Immuntherapie - Informationen und Spezialisten

Krebszellen haben vielfach Wege gefunden, sich vor dem menschlichen Immunsystem zu verbergen, um so ungestört wachsen zu können. In der Immuntherapie wird durch spezielle Antikörper versucht, diesen Fluchtmechanismus der Krebszellen zu umgehen und sie wieder für das Immunsystem sichtbar und angreifbar zu machen. Die derzeit bekannteste Immuntherapie ist die sogenannte Checkpoint-Inhibition mit spezialisierten Antikörpern, welche bereits bei einer Vielzahl von Tumorerkrankungen erfolgreich eingesetzt werden. In spezialisierten onkologischen Zentren und Praxen können Patienten hierzu Informationen und Therapiemöglichkeiten finden.

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Immuntherapie - Weitere Informationen

Einsatzgebiete der Immuntherapie

Sowohl beim Lungenkrebs als auch beim Schwarzen Hautkrebs (Melanom) sind die Checkpoint-Inhibitoren schon seit Längerem im Einsatz. Seit einigen Jahren gibt es diese Therapieform zudem beim Nierenzellkarzinom sowie ganz aktuell seit April 2022 auch beim Blasenkrebs in der adjuvanten Therapie.

Zusätzlich werden z. B. bei Blutkrebs (Leukämie) erfolgreich sogenannte CAR-T-Zellen eingesetzt, welche bestimmte Oberflächenmerkmale von bösartigen (malignen) Blutzellen erkennen und diese angreifen können.

Was ist eigentlich eine Immuntherapie?

Die Immuntherapie, die medizinisch auch als Immunonkologie bezeichnet wird, ist im Wesentlichen eine Methode, um das körpereigene Immunsystem ganz spezifisch zur Bekämpfung eines Tumors anzuregen. Das Immunsystem wird dadurch befähigt, Krebszellen (wieder) zu finden und anzugreifen.

Die Bandbreite der in der Immuntherapie einsetzbaren „Medikamente“ ist groß. So gibt es neben den eingangs genannten Checkpoint-Inhibitoren und CAR-T-Zellen ebenfalls tumorinfizierende Viren, Zytokine sowie die in der klinischen Erprobung befindlichen Impfstoffe gegen Krebs. Allen gemeinsam ist, dass mit ihrer Hilfe das körpereigene Immunsystem wieder befähigt werden soll, Krebszellen zu erkennen und erfolgreich anzugreifen.

Wie funktioniert eine Immuntherapie?

Normalerweise erkennt und bekämpft unser Immunsystem tagtäglich entstehende Krebszellen effektiv und verhindert, dass wir erkranken. In einigen Fällen verändern sich Tumorzellen jedoch so weit, dass sie zum einen bestimmte Oberflächenmerkmale „verstecken“ und die Immunzellen sie daher nicht mehr finden können. Zum anderen jedoch bilden Krebszellen auch ganz aktiv Abwehrmoleküle aus, die einer Immunzelle vermitteln, dass sie ungefährlich seien und deshalb kein Bedarf für eine Abwehr bestehe. Die Krebszellen schalten die Immunabwehr damit ganz bewusst aus. Auf diese Weise werden die Tumoren für das Immunsystem unsichtbar und können unbehelligt wachsen.

Mithilfe der Immuntherapie werden diese sogenannten Escape-(Flucht-)Mechanismen der Krebszellen deaktiviert oder umgangen, sodass das Immunsystem wieder in der Lage ist, diese Zellen als fremd zu erkennen und sie zu eliminieren. Ein wenig erinnert das Prinzip dabei an einen Steckbrief, den die Immunzellen erhalten, um die Krebszellen besser erkennen zu können.

Welche Immuntherapien sind heute bereits verfügbar?

Zytokine sind eine der bekanntesten Immuntherapien in der Onkologie. Dabei handelt es sich um kleine hormonähnliche Moleküle, die zwischen den Immunzellen ausgetauscht werden, um Informationen zu übermitteln oder die Zellen in deren Aktivität zu steuern. Durch den Zusatz bestimmter Zytokine lässt sich die Immunantwort z. B. auf Krebszellen verstärken.   

Checkpoint-Inhibitoren sind Antikörper, welche ganz bestimmte Kommunikationssignale zwischen einer Krebszelle und einer Immunzelle hemmen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Signale, welche es der Krebszelle ermöglichen, Immunzellen zu deaktivieren und sich so der Immunantwort zu entziehen. Am bekanntesten sind hier das PD-1/PD-L1-System sowie CTLA-4 als Oberflächenmoleküle. Antikörper, die z. B. als PD-1-Inhibitoren wirken, blockieren die Hemmung der Immunzellen durch einen Tumor, sodass die Immunzellen aktiv bleiben und die Krebszellen angreifen können.

Checkpoint-Inhibitoren sind aktuell bei folgenden Krebserkrankungen zugelassen:

Es ist jedoch wichtig, zu beachten, dass einige Zulassungen an einen sogenannten PD-1-positiven Status der Patienten gebunden sind. Das bedeutet, die Betroffenen müssen bestimmte Oberflächenmoleküle auf den Tumorzellen zeigen, um positiv auf eine Checkpoint-Inhibition anzusprechen und mittels Immuntherapie behandelt werden zu können. Darüber hinaus wird die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren patientenindividuell und in Abhängigkeit möglicher Vortherapien eingesetzt.

