Prostatakrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung der männlichen Vorsteherdrüse (Prostata) und gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Die Erkrankung entwickelt sich meist langsam und bleibt im Frühstadium oft beschwerdefrei. Typische Symptome wie Probleme beim Wasserlassen oder Schmerzen beim Ejakulieren treten erst später auf. Die Diagnose von Prostatakrebs erfolgt durch eine Kombination aus körperlicher Untersuchung, PSA-Test und Gewebeprobe. Je nach Stadium der Erkrankung kommen verschiedene Therapien zum Einsatz – von der aktiven Überwachung bis zur radikalen Prostatektomie oder Strahlentherapie. Wird Prostatakrebs in einem frühen Stadium entdeckt, sind die Heilungschancen sehr gut.
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Was ist Prostatakrebs?
- Wie häufig tritt Prostatakrebs auf?
- Anatomie der Prostata und ihre Funktion
- Ursachen und Risikofaktoren für Prostatakrebs
- Symptome – wie macht sich Prostatakrebs bemerkbar?
- Früherkennung von Prostatakrebs und PSA-Wert
- Diagnose von Prostatakrebs und Gewebeuntersuchung
- Behandlung von Prostatakrebs – Therapieoptionen im Überblick
- Operation bei Prostatakrebs (radikale Prostatektomie)
- Prostatakrebs-Spezialisten und interdisziplinäre Behandlungsteams
- FAQ zu Prostatakrebs
Was ist Prostatakrebs?
Prostatakrebs, auch Prostatakarzinom genannt, ist eine bösartige Tumorerkrankung der Prostata, also der männlichen Vorsteherdrüse. Sie gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Der Tumor in der Prostata entsteht aus entarteten Zellen, die sich unkontrolliert vermehren und gesundes Gewebe verdrängen. Bei dieser Form der Krebserkrankung bilden sich in der Regel bösartige Tumore, die zunächst lokal wachsen und sich im Verlauf über Lymphknoten oder das Blut in andere Organe ausbreiten können.
Im frühen Stadium verursacht Prostatakrebs meist keine Symptome. Erst wenn der Tumor größer wird oder sich außerhalb der Drüse ausbreitet, treten erste Beschwerden beim Wasserlassen, Schmerzen beim Ejakulieren oder Blut im Urin auf. Diese unspezifischen Anzeichen können auch bei gutartigen Erkrankungen wie einer Prostatahyperplasie vorkommen, weshalb eine ärztliche Abklärung durch den Urologen immer notwendig ist.
Die Erkrankung entwickelt sich in den meisten Fällen langsam – manchmal über viele Jahre. Das erklärt, warum Prostatakrebs häufig erst im höheren Alter entdeckt wird. Die meisten Männer, die an Prostatakrebs erkranken, sind älter als 60 Jahre. Dennoch kann die Erkrankung auch jüngere Männer treffen, insbesondere wenn eine familiäre Vorbelastung besteht.
Wird Prostatakrebs in einem frühen Stadium diagnostiziert, bestehen sehr gute Heilungschancen. Das Ziel der Behandlung ist die vollständige Entfernung oder Zerstörung des bösartigen Tumors und die Wiederherstellung einer guten Lebensqualität. Die Behandlung von Prostatakrebs erfolgt abhängig vom Stadium, dem Risikoprofil und den individuellen Wünschen des Patienten.

Vor allem über 60-jährige Männer erkranken an Prostatakrebs © Sergii Mostovyi / AdobeStock
Wie häufig tritt Prostatakrebs auf?
Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. In Deutschland erkranken jedes Jahr über 60.000 Männer neu an Prostatakrebs, was etwa einem Viertel aller bösartigen Tumoren beim Mann entspricht. Damit ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung des männlichen Geschlechts – noch vor Lungen- und Darmkrebs. Das Risiko, im Laufe des Lebens an Prostatakrebs zu erkranken, liegt nach aktuellen Schätzungen bei rund 13 Prozent.
Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Während Männer unter 50 Jahren nur selten betroffen sind, nimmt die Zahl der Neuerkrankungen ab dem 60. Lebensjahr stark zu. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 69 Jahren. Ab dem 70. Lebensjahr tritt Prostatakrebs häufig auf, und viele Männer leben jahrelang mit einem langsamen, kaum symptomatischen Tumor.
