zellen. Die Strahlentherapie ist zum Zwecke der Heilung so angelegt, dass sie den Tumor bis in die letzte Zelle zerstört.

Da einzelne Tumorzellen nicht mehr nachgewiesen werden können, zeigt sich der eigentliche Behandlungserfolg erst nach Monaten und Jahren.

Entwickelt sich der Tumor im Beobachtungszeitraum an der gleichen Stelle erneut, ist von einem Rezidiv auszugehen.

Linearbeschleuniger und Strahlentherapie
Ein Liniearbeschleuniger bestrahlen gezielt Tumoren © Maksym Povozniuk | AdobeStock

Wie funktioniert die Radiotherapie?

Bei der Strahlentherapie werden Krebszellen durch ionisierende Strahlung oder Partikelstrahlung zerstört.

Die Radiotherapie und die Zerstörung von Erbgut

Die Strahlung schädigt das Erbgut von Zellen, sodass die Zellteilung stoppt und Zellen absterben. Die Tumoren schrumpfen oder verschwinden sogar.

Die zellschädigenden Wirkungen der Strahlentherapie sind unspezifisch. Auch gesunde Zellen sind betroffen. Je nach Schädigungsgrad können jedoch zelleigene Reparatursysteme Schäden am Erbgut reparieren. Wie bei einer Schere schneiden sie Abschnitte aus der DNA und ersetzen sie.

Diese Fähigkeit, genetisches Material zu regenerieren, ist bei gesunden Zellen stärker ausgeprägt als bei krebsartigen. Während sich normalerweise gesunde Zellen regenerieren, sterben Krebszellen ab und werden von den körpereigenen Immunzellen entfernt.

Gesunde Zellen benötigen jedoch genug Zeit, um die Schäden am Erbgut zu reparieren. Deswegen muss bei der Strahlentherapie die vom Patienten insgesamt zu empfangende Strahlendosis auf mehrere Einzelsitzungen (Fraktionen) aufgeteilt werden.

Der Arzt wählt die Strahlendosis anhand der Strahlenempfindlichkeit des Tumors aus. Ist eine Heilung notwendig, reicht die Strahlendosis von 40 bis 70 Gray (Gy). Die zur Zerstörung des Tumors erforderliche Gesamtdosis wird in Fraktionen von je 1,8 bis 2 Gy aufgeteilt (Normalfraktionierung). Dies gewährleistet eine gute Verträglichkeit und reduziert das Risiko irreversibler Schäden und Spätkomplikationen.

Die Heilungsfähigkeit des gesunden Gewebes bleibt jedoch der limitierende Faktor für die kurative Strahlentherapie.

Gezielte Bestrahlung von Krebszellen

Neue Präzisionsbestrahlungstechniken wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) ermöglichen die präzise Lokalisierung von Tumorgewebe. So ist bei der Bestrahlung weniger gesundes Gewebe betroffen. Mithilfe solcher Verfahren ist die sogenannte hypofraktionierte Bestrahlung möglich. Dabei wird die erforderliche Strahlendosis in mehreren Fraktionen verabreicht. Der Wiederherstellung von gesundem Gewebe sollte weniger Aufmerksamkeit geschenkt werden.

In den meisten Fällen erfolgt die Bestrahlung als perkutane Strahlentherapie „von außen". Das heißt die Strahlung wird mit einem speziellen Bestrahlungsgerät erzeugt und durch die Haut zum Tumor im Körper geleitet. Bei besonders komplexen Fällen kommt eine stereotaktische Bestrahlungstechnik zum Einsatz, die den Tumor aus mehreren Winkeln punktgenau erfasst.

Diese Geräte, die Strahlung erzeugen, werden Linearbeschleuniger genannt. Mit einem Linearbeschleuniger werden Elektronen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Die aus dem Beschleuniger entweichenden Elektronen können dann direkt zur Behandlung von Oberflächentumoren verwendet werden.

Bei der Behandlung tiefer liegender Tumoren wird die Energie der Elektronen jedoch zunächst durch einen physikalischen Prozess in Röntgenstrahlung (Photonen) umgewandelt,. Röntgenstrahlen haben im Gewebe eine größere Reichweite als Elektronenstrahlung.