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden beispielsweise einem Leukämiepatienten T-Zellen entnommen und außerhalb des Körpers gentechnisch verändert. Die Zellen erhalten dabei einen künstlichen T-Zellrezeptor, der es ihnen ermöglicht, an ganz bestimmte Tumorzellen des Patienten zu binden und so eine Immunreaktion auszulösen. Und genau das tun die modifizierten CAR-T-Zellen dann auch, wenn der Patient sie als „Medikament“ zurückerhalten hat.

Impfen gegen Krebs – Alles nur Zukunftsmusik?

Ein Forschungsfeld innerhalb der Onkologie, welches derzeit sehr aktiv bearbeitet wird, ist die Krebs-Impfung. Mit dieser soll das Immunsystem auf bestimmte Tumorzellen programmiert werden, sodass das körpereigene Immunsystem diese Zellen erkennen und abtöten kann. Das funktioniert im Prinzip ganz ähnlich wie eine Grippeimpfung, bei der der Körper spezifische Antikörper gegen Oberflächenproteine des Virus aufbaut, die ihm helfen, eine Infektion zu verhindern oder besser zu kontrollieren. Im Fall eines Tumors binden Antikörper an spezielle Oberflächenmoleküle des Tumors und locken ähnlich einem Leuchtfeuer weitere Immunzellen an, die daraufhin die Krebszellen zerstören.

Dass sich mit einem solchen Impfansatz Krebs sogar verhindern lassen kann, beweist die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV), welche aktuell von der STIKO für Jungen und Mädchen im Alter zwischen 9 und 17 Jahren sogar empfohlen wird. Die HPV-Impfung verhindert Infektionen mit tumorauslösenden HP-Viren, welche unter anderem verantwortlich sind für Gebärmutterhals-, Penis- und Analkrebs sowie für Mund-Hals-Tumoren.

Gibt es Nebenwirkungen der Immuntherapien?

Immuntherapien nehmen bereits ihrem Namen nach Einfluss auf das menschliche Immunsystem. Dabei sind Auswirkungen auf eine Vielzahl weiterer Immunantworten nicht auszuschließen. Die Immunantwort wird aktiviert, wichtige Kontrollmechanismen sind vorübergehend außer Kraft gesetzt, sodass sich als Überreaktion dann auch Wirkungen am gesunden Gewebe zeigen können.

Typisch sind grippeähnliche Symptome mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit oder Müdigkeit. Es kann aber ebenso zu Ödembildungen (Wasseransammlungen im Gewebe), zu Durchfall oder zu einer erhöhten Infektanfälligkeit kommen. Ganz selten treten zudem allergische oder entzündungsvermittelte schwere Nebenwirkungen auf, die vereinzelt schon zu Todesfällen geführt haben. 

Wie erfolgversprechend sind Immuntherapien?

Die Immunonkologie ist ein sehr spannendes Therapiefeld, welches den einen oder anderen Patienten eine zusätzliche Behandlungsoption eröffnet. Allerdings ist auch die Immuntherapie kein Allheilmittel bei Krebs. Ihre Wirksamkeit hängt sehr stark von der individuellen Verfassung der Betroffenen, vom jeweiligen Tumor und auch von den möglicherweise bereits durchlebten Vortherapien ab.

Insgesamt betrachtet, verursachen Immuntherapien zudem weniger starke Nebenwirkungen als konventionelle Krebstherapien, wie beispielsweise die Bestrahlung (Radiatio) oder eine Chemotherapie. Auch sind die Immuntherapien in der Regel der Fälle spezifischer am Krebs wirksam als Chemotherapien, denn letztere beeinflussen immer auch gesunde Zellen und Gewebe.

Wo werden Immuntherapien angeboten?

Immuntherapien, wie z. B. die Checkpoint-Inhibition oder CAR-T-Zellen, werden an spezialisierten onkologischen Zentren sowie Universitätskliniken heute routinemäßig eingesetzt. In der Niederlassung können spezialisierte Fachärzte die Therapien überwachen und die Patientenbetreuung ambulant übernehmen. 

Aufgrund der großen Bandbreite onkologischer Erkrankungen sind verschiedenste Fachdisziplinen in deren Therapie und Nachbetreuung involviert. Dazu gehören u. a. die Neurologie, die Hämatologie, die Urologie, die Gynäkologie, die Pulmologie sowie Psychoonkologie, Palliativmedizin, Radiologie und Chirurgie

Quellen

gesundheitsforschung-bmbf.de/de/immuntherapie-kann-das-immunsystem-krebs-bekampfen-7033.php
journalonko.de/thema/lesen/immuntherapie
krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/immunonkologie-mit-dem-immunsys.html
krebshilfe.de/immuntherapie-bei-krebs/
krebsinformationsdienst.de/behandlung/immuntherapie/index.php
nct-heidelberg.de/fuer-patienten/behandlung/immuntherapie.html
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