Schätzungen zufolge leben derzeit in Deutschland mehr als 300.000 Männer mit der Diagnose Prostatakarzinom. Die Zahl der Neuerkrankungen nimmt durch die steigende Lebenserwartung und bessere Früherkennung von Prostatakrebs weiter zu. International zeigen Studien, dass in den nächsten zehn Jahren weltweit immer mehr Männer an Prostatakrebs erkranken werden, vor allem in Industrienationen mit hoher Lebenserwartung und zugänglicher medizinischer Versorgung.
Trotz der hohen Zahl an Diagnosen ist die Sterblichkeit bei Prostatakrebs in den letzten Jahren leicht gesunken. Dank moderner Diagnoseverfahren und individueller Therapie bei Prostatakrebs kann die Erkrankung oft frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden. Je früher Prostatakrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Anatomie der Prostata und ihre Funktion
Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist ein etwa vier Zentimeter großes Organ, das zur inneren Geschlechtsorgane des Mannes gehört. Sie liegt direkt unterhalb der Harnblase und umschließt ringförmig die Harnröhre, über die der Urin den Körper verlässt. Anatomisch grenzt die Drüse nach hinten an den Enddarm und nach oben an die Samenblasen. Diese Lage erklärt, warum Veränderungen der Prostata – zum Beispiel bei einem Tumor in der Prostata – häufig zu Problemen beim Wasserlassen führen.
Das Gewebe der Prostata besteht aus zahlreichen kleinen Drüsenläppchen, die von einer Kapsel aus Bindegewebe umgeben sind. Diese Läppchen produzieren ein milchiges Sekret, das beim Samenerguss mit der Samenflüssigkeit ausgeschieden wird. Dieses Sekret enthält unter anderem Enzyme, Zink und das sogenannte Prostataspezifische Antigen (PSA) – ein Eiweiß, das die Samenflüssigkeit verflüssigt und die Beweglichkeit der Spermien verbessert. Das Antigen spielt auch in der Früherkennung von Prostatakrebs eine wichtige Rolle, da erhöhte PSA-Werte im Blut auf krankhafte Veränderungen der Prostata hinweisen können.
Die Funktion der Prostata ist eng mit dem Hormonstoffwechsel des Mannes verknüpft. Das männliche Sexualhormon Testosteron, das in den Hoden gebildet wird, steuert Wachstum, Funktion und Sekretproduktion der Drüse. Ohne Testosteron kann kein Prostatakarzinom entstehen – das Hormon gilt daher als zentraler Faktor bei der Entstehung von Prostatakrebs.
Neben ihrer Rolle bei der Fortpflanzung beeinflusst die Prostata auch die Kontinenz. Ihre Muskulatur trägt dazu bei, den Harnfluss zu steuern. Wird das Organ bei einer Operation teilweise oder vollständig entfernt, muss der Schließmechanismus gezielt trainiert werden, um ungewolltes Wasserlassen zu vermeiden.

Die Lage der Prostata © Henrie / Fotolia
Ursachen und Risikofaktoren für Prostatakrebs
Die Ursachen von Prostatakrebs sind bis heute nicht vollständig geklärt. Sicher ist jedoch, dass mehrere Risikofaktoren die Entstehung von Prostatakrebs begünstigen können. Zu den wichtigsten zählen das Alter, eine genetische Veranlagung, hormonelle Einflüsse wie Testosteron sowie bestimmte Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Diese möglichen Ursachen wirken oft gemeinsam und beeinflussen das individuelle Risiko eines Mannes, im Laufe seines Lebens an Prostatakrebs zu erkranken.
Alter als Hauptrisikofaktor
Das Risiko für Prostatakrebs steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an. Männer unter 40 Jahren sind fast nie betroffen, während über 80 Prozent der Betroffenen bei Diagnose älter als 60 Jahre sind. Zwischen dem 50. und 80. Lebensjahr nimmt die Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, um das 40-Fache zu. Damit gilt das fortschreitende Alter als der wichtigste Risikofaktor für Prostatakrebs überhaupt.
Genetische Veranlagung
In etwa 10 bis 15 Prozent der Fälle tritt Prostatakrebs familiär gehäuft auf. Hat der Vater oder Bruder an einem Prostatakarzinom gelitten, ist das persönliche Risiko für Prostatakrebs erhöht. Liegen mehrere Fälle in der Familie vor, kann das Erkrankungsrisiko sogar auf über 50 Prozent steigen. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass bestimmte genetische Mutationen die Entstehung von Prostatakrebs fördern.