Typischerweise nimmt die Eindringtiefe einer Strahlungsart mit zunehmender Energie zu.

Nachwirkungen der Strahlentherapie

Die Nebenwirkungen der Strahlentherapie hängen stark von der verabreichten Dosis an Strahlungsenergie ab, die im Verlauf der Behandlung stetig zunimmt. Daher können Nebenwirkungen manchmal erst 7-10 Tage nach Therapieende ein Maximum erreichen. Danach lassen sie allmählich nach.

Es ist wichtig, mit der verordneten Pflege fortzufahren, bis die Nebenwirkungen verschwinden. Die meisten Nebenwirkungen sollten innerhalb von 4 Wochen abgeklungen sein. Dieser Zeitintervall kann je nach Ihrer persönlichen Sensibilität, dem Expositionsbereich und der Energiedosis variieren.

In einigen Fällen kann die Haut

  • trocken,
  • schuppig und
  • rot

werden.

Manchmal kann das exponierte Hautgewebe auch eine Bräune (Pigmentierung) entwickeln. Bestrahlte Haut ist empfindlich gegenüber mechanischen Reizstoffen. Daher sollten Sie Ihre Haut ab der ersten Strahlenbelastung bis drei Wochen nach Behandlungsende pflegen: Vermeiden Sie alles, was irritiert und vor allem Stress verursacht.

Aufgrund des technischen Fortschritts sind schwere Hautreaktionen heute viel seltener als früher. Eventuelle Hautreaktionen können nach Therapieende noch einige Zeit anhalten und sich manchmal vorübergehend verstärken.

In den ersten Monaten nach der Exposition ist die Haut licht- und sonnenempfindlicher. Stellen Sie sicher, dass Sie in den ersten 12 Monaten nach der Exposition über einen guten Schutz vor Sonne und kaltem Wind verfügen.

Ebenso sollten die anderen Nebenwirkungen der Therapie innerhalb weniger Wochen nach Therapieende verschwinden. Je nach Ihrer konkreten Situation erhalten Sie hierzu am Ende der Therapie spezifische Informationen.

Patienten klagen nach der Tumorbehandlung häufig über Schläfrigkeit oder Müdigkeit. Manche Patienten brauchen länger, um sich zu erholen. Versuchen Sie, normal zu essen. Leichte Bewegung oder moderate sportliche Aktivität unterstützen Ihre Genesung.

Sonnenschirm
Nach einer Radiotherapie muss die Haut vor möglichen Umwelteinflüssen geschützt werden © matusciac | AdobeStock

Nebenwirkungen und Komplikationen

Wie jede andere Behandlung kann die Bestrahlung mögliche Nebenwirkungen haben. Symptome, die während oder nach einer Strahlentherapie auftreten können, treten abhängig von verschiedenen Faktoren auf. Dazu gehört beispielsweise, ob Sie bereits operiert wurden oder eine Chemotherapie erhalten haben.

Auch die Art und der Umfang der Radiotherapie spielen eine Rolle. Wie bei einer Operation gilt auch hier: Je umfangreicher die Radiotherapie, d. h. je umfassender die Erkrankung, desto mehr Beschwerden können auftreten.

Vor und während der Behandlung wird Ihr Arzt mit Ihnen ausführlich besprechen, was Sie selbst tun können, damit es während der Bestrahlung möglichst wenig akute Nebenwirkungen gibt.

FAQ

Wie oft findet eine Bestrahlungssitzung statt?

Meist über mehrere Wochen verteilt, in täglichen kurzen Sitzungen (Fraktionen).

Was ist das Ziel bei einer palliativen Strahlentherapie?

Sie soll Symptome lindern, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist.

Kann eine Bestrahlung auch von innen erfolgen?

Ja, das nennt man interne Strahlentherapie – die Wirkung entfaltet sich dann direkt im Körper.

Was ist der Unterschied zwischen klassischer Bestrahlung und Radiochirurgie?

Bei der Radiochirurgie wird der Tumor mittels CT-gestützter Planung in wenigen, sehr präzisen Behandlungen zerstört.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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