Hormonelle Einflüsse
Das männliche Sexualhormon Testosteron spielt eine entscheidende Rolle beim Wachstum der Prostatazellen. Es fördert nicht nur die normale Zellfunktion, sondern auch das Wachstum von Krebszellen in der Vorsteherdrüse. Ohne Testosteron kann sich kein Prostatakarzinom entwickeln. Männer mit einem dauerhaft hohen Testosteronspiegel scheinen daher ein erhöhtes Risiko zu haben, an Prostatakrebs zu erkranken.

Ein hoher Testosteronspiegel fördert die Enstehung von Prostatakrebs © jarun011 / AdobeStock
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Vitamin-D-Mangel und Umweltfaktoren
Ein weiterer Faktor, der mit der Entstehung von Prostatakrebs in Zusammenhang gebracht wird, ist ein Vitamin-D-Mangel. Vitamin D wirkt in vielen Geweben wachstumshemmend auf Krebszellen. Ein niedriger Spiegel kann daher das Risiko für Prostatakrebs erhöhen. Darüber hinaus wird diskutiert, ob Ernährung, Bewegungsmangel, berufsbedingte Belastungen oder chemische Substanzen ebenfalls eine Rolle spielen. Der wissenschaftliche Nachweis für diese möglichen Ursachen ist bislang jedoch uneinheitlich.
Zusammenfassung
Die Ursachen für Prostatakrebs sind komplex und beruhen auf einem Zusammenspiel von Alter, genetischen, hormonellen und umweltbedingten Faktoren. Während einige Risiken – etwa das Alter oder die Erbanlage – nicht beeinflussbar sind, lässt sich das persönliche Risiko durch einen gesunden Lebensstil, ausreichende Bewegung und den Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum möglicherweise senken.
Symptome – wie macht sich Prostatakrebs bemerkbar?
Die typischen Symptome von Prostatakrebs treten meist erst spät auf. Im frühen Stadium verursacht Prostatakrebs kaum oder gar keine Beschwerden, sodass die Erkrankung häufig zufällig entdeckt wird – etwa im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung oder beim Anstieg des PSA-Wertes im Blut.
Im weiteren Verlauf verursacht Prostatakrebs Beschwerden, die durch den Tumor in der Prostata und den Druck auf die umliegende Harnröhre entstehen. Zu den häufigsten Beschwerden beim Wasserlassen zählen ein schwacher Harnstrahl, Harnverhalt oder das Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können. Manche Betroffene berichten auch über nächtlichen Harndrang, ein Brennen beim Urinieren oder das Nachtröpfeln von Urin.
Im weiter fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann der Tumor in der Prostata auf umliegendes Gewebe und Lymphknoten übergreifen. Dann treten zusätzliche Symptome wie Schmerzen im Becken- oder Rückenbereich auf. Einige Patienten leiden unter Schmerzen beim Ejakulieren, Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit sowie Erektionsstörungen. Solche Beschwerden sind nicht spezifisch für Prostatakrebs, sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden.
Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs oder wenn sich Metastasen bilden, können weitere Allgemeinsymptome auftreten: Müdigkeit, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Knochenschmerzen. Metastasen in den Knochen äußern sich häufig durch dumpfe Rückenschmerzen oder spontane Knochenbrüche. Bei metastasiertem Prostatakarzinom können auch neurologische Ausfälle auftreten, wenn das Rückenmark betroffen ist.
Das Fehlen von Frühsymptomen macht die Früherkennung von Prostatakrebs so wichtig. Wer Veränderungen beim Wasserlassen oder an der Ejakulation bemerkt, sollte unbedingt einen Urologen aufsuchen. Je früher der Krebs (cancer) entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen und die Aussichten auf eine gute Lebensqualität.

Männer, die charakteristische Symptome für Prostatakrebs bemerken, sollten sich von einem Urologen untersuchen lassen © New Africa / AdobeStock
Früherkennung von Prostatakrebs und PSA-Wert
Die Früherkennung von Prostatakrebs ist entscheidend, um die Erkrankung in einem behandelbaren Stadium zu entdecken. Da Prostatakrebs in einem frühen Stadium meist keine Symptome verursacht, ist eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung für Männer ab 45 Jahren besonders wichtig. In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die jährliche Urologische Untersuchung zur Früherkennung.
Die Basis der Vorsorge bildet die digital-rektale Untersuchung (DRU). Dabei tastet der Urologe die Prostata über den Enddarm ab und prüft, ob sie verhärtet oder vergrößert ist. Diese Methode ist einfach durchzuführen und schmerzfrei, reicht jedoch allein nicht aus, um Prostatakrebs sicher zu erkennen.
Ein zentraler Bestandteil der Vorsorge ist der sogenannte PSA-Test. Dabei wird der PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) im Blut bestimmt – ein Eiweiß, das von den Prostatazellen gebildet wird. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf eine Entzündung, eine gutartige Prostatavergrößerung oder auf Prostatakrebs hinweisen. Daher dient der Test nicht als Beweis, sondern als Hinweis auf einen Verdacht auf Prostatakrebs.
Der Nutzen des PSA-Tests wird in der Medizin weiterhin diskutiert, da es sowohl falsch-positive als auch falsch-negative Ergebnisse geben kann. Dennoch belegen Studien, dass durch den PSA-Test Prostatakrebs häufiger in einem frühen Stadium erkannt wird – und damit die Heilungschancen deutlich steigen.
Besteht nach der Vorsorgeuntersuchung ein Verdacht auf Prostatakrebs, leitet der Urologe weitere diagnostische Schritte ein. Dazu gehören bildgebende Verfahren und eine Gewebeprobe (Biopsie), um die Diagnose Prostatakrebs sicherzustellen.
Zusammenfassend gilt: Männer, die regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, haben eine deutlich höhere Chance, Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen und erfolgreich behandeln zu lassen.

Bestimmung des PSA-Wertes © jarun011 / AdobeStock
Diagnose von Prostatakrebs und Gewebeuntersuchung
Die Diagnose von Prostatakrebs erfolgt schrittweise und zielt darauf ab, die Erkrankung möglichst frühzeitig und zuverlässig zu erkennen. Besteht nach der Vorsorge oder einem auffälligen PSA-Wert ein Verdacht auf Prostatakrebs, folgen weiterführende Untersuchungen, um den Tumor in der Prostata nachzuweisen und sein Stadium zu bestimmen.
Zu den wichtigsten Diagnosemethoden gehören:
- Transrektaler Ultraschall (TRUS): Über eine kleine Ultraschallsonde, die in den Enddarm eingeführt wird, kann der Urologe die Prostata und umliegendes Gewebe beurteilen. So lässt sich erkennen, ob ein verdächtiger Knoten oder eine Vergrößerung vorliegt.

Transrektaler Ultraschall © bilderzwerg / Fotolia
- Prostatabiopsie: Sie ist der entscheidende Schritt zur Sicherung der Diagnose Prostatakrebs. Dabei entnimmt der Arzt mit einer dünnen Nadel mehrere Gewebeproben aus verschiedenen Bereichen der Prostata. Diese werden mikroskopisch untersucht, um zu klären, ob Krebszellen vorhanden sind und wie aggressiv sie wachsen.
- MRT oder CT: Bildgebende Verfahren helfen, die Ausbreitung des Tumors und mögliche Metastasen zu erkennen. So lässt sich feststellen, ob es sich um einen lokal begrenzten oder bereits metastasierten Prostatakrebs handelt.
- Skelettszintigrafie: Diese Untersuchung dient dem Nachweis von Knochenmetastasen, da sich Prostate Cancer häufig zuerst im Skelettsystem ausbreitet.
Das entnommene Gewebe wird histologisch untersucht. Dabei beurteilt der Pathologe die Struktur der Krebszellen und bestimmt den sogenannten Gleason-Score, der Aufschluss über die Aggressivität des bösartigen Tumors gibt. Je höher der Wert, desto stärker unterscheiden sich die Krebszellen vom gesunden Gewebe und desto ungünstiger ist die Prognose.
Anhand der Ergebnisse der Gewebeuntersuchung und bildgebender Verfahren wird das Stadium des Prostatakarzinoms nach der TNM-Klassifikation festgelegt. Dabei beschreibt T die Tumorausdehnung in der Prostata, N den Befall der Lymphknoten und M das Vorhandensein von Metastasen in anderen Organen.
Die genaue Diagnose von Prostatakrebs ist entscheidend für die Auswahl der richtigen Therapie bei Prostatakrebs. Sie bildet die Grundlage, um zwischen einem örtlich begrenzten Prostatakarzinom, einem lokal fortgeschrittenen oder einem metastasierten Prostatakarzinom zu unterscheiden und eine individuelle Behandlungsstrategie zu entwickeln.
Behandlung von Prostatakrebs – Therapieoptionen im Überblick
Die Behandlung von Prostatakrebs richtet sich nach Stadium, Tumorart und Allgemeinzustand des Patienten. Ziel ist die vollständige Entfernung des bösartigen Tumors oder die Kontrolle seines Wachstums.
Wichtigste Therapieformen
| Therapieform | Kurzbeschreibung | Einsatzgebiet |
|---|---|---|
| Operation (radikale Prostatektomie) | Entfernung der Prostata, Samenblasen und ggf. Lymphknoten. | Lokal begrenzter Prostatakrebs. |
| Strahlentherapie | Zerstörung der Krebszellen durch Bestrahlung (extern oder intern). | Alternative oder Ergänzung zur Operation. |
| Hormontherapie | Senkung des Testosteronspiegels, um das Tumorwachstum zu bremsen. | Fortgeschrittener Prostatakrebs. |
| Chemotherapie | Medikamente zerstören Krebszellen im gesamten Körper. | Metastasierter Prostatakrebs. |
| Aktive Überwachung | Regelmäßige Kontrollen ohne sofortige Behandlung. | Langsam wachsender oder früher Tumor. |
| Immuntherapie | Aktivierung des Immunsystems gegen Krebszellen. | Spät- oder therapieresistenter Prostatakrebs. |
Kombinationen mehrerer Verfahren (z. B. Strahlen- und Hormontherapie) sind häufig und erhöhen die Wirksamkeit. Die Entscheidung trifft ein interdisziplinäres Ärzteteam aus Urologie, Onkologie und Strahlentherapie.
Operation bei Prostatakrebs (radikale Prostatektomie)
Die Operation bei Prostatakrebs, auch radikale Prostatektomie genannt, gilt als eine der effektivsten Methoden zur Heilung eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms. Dabei wird der bösartige Tumor in der Prostata vollständig entfernt, um eine Ausbreitung in andere Organe zu verhindern. Diese Form der Prostatakarzinom-Therapie ist besonders dann sinnvoll, wenn keine Metastasen vorliegen und der Patient allgemein in gutem Gesundheitszustand ist.
Ziel und Ablauf
Ziel der Operation ist die vollständige Tumorentfernung bei gleichzeitiger Erhaltung von Kontinenz und Potenz, sofern dies onkologisch vertretbar ist.
Während des Eingriffs entfernen die Operateurinnen und Operateure die Prostata, die Samenblasen und meist auch die umliegenden Lymphknoten, um eventuelle Krebszellen frühzeitig zu erfassen.
Es gibt mehrere Operationsverfahren:
- Offene radikale Prostatektomie: Zugang über den Unterbauch.
- Laparoskopische Prostatektomie: Minimal-invasiver Eingriff über kleine Schnitte mit Kameraunterstützung.
- Roboterassistierte Prostatektomie (da Vinci-System): Modernste, besonders präzise Variante mit verkürzter Heilungszeit.
Die Operation erfolgt in Vollnarkose und dauert in der Regel zwei bis drei Stunden. Nach dem Eingriff bleibt ein Blasenkatheter für einige Tage liegen, damit die Harnröhre heilen kann.
Heilungschancen und Nachsorge
Bei früh entdecktem Prostatakrebs in einem frühen Stadium sind die Heilungschancen nach einer Operation sehr hoch. Studien zeigen, dass über 80 Prozent der Patienten langfristig tumorfrei bleiben. Nach der Operation folgen regelmäßige PSA-Kontrollen, um ein mögliches Wiederauftreten frühzeitig zu erkennen.
Ein strukturiertes Beckenbodentraining unterstützt die Wiederherstellung der Kontinenz, während spezialisierte Rehabilitationsprogramme den Erhalt der Potenz fördern.

Regelmäßige Prostatauntersuchungen zur Nachsorge © peterjunaidy / AdobeStock
Mögliche Komplikationen
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen auch bei der radikalen Prostatektomie Risiken. Zu den häufigsten gehören:
- Harninkontinenz: Meist vorübergehend; durch gezieltes Training gut behandelbar.
- Erektionsstörungen: Wenn Nervenstrukturen betroffen sind, kann die Potenz eingeschränkt sein.
- Infektionen oder Blutungen: Selten, meist gut behandelbar.
- Lymphozelen: Flüssigkeitsansammlungen nach Entfernung der Lymphknoten, die ärztlich überwacht werden.
Trotz möglicher Nebenwirkungen stellt die Operation für viele Patienten mit örtlich begrenztem Prostatakrebs die Therapie mit den besten Heilungschancen dar.
Nachsorge und Behandlung bei Rückfall (Rezidiv)
Die Nachsorge bei Prostatakrebs ist ein entscheidender Bestandteil der gesamten Therapie und Nachsorge des Prostatakarzinoms. Sie beginnt unmittelbar nach Abschluss der Behandlung und hat das Ziel, mögliche Rückfälle (Rezidive) oder Metastasen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Ziele der Nachsorge
- Früherkennung von Rückfällen: Regelmäßige Kontrollen des PSA-Werts dienen als wichtigster Indikator.
- Erfassung von Spätfolgen: Etwa Harninkontinenz, Potenzprobleme oder psychische Belastungen.
- Sicherung der Lebensqualität: Nachsorge begleitet Patienten medizinisch und psychologisch.
In den ersten zwei Jahren erfolgen die Nachsorgetermine meist alle drei Monate, danach halbjährlich oder jährlich – abhängig vom Tumorstadium und vom individuellen Risiko.
Untersuchungen in der Nachsorge
| Untersuchung | Ziel / Nutzen |
|---|---|
| PSA-Test | Frühzeitiges Erkennen eines möglichen Rezidivs. |
| Körperliche Untersuchung & Tastbefund | Kontrolle der Operationsregion und Lymphknoten. |
| Bildgebende Verfahren (z. B. MRT, CT, Knochenszintigramm) | Nachweis von Metastasen oder Tumorwachstum. |
| Anamnese & Symptomkontrolle | Erfassung von Beschwerden und Lebensqualität. |
Behandlung eines Rückfalls
Kommt es zu einem lokalen Rückfall nach Operation oder Bestrahlung, kann in vielen Fällen eine erneute Strahlentherapie oder eine ergänzende Hormontherapie erfolgen.
Bei einem metastasierten Prostatakrebs stehen heute vielfältige Optionen zur Verfügung – darunter:
- Chemotherapie zur systemischen Bekämpfung der Krebszellen
- Hormonentzugstherapie (z. B. Anti-Androgene)
- Zielgerichtete und Immuntherapien, die das Immunsystem aktivieren
- Palliativmedizinische Ansätze, um Schmerzen zu lindern und die Lebenserwartung zu verlängern
Ziel ist es, den Tumor zu kontrollieren, Beschwerden zu lindern und eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten.
Prostatakrebs-Spezialisten und interdisziplinäre Behandlungsteams
Die Behandlung von Prostatakrebs erfordert Erfahrung, Präzision und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Da das Prostatakarzinom sehr unterschiedliche Verlaufsformen aufweisen kann, sollte die Diagnose und Therapie immer durch ausgewiesene Prostatakrebs-Spezialisten erfolgen.
Beteiligte Fachbereiche
| Fachbereich | Rolle in der Behandlung |
|---|---|
| Urologie | Federführend bei Diagnostik, Operation und Nachsorge. Fachärzte für Urologie sind meist die ersten Ansprechpartner. |
| Onkologie | Planung und Durchführung systemischer Therapien wie Chemotherapie, Hormontherapie oder Immuntherapie. |
| Strahlentherapie | Anwendung moderner Radiotherapie-Verfahren bei lokal begrenztem oder fortgeschrittenem Prostatakarzinom. |
| Radiologie & Nuklearmedizin | Bildgebung, Tumordiagnostik, Nachweis von Metastasen. |
| Pathologie | Mikroskopische Untersuchung der Gewebeproben zur Bestimmung des Tumortyps und -stadiums. |
| Psychoonkologie & Reha-Medizin | Unterstützung bei Krankheitsverarbeitung und Wiederherstellung der Lebensqualität. |
Zertifizierte Prostatakrebszentren
Für eine optimale Versorgung empfiehlt sich die Behandlung in zertifizierten Prostatakrebszentren. Diese Einrichtungen sind von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) geprüft und erfüllen strenge Qualitätsstandards in der Therapie und Nachsorge des Prostatakarzinoms.
Hier arbeiten Ärztinnen und Ärzte aus allen relevanten Fachrichtungen eng zusammen und entwickeln für jede Patientin und jeden Patienten ein individuelles Therapiekonzept.
Die Vorteile einer Behandlung in einem zertifizierten Zentrum sind:
- Nachweislich bessere Behandlungsergebnisse durch standardisierte Verfahren
- Regelmäßige Qualitätskontrollen und Teilnahme an klinischen Studien
- Zugang zu modernen Therapien und innovativen Operationsmethoden
- Interdisziplinäre Fallkonferenzen für optimale Behandlungsentscheidungen
Zweitmeinung und Patientenbeteiligung
Gerade bei komplexen Erkrankungen wie Prostatakrebs kann eine ärztliche Zweitmeinung helfen, Therapieentscheidungen sicherer zu treffen. Viele Kliniken bieten strukturierte Zweitmeinungsprogramme an.
Betroffene sollten zudem aktiv in die Behandlungsentscheidung eingebunden werden – informierte Patienten treffen nachweislich bessere Entscheidungen und profitieren stärker von der gewählten Therapie.
FAQ zu Prostatakrebs
Wie lässt sich Prostatakrebs erkennen?
Ein Verdacht auf Prostatakrebs entsteht meist durch einen erhöhten PSA-Wert oder auffällige Befunde bei der Tastuntersuchung. Sicher bestätigt wird die Diagnose durch eine Biopsie, bei der Gewebeproben aus der Prostata entnommen werden. Nur so kann festgestellt werden, ob ein bösartiger Tumor vorliegt. Die Früherkennung von Prostatakrebs ab 45 Jahren hilft, die Erkrankung in einem frühen Stadium zu entdecken und rechtzeitig zu behandeln.
Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es für Prostatakrebs?
Die genauen Ursachen für Prostatakrebs sind bislang nicht vollständig geklärt. Als wichtigster Risikofaktor für Prostatakrebs gilt das Alter. Daneben können eine genetische Veranlagung, ein hoher Testosteronspiegel sowie ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für Prostatakrebs erhöhen. Auch bestimmte Ernährungs- und Lebensgewohnheiten können zur Entstehung von Prostatakrebs beitragen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind daher entscheidend, um Prostatakrebs zu erkranken möglichst früh zu verhindern bzw. zu erkennen.
Wie wird Prostatakrebs behandelt?
Die Behandlung von Prostatakrebs richtet sich nach Tumorstadium, Ausbreitung und Gesundheitszustand des Patienten. Im frühen Stadium kommt häufig eine Operation (z. B. radikale Prostatektomie) oder Strahlentherapie zum Einsatz. Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs werden ergänzend eine Hormon- oder Chemotherapie durchgeführt. Auch eine aktive Überwachung ist möglich, wenn der Tumor langsam wächst und keine Symptome verursacht. Moderne Therapie bei Prostatakrebs zielt darauf ab, Lebensqualität und Heilungschancen zu optimieren.
Wie sind die Heilungschancen und die Lebenserwartung bei Prostatakrebs?
Die Heilungschancen bei Prostatakrebs in einem frühen Stadium sind sehr gut. Wird der Tumor frühzeitig entdeckt und operativ entfernt, überleben mehr als 80 Prozent der Betroffenen länger als zehn Jahre. Selbst bei fortgeschrittenem Prostatakrebs kann die Erkrankung durch eine kombinierte Therapie und Nachsorge des Prostatakarzinoms oft jahrelang unter Kontrolle gehalten werden. Die Lebenserwartung bei Prostatakrebs hängt vor allem vom Tumorstadium und vom Ansprechen auf die Behandlung ab.
Wann sollte man bei Verdacht auf Prostatakrebs zum Arzt gehen?
Wer Probleme beim Wasserlassen, Blut im Urin oder Schmerzen im Beckenbereich bemerkt, sollte umgehend eine urologische Praxis aufsuchen. Der Urologe kann den Verdacht auf Prostatakrebs durch gezielte Untersuchungen abklären und bei Bedarf eine geeignete Behandlung des Prostatakarzinoms einleiten. Frühe Diagnose und zeitgerechte Therapie verbessern nachweislich die Heilungschancen.
Quellen
- Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms: www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLk_S3_Prostatakarzinom_2019-06.pdf
















